Hühnerhaut und Schäfer-Hund

Als ich in Thailand Häuser baute und renovierte, liess ich auch einen Grill, wie ich ihn in Bern hatte, fertigen. Ich legte Wert auf seitliche Befeuerung. Die Kohlen glühten in Körben, damit kein Fett in die Glut tropft und ungesundes Benzoapyren entsteht. Elektro-Motoren für den Drehspiess brachte ich aus der Schweiz mit.
Schweinelenden und Halsstücke gelangen hervorragend. Hühner blieben trotz heftiger Bemühungen bloss Gummiadler. Es war kein Vergleich mit Tieren vom Bauern in der Schweiz. Preislich waren die Poulets in Thailand günstig. Aber der Hochgenuss beim Verzehr fehlte mir. Einheimische reklamierten nie.

Wir fanden später eine Geflügelfarm auf dem Lande. Die Tiere haben Auslauf und fressen nicht bloss Trockenfutter aus Fischmehl. Geschlachtet wird nach sechs Monaten oder später. Die Hühner sind wesentlich teurer, als Angebote in Grossmärkten. Die Eier kosten drei Mal mehr, als industrielle Produkte mit Fischgeschmack und Antibiotika.

Weil die Familie die Schäfer-Hündin vorwiegend mit Hühnern und Hühnerknochen fütterte, stellte ich Ermittlungen über die Billig-Fleischproduktion an.
Die beinahe fleischlosen Dschungelkreuzungen aus dem Dorf, die sich dauernd mit Motorfahrzeugen duellierten und unter die Räder gerieten, schmeckten besser als die günstigen Angebote von Carrefour und Tesco. Manchmal waren die Kadaver so flach, man hätte sie als Briefmarken verwenden können.

Hühnerproduktionsanlagen erzeugen 25‘000 bis 30‘000 Tiere pro Halle. Vom Ei bis zum schlachtreifen Huhn dauert es, je nach Produzent, 30 bis maximal 45 Tage. Die Vögel wachsen so schnell, dass sich kein tragfähiges Knochenskelett entwickeln kann. Das Federkleid ist entsprechend mangelhaft. 25‘000 Hühner vegetieren auf 2‘700 Quadratmetern! Diese Kreaturen leben nicht unbedingt glücklich.
Der Netto Profit für den Erzeuger beträgt angeblich ein Baht pro Tier. Die Europäer können sich glücklich schätzen ohne Fernflüge, preisgünstiges Thai Fleisch nicht nur im Bett, sondern ebenso aus der Pfanne zu geniessen, denn 41 Prozent der Produktion wird exportiert.

Ein Sohn von Dick fütterte MiMi mit gegrilltem Geflügel. Anfänglich gab es bei uns für das Hündchen Huhn mit Nudeln, weil das Fleisch gratis ins Haus gebracht wurde. Ich ertrug dessen Gestank nicht. Seit die Hündin Schweinefleisch mit Knochen verspeist, beisst sie nicht mehr in das Grillgut. Anfänglich hatte sie Mühe, von den weichen Hühnerknochen auf die gröberen Knochen zu wechseln. Nun verzichtet sie meist freiwillig auf das Trockenfutter. Trotzdem hat sie Fleisch am Knochen. Mit acht Monaten wiegt sie 30 Kilogramm – sofern die Waage der Tierärztin zuverlässig ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Benzo(a)pyren
https://www.theguardian.com/global-development/2016/aug/01/thai-chicken-farm-workers-slept-on-the-floor-next-to-28000-birds

Psychoterror und physische Störungen wie Phobien

Unser Dorfobmann litt wahrscheinlich, als er zusehen musste, wie ein Grossteil der Bevölkerung in wenigen Stunden bescheidenen Hausrat durch eine mutwillig ausgelöste Überschwemmung verlor. Erstmalig halfen Soldaten beim Aufräumen. Die Gemeinde besass eine Art Versicherungskasse für Betroffene. Maximal wurden zweitausend Baht ohne grosse Abklärungen ausbezahlt. Wieviel Matratze oder qualitativ hochwertige Schränke können sie für 2‘000 Baht kaufen?
Im Schönheitssalon zerstörte die schlammige Brühe erstmals einen Kühlschrank, zwei Schränke, eine neue Matratze und ein Regal. Ein Nachbar, begeisterter Kunde von Index, verlor seinen ganzen, gut repräsentierenden billigst Krempel, für den er 50‘000 Baht hingelegt hatte.

