Wassermelonen und Kernforschung

In sämtlichen tropischen Früchten finden wir die Samen, Kerne, Steine und wie immer die bösartigen Zahnschädlinge genannt werden, irgendwo schön aussortiert. Da ist Gruppenleben einprogrammiert.
Die riesige Ausnahme sind die Wassermelonen. Da sind die Samen, wie beim Urknall die Sterne in den verschiedenen Milchstrassen, im ganzen wässerigen All, der von einer dicken Schale begrenzten Frucht, verteilt.
Wenn ich Wassermelone esse, habe ich immer einen Spucknapf, einen sogenannten Kernspeicher in der Nähe. Ich will ja nicht schädliche Kernenergie, sondern wässrig vitaminisiertes Fruchtfleisch schlucken.
Bei den Einheimischen ist es ganz anders. Die sammeln die Samen und trocknen sie. Nach einiger Zeit, wenn die Dinger von einem grauen Reifeschleier überzogen sind, wird die feine Schale mit den verbliebenen Zähnen geknackt und der Inhalt genüsslich verspiesen. Das ist üblicherweise ein mehrstündiges Ritual, während dem, nach eigener Erfahrung, kein Geschlechtsverkehr ausgeübt wird.
Andere wiederum machen aus den gesammelten Kernen knuspriges Backwerk. Eines der übelsten Gebäcke, die ich jemals im Mund hatte, waren Biskuits mit Jack Frucht-Kernen. Der Jack Fruchtbaum, Artocarpus heterophyllus, ist eine Pflanzenart der Familie der Maulbeergewächse, Moraceae.
Spezialisten verarbeiten Wassermelonenkerne zu Mehl und backen damit etwas Brotähnliches.

Vergeblich suchte ich als interessierter Mensch, im Internet Details zur Kernverteilung in Wassermelonen. Vermutlich wüssten Kern-Forscher im CERN genaueres. (1)
Aber ich fand einen interessanten Hinweis auf Wassermelonenspezialitäten für ältere Menschen, sowie Melonenkern-Allergiker.

Bekömmliche Wassermelonen-Bowle
Von einer ungefähr fünf Kilogramm schweren, biologischen Wassermelone mit Zertifikat, einen Deckel absäbeln. Auf der verbliebenen Seite das Fruchtfleisch auskratzen, bis das Gebilde einem Halloween-Kürbis ähnelt.
Etwas Frucht in kleine Stücke hacken. In die leere Melonenhälfte eine Flasche Weisswein und einen halben Liter Wodka vorsichtig einplätschern lassen. Etwas Fruchtfleisch beigeben. Den abgesäbelten Deckel aufsetzen und die Bowle über Nacht im Kühlschrank lagern. Vor dem kultivierten Servieren eine Flasche perlenden Sekt beigeben.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/CERN

Wenn Geld nutzlos wird, weil es keiner haben will

Der Herr General erfreut uns, weil er Geld haben will. Zwecks Beschaffung stellte er neue Abgaben auf alkoholischen Getränken in Aussicht. Beim Wein beispielsweise, statt bisher 225 – 2100 Baht pro 0,75 l Flasche, sollen die neuen Steuersätze 519 – 1482 Baht betragen – plus Mehrwertsteuer.
Knochenbrecher-Fusel ist immer noch zu günstig. Ich las im Internet, Rum, Marke Onkel Tom, sei lecker und preisgünstig. Zuckerrohr wächst in Mengen im Land. Wieso noch niemand in Thailand daraus ähnliche Destillate wie Bacardi erzeugen kann, wissen nur die unbefriedigten Geister. Als Schutzgeist würde ich mich nicht mit Lao Khao bestechen lassen. Das müsste mindestens ein gefälschter chinesischer Cognac Courvoisier VSOP XP sein. Sämtlichen sogenannten Thai Rum Destillaten fehlt das typische Rum Aroma. Wenn sie die Etiketten lesen, erfahren sie, dass der in Thailand teuer verkaufte Bacardi in Indien billig hergestellt wird.
Ich legte zweihundertzwanzig Baht aus und brachte sieben Deziliter Onkel Tom mit nach Hause. Ein erster Geruchstest war verheissungsvoll. Die Nase genoss ein volles Rum Aroma mit sonnigen Grüssen aus Barbados, Cuba und Jamaica.
Erst beim Trinken versagte Onkel Tom vollständig. Da waren Fremdgerüche einer ganzen Batterie von Aromen, darunter ein fast stechend beissender Vanille Anteil. Der Fusel reizte zusätzlich unsere Därme. Dieser Schnaps hilft eventuell bei Verstopfungen, oder du ziehst Rizinus-Öl vor.

