Das Rasenmäher Lied

Die Vielfalt der Musik ist unglaublich. Jeden Tag kommen neue Klänge auf den Markt.
Sämtliche Nationen haben ihre eigenen Hymnen. Sogar im Himmel werden angeblich Posaunen gezupft und Harfen geblasen.
Verschiedene Berufsgruppen interpretieren ihre eigenen Lieder. Die Getreide verarbeitende Industrie singt zum Beispiel:
„Das Wandern ist des Müllers Lust.“
Der Hymnos der Bartschneider, Friseure und Haarkünstler lautet:
„O Haupt voll Blut und Wunden,“
während bessergestellte Berufsleute den „Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini vorziehen.
Genießer und Weinliebhaber hören oder singen:
„Im tiefen Keller sitz ich hier
bei einem Fass voll Reben
Bin frohen Muths und lasse mir
Vom Allerbesten geben
Der Küfer holt den Heber vor
Gehorsam meinem Winke
Füllt mir das Glas, Ich halt’s empor
Und trinke, trinke, trinke“
Für unheilbare Säufer und Alkoholiker passt eher:
„Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort.“
Sogar das Gras wurde geliebt und besungen, auf Englisch:
„Green, green grass of home“, und auf Deutsch:
„Hab‘ oft im Kreise der Lieben
Im duftigen Grase geruht…“
Die Version im schweizerischen Emmental heißt:
„Ramseiers wei go grase…“
Jetzt, nach Ostern wäre es langsam an der Zeit, den Rasenmäher zu schmieren. Für mein ausgewähltes Lied taugt nicht jeder Typ. Es gibt Walzenmäher, Mulchmäher, Luftkissen-Mäher, Elektro-Mäher und Benzin-Mäher. Ich setze auf den guten alten, klappernden, handbetriebenen Spindel-Mäher.
Die Gruppe Manhattan Transfer sang:
„Chanson d’amour (ra da da da da).“
An einem lieblichen Frühlingstag schleimte eine Schnecke durchs grüne Gras, eine feuchte Verehrerin des Titels. Kein Wunder bei diesem Wetter. Sie träumte vor sich hin und sang:
„Chanson d’amour!“
Da kam ein Spindel-Mäher und ratterte:
„Ra da da da daa“.

Vom tiefen Teich in den seichten Morast

Nach ein paar Tagen erfreuten wir uns an den Fortschritten, welche die Zwillinge machten. Schreien um etwas zu erreichen war nicht mehr üblich. Phoy tanzte zu Kinderliedern.
Dann kam der erste Stolperstein in Form des thailändischen Kindertages. Die Armee zeigt zu Gunsten des Nachwuchses jährlich ihre Waffen. Kinder dürfen auf Panzern klettern und an verschiedenen Geräten herum fummeln. Die Luftwaffe verlor in den letzten Jahren regelmäßig Kampf-Jets bei Flug-Demonstrationen am Kinderfest.
Mutter und Großmutter wollten an diesem Wochenende die Kinder betreuen. Wir waren naiv und stellten keine Fragen. Am Morgen besuchten die Kinder einen Anlass im Dorf. Sie erhielten chinesischen Plastik-Plunder. Die zwei absolut rücksichtslosen Weiber brachten danach die Zwillinge in einen preisgünstigen Baby-Care, um ungehindert ihren persönlichen Geschäften nachgehen zu können.
Sonntagabend brachte die Großmutter die geschockten, heulenden und schreienden Kinder kommentarlos zurück. Die Frau ließ die quengelndene Kinder mit ihren Spielsachen wie Lego, Autos und Puppe Fußball spielen. Aggressivitäten übersah sie geflissentlich und reagiert nicht.
Wir assen zu zweit. Die Reste würden ein schmackhaftes Frühstück ergeben. Die Zwillinge zeigten keinen Hunger. Die Großmutter war zu faul um zu erklären, dass sie bereits gegessen hätten. Im Badezimmer bereitete sie die Kinder für die kommende Nacht vor. Sie gab weisses Pulver in die Trinkflaschen und schüttete heißes Wasser dazu. Bevor sie die Flaschen an die schreienden Kleinen weitergeben konnte, prüfte ich die Temperatur in meine Armbeuge. Die Pulver-Milch war viel zu heiß. Sie war bereits als Mutter ein totaler Versager und lernte seitdem nichts dazu.
Großmutter machte es sich im Schlafzimmer bequem. Am Morgen brachte sie nach dem Frühstück die Kinder in den Hort. Gegen 17 Uhr holte Dick die Kleinen ab. Nach einer Zwischenverpflegung machten die Beiden die Straße mit ihren zwei Drei-Rädern unsicher. Während Phoy gemütlich herum radelte, riss ihr Bruder bei jedem Start nach Spezialisten-Manier das Vorderrad hoch. So schnell lernen Zweijährige Dummfug.
Ohne Heulen und Geschrei genossen wir das Abendessen. Die Zwillinge fanden die Cervelat-Wurst köstlich. Ich erinnerte mich an meine Kindheit und dachte an meinen Vater, zu dem ich sagte:
„Papi, wenn du eine weitere Wurst isst, verzehre ich gerne die Haut,“ denn Fleisch war in den Nachkriegs-Jahren rar und relativ teuer.
Als ich einmal im Schlafzimmer leicht hungrig ein für mich unbekanntes, gebrauchtes Kondom entdeckte, fragte ich mich: „Hat er die Wurst allein gefressen?“
Zurück zum Heiland, ich meinte nach Thailand.- Die Spracheingabe versteht mich öfters nicht!
Nach dem Abendessen zeigte uns Phet, was er übers Wochenende gesehen hatte. Er entriss seiner Schwester die Puppe, legte sie auf den Boden und wälzte sich eindeutig zweideutig darauf. Die Kinder durften sich ins Schlafgemach zurückziehen.
Wieder litt das Mädchen unter Angstträumen. Dick war beschäftigt.
Am Mittwoch besuchte mich meine Tochter aus der Schweiz für einige Tage. Die Zwillinge hatten sofort vertrauen.
Es störte sie, dass der Bengel sein Spielzeug herum kickte. Leider hatten wir keine leere, rostige Konservendose, wie in Entwicklungs-Ländern üblich. Es fehlten ebenfalls Stühle zum Essen. Sie waren bestellt, aber nicht lieferbar. Die Kinder saßen auf Hockern am Boden an kleinen Tischen. Wenn ihre Reisschalen leer waren, rannten sie zu Dick und holten neue Nahrung. Ein zweiter Besuch kam aus der Schweiz, ein lieber Freund und Wohltäter. Er brachte mir gegen die schlechte Luft in Chiang Mai kubanische Zigarren erster Güte und freundete sich sogleich mit den Kindern an.
( Meine schlechteste Luft-qualitäts Messung lag für PM 10 bei 600. Übliche Werte am Nachmittag lagen bei 350. Für PM 2,5 entspricht das etwa 250. Ein formschönes Gerät von Samsung reinigt die Luft im geschlossenen Haus in einigen Stunden auf einen Wert unter 20. )
Als eines Abends die Großmutter wieder erschien, heulten die Kinder gleich los und fielen in ihre hergebrachte Konversation zurück. Ihre Mutter verlor mittlerweile ihre Anstellung. Sie hing tagelang ohne jegliche Aktivitäten im Hause ihrer Schwiegermutter herum.
Wenn ich diese Weiber sehe, denke ich an Schillers Fritz. Er schrieb in seiner Jungfrau von Orleans: „Mit (der) Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.“
Selbst die Ärzte in Phoys Spital empfanden die Eltern als hoffnungslosen Fall.

