Mond – S c h e i n – Romanze

26. März 2013

Fahl und bleich stand die Sonne um die Mittagszeit im Zenit am grau braunen Himmel. Am frühen Morgen vermochten die Strahlen nur schlecht die Dreckluft in und um Chiang Mai zu durchringen.
Gestern abend leuchtete ein fast runder Mond in Rot- und Brauntönen. Sterne waren keine zu erkennen. Einen Abend später vermissten wir händchenhaltend erneut die Sterne. Der Mond erinnerte an eine braune Vergangenheit  Ein Korrektor interpretierte meine Aussage, die Gedanken sind frei: „Die braune Vergangenheit empfinde ich etwas zu bemüht.“
Woran behakenkreuzigte er sich?
Unbekümmert sah ich im dritten Auge, von Windeln entblätterte, vollmondförmige – – – verschmutzte Babyhintern. Rein theoretisch könnte man die Schichten eintrocknen lassen, um sie dann mit einem Haartrockner, für dickeres Geröll empfehle ich eher einen Laubbläser, (1) als Staub wegzublasen. In diesem Sinne haben wir alle, die Heiligen inbegriffen, eine schmutzige Vergangenheit. Hirnlose, teils uniformierte Herrenmenschen, sind immer noch ein globales Problem – auch in Asien.

Der Feinstaubanteil in der Luft ist beängstigend und bedrückt die Atmung.
Werte von 200 ug/Kubikmeter sind üblich. In Mae Hong Son wurde das Doppelte an Dreck gemessen! Aber die sortenreinen Einheimischen lassen sich nicht beirren. Sie feuern Tag und Nacht munter weiter. Sie sind überzeugt davon; die schlechte Luft kommt nur von ungebildeten Nachbarn aus Burma und Laos. Die feuern natürlich auch, wie man anhand der eindrücklichen NASA Karten beweisen kann. (2)  Jeder Brand ist einer zuviel.

Wir waren am frühen Morgen eine Stunde weg. Als wir zurückkehrten roch es im Haus wie in einer Müllhalde mit mottendem, glimmendem Schwelbrand. Als fast Nichtraucher blieb mir nur eines übrig: Zur Luftverbesserung eine Zigarette anzuzünden!
Schwelbrand: Durch Pyrolyse  entstehen brennbare Gase und Dämpfe sowie un- oder teilverbrannte Folgeprodukte. Viele von ihnen sind giftig oder krebserregend. Als bekanntes,  berüchtigtes Brandfolgeprodukt des Kohlenstoffes entsteht giftiges, brennbares Kohlenstoffmonoxyd, CO. Bei vollständiger Verbrennung mit ausreichendem Sauerstoff würde Kohlendioxyd, CO2 entstehen, welches zwar erstickend wirkt, jedoch nicht so toxisch wie CO und zudem unbrennbar ist. Einem Toten könnte es eigentlich egal sein, ob er erstickte oder vergiftet wurde!MauMoh1

Dreckschleuder: Lignit Kraftwerk in Mae Moh, Lampang

Die Zukunft sieht noch trostloser aus. Der Feinstaub könnte zusätzlich durch radioaktives Caesium, Strontium und weitere wissenschaftlich interessante strahlende Zerfallsprodukte ergänzt werden. Der nationale Elektrizitätserzeuger plant, in den nächsten Jahren Atomenergie in Mai Pen Rai Technologie zur Stromerzeugung zu nutzen.

Während der weltweiten oberirdischen Kernwaffenversuche von 1954 bis 1966 wurde auf dem Boden der alten Bundesländer 2500 Bequerel pro Quadratmeter für 90Strontium gemessen. Für 137Cäsium waren es 4000 Becquerel pro Quadratmeter. Ein Großteil der Ablagerungen tickt heute noch. Als neue Lieferanten von zusätzlichem Fallout erlebten wir Tschernobyl:
In Neuherberg bei München maß die Gesellschaft für Strahlenforschung am 26. April 1986 19’000 Becquerel pro Quadratmeter für 137Cäsium, fast fünfmal so viel wie durch die Kernwaffentests. Pro Quadratmeter lagerten sich 210 Becquerel 90 Strontium ab. 90Sr ist ein Betastrahler und zerfällt mit einer Halbwertzeit von 28,78 Jahren.
Fukushima: Trotz Riesenmengen von Publikationen waren genaue und vergleichbare Zahlen nicht zu finden.
Eigene, gut gewartete Reaktoren abzuschalten – und gleichzeitig preisgünstigen Strom aus Risikoanlagen zu importieren bringt wenig, weil radioaktive Verschmutzung grenzenlos ist!