Der ältere, übersensible Obmann, erhält täglich Anrufe übler Tagediebe, die vor weiteren Flutwellen warnen. Ohne die Anrufe zurück zu verfolgen, greift der Mann zum Mikrofon und warnt seine Gemeinde ohne weitere Überprüfungen. Die hirnlosen Weiber rennen dann planlos gackernd durch das Dorf, glauben und verbreiten den Unsinn.
Für mich ist das krimineller Psychoterror. Darunter versteht man andauernde und sich wiederholende zielgerichtete Angriffe, Provokationen, Belästigungen und Nötigungen zum Zweck der Verunsicherung oder Schädigung der seelischen und geistigen Gesundheit der Opfer. Bei den Betroffenen entwickeln sich Neurosen oder Psychosen, sofern sie nicht bereits Schizo-Vreni heissen. Diese Leiden werden ortsüblich mit Crystal Meth, Meth, Ice und Lao Khao bekämpft.

Dicks Angestellte im Salon hat Besuch. Zwei ihrer vier Grosskinder, vier und sechs Jahre alt, erlebten die Flut. Als der Pegel einen halben Meter erreichte, nahmen wir die Gäste auf. Dick trug das zerbrechlich kleine Mädchen auf dem Rücken Wie ein Äffchen klammerten sich die knapp acht Kilogramm ängstlich an Dick fest. Der ältere Knabe greinte und wollte unbedingt zurück zur Mutter.
Die Grossmutter brachte eine riesige Tüte mit, vornehmlich gefüllt mit industriell gefertigten Süssigkeiten. Das Mädchen lutschte an einer Babyflasche mit Schnuller einen gesüssten Tee.
Ich warnte die Frau vor allfälligen Zahnschäden durch die dauernde Zuckerzufuhr. Sie begriff gar nichts. Als die Kleine den Mund öffnete, fiel ich vor Schrecken beinahe aus den Rollstuhl. Alles schwarz im trauernden Thailand – Zahnfäule in Reinkultur. Einige Zähnchen fehlten.

Kinderspielzeug im herkömmlichen Sinn gab es nicht. Puppen und Autos, Papier und Farbstifte fehlten. Die Kleinen fingerten dauernd an einem dudelnden Smartphone herum.
Grossmutter kocht kaum. Die Putzerei ermüdet sie. Dann gibt es Klebreis und Qualitätsei mit delikatem Fischgeschmack von CP, dreissig Stück für neunundsiebzig Baht. Reiskochen kann sie nicht. MiMi, die Hündin, weigerte sich, ihren Reis zu fressen

Nach der letzten unglaublichen Flut-Warnung gestern, wollte sie die Kinder raschmöglichst zurück zur Mutter senden. Aber die Leute stehen selbst im Hochwasser, fahren unmöglich. Zentral-Thailand ist überflutet. Das Mädchen möchte bei uns bleiben. Es hat Angst vor ihrem neuen Papa. Aha.

https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoterror
https://de.wikipedia.org/wiki/Angstst%C3%B6rung

Kein Vertrauen in Schleusenwärter

Eines der wenigen Diplome, die mich mit Stolz erfüllten, erhielt ich von der Firma Carl Zeiss in Oberkochen. Die Herren von Hühnerbein, Koch und Spletzer übergaben mir 1967 eine Urkunde und ernannten mich damit zum Zeiss’schen Elektronenmikroskop-Schleusenwärter. Diese delikate Schleuse ermöglichte den Probenwechsel im Vakuum, ohne das Gerät zu belüften. Vertrauen sie dem beinahe Experten als Verfasser dieses Berichts.BA4ATG2 Anmerkung: Das Deutsche Zertifikat wurde vom Schweizerischen Amt für Berufsbildung nie anerkannt.

Im Norden von Chiang Mai gibt es einige Stauseen. Sie speichern Brauchwasser für die Trockenzeit. Jeder Betreiber versucht krampfhaft, möglichst viel Wasser in die Zeit der Dürre zu retten. Oft konsultierte Wahrsager sind nicht Schleusenwärter. Sie können keine Empfehlungen für ein sinnvolles Wassermanagement erteilen. Beim Verkauf garantiert nicht gewinnbringender Lottonummern, beschränkt sich der Sachschaden in berechenbare Dimensionen, nicht wie lausige Voraussagen für diese Flutwellen-Akrobaten.
Sekunden bevor die Dammkronen brechen, werden die Schleusen so stark geöffnet, dass ganze Landstriche überflutet werden. Dass man während Tagen und Wochen gut überwacht, berechenbar, geehrte Herren Wasserregulatoren – die Grössenordnungen sind Kubikmeter pro Sekunde – kleinere Mengen Wasser abfliessen lassen könnte, lernten diese Stümper nie. Ihre Grössenordnungen liegen in den Bereichen von Milli-Litern pro Stunde für Lao Khao. Ihre Behausungen stehen sicher an den Hängen. Schäden, ausser an den Lebern, haben sie keine zu befürchten.

