Herz- und thailändische Geistes-Krankheiten

Bevor wir an und über den Mekong reisten, erlebten wir weitere wundersame Ereignisse im Dorf. Dicks Tochter gab ihre Bank-Karriere auf Drängen ihrer Mutter auf. Sie sah die überarbeitete, offenbar schwer kranke Frau mit einem Pillenvorrat von über einem Pfund. Dick kämpfte vor allem für den kleinen Sohn. Er litt an Mangel von Zuneigung und Liebe.

Wenige Tage nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses kollabierte die junge Frau, glücklicherweise am Telefon. Man hörte den Aufschlag, als das Smartphone auf den Boden krachte. Deshalb war schnelle Hilfe gewährleistet. Ohne sofortige Hilfeleistung des Nachbarn, wäre ich unfreiwillig Sponsor von Besäufnis und Kremation geworden.

Kurz nach der Aufgabe der Banktätigkeit, besuchte die reiselustige junge Frau, welche mich vergeblich um ein Darlehen von 150‘000 Baht ersuchte, Dicks Tochter. (1) Sie wollte bei ihr eine Kreditkarte beantragen.
Sie konnte nicht verstehen, dass die Frau ihre anscheinend lukrative Bankentätigkeit aufgegeben hatte und sie deshalb als Kundin für das Ausstellen eines Kartenantrages zu spät kam. Zornig und sichtbar verdrossen verliess die verhinderte Abenteuerin das Haus. Sie fühlte, diese bösartige Familie wollte ihr offensichtlich das ersehnte Australienreislein mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vermiesen.

Die Herzpatientin kehrte an einem späten Nachmittag nach Hause zurück. Niemand wusste vom Krankenhausaufenthalt der Frau, denn wir wollten nicht, dass sich Goon Sorgen um seine Mutter machte. Der Kleine hasste aus eigener Erfahrung Spitäler und besonders Spritzen.
Kurze Zeit darauf stand die Polizei von HangDong vor der Tür und verlangte einen Drogentest von der knapp zuvor entlassenen Patientin. Jemand aus dem Dorfe habe die Beamten angerufen, von unerklärlichen Abwesenheiten und von Drogenkonsum gefaselt. Wer telefoniert hatte, durften die Ordnungshüter nicht verraten. Wäre die erste Fahndung erfolgreich gewesen, hätte frau bestimmt wieder die Spezialeinheit aus Chiang Mai aufgeboten.

Wie Thais ticken, zeigt eine weitere Episode.
Der britische Akademiker Wyn Ellis, der in einer Landwirtschaftsabteilung für die Vereinten Nationen arbeitet, wurde vor mehreren Tagen auf dem Flughafen Suvarnabhumi festgenommen. Der Grund ist: Er sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit.
Es geht um einen Fall aus dem Jahre 2008. Ellis entdeckte in einer thailändischen Doktorarbeit über organische Landwirtschaftsprodukte Aussagen, die ihm bekannt vorkamen. Er merkte rasch, die Dissertation war eine Kopie einer Studie, die Ellis selbst zwei Jahre zuvor angefertigt hatte. Er beschäftigte sich mit dem Sachverhalt und bemerkte, fast die gesamte Arbeit wurde abgekupfert. Nur 14 der 161 Seiten waren plagiatfrei.
Ellis beschwerte sich offiziell über den Urheber, weil dieser geistiges Eigentum stahl. Er forderte die Chulalongkorn Universität auf, diese Dissertation nicht anzuerkennen.

Der NIA-Direktor als Verfasser der Dissertation, überzog Ellis mit Klagen und Strafanzeigen. Ellis erhielt Morddrohungen. Steine wurden durch seine Autofenster geworfen. Sein Haus stand unter Beobachtung.
Die amerikanische Journalistin Erika Fry, berichtete über den Fall in der „Bangkok Post“. Sie musste deshalb im Juli 2010 aus Thailand fliehen.(4)
Der Fall ist ein Parade-Beispiel dafür, welche Probleme Thailand damit hat, geistiges Eigentum zu schützen. Es ist lebensgefährlich, in Thailand gegen gut vernetzte Beamte vorzugehen.
Diese Doktorarbeit wurde ausgerechnet vom Direktor des thailändischen Instituts für Innovation (NIA) eingereicht. Diese Organisation setzte sich zum Ziel, geistiges Eigentum zu fördern und zu schützen.

