Überraschendes Upgrade vom Shake zum Cocktail

Milchshakes sind Getränke, für welche Milch mit Speiseeis, Früchten – wie Erdbeeren oder Bananen, Schokolade oder Aromen – wie Vanille, mit Mixern kombiniert werden.
Der Erfinder der Milchshakes war Ivar „Pop“ Coulson aus Chicago. Er kam bereits 1922 auf die Idee, Milch, Eis, Malz und Schokolade zu einem neuartigen Getränk zu mischen. In der Schweiz waren solche Flüssigkeiten als Frappé bekannt. Smoothies sind moderne, enge Verwandte der Shakes.

Ein jüngerer Tourist war in der guten alten Zeit, als man Alkoholika noch ohne Fahrplan konsumieren durfte, erstmalig im berüchtigten Bangkok. War es Soi Cowboy, war es Patpong? Er betrat in der Mitte eines feucht-heissen Nachmittags eine schummrige Bar. Eine Lady begrüsste ihn freundlich und fragte nach seinem Begehr.
„Ja, ich hätte grosse Lust auf einen Bananen-Shake!“
Nun ist eine Bier- oder Cocktail-Bar nicht unbedingt der richtige Ort für Milch-Mix-Getränke. Die Lady erklärte leicht verwirrt, ihre Wimpern klimperten aufgeregt:
„Es ist sehr früh am Tag. Es ist nicht viel Personal im Haus. Aber unser Schmuckstück, Fräulein Garnele, Khun Gung, wird gerne mit ihnen nach oben gehen, um ihren Wunsch zu erfüllen!“
Die Chefin rief einige unverständliche Laute in die Dunkelheit der Bar. Nach geraumer Zeit erschien eine sehr junge Frau mit mandelförmigen Augen und langen, glänzend schwarzen Haaren. Es gab noch keine umgefärbten thailändischen Blondinen. Offenbar litt die Schönheit an einer Textil-Allergie. Sie war, ausser mit extrem wuchtigen Schuhen und passendem Gürtel, kaum bekleidet.

„Khun Gung, Miss Garnele – Bananenspezialist“, meldete die Bar-Dame.
Der junge Mann stieg mit der knackigen Garnele die enge Treppe hoch. Oben angekommen, werkelten die Beiden erfolgreich – die Matratze quietschte, das Bettgestell stöhnte – am Bananen-Shake mit Garnelen-Cocktail!

https://de.wikipedia.org/wiki/Milchshake

Im Osten nichts Neues

Es tut mir leid. Ich wartete in Thailand vergeblich auf positive Ereignisse, um meine Berichte ausgewogener zu gestalten. Fehlanzeige. Es ist Mai, der fünfte Monat des Jahres. Dennoch las ich einen Bericht, dass die Staatskasse in den ersten sechs Monaten einen Fehlbetrag von sechshundert Milliarden „erwirtschaftete“!

In Pattaya herrscht wieder Fallobstzeit. Wöchentlich stürzen zwei bis drei ausländische Gäste aus Fenstern und Balkonen ihrer Unterkünfte in die Tiefen. Das ist eine abgründige Tradition. Sind alle diese Menschen bekifft, betrunken, verlangen böse Geister Menschenopfer, oder sind die Fälle durch architektonische Besonderheiten begünstigt?

Im gleichen Städtchen machte ein Tourist aus Deutschland schlechte Erfahrungen. Als er sich zu frühesten Morgenstunden ein Bier genehmigen wollte, attackierten ihn zwei Ladyboys und boten ihm ihre Liebesdienste an. Er verzichtete grosszügig auf das eindeutige Angebot für einen flotten Dreier. Darauf massierten die sensiblen abgewiesenen Triebtäter sein Gesicht in der Weise, dass das zarte Bein des Riechkolbens brach. Der Herr verlor dabei etwas Blut im überempfindlichen Kopfbereich. Durch zahllose alkoholische Getränke in der tropischen Hitze litt die Haut und wurde spröde. ((1) Kari Dällebach.) Die ungestümen Streicheleinheiten führten zu ausgiebigem Bodenkontakt. Die geldgierigen Einheimischen, vielleicht waren es burmesische Gastarbeiter – wie oft in ähnlichen Fällen, erleichterten ihr Opfer um viertausend Baht und machten sich davon. (2)
Der Verletzte wurde im Krankenhaus verarztet. Er machte darauf eine Anzeige. Oh Wunder, die Polizei fand die beiden Liebesdiener und verhörte sie. Nach einer Busse von eintausend Baht wurden sie in die grenzenlose Freiheit Pattayas entlassen.

