Dorfgeflüster aus Nordthailand

Dick fand im April eine neue hilfreiche Hand. Sie verwaltet den Schönheitssalon, färbt Haare in sämtlichen Nuancen des Regenbogens, wäscht, putzt und hilft bei der Gartenarbeit. Sie fischte etwa hundert Kilogramm Rosenäpfel, Chomphu, aus dem grossen Teich. Sie kocht für Mowgli und sich selbst. Mowgli mag Farang Salate. Essig findet er exotisch.
Mowgli sagte seiner Köchin, er würde als Vorspeise einen Salat, Reste von uns, essen. Die Dame nickte. Kommentarlos ging sie zum Kühlschrank, nahm das bunte Gemisch aus Salatblättern, Tomaten, Oliven samt einer hausgemachten Kräuter-Sauce. Sie stellte die Schale mit dem unbekannten Futter in das noch weniger bekannte Mikrowellengerät. Das mikrogewellte Gemüse war selbst für Mowgli ungeniessbar.

Der Leiter der Reparaturarbeiten am Gästehaus konnte messen. Berechnen wie viele Meter Stahl er benötigte, konnte er nicht. Darum kaufte er mehr als genug. Als die Reparatur beendet war, blieben einige Kilogramm Eisen am Tatort zurück. Dick rief einen Lumpensammler, verkaufte Altpapier, leere Flaschen und das Alteisen. In anderen Gärten im Dorf liegt rostender Zierrat jahrelang herum.

Bei einer Nachbarin wurde gebaut. Oxidierende Stahlteile bringen Leben und Farbe ins triste Dasein einer einfachen Mauer. Zusätzlich blockiert ein Sandhaufen die enge Strasse seit Wochen. Diese Familie benötigt vier Parkplätze rund ums Haus. Söhnchen fragte ernsthaft, ob er unseren Baum verstümmeln dürfe, um Platz für seinen aufgemotzten Boliden zu schaffen. Ich will weder den Lärm, noch den Gestank, denn das Fahrzeug bewegt sich nur in heissem Zustand. Besonders in späten Nachtstunden ist es ein Vergnügen, mit dem Gehör seinem virtuosen Spiel, wie einst Niccolò Paganini, mit dem Gaspedal zu folgen. Den Sandhaufen vor dem eigenen Haus wollte er nicht entfernen.
Seine Mutter, Krankenpflegerin und erfolg-reiche Bordellmitarbeiterin, Betonung auf reich, funktionierte den Fahrzeugunterstand am Haus in ein Hundeparadies um. Anfänglich waren es vier unbeaufsichtigte Köter, sie erhöhte auf neun. Gegenwärtig tummeln sich vierundzwanzig Tierlein auf ungefähr zwanzig Quadratmetern. Ohne jegliche Porno- oder Sexfilme zur Inspiration, vermehren sie sich die Hunde fortwährend. Eventuell plant sie, die Pflegerin, eine Wurstfabrik. Wenn das Gebell und das Geheul sogar für die Besitzerin unausstehlich werden, mischt sie als erfahrene Klinikmitarbeiterin Schlafmittel ins Futter.

Brot und Fisch

Bevor wir auf den Strassen nach Norden rollen, brachte uns die Fischerin vom Bodensee, selbstverständlich von der Andamanensee, einen besonderen Leckerbissen, einen selbstgefangenen Barrakuda.
Sie erlebt schwierige Zeiten. Ihr Gemahl ist schwer krank. Er liegt offenbar im Sterben. Ihrem jungen Sohn wurde von einem durch Buddha mit überschüssiger Kraft gesegneten Schlägertypen ein Oberarm gebrochen. Nach anstrengender Meditation entging es dem verehrten Erleuchteten, dass er mehrmals beim Behälter Kraft/Muskeln zugriff, leider aber die Komponenten Hirn/Verstand komplett vergass.
Nun mangelt es der Frau und Mutter an genügend Geld und Personal zur Versorgung beider Patienten. Deshalb fischt die Frau frühmorgens zusammen mit der neunjährigen Tochter eigenhändig. Danach besorgt sie Hauslieferungen.

