Vergebliches Warten: Illusion Gerechtigkeit

Gibt es exakte Medizin? Ich erlebte sie am Institut für Pathologie. Ärzte, Präparatoren und Studenten sezierten Leichen, bis unerkannte, ungewisse Todesursachen ans grelle Tageslicht gerieten. Für die Feinuntersuchungen an Gewebe und Zellen fertigten Scharen von Histologie- und Zytologie-Laborantinnen Gewebeschnitte an. (1, 2)
Als Techniker begrüsste ich auf meinem Weg zum Elektronenmikroskop die wartenden, stummen, von irdischen Leiden erlösten Körper, nachdem die charmante, französisch sprechende, blonde Laborantin meldete:
„Bonjour Monsieur Low, isch ‘abe Vakuum eingefüllt. Sie dürfen anfangen“.
In Kaffeepausen brachten mir freundliche Spezialisten Raucherlungen, Leberzirrhosen und andere kranke Organe zwecks moralischer Erbauung oder als Reaktionstest für Magennerven. Diese pathologischen Kostbarkeiten dufteten nicht immer nach holden Frühlingsdüften oder Veilchen.
Als Ausgleich begoss Blondie meinen Pausenapfel mit Tritium. Sie beichtete den Unfall mit dem radioaktiven Tracer, nachdem ich den Apfel verzehrt hatte. (3)

Vor ungefähr einer Woche ging Dick vor dem Abendessen zum Gästehaus, um Pflanzen zu giessen und Kokosnüsse als Aperitif-Getränk zu ernten. Weil ich den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatte, bat ich sie, sich zu beeilen und nicht mit sämtlichen Leuten unterwegs zu quatschen.
Wieder dauerte es unglaublich lange, bis sie zurückkam. Vielleicht enthielten die Nüsse zu wenig Flüssigkeit und sie musste sich gedulden, bis die Palme auf Klopfzeichen den Saft eingetröpfelt hatte.
Unterwegs zur Arbeit sah sie an einem Steintisch zwei ältere Typen. Auf dem Tisch stand eine Pulle Schnaps, Sang Som.
Kürzlich wurden aus Gründen des Gesundheits-Schutzes die Preise für alkoholische Getränke erhöht. Wein wird mit gegen vierhundert Prozent Gebühren besteuert. Nur die wirklichen Grundübel, Fusel, blieben praktisch abgabefrei. Die Flasche Sang Som, vierzig prozentiger ‘Special Rum‘, gibt es für 260 Baht. Campari muss besonders schädlich sein. Er hat nur 25 Prozent Alkohol, wird üblicherweise mit Soda-Wasser verdünnt, kostet aber mittlerweile einen Tausender. (4) SangSom1 Dick goss schnell, pflückte Nüsse und spazierte zurück. Am Steintisch lagen die zwei alten Säufer am Boden. Sie verdrehten die Augäpfel seltsam. Ihre Finger verkrampften und verkrallten sich. Sie bissen sich in ihre Zungen. Dick wurde von hysterischen Weibern um Hilfe gebeten. Sie erinnerte sich an meine KAOS-Theorie: ‘Keep Aut Of Shit‘ und erklärte: “Ich bin kein Arzt, bringt die Männer ins Spital, aber jetzt und schnell.“
Dann wurde umständlich diskutiert und beraten, wer, wann, mit welchem Wagen, welches Spital, … . Dick griff ein und liess die Leute endlich aktiv werden. Die beiden Herren schafften den Weg ins Spital. Ein erfahrener Arzt kannte die Symptome: Vergiftung. Am nächsten Tag durften beide geretteten Patienten bereits wieder nach Hause.

Warum benachrichtigte der Arzt die Polizei nicht? Die Lieferantin des “Special Rum“ war bereits dreifache Witwe. Ihre Ehemänner starben an ähnlichen Erscheinungen. ‘Hinterindien‘ berichtete darüber.

Ich erinnerte mich an einen erfahrenen Präparator der Pathologie. Wenn ein zweifelhafter Befund, wie beispielsweise eine bekannte Verfärbung eines Magens vorlag, verständigte er unverzüglich die Polizei und sandte verdächtige Objekte an die Gerichtsmediziner. Giftmischer(innen) waren damals chancenlos.