Das erste Mal wollte eine Gärtnerei in der Nähe von Hang Dong mein thailändisches Geld nicht annehmen und behielt die ausgesuchten Pflanzen. Sehe ich aus wie ein Notenfälscher oder wie ein professioneller Bankräuber?
In Satun in der Nähe befindet sich dem Namen nach zu schliessen ein GROSS-Markt. Die herumstehenden Angestellten machten uns mehrmals Schwierigkeiten, Waren zu beziehen. Einmal warteten wir eine halbe Stunde an der Kasse, um den Preis einer Flasche Wein zu ermitteln.
Die Mitarbeiter entdeckten, dass der Wein im Computer nicht zu finden war. Weil er nicht aufgeführt war, hätten sie ihn verschenken können. Keiner hätte etwas bemerkt. Mit demselben Resultat hätten wir ihn stehlen können. Der Diebstahl hätte nicht bewiesen werden können. Vielleicht war die preislos teure Flasche eine stille „Reserve du Patron“.

Seit drei Jahren liegt eine Flasche Syrah Cabernet im Verkaufs-Regal. Der Flaschenverschluss leckte. Der Wein ist teilweise ausgelaufen und verfärbte Kragen und Etikette. Kein vernünftiger Mensch bezahlt Geld für verdorbenen Wein.

Auf eine besonders miese Masche stiess ich im ganzen Land. Die Angestellten stellen Ware mit Preisen versehen aus. Sofern man das Objekt erwerben will, heisst es dann:
„Das ist unser Ausstellungsstück. Wir verkaufen es nicht.“ Wieso wird Zeug angeboten, das nicht verkauft werden will. Sind die Angestellten zu faul oder zu dumm zum Wegräumen? In Bern musste laut Verfügung angeschriebene Ware zum angebotenen Preis verkauft werden.

Eines Nachts nach zehn Uhr, wechselte Dick die Bettwäsche. Danach erzählte sie mir, die Matratze hätte grau-schwarze, fleckige Stellen, möglicherweise Fungus. Da der Bettinhalt während eines Jahres in Leks Haus mit Schimmelzucht lag, vertraute ich Dicks Bemerkung.
„Verschenk das Ding“, sagte ich. „Morgen kaufen wir eine neue Unterlage.“
Noch am gleichen Abend bot sie die neuwertig aussehende Matratze telefonisch einer Freundin an. Am Morgen sah ich mir im Sonnenschein das zweijährige Objekt an. Ich entdeckte keine verräterischen Flecken, noch roch ich Schimmel. Die Flecken entstanden möglicherweise durch zerriebene Kokosfasern. Eine halbe Stunde später war das Bettgestell geräumt.

Wir betraten, nach dem ich mit Banknoten aufgerüstet hatte, das Geschäft. Wir hatten Glück. Es waren Matratzen am Lager. „Swiss Design“, hiess es, mit einer kleinen rot-weissen Flagge dekoriert. „Made in Thailand!“ Zusammensetzung, unter anderem Stahlfedern, nicht Entendaunen, Rosshaar und Seegras, sondern Kokosfasern. Der Preis war herabgesetzt. Anstatt 45xx Baht nur 28xx Baht, inklusive Gratislieferung. (Wussten sie, dass Chinesischer Tee aus gebrauchten Seegras-Matratzen gebraut wird?)
„Zu dem Preis können wir zuschlagen. Wenn unsere Rücken nach einer Nacht schmerzen, kaufen wir andernorts etwas Besseres“.
Wir warteten vergeblich auf Bedienung. Nach einiger Zeit organisierte Dick eine Angestellte. Diese wiederum sandte einen freundlichen jungen Mann. Er schaute in sein Notizheft und meinte: „Nach vier Uhr kann ich ihnen den Artikel zustellen.“
Wir warteten auf die Rechnung. Anstelle der Rechnung erschien eine grell-giftige, resolute junge Frau. Sie bellte: „Heute wird auf keinen Fall geliefert, vielleicht morgen“. Darauf schrie in einer Lautstärke, dass es jeder hören sollte, zu einer anderen Angestellten: „Die sollen sich doch einen Kleinlaster mieten“.
Dick beschwerte sich an der Kasse über die ungewohnt unfreundliche Abfertigung langjähriger Kunden. Ich dachte, vielleicht machte die aggressive junge Frau unerfreuliche Erfahrungen auf der Unterlage. Sie wollte uns nur warnen.

Dick fuhr zu unserem Möbellieferanten. Er hatte gediegene Bettinhalte beginnend bei achttausend Baht. Wir entschieden uns für eine Qualitätsmatratze von über 20‘000 Baht und erhielten einen grosszügigen Rabatt. Zehn Minuten nach unserer Rückkehr lag das Latex-Ding bei uns im Bettgestell.