Am zwölften Oktober war es nach einigen trockenen Jahren wieder soweit. Der einzige Wissenschaftler weit und breit, wurde wahrscheinlich in den Ruhestand versetzt. Die Armee übernahm das Kommando über Speicher und Wasser.
Morgens um vier gab es eine fast unverständliche Lautsprechermeldung: „Die Schleusen wurden geöffnet. Wasserschäden sind nicht auszuschliessen“. Aus Erfahrung wusste ich, es dauert ungefähr zwei Stunden, bis die Fluten unser Dorf erreichen. Um viertel vor sechs Uhr verwandelte sich die Strasse in einen rauschenden Fluss. Dann stieg das Wasser bis um neun Uhr kontinuierlich bis einen Meter über Teichpegel.
Diese Flut war gewaltiger, als alles Vorherige. Sogar die Matratzen im Schönheitssalon litten. Oktober und November sind die Wandermonate der Schlangenkopffische. Dort unter dem Kühlschrank, versteckte sich ein kleines Kerlchen. Ab elf Uhr bemerkte ich, der Wasserpegel ging zurück. Als man um die Mittagszeit mit der Schlammbekämpfung hätte beginnen können, stellten unsere Energielieferanten den Strom ab. Einige Geistesschwache in umliegenden Dörfern, wurden aus Unkenntnis – Elektrizität und Wasser – getötet. Andere setzten sich in ihre Fahrzeuge mit der Idee, mit möglichst hoher Geschwindigkeit, den Fluten zu trotzen. Ihre motorisierten Blechscherze verwandelten sich in schwimmende Särge.
Meine Folgerung: Schlecht ausgebildete Schleusenwärter heben den Intelligenzquotienten!

Es war einmal: Geschichten aus Hinterindien

Zu Beginn schrieb ich im Tip Forum wirklich launige Geschichten. Dann erweiterte ich den Horizont, liess die Geschichten weg und gab mir zusätzliche Freiräume. Sie wurden mir teilweise wieder weggenommen. Ich schränke mich freiwillig ein beim Schreiben, denn es gab und gibt, heikle, sogar heisse Themen in den Gastländern. Die Vielfalt der Ereignisse übertrafen Luftfeuchtigkeit und feuchte Träume.
Die dominierende Militärregierung erschwert und kontrolliert digitalisierte Informationen als Wort oder Bild. Einige Blogger gaben auf. (1) Ich könnte ebenfalls aufgeben. Nur eines kann ich nicht – wie all die Andern – weglaufen.
So sitze ich da und zähle die Tage. Wirklich, denn alle neunzig Tage melde ich mich mit einem in Blockschrift ausgefüllten Formular bei der zuständigen Behörde. Das ist nicht immer einfach. Wenn ein Feiertag auf ein Wochenende trifft, muss der Tag am Montag von den Angestellten kompensiert werden. Die Amtsstellen und Banken bleiben zusätzlich geschlossen. Wenn dann die Farang verspätet, unrasiert, möglichst mit Bierfahne, in billigen roten Klamotten erscheinen, gegenwärtig ist schwarz angesagt, sind sie der Willkür überforderter Beamter ausgeliefert. Vielleicht hatte deren Gattin ihre Tage, die Mia Noi wurde von Migräne geplagt, der uniformierte Angestellte rutschte auf dem Weg zur Arbeit auf einem Kothäufchen aus und beschmutzte seine frisch gebügelte Kleidung, dann setzt es garantiert eine Busse ab.