Wieder kam ein Wochenende, das die Kinder mit den Eltern verbringen mussten. Am späteren Abend besuchte Dick ihre Unterkunft. Es war verdächtig still im Haus. Die Kinder lagen im Bett. Jedes hatte ein Smartphone in der Hand. Die Eltern haben kein Geld für Miete, Möbel, Elektrizität, Windeln, Kinderhort und anständiges Essen. Aber für Alkohol, Zigaretten, Drogen und technisches Spielzeug sind immer ein paar Baht verfügbar. Am Sonntag Nachmittag, es war 27 Grad Celsius, machten die Zwillinge ihren Mittagsschlaf im Beauty Salon. Sie schwitzen, weil sie zu warm bekleidet waren. Die Mutter stellte einen Ventilator in die Nähe. Das Gerät blies unter Volllast.
Großmutter schlief mit den Kindern in unserem Haus. Nachts, gegen 11 Uhr meldete sie sich aufgeregt:
„Phet hat Fieber!“
„Wie viel?“ wollte ich wissen.
„27°,“ sagte sie.“
„Dann ist er tot,“ erwiderte ich und sagte Dick:
„Nimm das Fieber-Thermometer.“
Der Wärmeschub lag etwas über 38 Grad. Nach knapp einer Stunde mit Essigwickeln, war der Bub wieder gesund.
Am Montag in der Frühe stellte Dick Eltern und Großmutter ein Ultimatum. Sofern sie an Wochenenden weiterhin keine Sorgfalt und Vernunft anwenden würden, sei am 28. Februar Schluss mit unserer Betreuung.
Am Abend litt Phoy unter Verstopfung. Die überaus weise Großmutter sagte:
„Das ist wegen eurer Ovomaltine.“
Beim nächsten Verstopfungs-Unfall stellte sich heraus, dass die Mutter gekaufte, gegrillte Fleisch-Kugeln verfütterte.
Während der Woche geben wir uns Mühe, die Kinder zu erziehen. Am Wochenende gibt es jeweils für uns Prügel.
An einem Samstagabend inspizierte Deck die Wohnung erneut. Mutter lag betrunken, schlafend in einer Ecke des Hauses, nach dem Genuss einiger Flaschen Spy Win Cooler. Das ist eine überteuerte, sprudelnde Brause von Fruchtsäften, versetzt mit Alkohol. Davon werden pro Jahr über 180 Millionen Flaschen verkauft. Der Verkaufs-Hit ist das Aroma Wassermelone. Es wird in Champagner-Flaschen nachempfundenen Behältnissen an die Frau gebracht.
Phet setzte sich kühn ein Fläschchen an die Lippe. Ich hätte es kaum geglaubt, hätte ich nicht eine unscharfe Fotografie des Geschehens gesehen. Das ist das harte Gesetz des Dschungels: keine Gläser, sondern Flaschenzug. Weil die Großmutter unfähig war, an ihrem Smartphone den Blitz einzuschalten, war das Bild verwackelt.
Am nächsten Tag zogen die Zwillinge samt Mobiliar aus dem Haus, wo bisher Milch und Honig floss. Als KiNiao, Geizkragen, stehen keine Spy Flaschen in meinem Kühlschrank.
Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus, wog Phoy bloß 9 Kilogramm. Gegen Ende Januar zeigte unsere Waage 12 Kilogramm. Brüderchen wog 13 Kilogramm.
Zehn Tage nach dem Auszug rief eine Pflegerin des Hortes Dick an und fragte, was geschehen sei. Beide Kinder hätten 1.5 Kilogramm an Gewicht verloren.