Thailändisches Verhalten ist für westliche Empfindungen oft unverständlich.
In Thanyaburi, Pathum Thani, erschoss am 9. März ein habgieriger 19 Jähriger seine Angehörigen, Vater, Mutter und seinen Bruder. Gegen eine Kaution von 500‘000 Baht liess ihn das Gericht laufen!
Freund Pheneas schrieb dazu: (5)
„Ich glaube inzwischen eher an die Jungfräulichkeit eines Bar-Girls, als an die Gerechtigkeit der thailändischen Justiz!“

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Histologie
(2) http://flexikon.doccheck.com/de/Zytologie
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Tritium
(4) https://www.youtube.com/watch?v=cl9DJNdteGo
(5) http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2014/03/19/vorsicht-freilaufende-morder/

Kota Kinabalu Sunset

Ein ungeschützt kleinkarierter Mittelständler fühlte sich durch grosskotziges Fressverhalten einer (gefälschten?) Blondine in seiner geistigen und körperlichen Integrität beeinträchtigt. (1) Vielleicht vertraute er der Irrlehre, attraktive Frauen verfügen automatisch über gute Manieren.
Zusätzlich brachten ihm seine Vorfahren falsche Tischsitten mit wenig Toleranz für Andersdenkende bei.

Effektiv effiziente und rasche Nahrungsmittelaufnahme ist im Reich der pseudokapitalistischen Mitte weit verbreitet. Wer nicht schmatzt, rülpst, furzt, spuckt, mit Speisen und Abfällen weiträumig Böden und Teppiche reichlich garniert, Laptops und Smartphones mit Flüssigkeiten wie Tee, Suppe und Bier bekleckert, zeigt Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung.
Noch ungesitteter als bei Tisch, ist nach abendländischem Empfinden, das Verhalten in  Waschräumen – in Europa schamlos als Toiletten bezeichnet. In Obamas verarmten Reich heissen solche Orte verschämt Restroom, oder Bathroom, obwohl die dringenden Geschäfte eher selten in Ruhe, unter der Dusche, oder in einer Wanne verrichtet werden.Sunset5

Die zuständige Fotografin vergass in der Eile, eine kunstvoll dekorierte, Geschmack erwähne ich absichtlich nicht, Entsorgungsanlage in Sabah zu knipsen. Angehende Kakteenerzeuger(innen) aus dem asiatischen Raum, besteigen üblicherweise den WC Sitz mit Schuhen, bevor sie Druck auf die Schliessmuskel ausüben. Wasserspülungen kennen versierte Plumpsklo-Artisten nicht.
Zwecks Schonung des Schuhwerks benutzen spätere Kunden bei randvollem WC diskret die Ecken der Räume. Der Nachteil ist, es gibt bloss vier.
Durch zunehmende Touristenströme sind innovative Architekten gefordert, zur  Kapazitätserweiterung, fünf oder sechseckige Toilettenzellen zu entwickeln, sowie runde Räume für durchfallkranke, reisende Masochisten.

Vertraut mit all diesen negativen Eindrücken, verstehen Leser(innen) nun die Empörung des Beobachters am Anfang der Geschichte. Der Idiot hätte ja wegschauen können. Er besass keine Konzession, um das Verhalten weiblicher Wesen bei Sonnenuntergang zu studieren.
Aber Yin und Yang des Gepeinigten mussten wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. (2) Dies besorgte eine am Tatort entwickelte Medizin, rein von der Bemessung her, der grösste Cocktail Nordborneos. Sein persönliches Bargirl mischte einen der Abendstimmung farblich angepassten

Kota Kinabalu Sunset
1/3 Campari
1/3 Gin
1/3 Sodawasser, Mineralwasser mit Gas
1/3 Eis

Je höher das Unbehagen, desto reichlicher die Drittel.

(1)
http://wp.me/p2ljyL-Tg
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Yin_und_Yang

Ein stimmungsvolles Lied dazu: Wenn bei Capri die rote Flotte im Meer versinkt
http://www.youtube.com/watch?v=0pvPbgjY5S0

Der Schutzumschlag

Eine Beschreibung des Schutzumschlags der Geschichten aus Hinterindien:

Professor ‚triple u‘ sandte mir einst ein Foto aus Wettingen. Einen Schnappschuß, durch ein Schaufenster geblitzt. Trotz kleiner Mängel faszinierte mich das Bild. Die Arbeitsweise erinnerte an Arbeiten von Henri de Toulouse- Lautrec. (1)  Die Vergrößerung am Bildschirm zeigte, es ist eine Lithographie. Den Titel: “Odeon“ konnte ich entziffern. War es Abzug 142 von 300? Der Name des Künstlers blieb ein Rätsel.

Eine attraktive Frau im rückenfreien Schwarzen prägte sich sogleich ins Auge. Die herausfordernde, schwungvolle Darstellung regte meine Phantasien an. Vier bescheuerte Typen, sie lungern mit trockenen Lebern im Odeon herum, erfaßte ich erst später. Links neben der Frau, etwas im Hintergrund an der Theke, sitzt ein sich entwickelnder Glatzkopf – mit Säufernase, Schnauz und rotweissen Ringelsocken – am Abgrund. Sein Glas hält er krampfhaft am Kelch fest, nicht am Stiel. Hat er, verursacht durch reichlichen Alkoholgenuß, waren es dämliche Weibergeschichten – ebenfalls denkbar wäre eine Kombination von Bräuten und hochprozentigem Alkohol, ein übles Leiden und muß nun diskret sein Getränk aufwärmen? In Hinterindien würde ich keine Gedanken darüber verschwenden.

