Dachschäden und skrupellose Handwerker

Als 2004 mein Häuschen errichtet wurde, war ich fast täglich auf der Baustelle. Zwecks eines Visa-Runs musste ich einen Tag nach Mae Sai verreisen. Am nächsten Tag sah ich, dass der Sanitär-Installateur mitten im Badezimmer ein 4 Meter langes Mäuerchen, etwa 15 auf 15 cm errichtet hatte. Stufen sind unnötige Hindernisse für Rollstuhlfahrer. Er war zu faul, um die Wasserleitungen in den Boden zu verlegen. Nach einer Woche war der Pfusch behoben.
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Das Dach wurde gedeckt. Auf der Veranda entdeckte ich in der Höhe ein Loch im Giebel. Ich machte den Chang, den Bauführer, darauf aufmerksam und zeigte ihm die Fotografie. Er verzichtete großzügig auf eine Reparatur.

Der erwähnte Schraubenschlüssel-Sanitäter war ein gut getarnter Attentäter. Als das Wasser aufgedreht wurde, flossen Bächlein aus den elektrischen Steckdosen der Veranda. Der plumpe Plumber wollte die Fliesen aus der Küchenwand heraus spitzen. Er musste den Schaden von der Außenseite her beheben.
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Nach ungefähr 2 bis 3 Jahren, tropfte von oben Wasser auf die Gips-Decke. Ich informierte den Chang während Jahren. Er sah sich den Schaden mehrmals an. Erst war es ein feuchter Fleck an der Decke, dann entstand ein Löchlein, später ein Loch. Er sagte mir lächelnd, er würde ein neues Haus bauen, aber den Fehler repariere er nicht.

Dieses Jahr suchte Dick Handwerker, um den Schaden zu beheben. Ein besonders fieser Kerl nahm 1’500 Baht Anzahlung und ließ sich nicht mehr blicken.
Dick bat mehrere Arbeitsgruppen, um Kostenvoranschläge. Die Preisvorstellungen lagen zwischen 50’000 und 100’000 Baht.
Einer der Anbieter kletterte aufs Dach, reparierte das Leck, kam herunter und sprach:
„Die Dachreparatur geht auf meine Kosten. Für eine neue Decke und den Ersatz der Holz-Abdeckungen unter den Dächern rund ums Haus möchte ich 70’000 Baht.“
Petrus sandte eine gewitter-schwangere Wolke, öffnete die Schleusen und prüfte die Dichtheit des Daches. Der Mann hatte seinen Job und führte ihn sauber und gewissenhaft aus. Leider verstarb er vor kurzem bei einem Verkehrsunfall. Der Intelligenzquotient im Lande sank, denn der alkoholisierte Verursacher, mit Dach- und Leber-Schaden. überlebte.

Menschen verschlingen nicht nur Ratten und Ungeziefer

Vorsicht bei Traumreisen in Thailand. Da saß ich in einem fünf Sterne Restaurant, nach Guide Low, und guckte gleichzeitig die Insektenschwärme an, welche um die Lampen schwirrten. Dabei lief mir der Speichel aus dem Mund, weil ich zusätzlich die Speisekarte studierte.

Langusten an Wildbienen Honig und Beluga Kaviar, siamesische Wachtel-Lebermousse auf Orchideen-Wurzel Toast. Die Preise waren nicht nur gewürzt, sondern gesalzen. Ich hatte den dringenden Wunsch, den Hauben-Chef zu sprechen.
„Guten Abend großer Meister, „sagte ich.
„Ich möchte Sie fragen, aus was die siamesische Wachtel-Leber besteht.
„Ihr Besuch ehrt mich, lieber Gast. Diese Mousse ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen des Hauses….. Ich mische eine Wachtel-Leber mit einer Lanna-Elefanten-Leber.“
„Sie haben ebenfalls Elefanten Steak mit Pilzrahmsauce im Angebot.“
„Bedaure geehrter Herr, die Pilze sind wegen großer Nachfrage ausgegangen.“
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Krankenhaus: Verpflegung aus dem Supermarkt. Zeitungsenten

