Der verärgerte Wassergeist – oder die grenzenlose Phantasie eines pfuschenden Installateurs

Probleme mit der Wasserversorgung sind relativ selten. Zweimal wurde der Motor der Wasserpumpe Opfer von Gecko und Schlange. Sie suchten im Winter Wärme auf den Wicklungen und verbrannten beim Einschalten jämmerlich.
Dieses Jahr krachte bei der Fassadenreparatur am Gästehaus ein schweres Werkzeug auf einen Wasseranschluss. (1) In wenigen Tagen hatten wir bei uns am Haus mehrere Schäden.
Die Wasserpumpe ist von farbig blühenden Bougainvilleas umgeben. (2) Nach zwei Jahren erstickte dichtes Laubwerk sämtliche Geräusche. Dick bemerkte, sie möchte einige dürre Äste entfernen. Mit der Schere in der Hand, auch wenn es eine Baumschere war, liess die Haarkünstlerin ihrer Kreativität freien Lauf. Sie war nicht zu bremsen. Sie bemerkte nicht, dass die dürren Zweige immer grüner wurden. Das dichte Laubwerk in Bodennähe fehlte nach erfolgter Manipulation. Wir hören nun jeden Pumpvorgang.
Vor einigen Wochen erzählte ich ihr, wir hätten ein Leck in der Wasserversorgung. Die Pumpe schalte die ganze Nacht jede Minute kurz ein. Sie sah den Schaden schnell. Ein grosses Ventil von einem Zoll Durchmesser tropfte sichtbar. Die geniale Konstruktion erlaubte den Austausch in Minuten ohne zu sägen und Leim.
Dann hatten wir den Zwischenfall beim Baumschneiden, als ein dicker Ast beim ungezielten Fall einen wichtigen Anschluss zerschmetterte. (3) Vergeblich empfahl ich, den Fall grössere Stücke mit Seilen sauber zu dirigieren. Ein Nachteil der blauen PVC Leitungen ist deren Empfindlichkeit. Aber mit etwas Kleber und Ersatzteilen sind Schäden schnell behoben. Der Farang besitzt viele Ersatzteile. Wenn nicht, klingeln Baht in seiner Börse.
Wir hatten einige stille Nächte, bis die ruhelose Pumpe ein neues Leck meldete. Die Frauen gruben an die zwanzig Meter Leitungen aus, ohne ein Leck zu finden.
Anfänglich wollte ich jeden Zweig der Leitungen absperrbar machen. Der Leimspezialist hatte keine Ahnung von Sicherheitsdenken. Schadensbegrenzung war ein Fremdwort für den PVC-Rohrkleber.
Bei Erbeben könnten mit Schiebern versehene, beschädigte Zweige abgestellt werden. Chiang Mai ist Erdbebengebiet. Schwache Stösse werden täglich registriert. Bei starken Beben von 5 und 6 nach Richter rollen Buddhaköpfe, fallen Mauern – neue und antike. Menschen werden verletzt. Baumängel zeigen sich. (4)
Der Pfuscher verliess uns während der Installationen im Schönheitssalon, ohne sich zu verabschieden, als er einen selbstverursachten Schaden in mehreren Versuchen nicht beheben konnte. Damals verfügte ich noch über Saft und Kraft. Dick und ich lösten die Aufgabe problemlos.

Anstelle weiterer sinnloser Grabungen, installierten wir nun Ventile. Nach dem ersten Wasserhahn vor der Abzweigung zum Wohngebäude wussten wir, der Schaden musste irgendwo rund um das Wohnhaus sein. Der Schönheitssalon selbst war dicht. Das neue Ventil erlaubte zusätzlich die Haarpflege im Salon, während wir am Wohnhaus einen weiteren Hahn setzten. Danach war klar, das Leck war an der Küchenseite des Hauses.
Zuerst gruben meine Helfer an strategischen Punkten, wie geleimte Ecken und Abzweigungen vergeblich – alles trocken.
Vor vielen Jahren montierte ich aussen beim Küchenanschluss ein T-Stück und nach etwa fünf Metern einen weiteren Anschluss beim Teich an der Veranda. Ich bat Dick, diese Teile zu inspizieren. Meine Installation war fehlerfrei. Irgendwo musste das Leck sein. Dick grub tiefer und fand eine unbekannte Wasserleitung. Sie wollte graben. Ich war dagegen und sagte: „Bitte aufsägen und Verschlusskappe anleimen.“ Das war es. Die Wasserpumpe blieb still.