Die Barrakudas, auch Pfeilhechte genannt, sind Raubfische aus der Gruppe der Carangaria, der Familie der Barschverwandten. Je nach Art werden sie von zwanzig Zentimetern bis zu zwei Metern lang. Barrakudas stehen am Ende der Nahrungskette. Deshalb kann sich in älteren Tieren das giftige Ciguatoxin anreichern. In der Karibik traten sehr selten beim Verzehr von Barrakudafleisch Vergiftungen auf. Der Fisch war sicher nicht gefährlicher, als die bevorstehende Reise nach Chiang Mai.
Unser Fischlein war ungefähr siebzig Zentimeter lang. Dick teilte den ehemals aggressiven Schwimmer in vier pfannengerechte Stücke. Es war einer der besten Fische, die ich je verspeiste. Dazu genossen wir frisches Brot aus unserer Hausbäckerei. Eine Flasche Chardonnay rundete die einfache, dennoch grossartige Mahlzeit ab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Barrakudas

Paarungsversuche, – wenn das schnelle Geld lockt

Längere Zeit berichtete ich nichts über Goon. Das Knäblein ist jetzt sechs Jahre alt und sorgt allerorts für Aufsehen. Er wurde tonangebender Lego Experte und gewann in Chiang Mai viele Wettbewerbe. Er besiegte selbstverständlich zahlreiche ältere Teilnehmer.

Der Kleine musste zum Zahnarzt. Der Arzt hatte einen jungen Hund in der Praxis. Goon vergnügte sich während des Wartens wiederholt mit dem Welpen. Der Doktor freute sich, wie die beiden zusammen spielten. Nach der dritten, endgültigen Sitzung schenkte der Zahnarzt Goon den teuren Rassehund, weil der noch drei weitere Geschwister zu Hause hatte.
Goon schaute gut zum neuen Gefährten und brachte das kaum drei Monate alte Tier bei uns im Garten unter.

Im Dorf gibt es eine neue, besonders geldgierige, rein bahtistisch orientierte Familie: Mutter, Vater, elfjährige Tochter und ein Köter, eventuell mit Stammbaum. Er bepisst jedenfalls sämtliche Stämme, Bäume und Zäune.
Eines heissen Abends erschienen Mutter und Tochter bei Goons Mutter und verlangten Geld. Scheine, verziert mit Bildern des verehrten Monarchen, Baht.
„Wofür?“ fragte Goons Mutter.
„Goons minderwertiges Tier paarte sich mit unserem kostbaren Rassenhund“, behaupteten die Weiber laut keifend. „Das kostet!“
Goons Hündchen ist noch nicht aufgeklärt, lernte aber einige Tricks. Bei nicht angemeldeten Eindringlingen zerreisst es ohne langes Bellen Kleidungsstücke. Nur fliegen kann der treue Wächter nicht. Deshalb konnte das Tier das Grundstück nie verlassen. Ausgang gibt es nur in Begleitung seines Meisters. Darum wurde die freche Forderung abgewiesen. Die unbefriedigten Weiber wollten nun ihre finanziellen Ansprüche der angeblich stinkreichen Grossmutter in Satun übermitteln.

Wenige Tage später standen die zwei Weiber an der Tür zum Schönheitssalon. Mowgli, das Hirn war wie üblich ausgeschaltet, liess die zwei Frauen eintreten, ohne sich nach dem Grund des geschätzten Besuches zu erkundigen. Die beiden Damen kamen schnell zur Sache.
„Wir wollen Geld. Goons Hund fiel meine Tochter an und verletzte sie“, klagte die bescheuerte Alte.
Unterdessen fand die unverletzte, mit einem Prügel bewaffnete Tochter, das Hündchen. Sie schlug wuchtig mit dem Stock auf das kleine Tier ein. Der Hund jaulte und winselte vor Schmerz. Goon sah, wie sein Hündchen unbarmherzig misshandelt wurde.
„Unmöglich“, sagte Goon. „Mein Hund kann ohne mich den Garten nicht verlassen. Das muss ein anderer Köter gewesen sein.“
Ungerührt griff das Mädchen wieder zu ihrem Prügel und wollte erneut zuschlagen. Goon trainiert seit längerer Zeit Tae-Kwon-Do. (1) Mit einem gezielten Fussstoss nach einer rasanten Drehung, fällte der Kleine die fünf Jahre ältere, hirnlose Bohnenstange. Mowgli wurde aus seinen Tagträumen gerissen und bemerkte nur: „Goon ist noch schneller als Bruce Lee und Jackie Chan zusammen“. (2)
Die Welpenprüglerin verletzte sich beim Sturz am Kinn. Jetzt schrie sie erst recht erfolglos nach Geld. Das Duo besuchte dramatisch blutend den Dorfvorsteher. Sie wollten den bösartigen Buben verklagen. Er verursachte eine lebensgefährliche Wunde, denn im Hals sitzen ja die Schläuche für Blut, Luft, Nahrungsmittel und Stimme.
Der Mann kannte den kleinen Goon und glaubte die Geschichte nicht. Im Spital wurde die Verletzung unter dem Kinn mit vier Stichen genäht. Wir warten auf die nächsten Forderungen. 
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Taekwondo
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_Lee

