Thailands verheissungsvolle, bahnbrechende Zukunft

Ein heisses Land in einer heissen Zeit. Da ist es nie zu spät für Bierpreis und allgemeine Alkohol-Steuer-Erhöhungen.
Die Regierung investiert viel und benötigt Geld. Der Schutz der Monarchie, inbegriffen der Bevölkerung, wird intensiviert mit U-Booten, Helikoptern, Flugzeugen und Panzern. Schiffe mit Lenkwaffen könnten feindliche Einheiten in Entfernungen von über zweihundert Kilometern beschiessen. Die lückenlose Überwachung des Internets benötigt viel geschultes Personal und modernste Technik.
Zitronen gibt es kaum genug zum Quetschen. Da hält man sich besser an die Leute. Saurer, sogar vitaminreicher Saft hilft wenig. Billionen Baht sind besser.
Eine Idee war, die Gebühren für Abfälle um das Elffache zu erhöhen. Ich befürchte leider, dass dann der Kehricht wieder in Nachbars Garten, im Dschungel, in Flüssen und Seen landet oder mühsam von den Meeresstränden gesammelt wird. Jede Nacht beleuchten dann – wie einst – Millionen Feuerchen mit stinkendem Qualm Hütten, Palmen und Tempel.
Vor ungefähr zehn Jahren wurde der Kehricht, trotz bezahlter Gebühren, im Dorf plötzlich nicht mehr abgeholt. Die Lastkraftwagen reisten damals von Chiang Mai ins Gebiet von Lampang. Sie schmissen den stinkenden Müll in den Dschungel. Das funktionierte, bis sie von wütenden Einheimischen mit Schrotflinten begrüsst wurden.

Weiter denkt man an eine progressive Zuckersteuer in Getränken, mit dem richtigen Argument, Zucker sei ungesund. Suppen, Gemüse und andere Speisen dürfen weiter abgabefrei gezuckert werden. Warum nicht eine generelle Zuckersteuer erheben? Sie wäre bei höheren Erträgen weit weniger personalintensiv.

Die Zeitungen, Bangkok Post und Khaosod, sehen die Aktionen aus ihren Blickwinkeln:
Die Konsumenten zahlen für die Sünden der Regierung (1)
Ist diese Regierung kaputt und schöpft einen neuen „Sündensteuer“-Plan, damit angeblich sündige Konsumenten mehr bezahlen? Ich besprach diese Spekulation mit einem Freund. Am Samstag werden neue Verbrauchsteuersätze wirksam und Preiserhöhungen auf Alkohol, Zigaretten und Kaffee stehen bevor. Die Verbraucher sind gezwungen, die Last von immer teurerem Bier, Wein, Schnaps und Zigaretten zu tragen.
Laut Forbes Thailand Magazin gibt es erhebliche Erhöhungen der Lizenzgebühren. Beispielsweise wird die Alkohol-Herstellungsgebühr von 5.000 Baht auf 300.000 Baht pro Jahr angehoben.
Ein Produzent, der 30 Millionen Flaschen im Jahr abfüllt, zahlt umgerechnet auf die Flasche 0.01 Baht. Ganz anders trifft es die Detailhändler. Für den Einzelhandel wird die Lizenzgebühr von 2.000 Baht auf 50.000 Baht erhöht. Wenn der Umsatz bloss 10‘000 Flaschen beträgt, ergibt das pro Flasche fünf Baht, die vom Gewinn verlorengehen … oder der Kunde bezahlt.

Nach kurzem Schnuppern in den Preislisten bemerkte ich, dass wiederum beim echten Wein am kräftigsten abgesahnt wird. Daraus ergibt sich, dass nicht hochprozentige destillierte und gebrannte Wasser, sondern natürlich fermentierte Traubensäfte die aggressivsten Feinde von Hirn und Leber der hochsensiblen Bevölkerung Hinterindiens sind.
Billigst “Weine“, gepanscht im Grossraum Bangkok, aus importiertem Traubenkonzentrat, lokalem Ethanol und Wasser, gelten als einheimische Erzeugnisse.

