Prohibition im Wilden Westen

Ich habe Probleme mit dem Gehör. Dazu fielen mir neulich Geschichten ein, die sich vor über 50 Jahren ereigneten.
Nicht nur in Thailand ist der Verkauf von alkoholischen Getränken zeitlich beschränkt. Es war ein heißer August Nachmittag, als ich im Hilton Hotel in Tulsa, Oklahoma, ankam. Es war so warm, dass ich mich als erstes an die Bar begab und ein Bier bestellte. Die Dame mit einem hohen blonden Haar-Turm auf dem Kopf, sagte mir, ich solle ins Zimmer gehen.
Trotzig erwiderte ich:
„Ich will nicht ins Zimmer. Ich möchte gerne ein kühles Bier.“
Erneut schickte sie mich ins Zimmer. Nach einer Weile klopfte es an der Tür. Es war die Frau mit dem Haarturm mit einem Bier in der Hand.
Sie kam ins Zimmer und erzählte:
„Ich darf ihnen kein Bier ausschenken. Wir haben Prohibition, Alkohol Verkaufs Restriktion. Wenn sie Bier möchten, müssten sie Mitglied im Club (der Alkohol-vernichter) sein.“
Damit ich die Kurve ins Bett besser schaffte, musste ich den Fernseher etwas verschieben. Einen Moment später stand ein Wachmann vor der Tür. Als er mich sah, grinste er. Die Leute dachten im Hotel, ich sei ein Gast, der den Fernseher, Typ NTSC (Never twice same Color), klauen wollte.

Ich erzählte die Angelegenheiten meinem amerikanischen Begleiter während des Aufenthaltes in Oklahoma. Er klärte mich mit unglaublichen Geschichten auf, wie Leute, Moonshiner, in der Gegend schwarz brennen. In Höhlen und sogar in großen Bussen auf dem Superhighway. Sie versuchten mit tausend Tricks das Gesetz zu umgehen. Die Gegner waren mit Wärmebildkameras ausgerüstet, um die Brennereien zu lokalisieren.
Es gab keine Bars, wo Keeper Bier- und Whisky-Gläser wie Curling-Steine meterweit über Theken schoben. Bluegrass, das heißt die Country-Music, wurde in fast geheimen, schwer zugänglichen Speakeasy gespielt.
Menschen, die ins ins Speakeasy gingen, trugen alle eine gerollte Zeitung unter dem Arm. In die Nachrichten eingewickelt waren Schnapsflaschen. Man brachte die Getränke selbst mit. Eingeschenkt wurden sie von einer Lady mit Haar-Turm-Frisur. Sie kassierte einen Dollar (damals 4.00 Fr.) pro Glas.
Die Einheimischen fuhren riesige Straßenkreuzer, Gas-Guzzler, in welchen der Rollstuhl nicht im Kofferraum Platz fand, weil diese Orte mit Schnapsflaschen gefüllt waren.
Zum Abendessen gab es üblicherweise eine mit Fleisch gefüllte Weißkohlrolle, danach ein riesiges Steak mit Idaho Kartoffel. Mit dem Fleisch hätten wir in der Schweiz ein Fondue bourguignonne für die ganze Familie zubereitet.
Zum Trinken gab es ein Wasserglas mit Bourbon. Mittags gingen wir gelegentlich in einen Mexikanerladen. Dort hieß es: Du kannst alles Essen, was du magst, für nur einen Dollar 99. Alle diese Köstlichkeiten enthielten keine Kalorien.
Wie im Märchen oder in einem schlechten Film fühlte ich mich, als der Ku-Klux-Klan seine Jahresversammlung mit brennenden Kreuzen in Tulsa abhielt.
Das Gebiet gehört zum Bible Belt. Der überaus aktive evangelikale Protestantismus ist integraler Bestandteil dieser Südstaaten-Kultur. Mädchen wurden mit vierzehn Jahren verheiratet, aus Angst, es könnte ein Baby ohne Vater entstehen. Diese Menschen versuchten, als Missionare ihren Lebensstil in Südostasien zu verbreiten.