Vor etwa vierzig Jahren betrat ein Kerl in einem bunten Hemd, er schleppte eine Gitarre, meinen heimischen helvetischen Bildschirm. Er sang keine Lieder. Er spuckte Wörter. Sein Name: Peach Weber. Seine neuesten Weisheiten gelten auch für mich:
„Auf die Frage, wie es mir geht, sage ich immer: Im Rahmen der natürlichen Verwesung gut. Ich kann zufrieden sein, alles tut nur so weh, dass man es aushalten kann, so nach dem Motto: «Was einem noch wehtut, ist noch nicht tot.»“ (2)

Zusätzlich bin ich auf den Hund gekommen. Das Tierlein hat seine Vorteile. Der Garten ist Katzen-Kot-Frei! Eine Mieze trug einen Verband am Schwanz. Eine weitere aus Kleptomanewitschs Bestand ist tot. Seine Hühner in unserem Garten endeten in der Hundeschnauze. Hündchen liebt wie ich Pasta. Die Dame jagt zusätzlich Ratten und tötet Schlangen.
Sie steht gerne auf die Hinterbeine. Der Kopf ist dann annähernd auf einem Meter fünfzig. Sie kopierte, wie Dick den Rollstuhl schiebt. Als ich langsam die Rampe am Haus hinunter reifelte, legte sie ihre vorderen Pfoten auf die Rückenlehne und schubste freudig zusätzlich. Mit Mühe bremste ich mein Vehikel mit Hundeantrieb unfallfrei. Leider verschlief die Kamerafrau die spektakuläre Rollstuhlfahrt mit dem geeigneten Werkzeug in der Hand.

(1) https://wordpress.com/read/feeds/363776/posts/1571792313
(2) https://www.blick.ch/people-tv/schweiz/peach-weber-zieht-vor-dem-eintritt-ins-rentenalter-bilanz-die-leute-merken-dass-ich-ein-schlaues-kerlchen-bin-id7430499.html

Gerede, Vermutungen, wo liegt die Wahrheit

Aus meinem eingeschränkt bescheidenen Blickwinkel beschreibe ich wieder einmal schonungslos ein Mosaiksteinchen familiärer Lebensqualität in Nordthailand.

Alleinstehende Thai-Mütter finden nur selten Thai-Partner. Die Machos bevorzugen jungfräuliches Fleisch. Privilegierte der Regel schwelgen in unermesslichem Reichtum. Sie bieten schnelle italienische Flitzer, Lao Khao schottischen Ursprungs, Mia Noi und garantiertes Faulenzerleben mit Taschengeld. Da das seltene Ausnahmeerscheinungen sind, haben Farang und Moslems eine gewisse Chance, eine hübsche Gefährtin mit Anhang – ohne Gewähr vor allfälligen Verlusten – zu finden.

In Gegenden, wo Minarette und Moscheen wie Pilze gedeihen und von Lautsprechern Gebetsrufe vernehmbar sind, sehen wir nur wenige Hunde. Ist es die Geräuschkulisse, welche die Kläffer verscheucht? Nein, Hunde gelten als unrein. Sie sind nicht willkommen in dieser religiösen Gemeinschaft. Wahrscheinlich sind wir deshalb zur Hundehaltung degradiert worden.
Goons mehr oder weniger ausgesetztes Tier, war zum Tode verurteilt, wenn es Dick auf meine Empfehlung nicht aufgenommen hätte. Wir kennen die Durchtriebenheit von Dicks Tochter. Sie verkaufte skrupellos einen ihrer Söhne. Die einfachsten Regeln Buddhas kannte sie nie. Sie log, stahl und trieb sich mit uniformierten Strolchen herum. Noch vor wenigen Wochen begeisterte sie als blonde Tussi im durchscheinenden luftigen Kleidchen mein Auge. Ein Flittchen, eine Flöte, auf dem Präsentierteller. Ich kannte diese Frau nicht.
Im Mai versuchte sie, von Dicks Angestellter fünfzigtausend Baht zu erpressen. Vor wenigen Wochen veröffentlichte sie auf Facebook wenig schmeichelhafte Bemerkungen über ihre Mutter. Dicks Söhne ärgerten sich über die Frechheiten und Lügen. Eine herzlich warme Tochter-Mutter-Beziehung bemerkte ich nie. Die gratis Mietwohnung in Dicks Haus benötigte nach dem Rausschmiss Reparaturen für fast hunderttausend Baht.

Gegenwärtig ist sie ehrbare Lebensgefährtin mit Kopftuch und tiefschwarzem Ganzkörperkondom, denn ihr neuester Partner verehrt Allah. Es gibt keine Hunde, Schweinereien und Unreinheiten im Haus!
Goon sorgt für ein sauberes Badezimmer. Als Ausgleich darf er zum Freitagsgebet.
Bei uns isst er, nach dem Herumtollen mit seinem Hündchen, Pilzsauce mit Schweinsfilet und Nudeln. Von Onkel Google lernte der Kleine, bis zum Alter von fünfzehn Jahren dürfe er Schweinefleisch essen. Folglich fühle ich mich nicht als Verführer, nur als Verlierer.