Werte Geldbeschaffer: Sofern ihr wirklich unerschöpfliche Mengen Geld benötigt, verdoppelt endlich die Treibstoff-Preise. Vielleicht würden dann einige Dieselbesitzer ihre ungewarteten Stinker nicht nur währen der Nacht abstellen, sondern die Luftbelastung mit Schadstoffen könnte mindestens in Chiang Mai, eventuell sogar landesweit, verringert werden.

Die Staatsbahnen planen mit Unterstützung von Japan, 2023 die 193 Kilometer lange Hochgeschwindigkeits-Strecke von Bangkok (Don Mueang, Suvarnabhumi, U-Tapao) nach Rayong in Betrieb zu nehmen. Der Grundpreis sollte zwanzig Baht plus 1.80 Baht pro Kilometer betragen. (2)
Die Japaner möchten ebenfalls eine schnelle Strecke von Bangkok nach Chiang Mai errichten.
Gleichzeitig wird in Zusammenarbeit mit China an der Strecke von Nong Khai nach Bangkok gearbeitet.

(2) http://www.bangkokpost.com/news/general/1317747/rapid-rail-link-to-rayong-set-for-2023
(1) http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1323951/consumers-made-to-pay-for-government-sins

Gericht aus Hinterindien. – Das andere Curry Rezept

Mit meinen Gelenkschmerzen kann ich nicht stundenlang frische, zähe Wurzeln zerstampfen. Deshalb ist es ein einfaches Gericht. Noch einfacher geht es nur, wenn man sich zur nächsten Garküche oder in eine Kneipe schleppt, Geld auf einen schmierigen Tisch legt, hungrig und durstig hervorwürgt: „Gäng, Khao, Beer – khrap!“ Welche Art Gäng aufgetischt wird, wissen sie nicht.
In meinem Falle kämen noch die Transfers ins Fahrzeug dazu. Der Einstieg erfordert, sofern ich es in einer Sekunde schaffen würde, nahezu die Leistung von einer Pferdestärke. Sehe ich aus wie ein Pferd? Deshalb ziehe ich unsere Küche mit bescheidenen Vorräten vor. Das Rezept für drei Personen lautet:
Man nehme einen viertel Liter ungezuckerten Orangensaft. Dann wird eine bio-logische Banane in dünnen Scheiben hineingesäbelt. Pazifisten dürfen Küchenmesser verwenden. Eine feingeschnittene Tomate hinzugeben. Zwei Esslöffel mit Waugh’s Curry Pulver einrühren. Wer indische Currymischungen hat, benutzt diese. Indische Mischungen gibt es seit diesem Jahr in unserer Gegend nicht mehr. Wer sind die Hintermänner? Sind es eher unauffällige Typen der Mafia – oder die uniformierten, namenlosen Helden der Volksbefreiungsarmee?
Zusätzlich gab ich frisch gemahlenen Pfeffer, weiss und dunkel, bei. Küchenkräuter von frisch bis zu getrocknete Mischungen können die Tunke ergänzen. Ganz wichtig ist, eine viertel Zehe frisch gepressten Knoblauch einrühren. Militanten Knoblauchisten empfehle ich, bloss eine halbe Zehe zu verwenden. Sonst wird das empfindliche Bananen-Orangen, Schlauchapfel-Apfelsinen, Aroma, gestört.
Die delikate Mixtur auf kleinem Feuer brodeln lassen, bis die Bananenstücklein zerkocht sind. Währenddessen, drei bis vier Tranchen Schweinelende, ungefähr 15 mm stark, in eine beschichtete Bratpfanne geben. Einige Tropfen Olivenöl beifügen. Das Fleisch beidseitig mit wenig Paprikapulver bestäuben, salzen, würzen mit Oregano und Rosmarin und warten. Paprika benutze ich zur Farbgebung.
In Lan Na Land könnte anstelle von Schweinefleisch Elefantenfilet verwendet werden – grösseres Kochgeschirr erforderlich. Sofern Elefant verwendet wird, ist das Gericht Halal und könnte in europäischen Asylunterkünften angeboten werden.