Die Frage war, wohin führte diese blaue Röhre? Ich bat Mowgli, den Wasserhahn beim Autounterstand zu öffnen. Nichts – kein Wasser. Dieser Anschluss ist maximal fünf Meter von der Badezimmer-Leitung entfernt.
Unser hochintelligenter Wasserversorgungsspezialist zog an die fünfundzwanzig Meter zusätzliche Leitung durch unbekanntes Gelände vor. Hätte er ein T-Stück am Küchenanschluss verwendet, wäre der Fall für mich klar gewesen. Er setzte sein T-Stück wenige Meter vor dem Küchenanschluss und legte das unnötige Rohr sehr tief. Ich wusste von nichts. Wir pflanzten Palmen, Bäume und Sträucher, ohne auf eine „nicht“ existierende Wasserleitung zu achten!
Einheimische Handwerker sind echte Handwerker. Sie benutzen ihre Hände, ohne das Gehirn zu belasten. Der Kopf dient, wie bei Wasserbüffeln, nur zum Fressen und Saufen. Der grosse Vorteil dieser Methode: Altersdemenz bleibt unerkannt.

(1) https://hinterindien.com/2017/06/12/blumen-gurken-einbrecher-und-spezial-ermittler/
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Bougainvillea
(3) https://hinterindien.com/2017/06/26/ich-wollt-ich-waer-ein-huhn/
(4) https://hinterindien.com/2014/05/08/schwere-erdbeben-erschutterten-lan-na-land/

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Bauernfängerei bezeichnet ausgeklügelte Arten von Täuschung bis zum Betrug. Der Titel war eine 1964 von Eduard Zimmermann ins Leben gerufene Sendung des ZDF. Vor den Methoden der Trickbetrüger wurde gewarnt. Die Fernsehserie lief während insgesamt 37 Jahren. Die Zuseher lernten wenig oder vergassen schnell. Sie liessen sich trotz eindringlicher Warnungen von falschen Doktoren und redegewandten Politikern genauso auf den Arm nehmen, wie vorher von gewöhnlichen Taschendieben und betrügenden Halunken.

Gegenwärtig erlebe ich diese Serie im richtigen Leben. Die verflixten Lügen und Trickereien sind ansteckend. Dick mischelt kräftig mit. Es gibt praktisch keine Tage ohne Lügen. Wenn nicht gelogen wird, wird mindestens die Wahrheit vertuscht oder dekorativ verschleiert.
Unser Nachbar, Kleptomanewitsch, schnitt Bäume und Bambus und türmte die Abfälle in seinem Gelände auf. Danach telefonierte er dem Dorfobmann, Dick hätte Bäume und Bambus geschnitten. Rücksichtslos hätte sie ihren Mist in seiner Gartenanlage deponiert. Ob er, der Herr Dorfobmann, so freundlich sein würde, Dicks Plunder aus seinem gepflegten Park abzuholen. Der Obmann kam persönlich vorbei. Er fiel auf den schmutzigen Trick von Kleptomanewitsch nicht herein.