Wesentlich grausamer erging es in Hua Hin einem älteren Ehepaar mit Sohn, dreiundvierzig, aus England. Vier angetrunkene Täter im Alter zwischen zwanzig bis zweiunddreissig Jahren, schlugen die fremden Gäste brutal zusammen. Als die Opfer wehrlos am Boden lagen, wurden deren Köpfe mit den Füssen getreten. Schlimm waren die Zuschauer, die teilnahmslos – wie an der Glotze, die Tat verfolgten. Das Geschehen wurde von einer Überwachungs-Kamera aufgezeichnet. Der Polizei gelang es einige Tage danach, die Täter zu verhaften. Die brutalen Bilder verbreiteten sich rasch im Internet.
Die Gesetzeshüter suchen nun fieberhaft nach denjenigen, die das Video veröffentlichten, denn diese barbarischen Bilder hätten der angeschlagenen Tourismusindustrie des Landes enormen Schaden zugefügt. (3)

Irgendwie erinnert das an zahlreiche Unglücksfälle und Verbrechen. Die Untaten konnten nicht verhindert werden. Das Vernichten von Beweismitteln dagegen ist wesentlich einfacher und offenbar einträglicher. (Janepob Veeraporn, Vorayuth Yoovidhya, Orachon „Praewa“ Thephasadin na Ayudhya.) Gegen solchen Dummfug kämpfen sogar studierte Forensiker vergeblich.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Tellenbach
(2) http://www.blick.ch/news/ausland/dreier-abgelehnt-dann-gabs-pruegel-in-pattaya-lutz-ist-das-ladyboy-opfer-id4966319.html
(*) http://www.blick.ch/news/ausland/aggressive-transsexuelle-auf-iphone-klautour-ladyboy-alarm-in-pattaya-id4963468.html
(3) http://www.bangkokpost.com/news/general/954489/hua-hin-clip-leak-caused-more-harm

Hanuman und der Affenkasten

Meine Grosseltern lebten in der Nähe der Stadt Aarau. An ein imposantes Haus erinnere ich mich. Es ist der Affenkasten. (1,2) Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in der hinteren Vorstadt eine kleine Brauerei mit Gaststube. Dort trafen sich Kantonsschüler. Sie inhalierten eifrig Gerstensaft. Die Leute verbreiteten Nachrichten wie, die Studenten seien in der Brauerei oder im Kasten gewesen. Danach hätten sie einen Aff nach Hause getragen. Auf diese Weise soll der Begriff «Affenkasten» entstanden sein, der 1877 erstmals offiziell genannt wurde.
Im «Aff» gab es respektable Gäste wie den Arzt Albert Schweitzer, die Bundesräte Heinz Häberli und Albert Meyer, Gottlieb Duttweiler, der Gründer der Migros, die Schriftstellerin Maria Dutli-Rutishauser und den deutschen Filmschauspieler Conrad Veidt. Klein Low trank dort kein Bier, sondern Orangina aus bauchigen Fläschchen. Am 31. Oktober 2006 schloss das Restaurant Affenkasten in Aarau seine Türen und machte einer Buchhandlung Platz.

Wieso fand der Affenkasten den Weg nach Hinterindien?
Das Ramayana, Sanskrit, रामायण, ist nach dem Mahabharata das zweite indische Nationalepos. In diesem gewaltigen Werk hilft der Affe Hanuman dem Königssohn Rama, dessen Gattin Sita aus der Gewalt des Monsters Ravana zu befreien. (3)
In Thailand werden nicht nur Gucci Taschen oder Marken-Jeans gekonnt nachempfunden. Das Ramayana heisst hier Ramakien. Der Affe bleibt Affe und heisst Hanuman.
Die Herren Generäle hatten nun die glorreiche Idee, den Hindu-Gott Hanuman zum Schutzpatron der Nation zu erküren. (4)
Verteidigungsminister Prawit Wongsuwon leitete die würdige Zeremonie des Giessens von eintausenddreihundertundneun Hanuman Kopien. Sein Stellvertreter, Minister Udomdej Sitabutr, sowie der Führungsstab der Armee verschönerten mit ihren glitzernden Orden und Medaillen die wichtige Handlung. Insgesamt sollen neun Affen in Gold, dreihundert in Silber und tausend in anderen Legierungen gegossen werden.

Meine Folgerung: Der Buddha taugt nichts. Buddhisten, werdet schleunigst Hanumanisten der Hindu Affen Kaste!
Ich würde in den Affenkasten flüchten. Den gibt es leider nicht mehr.

(1) http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/aarau/in-affenkasten-kehrten-sogar-albert-schweitzer-und-bundesraete-ein-129941119
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Affenkasten
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Ramayana
(4) http://www.bangkokpost.com/news/general/942617/hanuman-statues-to-protect-nation

Qualität der Lebensmittel

Thai Neujahr, Songkran, Wasserfest 2016: Mit den besten Wünschen für guten Appetit!

Unsere grösste Aufmerksamkeit gilt dem Kauf von Lebensmitteln. Im März überlebte ich drei leichte Vergiftungen. Dick sah einen frisch aussehenden Fisch an einem Marktstand im Dorf. Das Tier enthielt Formol. Im Big-C lockte später ein Kotelett. Nach der erfolgreichen Behandlung in der Bratpfanne versuchte ich ein Stücklein. Zum Kauen war das Fleisch angenehm und würzig. Nur der Magen hinderte mich am Schlucken. Dick ass mehr und hatte stärkere Beschwerden.
Am Schlimmsten waren die grossartig aussehenden Garnelen aus Koh Lanta. Sie legten sogar die Schwiegermutter des Fischers flach. Es wurde sehr teuer, denn sie lag eine Woche in einem Krankenhaus in Bangkok.