Nachtrag vom 8. Sep. 2015, 13 00: Nach fünf Tagen Haft wurde Ellis erlaubt, nach Thailand einzureisen.

(1) https://hinterindien.com/2015/08/24/heisse-eiszeit-in-phonphat/
(2) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/67481
(3) http://www.bbc.com/news/uk-34169104?SThisFB
(4) http://www.cjr.org/behind_the_news/fry_in_thailand.php?page=all

Chiang Khong

Chiang Khong, Thailand, liegt 115 Kilometer nordöstlich von Chiang Rai. Das malerische Städtchen befindet sich am Mekong-Fluss an der Grenze zu Laos. Gegenüber liegt Huayxai, in der laotischen Provinz Bokeo.
Von Chiang Khong nach Chiang Saen sind es je nach Strassenzustand 55 Kilometer. Die meist gut ausgebaute Strasse führt auf einem Teil der Strecke dem Mekong entlang. Auf den hügeligen Strassenabschnitten bewundert man herrliche Ausblicke über die abwechslungsreichenen Landschaften am Fluss. Je nach Wetter ist es eine grossartige Panoramafahrt durch die nordthailändische Dschungel- und Hügel-Welt.
Im April findet in Chiang Khong die Pla Bük-Zeremonie statt. Der Pla Bük ist eine der grössten Wels Arten. Diese Fische erreichten Längen von bis zu zweieinhalb Metern und Gewichte von bis zu 300 Kilogramm. Mit den vorgesehenen Staustufen des Flusses zur Stromerzeugung ist ihre Zukunft allerdings nicht gesichert.
Einige Bilder aus der Stadt zeigen erste Eindrücke.
anus+

Was ist das?

guesthouse
Gästehaus gehörnte Nak
Auflösung: Gehörnte Nak, Naga, mit Löwen-Verschluss-Ventil

Alte Häuser nak naga
palace chiang khong
Wollten sie schon lange in einem Palace Hotel nächtigen und konnten es mangels Mittel nicht? Chiang Khong ermöglicht es für vierhundert Baht. Ältere Räume, sogar mit Autounterstand, sind für dreihundert Baht im Angebot.

Fahrzeug-Navigation am Wurstzipfel

Seit Jahren benutzen wir in Europa, Malaysia und Thailand erfolgreich Navigationsgeräte. In unbekannten Großstädten sind sie für mich unentbehrlich. Sie sind wesentlich hilfreicher als veraltete Stadtpläne, sofern die Fahrzeuglenkerin für den Lautsprecher oder meine Empfehlungen ein offenes Ohr hat.
Wir sassen im nigelnagelneuen Wagen und fuhren trainingshalber Richtung Chiang Rai. Vor zwei Jahren assen wir bei den heissen Quellen unvergesslich gut gewürzte Würste und gegrilltes Schweinefleisch. Das Mahl rutschte von der Zunge ohne Zahnverluste schmerzlos in den Magen, während uns Düfte vom Grill und Schwefel von den heissen Quellen umwehten.

Die Vorgabe war, auf der Strasse 118, mit Ausnahme der Kurven, immer schön gerade aus bis zu den Quellen zu fahren, dann vor dem Springbrunnen gleich links abzubiegen.
Ich erklärte der hungrigen Lenkerin, wie ich mich auf die Wurst freue und dass wir in spätestens fünfzehn Minuten ankommen würden.
Unvermittelt, meine Hymnen auf Würste und Strassen missachtend, bog die Lenkerin von der Hauptstrasse nach rechts auf eine Nebenstrasse ab. Da war eine Hinweistafel: Heisse Quellen, zwei Kilometer.
Ich redete zwei Kilometer lang, sprach Klartext und überzeugte sie, dass wir diese Wurstqualität wahrscheinlich nur an der Hauptstrasse finden würden. Die Magensäfte stimulierten ihr Gehirn. Sie gab auf, wendete das Fahrzeug und folgte darauf gehorsam dem nördlichen Wurstkurs.