Sobald sich die Banane langsam in der Curry Tunke auflöst, Pasta-Wasser kochen. Pro 100 Gramm Pasta einen Liter Wasser verwenden. 50 Gramm Nudeln pro Person genügen, sofern es nicht Radfahrer sind. Radfahrer verspeisen ein Kilogramm – gemäss der nach oben offenen Pastafarier-Skala!
Zwecks reichlicher Saucen-Aufnahme empfehle ich „Le Eliche“ Nummer 56. Während die Pasta kocht, Lenden Stücke gut anbraten. In der Sauce kurz ziehen lassen.
Zum eher süsslichen Curry passt ein trockener Schaumwein. Wir leerten eine Flasche Trilogy. Bessere Brause, Gosset beispielsweise, gibt es, aber nicht in Chiang Mai.

https://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Die-CurryInternationale/story/18814744

Low unterwegs als fad-feuchter Pflaumenforscher

Geschätztes Publikum: Ich bedaure, dass ich mich wegen widrigen Umständen nicht melden konnte.
Wir waren eine Woche lang in den Norden unterwegs. Nach täglich mehreren Stunden schütteln auf überlasteten Landstrassen, versagten meine Finger abends den Dienst an der Tastatur. Wir durften regen Anteil nehmen an der schwierigen Situation des Gastgewerbes. In einem vier Sterne Haus war die Matratze im Mittelfeld ausgebumst und wies einen Krater aus, der mich die ganze Nacht lang magisch anzog und hineinrollen liess.
Am nächsten Tag waren die einst süffigen Cocktails einer Bar am Rande der Geniessbarkeit. Dafür wurden die Preise angepasst – mit reichlich dreissig Prozent Zuschlag. Anders berechnet sind es schlichte fünfzig Prozent. Ab Nakhon Pathom wurde die Atemluft stickig. Während des Fahrens hatte ich das Gefühl, ich hätte Wasser in den Lungen. Während wir vor einem Jahr zur selben Zeit durch eine staubige, durch Dürre gezeichnete Steppenlandschaft reisten, glänzte dieses Mal die Umgebung in sattem Grün. Sogar Reisfelder wurden bestellt.

Einen harten Dämpfer bescherte unser Internetanbieter in Chiang Mai. Der Herr am Schalter im Grossmarkt Hangdong wollte, unser Vertrag läuft noch bis Ende Jahr, bereits im Wonnemonat Mai ein neues, teureres Angebot abschliessen. Wir könnten gar nichts tun als von seinem Vorschlag profitieren. Die Zuleitungen zum Haus seien bereits entfernt. Unser zwei jähriger Router deshalb unbrauchbar.
Die „drei bösen Buben“ machten ihre Berechnungen, stiessen aber auf extremen Widerstand des Kunden. Die herbeigerufenen Servicetechniker stellten im Dorf fest, Kabel wurden wirklich gekappt. Ausser den monatlichen Rechnungen erhielten wir nie Berichte über die Tätigkeiten der Firma in unmittelbarer Umgebung unserer Grundstücke. Die Agentur im Chiang Mai Airport Plaza war der gegenteiligen Ansicht, wir hätten Router und einen Vertrag, die Dienstleistungen könnten problemlos weiter geführt werden. Den selbstherrlichen Bereicherer werde ich am Hauptsitz in Bangkok als faule, im Grenzfall als unreife, Pflaume entlarven.