Die Behandlung von Fleisch und Gemüse mit Formol ist gegenwärtig ein fieser Volkssport. Fischfarmer geben bereits dem Wasser zum Transport lebender Tiere zu den Märkten Formol bei. Auf Fischkuttern gehört neben Kühlgeräten und Eis, Formol zur Standardausrüstung.

Die Hobbygärtner im Dorf benutzen reichlich Dünger und Spritzmittel. Sie schenkten uns von ihrem Gemüse. Ansehen kann man es problemlos. Nur vom Schlucken rate ich ab.
In ganz Thailand herrscht seit Wochen eine Hitzewelle. Thai Biere ertrage
ich gegenwärtig nicht ohne Beschwerden. Wird die Haltbarkeit eventuell durch Zugaben von Chemie verbessert?

Die Ladenhüterin mit Hut vernebelt ihre Chiang Mai Würste vorsichtig mit Baygon. Um sich zu schützen, schliesst sie mit einer Hand ihre Nase. Hilft es, wenn wir Konsumenten später beim Verzehr die Nasen zuhalten. Das geht leider nur, wenn wir auf Messer und Senf verzichten.

Sausice with Baygon
Sogar aus Helvetien erhielt ich Hinweise auf diese Probleme:
http://www.blick.ch/news/ausland/so-skrupellos-sind-lebensmittelfaelscher-affenfleisch-zucker-duenger-gemisch-formalin-innereien-id4866334.html

Drei Wünsche

Eigentlich wollte ich über bescheidene Wünsche berichten. Da flüsterte ein Stimmchen aus einer Spinnwebe in mein Ohr:
„Schau zuerst im Internet.“
Von Märchen bis Witzen gibt es alles.

Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen
Der Arme und der Reiche

Vor alten Zeiten, als der liebe Gott noch selber auf Erden unter den Menschen wandelte, trug es sich zu, daß er eines Abends müde war und ihn die Nacht überfiel, bevor er zu einer Herberge kommen konnte. Nun standen auf dem Weg vor ihm zwei Häuser einander gegenüber, das eine groß und schön, das andere klein und ärmlich anzusehen, und gehörte das große einem reichen, das kleine einem armen Manne. Da dachte unser Herrgott: »Dem Reichen werde ich nicht beschwerlich fallen: bei ihm will ich übernachten.« Der Reiche, als er an seine Thür klopfen hörte, machte das Fenster auf und fragte den Fremdling was er suche? Der Herr antwortete: »Ich bitte um ein Nachtlager.« Der Reiche guckte den Wandersmann von Haupt bis zu den Füßen an, und weil der liebe Gott schlichte Kleider trug und nicht aussah wie einer, der viel Geld in der Tasche hat, schüttelte er mit dem Kopf und sprach: »Ich kann Euch nicht aufnehmen, meine Kammern liegen voll Kräuter und Samen, und sollte ich einen jeden beherbergen, der an meine Thür klopft, so könnte ich selber den Bettelstab in die Hand nehmen. Sucht Euch anderswo ein Unterkommen.« Schlug damit sein Fenster zu und ließ den lieben Gott stehen. Also kehrte ihm der liebe Gott den Rücken und ging hinüber zu dem kleinen Haus. Kaum hatte er angeklopft, so klinkte der Arme schon sein Thürchen auf und bat den Wandersmann einzutreten. »Bleibt die Nacht über bei mir,« sagte er »es ist schon finster und heute könnt Ihr doch nicht weiterkommen.« Das gefiel dem lieben Gott und er trat zu ihm ein. Die Frau des Armen reichte ihm die Hand, hieß ihn willkommen und sagte, er möchte sich’s bequem machen und vorlieb nehmen, sie hätten nicht viel, aber was es wäre, gäben sie von Herzen gern. Dann setzte sie Kartoffeln ans Feuer, und derweil sie kochten, melkte sie ihre Ziege, damit sie ein wenig Milch dazu hätten. Und als der Tisch gedeckt war, setzte sich der liebe Gott nieder und aß mit ihnen, und schmeckte ihm die schlechte Kost gut, denn es waren vergnügte Gesichter dabei. Nachdem sie gegessen hatten und Schlafenszeit war, rief die Frau heimlich ihren Mann und sprach: »Hör, lieber Mann, wir wollen uns heute nacht eine Streu machen, damit der arme Wanderer sich in unser Bett legen und ausruhen kann; er ist den ganzen Tag über gegangen, da wird einer müde.« »Von Herzen gern,« antwortete er, »ich will’s ihm anbieten,« ging zu dem lieben Gott und bat ihn, wenn’s ihm recht wäre, möchte er sich in ihr Bett legen und seine Glieder ordentlich ausruhen. Der liebe Gott wollte den beiden Alten ihr Lager nicht nehmen, aber sie ließen nicht ab, bis er es endlich that und sich in ihr Bett legte; sich selbst aber machten sie eine Streu auf der Erde. Am anderen Morgen standen sie vor Tag schon auf und kochten dem Gast ein Frühstück, so gut sie es hatten. Als nun die Sonne durchs Fensterlein schien und der liebe Gott aufgestanden war, aß er wieder mit ihnen und wollte dann seines Weges ziehen. Als er in der Thür stand, kehrte er sich um und sprach: »Weil ihr so mitleidig und fromm seid, so wünscht euch dreierlei, das will ich euch erfüllen.« Da sagte der Arme: »Was soll ich mir sonst noch wünschen als die ewige Seligkeit, und daß wir zwei, solange wir leben, gesund dabei bleiben und unser notdürftiges tägliches Brot haben; fürs dritte weiß ich mir nichts zu wünschen.« Der liebe Gott sprach: »Willst du dir nicht ein neues Haus für das alte wünschen?« »O ja,« sagte der Mann, »wenn ich das auch noch erhalten kann, so wär mir’s wohl lieb.« Da erfüllte der Herr ihre Wünsche, verwandelte ihr altes Haus in ein neues, gab ihnen nochmals seinen Segen und zog weiter.
Es war schon voller Tag, als der Reiche aufstand. Er legte sich ins Fenster und sah gegenüber ein neues reinliches Haus mit roten Ziegeln, wo sonst eine alte Hütte gestanden hatte. Da machte er große Augen, rief seine Frau herbei undsprach: »Sag mir, was ist geschehen? Gestern abend stand noch die alte elende Hütte, und heute steht da ein schönes neues Haus. Lauf hinüber und höre wie das gekommen ist.« Die Frau ging und fragte den Armen aus; er erzählte ihr: »Gestern abend kam ein Wanderer, der suchte Nachtherberge, und heute morgen beim Abschied hat er uns drei Wünsche gewährt, die ewige Seligkeit, Gesundheit in diesem Leben und das notdürftige tägliche Brot dazu und zuletzt noch statt unserer alten Hütte ein schönes neues Haus.« Die Frau des Reichen lief eilig zurück und erzählte ihrem Manne wie alles gekommen war. Der Mann sprach: »Ich möchte mich zerreißen und zerschlagen; hätte ich das nur gewußt! der Fremde ist zuvor hier gewesen und hat bei uns übernachten wollen, ich habe ihn aber abgewiesen.« »Eil dich,« sprach die Frau, »und setze dich auf dein Pferd, so kannst du den Mann noch einholen, und dann mußt du dir auch drei Wünsche gewähren lassen.«
Der Reiche befolgte den guten Rat, jagte mit seinem Pferde davon und holte den lieben Gott noch ein. Er redete fein und lieblich und bat, er möcht’s nicht übel nehmen, daß er nicht gleich wäre eingelassen worden, er hätte den Schlüssel zur Hausthür gesucht, derweil wäre er weggegangen: wenn er des Weges zurückkäme, müßte er bei ihm einkehren. »Ja,« sprach der liebe Gott, »wenn ich einmal zurückkomme, will ich es thun.« Da fragte der Reiche, ob er nicht auch drei Wünsche thun dürfte wie sein Nachbar? Ja, sagte der liebe Gott, das dürfte er wohl, es wäre aber nicht gut für ihn, und er sollte sich lieber nichts wünschen. Der Reiche meinte, er wollte sich schon etwas aussuchen, das zu seinem Glück gereiche, wenn er nur wüßte, daß es erfüllt würde. Sprach der liebe Gott: »Reit heim und drei Wünsche, die du thust, die sollen in Erfüllung gehen.«
Nun hatte der Reiche, was er verlangte, ritt heimwärts und fing an nachzusinnen, was er sich wünschen sollte. Wie er sich so bedachte und die Zügel fallen ließ, fing das Pferd an zu springen, sodaß er immerfort in seinen Gedanken gestört wurde und sie gar nicht zusammenbringen konnte. Er klopfte ihm an den Hals und sagte: »Sei ruhig, Liese,« aber das Pferd machte aufs neue Männchen. Da ward er zuletzt ärgerlich und rief ganz ungeduldig: »So wollt ich, daß du den Hals zerbrächst!« Wie er das Wort ausgesprochen hatte, plump, fiel er auf die Erde, und lag das Pferd tot und regte sich nicht mehr; damit war der erste Wunsch erfüllt. Weil er aber von Natur geizig war, wollte er das Sattelzeug nicht im Stich lassen, schnitt’s ab, hing’s auf seinen Rücken und mußte nun zu Fuß gehen. »Du hast noch zwei Wünsche übrig,« dachte er und tröstete sich damit. Wie er nun langsam durch den Sand dahin ging, und zu Mittag die Sonne heiß brannte, ward’s ihm so warm und verdrießlich zu Mute; der Sattel drückte ihn auf den Rücken, auch war ihm noch immer nicht eingefallen, was er sich wünschen sollte. »Wenn ich mir auch alle Reiche und Schätze der Welt wünsche,« sprach er zu sich selbst, »so fällt mir hernach noch allerlei ein, dieses und jenes, das weiß ich im voraus; ich will’s aber so einrichten, daß mir gar nichts mehr übrig zu wünschen bleibt.« Dann seufzte er und sprach: »Ja, wenn ich der bayrische Bauer wäre, der auch drei Wünsche frei hatte, der wußte sich zu helfen, der wünschte sich zuerst recht viel Bier, und zweitens so viel Bier als er trinken könnte, und drittens noch ein Faß Bier dazu.« Manchmal meinte er, jetzt hätte er es gefunden, aber hernach schien’s ihm doch noch zu wenig. Da kam ihm so in die Gedanken, was es seine Frau jetzt gut hätte, die säße daheim in einer kühlen Stube und ließe sich’s wohl schmecken. Das ärgerte ihn ordentlich und ohne daß er’s wußte, sprach er so hin: »Ich wollte, die säße daheim auf dem Sattel, und könnte nicht herunter, statt daß ich ihn da auf meinem Rücken schleppe.« Und wie das letzte Wort aus seinem Munde kam, so war der Sattel von seinem Rücken verschwunden, und er merkte, daß sein zweiter Wunsch auch in Erfüllung gegangen war. Da ward ihm erst recht heiß, er fing an zu laufen und wollte sich daheim ganz einsam in seine Kammer hinsetzen und auf etwas Großes für den letzten Wunsch sinnen. Wie er aber ankommt und die Stubenthür aufmacht, sitzt da seine Frau mittendrin auf dem Sattel und kann nicht herunter, jammert und schreit. Da sprach er: »Gieb dich zufrieden, ich will dir alle Reichtümer der Welt herbeiwünschen, nur bleib da sitzen.« Sie schalt ihn aber einen Schafskopf und sprach: »Was helfen mir alle Reichtümer der Welt, wenn ich auf dem Sattel sitze; du hast mich darauf gewünscht, du mußt mir auch wieder herunter helfen.« Er mochte wollen oder nicht, er mußte den dritten Wunsch thun, daß sie vom Sattel ledig wäre und heruntersteigen könnte; und der Wunsch ward alsbald erfüllt. Also hatte er nichts davon als Ärger, Mühe, Scheltworte und ein verlorenes Pferd; die Armen aber lebten vergnügt, still und fromm bis an ihr seliges Ende.