(1) http://www.echo-motorgeraete.de/produkte/laubblaeser/
(2) http://firms.modaps.eosdis.nasa.gov/firemap/

Koordinaten für Nordthailand:
http://firms.modaps.eosdis.nasa.gov/firemap/?x=99.75937499999998&y=18.590625000000003&z=7&g=g&v=2&r=0&i=er&l=ad,ct&s=2013-03-26&e=2013-03-27
Am 30. 3. 2013 wurden insgesamt 15900 Punkte registriert. Das könnten natürlich auch Teenies und Bar-Girls in heissen Höschen auf Bergwanderungen gewesen sein.
Am 1. April waren es (ohne die Wanderer) nur noch knapp 800.

Stromgang und Stuhlversorgung

                                                     26. April 2012  

Auf den ersten Blick vermutet man, das hat doch nichts miteinander zu tun. Der zweite Gedanke bringt bereits die Erleuchtung: Energieerzeugung aus Biogas. In Zukunft werden in zipfelisierten* Ländern keine Abwassergebühren entrichtet. Wegen des freifall Rückziehers aus der Atomenergie wird man sämtliche unmöglichen Methoden zur Stromerzeugung in Betracht ziehen. Nach erfolgreicher Sitzung kriegt der Materiallieferant einen Gutschein. Der könnte mit den Abgaben für CO2-Emissionen verrechnet werden. Das ist jedoch nicht mein Thema.

Stromausfälle gibt es in Hinterindien grundsätzlich nicht. Das sind programmierte Unterbrüche der Elektrizitätsgesellschaften zur Pflege der Akkumulatoren in Notbeleuchtungssystemen und anderen sinnvollen Einrichtungen. Weil einheimische Akkubesitzer Betriebsanleitungen jeglicher Art grundsätzlich ignorieren, haben sie keine Ahnung, daß Akkumulatoren zur Erhöhung der Lebenserwartung, ähnlich wie Harnblase und Dickdarm, zyklisch entleert werden sollten. Das ist eine der unbekannten gratis Dienstleistungen unserer Stromanbieter.

Meine Akkus wurden unter Abgabe lauter Beeps soeben erneut entleert. Dumm nur, daß bei der letzten Gelegenheit vor zwei Tagen im Kühlschrank unsere Fleischvorräte gelinde gesagt, unter der Hitze litten. Die erwarteten Niederschläge verbunden mit erträglicheren Temperaturen nach Songkran lassen auf sich warten. Fleisch im Allgemeinen und die Bevölkerung leiden.

Delikate Gewürzmischungen erfahrener Köchinnen mit Ingwer, Koriander, Galanga, Chili, Frühlingszwiebeln, Basilikum und Zitronengras überdeckten üble Verwesungsgerüche. Die resultierende Lebensmittelvergiftung, (prinzipieller Lieferant E-Werk), reizte einen Dünnpfiff. Dünnpfiff ist nicht eine Fehlentscheidung eines überforderten Schiedsrichters im Fußball. So wird im Volksmund die krampfartige, oft unfreiwillige Entleerung, eines wäßrigen Darminhaltes genannt.

Dieser brutalen Naturgewalt hilflos ausgeliefert, beschmutzte ich mein scharfkantig gebügeltes, modisch aktuelles Beinkleid. „Liebling, wie heißt denn dieser Herrscher über Nadel und Zwirn, der hochkarätige Stardesigner meiner verschissenen Hose?“

Schnelle Abhilfe ist nun nicht gewährt, weil wegen der erwähnten Akkuwartung unsere Wasserpumpe tot ist. Der Ventilator im Badezimmer rotiert zusätzlich auch nicht. Ein Unglück kommt selten allein.                                                                   

Merke: Kluge Menschen erledigen ihr großes Geschäft in Hinterindien nie vor, sondern immer nur nach einem Stromausfall. Daher stammt wohl der Begriff Klugscheisser. (1)

*zipfelisiert = Aus der Ferne betrachtet agieren Behörden in D A CH  häufig wie geistige Gartenzwerge.

(1) http://www.klugscheisser.org/