Eher selten sind wir in japanischen Restaurants anzutreffen. Ich mag das zarte Wagyu Rindfleisch, begleitet von einem Fläschchen Sake. (1) Beim letzten Besuch in Chiang Mai war das Wagyu importierter zäher Wasserbüffel aus den flimmernd heissen Steppen des Isan. Der Sake war alle. Die Kellnerin empfahl ein ähnliches japanisches Erzeugnis. Das Getränk passte weder zu Wasserbüffel, noch zu Wagyu.   Es war abscheulich süsslicher Pflaumenschnaps, wie mir Gaumen und Herr Google verrieten.
Etwa auf halber Strecke nach Nordthailand, kannten wir eine Gaststätte. Die Verantwortlichen gestalteten in der bebilderten Speisekarte eine oder zwei Seiten mit ihrem Weinangebot. In sechs Monaten verminderte sich die Auswahl auf zwei Sorten Hauswein. Einen Chardonnay und einen Cabernet Sauvignon. (2)
Eine Hühnersuppe stand brodelnd in einem Topf auf dem Tisch. Süss-saures Schweinefleisch war bestellt. Der Cabernet-Sauvignon war unsere Wahl.
Die Kellnerin goss reichlich roten Saft in die Gläser und liess die Flasche schnell verschwinden. Ich nippte vorsichtig am Glas. Die Haare stellten sich auf. Der Magen grunzte erregt.
Das war kein Rebensaft. Das war wieder ein fermentierter Pflaumenfruchtsaft, wie sich beim Interpretieren der Angaben auf der Flasche bestätigte. Kein Tropfen Cabernet-Sauvignon verirrte sich in die Brühe. Solche „Food and Beverage Manager“, Betrüger der gehobenen Art, gehören hinter Gitter, bestimmt nicht in gepflegte Sessel von Grand Hotels. (3)

Das Internet funktioniert seit einem Tag sensationell mit Pocket WiFi von True. Es bietet Zugriff für sämtliche Laptops und Smartphones im Haus. (4)

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Wagy%C5%AB
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Cabernet_Sauvignon
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/F%26B-Manager
(4) http://www3.truecorp.co.th/truemoveh/product/detail/3208/4G_pocket_WiFi?ln=en#promotion

Brot und Fisch

Bevor wir auf den Strassen nach Norden rollen, brachte uns die Fischerin vom Bodensee, selbstverständlich von der Andamanensee, einen besonderen Leckerbissen, einen selbstgefangenen Barrakuda.
Sie erlebt schwierige Zeiten. Ihr Gemahl ist schwer krank. Er liegt offenbar im Sterben. Ihrem jungen Sohn wurde von einem durch Buddha mit überschüssiger Kraft gesegneten Schlägertypen ein Oberarm gebrochen. Nach anstrengender Meditation entging es dem verehrten Erleuchteten, dass er mehrmals beim Behälter Kraft/Muskeln zugriff, leider aber die Komponenten Hirn/Verstand komplett vergass.
Nun mangelt es der Frau und Mutter an genügend Geld und Personal zur Versorgung beider Patienten. Deshalb fischt die Frau frühmorgens zusammen mit der neunjährigen Tochter eigenhändig. Danach besorgt sie Hauslieferungen.

Die Barrakudas, auch Pfeilhechte genannt, sind Raubfische aus der Gruppe der Carangaria, der Familie der Barschverwandten. Je nach Art werden sie von zwanzig Zentimetern bis zu zwei Metern lang. Barrakudas stehen am Ende der Nahrungskette. Deshalb kann sich in älteren Tieren das giftige Ciguatoxin anreichern. In der Karibik traten sehr selten beim Verzehr von Barrakudafleisch Vergiftungen auf. Der Fisch war sicher nicht gefährlicher, als die bevorstehende Reise nach Chiang Mai.
Unser Fischlein war ungefähr siebzig Zentimeter lang. Dick teilte den ehemals aggressiven Schwimmer in vier pfannengerechte Stücke. Es war einer der besten Fische, die ich je verspeiste. Dazu genossen wir frisches Brot aus unserer Hausbäckerei. Eine Flasche Chardonnay rundete die einfache, dennoch grossartige Mahlzeit ab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Barrakudas

Aussergewöhnliche Rettung vor dem Verdursten

Wir erlebten den ersten, doppelt trockenen Songkran. In Satun wird nur selten gewässert. Meine Kleidung blieb trocken. Zusätzlich litten unsere Kehlen unter Feuchtigkeitsmangel. Bier trinke ich kaum. Es gab keinen Wein, der den Namen verdient. Nur gepanschten Fusel aus Bangkok, fabriziert aus importiertem Traubenkonzentrat, gemischt mit Alkohol und Wasser. Bereits die Etiketten liessen zweifeln. Die Grafiker konnten nicht fehlerlos “Château“ schreiben. Es geht mir nicht um den schwierigen Accent circonflexe. Dieses Dach wurde zum Quälen quengelnder fremdsprachiger französischlernender Knaben erfunden. Die geniale, thailändische Neuschöpfung heisst Chaton.
Eine jüngere Angestellte erzählte: Amtsstellen in Bangkok beeinflussten den Grossverteiler – – – in Satun im Angebot auf echte Importweine zu verzichten!

