Islamic Vinegar of Melacca und andere Versprecher unterbelichteter Verbrecher

dscn2686-2 Im Garten der „Roten Tomate“ in Cenang erfanden die Perlen des Prosecco in meinem Kopf den Islamic Vinegar. Leicht vernebelt dachte ich beschwingt an längst zurückliegende Reisen in Malaysia.
Trinkwasser, einst automatisch Teil jeder Mahlzeit in Asien, gibt es meist nur noch auf Verlangen gegen Verrechnung.
Hausschlarpen, eine sanfte, bequeme Fussbekleidung und Bademäntel suchen Gäste in den Schränken vergeblich. Sogar Kleiderbügel verschwanden teilweise. Sie werden neu im Reich der Mitte massenhaft missbraucht, um Peking-Enten aufzuhängen.
Einst enthielten Snacks neben aromatischen Gewürzen, das für Weisse notwendige Salz. Heute enthalten die bunten Beutel mindestens vier Prozent Zucker. Salz ist nur noch im Milligramm Bereich vorhanden.
Malaysia führte eine neue Gästebesteuerung, die Salinan Pelanggan, eine Kurtaxe ein. Sie wird pro Nacht erhoben und ist von der Qualität der Betriebe abhängig. Die Luft ist in fünf Sterne Häusern teurer, als für preisgünstige Betten in mit reichlich exotischem Ungeziefer garnierten Unterkünften.

Landesübliche Preiskontrollen führen zu fragwürdigen Resultaten. Neulich erhielt ich ein praktisch fleischloses Club-Sandwich. Die einsame Gewürz-Gurke, eine genaue Beschreibung des belegte Brotes finden fachkundige Esser im Speisenverzeichnis des Lokals, war abwesend – eventuell mit unverheirateter Gefährtin im Urlaub.

Eine Meisterleistung Orwellscher Überwachungkunst ist die Bespitzelung des Alkohol- und Tabak-Verbrauches der Bewohner und ausländischer Gäste auf den Inseln Langkawi, Labuan und Tioman. Der Genuss alkoholischer Getränke ist für Mohammedaner verboten. Trotzdem werden Bier, Schnaps und Wein an die Gläubigen abgegeben.
Die eigentlich engmaschigen Vorschriften sind wenig durchdacht. Im Monat dürfen Kunden fünf Flaschen erwerben. Der Alkoholgehalt, ob 13.5 oder 40 Prozent ist Nebensache. Es weiss offenbar ebenfalls niemand, dass es Flaschen mit 75 Zentiliter, einem Liter, oder Magnumflaschen mit 1,5 Litern Inhalt gibt. Beim Bier ist der Erwerb auf 72 Dosen beschränkt. In den Hotels wird der Konsum von Bier, Schnaps und Wein noch nicht mit Einträgen in den Gästedateien bewirtschaftet.

Die verwaltungstechnischen Massnahmen wirken sich nicht unbedingt verkaufsfördernd aus. Einige Geschäfte haben bereits existenzielle Probleme.
Im benachbarten Satun führten die neuen Vorschriften Malaysias zu empfindlichen Einkommensverlusten der Grenzbeamten. Der Fluss schwarz importierter Ware verringerte sich augenblicklich. Die einst beliebten Zusatzeinkommen der Beamten wurde vom Wind der Andamanensee verweht. Die Schaffung neuer Vertriebskanäle benötigt Zeit.
Gesundheitsminister Minister Datuk Seri Dr. S. Subramaniam erhöhte die gesetzliche Alterslimite für Erwerb und Konsum gesundheitsgefährdender Stoffe von 18 auf 21 Jahre. Ab 1.Januar 2017 müssen Spirituosen Warnhinweise wie Zigaretten enthalten. Die Flaschengrösse wird auf 0.7 Liter standardisiert. Dagegen wird mit Formol behandeltes Gemüse, Fisch und Fleisch selten oder nie kontrolliert.