Die Expedition „Wurst des Nordens“ hatte ein Vorspiel. Das Fahrzeug verfügt über einen
Multifunktions-Bildschirm mit Menu. Auf Wunsch wird das Radio angezeigt oder der Equalizer. Er kann Filme abspielen oder Fotos darstellen. Fürs Smartphone existiert eine Bluetooth Funktion. Es gibt einen UBS Anschluss. Der Bildschirm dient ebenfalls zur Navigation.
Genau da lag unser Problem. Ich versuchte, in englischer Sprache Chiang Mai oder Chiang Rai einzugeben. Chiang ging gut. Nach der Leertaste schlug die super-intelligente Logik Dao vor und sperrte gleichzeitig die Tastatur. Laut der Navigationshilfe hätten wir nach Chiang Dao reisen müssen. Das wollte ich nicht. Folglich fuhren wir zum Verkäufer und klagten unser Leid.
Einer der jungen Angestellten setzte sich in den Wagen, lächelte und dachte offenbar:
„Ihr Vollblutidioten, das haben wir gleich! Geld für ein Fahrzeug haben diese Leute. Genügend Hirn um die moderne Elektronik zu bedienen – – – haben sie nicht.“
Er fummelte behende, aber hilflos an Tasten herum. Dann sagte er:
„Ich verstehe Englisch schlecht, darum wechsle ich auf Thai.“
Ich grinste hämisch, als ich sah, dass die Logik die Tastatur auch für Eingaben in Thai sperrte. Nach dreissig Minuten warf er das Handtuch und bat einen Kollegen, das Problem zu lösen.
Dieser Herr fingerte noch schneller, noch gedankenloser. Auch er musste sich nach einer weiteren halben Stunde von der Technik geschlagen geben, während ich ihm mein dreijähriges Gerätchen demonstrierte. Wir verliessen die erfolglosen Spezialisten.

Später hatte ich die Idee, das Gerät über Koordinaten und Favoriten wenigstens für den Heimweg zu programmieren. Danach überlistete ich die Technik mit den Vorgaben Robinson und Chiang Rai zu einem nördlichen Kurs.
Während wir schweinisch speisten, wir begnügten uns nicht mit Wurstzipfeln, meldeten die Herren telefonisch, am nächsten Tag würde ein Spezialist um zehn Uhr unser Problem lösen.
Die Programmierung des Navigationsgerätes ist für bescheidene Eingaben zu üppig ausgelegt. Nach vielen Tastendrücken des Fachmanns fand das Navi unser Dorf und dessen Koordinaten. Die genaue Position unseres Hauses konnte der Ingenieur leider nicht eingeben.
Das ausgeklügelte Gerät mit grossem Bildschirm lässt den Fahrer also Orte ansteuern, wo er dann im Tante Emma Laden für nähere Auskünfte anstehen darf.
Unser altbewährtes Nüvi hat noch lange nicht ausgedient, oder der Fahrzeughersteller lässt neue Software schreiben.
Eine der Todsünden dieser Geräte ist, dass Distanzen üblicherweise als Luftlinien angegeben werden. Die Fahrzeit wird dann aus irdischen Kilometern errechnet. In Satun wurde beispielsweise die Distanz nach Padang Besar mit 26 Kilometern angegeben, die berechnete Fahrzeit dagegen betrug annähernd drei Stunden. Die Zeit für den Grenzübertritt wurde nicht einkalkuliert.