Anlässlich eines Arztbesuches im August, lernte ich die Gourmetküche des Krankenhauses kennen. Wir schlemmten zu dritt. Mowgli und ich ertrugen die Speisen nicht. Mit Bauchgrimmen saß ich auf dem Rückweg im Wagen. Kalter Schweiss auf Stirn und Nacken, liess mich in die Hose kacken. Schwerer Gardenienduft lag in der Luft, als ich zum Hause rollte.
Die erste Mahlzeit im Januar war nicht übel. Suppe, Hauptspeise, gefolgt von Früchten: Weiße Drachenfrucht mit schwarzen Punkten, ohne jegliches Aroma, dazu grüne Melone, absolut geschmacklos. Die orangefarbene Papaya schloss sich den anderen Früchten an und war kein Gaumenkitzel. Die Früchte wurden so grobschlächtig geschnitten, dass selbst der Chindlifrässer in Bern den Plausch daran gehabt hätte. Zum Frühstück wählte der geniale Küchenchef Saison-gerecht dieselben Früchte.
Später wählte ich Spaghetti Carbonara. Die Carbonara-soße entpuppte sich als
grau-weißer Bauklotz, versteckt unter einem Häufchen kalter Spaghetti.
Wir hatten nur einen Mikrowellenherd im Spital-Zimmer.
Dick beschaffte einen Wasserkocher und als Ergänzung eine elektrische Heizplatte mit zwei oder drei Pfannen. Sie kocht mit meinen Anweisungen Reis, Pasta und Polenta, Dazu gibt es oft Schweinsfilet oder frischen Fisch aus unserem Teich in Hang Dong. Ein Höhepunkt aus der Küche war Entenbrust a l’orange.
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Ein neuer Küchenchef übernahm im Sommer den Löffel. Wir bestellten probeweise ein Menü mit Pad Thai und Früchten. Die Saison war unverändert: Wassermelone, Drachenfrucht und Papaya.

Dick  deckte unsere Bedürfnisse in zwei benachbarten Großverteilern. Eines der Geschäfte bot Brot ohne Mengen von Zucker an. Italienische Salami von Negroni, Schinken aus Parma, Ravioli mit Spinat, Käse oder Fleisch-Füllungen weckten Erinnerungen.
In einem Laden sah Dick Entenlebermousse mit Portwein und kaufte sie. Ohne lange zu fackeln, liess ich Brot mit der Delikatesse belegen. Mein Magen reagierte negativ. Darauf sah ich mir die Zusammensetzung genauer an. Es war nicht die berühmt berüchtigte Stopfgänse-leber, sondern eine Mischung von 18 % Entenleber mit 6% Entenfett, Fett- und Lebern von Hühnern. Weiteres Fleisch stammte vom Schwein. Der Fettgehalt der Mischung beträgt 59%. Auf 99 Kilogramm Fleisch wird eine Flasche gespriteter Portwein beigegeben. Eine Delikatesse für Anal-fabeten unter den Feinschmeckern.
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Pussy (Physio) Therapie für die Katze

Lange Spitalaufenthalte lassen tiefe Einblicke in das Gesundheitswesen źu. Unterschiede zum europäischen Spitalwesen sind vorhanden und teilweise seit Jahren unverändert. Kraftanwendungen in der Physiotherapie sind selten, um die zarten Gelenke ja nicht zu beschädigen. Meine Beine sollten täglich gestreckt werden. In vielen Fällen streckt sich nur die Elasthan-Unterwäsche über den Ansätzen zum Fett-Steiß der Angestellten.
Dafür herrscht offenbar Mangel an Spezial-Verbänden und importierten Kathetern. Diese Dinge gibt es im Überfluss nur in meinem Zimmer. Das Personal deckte sich, ohne Nachfragen, mit Souvenirs ein.
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Als ich Anfang des Jahrhunderts längere Zeit in Chiang Mai weilte, besuchte ich ein privates Behindertenzentrum. Anfänglich half ich mit, alte Computer zu reparieren. Der Leiter der Institution fragte mich, ob ich eine junge Masseuse zur Physiotherapeutin ausbilden konnte. Ich hätte ja längere Erfahrung. Er meinte, thailändische Physiotherapie seien kleine Übungen, die kaum Fortschritte erlauben würden. Ich kaufte einige Bücher über Skelett-Aufbau und Muskel- Systeme. Neben der Theorie übte die Frau an meinen spastischen Beinen. Wir schrieben ebenfalls eine illustrierte Anleitung. Als ich das Land Richtung Europa verlassen musste, verlangte die Dame ein Diplom. So etwas konnte ich nicht ausstellen, obschon ich gerne eine Diplomfeier veranstaltet hätte. Aber ich erklärte, ich könne ein Dokument verfassen.
Nach einigen Monaten kehrte ich nach Thailand zurück. Der Leiter des Zentrums rief mich mit einer heiklen Bitte an.
Die junge Frau sei im Tempel zum Wahrsager gegangen. Seine Weissagung lautete, um es im Leben leichter zu haben, sollte die Dame ihren Namen wechseln. Vielleicht dachte er ans Heiraten.
Der freundliche Chef der Invaliden Truppe bat mich, ein Zertifikat auszustellen, versehen mit dem neuen Namen. Da mandeläugige Thai-Schönheiten ihre Namen öfter wechseln, als Schweizer-Àlpler ihre Unterwäsche, lehnte ich dankend ab.
Das ist das Ende des Kapitels, denn nun naht die Katzenstreckerin. Ich meine die Katze, die mir die Beine strecken sollte.