Extreme Natureinflüsse in schwierigen Lebenslagen

Vor unserer Abreise besuchte mich wahrscheinlich eine saugfreudige Tigermücke in Satun und stach ungeniert zu. Während der Fahrt litt ich nach einer Woche an Symptomen eines Tropenfiebers. Die Armmuskeln wurden zeitweise durch kräftige Faust- und Fuss-schläge eines unsichtbaren Thaiboxers zermürbt. Gleichzeitig erzitterte ich an kurzen, jedoch heftigen Fieberschüben. Mühsam verteidigte ich im Halb-Delirium den Sitzplatz gegen das finale Abrutschen.
Wir hatten ein angenehmes Hotel in Nakhon Pathom. Das Restaurant bot neben süffigem Prosecco, aromatische Sezuan Süppchen, das zarteste Rindfleisch Hong-Kong zwischen Malaysia und Laos an.
Der Herr Oberkellner, ein hirnloser Dressman mit tadelloser Haarpflege, liess den Korken in meiner Rückengegend knallen. Mein rechter Arm zitterte durch die unnötige Artillerieübung derart gereizt, dass ich den Sprudel kaum degustieren konnte. Für wenige Sekunden verzauberten italienische Träume mein Fortsein.
Glücklicherweise wurden die Speisen von in rote Cheongsam, 長衫, gekleideten Frauen dargereicht, so dass wir den Flaschenmisshandler, Korkenschänder und Weinbanausen vergessen durften.

Das Fieber-Thermometer bestätigte meine Vermutung. Das Blut im Urin flüsterte einen Namen, der mir geläufig war: Dengue.
Seit der Operation in Chunphon schluckte ich täglich Antibiotika gegen bakterielle Infekte. Tropenfieber werden durch Viren ausgelöst. Antibiotika hilft nicht. Dagegen wirkt Tylenol fiebersenkend und lindert Schmerzen.
Die Nacht bot mit Tylenol gute Erholung. Das nächste Ziel Nakhon Sawan, war nicht zu weit entfernt. Wir konnten über die Strassen 321, später die 340, die mit reichlich Verkehr verstopfte AH2 meiden. In der Gegend nördlich von Suphan Buri werden entlang der Strasse oft gute Trauben angeboten. Wir hatten Glück und gönnten uns ein Kilogramm Beeren.
Mein Auge hing an der Uhr. Ich zählte die Sekunden bis zum Ziel. Krank auf Langstrecke war kein Vergnügen, eher Folter. Ich litt wirklich. Als ich beinahe kraftlos ins Bett rollte, knallte es laut im rechten Bein. Irgend etwas brach. Geschwollene Schenkel und Fuss bestätigten die Vermutung am nächsten Morgen.
Was fehlte zum vollständigen Glück? Ein Rahmenbruch am Rollstuhl oder eine Dynamitstange in einem finsteren Stollen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cheongsam

Reliquien in Europa und Hinterindien

Einst konnte ich nicht genug Tempel erkunden. Vor einigen Jahren noch wurde detailliert angegeben, welche Reichtümer und Reliquien in den heiligen Stätten versteckt sind. Weil Tempel-Diebstähle unglaublich zunahmen, herrscht nun das grosse Schweigen.
Wat Phrathat Hariphunchai Woramahaviharn in Lamphun ist der Tempel der heiligen Reliquie von Hariphunchai. Der König Aditya Ratcha fand in seinem Garten ein Haar des Buddha. Um die verstorbene Königin Chamadevi zu ehren, liess er einen Tempel bauen. Als ich dort war, wischten uniformierte Schülerinnen während einer Pause Dreck weg.
Auf einem eindrucksvollen Hügel gab es einen Fussabdruck Buddhas. Volltrottel versuchten mit Löffeln, den Abdruck auszukratzen und zu stehlen. Der Abt selbst bewachte danach den heiligen Ort. Währenddessen verkauften geldgierige Weiber unten am Berg, im Tempel-Areal, Bier und Lao Khao. Fussabdrücke Buddhas gibt es in ganz Asien. Niemand stört sich daran, dass die Grössen sehr variabel sind. Ebenso verlor der Erleuchtete Knochen und vor allem Zähne. Heilige Zahntempel gibt es mehr, als ein nicht erleuchteter Mensch Zähne hat.