Vom Dürrluft Eisi, von südlichen Winden, Ventilatoren, Viagra, Brot und Turbo-Broilern

Ein Stück Heimat pfiff mir wenigstens in einigen finsteren Nächten um die Ohren. Es heulte und krachte wie in windigen Gotthelf-Szenen mir Dürrluft Eisi. Das Schlafzimmer-Fenster war nur im Millimeter Bereich geöffnet. Trotzdem standen die Vorhänge waagrecht, als wären sie mit Viagra gewaschen worden. Der deutliche Unterschied zur Schweiz war, der Wind war nicht eisig-kalt, sondern es wehte und blies ein warm-trockener Sturm während Tagen aus Nordosten.

Ein Problem wurde gelöst. Unser Brot war noch immer geniessbar, aber eindeutig weniger gut. Der sichtbare Mangel war, der Teig ging nicht mehr so üppig und rasch auf, wie anfänglich.
Der Fehler lag im Messsystem. Anfänglich mass ich die Flüssigkeiten ebenfalls mit der Waage. Dick erstand einen in Asien gefertigten und geeichten Messbecher und benutzte diesen. Die paar Prozent Fehler der Ablesegenauigkeit machten sich im Teig und in der Qualität bemerkbar.

Das chinesische Frühlingsfest, Mondneujahr, war angesagt. In Satun werden Feste kaum gefeiert wie im Norden. An Loi Krathong erleuchten in den Nachtstunden Kerzen nur selten die Gewässer. Umzüge und Paraden erlebte ich bisher keine. Auch Songkran wird, ausser einer bemerkenswerten Häufung der Verkehrsunfälle und dem gelegentlichen Genuss hochprozentiger Destillate, kaum zelebriert.
Aber am Neujahrsfest der Chinesen geben sich sogar Thais spendefreudig und verteilen Geschenke.
Möbel- und Elektrogeräte-Verkäufer verteilen nicht nur Ramsch an ihre Kundschaft. So erhält Dick jeweilen Einladungen, doch bitte einen Kühlschrank, einen Turbo Broiler, einen Ventilator oder ein anderes Apparätchen abzuholen.
Der Möbel-Spezialist, welcher uns den mit Schimmel befallenen Nachttisch lieferte, wollte Dick ein Sofa im Wert von 8‘500 Baht schenken. Da im kleinen Haus bereits ein Sofa steht, verzichtete Dick auf das echte Kunstleder. Wir erhielten statt dessen einen Werkzeugschrank, der bereits auf meiner Einkaufsliste vorgemerkt war.
Was ist denn ein Turbo Broiler? Das ist ein ultra-modernes Kochgerät, das in der Küche, weil selten benutzt, unnötig viel Platz beansprucht. Die Wärmequelle befindet sich, wie in der Natur, oben. Das erlaubt naturnahes Kochen. Die Hitze wird durch ein Gebläse ins Gargut gewirbelt. Ob das Gegarte nachher nur gut oder gar besser ist, weiss ich nicht.