Nichts tun in Satun

Satun, Stadt und Provinz, liegen an der südlichen Westküste von Thailand. Von der kleinen Stadt aus, mit knapp 24‘000 Einwohnern, sieht man den Tenasserim-Hügelzug. Diese Kette aus altem Granit erstreckt sich an die tausend Kilometer vom “Drei Pagoden Pass“ in Kanchanaburi, Thailand, bis nach Satun. TaLiKlai3 Über den Fluss Ta Li Klai führen mehrere Brücken. Die Stadt ist einige Kilometer vom Meer entfernt. Weil das Gefälle äusserst gering ist, wirken sich die Gezeiten bis hierher aus. Greifvogel Zeitweise fliesst beim Markt das Brackwasser flussabwärts. Wenige Stunden später verläuft die Strömung flussaufwärts.
Hauptwirtschaftszweig ist der Fischfang. Der Handel mit Malaysia trägt zum bescheidenen Einkommen der Stadt bei. Ein beachtlicher Teil dieser Gewinne dürfte aus dem florierenden Schmuggel stammen.
Die touristische Bedeutung der Stadt ist gering. Im altertümlichen, authentischen Stadtbild mit Holzhäusern erleben Besucher das alte Thailand – Bangkok wie es vor Jahrzehnten einmal war.
In der Umgebung der Stadt gibt es zahlreiche idyllisch schöne Orte, Höhlen, Felsen, Wasserfälle und Seen. Von Booten aus erhält man unübliche Einblicke in die Lebensweise am Fluss. Häuser, meistens bescheidene Hütten mit rostenden Wellblechdächern und Satellitenschüsseln dekoriert, sind teilweise ans Wasser gebaut. Der Fluss dient mit frischen Fischen, Garnelen, Krebsen und Muscheln als Nahrungsquelle, gleichzeitig als Hong Nahm, Badezimmer und als Verkehrsweg.TaLiKlai1 In der Umgebung sind der Park Khao To Phaya Wang, die National-Parks von Thale Ban und Taman Negeri Perlis in Malaysia und der Tarutao Marine Park.

Thais von Chiang Rai bis an die Grenze von Malaysia lieben das Feuern. Wenn wir am Vorabend vom sechsten Stockwerk aus die grüne Landschaft um Satun bewundern, steigen überall zwischen Palmen, von Tälern und Hügeln, Rauchsäulen als Zeichen brüderlicher Verbundenheit unbelehrbarer Vollidioten auf.
Selbst das kümmerliche Inhalieren von Nikotinspargeln auf Bangkoks Märkten wurde unter Androhung drastischer Strafen kürzlich verboten. Die landesweit hohe Feinstaubbelastung mit häufigen Lungenerkrankungen durch rücksichtsloses Verbrennen von Abfällen und entsprechender Luftverschmutzung dagegen, werden amtlich stillschweigend übersehen.

Schwere Erdbeben erschütterten Lan-Na Land

Am Montagabend, 5. Mai 2014, um 18 08 bestand unser Haus in der Nähe von Hangdong eine echte Zerreissprobe. Wir hielten uns im Badezimmer auf, als das Haus zu schütteln und schaukeln begann. Ich schrie Dick an:
„Lauf hinaus in den Garten, schnell, Erdbeben!“
Als nicht italienischer oder koreanischer Kapitän trug ich für meine Passagierin eine gewisse Verantwortung.

Während zwei Minuten, einer gefühlten Ewigkeit, bewegte sich das Gebäude. Im Schlafzimmer wiegte sinnlos der Schaukelstuhl aus eigenem Antrieb.
Bisher erlebte ich im Dorf drei grössere Beben, jedes Mal im Badezimmer. Das hat den Vorteil, dass bei durch Angst ausgelöster Schliessmuskelschwäche die Bein-Kleidung nicht beschmutzt wird.
Nach zwanzig Minuten fand ich die Bestätigung im Internet. Der amerikanische Erdbeben-Dienst USGS, U.S. Geological Survey, (1) meldete ein Beben mit der Stärke von 6,0. Die Gelogen in Thailand beharren auf 6,3. Diese Erdpissenschaftler eichten ihre Seismographen offenbar nach alter Väter Sitte mit Chang (Bier). Die Erdbewegungen wurden von Hanoi über Bangkok bis Yangon verspürt.

Die meisten Pfahlbauten in Lan Na Land überstanden das heftige Rütteln mit diversen Rissen in den Mauern. Die Strasse von Chiang Mai nach Chiang Rai wurde stellenweise aufgeschlitzt und zerstört.
Ein Buddha am Wat Udom Waree im Bezirk Phan verlor den Kopf. Eine ältere Frau das Leben. BuddhaPhan Der Künstler und Erbauer von Wat Rong Khun im Distrikt Mae Lao, Chalermchai Kositpipat, musste seine weisse Anlage für Besucher und Touristen aus Sicherheitsgründen schliessen. Einige Gebäude, Dächer und Wandmalereien erlitten leider schwere Schäden.(2)