E.T.A. Hoffman, 1776–1822, beschrieb im Buch: „Die Elixiere des Teufels“ eine Szene in einem Kloster:
„Sollten denn, lieber Bruder Cyrillus“, sagte ich, „alle diese Dinge gewiß und wahrhaftig das sein, wofür man sie ausgibt? – Sollte auch hier nicht die betrügerische Habsucht manches untergeschoben haben, was nun als wahre Reliquie dieses oder jenes Heiligen gilt? So z. B. besitzt irgendein Kloster das ganze Kreuz unsers Erlösers, und doch zeigt man überall wieder so viel Späne davon, daß, wie jemand von uns selbst, freilich in freveligem Spott, behauptete, unser Kloster ein ganzes Jahr hindurch damit geheizt werden könnte.“ – „Es geziemt uns wohl eigentlich nicht“, erwiderte der Bruder Cyrillus, „diese Dinge einer solchen Untersuchung zu unterziehen, allein, offenherzig gestanden, bin ich der Meinung, daß, der darüber sprechenden Dokumente unerachtet, wohl wenige dieser Dinge das sein dürften, wofür man sie ausgibt. Allein es scheint mir auch gar nicht darauf anzukommen. Merke wohl auf, lieber Bruder Medardus! wie ich und unser Prior darüber denken, und du wirst unsere Religion in neuer Glorie erblicken. Ist es nicht herrlich, lieber Bruder Medardus, daß unsere Kirche darnach trachtet, jene geheimnisvollen Fäden zu erfassen, die das Sinnliche mit dem Übersinnlichen verknüpfen, ja unseren zum irdischen Leben und Sein gediehenen Organism so anzuregen, daß sein Ursprung aus dem höhern geistigen Prinzip, ja seine innige Verwandtschaft mit dem wunderbaren Wesen, dessen Kraft wie ein glühender Hauch die ganze Natur durchdringt, klar hervortritt und uns die Ahndung eines höheren Lebens, dessen Keim wir in uns tragen, wie mit Seraphsfittichen umweht. – Was ist jenes Stückchen Holz jenes Knöchlein, jenes Läppchen – man sagt, aus dem Kreuz Christi sei es gehauen, dem Körper – dem Gewände eines Heiligen entnommen; aber den Gläubigen, der, ohne zu grübeln, sein ganzes Gemüt darauf richtet, erfüllt bald jene überirdische Begeisterung, die ihm das Reich der Seligkeit erschließt, das er hienieden nur geahnet; und so wird der geistige Einfluß des Heiligen, dessen auch nur angebliche Reliquie den Impuls gab, erweckt, und der Mensch vermag Stärke und Kraft im Glauben von dem höheren Geiste zu empfangen, den er im Innersten des Gemüts um Trost und Beistand anrief. Ja, diese in ihm erweckte höhere geistige Kraft wird selbst Leiden des Körpers zu überwinden vermögen, und daher kommt es, daß diese Reliquien jene Mirakel bewirken, die, da sie so oft vor den Augen des versammelten Volks geschehen, wohl nicht geleugnet werden können.“ – Ich erinnerte mich augenblicklich gewisser Andeutungen des Priors, die ganz mit den Worten des Bruders Cyrillus übereinstimmten, und betrachtete nun die Reliquien, die mir sonst nur als religiöse Spielerei erschienen, mit wahrer innerer Ehrfurcht und Andacht.

Dir ist das Leben des heiligen Antonius zur G’nüge bekannt, du weißt, daß er, um sich von allem Irdischen zu entfernen, um seine Seele ganz dem Göttlichen zuzuwenden, in die Wüste zog und da sein Leben den strengsten Buß- und Andachtsübungen weihte. Der Widersacher verfolgte ihn und trat ihm oft sichtlich in den Weg, um ihn in seinen frommen Betrachtungen zu stören. So kam es denn, daß der heilige Antonius einmal in der Abenddämmerung eine finstere Gestalt wahrnahm, die auf ihn zuschritt. In der Nähe erblickte er zu seinem Erstaunen, daß aus den Löchern des zerrissenen Mantels, den die Gestalt trug, Flaschenhälse hervorguckten. Es war der Widersacher, der in diesem seltsamen Aufzuge ihn höhnisch anlächelte und frug, ob er nicht von den Elixieren, die er in den Flaschen bei sich trüge, zu kosten begehre. Der heilige Antonius, den diese Zumutung nicht einmal verdrießen konnte, weil der Widersacher, ohnmächtig und kraftlos geworden, nicht mehr imstande war, sich auf irgendeinen Kampf einzulassen und sich daher auf höhnende Reden beschränken mußte, frug ihn, warum er denn so viele Flaschen und auf solche besondere Weise bei sich trüge. Da antwortete der Widersacher: >Siehe, wenn mir ein Mensch begegnet, so schaut er mich verwundert an und kann es nicht lassen, nach meinen Getränken zu fragen und zu kosten aus Lüsternheit. Unter so vielen Elixieren findet er ja wohl eins, was ihm recht mundet, und er säuft die ganze Flasche aus und wird trunken und ergibt sich mir und meinem Reiche.
Danke Herr Hoffmann.
In Thailand ist es Tradition, zu Songkran in den Tempeln Stupas, Chedis, aus Sand zu bauen. Der Sand soll den Staub wieder an den Ursprungsort zurückbringen, den die Gläubigen im Laufe des Jahres an ihren Schuhen haftend von dort weggetragen haben.

http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-elixiere-des-teufels-3112/6