Bei längeren Aufenthalten in Tulsa entschied ich mich, einige Wochenenden im französisch geprägten New Orleans zu verbringen. Sobald der Flieger die Staats-Grenzen überflog, wurden sofort sogenannte Eyeopener, Cocktails, serviert.
In New Orleans gab es unbeschränkt Cocktails, Hurricanes, maximal zwei, bei Pat O’Brien’s. Gute Weine und französisch beeinflusstes Essen wurden angeboten.
Besondere Akzente setzten die Jazz Konzerte in der Preservation Hall. Dort wirkte ein älterer Trompeter. Er litt wahrscheinlich unter einem defekten Trommelfell. Wenn er blies, entwich die Luft durch sein Ohr. Er drückte einen Finger auf sein Ohr und trompetete. Während dem rutschte seine Hose nach unten. Einhändig kämpfte er, zwischen Synkopen, gegen Ohr und Hose. Es war ein unvergessliches Ereignis. George Lewis und Louis Armstrong lassen grüßen. Meine neue Favoritin ist Erika Lewis von Tuba Skinny. Sie singt ähnlich wie Bessie Smith.
Am 14. Mai fand ich einen Film aus dem Jahre 1949. Er ist absolut sehenswert. Der Titel: „Tulsa“. Er bebildert die einstige Erdöl-Metropole der Welt.
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Das Bild zeigt die Oral Roberts University in Tulsa 1971. Der offensive Reverend Roberts machte Millionen mit Verkäufen von Jesus Christus. Ich bedaure, dass ich das Bild mit meinen behinderten Fingern nicht verbessern konnte.

Angewandte Leichenschändung

Religiöse Funktionäre spenden nicht nur Segen, sondern auch Samen. In Bern gibt (gab?) es eine Firma. Sie verkaufte Samen in Tüten mit der Aufschrift: „Hundert Jahre Vatter und immer noch Samen!“ Derartige Spenden meinte ich nicht.
In den Rubriken Unfälle und Verbrechen der Zeitungen finden wir leider immer wieder Artikel, welche über Missbrauch  der Zöglinge  in Heimen und Pflegeheimen
 durch Angestellte berichten. Beinahe unglaublich ist es, dass sogar Greise, hilflose Kranke und lebende, teilweise bereits erkaltete Leichname unglaubliche Erfahrungen machen müssen.

Im Land des gequälten Lächelns ist es möglich, dass durch (buddhistische) Zauber-Mönche Leichen-Teile von Kindern zu teuren Amuletten verarbeitet werden. Je jünger das verstorbene Kind, desto wirksamer das Amulett. Diese Leichenfledderei ist in ganz Hinterindien verbreitet. Der Abt des Dorf-Tempels wurde wegen solcher Vergehen eingesperrt.  Bei Einsätzen im Süden des Landes  mussten die Truppen  als Schutz zusätzlich Amulette tragen.

Meine Arme, Hände und Finger sind unkontrollierbar und mehr als weniger gelähmt. Normale Temperatur- Empfindungen habe ich kaum mehr. Die Finger sind zeitweise fast gefühllos. Dafür bin ich auf Berührungen überempfindlich. Kleider, Seide und Tücher empfinde ich wie grobes Schmirgelpapier. Frottiertücher fühlen sich wie Marter-Werkzeuge an.
Dank sportlichen Tätigkeiten wie Rollstuhlfahren, Rudern, zusätzlich amerikanischem Hormon-Futter im mittleren Westen, entwickelten sich relativ große Brüste.
Mehrere Thaifrauen waren erfreut und sagten fast neidisch: „Du hast ja mehr als ich“.  Bei Zweifeln meinerseits bewiesen sie die Tatsachen  öfters gleich optisch anschaulich.

Eine verlustierte sich und zwickte mich fast schmerzhaft in die Brustwarzen. Danach gab sie ihre Nippel zwecks betasten frei. Das wäre eine gute Finger-Übung in der Physiotherapie gewesen. Leider musste ich dort Kunststoff-Klammern drücken und kleine Plastikkegel versetzen. Weil ich links nichts spürte, konnte ich auch nichts quetschen.
Flugs erfand die listig Lüsterne eine therapeutische Übung. Sie nahm meine Hand, legte sie aufs Bett und presste ihre Brust in meine Handfläche, dass ich schrie.
Ich wäre ein Heuchler, wenn ich nicht erklären würde, dass mir solche Spiele vor 2 bis 3 Jahren noch Spaß gemacht haben.