Farbensymphonien

Satun ist um eine Attraktion reicher. Zwischen dem Ko Ho Restaurant und dem Po Je Keng Schrein steht nun eine mit schreienden Farben beleuchtete Säule. (1) Ist es möglich, dass der Po Je Keng Schrein deshalb Schrein und nicht Tempel genannt wird? koho
Die ganze Farbpalette wird in knapp zwanzig Sekunden automatisch durchgespielt. Dabei liessen sich die Farbkombinationen bei einer Flasche Bier weitaus eingehender betrachten. Für mich als langsamer Berner, war die Angelegenheit zu hektisch. Betätigte ich bei Rotlicht den Kamera-Auslöser, erwischte ich Pablo Picassos blaue Periode. Die Musik lieferten hunderte um die Kurven preschende Mopeds mit jeweilen mindestens vier Passagieren. Unglaubliche Mengen von Mopeds sind während des Nachtmarktes am Samstag unterwegs. vorgarten
Im Vorgarten des Hauses gediehen die meisten Pflanzen hervorragend. Einige weniger bekannte Raritäten wurden von unbegabten, dafür überbezahlten Hilfskräften als Jäterinnen, dreihundert Baht in zwei Stunden, ohne Nachfrage entfernt. Wir waren gegen jegliche Gartenarbeiten einheimischer Spezialisten, ausgenommen dem Ernten reifer Bananen.
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Fürs Wohnzimmer entwarf ich einen einfachen Lampenständer aus rostfreiem Stahl. Die Lampe aus Ban Tawai stand seit zehn Jahren verpackt und unbenutzt im Haus in Phonphat. Nun dient sie als Hintergrundbeleuchtung beim Fernsehen oder verleiht dem Whiskey je nach Stromstärke eine Bernstein- bis Honig-gelbe Farbe. Das Problem: Es gibt keinen trinkbaren Whiskey in Satun.

(1) Ko+Ho+Gruel+Restaurant, 6.6121255,100.065243
Nachtrag 2.Januar 2017
(Video) https://www.youtube.com/watch?v=-LiBfydmV0U

 

Überraschendes Upgrade vom Shake zum Cocktail

Milchshakes sind Getränke, für welche Milch mit Speiseeis, Früchten – wie Erdbeeren oder Bananen, Schokolade oder Aromen – wie Vanille, mit Mixern kombiniert werden.
Der Erfinder der Milchshakes war Ivar „Pop“ Coulson aus Chicago. Er kam bereits 1922 auf die Idee, Milch, Eis, Malz und Schokolade zu einem neuartigen Getränk zu mischen. In der Schweiz waren solche Flüssigkeiten als Frappé bekannt. Smoothies sind moderne, enge Verwandte der Shakes.

Ein jüngerer Tourist war in der guten alten Zeit, als man Alkoholika noch ohne Fahrplan konsumieren durfte, erstmalig im berüchtigten Bangkok. War es Soi Cowboy, war es Patpong? Er betrat in der Mitte eines feucht-heissen Nachmittags eine schummrige Bar. Eine Lady begrüsste ihn freundlich und fragte nach seinem Begehr.
„Ja, ich hätte grosse Lust auf einen Bananen-Shake!“
Nun ist eine Bier- oder Cocktail-Bar nicht unbedingt der richtige Ort für Milch-Mix-Getränke. Die Lady erklärte leicht verwirrt, ihre Wimpern klimperten aufgeregt:
„Es ist sehr früh am Tag. Es ist nicht viel Personal im Haus. Aber unser Schmuckstück, Fräulein Garnele, Khun Gung, wird gerne mit ihnen nach oben gehen, um ihren Wunsch zu erfüllen!“
Die Chefin rief einige unverständliche Laute in die Dunkelheit der Bar. Nach geraumer Zeit erschien eine sehr junge Frau mit mandelförmigen Augen und langen, glänzend schwarzen Haaren. Es gab noch keine umgefärbten thailändischen Blondinen. Offenbar litt die Schönheit an einer Textil-Allergie. Sie war, ausser mit extrem wuchtigen Schuhen und passendem Gürtel, kaum bekleidet.