Im Kad Farang in Chiang Mai genossen wir vor Monaten guten Primitivo, in Amerika heisst die Traube Zinfandel – und Negroamaro. Wir fragten den Kassierer, wir reisen demnächst nach Satun, ob die Firma zwölf Flaschen dorthin liefern würde.
Einen Tag darauf telefonierte der Kerl, unser bestellter Wein sei eingetroffen. Wir hatten keinen Platz im Auto. Zusätzlich wollte ich keinen Wein während einer Woche im heissen Fahrzeug transportieren. Zudem bestellte ich nichts. Es war bloss eine Frage, ob eine Lieferung in den Süden möglich sei.

Mühsam schleppte ich mich nach Songkran, gequält vom Durst, an die Tastatur. Ich googelte: Wine Connection. Die Firma betreibt einen Online Shop. Das Angebot ist nicht so reichhaltig wie in den luxuriösen Einkaufsgelegenheiten. Die Angestellten polieren die Flaschen täglich. In meinem Weinkeller in der Nähe von Bern waren Staubwedel verboten.
Die Dienstleistungen im Internet sind kundenfreundlich. Ab zweitausend Baht entfallen Transportgebühren. Ich fand zwei Weine, Shiraz und Chardonnay und bestellte am Montag, kurz vor Mittag, je sechs Flaschen.
Am Dienstagmorgen hatte ich einen „neunzig Tage“ Termin beim Amt. Wir waren wieder im Auto, als mein Telefon Töne dudelte. Ich dachte, es sei ein Anruf aus Bangkok, betreffend Weinbestellung. Nein, es war unser bekannter Fahrer von Kerry Express. Er sagte, er hätte eine Sendung für mich aus Bangkok, frisch vom Flughafen Hat Yai.
Unglaublich – keine vierundzwanzig Stunden später erfolgte die Lieferung. Ich kalkulierte zuvor, wenn wir Glück haben, erhalten wir die fermentierte Trauben-Medizin aufs Wochenende. Nach drei geleerten Flaschen lalle ich: Herzlichen Dank!

Wassermelonen und Kernforschung

In sämtlichen tropischen Früchten finden wir die Samen, Kerne, Steine und wie immer die bösartigen Zahnschädlinge genannt werden, irgendwo schön aussortiert. Da ist Gruppenleben einprogrammiert.
Die riesige Ausnahme sind die Wassermelonen. Da sind die Samen, wie beim Urknall die Sterne in den verschiedenen Milchstrassen, im ganzen wässerigen All, der von einer dicken Schale begrenzten Frucht, verteilt.
Wenn ich Wassermelone esse, habe ich immer einen Spucknapf, einen sogenannten Kernspeicher in der Nähe. Ich will ja nicht schädliche Kernenergie, sondern wässrig vitaminisiertes Fruchtfleisch schlucken.
Bei den Einheimischen ist es ganz anders. Die sammeln die Samen und trocknen sie. Nach einiger Zeit, wenn die Dinger von einem grauen Reifeschleier überzogen sind, wird die feine Schale mit den verbliebenen Zähnen geknackt und der Inhalt genüsslich verspiesen. Das ist üblicherweise ein mehrstündiges Ritual, während dem, nach eigener Erfahrung, kein Geschlechtsverkehr ausgeübt wird.
Andere wiederum machen aus den gesammelten Kernen knuspriges Backwerk. Eines der übelsten Gebäcke, die ich jemals im Mund hatte, waren Biskuits mit Jack Frucht-Kernen. Der Jack Fruchtbaum, Artocarpus heterophyllus, ist eine Pflanzenart der Familie der Maulbeergewächse, Moraceae.
Spezialisten verarbeiten Wassermelonenkerne zu Mehl und backen damit etwas Brotähnliches.