Danach klingelte nicht der Tinnitus. Es es war der Grossmarkt. Sie könnten nun doch heute liefern.

Islamic Vinegar of Melacca und andere Versprecher unterbelichteter Verbrecher

dscn2686-2 Im Garten der „Roten Tomate“ in Cenang erfanden die Perlen des Prosecco in meinem Kopf den Islamic Vinegar. Leicht vernebelt dachte ich beschwingt an längst zurückliegende Reisen in Malaysia.
Trinkwasser, einst automatisch Teil jeder Mahlzeit in Asien, gibt es meist nur noch auf Verlangen gegen Verrechnung.
Hausschlarpen, eine sanfte, bequeme Fussbekleidung und Bademäntel suchen Gäste in den Schränken vergeblich. Sogar Kleiderbügel verschwanden teilweise. Sie werden neu im Reich der Mitte massenhaft missbraucht, um Peking-Enten aufzuhängen.
Einst enthielten Snacks neben aromatischen Gewürzen, das für Weisse notwendige Salz. Heute enthalten die bunten Beutel mindestens vier Prozent Zucker. Salz ist nur noch im Milligramm Bereich vorhanden.
Malaysia führte eine neue Gästebesteuerung, die Salinan Pelanggan, eine Kurtaxe ein. Sie wird pro Nacht erhoben und ist von der Qualität der Betriebe abhängig. Die Luft ist in fünf Sterne Häusern teurer, als für preisgünstige Betten in mit reichlich exotischem Ungeziefer garnierten Unterkünften.

Landesübliche Preiskontrollen führen zu fragwürdigen Resultaten. Neulich erhielt ich ein praktisch fleischloses Club-Sandwich. Die einsame Gewürz-Gurke, eine genaue Beschreibung des belegte Brotes finden fachkundige Esser im Speisenverzeichnis des Lokals, war abwesend – eventuell mit unverheirateter Gefährtin im Urlaub.

Eine Meisterleistung Orwellscher Überwachungkunst ist die Bespitzelung des Alkohol- und Tabak-Verbrauches der Bewohner und ausländischer Gäste auf den Inseln Langkawi, Labuan und Tioman. Der Genuss alkoholischer Getränke ist für Mohammedaner verboten. Trotzdem werden Bier, Schnaps und Wein an die Gläubigen abgegeben.
Die eigentlich engmaschigen Vorschriften sind wenig durchdacht. Im Monat dürfen Kunden fünf Flaschen erwerben. Der Alkoholgehalt, ob 13.5 oder 40 Prozent ist Nebensache. Es weiss offenbar ebenfalls niemand, dass es Flaschen mit 75 Zentiliter, einem Liter, oder Magnumflaschen mit 1,5 Litern Inhalt gibt. Beim Bier ist der Erwerb auf 72 Dosen beschränkt. In den Hotels wird der Konsum von Bier, Schnaps und Wein noch nicht mit Einträgen in den Gästedateien bewirtschaftet.

Die verwaltungstechnischen Massnahmen wirken sich nicht unbedingt verkaufsfördernd aus. Einige Geschäfte haben bereits existenzielle Probleme.
Im benachbarten Satun führten die neuen Vorschriften Malaysias zu empfindlichen Einkommensverlusten der Grenzbeamten. Der Fluss schwarz importierter Ware verringerte sich augenblicklich. Die einst beliebten Zusatzeinkommen der Beamten wurde vom Wind der Andamanensee verweht. Die Schaffung neuer Vertriebskanäle benötigt Zeit.
Gesundheitsminister Minister Datuk Seri Dr. S. Subramaniam erhöhte die gesetzliche Alterslimite für Erwerb und Konsum gesundheitsgefährdender Stoffe von 18 auf 21 Jahre. Ab 1.Januar 2017 müssen Spirituosen Warnhinweise wie Zigaretten enthalten. Die Flaschengrösse wird auf 0.7 Liter standardisiert. Dagegen wird mit Formol behandeltes Gemüse, Fisch und Fleisch selten oder nie kontrolliert.

Träume vom See und frischem Fisch

Sukothai – Thoen – Li – Hot – PhonPhat

Bereits im letzten Jahrzehnt wurde es langweilig, vom Süden her immer wieder die Schnellstrassen 1 oder 11 zu befahren. Die unübersichtliche Strasse mit Gegenverkehr von Uttaradit nach Den Chai war extrem gefährlich.