Es lebe die Volksgesundheit, besonders in Bangkok

Früher machten die unterbeschäftigten Uniformierten in Bangkok mit auf Hochglanz polierten Stiefeln Jagd auf Schwerverbrecher, die Zigarettenkippen wegschmissen. Dieses Vergehen kostete zweitausend Baht Strafe und mindestens eine Stunde gemütliche Unterhaltung in einer Polizeiwache. Heute ist es schwer möglich, Asche oder Kippe zu entsorgen, weil bereits das Rauchen, das Entzünden einer Minimalmenge von Tabak, verboten ist. Die Menge der Schadstoffe eines einzigen Glimmstengels ist beträchtlich:

Verbindungen und Mengen:

Kohlenmonoxid
14–23 mg
Stickstoffoxid
100–600 µg
Blausäure
400–500 µg
Butadien
24–40 µg
Benzol
12–50 µg
Styrol
10 µg
Formaldehyd
20–100 µg
Acetaldehyd
400–1400 µg
Aceton
100–650 µg
Acrolein
60–140 µg
Aliphatische Amine
3–10 µg

In der Partikelphase sind u. a. folgende Verbindungen nachweisbar:
Nikotin
1000–3000 µg
Nornikotin
50–150 µg
Nichtflüchtige Kohlenwasserstoffe
300–400 µg
Naphthalin
2–4 µg
Naphthalinderivate
3–6 µg
Phenanthrene
0,2–0,4 µg
Fluorene
0,6–1,0 µg
Pyrene
0,3–0,5 µg
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
0,1–0,25 µg
Phenol
80–160 µg
Benzofurane
200–300 µg

Dies in einer Stadt mit Millionen schlecht gewarteter Fahrzeuge, effektiven Giftschleudern. Einer Stadt mit stinkenden Garküchen, Schloten von Fabriken und Kraftwerken, Unmengen von Abfällen, mit Kolonien gefrässiger, urinierender, kotender Menschen und Ratten. Die einzigen Orte, wo noch geraucht wird, sind die Tempel. Die Gelbberockten gehen mit gutem Beispiel voran. Ob sie an einem Lungenkrebs, hervorgerufen durch Weihrauchstäbchen, Kerzenruss, Emissionen bei Kremationen oder Zigarettenrauch sterben, spielt in der Statistik keine Rolle. Zielort ist in jedem Fall das Nibbana.