Dick kaufte Schnaps und Käse bei Makro. Es war das erste Mal, ohne meine Begleitung. Mein schmerzhafter rechter Oberarm erlaubte den Ausflug nicht. Zwei Flaschen Sang Som wurden an der Kasse als drei berechnet. Beim Weich-Käse war der Nepp so gewaltig, dass ich fortan auf das Milchprodukt bei Makro verzichte.
Es war ein Stücklein Gorgonzola, netto 115 Gramm. Der Käse wurde von Jagota im Grossraum Bangkok eingekauft, geschnitten, verpackt, angeschrieben mit „Product from Italy DOP“ und in den Norden geliefert.
In Hangdong wurde der Gorgonzola in einen grösseren Behälter umgesiedelt, neu gewogen und mit Preisangabe dekoriert. Das Bruttogewicht war mit 132 Gramm angegeben. Die siebzehn Gramm ungeniessbare Verpackung wurden zum Käsepreis von 1355 Baht berechnet. Das sind dreiundzwanzig Baht.
Dieser Blauschimmel-Käse war von minderwertiger Qualität und hätte ebenso in Dänemark oder England hergestellt werden können. Bereits mein Glasauge hätte mir vom Einkauf abgeraten. Die Schimmelflecken erinnerten eher an ausgelaufene Tinte. Möglicherweise litt der Nord-Italiener kurzzeitig unter der tropischen Hitze. Dick war bedeutend weniger kritisch. Sie erwischt hie und da sogar angefaulte Tomaten, mit der Lesebrille in der Handtasche.
Vom selbigen Lieferanten bekam ich zuvor einen zweifelhaften Greyerzer-Käse. Er stammte kaum aus der Schweiz – oder gar dem Kanton Freiburg aus einem kontrollierten Betrieb, obwohl die Verpackung das Gegenteil vorgaukelte. Das teure Stück war so versalzen, dass das Salz zwischen den Zähnen knirschte. Mindestens das Salz war echt.

Zwischendurch genoss ich einen Montagnard des Vosges. Das ist französischer Weichkäse aus pasteurisierter Kuhmilch. Er zeichnet sich durch cremigen Teig und würzigen Geschmack aus. Nichts zu nörgeln: Originalverpackt in der Käserei in den Vogesen, leider relativ selten anzutreffen in Chiang Mai.

Ängste und Wertberichtigungen

Im März 2001 erhielt ich aus Bilbao einen Hilferuf. Ihr Gerät würde streiken, ob ich helfen könne. Ich sagte dem netten Herrn zu und erklärte, ich würde nicht fliegen. Mit dem Auto könne ich eine Menge Kleinigkeiten aus Bern mitbringen, welche meine Fehlersuche erleichtern und beschleunigen. Service-Koffer an den Flughafen zu schleppen war mir im Rollstuhl zu umständlich bis unmöglich.
Anfangs April reiste ich bei strahlendem Wetter nach Spanien. Nachdenkend im Rollstuhl sitzend, muss ich vor der defekten Maschine einen ziemlich hilflosen Eindruck hinterlassen haben. Eine junge, sehr beachtenswerte Studentin grüsste freundlich. Sie erklärte mir, die Spezialisten aus Deutschland hätten diesen Teil des Apparates bearbeitet und zeigte mir eine Einheit.
Ich dankte für den wohlgemeinten Ratschlag und sagte, der Kerl im Rollstuhl würde lieber an einem interessanteren Teil arbeiten. Es dauerte drei Tage bis der defekte Käfer gefunden und ersetzt war. Damals nannten Laien integrierte Schaltkreise Käfer. Sie waren schwarz und hatten sechs bis acht Beine. Geistesgestörte Computer hatten auch Käfer, Bugs genannt. Aber die wurden von Programmierern als Software teuer verkauft. Sie bereicherten sich schamlos und tun es heute noch.
Bevor ich mich auf die Rückreise machte, besuchte ich das Guggenheim Museum.
Es war Karwoche. In Saragossa beeindruckten mich die Prozessionen.
Einen Tag später wurde mir auf einem Parkplatz für Behinderte an einem Einkaufszentrum meine Situation ehrlich erklärt. Minusvalido – Minderwertig.
Damals fühlte ich mich keineswegs gedemütigt. Gegenwärtig ist die Situation für mich mehr als peinlich. Ich erinnerte mich in Träumen an Bilbao und die interessanten Erlebnisse. Ein gesunder, leider geschwächter Arm verblieb mir. Als effektiv Minderwertiger bin ich vollständig Abhängig von einer einzigen Person. Die Selbständigkeit ging endgültig verloren. Flüchten, sogar in die alte Heimat, ist fast unmöglich.