Deshalb reisten wir von Sukothai aus nach Sawankhalok. Dort in der Nähe liegt der kleine Flugplatz von Sukothai. Von Sawankhalok aus benutzten wir die Strasse 1048 nach Thoen. Bei der Ankunft war die Fahrerin hungrig und wollte speisen. Mir behagten weder die Auswahl noch die Gerüche der zubereiteten Spezialitäten in den Töpfen. Vorsichtigerweise begnügte ich mich mit Sprudel-Wasser.
Ab Thoen wollten wir über die Strasse 106 nach Li fahren. Auf der Strassen-Karte sah man nicht, was uns erwartete. Unmengen an Kurven, extreme Steigungen, Ritte in tiefe Schluchten. Dazu nieselte es in den Hügeln. Kein Wetter zum Fotografieren der ansprechenden Landschaft. Nebelfetzen hingen dekorativ herum. Teilweise war es für mich wie eine Fahrt durch alte chinesische Tusche-Roll-Bilder. In der Schweiz hing früher so ein Kunstwerk im Schlafzimmer.
In Li fühlte sich die Fahrerin speiübel. Waren es die zahlreichen Kurven – oder doch eher die zweifelhaften Speisen in Thoen.
Von Li aus sollte uns der Weg, die Strasse 1103, an den malerischen See von Doi Tao führen. Wir träumten von mindestens einem Mittelklasse-Hotel mit Seeblick und einer kühlen Brise in den säuselnden Palmwedeln. Im romantischen Restaurant sollte frischer Fisch und süffiger Weisswein angeboten werden.
Wir fuhren an den See. In billigen Bruchbuden hingen penetrant riechende, getrocknete Fische. Thai-Gruppen entströmten Pauschal-Reisebussen. Sie kauften emsig. Merke: Getrocknete Fische übertreffen Knoblauch- und Schweiss-Mief!

Wir holperten im Wagen über Steinbrocken eines kaum bewachsenen Hügels. Da lagen erstaunlicherweise Skelette und Metallteile beeindruckender Schiffsrümpfe. Eventuell verkalkulierte sich der Sprengmeister anlässlich der Vertiefung des Abflusses des Sees. Sicher bin ich nur mit meiner Behauptung, es wurde bestimmt kein Rechenschieber verwendet!
Der Hügel war vermutlich vor einigen Jahren eine charmante Insel. Die Bewohner waren hauptsächlich freundliche Schildkröten, denn Doi Tao heisst Schildkröten-Hügel. Die wurden alle verzehrt, unter Umständen als luxuriöse Suppen geschlürft.

In unserem Dorf gibt es noch heute Schildkröten Suppe – mit dem kleinen Unterschied, dass diese Kröten keine Schilde tragen. Der Genuss der Suppen ist nicht zu empfehlen! Sehen sie sich bloss die zerfurchten und verwarzten, gierigen Dorf-Weiber an.

Weit unten, im tiefdunklen Wasser lagen zwei oder drei Boote, Restaurants, eher Fressbuden. Aus der Nähe schaute ich dem Treiben auf den Booten eine Weile zu. Abfälle wurden ins Wasser geschmissen, im gleichen Wasser Geschirr gewaschen, im Versteckten sicher auch hineingesch…. Wir verzichteten auf Delikatessen, wie Doi Tao Frikadellen.

Rechts, wenige Kilometer entfernt, klebte an einem Hang ein weisses Gebäude, offenbar ein Gasthaus mit grossartiger Aussicht, leider ohne Badestrand. Wir fuhren hin. Das Gebäude war eine Amtsstelle. Wir suchten entlang des Sees vergeblich nach unserem Traum-Hotel. Die Unterkünfte waren alle äusserst bescheiden. Unsere Wünsche konnten nicht erfüllt werden.
Die Fahrerin steuerte Hot an. Die Strasse 108, eine Verbindung von Chiang Mai nach Mae Hong Son, führte uns nach Hause. Zuvor gab es Abendessen in Chom Thong. Es war nicht frischer Fisch. Auf den Weisswein verzichteten wir ebenfalls.zu Hause

Kein Fastfood

Andaman1Nach drei wenig erbaulichen, niederschmetternden Beiträgen fühlte ich mich fast gezwungen, ein positives Signal zu setzen. Diesen Kick vermittelte in den letzten Tagen zusätzlich eine gelungene Hacker Attacke. Mein aktuellstes Werk, ungefähr 25 Kilobyte, wurde erfolgreich auf zehn Worte reduziert. Der Speicherinhalt blieb nach der Manipulation bei 25KB! Gratulation lieber Feind. Das dürfte kein Einheimischer gewesen sein.