Chiang Rai liegt nur fünfundzwanzig Kilometer vom Epizentrum entfernt. Die Passagiere des Flughafens flüchteten gedankenlos aus dem Abfertigungsgebäude. Sie standen teilweise genau unter Dachrinnen. Sie bemerkten nicht, dass herabfallende Ziegel auf die ungeschützten Köpfe fallen könnten.
Im Flughafen von Chiang Mai schrien Passagiere in Panik das Personal an:
„Wo ist der Schutzraum? Wo zum Teufel sind die Schutzräume?“
Eine hübsche, mandeläugige Angestellte lispelte listig lächelnd: „Es gibt keinen Schutzraum.“
Für die nächsten Reisen nach Thailand empfehle ich: Anstelle von Lümmeltüte – Schutzraum und Valium im Gepäck. (*)

Es schüttelt munter weiter. Bis 7. Mai 07 00 wurden angeblich 180 Nachbeben mit Intensitäten zwischen 3 und 5,9 registriert. USGS zeigt fünf Nachbeben mit Stärken von 4,4 bis 5,0.
Die Epizentren befinden sich in den Bezirken Phan, Mae Lao und Mae Suai in der Provinz Chiang Rai. Geologen beschuldigen die Phayao-Verwerfungslinie. Sie ist 70 Kilometer lang und liegt sieben Kilometer unter der Erdoberfläche. (3)

Bereits holte uns der Alltag ein. Es regnet. Ein ungläubiger Gärtner giesst zusätzlich. In der einen Hand hält er den Regenschirm, in der anderen Hand einen Schlauch. Der letzte Rest des nicht durch Alkohol oder Drogen ausgeschalteten Hirns, ist offenbar erdbebengeschädigt.

(1) http://www.usgs.gov/
(2) http://wp.me/p2ljyL-JW
(3) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/51379-erdbeben-sorge-vor-dominoeffekt.html?utm_source=Wochenblitz+Clean+All&utm_campaign=955c217008-Aktuelle+Nachrichten+aus+Thailand&utm_medium=email&utm_term=0_34a48916ce-955c217008-286912533#contenttxt
(*) Diazepam ist ein Medikament aus der Gruppe der Benzodiazepine. Er wird als Psychopharmakon zur Behandlung von Angstzuständen eingesetzt.

Zum Vergleich:
Bei einem Erdbeben mit 4,2 (RS) wurden am 18. Mai in Südhessen im Mühltaler Ortsteil Nieder-Beerbach mindestens 70 Häuser beschädigt. Das sind 14 Prozent. Die Magnitude oder Größenklasse leitet sich aus dem dekadischen Logarithmus der maximalen Amplitude, auch Auslenkung, im Seismogramm ab. Wegen des dekadischen Logarithmus bedeutet der Anstieg der Magnitude um einen Punkt auf der Skala einen etwa zehnfach höheren Ausschlag im Seismogramm. Dies entspricht näherungsweise der 32-fachen Energiefreisetzung im Erdbebenherd.

Arbeitslos – dank einträglicheren Geschäften

Dicks Bruder fährt in Chiang Mai einen Minibus. Die Wartezeiten auf Kundschaft sind länger, als die effektiven Fahrzeiten. Das Verhältnis Fahrzeug pro Kunde ist längst gestört, weil es zu wenig reisefreudige, vor allem depperte, Farang gibt. Wegen  Fahrzeugüberfluss, verbunden mit der in der Schule antrainierten Zahlenblindheit – Dyskalkulie, verdoppelte sich innerhalb von drei Monaten der Preis vom Flughafen nach Hangdong. Als wir unser Erstaunen darüber äusserten und bestätigten – wir möchten nicht mit einem Mini-Bus nach Chiang Rai, sondern mit einem Taxi nach Hangdong reisen, sagte die resolute Dame am Taxistand hilfreich, liebreizend und unfreundlich:
„Geld für das Fliegen haben die Leute. Nur für Taxis ist keines vorhanden.“ Sie verlor augenblicklich weitere Kunden. Gehören Taxibetriebe nun ebenfalls zu den tributpflichtigen Unternehmen, die Sch(m)utzgeld zahlen?
In Singapur wäre diese Angestellte postwendend gefeuert worden. Diskussionen um Fahrpreise gibt es nicht, Meter einschalten, fertig! In Malaysia fahren wir für denselben Betrag nicht zehn, sondern fünfzig Kilometer. Nachdem es in Bangkok gelang, den Fahrern den schwierigen Griff zum Meter einzuüben, wäre es endlich an der Zeit, in Chiang Mai dieses Verhalten zu kopieren.