Ebenfalls auf dem Dorf-Markt war die Spendefreudigkeit so bemerkenswert, dass zusätzliche Lebensmittel verdarben. Unser Hühnerlieferant von eigenen, freilebenden Qualitäts-Tieren, wollte Dick mit einem riesigen Flugapparat beschenken. Für unseren Kleinsthaushalt genügte die Hälfte. Wir zehrten vier Tage lang delikates Huhn, erst aus dem Backofen, später als Salat. Es lagen zusätzlich noch Meeresfrüchte im Kühl-Schrank. Heute wurden wieder vier Tierlein gratis an die Haustüre geliefert. krabbler
In Chiang Mai könnten wir dank Mowglis leistungsfähigem Verdauungsapparat Lebensmittel weit besser verwerten.

Fangschreckenkrebse

Meine bescheidene Einführung in eine wenig bekannte Tierart, wenn auch zahlreiche Touristen die Delikatesse bereits unbewusst verspiesen. Das Fleisch ist äusserst preisgünstig und mit Beigaben von genügend Chili und anderen exotischen Gewürzen nicht unbedingt auffällig.
Ich erwachte um vier Uhr in der Morgendämmerung und dachte, ich liege in einem Jauchefass. Unglaublich, der Gestank, aber ich beschmutzte die Bettwäsche nicht. Deshalb schlief ich narkotisiert gleich wieder ein.
Eine Stunde später erwachte ich wieder. Der Gestank irritierte mich. Ich dachte, es sei ein besonders übler Mundgeruch, wie im Fernsehen zu Werbezwecken propagiert, ich müsse unbedingt etwas trinken wie Meister Proper, Bier, Essig, Wasser oder Wein.
Ohne Atemschutzgerät bewegte ich mich im Rollstuhl in die Küche. Die ganze Wohnung stank erbärmlich. Vielleicht war ich bereits tot. Der eigene Leichengeruch war unerträglich! Ich suchte etwas Flüssigkeit. Dabei fand ich die Ursache des Gestanks: Unsern Abfallkorb. Vorsichtig schob ich den Behälter durch die Wohnräume zur Veranda. Dort stellte ich den Anti-Weihrauch ins Freie.

Dick besuchte den Dorf-Markt. Die üblicherweise zuverlässige Frischfisch-Lieferantin verkaufte Dick Baby-Hummer, Kinder-Lobster, wie sie es nannte. Dick, von übler Blindheit geschlagen, bemerkte den Unterschied, keine Zangen, nicht und kaufte hocherfreut die für sie unbekannten Tiere.
Ich sah mir die Seeungeheuer an. Ich kannte diese Viecher, denn ich verzehrte sie. Im Ferry-Terminal in Kuah beschmutzte ich durch ihre ausbrechende Gewalt beinahe mein Beinkleid.
Nur der Name fiel mir nicht sogleich ein. In Langkawi, auf der Speisekarte hiess die Delikatesse Mantis Prawn, Stromatopoda.
Den Namen verdanken sie mit ihren Fangwerkzeugen jenen von Gottesanbeterinnen. Es gibt ungefähr vierhundert Arten. Sie leben räuberisch in der Bodenzone tropischer Meere. Weibchen sind sexuell aggressiv und erzwingen oft Kopulationen mit Männchen! Unerhört, wir leben nicht in Chiang Mai, sondern im Süden, wo Allah alle Sünden begrenzt oder begrenzen sollte.

Fangschreckenkrebse gibt es ebenfalls im Mittelmeer. Ihre auf Stielen sitzenden Facetten-Augen sind unabhängig voneinander beweglich. Wegen des relativ kleinen Gesichtsfelds halten die Krebse ihre Augen dauernd in Bewegung. Sie unterscheiden bis zu zwölf Farbkanäle, teilweise im UV-Bereich. Sie differenzieren unterschiedlich polarisiertes Licht, auch zirkular polarisiertes. Die meisten Menschen wissen nicht einmal, was das ist.
In der italienischen Küche werden sie als Canocchie oder Cicali di mare bezeichnet. Bei den Chinesen sind die Tiere sehr beliebt. Sie sind als „Pisskrebse“ bekannt, weil sie beim Kochvorgang oft urinieren. Vielleicht hätten sie ebenfalls eine schwache Harnblase, sofern sie nur zwischen kochendem Öl oder siedendem Wasser auswählen könnten.

Das Fernseh-Programm war hochinteressant. Dick vergass leider den Kehrichtsack mit den Häuten der Krebse in der Küche. In der täglichen Seifenoper vergiftete sich eine hochkarätige, teure juwelentragende Familie beim Genuss von Malacostrata.