„Khun Gung, Miss Garnele – Bananenspezialist“, meldete die Bar-Dame.
Der junge Mann stieg mit der knackigen Garnele die enge Treppe hoch. Oben angekommen, werkelten die Beiden erfolgreich – die Matratze quietschte, das Bettgestell stöhnte – am Bananen-Shake mit Garnelen-Cocktail!

https://de.wikipedia.org/wiki/Milchshake

Im Osten nichts Neues

Es tut mir leid. Ich wartete in Thailand vergeblich auf positive Ereignisse, um meine Berichte ausgewogener zu gestalten. Fehlanzeige. Es ist Mai, der fünfte Monat des Jahres. Dennoch las ich einen Bericht, dass die Staatskasse in den ersten sechs Monaten einen Fehlbetrag von sechshundert Milliarden „erwirtschaftete“!

In Pattaya herrscht wieder Fallobstzeit. Wöchentlich stürzen zwei bis drei ausländische Gäste aus Fenstern und Balkonen ihrer Unterkünfte in die Tiefen. Das ist eine abgründige Tradition. Sind alle diese Menschen bekifft, betrunken, verlangen böse Geister Menschenopfer, oder sind die Fälle durch architektonische Besonderheiten begünstigt?

Im gleichen Städtchen machte ein Tourist aus Deutschland schlechte Erfahrungen. Als er sich zu frühesten Morgenstunden ein Bier genehmigen wollte, attackierten ihn zwei Ladyboys und boten ihm ihre Liebesdienste an. Er verzichtete grosszügig auf das eindeutige Angebot für einen flotten Dreier. Darauf massierten die sensiblen abgewiesenen Triebtäter sein Gesicht in der Weise, dass das zarte Bein des Riechkolbens brach. Der Herr verlor dabei etwas Blut im überempfindlichen Kopfbereich. Durch zahllose alkoholische Getränke in der tropischen Hitze litt die Haut und wurde spröde. ((1) Kari Dällebach.) Die ungestümen Streicheleinheiten führten zu ausgiebigem Bodenkontakt. Die geldgierigen Einheimischen, vielleicht waren es burmesische Gastarbeiter – wie oft in ähnlichen Fällen, erleichterten ihr Opfer um viertausend Baht und machten sich davon. (2)
Der Verletzte wurde im Krankenhaus verarztet. Er machte darauf eine Anzeige. Oh Wunder, die Polizei fand die beiden Liebesdiener und verhörte sie. Nach einer Busse von eintausend Baht wurden sie in die grenzenlose Freiheit Pattayas entlassen.

Wesentlich grausamer erging es in Hua Hin einem älteren Ehepaar mit Sohn, dreiundvierzig, aus England. Vier angetrunkene Täter im Alter zwischen zwanzig bis zweiunddreissig Jahren, schlugen die fremden Gäste brutal zusammen. Als die Opfer wehrlos am Boden lagen, wurden deren Köpfe mit den Füssen getreten. Schlimm waren die Zuschauer, die teilnahmslos – wie an der Glotze, die Tat verfolgten. Das Geschehen wurde von einer Überwachungs-Kamera aufgezeichnet. Der Polizei gelang es einige Tage danach, die Täter zu verhaften. Die brutalen Bilder verbreiteten sich rasch im Internet.
Die Gesetzeshüter suchen nun fieberhaft nach denjenigen, die das Video veröffentlichten, denn diese barbarischen Bilder hätten der angeschlagenen Tourismusindustrie des Landes enormen Schaden zugefügt. (3)

Irgendwie erinnert das an zahlreiche Unglücksfälle und Verbrechen. Die Untaten konnten nicht verhindert werden. Das Vernichten von Beweismitteln dagegen ist wesentlich einfacher und offenbar einträglicher. (Janepob Veeraporn, Vorayuth Yoovidhya, Orachon „Praewa“ Thephasadin na Ayudhya.) Gegen solchen Dummfug kämpfen sogar studierte Forensiker vergeblich.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Tellenbach
(2) http://www.blick.ch/news/ausland/dreier-abgelehnt-dann-gabs-pruegel-in-pattaya-lutz-ist-das-ladyboy-opfer-id4966319.html
(*) http://www.blick.ch/news/ausland/aggressive-transsexuelle-auf-iphone-klautour-ladyboy-alarm-in-pattaya-id4963468.html
(3) http://www.bangkokpost.com/news/general/954489/hua-hin-clip-leak-caused-more-harm