Dick hatte ein ernsthaftes Gespräch mit dem ausserordentlich netten Herrn. Er scheint durchaus ehrbare Absichten zu haben. Er investierte beachtliche Summen in seine Zukunft. Er besorgte ein Geschäftslokal für seine neue Frau. Er kaufte für sie ein neues Motorrad und einen neuen Wagen, nachdem sie ihr Fahrzeug während Jahren ohne jegliche Wartung zu Schrott gefahren hatte. Service, Reifenwechsel und ähnlichen Luxus gab es nur nach Pannen. Genau dieses Spiel war das Strickmuster für ihre sämtliche Lebensbelange wie Arbeit, Beziehungen zu Partnern, zu ihrer Mutter oder zu mir.
Goon könnte nur profitieren, wenn seine Mutter mit einem zuverlässigen Gefährten endlich ihre Ruhe findet. Wir zweifeln beide, ob diese Frau nach jahrelangen, ruhelosen Eskapaden ihre Chance erkennt und wahrnimmt. Materielle Güter behagten ihr. Ratschläge lehnte sie immer kategorisch ab.

Eine treue Wächterin als nächtliche Kundin

In der Schule lasen wir von K. Tucholsky: „Der Hund ist ein von Flöhen bewohnter Organismus, der bellt (Leibniz)“. (1)
Mittlerweile weiss ich weit mehr von Hunden. In Hinterindien gibt es Scheisshunde und Sauhunde. Die Scheisshunde erledigen ihr grosses Geschäft ausnahmslos mitten auf der Strasse. Sauhunde dagegen verschmutzen absichtlich Klinken und Briefkästen.
Diese minderwertige Sorte gab es ebenfalls in Bern. Mit Freunden betrieben wir ein Ladenlokal an der einstigen Metzgergasse. Penisgesteuerte Kreaturen mit schnapsverseuchten Hirnwindungen pinkelten durch den Schlitz des Briefkastens in den Raum – unechtes, ekliges Geschäftsgebaren. Die Stadtregierung wertete durch Namensänderung in Rathausgasse die Mietpreise auf. Die Fäkalien selbst, beziehungsweise deren Gestank, veränderten sich nicht.

Daneben gibt es echte Zuchthunde – wie Chihuahua. (2)
Goon ist stolzer Besitzer solch eines edlen Tieres. Seine Mutter zog vom Dorf weg, in die Stadt. Kläfferchen fehlte die Natur, der Auslauf. Gedankenlose Unmenschen banden den Hund, wie ein Fahrrad, gelegentlich an zwei unbewohnten Häusern im Dorf fest. Das Tierlein weinte echte Tränen, als Dick es allein und verlassen im Versteck fand. Nachbarn versuchten bereits vor Monaten, den jungen Hund mit Giftspritzen ins Nibbana zu befördern. Wahrscheinlich biss das intelligente Tier, während der Injektion, den Missetäter in den Arm oder (besser) in den Arsch. Der junge Hund, eine Dame, überlebte mit ärztlicher Hilfe die Mordversuche.
Ein angehender Imam, gegenwärtiger Liebhaber von Dicks Tochter, erzog Goon erfolgreich – kein Schweinefleisch zu essen. Er versuchte vergeblich, trotz Halal Ernährung, dem unislamischen Kläffer würdige Rufe wie: „Allahu akbar“ beizubringen. Der original mexikanische Chihuahua antwortete nur: „Popocatepetl, Bell, Bell, bell“. (3)

Die stille Hündin bewacht uns fleissig. Sie vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Tagsüber begrüsst sie ruhig und zurückhaltend die Kundinnen am Salon. Während der Nacht liegt sie in der Nähe unserer Haustür und verteidigt ihr Territorium gegen sämtliche Eindringlinge.
Sie lag auf der Veranda und äugte eine unwillkommene Mieze. Ein kühner Sprung über Mäuerchen, die Besuchern als willkommene Sitzgelegenheiten dienen. Stühle und Stuhlgang besitzen bekanntlich alle. Kühle Backsteine in angenehmer Höhe sind eher selten.
Die Chihuahua-Dame landete nicht im Miezenbereich, sondern nahm ein erfrischendes Bad im Teich, den sie nicht sehen konnte. Mowgli rettete das Schosshündchen. Es gab eine nächtliche Sitzung im Salon mit Haarwäsche und Trocknen. Die aufmerksame Lady, sie kannte den Betrieb im Laden bestens,(üblicherweise Zutritt verboten) holte sich selbst ein Handtuch und legte sich darauf!