Das Schreiben wird extrem schwierig. Es geht nicht nur um meine gestörten Bewegungsabläufe.
Zusätzlich begrenzen strenge Gesetze der Generäle die Aussagen: Das Teilen von Daten, die andere negativ beeinflussen, gilt als illegal. Für jeden Post oder Kommentar, der andere beleidigt oder stört, könnte die beleidigte Partei eine Höchststrafe von 200.000 Baht oder 3 Jahre Gefängnis für den Verursacher beantragen.

https://passauwatchingthailand.com/

ASEAN – Strassenverkehr, nette Verpackung ohne Inhalt

Was da schon alles diskutiert wurde ist phantastisch. Beispielsweise: ein einziges Visum für mehrere Länder. Die Realität zeigt das Gegenteil. Thailandbesuche wurden in den letzten Monaten härter reglementiert. Terrestrische Reisen werden gedämpft, ja bekämpft. Der Luftverkehr ist bevorzugt.
Im eigenen Fahrzeug nach Singapur zu reisen, ist kaum empfehlenswert. Das Fahrzeug spätestens in Johore Bahru stehen lassen!
Ich kannte die Strassen und Länder Europas während fünfzig Jahren. Die grüne Haftpflichtversicherung war in den meisten Ländern gültig. Nur einmal sassen wir am Ende der sechziger Jahre wartend an der Grenze zwischen Jugoslawien und Ungarn. Der Einreiseentscheid fiel in Budapest.

In Hinterindien sieht es anders aus. Grenzübertritte mit Fahrzeugen benötigen viel Zeit und Geld für Kleinigkeiten wie Versicherungen. Es gab, gibt, sogar Grenzübergänge, die kannten Nachtruhe und Mittagspause. Erst gestern verordnete die Regierung Thailands die Schliessung von sechs Grenzübergängen in Sungai Kolok nach Malaysia.
In Satun wohnen wir zwanzig Minuten von Malaysia entfernt. Wir querten die Grenze öfters für Einkäufe im Niemandsland. Darum bemühten wir uns für internationale Reisedokumente fürs Fahrzeug. Es gab sogar internationale Nummernschilder. Sie wurden uns nach Satun nachgesandt. In Malaysia werden schlechter vorbereiteten Thais bedruckte Kleber als Nummernschilder abgegeben.

Was wir nicht wussten war, es ist in Thailand nicht gestattet, mit einem internationalen Thaischild herum zu fahren. Ganz nach Schildbürgerart müssen die Nummernschilder nach jeder Rückkehr ins Land gewechselt werden. In Satun kümmerte sich niemand um Nummernschilder. Wir reisten problemlos über eintausendsiebenhundert Kilometer in den Norden. In Chiang Mai wurde Dick in der Nähe der Airport Plaza geblitzt. Sie erhielt einen eingeschriebenen Brief mit Bild. Sie wurde gebeten, die Schilder zu wechseln und für das anstössige Vergehen gegen die amtlichen Verkehrsregeln zweitausend Baht zu bezahlen. Das Schild konnte trotz aller Schwierigkeiten von instruierten Fachleuten gelesen werden und führte zur Ermittlung der Fahrzeughalterin. Aber es hätte ebenfalls zu einem schweren Verkehrsunfall führen können…..

Wir sandten die Hausschlüssel in den Süden und baten Freunde, uns die gebräuchlichen Thai-Schilder zuzustellen. Am Montag oder Dienstag werden sie montiert. Danach muss der Wagen von Beamten der Dienststelle neu begutachtet werden.

Als das Fahrzeug neu war, hatte es rote Nummernschilder des Verkäufers. Wir wollten nach Nong Khai reisen. Dafür durften wir eine offizielle Genehmigung des Amtes einholen! Grenzenlose Freiheiten für Schildbürger.