Erinnerungen an Kuah

Wir verbrachten interessante Tage auf Langkawi. Ich erwartete eigentlich mehr Dekorationen zum Frühlingsfest im Städtchen. Aber Kuah ist nicht Melaka oder Penang. Gefeiert wurde diskret öffentlich kulinarisch. Gleich nach der Ankunft erledigte ich meine Banküberweisung. Meine Situation war wesentlich kritischer, als ich sie beschrieb und verharmloste in: „Ganz kleine Probleme für medizinischen Nachschub.“ Sensemann und Sensefrau – gleichberechtigt – grinsten hämisch im Hintergrund: „Wir schaffen das!“
In der Nähe der Bank fand Dick in einem Laden eine Flasche Freixenet Cordon Negro. Wir verspiesen îm Rootian ein Won Ton Süppchen. Frisch gestärkt registrierte ich mich danach im Hotel, um die Cava zu kühlen.
Kaum hatten wir den kalten, prickelnden Schaumwein genossen, mussten wir in den Ausgang. Der letzte malaysische Feiertag verlangte Opferbereitschaft. Wieder fand Dick ein Schmankerl, einen siebenjährigen Syrah aus Barossa Land. Wir besetzten den letzten freien Tisch im Rootian und bestellten einige Schweinereien, beispielsweise süss-sauer, zu unserem überragenden Tropfen ohne Pfropfengeschmack.
Auf diese Weise verschwendeten wir unsere Lebenszeit. Einmal besuchten wir einen Gemischtwaren-Laden. „Die haben doch nichts,“ meinte Dick auf dem langen Weg von zwanzig Minuten. Nach dem Erwerb einer Handtasche, war sie anderer Meinung. Ich benötigte Pilzsauce von McCormick. Seitdem meine Hände beinahe gelähmt sind, kann ich Saucen nicht mehr nach meinem Empfinden zusammen stellen. Als Grundlage benutze ich nun Beutelmischungen und ergänze mit frischen oder getrockneten Pilzen und knackigen Kräutern. Zusätzlich zur Sauce fanden wir nach Jahren endlich Noilly Prat, der einzigen Grundlage von erstklassigem Martini Dry. Eine neu entdeckte Schokolade erfreute uns.
Wir verspiesen und tranken alles, was wir in Satun vermissen. Eine einzige Mahlzeit, erhielt die Note ungenügend. Es war ein „Western Establishment“, welches noch vor wenigen Jahren empfehlenswert war.
Mein lebenserhaltendes Paket erreichte uns am Samstag. Am Sonntag traten wir (leider) die Rückreise nach Satun an. Die Vorräte im Koffer hätten für drei weitere Tage Schlemmerleben gereicht. Leider war es im Hotel unmöglich, den Transfer vom WC in den Rollstuhl zu bewältigen.

(1) https://hinterindien.com/2018/02/16/ganz-kleine-probleme-fuer-medizinischen-nachschub
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Freixenet
(3) https://en.wikipedia.org/wiki/Wonton
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Noilly_Prat

Thailands verheissungsvolle, bahnbrechende Zukunft

Ein heisses Land in einer heissen Zeit. Da ist es nie zu spät für Bierpreis und allgemeine Alkohol-Steuer-Erhöhungen.
Die Regierung investiert viel und benötigt Geld. Der Schutz der Monarchie, inbegriffen der Bevölkerung, wird intensiviert mit U-Booten, Helikoptern, Flugzeugen und Panzern. Schiffe mit Lenkwaffen könnten feindliche Einheiten in Entfernungen von über zweihundert Kilometern beschiessen. Die lückenlose Überwachung des Internets benötigt viel geschultes Personal und modernste Technik.
Zitronen gibt es kaum genug zum Quetschen. Da hält man sich besser an die Leute. Saurer, sogar vitaminreicher Saft hilft wenig. Billionen Baht sind besser.
Eine Idee war, die Gebühren für Abfälle um das Elffache zu erhöhen. Ich befürchte leider, dass dann der Kehricht wieder in Nachbars Garten, im Dschungel, in Flüssen und Seen landet oder mühsam von den Meeresstränden gesammelt wird. Jede Nacht beleuchten dann – wie einst – Millionen Feuerchen mit stinkendem Qualm Hütten, Palmen und Tempel.
Vor ungefähr zehn Jahren wurde der Kehricht, trotz bezahlter Gebühren, im Dorf plötzlich nicht mehr abgeholt. Die Lastkraftwagen reisten damals von Chiang Mai ins Gebiet von Lampang. Sie schmissen den stinkenden Müll in den Dschungel. Das funktionierte, bis sie von wütenden Einheimischen mit Schrotflinten begrüsst wurden.

Weiter denkt man an eine progressive Zuckersteuer in Getränken, mit dem richtigen Argument, Zucker sei ungesund. Suppen, Gemüse und andere Speisen dürfen weiter abgabefrei gezuckert werden. Warum nicht eine generelle Zuckersteuer erheben? Sie wäre bei höheren Erträgen weit weniger personalintensiv.