Mittlerweile ist die Luft in Bangkok besser als in Chiang Mai, wo der Grenzwert der Feinstoffbelastung von hundert Mikrogramm nur noch selten unterschritten wird. Wesentlich anders ist es in Satun. Die Stadt mit etwa zweiundzwanzigtausend Einwohnern bietet meist Brisen frischer Luft von der Andamanensee.
Bereits vor einem Jahr beobachtete ich vom Hotel aus zwischen den Palmen aufsteigende Rauchsäulen. Diese Luftverschmutzer werden von den Ordnungshütern nicht verfolgt, obwohl sie, verglichen mit inhalierten Glimmstengeln, gewaltige Giftmengen erzeugen. Sie feuern jederzeit. Die hirnverbrannten Pyromanen folgen ihrer Lust Tag und Nacht, morgens um vier oder um neun. Dann stinkt es erbärmlich in den Dörfern: Nach Phenol – bis zum Brechreiz, nach Chlorverbindungen beim Abschwelen der blauen PVC Rohre, nach Autoreifen und nach Formaldehyd – das beschützt die zähen Alten vor vorzeitigem Ableben. Gibt es Herz-Erfrischenderes für Leber und Nieren als Düfte frisch verbannter PET-Flaschen und Plastiksäcke? Zwecks Förderung der Volksgesundheit ist das öffentliche Spülen der betroffenen Organe mit kühlem Bier zwischen 14 00 und 17 00 Uhr ebenfalls verboten.
Alle diese Schwelbrände mit versuchten Giftmorden dürfen ohne jegliche Straf-Verfolgung durchgeführt werden. Zigaretten sind schädlich. Schädlicher als tausend Feuerchen mit dem zusätzlich importierten Rauch aus dem fernen Sumatra!

Seemannsgarn

Anlässlich der Reparatur der Buckelpiste lernten wir einen hilfsbereiten Herrn mit aussergewöhnlicher Vergangenheit kennen. Er sah einen unserer Nachbarn und seufzte: „Was, der lebt jetzt hier?“ Rampe repariert Dann erzählte er uns die schicksalhafte Begebenheit seines Lebens. Als junger Mann arbeitete er als Matrose auf einem Schiff. Man beförderte keine Personen, sondern schmuggelte Waren, Import und Export. Der Chef bezahlte dreihunderttausend Baht Teegeld im Monat. Der Handel florierte zur Zufriedenheit aller Beteiligten, bis eines Tages Inspektoren aus Bangkok kamen. Sie wollten ihre Zöllner in Aktion sehen. Die Beamten enterten das Boot der Schmuggler. (1) Einige der Gesetzesbrecher sprangen über Bord und versuchten, der Gefangennahme schwimmend zu entkommen.
Unser Erzähler hechtete ebenfalls ins Wasser. Ein Offizier in frisch gebügelter Uniform stürzte sich mutig in die See, um den Flüchtigen zu fangen. Doch der Verfolger war eher Schreibtischtäter als Wassersportler. Der Abstand wurde zusehends grösser. Die erfolgreiche Flucht schien möglich.
Der Schmuggler bemerkte plötzlich, sein Jäger war am Ende seiner Kräfte und drohte zu ertrinken. Er schwamm zurück und rettete seinem Gegner das Leben. Dann wurde er gefangen genommen.
Der Beamte wusste, er verdankte diesem Mann sein Leben. Er sagte zum Retter:
„Bedauerlicherweise ist es mir nicht möglich, dir jetzt zu helfen. Aber wenn deine Strafe abgesessen ist, werde ich für dich da sein.“
Der Richter verdonnerte den Gesetzesbrecher zu zwei Jahren Gefängnis. Danach verhalf ihm der Zollbeamte zu einer ordentlich bezahlten Anstellung.

Ich hätte zum Thema ein Dutzend Fragen gehabt. Doch achtbare religiöse Rituale riefen unsere südthailändischen Helfer: Das Feierabendbier!

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Enterung

Sepp Blatter schuldlos: Fussball-Skandal in Satun

Der grosse Schriftgelehrte Arthur Koestler verfasste ein Buch, an dem ich in Europa 1972 lange kaute und verdaute: „Die Wurzeln des Zufalls“. Koestlers These: „Der Okkultismus wird zusehends wissenschaftlicher und die Wissenschaft wird täglich okkulter.“
Das Beste in Hinterindien ist: Zufälle gibt es nicht. In den letzten Tagen beeindruckte mich ein ausserordentlich niederträchtiger Mönch durch nicht eingehaltene Regeln. Regeln und Gesetze müssen gebrochen werden. Ohne Rechtsbrecher und Vagabunden würden hunderttausende Ordnungshüter überflüssig und arbeitslos.
Der Pseudo-Kleriker lenkte betrunken ein Automobil. Mönche sollten weder lenken, noch trinken. Als ihn die Polizei anhielt und kontrollierte, trug er in seiner safranfarbenen Wickel-Robe gut versteckt, im Süden offenbar üblich, einige Bomben.