6 Dorf Schicksale in Thailand

Zumindest aus dem Fernsehen kennt ihr diese schwimmenden Konservendosen, mit 4’000 Passagieren und 2’000 Angestellten als Besatzung, die fröhlich finanziell vereint, gemeinsam unsere Weltmeere belasten.
Eine der ehemaligen Dorfschönheiten in PhonPhat wäre gerne Miss Thailand oder Flugbegleiterin geworden. Aber sie futterte hemmungslos drauflos, schoss nicht in die Höhe, sondern eher in die Breite.
Dank ihrem Übergewicht fand sie keine Fluggesellschaft, welche sie angestellt hätte. Auf einem Kreuzfahrtschiff dagegen spielen ein paar zusätzliche Pfunde keine große Rolle. Standfestigkeit war eher gefragt. Sie fand eine Anstellung auf einem dieser Riesen-Pötte.
Was tut man in der Freizeit,wenn man kein Musik-Instrument beherrscht und nicht jodeln kann? Ein Besatzungsmitglied aus Indonesien stand vor dem selben Problem. Zum Masturbieren war er zu faul, denn er hatte bereits einen schmerzenden Tennisellbogen. Deshalb geigten die beiden zusammen den fruchtbaren Reigen. Sie trieben es auf einem Schiff, das auf dem Meer trieb, angetrieben durch riesige Schweröl-Motoren.

Im Sommer wurden wir zu einer Hochzeit nach Bali eingeladen. Genauso, wie im Schlager die rote Flotte vor Capri* versinkt, wurde Bali zur Müllablage. Ich brauchte keine Ausreden, ich war ja im Spital. Zur Förderung der indonesischen-thailändischen Freundschaften konnte ich nichts beitragen.

Die werdende Großmutter verlangte von ihrer hoffnungstraechtigen Tochter eine Geburt mit Kaiserschnitt, denn sie wollte nicht zu jeder Tageszeit aufstehen und in ein Spital eilen.
Wenige Wochen nach der Heirat lieferte der Frauenarzt in Chiang Mai der tonangebenden Familie einen gesunden Knaben ab.
Der Vater, bereits wieder auf hoher See, sandte dem Schwiegervater einige bitter benötigte Baht aufs Konto.
Bereits drei Monate nach der Geburt, war die junge, herzlose Mutter auf dem Weg nach Neuseeland, auf der Suche nach einer neuen Stelle. An Kreuzfahrtschiffen war sie nicht mehr interessiert.
Der Säugling blieb in Obhut der Großeltern. Sie hatten nichts besseres zu tun, als mit dem Kleinkind im Automobil in das 700 Kilometer entfernte Bangkok, an eine Beerdigung zu reisen.
In KrungThep angekommen, bemerkten sie, dass ihnen 30 Kilogramm Lebendgewicht fehlte. Sie riefen Dick an und befahlen, sie solle ihren Hund füttern und mit ihm Gassi gehen.
Diese Vollpfosten wissen genau, dass ich gegenwärtig mehr Aufmerksamkeit brauche, als als ihr vergessener Köter. Dick lehnte ihr Ersuchen relativ unfreundlich ab.

Es ist nicht ganz auszuschließen, dass die möchtegern Flugbegleiterin in einigen Monaten einen Halbbruder oder eine Halbschwester aus Neuseeland nach Thailand zurückbringt. Vorausblickende Eltern geben ihren Kindern ABB Pillen** oder Lümmeltüten mit auf Reisen.

Ich kenne diese Frau, seit sie mit 6 Jahren auf dem Moped das Dorf unsicher machte. Als hoffnungslosen Fall abgestempelt habe ich sie, als sie mich vor wenigen Jahren besuchte und 180.000 Baht wollte, um Australien zu erkunden.
Als KiNiao blieb ich auf meiner Kohle sitzen. Ihre Eltern verkauften darauf ein Häuschen. Anfänglich versuchte sie, ihre Schulden zu bezahlen. Schlussendlich trugen die Eltern den Schuldenberg allein. Mussten sie diesmal wieder ein Haus verkaufen?