Die Zeitungen, Bangkok Post und Khaosod, sehen die Aktionen aus ihren Blickwinkeln:
Die Konsumenten zahlen für die Sünden der Regierung (1)
Ist diese Regierung kaputt und schöpft einen neuen „Sündensteuer“-Plan, damit angeblich sündige Konsumenten mehr bezahlen? Ich besprach diese Spekulation mit einem Freund. Am Samstag werden neue Verbrauchsteuersätze wirksam und Preiserhöhungen auf Alkohol, Zigaretten und Kaffee stehen bevor. Die Verbraucher sind gezwungen, die Last von immer teurerem Bier, Wein, Schnaps und Zigaretten zu tragen.
Laut Forbes Thailand Magazin gibt es erhebliche Erhöhungen der Lizenzgebühren. Beispielsweise wird die Alkohol-Herstellungsgebühr von 5.000 Baht auf 300.000 Baht pro Jahr angehoben.
Ein Produzent, der 30 Millionen Flaschen im Jahr abfüllt, zahlt umgerechnet auf die Flasche 0.01 Baht. Ganz anders trifft es die Detailhändler. Für den Einzelhandel wird die Lizenzgebühr von 2.000 Baht auf 50.000 Baht erhöht. Wenn der Umsatz bloss 10‘000 Flaschen beträgt, ergibt das pro Flasche fünf Baht, die vom Gewinn verlorengehen … oder der Kunde bezahlt.

Nach kurzem Schnuppern in den Preislisten bemerkte ich, dass wiederum beim echten Wein am kräftigsten abgesahnt wird. Daraus ergibt sich, dass nicht hochprozentige destillierte und gebrannte Wasser, sondern natürlich fermentierte Traubensäfte die aggressivsten Feinde von Hirn und Leber der hochsensiblen Bevölkerung Hinterindiens sind.
Billigst “Weine“, gepanscht im Grossraum Bangkok, aus importiertem Traubenkonzentrat, lokalem Ethanol und Wasser, gelten als einheimische Erzeugnisse.

Werte Geldbeschaffer: Sofern ihr wirklich unerschöpfliche Mengen Geld benötigt, verdoppelt endlich die Treibstoff-Preise. Vielleicht würden dann einige Dieselbesitzer ihre ungewarteten Stinker nicht nur währen der Nacht abstellen, sondern die Luftbelastung mit Schadstoffen könnte mindestens in Chiang Mai, eventuell sogar landesweit, verringert werden.

Die Staatsbahnen planen mit Unterstützung von Japan, 2023 die 193 Kilometer lange Hochgeschwindigkeits-Strecke von Bangkok (Don Mueang, Suvarnabhumi, U-Tapao) nach Rayong in Betrieb zu nehmen. Der Grundpreis sollte zwanzig Baht plus 1.80 Baht pro Kilometer betragen. (2)
Die Japaner möchten ebenfalls eine schnelle Strecke von Bangkok nach Chiang Mai errichten.
Gleichzeitig wird in Zusammenarbeit mit China an der Strecke von Nong Khai nach Bangkok gearbeitet.

(2) http://www.bangkokpost.com/news/general/1317747/rapid-rail-link-to-rayong-set-for-2023
(1) http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1323951/consumers-made-to-pay-for-government-sins

Gericht aus Hinterindien. – Das andere Curry Rezept

Mit meinen Gelenkschmerzen kann ich nicht stundenlang frische, zähe Wurzeln zerstampfen. Deshalb ist es ein einfaches Gericht. Noch einfacher geht es nur, wenn man sich zur nächsten Garküche oder in eine Kneipe schleppt, Geld auf einen schmierigen Tisch legt, hungrig und durstig hervorwürgt: „Gäng, Khao, Beer – khrap!“ Welche Art Gäng aufgetischt wird, wissen sie nicht.
In meinem Falle kämen noch die Transfers ins Fahrzeug dazu. Der Einstieg erfordert, sofern ich es in einer Sekunde schaffen würde, nahezu die Leistung von einer Pferdestärke. Sehe ich aus wie ein Pferd? Deshalb ziehe ich unsere Küche mit bescheidenen Vorräten vor. Das Rezept für drei Personen lautet:
Man nehme einen viertel Liter ungezuckerten Orangensaft. Dann wird eine bio-logische Banane in dünnen Scheiben hineingesäbelt. Pazifisten dürfen Küchenmesser verwenden. Eine feingeschnittene Tomate hinzugeben. Zwei Esslöffel mit Waugh’s Curry Pulver einrühren. Wer indische Currymischungen hat, benutzt diese. Indische Mischungen gibt es seit diesem Jahr in unserer Gegend nicht mehr. Wer sind die Hintermänner? Sind es eher unauffällige Typen der Mafia – oder die uniformierten, namenlosen Helden der Volksbefreiungsarmee?
Zusätzlich gab ich frisch gemahlenen Pfeffer, weiss und dunkel, bei. Küchenkräuter von frisch bis zu getrocknete Mischungen können die Tunke ergänzen. Ganz wichtig ist, eine viertel Zehe frisch gepressten Knoblauch einrühren. Militanten Knoblauchisten empfehle ich, bloss eine halbe Zehe zu verwenden. Sonst wird das empfindliche Bananen-Orangen, Schlauchapfel-Apfelsinen, Aroma, gestört.
Die delikate Mixtur auf kleinem Feuer brodeln lassen, bis die Bananenstücklein zerkocht sind. Währenddessen, drei bis vier Tranchen Schweinelende, ungefähr 15 mm stark, in eine beschichtete Bratpfanne geben. Einige Tropfen Olivenöl beifügen. Das Fleisch beidseitig mit wenig Paprikapulver bestäuben, salzen, würzen mit Oregano und Rosmarin und warten. Paprika benutze ich zur Farbgebung.
In Lan Na Land könnte anstelle von Schweinefleisch Elefantenfilet verwendet werden – grösseres Kochgeschirr erforderlich. Sofern Elefant verwendet wird, ist das Gericht Halal und könnte in europäischen Asylunterkünften angeboten werden.