Von der Scheitel bis zur Sohle, ist dem Alten nicht mehr wohle

Meine Großmutter war ein biologisches Wunder. Sie verfügte über mehrere Dàrme. Dünndarm, Kutteln, Blinddarm, Dickdarm. Auf ihre Gesundheit angesprochen, antwortete sie: Ich habe es mit den Därmen.
Mein Verdauungsschlauch ist fast in Ordnung. Aber es gibt gute Gründe zum Jammern.
In beiden Augen hatte ich einen Katarakt, Star. Ein Auge wurde operiert. Essen und trinken sind gestört. Erbsen oder Suppen können nicht problemlos zum Mund geführt werden. Flaschen und Getränkedosen kann ich nicht öffnen.
Für alle Fälle, vor allem wenn sich meine Köchin verspätet, habe ich einen Notvorrat. Bestandteile sind getrocknete Mangos, Biskuit und Schokolade. Bei der Toblerone konnte ich mit meinen Händen keine Zacken abbrechen. Ich versuchte es mit dem Mund. Eins zu Null für Tobler. Ein Stockzahn überlebte die Übung nicht.
Arme und Hände sind zudem überempfindlich auf Berührung. Die Finger sind schlecht kontrollierbar. Die Hände lassen sich nicht zu Fäusten ballen. Pinkeln geht nur durch katheterisieren. Der Stuhlgang wird mit Einläufen ausgelöst. Die Beine sind seit 1957 gelähmt.
Nur wenige Meter lege ich gegenwärtig mit dem Rollstuhl zurück. Vier Dekubitus-Geschwüre bereichern das Hiersein. Zwei brachte ich mit, zwecks ärztlicher Kunst mit dem Messer. Die Zusätzlichen waren Geschenke des Hauses.
Positiv:
Kein Grund zur Beanstandung gibt der Haarwuchs und das Wachstum der Fingernägel, weil ich mit Vitamin D vollgestopft werde. Wegen der überempfindlichkeit ist Nagel schneiden schmerzhaft hohoho qualvoll. Der Geschmackssinn ist gut, denn ich kann Wein von Essig unterscheiden. Die Ohren wurden durch lautstarke, ausdauernde Plapperorgien des Pflegepersonals nicht beschädigt.
Nur mein Geldbeutel hat Durchfall oder Schwindsucht. Er ist dauernd leer.

EXKURSION INS JAMMERTAL DES SCHMERZGEBIRGES

Die Fürsten- und Innen sämtlicher Weltreligionen im Jenseits wollten mich nicht. Sekten der Minoritäten zeigten kein Interesse an Gammelfleisch. zu Hause verbrachte ich eine unangenehme Leidenszeit wie jn billigen Romanen – bis Dezember.
Seit Januar belege ich ein Bett im Bangkok Hospital in Chiang Mai. Ich machte vier interessante Ausflüge in den Operationssaal. Trotzdem bin ich nicht ganz zufrieden mit meinem Gesundheitszustand. Wahrscheinlich müsste ich „Red bull“ trinken um mir endlich Flügel zu verleihen. Für wirksamere Aktionen fehlt mir die Kraft. Der Respekt vor verstorbenen Freunden, meinem Bruder und dem Astrophysiker Stephen Hawking gebietet Rücksicht.
Zum Tippen sind meine Finger immer noch nicht geeignet. Aber das Fingerfon schenkte mir die Gnade der Spracheingabe.

Liebe Leser-innen, liebe Freunde,

es war keine bösartige Absicht, meine Tastaturen ohne Voranmeldung auf Müllhalden zu werfen. Eines unangenehmen Morgens erwachte ich und konnte Hände und Hilfsmittel kaum noch gebrauchen. Das war das durch mein Schicksal ausgelöste Ende von Hinterindien. Geschichten im Kopf gibt es noch. Die Verarbeitung arbeitet leider nicht mehr. So unfair habe ich mir meine Zukunft nie ausgemalt.
Meine Tätigkeiten wurden in den letzten Wochen sehr eingeschränkt. Melonen schneiden ist unmöglich. Die Spezialistin hört ihr Smartphone nicht. Mails erstellen dauert Stunden. Einfacher ist Radiohören. Ich spezialisierte mich auf Staumeldungen vom Gotthard. Zwischen den Meldungen ertönen je nach Wetter Werke von J.S. Bach und Söhnen, G. Bizet und Wynton Marsalis.
Danke an meine Begleiter, Helfer-innen und besonders der Familie in Leuk. Ich wünsche allen Menschen angenehmere Wege zu ihren Bestimmungsorten.
Aus Hinterindien, Low