Das war’s dann wohl… Misstritte

Während Jahren organisierten wir Betreuung und Pflege für Dicks Mutter. Ich finanzierte das Ganze, um den Seelen-Frieden in Satun geniessen zu können.
Alleine die letzten drei Wochen war die Frau dreimal in Krankenhäusern. Mowgli, Dicks Freundin und Dick selbst setzten sich rund um die Uhr, ebenfalls im Spital, für die Alte ein. Die anderen vier Kinder hatten weder Interesse oder Geld, noch Zeit für ihre Mutter.
Am Dienstagnachmittag wurde die Patientin entlassen. Der Arzt erklärte, die Umstellung von Spritzen auf Pillen könne Erbrechen auslösen. In der Nacht war Dick beschäftigt, Mütterlein von Rotz, Kotz und Scheisse zu säubern. Gegen Mitternacht kam sie erschöpft zurück.
Zwölf Stunden später war alles anders. Mutter schrie lauthals, sie wolle sofort nach Hause. Sie habe genug vom minderwertigen Gesindel in ihrer unmittelbaren Umgebung. Man betrüge und bestehle sie. Anstatt in eine Erstklasse-Klinik wie Chiang Mai RAM, bringe man sie in ein drittklassiges Provinzspital. Dick fehle jeglicher Respekt, vor allem Finanzen für ihre schwerst kranke Mutter. Jeder bekam sein Fett weg, die Betreuerin, sogar Enkel Mowgli, der wirklich sein Bestes, vor allem lange -schlaflose Nächte, für die launige Alte gab.
Dick war tief getroffen. Sie verlor die Kontrolle über ihre Blase. Sie wollte sich umbringen. Ich war erschüttert, obwohl mir die heimtückischen Attacken der bösartigen Hexe bekannt waren. Diese jahrelange Gehirnwäsche war perfide. Dick litt anfänglich gemäss Schwester und Schwager unter Migräne-Anfällen. Migräne war es nicht. Ich brachte meine neue Partnerin während mehr als einem Jahr regelmässig in psychiatrische Behandlung. Sie hatte grosses Glück, denn die Chef-Ärztin behandelte persönlich.

Ihre Mutter vergass, dass die chirurgischen Eingriffe im RAM Spital durchgeführt wurden. Von diesem Krankenhaus wurde sie dann an das Nakornping Hospital überwiesen. Die Ärzte waren dieselben. Nakornping entschied später, die Patientin nach Hang Dong zu überweisen.

Wenn ein Kranker aus sämtlichen Löchern übel duftenden Ausscheidungen von sich gibt, ist es weitaus klüger, die nächstgelegene Hilfsstelle anzupeilen, als Stunden im Fahrzeug im Verkehr zu stecken, nur um eine renommierte Klinik aufzusuchen.

Eine Tochter lebt in der Nähe von Phitsanulok. Sie vergiftete Mutter zweimal – mit von Laien hergestellten Natur-Heilmitteln. Das zweite Mal brachte sie die Sterbende eigenhändig in das Krankenhaus in Hang Dong. Als es schlussendlich ans Bezahlen ging, fehlten der ehrbaren Tochter viertausend Baht. Sie borgte sich die Summe von unserer zufällig anwesenden Erzfeindin. Danach setzte sie sich schnellstmöglich nach Phitsanulok ab. Wir erfuhren diese Geschichte grinsend in Satun. Zähneknirschend überwiesen wir die Summe in den Norden.

Diese liebenswürdige Tochter bereitete nun Mutters schnelle Abreise vor. Vor etwa einem Jahr sollte Dicks uraltes Fahrzeug in Phitsanulok verkauft werden. Die Käufer wollten das Fahrzeug eigentlich, nur bezahlen wollten sie nicht. Deshalb wurden die Ausweise nie übertragen.
Ein wohlgeratenes Söhnchen dieser Tochter benutzte seither ohne jegliche Erlaubnis den Wagen. Er sollte mit dem fast dreissig jährigen Klapperkasten Grossmutter abholen. Der Sohn hat keine Fahrbewilligung. Es gibt keine Versicherung für das Fahrzeug. Seit Jahren wurden keine Steuern bezahlt. Wartungsarbeit ist für den Knaben ein Fremdwort. Arbeit sowieso.