Sobald sich die Banane langsam in der Curry Tunke auflöst, Pasta-Wasser kochen. Pro 100 Gramm Pasta einen Liter Wasser verwenden. 50 Gramm Nudeln pro Person genügen, sofern es nicht Radfahrer sind. Radfahrer verspeisen ein Kilogramm – gemäss der nach oben offenen Pastafarier-Skala!
Zwecks reichlicher Saucen-Aufnahme empfehle ich „Le Eliche“ Nummer 56. Während die Pasta kocht, Lenden Stücke gut anbraten. In der Sauce kurz ziehen lassen.
Zum eher süsslichen Curry passt ein trockener Schaumwein. Wir leerten eine Flasche Trilogy. Bessere Brause, Gosset beispielsweise, gibt es, aber nicht in Chiang Mai.

https://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Die-CurryInternationale/story/18814744

Low unterwegs als fad-feuchter Pflaumenforscher

Geschätztes Publikum: Ich bedaure, dass ich mich wegen widrigen Umständen nicht melden konnte.
Wir waren eine Woche lang in den Norden unterwegs. Nach täglich mehreren Stunden schütteln auf überlasteten Landstrassen, versagten meine Finger abends den Dienst an der Tastatur. Wir durften regen Anteil nehmen an der schwierigen Situation des Gastgewerbes. In einem vier Sterne Haus war die Matratze im Mittelfeld ausgebumst und wies einen Krater aus, der mich die ganze Nacht lang magisch anzog und hineinrollen liess.
Am nächsten Tag waren die einst süffigen Cocktails einer Bar am Rande der Geniessbarkeit. Dafür wurden die Preise angepasst – mit reichlich dreissig Prozent Zuschlag. Anders berechnet sind es schlichte fünfzig Prozent. Ab Nakhon Pathom wurde die Atemluft stickig. Während des Fahrens hatte ich das Gefühl, ich hätte Wasser in den Lungen. Während wir vor einem Jahr zur selben Zeit durch eine staubige, durch Dürre gezeichnete Steppenlandschaft reisten, glänzte dieses Mal die Umgebung in sattem Grün. Sogar Reisfelder wurden bestellt.

Einen harten Dämpfer bescherte unser Internetanbieter in Chiang Mai. Der Herr am Schalter im Grossmarkt Hangdong wollte, unser Vertrag läuft noch bis Ende Jahr, bereits im Wonnemonat Mai ein neues, teureres Angebot abschliessen. Wir könnten gar nichts tun als von seinem Vorschlag profitieren. Die Zuleitungen zum Haus seien bereits entfernt. Unser zwei jähriger Router deshalb unbrauchbar.
Die „drei bösen Buben“ machten ihre Berechnungen, stiessen aber auf extremen Widerstand des Kunden. Die herbeigerufenen Servicetechniker stellten im Dorf fest, Kabel wurden wirklich gekappt. Ausser den monatlichen Rechnungen erhielten wir nie Berichte über die Tätigkeiten der Firma in unmittelbarer Umgebung unserer Grundstücke. Die Agentur im Chiang Mai Airport Plaza war der gegenteiligen Ansicht, wir hätten Router und einen Vertrag, die Dienstleistungen könnten problemlos weiter geführt werden. Den selbstherrlichen Bereicherer werde ich am Hauptsitz in Bangkok als faule, im Grenzfall als unreife, Pflaume entlarven.

Eher selten sind wir in japanischen Restaurants anzutreffen. Ich mag das zarte Wagyu Rindfleisch, begleitet von einem Fläschchen Sake. (1) Beim letzten Besuch in Chiang Mai war das Wagyu importierter zäher Wasserbüffel aus den flimmernd heissen Steppen des Isan. Der Sake war alle. Die Kellnerin empfahl ein ähnliches japanisches Erzeugnis. Das Getränk passte weder zu Wasserbüffel, noch zu Wagyu.   Es war abscheulich süsslicher Pflaumenschnaps, wie mir Gaumen und Herr Google verrieten.
Etwa auf halber Strecke nach Nordthailand, kannten wir eine Gaststätte. Die Verantwortlichen gestalteten in der bebilderten Speisekarte eine oder zwei Seiten mit ihrem Weinangebot. In sechs Monaten verminderte sich die Auswahl auf zwei Sorten Hauswein. Einen Chardonnay und einen Cabernet Sauvignon. (2)
Eine Hühnersuppe stand brodelnd in einem Topf auf dem Tisch. Süss-saures Schweinefleisch war bestellt. Der Cabernet-Sauvignon war unsere Wahl.
Die Kellnerin goss reichlich roten Saft in die Gläser und liess die Flasche schnell verschwinden. Ich nippte vorsichtig am Glas. Die Haare stellten sich auf. Der Magen grunzte erregt.
Das war kein Rebensaft. Das war wieder ein fermentierter Pflaumenfruchtsaft, wie sich beim Interpretieren der Angaben auf der Flasche bestätigte. Kein Tropfen Cabernet-Sauvignon verirrte sich in die Brühe. Solche „Food and Beverage Manager“, Betrüger der gehobenen Art, gehören hinter Gitter, bestimmt nicht in gepflegte Sessel von Grand Hotels. (3)

Das Internet funktioniert seit einem Tag sensationell mit Pocket WiFi von True. Es bietet Zugriff für sämtliche Laptops und Smartphones im Haus. (4)