In und um Satun gibt es zwei Orte, wo wir Speisen geniessen. Das einzige Restaurant, das den Namen verdient, ist D’Andaman, ausserhalb der Stadt. Der Nachteil – es ist streng halal. Zusammen mit etwas gutem Wein könnte ich doppelte Portionen bestellen. Wie ungesund Wasser ist, zeigt mein Puls. Die Frequenz steigt zusehends. Bei vergleichbaren Mengen Rotwein bemerke ich keine Veränderung.

andaman2 andaman schauküche
Der Blick in die Küche ist offen
andaman waiters
andaman gedeck
andaman fisch süss und sauer
Das Restaurant liegt gegenüber von TESCO-LOTUS. Die Schnellstrasse sollte nicht überquert werden. Empfehlung: U-Turn benutzen.

Uferstrecken am Mekong

Nach einem unglaublichen Monat im Dorf trieb uns der täglich professionell angewandte Schwachsinn der Nachbarn, die Verwandtschaft inbegriffen, zu einem vorgezogenen Visarun. Meine Meldefrist für neunzig Tage Aufenthalt läuft demnächst ab. Anstatt während Stunden der Hitze und den Abgasen der ohnehin überlaufenen Amtsstelle in Chiang Mai ausgesetzt zu sein, reisten wir über Loei nach Nong Khai. Wie ein Magnet zog uns in der Stadt der Mekong an.
Entlang des Flusses gibt es einige Lokale, die eigentlich zum Verweilen einladen sollten. Das Ufer ist durch eine Betonstrasse mit Brüstung gegen Hochwasser vermauert. Das Material strahlt die Hitze nicht nur ab, es speichert sie. Ohne schattenspendende Bäume wird es bei schönem Wetter eher ungemütlich. Zum Spazieren empfehle ich hitzeschützende Schuhe und Beinkleider.
Die strenge Gesetzgebung betreffend den reduzierten Ausschank überteuerter alkoholischer Getränke ist für den Umsatz der Kneipen wenig förderlich. Am Montag, einem buddhistischen Feiertag, gab es zum Fisch am Fluss bloss Wasser, für Einheimische bunt gefärbt und stark gezuckert. Im Hotel dagegen wurden zu den unvermeidlichen, zeitweise schwer verdaulichen Karaokeklängen, unbekümmert Feuerwasser und Bier heran geschleppt.
Nach zwei Nächten reisten wir nach Vientiane. (1) Wir besitzen noch keine Fahrzeugschilder für fünfundzwanzig Millionen (2) und mussten deshalb den neuen Wagen beim Hotel in Nong Khai stehen lassen. Der freundliche und hilfsbereite Taxifahrer konnte nicht rechnen. Er erzählte uns, Laos sei teuer. Hundert Baht wären tausend Kip. In Wirklichkeit gibt es vierundzwanzig Mal mehr. Die Bank der demokratischen Volksrepublik Laos vermittelte mir als helvetischem Kapitalisten  Glücksgefühle: Für zweihundert Franken durfte ich über 1.6 Millionen Kip in den Händen halten.vientiane
Das Hotel am Fluss behagte uns. Anders als im verordneten trockenen Kneipen-Klima von Nong Khai, standen in nächster Umgebung verlockende Magenstimulierungsinstitute. Auf hunderten von Metern war die Uferpromenade mit einladenden Stühlen und Tischen möbliert.
Spirit houseIm Spirit House sassen im Schatten alter Bäume auf Holzbänken lauter fröhliche Menschen. Ich interessierte mich von Anbeginn an für Geister und Geisterhäuser. (3) Im Geisterhaus werden geistige Getränke in Flaschen und Gläsern angeboten. An den Ufern des Mekong reizte mich natürlich der Mekong High Tea. Diese spezielle Mischung enthält Wachholder, Pfirsich Tee und Gurken-Scheiben.
Schwaden von Düften aus Garküchen und von zahlreichen Feuerstellen stimmten, besser als teurer Weihrauch, Geister, Götter und Menschen – Laoten und zugereiste Chaoten – freundlich. Wein ist in den Gaststätten jederzeit einfach und preisgünstig erhältlich. Trotz niedrigem Pegel des Flusses, zwei Drittel des Bettes sind trocken, herrscht Hochstimmung.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Vientiane
(2) https://hinterindien.com/2015/05/23/das-kasten-wesen-thailands/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/10/mae-nak-phra-khanong/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/09/geister-gespenster-gemahlinnen-gelehrte-bananen-und-andere-pflanzen/