Fortsetzung folgt, denn Herr Dr. Ignaz Philipp Semmelweis, war es gar Karl Heinrich Julius Hackethal, entwickelte ein rettendes Serum, das er bei seinem Rettungs-Einsatz, zufälligerweise in seinen Kitteltaschen trug.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Fangschreckenkrebse
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Semmelweis
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Hackethal

Dummheit – nicht Schicksal

Unsere Bananen-Blüten werden möglicherweise nicht befruchtet. Das bedeutet nicht, dass es keine Früchte gibt. Aber sie werden keine Kerne enthalten. Das rasselt dann bedeutend weniger während der Sitzungen im Badezimmer und erhöht die Absturzgefahr beim Einschlafen!
Was geschah denn?
Wir konnten den Wildbienen nicht genügend Blüten anbieten. Folglich zogen sie weiter und liessen sich in der Nähe eines anderen Hauses nieder. Die Bewohner dort studierten keine Bücher wie die “Encyclopedia Britannica“ oder die „Biene Maja“. Die bilden sich nur mit dem täglichen Einverleiben von Seifenopern des thailändischen Fernsehens mit dem Motto “mehr Schminke als Verstand“ weiter. Deshalb vernichteten sie die Honigerzeuger kaltherzig. Eigentlich wollte ich schreiben: Kalten Arsches. Das konnte leider ich nicht, denn ich las bereits in Jugendjahren Waldemar Bonsels, 1880–1952, Biene Maja.

https://de.wikipedia.org/wiki/Biene_Maja

Hektische Hühner- und Hunde-Halter im Advent

Als junger Mensch dachte ich, wenn Hennen Eier legen und ausbrüten, sei das gelebte Brutalität. Das Internet dagegen sagt: Brutalität ist eine Einstellung oder ein Verhalten, das von Rücksichtslosigkeit, Grausamkeit und Gewalttätigkeit geprägt ist. Abscheuliche Brutalität lernte ich bei den ach so sanften und scheuen Buddhisten wie nie zuvor kennen. Diebstahl, Ehebruch, Korruption, Lüge, Mord und übelste Verleumdung gehörten bereits im Dorf des Nordens zur praktizierten täglichen Vollkommenheit.
Diese lieben Lebewesen lagen offenbar immer gerade dann mit Grippe, Malaria oder Dengue-Fieber darnieder, wenn in friedlich wirkenden Tempeln von scheinheiligen Gelbröcken über die Lehre Buddhas, menschliche Sanftmut und verborgene Tugenden gesprochen wurde.

Während sich Menschen im Abendland in der Adventszeit bei Kerzenlicht und sanfter Musik auf Weihnachten einstimmen, verspüren wir in der südlichen Wärme bei oft regnerischem Wetter – mit dem eintönigen Chanten der Mönche und den Gebetsrufen der Muezzin – keinen Hauch von Feststimmung. Tief in meinem Magen regt sich ein religiöses Bedürfnis nach duftendem Gebäck, Dresdener Stollen und Nürnberger Lebkuchen. Stimmung gibt es trotzdem, wenn auch mit anderen Vorzeichen. Im Umkreis von wenigen hundert Metern übertrafen sich die Ereignisse:

Ein Hund drang in ein bewohntes Grundstück ein und biss elf Hennen tot, ohne eine einzige zu verspeisen.
Der geschockte Hühnerhalter erkundigte sich nach dem Hundebesitzer. Da der Hund offenbar niemandem gehörte, ergriff er seine Flinte und erschoss das Tier. Der empörte, wütende Hundebesitzer nahm darauf seinen Schiessprügel. Er sandte den Hühnerhalter diskussionslos ins Nibbana.
Die Polizei nahm den Mörder nicht fest, mit der Begründung, Hunde hätten ein Anrecht auf Leben! Da könnten wohl einige Scheinchen den Besitzer gewechselt haben. Über den Munitionsverschleiss weiss ich, wie über sämtliche Nummern und Zahlen in Thailand, nichts Genaueres.
Frohe Weihnachten! Sie geniessen wohl eher Gans oder Truthahn, als Hörnli mit Apfelmus und Hackfleisch.