Hanuman und der Affenkasten

Meine Grosseltern lebten in der Nähe der Stadt Aarau. An ein imposantes Haus erinnere ich mich. Es ist der Affenkasten. (1,2) Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in der hinteren Vorstadt eine kleine Brauerei mit Gaststube. Dort trafen sich Kantonsschüler. Sie inhalierten eifrig Gerstensaft. Die Leute verbreiteten Nachrichten wie, die Studenten seien in der Brauerei oder im Kasten gewesen. Danach hätten sie einen Aff nach Hause getragen. Auf diese Weise soll der Begriff «Affenkasten» entstanden sein, der 1877 erstmals offiziell genannt wurde.
Im «Aff» gab es respektable Gäste wie den Arzt Albert Schweitzer, die Bundesräte Heinz Häberli und Albert Meyer, Gottlieb Duttweiler, der Gründer der Migros, die Schriftstellerin Maria Dutli-Rutishauser und den deutschen Filmschauspieler Conrad Veidt. Klein Low trank dort kein Bier, sondern Orangina aus bauchigen Fläschchen. Am 31. Oktober 2006 schloss das Restaurant Affenkasten in Aarau seine Türen und machte einer Buchhandlung Platz.

Wieso fand der Affenkasten den Weg nach Hinterindien?
Das Ramayana, Sanskrit, रामायण, ist nach dem Mahabharata das zweite indische Nationalepos. In diesem gewaltigen Werk hilft der Affe Hanuman dem Königssohn Rama, dessen Gattin Sita aus der Gewalt des Monsters Ravana zu befreien. (3)
In Thailand werden nicht nur Gucci Taschen oder Marken-Jeans gekonnt nachempfunden. Das Ramayana heisst hier Ramakien. Der Affe bleibt Affe und heisst Hanuman.
Die Herren Generäle hatten nun die glorreiche Idee, den Hindu-Gott Hanuman zum Schutzpatron der Nation zu erküren. (4)
Verteidigungsminister Prawit Wongsuwon leitete die würdige Zeremonie des Giessens von eintausenddreihundertundneun Hanuman Kopien. Sein Stellvertreter, Minister Udomdej Sitabutr, sowie der Führungsstab der Armee verschönerten mit ihren glitzernden Orden und Medaillen die wichtige Handlung. Insgesamt sollen neun Affen in Gold, dreihundert in Silber und tausend in anderen Legierungen gegossen werden.

Meine Folgerung: Der Buddha taugt nichts. Buddhisten, werdet schleunigst Hanumanisten der Hindu Affen Kaste!
Ich würde in den Affenkasten flüchten. Den gibt es leider nicht mehr.

(1) http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/aarau/in-affenkasten-kehrten-sogar-albert-schweitzer-und-bundesraete-ein-129941119
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Affenkasten
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Ramayana
(4) http://www.bangkokpost.com/news/general/942617/hanuman-statues-to-protect-nation

Qualität der Lebensmittel

Thai Neujahr, Songkran, Wasserfest 2016: Mit den besten Wünschen für guten Appetit!

Unsere grösste Aufmerksamkeit gilt dem Kauf von Lebensmitteln. Im März überlebte ich drei leichte Vergiftungen. Dick sah einen frisch aussehenden Fisch an einem Marktstand im Dorf. Das Tier enthielt Formol. Im Big-C lockte später ein Kotelett. Nach der erfolgreichen Behandlung in der Bratpfanne versuchte ich ein Stücklein. Zum Kauen war das Fleisch angenehm und würzig. Nur der Magen hinderte mich am Schlucken. Dick ass mehr und hatte stärkere Beschwerden.
Am Schlimmsten waren die grossartig aussehenden Garnelen aus Koh Lanta. Sie legten sogar die Schwiegermutter des Fischers flach. Es wurde sehr teuer, denn sie lag eine Woche in einem Krankenhaus in Bangkok.