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Wagy%C5%AB
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Cabernet_Sauvignon
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/F%26B-Manager
(4) http://www3.truecorp.co.th/truemoveh/product/detail/3208/4G_pocket_WiFi?ln=en#promotion

Brot und Fisch

Bevor wir auf den Strassen nach Norden rollen, brachte uns die Fischerin vom Bodensee, selbstverständlich von der Andamanensee, einen besonderen Leckerbissen, einen selbstgefangenen Barrakuda.
Sie erlebt schwierige Zeiten. Ihr Gemahl ist schwer krank. Er liegt offenbar im Sterben. Ihrem jungen Sohn wurde von einem durch Buddha mit überschüssiger Kraft gesegneten Schlägertypen ein Oberarm gebrochen. Nach anstrengender Meditation entging es dem verehrten Erleuchteten, dass er mehrmals beim Behälter Kraft/Muskeln zugriff, leider aber die Komponenten Hirn/Verstand komplett vergass.
Nun mangelt es der Frau und Mutter an genügend Geld und Personal zur Versorgung beider Patienten. Deshalb fischt die Frau frühmorgens zusammen mit der neunjährigen Tochter eigenhändig. Danach besorgt sie Hauslieferungen.

Die Barrakudas, auch Pfeilhechte genannt, sind Raubfische aus der Gruppe der Carangaria, der Familie der Barschverwandten. Je nach Art werden sie von zwanzig Zentimetern bis zu zwei Metern lang. Barrakudas stehen am Ende der Nahrungskette. Deshalb kann sich in älteren Tieren das giftige Ciguatoxin anreichern. In der Karibik traten sehr selten beim Verzehr von Barrakudafleisch Vergiftungen auf. Der Fisch war sicher nicht gefährlicher, als die bevorstehende Reise nach Chiang Mai.
Unser Fischlein war ungefähr siebzig Zentimeter lang. Dick teilte den ehemals aggressiven Schwimmer in vier pfannengerechte Stücke. Es war einer der besten Fische, die ich je verspeiste. Dazu genossen wir frisches Brot aus unserer Hausbäckerei. Eine Flasche Chardonnay rundete die einfache, dennoch grossartige Mahlzeit ab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Barrakudas

Aussergewöhnliche Rettung vor dem Verdursten

Wir erlebten den ersten, doppelt trockenen Songkran. In Satun wird nur selten gewässert. Meine Kleidung blieb trocken. Zusätzlich litten unsere Kehlen unter Feuchtigkeitsmangel. Bier trinke ich kaum. Es gab keinen Wein, der den Namen verdient. Nur gepanschten Fusel aus Bangkok, fabriziert aus importiertem Traubenkonzentrat, gemischt mit Alkohol und Wasser. Bereits die Etiketten liessen zweifeln. Die Grafiker konnten nicht fehlerlos “Château“ schreiben. Es geht mir nicht um den schwierigen Accent circonflexe. Dieses Dach wurde zum Quälen quengelnder fremdsprachiger französischlernender Knaben erfunden. Die geniale, thailändische Neuschöpfung heisst Chaton.
Eine jüngere Angestellte erzählte: Amtsstellen in Bangkok beeinflussten den Grossverteiler – – – in Satun im Angebot auf echte Importweine zu verzichten!

Im Kad Farang in Chiang Mai genossen wir vor Monaten guten Primitivo, in Amerika heisst die Traube Zinfandel – und Negroamaro. Wir fragten den Kassierer, wir reisen demnächst nach Satun, ob die Firma zwölf Flaschen dorthin liefern würde.
Einen Tag darauf telefonierte der Kerl, unser bestellter Wein sei eingetroffen. Wir hatten keinen Platz im Auto. Zusätzlich wollte ich keinen Wein während einer Woche im heissen Fahrzeug transportieren. Zudem bestellte ich nichts. Es war bloss eine Frage, ob eine Lieferung in den Süden möglich sei.

Mühsam schleppte ich mich nach Songkran, gequält vom Durst, an die Tastatur. Ich googelte: Wine Connection. Die Firma betreibt einen Online Shop. Das Angebot ist nicht so reichhaltig wie in den luxuriösen Einkaufsgelegenheiten. Die Angestellten polieren die Flaschen täglich. In meinem Weinkeller in der Nähe von Bern waren Staubwedel verboten.
Die Dienstleistungen im Internet sind kundenfreundlich. Ab zweitausend Baht entfallen Transportgebühren. Ich fand zwei Weine, Shiraz und Chardonnay und bestellte am Montag, kurz vor Mittag, je sechs Flaschen.
Am Dienstagmorgen hatte ich einen „neunzig Tage“ Termin beim Amt. Wir waren wieder im Auto, als mein Telefon Töne dudelte. Ich dachte, es sei ein Anruf aus Bangkok, betreffend Weinbestellung. Nein, es war unser bekannter Fahrer von Kerry Express. Er sagte, er hätte eine Sendung für mich aus Bangkok, frisch vom Flughafen Hat Yai.
Unglaublich – keine vierundzwanzig Stunden später erfolgte die Lieferung. Ich kalkulierte zuvor, wenn wir Glück haben, erhalten wir die fermentierte Trauben-Medizin aufs Wochenende. Nach drei geleerten Flaschen lalle ich: Herzlichen Dank!