Eines Samstags glitten wir im Mitsubishi inmitten hunderter Mopedfahrer Richtung Satun. (1) Wir wurden dauernd überholt. Links, rechts, zick-zack, unten durch. Ein Wunder, dass keiner aufs Dach krachte. Wohin wollten alle diese Menschen? Gab es Freibier, Lao Khao oder gar gebrannte Wasser von Johnnie Walkers Söhnen im Big C?
An unserer Strasse liegt das wichtige Fussballstadion von Satun. All diese Leute, zusätzlich einige Automobilisten und Fussgänger, bezahlten siebzig Baht, das entspricht mindestens zwei grösseren Mahlzeiten, für neunzig Minuten Unterhaltung mit thailändischer Rasenakrobatik.(2) fc satun Während einem der grössten thailändischen Fussball-Duelle des Jahres weilten wir in Kuah. Wir vernahmen aus der Ferne: Satun verlor gegen Khon Kaen. Der Polizeichef von Satun und zehn weitere hochrangige Offiziere wurden nach der Niederlage auf Befehl aus Bangkok auf inaktive Posten versetzt. Warum?
Eine importierte Schlägertruppe (aus Krung Thep?) attackierte bei Spielende den Schieds- und die Linienrichter. Wenige hirnlose Satuner machten mit. Der Verlust gegen die Isaner war doch äusserst schmerzhaft.
Die unfähigen Chef-Beamten, die nicht in der Lage waren, die Unparteiischen zu beschützen, wurden auf höchste Anordnung der Landesregierung aus dem Dienst entfernt. Sie wurden umgehend durch qualifizierte Offiziere der Armee aus Bangkok ersetzt.
Deren ausserordentliche Fähigkeiten wurden letzten Samstag voll bestätigt. Es war kein Fussballfest, aber eine grosskalibrige Karaoke-Maschine in der Nachbarschaft lärmte von 14 00 bis 03 00 Uhr durchgehend. War es der fröhliche Einstand des neuen Polizei-Chefs?
Nicht der Zufall, sondern Gelegenheits-Okkultismus gemischt mit hoher Politik, wollen den erfolgreichen Verein wegen Provokation für drei Jahre sperren!

(1) http://www.mitsubishi-motors.at/attrage/#!
(2) https://en.wikipedia.org/wiki/Satun_United_F.C.
Die Fussballfreunde werden sich feuen!
https://hinterindien.com/2014/06/10/frohliches-thailand-nach-argernis-demokratie/
Pheneas sagte bereits am 14. Juni 2014 um 16:15 :
Ein bekloppteres, von kopfballgeschädigten Akteuren verursachtes Eigentor, werden auch die nächsten 10-FIFA-Games nicht hergeben.

Gruss aus Suphan Buri

Endlich sind wir unterwegs in unser Winterquartier. Eine vergleichbare Distanz in Europa entspricht ungefähr dem Weg von Bern nach Istanbul. Unsere Abreise wurde immer wieder verzögert. Geldgier lässt gedankenlose Zeitgenossen jährlich in Sumatra Urwald abbrennen. Die Produktion von Palmöl zwecks Ernährung und als Biodiesel verspricht Kapitalgewinne. Menschen und Tiere ersticken. Der Himmel über Sumatra ist immer noch von Rauch bedeckt. Die Luftverschmutzung erreichte Singapur. Sie überdeckte die gesamte malaysische Halbinsel bis Südthailand und traf sogar die Insel Phuket. Die Lage verbesserte sich. Aber das Problem ist leider immer noch aktuell.Suphan Buri

Die Grösse des Objekts: Links unten, neben der Schrift, ist ein Mensch!

In Chiang Mai hatten wir bereits anfangs Oktober einen ersten Kälteeinbruch. Die Temperaturen fielen des Nachts auf sechzehn Grad Celsius. Ich leide immer noch darunter. Die Gelenkschmerzen sind zeitweise unerträglich.
Zusätzlich riskierte ich fliegend eine dicke Lippe. Durch Baumängel bedingt, stürzte ich vor einigen Wochen, im erst vor einem Jahr erstellten Kad Farang, auf meine Fresshöhle. Ich reparierte meine wüsten Verletzungen nach Western Manier, unter jeweiligem Genuss je einer halben Flasche Bourbon, in zwei mutigen Eingriffen. Die Knochen im Gesichtsbereich erhielten einen wüsten Schlag. Blutergüsse im Wangenbereich zeigten sich. Das Brillen-Gestell war ruiniert. Ein Rippchen brach. In der Schweiz würde der Liegenschafts-Besitzer haften. In Thailand gilt: Betreten auf eigene Gefahr. Vielleicht verliere ich als Spätfolge noch einige Zähne. Aus Vorsicht, zur Schonung des Kauapparates geniesse ich BeBe-Diät: Bier und Brei. kad Unfall2

Vor der Operation mit Dr. Bourbon.

Zurzeit sind wir in Suphan Buri. Heute noch reisen wir in die Gegend von Hua Hin. Die Temperaturen dort sind mild. Sie liegen gegenwärtig zwischen 25 und 28 °C. Die Nächte von November bis Februar sind in Hua Hin wie in Chiang Mai für mich zu kalt.