* Capri Fischer, Rudi Schuricke (1943)
**ABB Pillen: Im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat waren das Wunsch-
Kindpillen.
Bild: Aare-Faehre bei Muri, Bern – Schweiz

Selbst schlechte Träume haben Preise

Die schlimmsten Ereignisse trafen schneller als erwartet ein. Am 18. Oktober riss mich ein Angestellter des Spitals derart brutal über die Matratze, dass er mich erneut am, durch Windeln und Verbände geschützten, Hintern verletzte. Ein ungeheurer Schmerz durchflutete mich. Meine spastischen Beine zuckten vielleicht zehn Mal in die Höhe. Am Tag danach sah die Chirurgin beim Pflasterwechsel die Bescherung. Sie nahm an, ich sei zu lange im Rollstuhl gesessen.
Wütend sagte ich, dass ich das Spital schnellstmöglich verlassen möchte. Drittklassige Pflege mit Schäden sind zu Hause preisgünstiger möglich. Noch vor einer Woche hätte ich das Dorf im Mitsubishi sitzend erreichen können. Nach dem Vorfall benötigte ich eine Ambulanz.
Der Abreise Termin war am Montag um 16 Uhr.Dazu wurde ich auf eine schlecht gepolsterte, fahrbare Bahre geschnallt. Dick schützte meine Füße zusätzlich mit Tüchern. Im Inneren des Fahrzeuges befanden sich medizinische Geräte wie Defibrilator, Blutdruck-Messgeräte und dergleichen. Der Fahrer startete das mangelhaft gefederte Fahrzeug. Ich wurde über den Schlaglöchern geschüttelt wie kein Cocktail von James Bond. Dazu raste der Gelegenheits-Pilot wie an einem klimaneutralen Grand Prix. Er verfehlte natürlich das angeschriebene Dorf Phon Phat und wendete erst am Sportplatz.
Zum Entladen des Fahrzeugs legte Dick Hand an. Sie entdeckte, dass die schützenden Tücher um die Füße fehlten. Dafür wies die grosse Zehe links einen neuen Klack auf. Die schlimmste Feststellung erfolgte beim Verbandwechsel. Der Schaden am Hintern wurde durch die unfähige Besatzung des Lieferwagens zusätzlich vergrößert. Ich hätte diese Sendung nicht angenommen, sondern als Muster ohne Wert, franko zurückgesandt.
Aber welch ein Luxus erwartete mich! Die Geräuschkulisse war
messbar um zwanzig Dezibel geringer als im Krankenhaus. Das Bett war grösser und weicher. Die flüsterleise Klimaanlage, ohne grau-schwarzen Pilzbefall, blies nicht in Orkanstärke. Behutsam wie selten, wurde ich aus dem Rollstuhl ins Bett gehoben.

Die Hebe-Mannschaft wechselte in 3 Tagen dreimal. Einmal versuchte Dick die Herren auszutricksen. Mit der Hilfe eine zarten Dame, sollte ich in den Rollstuhl gesetzt werden. Als Dick mein Gewicht praktisch alleine in den Armen trug, sank sie schreiend aufs Bett zurück. Ich vermutete, der Schmerz sei durch den Ischiasnerv ausgelöst worden und befahl, die sinnlose Übung abzubrechen.
Am Nachmittag durfte Dick zur Immigration, um die 90 Tage Erlaubnis für mich zu erlangen. Dort konnte sie nicht mehr aufstehen. Sie ließ sich zum Chiang Mai RAM Hospital fahren. Die Herren Ärzte sahen auf den Röntgenbildern, dass ein Lendenwirbel angerissen war. Ich war verzweifelt, weil Dick einem Dasein im Rollstuhl ausgeliefert sein könnte. Sie hatte einen guten Arzt. Er gab ihr Medikamente und eine Spritze, die sie wieder gehen liess.
Ein erleichterter Atheist dankte sämtlichen Göttern, Jesus Christus, Re, Buddha, Allah, Vishnu, Manitou, Zeus und wie sie alle heißen mögen.

Natureinflüsse in allen Lebenslagen, Fortsetzung

Nach drei Nächten im Hotel, ohne Traumfrühstück – warmes Spiegelei mit einem kleinen Stück Schinken, die an sich attraktiven Spiegeleier wurden im Kühlschrank gelagert – fand Dick kurz vor Mittag dank Garmin den direkten Weg zum Spital.
Sogar mit Navigationshilfen findet man das Ziel nur zufällig, sofern man sich nicht an die Anweisungen hält. Seit einigen Monaten und zwei Freundinnen in Satun hört die Frau weder auf Garmin, noch auf mich. Deshalb besuchten wir eines Morgens in Chumphon unter anderem unfreiwillig das bunte Gewimmel eines Markts. Die beschäftigten Marktweiber und Lastenschlepper unterschieden sich eindeutig vom Spitalpersonal.