Die Behandlung von Fleisch und Gemüse mit Formol ist gegenwärtig ein fieser Volkssport. Fischfarmer geben bereits dem Wasser zum Transport lebender Tiere zu den Märkten Formol bei. Auf Fischkuttern gehört neben Kühlgeräten und Eis, Formol zur Standardausrüstung.

Die Hobbygärtner im Dorf benutzen reichlich Dünger und Spritzmittel. Sie schenkten uns von ihrem Gemüse. Ansehen kann man es problemlos. Nur vom Schlucken rate ich ab.
In ganz Thailand herrscht seit Wochen eine Hitzewelle. Thai Biere ertrage
ich gegenwärtig nicht ohne Beschwerden. Wird die Haltbarkeit eventuell durch Zugaben von Chemie verbessert?

Die Ladenhüterin mit Hut vernebelt ihre Chiang Mai Würste vorsichtig mit Baygon. Um sich zu schützen, schliesst sie mit einer Hand ihre Nase. Hilft es, wenn wir Konsumenten später beim Verzehr die Nasen zuhalten. Das geht leider nur, wenn wir auf Messer und Senf verzichten.

Sausice with Baygon
Sogar aus Helvetien erhielt ich Hinweise auf diese Probleme:
http://www.blick.ch/news/ausland/so-skrupellos-sind-lebensmittelfaelscher-affenfleisch-zucker-duenger-gemisch-formalin-innereien-id4866334.html

Drei Wünsche

Eigentlich wollte ich über bescheidene Wünsche berichten. Da flüsterte ein Stimmchen aus einer Spinnwebe in mein Ohr:
„Schau zuerst im Internet.“
Von Märchen bis Witzen gibt es alles.

Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen
Der Arme und der Reiche

Vor alten Zeiten, als der liebe Gott noch selber auf Erden unter den Menschen wandelte, trug es sich zu, daß er eines Abends müde war und ihn die Nacht überfiel, bevor er zu einer Herberge kommen konnte. Nun standen auf dem Weg vor ihm zwei Häuser einander gegenüber, das eine groß und schön, das andere klein und ärmlich anzusehen, und gehörte das große einem reichen, das kleine einem armen Manne. Da dachte unser Herrgott: »Dem Reichen werde ich nicht beschwerlich fallen: bei ihm will ich übernachten.« Der Reiche, als er an seine Thür klopfen hörte, machte das Fenster auf und fragte den Fremdling was er suche? Der Herr antwortete: »Ich bitte um ein Nachtlager.« Der Reiche guckte den Wandersmann von Haupt bis zu den Füßen an, und weil der liebe Gott schlichte Kleider trug und nicht aussah wie einer, der viel Geld in der Tasche hat, schüttelte er mit dem Kopf und sprach: »Ich kann Euch nicht aufnehmen, meine Kammern liegen voll Kräuter und Samen, und sollte ich einen jeden beherbergen, der an meine Thür klopft, so könnte ich selber den Bettelstab in die Hand nehmen. Sucht Euch anderswo ein Unterkommen.« Schlug damit sein Fenster zu und ließ den lieben Gott stehen. Also kehrte ihm der liebe Gott den Rücken und ging hinüber zu dem kleinen Haus. Kaum hatte er angeklopft, so klinkte der Arme schon sein Thürchen auf und bat den Wandersmann einzutreten. »Bleibt die Nacht über bei mir,« sagte er »es ist schon finster und heute könnt Ihr doch nicht weiterkommen.« Das gefiel dem lieben Gott und er trat zu ihm ein. Die Frau des Armen reichte ihm die Hand, hieß ihn willkommen und sagte, er möchte sich’s bequem machen und vorlieb nehmen, sie hätten nicht viel, aber was es wäre, gäben sie von Herzen gern. Dann setzte sie Kartoffeln ans Feuer, und derweil sie kochten, melkte sie ihre Ziege, damit sie ein wenig Milch dazu hätten. Und als der Tisch gedeckt war, setzte sich der liebe Gott nieder und aß mit ihnen, und schmeckte ihm die schlechte Kost gut, denn es waren vergnügte Gesichter dabei. Nachdem sie gegessen hatten und Schlafenszeit war, rief die Frau heimlich ihren Mann und sprach: »Hör, lieber Mann, wir wollen uns heute nacht eine Streu machen, damit der arme Wanderer sich in unser Bett legen und ausruhen kann; er ist den ganzen Tag über gegangen, da wird einer müde.« »Von Herzen gern,« antwortete er, »ich will’s ihm anbieten,« ging zu dem lieben Gott und bat ihn, wenn’s ihm recht wäre, möchte er sich in ihr Bett legen und seine Glieder ordentlich ausruhen. Der liebe Gott wollte den beiden Alten ihr Lager nicht nehmen, aber sie ließen nicht ab, bis er es endlich that und sich in ihr Bett legte; sich selbst aber machten sie eine Streu auf der Erde. Am anderen Morgen standen sie vor Tag schon auf und kochten dem Gast ein Frühstück, so gut sie es hatten. Als nun die Sonne durchs Fensterlein schien und der liebe Gott aufgestanden war, aß er wieder mit ihnen und wollte dann seines Weges ziehen. Als er in der Thür stand, kehrte er sich um und sprach: »Weil ihr so mitleidig und fromm seid, so wünscht euch dreierlei, das will ich euch erfüllen.« Da sagte der Arme: »Was soll ich mir sonst noch wünschen als die ewige Seligkeit, und daß wir zwei, solange wir leben, gesund dabei bleiben und unser notdürftiges tägliches Brot haben; fürs dritte weiß ich mir nichts zu wünschen.« Der liebe Gott sprach: »Willst du dir nicht ein neues Haus für das alte wünschen?« »O ja,« sagte der Mann, »wenn ich das auch noch erhalten kann, so wär mir’s wohl lieb.« Da erfüllte der Herr ihre Wünsche, verwandelte ihr altes Haus in ein neues, gab ihnen nochmals seinen Segen und zog weiter.
Es war schon voller Tag, als der Reiche aufstand. Er legte sich ins Fenster und sah gegenüber ein neues reinliches Haus mit roten Ziegeln, wo sonst eine alte Hütte gestanden hatte. Da machte er große Augen, rief seine Frau herbei undsprach: »Sag mir, was ist geschehen? Gestern abend stand noch die alte elende Hütte, und heute steht da ein schönes neues Haus. Lauf hinüber und höre wie das gekommen ist.« Die Frau ging und fragte den Armen aus; er erzählte ihr: »Gestern abend kam ein Wanderer, der suchte Nachtherberge, und heute morgen beim Abschied hat er uns drei Wünsche gewährt, die ewige Seligkeit, Gesundheit in diesem Leben und das notdürftige tägliche Brot dazu und zuletzt noch statt unserer alten Hütte ein schönes neues Haus.« Die Frau des Reichen lief eilig zurück und erzählte ihrem Manne wie alles gekommen war. Der Mann sprach: »Ich möchte mich zerreißen und zerschlagen; hätte ich das nur gewußt! der Fremde ist zuvor hier gewesen und hat bei uns übernachten wollen, ich habe ihn aber abgewiesen.« »Eil dich,« sprach die Frau, »und setze dich auf dein Pferd, so kannst du den Mann noch einholen, und dann mußt du dir auch drei Wünsche gewähren lassen.«