Dorfleben

Dieses Dorf und seine Frauen sollten teilweise mein Schicksal und meine Zukunft bestimmen. Glücklicherweise war ich ahnungslos über die bevorstehenden Ereignisse. Seit meinem Unfall und Spitaleintritt 1957, erlebte ich in den nächsten Jahren die turbulenteste Zeit meines Lebens.
Am Hofeingang zu den Laboratorien in Bern wurde ich durch einen rückwärts fahrenden Wagen aus dem Rollstuhl auf die Strasse geschleudert. Die neu entstandene schwere Schulterverletzung schmiss mich augenblicklich aus dem Erwerbsleben. Zusätzlich verlor ich meine Selbständigkeit. Mich vom Boden in einen Rollstuhl zu heben, wurde unmöglich. Im Schlafzimmer in der Schweiz schaffte ich nicht einmal die vierzig Zentimeter vom Boden auf die Matratze. Morgens um vier half mir die Sanitätspolizei für vierhundert Franken! Sportliche Aktivitäten, wie das Schwimmen, musste ich abschreiben und vergessen, ebenso feine Arbeiten mit beiden Händen.Reisernte PhonPhat

Reisernte am Dorf 2002

Es ging mir noch gut, als ich begann, mich in der neuen Wohnung gemütlich einzurichten. Meine Haushälterin brachte gleich einen elektrisch beheizten Topf, um Trinkwasser warm zu halten. Einen Kühlschrank für kalte Getränke fand ich weitaus besser. Mein Freund und Nachbar fuhr mit mir los, um so ein Gerät zu erwerben.
„Two doors“, meinte mein Freund.
Ich verstand: „Tudor – Dynastie, Henry VII, 1457–1509!“
Ernsthaft fragte ich mich: „Ein spätgotischer, grüner Kühlschrank? Na ja, vielleicht in Nordthailand.“

Als der Verkäufer nach der Lieferadresse fragte, telefonierte mein Helfer seiner Frau, welche unseren Wohnort kannte und in Landessprache instruierte.
„Ein leerer Kühler hilft dir nicht“, sagte mein Fahrer. „Wir benötigen Getränke und ordentliche Humpen.“ Als wir im Dorf eintrafen, wartete unser Lieferant bereits vor der Türe. Bald darauf feierten wir mit dem ersten Bier.
Bereits an einem der folgenden Tage, wurde mein Glück leicht getrübt. Die Schwester der Haushälterin verstarb in Bangkok. Die Köchin sagte:
„Ich muss zur Trauerfeier nach Bangkok“. Weg war sie.
„Nun benötige ich einen Kochherd“, sagte ich zu meinem Freund. „Dann kann ich im Notfall Suppen oder Pasta mit Sugo kochen.“
Eine knappe Stunde später war der Handel erledigt. Zwecks Lieferadresse rief er wieder seine Frau an. Darauf druckte ich Adress-Kärtchen in Thai und Englisch.
Die nächsten Abende war ich bei den Nachbarn eingeladen oder wir gingen zusammen aus. Damals war es einfach, in der näheren Umgebung gute und preiswerte Verpflegung zu finden. Ich kochte kaum. Für Notfälle war ich vorbereitet.

Ich lernte einige Nachbarn kennen und beobachtete, wie mein Freund und andere Farang lebten. Die meisten seiner Abende waren verplant mit Kartenspiel und Kegeln mit Landsleuten. Speziell englische Fussballspiele am Fernsehen wurden in Gesellschaft mit viel Bier begossen. Jeweils am Freitag standen gemeinschaftliche Barbesuche, Region Loi Kroh, auf dem Programm. Selten nur beteiligte sich seine quirlige Frau an solchen Exkursionen. Während ihrer ausgedehnten Freizeit spielte sie Bingo und andere Glücksspiele. Sie tröstete sich schnell mit zusätzlichen Liebhabern. Dies war der Anfang seines bitterbösen Endes.
Mein lieber Freund und Helfer kümmerte sich nicht im geringsten um Thai-Belange. Er kannte keine örtlichen Feiertage mit Alkoholverboten. Feste und lokale Anlässe interessierten ihn nur am Rande. Er beharrte auf englischem Frühstück, möglichst mit Nieren und wenn immer realisierbar, auf englischem Dinner. Meine Verdauung akzeptiere weder die kulinarischen Spezialitäten der Insel, noch all die Menge Bier.
Die Barbesuche ödeten mich an. Ich zog mich von den englischen Gentlemen zurück. Während sie die käufliche Ware in Bars aus Stangenhaltung eingehend studierten und kritisierten, zwitscherte ich mit vernachlässigten Landhühnern aus Bodenhaltung im Dorf, trostspendend Wein.
So viele Freundinnen hatte ich nie zuvor. Diese mandeläugigen Wesen, die Meisten verheiratet, suchten beinahe hemmungslos Körperkontakt.

Meine Haushälterin klärte mich auf:
„Du benötigst dringend einen Fernseher“. Die Häuser sind zusammengebaut. Die dünnen Wände dämpfen Geräusche kaum. Bedingt durch die Bauweise verbreiten sich sogar Dämpfe aus den Küchen in den Wohnungen.
„Ohne Flimmerkiste wirst du nie Besuch im Schlafzimmer empfangen.“
Regelmässig wenn ihr Freund und Liebhaber meine Köchin besuchte, ging ihr Fernseher an. Das darauf folgende Programm konnte ich mir vorstellen. Landwirtschaft: Pflügen und Ackern. Handwerk: Bohren und Nageln.

Einen Fernseher benötigte ich nicht. Die Stereo-Anlage genügte. Beispielsweise Bolero von Maurice Ravel! (2)

(1) https://en.wikipedia.org/wiki/Tudor_period
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Tudorstil
(2) https://en.wikipedia.org/wiki/10_(film)