Grenzenlos zollfreie Überraschungen

Eine missgünstige Gönnerin wollte Dick zeigen, wo unsere echt grosszügige Lieferantin Wein einkauft und wie unbescheiden sie uns dabei abzockt. Es handelt sich um ein australisches Qualitätserzeugnis, wie wir es – nur mit Glück, ab 900 Baht erwerben könnten. Wir bezahlen bei der Lady die Hälfte. Sie vermietete uns vor Monaten ihre Mittelklasse Wagen für zehn Euro pro Tag.
Zuerst war die Reise mit Dick alleine abgesprochen. Daraus wuchs innerhalb des letzten Tages eine Truppe von zehn Personen. Ich war interessiert, wohin die Reise geht und welche Dokumente in Malaysia für die Fahrzeuge benötigt würden. Sie blieb unbestimmt, faselte etwas von Kuala Perlis. Sie erklärte, Dokumente würden keine verlangt, sogar der Reisepass wäre zu Hause am besten aufgehoben. So ist das, wenn eine Science-Lehrerin der Extraklasse, eher der Sonder-Klasse, eine Schulreise organisiert.
Nach zwanzig Minuten, bei einer effektiven Reisezeit von einer halben Stunde, bemerkte Dick, es ging nach Thale Ban und Wang Prachan. Man fuhr dann zwanzig Minuten weiter. Vor wenigen Tagen wagten wir es nicht, die Grenze zu passieren. Ein Grenzbeamter verweigerte der Lehrerin ohne Reisepass die Weiterfahrt. Ernüchtert kehrte man um. Nein, die Überraschung für Dick war gross, als die Truppe in Wang Prachan fröhlich und unbekümmert ein Gebäude betrat. Eine Menge bunter, riesiger VIP Busse wartete mit dröhnenden Motoren vor dem Lokal. Die Produkte dort waren alle in Ringgit ausgeschildert. Das Verkaufspersonal nahm selbstverständlich Baht entgegen und profitierte zusätzlich.
Dick sandte ein Mail mit dem Bild eines zweifelhaften Pinot Gris. Sie rief an und fragte, ob sie einen Karton davon kaufen solle. Ich bat sie, wohlweislich auf den Kauf zu verzichten. Das Geld brannte in ihren Händen, angeheizt durch den Kaufrausch der Horde. Man musste etwas zurück bringen. Die Lehrerin legte ihr Geld in Fischtunke an. 24 Flaschen zu 42 Baht. In Satun sah ich ähnliche Flaschen für 24 Baht. Die Ersparnis: 576 Baht zu Ungunsten der Pädagogin.
Weil der Laden ja in Thailand steht, kontrollieren keine Beamten die gehorteten Waren – alles Schnäppchen zu Tiefpreisen aus Malaysia.
Dünn kaufte dann den schlechtesten Weisswein aller Zeiten. Die angebrochene Flasche steht seit Tagen im Kühlschrank. Vielleicht taugt der Inhalt zum Vernichten von Kakerlaken oder zum Verdünnen teurer Fischtunke. Jegliche Warnung fehlt: Bakteriell fermentierte Fischtunke kann das Hirn angreifen und unreparierbare Schäden bewirken.

Abschied von Langkawi

Als bösartig bis verleumderisch, könnten meine Zeilen über den Hadschi ibn Haschi in ‘Lankawi intim‘ interpretiert werden. Ich beobachtete fortan Reisende, Einzelpersonen, Paare, Familien und Gruppen ganz genau. Die meisten Gäste reisen ohne Harem.
Der Hadschi selbst war vermutlich mit Familie unterwegs. Die Damen könnten seine Frau, die Mutter, die Schwiegermutter und eine Tante, welche wenige Tage zuvor ihren geschätzten, frommen Ehemann verlor, gewesen sein. Bei all dem dunklen Tuch, es wirkte auf mich wie schwarze Löcher im grenzenlosen All, wissenschaftlich auf quantenmechanischen Grundlagen beschrieben durch den bekannten Astrophysiker S. Hawking, verlor ich meinen Durchblick. (1)
Vom hartem Schicksal plus ebensolchem Stuhlgang gepeinigt, reagierte ich zusätzlich frustriert über eine möglicherweise glückliche Familienidylle, weil ich seit dem 27. August heimatlos bin. Meine Suche nach einem Häuschen mit etwas Umschwung, Blick aufs Meer mit zwei bis drei Inseln, im Hintergrund schimmert das Matterhorn, am benachbarten Grundstück zerfällt der Marmor eines griechischen Tempels, war leider bisher erfolglos.

In jämmerlichen Hotelzimmern lebend, kaute ich fremdes Brot, meist in der Form von Reis, Nasi genannt. Die lokale Zauberformel heisst Nasi Goreng Kampung. Von einer einzigen, üblicherweise reichlichen Portion des gebratenen Reises mit Gemüse, exotischen Gewürzen, Ei, Huhn – das ist Ayam – und Meeresfrüchten könnten wir in Kuah mehrere Tage überleben.