Die zwei Chirurgen und sechs Pflegerinnen begutachteten die Wunde, wechselten den Verband und entliessen uns mit den besten Wünschen auf die Reise nach Prachuap Kiri Khan. Bevor wir Bang Saphan erreichten, hielt ich es nicht mehr im Wagen aus. Ich schlug vor, einen Halt für einen feinen Imbiss zu machen. Bang Saphan hat eines der bekannteren Krankenhäuser Thailands. Nicht wegen der qualifizierten Ärzte und Pflegerinnen, sondern weil es letztes Jahr in den Fluten brutal absoff.
Die Stadt selbst liegt nicht am Strand. Als ich später ein, zwei grössere Hotels sah, schrie ich als Mr. Garmin: „Stop!“ Die Fahrerin hörte nicht. Später stellte sie das Fahrzeug in der Nähe einer stinkenden, ungepflegten Fischküche ab. An Stelle eines süffigen trockenen Weissweins gab es ein Singah. Das Bier passte vielleicht zu Dicks Tintenfischen mit Chili, aber nur schlecht in meinen schmerzenden Körper. Meine Gemüse-, sprich Kohl-suppe war mit Unmengen Hackfleisch angereichert, enthielt Knorr Bouillon und reichlich Glutamat, wie mir eine Stunde später endlose Rülpser verrieten. Luxusgemüse wie Karotten, Kartoffeln oder Tomaten fanden meine Augen nicht.

Wir reisten in unser Hotel und besuchten darauf den nahen Strand. Als neue Attraktion am Stadtrand gab es dort einen sehenswerten Markt. Einigen Stücklein Durian konnte Dick nicht widerstehen, während ich weiter Kohlsuppe wiederkaute. Dick hatte Lust auf eine Massage am Markt. Ich wollte zurück ins Zimmer, weil dort ein Fläschchen Chardonnay ohne Eichenaroma wartete – zur klassischen Kohlsuppenaromabekämpfung.
Dick wurde nach langem Warten im Zimmer massiert. Im Restaurant versuchte ich währenddessen ein Clubsandwich samt Zubehör zu entsorgen. Ein unmögliches Werk ohne die emsigen Beisserchen von Frau Hungermagen.
Wir versuchten vergeblich einen Tag länger zu bleiben. Die Suite war leider bereits gebucht. Die letzte Etappe im Schlauch der Halbinsel nach Nakhon Pathom wartete.

Natureinflüsse in allen Lebenslagen

Gute Ausreden sind Lebenselixiere. Mir fehlten die Flaschen. Das ist kein Witz in einem Ort, wo es übers Jahr bloss zwei knapp trinkbare Weine im Angebot hat.
Anstatt meine Thailandberichte zu vervollkommnen, widmete ich mich während Wochen buchhalterischen Aufgaben. Seit zwei Jahren sandte ich keine Rechnungen an die Versicherung. Die Arbeit wurde erschwert durch meine unkontrollierten Hände. Was die Rechte mühsam sauber gestaltete, wurde durch die Linke blitzschnell gründlich zerstört. Ich war kaum fertig, versendet waren die Dokumente noch nicht, brachen wir gemächlich in den Norden auf.
Seit Jahren störte mich eine blutende Wunde im Schulterbereich. Bei Reisen verschwendeten wir meterweise Heftpflaster, damit mein Blut die Bettlaken nicht verschmutzte. Deshalb entschied ich, in Chumphon in einem neueren, wohl organisierten Krankenhaus den Schaden beurteilen und eventuell behandeln zu lassen.
In Satun empfiehlt es sich, vor einem Spitalbesuch beim Schreinermeister einen Sarg abzuholen.
Wir kamen um 09 15 im Krankenhaus an und warteten auf den Chirurgen. Er war mit einem Notfall beschäftigt. Ein Thai schluckte einen Fischknochen, anstelle des zarten
Fleisches. Solche Abenteuer – eher Morgenbillig, sind in zwanzig Baht Lokalitäten im Menu inbegriffen.
Der Knochensammler kehrte in sein Sprechzimmer zurück. Ihn interessierte, ob genügend Haut zum Schliessen der Wunde vorhanden sei. Er zupfte an der Rücken-Haut. „Will sich der Hobbylandwirt eine Melkmaschine zulegen?“ fragte ich mich.
Viertel nach Zwölf beglich ich die Rechnung. Ein Beutel mit Frischfleisch war nach Bangkok unterwegs. Wir fuhren zum Hotel zurück. Auf einen Ausflug verzichtete ich. An der Bar schlürfte ich als frisch Operierter zwecks rascher Genesung Long Island Ice Tea:
• 2 cl Wodka.
• 2 cl Gin.
• 2 cl Rum, braun.
• 2 cl Tequila.
• 2 cl Orangenlikör, Triple Sec Curaçao.
• 3 cl Limettensaft, frisch gepresst.
• Eiswürfel.
• 5 cl Cola.
Erst am nächsten Morgen besuchten wir den Thung wua lan Strand. In dessen Nähe empfahl uns einer der Ärzte ein Haus.