(1) http://www.textlog.de/tucholsky-traktat-scherz.html
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Chihuahua_(Hunderasse)
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Popocat%C3%A9petl

Die Abbildung vom Mai 2017 zeigt Goon mit Mi an der Treppe neben der Veranda.
Hündchen und Knabe legten seit dem einige Kilogramm zu.

Alkohol trinkende Ameisen attackieren Cocktails

Während Jahrzehnten verdünnte ich Süssgetränke zur Hälfte mit Sprudelwasser. Dann gab ich einen Schuss Wachholder, Rum, oder Whiskey dazu, um allfällige Ameisen zu verscheuchen. Spätestens nach drei Minuten, hätten die flinken Tierchen sonst mein Cogaaa-cola als Schwimmbad benutzt. Schon alte Schlager priesen Rum und Cogaaa-cola, Cuba Libre, als bekömmliches Mixgetränk an. Es war also nicht meine Erfindung.
Glücklicherweise sind die durstigen Ameisen sehr klein. Sie saufen in dreissig Minuten keine Flasche Schnaps. Sie sind schlecht zu entdecken, weil sie kürzer als einen Millimeter sind. Zusätzlich sind sie aussergewöhnlich schnell. In einer Sekunde bewältigen sie bis zu zehn Zentimetern. Zudem sind sie Fuzzy-Logik gesteuert. Fuzzylogik ist eine Theorie, welche vor ungefähr fünfzig Jahren, in der Mustererkennung zur präzisen Erfassung des Unpräzisen entwickelt wurde. Diese klugen Tierchen laufen nicht direkt von A nach B. Wie Hasen schlagen sie haken und entgehen so lebensbedrohenden Fingerkuppen. Die zurückgelegte Strecke ist folglich A-C-D-B!
In Thailand gibt es zur Ausbildung in praktischer Anwendung der Fuzzy Theorie ausreichend alkoholisierte Automobilisten. Sie fahren selten gerade aus, sondern schlagen Zickzackkurse ein. Zusätzlich variieren sie ihre Fahrgeschwindigkeit dauernd. Solche Kenntnisse helfen ihnen später, die kleinen Ameisen mit flinken Fingerkuppen erfolgreich auszumerzen.

Vor etwa drei Jahren entdeckte ich in Satun Ameisen, die Hong Thong Flaschen zwecks naschen bestiegen. Im Dorf verkauften die Läden keinen Sang Som oder andere Schnäpse. Hong Thong hat nur fünfunddreissig Prozent Alkohol und ist stark süss. Preislich ist Hong Thong günstiger.
Vor einigen Wochen enterten Ameisen in Chiang Mai erstmalig unseren Kokoswasser-Cocktail mit Barbados Rum. Experten dürfen sich streiten: Ist es das Kokoswasser – oder der Rum?

Dick klagte ihr Leid einer Nachbarin. Die Frau erzählte Dick, auch sie wurde beim Essen dauernd von Ameisen gestört. Abhilfe brachte angeblich eine Latex-Unterlage auf dem Tischblatt. Sie überreichte Dick einen entsprechenden Gummi-Schutz. Sie verwendet Latex-Matten ebenfalls erfolgreich im Bett. Lange benutzte ich im Bett die Tütenform, ohne zu wissen, dass ich damit lästige Ameisen abwehre.

Der erste Abend verlief erfolgversprechend. Einen Tag darauf waren die kleinen Säufer durstiger als je zuvor. Die Hälfte des Cocktails wimmelte innerhalb weniger Minuten derart von Ameisen, dass Dick ihn wegschüttete.
Es gibt Lösungen: keine Longdrink-Gläser, sondern kleine Sherry-Gläser, zusätzlich die Mixtur im Kühlschrank lagern. Ein jeglicher Verzicht auf seichte Unterhaltung fördert das schnelle Schlucken.

Einen kleinen Trost gibt es. An der Bar kann ich mir die kleinen Drinks ohne Attacken weiterhin problemlos mischen – spätestens, bis die gemeinen Viecher den Weg vom Tisch zur Bar erschlossen haben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cuba_Libre