Vergeblich suchte ich als interessierter Mensch, im Internet Details zur Kernverteilung in Wassermelonen. Vermutlich wüssten Kern-Forscher im CERN genaueres. (1)
Aber ich fand einen interessanten Hinweis auf Wassermelonenspezialitäten für ältere Menschen, sowie Melonenkern-Allergiker.

Bekömmliche Wassermelonen-Bowle
Von einer ungefähr fünf Kilogramm schweren, biologischen Wassermelone mit Zertifikat, einen Deckel absäbeln. Auf der verbliebenen Seite das Fruchtfleisch auskratzen, bis das Gebilde einem Halloween-Kürbis ähnelt.
Etwas Frucht in kleine Stücke hacken. In die leere Melonenhälfte eine Flasche Weisswein und einen halben Liter Wodka vorsichtig einplätschern lassen. Etwas Fruchtfleisch beigeben. Den abgesäbelten Deckel aufsetzen und die Bowle über Nacht im Kühlschrank lagern. Vor dem kultivierten Servieren eine Flasche perlenden Sekt beigeben.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/CERN

Wenn Geld nutzlos wird, weil es keiner haben will

Der Herr General erfreut uns, weil er Geld haben will. Zwecks Beschaffung stellte er neue Abgaben auf alkoholischen Getränken in Aussicht. Beim Wein beispielsweise, statt bisher 225 – 2100 Baht pro 0,75 l Flasche, sollen die neuen Steuersätze 519 – 1482 Baht betragen – plus Mehrwertsteuer.
Knochenbrecher-Fusel ist immer noch zu günstig. Ich las im Internet, Rum, Marke Onkel Tom, sei lecker und preisgünstig. Zuckerrohr wächst in Mengen im Land. Wieso noch niemand in Thailand daraus ähnliche Destillate wie Bacardi erzeugen kann, wissen nur die unbefriedigten Geister. Als Schutzgeist würde ich mich nicht mit Lao Khao bestechen lassen. Das müsste mindestens ein gefälschter chinesischer Cognac Courvoisier VSOP XP sein. Sämtlichen sogenannten Thai Rum Destillaten fehlt das typische Rum Aroma. Wenn sie die Etiketten lesen, erfahren sie, dass der in Thailand teuer verkaufte Bacardi in Indien billig hergestellt wird.
Ich legte zweihundertzwanzig Baht aus und brachte sieben Deziliter Onkel Tom mit nach Hause. Ein erster Geruchstest war verheissungsvoll. Die Nase genoss ein volles Rum Aroma mit sonnigen Grüssen aus Barbados, Cuba und Jamaica.
Erst beim Trinken versagte Onkel Tom vollständig. Da waren Fremdgerüche einer ganzen Batterie von Aromen, darunter ein fast stechend beissender Vanille Anteil. Der Fusel reizte zusätzlich unsere Därme. Dieser Schnaps hilft eventuell bei Verstopfungen, oder du ziehst Rizinus-Öl vor.

Das erste Mal wollte eine Gärtnerei in der Nähe von Hang Dong mein thailändisches Geld nicht annehmen und behielt die ausgesuchten Pflanzen. Sehe ich aus wie ein Notenfälscher oder wie ein professioneller Bankräuber?
In Satun in der Nähe befindet sich dem Namen nach zu schliessen ein GROSS-Markt. Die herumstehenden Angestellten machten uns mehrmals Schwierigkeiten, Waren zu beziehen. Einmal warteten wir eine halbe Stunde an der Kasse, um den Preis einer Flasche Wein zu ermitteln.
Die Mitarbeiter entdeckten, dass der Wein im Computer nicht zu finden war. Weil er nicht aufgeführt war, hätten sie ihn verschenken können. Keiner hätte etwas bemerkt. Mit demselben Resultat hätten wir ihn stehlen können. Der Diebstahl hätte nicht bewiesen werden können. Vielleicht war die preislos teure Flasche eine stille „Reserve du Patron“.