Der Fahrer setzte sich mit Familie, hochschwangere Frau, in kürze dürfte sie zwanzig sein, mit drei jähriger Tochter, in Bewegung. Wie er die zahlreichen Kontrollstellen umging, dürfte sein Geheimnis bleiben. Es wäre für Dick sehr teuer geworden. Als erstes nahm sie dem Fahrer nach der Ankunft den Fahrzeug-Schlüssel ab und versteckte den noch fahrbaren Untersatz im Dorf. Zwei Tage später reiste die Familie per Bahn zurück. Ein weiser Spruch aus der Schweiz heisst: Der Kluge reist im Zuge!

Die unfreundliche Alte lebt nun für einige Tage bei einer andern Tochter in Chiang Mai. Aus Trotz liess sie ihre Medikamente bei uns liegen. Benötigt sie die teure Chemie wirklich nicht?
Sie verhöhnte unsere Fürsorge und kaufte vor dem Schönheits-Salon demonstrativ Klebreis und andere Delikatessen von einer Lieferantin auf einem Motorrad. In zwei Tagen soll sie in ihre Heimat gefahren werden. Hoffentlich schafft sie es! Von mir gibt es jedenfalls keine Hilfe, Unterkunft, Satang oder gar Baht mehr.

Rechenkünstler am Werk

Die Chinesen sind die Erlöser und Retter Thailands. Sie bauen nicht nur überlebenswichtige Unterseeboote für die thailändische Marine und Kampf-Panzer für die Streitkräfte. Sie senden ihre erlebnishungrigen Landsleute, um das darniederliegende Gastgewerbe anzukurbeln. Sie helfen ihren Thaifreunden mit überdimensionierten Rechnern, um schwierigste Aufgaben, wie zehn plus fünf zu lösen. Die weitere Logik hinter Berechnungen bleibt hinterindischen Zahlenakrobaten meist unerschlossen. Deshalb jagen sie dauernd erfolglos nach grossen Nummern. Ein grossartiges Beispiel lieferte unser Nicht-Internet-Provider.
Spezialisten entfernten während unserer Abwesenheit Kabelanschlüsse. Ich brachte den Router mit Zubehör von Satun mit, schloss in an und sah, der hängt signallos in der Luft. Vor einem Jahr empfing das Gerät Bits und Bytes, bevor wir uns in Chiang Mai überhaupt zurück meldeten. Diesmal verlangten die Angestellten neben der monatlichen Grundgebühr zusätzlich 1‘600 Baht.
Das Umschalten geschieht in wenigen Sekunden am Computer in Bangkok. Das Kneifen mit Seitenschneidern dagegen verübten Halunken am Ort.

Als ich am Wochenende ungeduldig vergeblich auf einen Anschluss wartete, ich wollte Mails lesen, eine dringende Geldanweisung sollte ausgeführt werden, handelten wir. Während ich mich im Hause mit einer lustigen Bronchitis im Bett vergnügte, besorgte Dick bei der Konkurrenz das Wundergerät Pocket-WiFi. Weil sie Geburtstag hatte, kriegte sie das ganze Angebot mit fünfzig Prozent Rabatt. Pocket-WiFi arbeitet mit höherer Geschwindigkeit als das alte Kabel und könnte acht drahtlose Anschlüsse bedienen. Die monatlichen Kosten sind vergleichbar.

Wenige Tage später schrieb eine Angestellte der Firma „3 (de-)Bile (Kabel-)Beisser“ eine viertel Stunde an einem Formular, in dem wir auf die Begleichung der Forderung der Firma verzichteten und den nördlichen Anschluss aufgaben. Eine sagenhafte Rendite für die Aktionäre! Die Spezialabgabe, wie auch die monatlichen Gebühren entfallen.
Sollte es Probleme in Satun geben, hätte ich das Taschen-WiFi dabei. Das funktioniert mit wenigen Ausnahmen, im ganzen Land. Einloggen in Hotel-WiFi-Systeme erübrigt sich. Die Bronchitis liebt mich übrigens immer noch.