Der Reiche befolgte den guten Rat, jagte mit seinem Pferde davon und holte den lieben Gott noch ein. Er redete fein und lieblich und bat, er möcht’s nicht übel nehmen, daß er nicht gleich wäre eingelassen worden, er hätte den Schlüssel zur Hausthür gesucht, derweil wäre er weggegangen: wenn er des Weges zurückkäme, müßte er bei ihm einkehren. »Ja,« sprach der liebe Gott, »wenn ich einmal zurückkomme, will ich es thun.« Da fragte der Reiche, ob er nicht auch drei Wünsche thun dürfte wie sein Nachbar? Ja, sagte der liebe Gott, das dürfte er wohl, es wäre aber nicht gut für ihn, und er sollte sich lieber nichts wünschen. Der Reiche meinte, er wollte sich schon etwas aussuchen, das zu seinem Glück gereiche, wenn er nur wüßte, daß es erfüllt würde. Sprach der liebe Gott: »Reit heim und drei Wünsche, die du thust, die sollen in Erfüllung gehen.«
Nun hatte der Reiche, was er verlangte, ritt heimwärts und fing an nachzusinnen, was er sich wünschen sollte. Wie er sich so bedachte und die Zügel fallen ließ, fing das Pferd an zu springen, sodaß er immerfort in seinen Gedanken gestört wurde und sie gar nicht zusammenbringen konnte. Er klopfte ihm an den Hals und sagte: »Sei ruhig, Liese,« aber das Pferd machte aufs neue Männchen. Da ward er zuletzt ärgerlich und rief ganz ungeduldig: »So wollt ich, daß du den Hals zerbrächst!« Wie er das Wort ausgesprochen hatte, plump, fiel er auf die Erde, und lag das Pferd tot und regte sich nicht mehr; damit war der erste Wunsch erfüllt. Weil er aber von Natur geizig war, wollte er das Sattelzeug nicht im Stich lassen, schnitt’s ab, hing’s auf seinen Rücken und mußte nun zu Fuß gehen. »Du hast noch zwei Wünsche übrig,« dachte er und tröstete sich damit. Wie er nun langsam durch den Sand dahin ging, und zu Mittag die Sonne heiß brannte, ward’s ihm so warm und verdrießlich zu Mute; der Sattel drückte ihn auf den Rücken, auch war ihm noch immer nicht eingefallen, was er sich wünschen sollte. »Wenn ich mir auch alle Reiche und Schätze der Welt wünsche,« sprach er zu sich selbst, »so fällt mir hernach noch allerlei ein, dieses und jenes, das weiß ich im voraus; ich will’s aber so einrichten, daß mir gar nichts mehr übrig zu wünschen bleibt.« Dann seufzte er und sprach: »Ja, wenn ich der bayrische Bauer wäre, der auch drei Wünsche frei hatte, der wußte sich zu helfen, der wünschte sich zuerst recht viel Bier, und zweitens so viel Bier als er trinken könnte, und drittens noch ein Faß Bier dazu.« Manchmal meinte er, jetzt hätte er es gefunden, aber hernach schien’s ihm doch noch zu wenig. Da kam ihm so in die Gedanken, was es seine Frau jetzt gut hätte, die säße daheim in einer kühlen Stube und ließe sich’s wohl schmecken. Das ärgerte ihn ordentlich und ohne daß er’s wußte, sprach er so hin: »Ich wollte, die säße daheim auf dem Sattel, und könnte nicht herunter, statt daß ich ihn da auf meinem Rücken schleppe.« Und wie das letzte Wort aus seinem Munde kam, so war der Sattel von seinem Rücken verschwunden, und er merkte, daß sein zweiter Wunsch auch in Erfüllung gegangen war. Da ward ihm erst recht heiß, er fing an zu laufen und wollte sich daheim ganz einsam in seine Kammer hinsetzen und auf etwas Großes für den letzten Wunsch sinnen. Wie er aber ankommt und die Stubenthür aufmacht, sitzt da seine Frau mittendrin auf dem Sattel und kann nicht herunter, jammert und schreit. Da sprach er: »Gieb dich zufrieden, ich will dir alle Reichtümer der Welt herbeiwünschen, nur bleib da sitzen.« Sie schalt ihn aber einen Schafskopf und sprach: »Was helfen mir alle Reichtümer der Welt, wenn ich auf dem Sattel sitze; du hast mich darauf gewünscht, du mußt mir auch wieder herunter helfen.« Er mochte wollen oder nicht, er mußte den dritten Wunsch thun, daß sie vom Sattel ledig wäre und heruntersteigen könnte; und der Wunsch ward alsbald erfüllt. Also hatte er nichts davon als Ärger, Mühe, Scheltworte und ein verlorenes Pferd; die Armen aber lebten vergnügt, still und fromm bis an ihr seliges Ende.