Seit drei Jahren liegt eine Flasche Syrah Cabernet im Verkaufs-Regal. Der Flaschenverschluss leckte. Der Wein ist teilweise ausgelaufen und verfärbte Kragen und Etikette. Kein vernünftiger Mensch bezahlt Geld für verdorbenen Wein.

Auf eine besonders miese Masche stiess ich im ganzen Land. Die Angestellten stellen Ware mit Preisen versehen aus. Sofern man das Objekt erwerben will, heisst es dann:
„Das ist unser Ausstellungsstück. Wir verkaufen es nicht.“ Wieso wird Zeug angeboten, das nicht verkauft werden will. Sind die Angestellten zu faul oder zu dumm zum Wegräumen? In Bern musste laut Verfügung angeschriebene Ware zum angebotenen Preis verkauft werden.

Eines Nachts nach zehn Uhr, wechselte Dick die Bettwäsche. Danach erzählte sie mir, die Matratze hätte grau-schwarze, fleckige Stellen, möglicherweise Fungus. Da der Bettinhalt während eines Jahres in Leks Haus mit Schimmelzucht lag, vertraute ich Dicks Bemerkung.
„Verschenk das Ding“, sagte ich. „Morgen kaufen wir eine neue Unterlage.“
Noch am gleichen Abend bot sie die neuwertig aussehende Matratze telefonisch einer Freundin an. Am Morgen sah ich mir im Sonnenschein das zweijährige Objekt an. Ich entdeckte keine verräterischen Flecken, noch roch ich Schimmel. Die Flecken entstanden möglicherweise durch zerriebene Kokosfasern. Eine halbe Stunde später war das Bettgestell geräumt.

Wir betraten, nach dem ich mit Banknoten aufgerüstet hatte, das Geschäft. Wir hatten Glück. Es waren Matratzen am Lager. „Swiss Design“, hiess es, mit einer kleinen rot-weissen Flagge dekoriert. „Made in Thailand!“ Zusammensetzung, unter anderem Stahlfedern, nicht Entendaunen, Rosshaar und Seegras, sondern Kokosfasern. Der Preis war herabgesetzt. Anstatt 45xx Baht nur 28xx Baht, inklusive Gratislieferung. (Wussten sie, dass Chinesischer Tee aus gebrauchten Seegras-Matratzen gebraut wird?)
„Zu dem Preis können wir zuschlagen. Wenn unsere Rücken nach einer Nacht schmerzen, kaufen wir andernorts etwas Besseres“.
Wir warteten vergeblich auf Bedienung. Nach einiger Zeit organisierte Dick eine Angestellte. Diese wiederum sandte einen freundlichen jungen Mann. Er schaute in sein Notizheft und meinte: „Nach vier Uhr kann ich ihnen den Artikel zustellen.“
Wir warteten auf die Rechnung. Anstelle der Rechnung erschien eine grell-giftige, resolute junge Frau. Sie bellte: „Heute wird auf keinen Fall geliefert, vielleicht morgen“. Darauf schrie in einer Lautstärke, dass es jeder hören sollte, zu einer anderen Angestellten: „Die sollen sich doch einen Kleinlaster mieten“.
Dick beschwerte sich an der Kasse über die ungewohnt unfreundliche Abfertigung langjähriger Kunden. Ich dachte, vielleicht machte die aggressive junge Frau unerfreuliche Erfahrungen auf der Unterlage. Sie wollte uns nur warnen.

Dick fuhr zu unserem Möbellieferanten. Er hatte gediegene Bettinhalte beginnend bei achttausend Baht. Wir entschieden uns für eine Qualitätsmatratze von über 20‘000 Baht und erhielten einen grosszügigen Rabatt. Zehn Minuten nach unserer Rückkehr lag das Latex-Ding bei uns im Bettgestell.

Danach klingelte nicht der Tinnitus. Es es war der Grossmarkt. Sie könnten nun doch heute liefern.