Paarungsversuche, – wenn das schnelle Geld lockt

Längere Zeit berichtete ich nichts über Goon. Das Knäblein ist jetzt sechs Jahre alt und sorgt allerorts für Aufsehen. Er wurde tonangebender Lego Experte und gewann in Chiang Mai viele Wettbewerbe. Er besiegte selbstverständlich zahlreiche ältere Teilnehmer.

Der Kleine musste zum Zahnarzt. Der Arzt hatte einen jungen Hund in der Praxis. Goon vergnügte sich während des Wartens wiederholt mit dem Welpen. Der Doktor freute sich, wie die beiden zusammen spielten. Nach der dritten, endgültigen Sitzung schenkte der Zahnarzt Goon den teuren Rassehund, weil der noch drei weitere Geschwister zu Hause hatte.
Goon schaute gut zum neuen Gefährten und brachte das kaum drei Monate alte Tier bei uns im Garten unter.

Im Dorf gibt es eine neue, besonders geldgierige, rein bahtistisch orientierte Familie: Mutter, Vater, elfjährige Tochter und ein Köter, eventuell mit Stammbaum. Er bepisst jedenfalls sämtliche Stämme, Bäume und Zäune.
Eines heissen Abends erschienen Mutter und Tochter bei Goons Mutter und verlangten Geld. Scheine, verziert mit Bildern des verehrten Monarchen, Baht.
„Wofür?“ fragte Goons Mutter.
„Goons minderwertiges Tier paarte sich mit unserem kostbaren Rassenhund“, behaupteten die Weiber laut keifend. „Das kostet!“
Goons Hündchen ist noch nicht aufgeklärt, lernte aber einige Tricks. Bei nicht angemeldeten Eindringlingen zerreisst es ohne langes Bellen Kleidungsstücke. Nur fliegen kann der treue Wächter nicht. Deshalb konnte das Tier das Grundstück nie verlassen. Ausgang gibt es nur in Begleitung seines Meisters. Darum wurde die freche Forderung abgewiesen. Die unbefriedigten Weiber wollten nun ihre finanziellen Ansprüche der angeblich stinkreichen Grossmutter in Satun übermitteln.

Wenige Tage später standen die zwei Weiber an der Tür zum Schönheitssalon. Mowgli, das Hirn war wie üblich ausgeschaltet, liess die zwei Frauen eintreten, ohne sich nach dem Grund des geschätzten Besuches zu erkundigen. Die beiden Damen kamen schnell zur Sache.
„Wir wollen Geld. Goons Hund fiel meine Tochter an und verletzte sie“, klagte die bescheuerte Alte.
Unterdessen fand die unverletzte, mit einem Prügel bewaffnete Tochter, das Hündchen. Sie schlug wuchtig mit dem Stock auf das kleine Tier ein. Der Hund jaulte und winselte vor Schmerz. Goon sah, wie sein Hündchen unbarmherzig misshandelt wurde.
„Unmöglich“, sagte Goon. „Mein Hund kann ohne mich den Garten nicht verlassen. Das muss ein anderer Köter gewesen sein.“
Ungerührt griff das Mädchen wieder zu ihrem Prügel und wollte erneut zuschlagen. Goon trainiert seit längerer Zeit Tae-Kwon-Do. (1) Mit einem gezielten Fussstoss nach einer rasanten Drehung, fällte der Kleine die fünf Jahre ältere, hirnlose Bohnenstange. Mowgli wurde aus seinen Tagträumen gerissen und bemerkte nur: „Goon ist noch schneller als Bruce Lee und Jackie Chan zusammen“. (2)
Die Welpenprüglerin verletzte sich beim Sturz am Kinn. Jetzt schrie sie erst recht erfolglos nach Geld. Das Duo besuchte dramatisch blutend den Dorfvorsteher. Sie wollten den bösartigen Buben verklagen. Er verursachte eine lebensgefährliche Wunde, denn im Hals sitzen ja die Schläuche für Blut, Luft, Nahrungsmittel und Stimme.
Der Mann kannte den kleinen Goon und glaubte die Geschichte nicht. Im Spital wurde die Verletzung unter dem Kinn mit vier Stichen genäht. Wir warten auf die nächsten Forderungen. 
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Taekwondo
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_Lee