In der Schweiz übernachtete ich in fünf Beherbergungsbetrieben. Meine Weinbauernfamilie in Leuk scheffelten, während unseren entbehrungsreichen Exkursionen im Dschungel, verdiente Auszeichnungen für ihre hingebungsvolle Arbeit. (2)
In Johor Bahru wechselten wir die Unterkunft zwei Mal. In Melaka waren es fünf Umzüge und in Langkawi sind wir zurzeit im achten Hotel. Die ideale Herberge fanden wir, trotz zwanzig wechseln in fünfundsechzig Tagen, noch nicht.
Für den Sonntag planen wir einen vorgezogenen Visarun nach Satun. Die Schifffahrt von Kuah nach Satun dauert, gutes Wetter vorausgesetzt, bloss fünfundsiebzig Minuten. (3)

Eher Affäre als Fähre

Eher Affäre als Fähre

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking
(2) http://www.grandprixduvinsuisse.ch/img/gpvs_gewinner_2014/large/gamay.jpg
(3) http://Langkawi-Ferry.com

Der lange Weg zum Long Island Tee

Die Insel Langkawi bietet eigentlich ideale Voraussetzungen für ‚Long Island Tea‘. Es wimmelt von Duty Free Shops. Die meisten verkaufen Haushaltartikel mit französischen Namen, Ursprung USA oder  ‘Made in China‘. Angeboten werden zusätzlich verlockende Süssigkeiten und Snacks aus aller Welt, sogar aus Korea. Die vollschlanken Einheimischen und Gäste vom Festland kaufen unheimliche Mengen davon.
Daneben findet man Geschäfte, welche lebensgefährliche Artikel wie Tabak und        Arak, Alkohol, verkaufen. Süssigkeiten dagegen sind harmlos. Die wenigen Kalorien sind gewichtserhaltend.

Zuvor lebte ich einige Tage in einem Hotel mit arabischer Küche. Alle Speisen enthielten reichlich Kardamom. Die servierten Mengen waren noch grösser als üblich. Ich bestellte Reis mit Hammelfleisch. Das Fleisch war hochkarätiges Schaf, triefend vor Fett, garniert mit echten Sehnen und Knochen. Das Stück wog sicher anderthalb Pfund. Der würzige Langkorn-Reis hätte in Nordthailand gut für zwei Tage gereicht. Eine Schüssel Bock-Suppe war im günstigen Aktionspreis inbegriffen. Mir fehlte ein wuchtiger Wein zum Spülen. An Stelle von verbotenem Alkohol gab es, im Angebot enthalten, ein warmes halal Süssgetränk mit mindestens fünfzehn Prozent Zucker.
Am Spätnachmittag darauf, beehrte ich meine Lieblingsbarfrau mit einem Besuch, um die Speiseröhre vom restlichen Hammelfett zu befreien. Während der Happy Hour war ich, wie üblich, der einzige Gast. Kuah Strand Genau nach einer Woche wechselte ich das Hotel in Kuah zum dritten Mal. Sicht auf Meer und Inseln, versprach der Prospekt. Nach der Ankunft erkundete ich das beachtliche Gelände. Am Strand gab es ein Restaurant und eine Bar. Die Speisekarte war in ihrer Vielfalt umgekehrt proportional zur weitläufigen Küche. Ein einsamer Mann werkelte verloren darin. Ich hoffte insgeheim, dass er bei Regenwetter mindestens ein geniessbares Sandwich anfertigen könne.
Die Getränkekarte sah nicht wesentlich besser aus. Zwei Weine, ein Weisser und ein Roter, mit dreifachem Zuschlag auf dem Einstandspreis, wirkten wenig ermutigend.
Erfreulich günstig dagegen waren die aufgeführten Cocktails. Nach der Weltstadt Melaka fand ich endlich den Long Island Tea wieder.

Es war warm. Der Hotelwechsel forderte Opfer. Ich bestellte einen Inseltee. Meine Bestellung löste bei der Belegschaft im Bereitschaftsmodus wartend, Ratlosigkeit und Bestürzung aus.
„Wenn sie den Tee nicht mischen können, schütteln sie bitte einen Singapur Sling“, sagte ich entgegenkommend.
Dann wurde telefoniert. Das Personal rannte in alle Himmelsrichtungen. Beruhigender Weise stürzte sich kein Nichtschwimmer in die laue See. Nach geraumer Zeit, davon gibt es in Malaysia viel, fast wie Wasser im Meer, hatten wir eine Aussprache. Die Situation war unerfreulich:
1. Der Barmann hatte seinen freien Tag.
2. Es gab kein Wachholderbeerendestillat, englische Kurzform Gin.
3. Gin wurde vor zwei Wochen bestellt, aber noch nicht geliefert.
4. Folglich konnten Cocktails, welche Gin enthielten, nicht gemischt werden.
5. Sofern nicht aller Tequila gesoffen wurde, würde man mir einen Tequila Drink mixen.