Zwei Herren stehen auf der rechten Seite, einer davon mit augenbeschattendem Fedora. (2) Der Hut kombiniert mit Mantel könnten auf einen Schnüffler oder Zuhälter hindeuten. Sie diskutieren wie professionelle Viehhändler am Langnauer Markt im Emmental. Thema: Vorzüge und Mängel des Objekts. Erlernte Körperkonditionsbeurteilung wie Euter, Milchleistung und Gebärfreudigkeit des Beckens. Nur der sitzende Gast rechts, läßt sich außer dem Genuß eines Glimmstengels, zwischen hinterindischem Joint bis ‚Villiger* mild‘ ist alles möglich, durch nichts ablenken. Es ist aber offen, ob er durch die Brille getarnt, gebannt auf ihr bemerkenswertes Fahrwerk starrt.

Ein flüchtiger Blick auf den Kellner, er hantiert kaltblütig am heißen Kaffeeautomaten, erinnerte mich an einen Herrn, welchen wir von Briefmarken und Banknoten kennen. Nur seine Kamera fehlt. Die Ähnlichkeit fiel mir erst beim Schutzumschlag auf, weil diese Person durch den Buchrücken vom Rest getrennt wird. (3)

Ganz rechts auf einem Tischchen steht ein Cocktailglas, in Seitenansicht ein dreieckiger Kelch, mit einer typisch grell-roten Flüssigkeit. Es löste in unserer Zweisamkeit eine Campari-Soda-Manie aus. Wir besorgten uns den Low-Alkohol-High-Preis Aperitif und fanden die entsprechenden Gläser in Chiang Mai. Auf youtube entdeckte ich die Campari Hymne mit Stephan Eicher. (4) Der minimale Unterschied:  durchs Fenster sehe ich keine zwei Turbinen, sondern die heiße Biene auf der unglaublichen Litho.

Bei der Durchsicht einiger Bilder meinte hmh, das sei der ideale Schutzumschlag für die Geschichten. Die Suche nach dem Künstler war nicht einfach. Profuuu wanderte auf meine Bitte zur einstigen Galerie. Er fand sie nicht mehr. Anstelle ewig währender Werke, bot man kurzlebige Schnittblumen, Rosen und Orchideen an. Bevor ihr teures Geld in welkendes Gemüse investiert, kauft wohlfeil ein Gemälde – wie van Goghs Sonnenblumen. Die halten erstens lange und gewinnen bereits während des Betrachtens an Wert. (5)

Ich suchte im Internet nach Galerien und Künstlern in Wettingen. Einige Adressen, darunter der unbekannte Gesuchte, sandte ich an hmh in Deutschland, der die Künstler brieflich anfragen wollte. Das war nicht mehr nötig. Nompang kannte das Bild, kannte den Künstler und war uns außerordentlich wohlgesinnt. Für mich wurde die Korrespondenz schwierig, weil ich in der Angelegenheit plötzlich drei mal Hans unterscheiden mußte, nämlich Fitze, hmh, und Nompang. (6)

Besten Dank an Hans Fitze,  Profuuu,  nompang und Hans M. Hensel.

Es wäre natürlich wissenswert, was Hans Fitze selbst über sein Werk erzählt. Vor langer Zeit befragte ich als denkfauler Ruheständler einen wortkargen Illustrator über ein Bild. Seine karge Antwort: “Wenn ich reden wollte, würde ich anstatt malen schreiben.“

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Henri_de_Toulouse-Lautrec 
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Fedora_(Filzhut)
(3)
http://www.siamstamp.com/catalogue/index.php?id=962&PHPSESSID=1eb8abb4690ecaec0471559df70bf4b5
(4)
http://www.youtube.com/watch?v=cl9DJNdteGo
(5)
http://www.youtube.com/watch?v=hFxwFGaw4wg
(6)
http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenblumen_(van_Gogh)
(7)
http://www.hansfitze.ch/

* Familie Villiger, erfolgreiche Stumpenfabrikanten, seit 1888 weltweitem Nikotinhandel, (Die Dinger sind besser als ihr Ruf. Ich rauchte das Zeug und überlebte.) ebenfalls im Fahrradgeschäft tätig. Herr Villiger, ex. Bundesrat, schob danach schweren (Tabak)Nebel im rufgeschädigten Direktorium einer Universellen Bank der Schweiz.

Odeon
http://www.odeon.ch/de/geschichte.php