Songkran – Thai Neujahr

Schweissige Glückwünsche zum Thai Neujahr. Im Haus in Satun sind es bloss 33 °C, in Chiang Mai wurden es 43 °C.
Vor einem Jahr gab es in Chiang Mai eine Schlagzeile. Das Wasser im Stadtgraben sei ausgetauscht und könne bedenkenlos zum Füllen von Eimern, Wasserpistolen und Wasserkanonen verwendet werden. Eine Touristin aus China las diese Mitteilung offenbar nicht. Sie verrichtete ihr grosses Geschäft in den Wassergraben. Sie hatte keine Ahnung davon, dass der Scheissdreck übers Ohr ins Auge gelangen könnte.

Es ist heiss Mitte April. Darum wandelte sich das einst beschauliche Familienfest gegenseitiger Segnungen mit geweihtem Wasser zu öffentlichen Wasserschlachten, sofern man nicht zuvor im Verkehr abgeschlachtet wird.
Thais sind geborene Rennfahrer. Bekannte von Dick reisten zwecks Songkran von Satun nach Khon Kaen. Auf der Strasse sind das 1431 Kilometer. Sie reisten um Mitternacht ab und trafen am Nachmittag kurz nach vier Uhr in Khon Kaen ein!
Ein Problem der Verkehrsteilnehmer ist der masslose Konsum von alkoholischen Getränken. Seit dem ersten Kontrolltag am 11. April sollen mehr als 113`960 Trunkenbolde erwischt worden sein. Gegen 3`000 Fahrzeuge wurden beschlagnahmt.
(Stand 15. April 09 00.) Die Sargschreiner haben Hochkonjunktur dank grosser Distanzen, zu hohen Geschwindigkeiten und grenzenloser Selbstüberschätzung.
Zum Schutz der Menschen vor Wasserschäden machen die Behörden Razzien in Spielzeugfabriken welche Wasserpistolen verkaufen.
Piknet Tapuang, ein Beamter des Verbraucherschutzes erzählte Medien wie TV und Presse, nach einer Razzia in Bang Pli, die Hochleistungsgewehre könnten Blindheit verursachen. Er stellte fest, dass Wasser in Ohren von Menschen gelangen und das Wasser durch den Kopf ins Auge wandern könnte. Der Spezialist hätte Augenarzt studieren sollen und mit seinen neuen Erkenntnissen die verblödete Menschheit retten können. Ich weiss jetzt endlich, wo alle die Wasserleichen herkommen.

Ergänzung:
In sechs Tagen wurden 220`507 alkoholisierte Verkehrsteilnehmer angehalten. 13`964 Fahrzeuge wurden beschlagnahmt. Beteiligt waren 147`971 Motorradfahrer und 56`674 Automobilisten, darunter Busfahrer des öffentlichen Verkehrs! Trotz aufwändiger Massnahmen starben 418 Menschen auf Thailands Strassen. Vertrauen sie den Nummern nicht. Meine Addition geht nicht auf.

Thomas Schmid veröffentlichte in der Thailand Tip Zeitung vom Mai 2018 andere Zahlen, von Frau Oberst Sirichan Ngathong, Pressesprecherin der Junta. Vom 11. bis zum 17. April seien 480`512 betrunkene Verkehrsteilnehmer erwischt worden. Darunter waren 280`631 Moped und Motorradfahrer. 37`779 hatten keinen Führerschein!