Der nächste Laden in Kuah, der mindestens zehn Liter Gin lagert, ist zu Fuss – mit Rollator, knapp zehn Minuten von der Strand-Bar entfernt. Das Fahrrad wurde in Malaysia offenbar noch nicht erfunden. Aber vom elften bis zum achtzehnten Oktober, findet in LANGKAWI die INTERNATIONAL MOUNTAIN BIKE CHALLENGE statt.

Vom wiehernden helvetischen Amtsschimmel getreten

Sozial-Versicherungen holen regelmässig Lebensbestätigungen ein, um zu verhindern, dass Rentenleistungen an längst Verstorbene ausbezahlt werden. Im pleiten Griechenland kassierten Familien unberechtigter Weise teilweise zwanzig Jahre lang.
Ich finde die Erhebung von Lebensbestätigungen durchaus sinnvoll, sofern für Kunden die Umtriebe massvoll sind. Rentner sind im Grunde nichts anderes, als auf den Tod wartende, Versicherungskassen plündernde Schmarotzer.
Vor langer Zeit genügte es, wenn der Dorfvorsteher seinen Stempel auf die Formulare knallte und unterschrieb. Die Distrikts-verwaltung in Hang Dong konnte ich aus bautechnischen Gründen nicht aufsuchen. Die Büros im ersten Stock waren nur über Treppen erreichbar.
Ein Thaischriftgelehrter mit Lizenz ‘Made in Khao San Road, Bangkok‘ miss-interpretierte in Genf den offiziellen Dorfstempel als Siegel einer kirchlichen Organisation und sandte den Wisch mit entsprechenden Bemerkungen zurück.
Glücklicherweise installierte damals die schweizerische Eidgenossenschaft einen Honorarkonsul in Chiang Mai. Der Weg vom Dorf dorthin ist bloss bescheidene fünfundzwanzig Kilometer. Um die Luftverschmutzung gering zu halten, dürfen Rentner anstelle des Rollators ein Fahrrad mit Hilfsmotor benutzen.

Als ich fast notfallmässig Chiang Mai verliess, hatte ich einige Lebensbestätigungs-Formulare im Gepäck, weil ich den hilfsbereiten Herrn Konsul mangels Kraft und Zeit nicht mehr aufsuchen konnte. BBrunnen Nach den Bestattungsfeierlichkeiten in Muri und den erquickenden Augenblicken des Verkostens edler Weine von Vin d’oeuvre in Leuk, durfte ich die Heimtücken des Verwaltungsapparates erfahren. In der Bundesstadt Bern fühlte sich leider niemand zuständig, meine Formulare zu quittieren. Die Beamten weigerten sich nicht nur. Sie erklärten, es sei den Behörden verboten, ehemalige Wohnsitzgemeinden eingeschlossen, solche Dokumente zu unterzeichnen.

Andererseits begrüssen schweizerische Amtsstellen papierlose Immigranten aus sämtlichen Kontinenten wohlwollend. Diese Menschen erhalten, von Steuerzahlern finanziert, Verpflegung, Unterkünfte, zusätzlich Taschengeld und gestempelte Verordnungen jeglicher Art.
Jahrelang bezahlte ich Steuern und Abgaben im Heimatland. Als Auslandschweizer ohne Wohnsitz in der Schweiz, war es mir unmöglich, einen Stempel, eine Unterschrift einer Amtsperson, für schlussendlich schweizerische Institutionen zu erlangen.
Ganz langsam wurde ich wütend und stocksauer. Erst wollte ich Schreiberlinge der Regenbogenpresse, beispielweise ‘das triefende Auge‘, informieren. Weil noch kein Blut floss, plante ich, das Bundeshaus, die Zentrale helvetischen Irrsinns, mit Molotow-Cocktails zu attackieren. Vielleicht wäre danach ein Stempel der Polizei verfügbar gewesen, beglaubigt durch die Aussagen:
„Er lebt. Der unzurechnungsfähige Terrorist verübte Brand-Anschläge auf das hoch-heilige Parlamentsgebäude.“

Ohne Anschläge zu verüben, das Benzin war zu teuer und das Bundeshaus ist ein alter Steinklotz, reiste ich ohne gestempelte Dokumente im Gepäck nach Südostasien zurück. Aus Melaka sandte ich dem fernen Herrn Konsul in Chiang Mai ein Mail und suchte Hilfe. Postwendend erhielt ich die Antwort:
“Sehr geehrter Sender,
Wir danken für Ihre E-Mail und möchten Sie informieren, dass wir bis 20. Oktober 2014 in Europa sein werden.
Honorar Konsul – Nord-Thailand.“
Der freundliche Herr sandte ein zweites, persönliches Mail und bot mir seine Dienste an. Danke sehr!