Bruderherz bemühte sich dehalb um einen zusätzlichen Broterwerb. Die Aussage ist falsch. Hier isst man Reis, vor allem Klebreis. Das gesamte Geschäftsmodell Hinterindiens beruht auf Klebreis: Es sollte immer etwas kleben bleiben.
Er fand anständig bezahlte Arbeit bei einer Familie in der Nähe. Sie stellte konkurrenzlos dekorative Fliesen mit farbigen Motiven aus Zement her. Sogar Mowgli erhielt einen Anstellungsvertrag, weil er mit den Farben spielerisch neue Ideen entwickelte. Die Ware verkaufte sich zufriedenstellend. Für  weitere Geschäfte reiste der Chef angeblich einige Tage nach Hongkong.

Wir waren in Chiang Rai unterwegs. Währenddessen rief der Verwalter der Provinz Chiang Mai unseren Dorfobmann zu einer dringenden  Aussprache. Unwirsch teilte er ihm mit, seine vier selbst ausgesuchten Helfer seien alle in illegale Drogengeschäfte verwickelt. Das eine Gift hat viele Namen: Ice, Crystal, Meth, Yabaa, Crank, und N-Methylamphetamin.
Dem Obmann konnte kein fehlbares Verhalten nachgewiesen werden. Trotzdem wurde er des Amtes enthoben.  Unterdessen verhaftete die Polizei seine Mitarbeiter. Bei der Vernehmung stellte sich heraus, dass zwei Lieferanten des Stoffes im Dorf leben. Sie entzogen sich den Ordnungshütern, weil sie ihre Häuser – welch ein Zufall – bereits fluchtartig verlassen hatten.

Hotsprings, zwischen Chiang Rai und Chiang Mai

Hotsprings, zwischen Chiang Rai und Chiang Mai

Glücklicherweise kehrten wir am Dienstag zurück, sonst hätten wir uns als Abwesende in der Gerüchteküche ebenfalls verdächtig gemacht.

Offenbar verdiente der Fliesenproduzent trotz des guten Geschäftsganges nicht genug. Anhand der Liegenschaften und des Fahrzeugparkes war er gewiss kein Hungerleider. Kürzlich wurde er gefasst und abgeführt. Die Familie war ebenfalls in den Drogenhandel verwickelt. Seitdem sind mindestens zwei Personen arbeitslos.
Erstaunlich ist, wie ein so kleines Dorf sieben Händlern eine Geschäftsgrundlage bot. Wie viele Abhängige gibt es denn? Es wird klar, warum bereits Schulkinder mit Stoff vollgepumpt werden.
Warum kam es zu den Festnahmen? Grosshändler dulden keine Konkurrenz!

Lesen sie dazu: Einträgliche Geschäfte.
https://hinterindien.com/2013/02/18/eintragliche-geschafte/

Chiang Rai – schwarz und weiss, bunte Ansichten

Zwei bedeutende thailändische Künstler zeigen einen Teil ihres Schaffens in den abwechslungsreichen Landschaften um Chiang Rai.
Thawan Duchanee präsentiert seine Werke, meist aus Holz und Teilen verstorbener Tiere, in dunklen Farben. Ausnahmen sind Häute, Knochen und Elfenbein. In der Helligkeit des Tages sehen die Augen durch den starken Kontrast das Meiste schwarz. Deshalb wählte Khun Thawan die Bezeichnung: Ban Dam. Unsere neuen Kameras empfanden das leicht anders.
Chalermchai Kositpipat, benutzte für seine, – Buddha gewidmete Formenpracht, vorwiegend Zement, verspiegeltes Glas und nutzte helle Farbtöne.F633

Eine Anlage wirkte auf uns wie eine verzauberte Märchenlandschaft mit Schnee und Eiskristallen im strahlenden Sonnenglanz unter gleissendem Himmel. Die andere drohte ebenso faszinierend mit schwarzer Magie und Vergänglichkeit, die wir beide förmlich zu spürten glaubten. Noch in Ban Dam diskutierten wir hitzig über unsere Eindrücke, Gefühle und …

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Chalermchai Kositpipat, Wat Rong Khun
Thawan Duchanee, Ban Dam Museum,

Chiang Rai, 3./4. Februar 2013