Vergiftete Düfte und Träume

Warum verbrennt Low Zigaretten anstatt Räucherstäbchen? Beide Duftspender erzeugen Feinstaub. Zigaretten enthalten vorwiegend Tabak. Preisgünstige Räucherstäbchen in Thailand haben einen gefärbten, brennbaren Träger. Das duftspendende Material enthält Holzpulver, synthetische oder natürliche Glimmstoffe, Öle und Kleber. Räuchern von losem Räucherwerk auf Holzkohle oder Sieben ist aufwendig. Stäbchen sind einfacher anzuwenden. rattanakosin
Indische Räucherstäbchen werden durch Auftragen einer Paste aus Holzpulver, Harzen, Kräutern, Ölen, Wasser und Räucherwerk auf dünne Holzstäbe hergestellt. Preiswerte Räucherstäbchen enthalten synthetische Geruchsstoffe wie Moschus-Ambrette-Verbindungen. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit ist nicht gesichert.

Die chinesischen Stäbchen werden oft „joss-sticks“ genannt. Es sind Glücks- und Schickssalsstäbchen. Sie dienen dazu, die Götter berechnenderweise gnädig zu stimmen.

Japanische Räucherstäbchen enthalten keine Trägerhölzchen. Die aus Wasser, Holzpulver und Duftstoffen hergestellte Paste, wird durch Düsen gepresst, geschnitten und getrocknet. Hochwertige Räucherstäbchen enthalten bis 20 Komponenten. Sie reifen mehrere Jahre lang.

Seit dem 7. Jahrhundert werden in Tibet Räucherstäbchen angefertigt. Sie enthalten Kräuter und werden von Hand gerollt. Die handgerollten Produkte ohne Trägerstäbchen sind sie wesentlich dicker und grobkörniger als die japanische Ware.

Der klassische Weihrauch ist das luftgetrocknete, teure Gummiharz, das in Muskat, Dhofar, Oman, aus dem Weihrauchbaum, Boswellia, gewonnen wird.

Das Abbrennen von Räucherstäbchen erhöht den Gehalt an Feinstaub. Krebserregende Stoffe wie Benzol und Formaldehyd werden freigesetzt. Der Rauch von Räucherstäbchen und anderem Räucherwerk kann mehr zellschädigende Substanzen enthalten als Tabakqualm. (2)
Ein im britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist (Nr. 2302, S. 5) veröffentlichter Bericht erwähnte: in einem Tempel in Taiwan, in dem Räucherstäbchen abgebrannt werden, wurde eine 40fach höhere Konzentration krebserregender polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe als in Häusern von Rauchern gemessen. Eine dem Passivrauchen vergleichbare Gefährdung ist durch die Zusammensetzung des Rauches gegeben. Die gemessene Feinstaubbelastung in einer katholischen Kirche in Bayern entsprach der Belastung einer vielbefahrenen Straße oder einer verrauchten Kneipe. Ich will doch unsere Lan Na Hausgeister nicht vergiften!

Nach den Düften zu vergifteten Träumen.
Die Zahl der Crystal-Meth Abhängigen ist in der Stadt Neuenburg, Schweiz, am höchsten. Wie Untersuchungen der Universität Lausanne zeigten, wurden im Abwasser von Neuenburg 33.4 Milligramm gemessen. Zürich rangierte mit 21.8 Milligramm auf Platz zwei. Zürich weist dafür die höchsten Kokain Werte auf.
Ein Grund, warum die Droge im Welschland stark verbreitet ist, dürfte in den zahlreichen Thai Massagesalons zu suchen sein. Sie gelten als Umschlagplätze für die Thai-Pillen aus Metamphetamin. Einen ausführlichen Bericht brachte der Tagesanzeiger. (2)
Im Raum Chiang Mai oder Satun könnte der allgemeine Drogenmissbrauch schlecht nachgewiesen werden, weil es keine Abwassersammler gibt. Die ausgeschiedenen Stoffe gehen direkt in die Natur, sei es Boden oder Gewässer.

(1) http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Raeucherduft_ist_Krebs_erregend1771015585251.html
(2) http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Neuenburg-ist-die-Hauptstadt-der-CrystalMethSuechtigen/story/22425146

Naturwissenschaftliche Arbeiten vor 1800

Erlauben sie einige Gedanken über meine beiden Informationslieferanten. Beide lebten in einer für uns komplett fremden Welt.
Monsieur Poivre reiste monatelang in windgetriebenen Nussschalen der Küste Afrikas entlang, um das Kap der guten Hoffnung, entdeckt 1488 vom Portugiesen Bartolomeu Diaz, nach Indien, Hinterindien und weiter bis nach China. Die Ernährung, die Trinkwasserversorgung an Bord, waren meist äusserst bescheiden. Ärztliche Versorgung gab es kaum. Stellen sie sich nur eine Amputation um 1745 am Arm vor. Wie wurde narkotisiert? Hoffentlich hatten die Herren Chirurgen und Bader, ordentlich scharfe Messer und sterile Sägen!

Unterkünfte in den tropischen Gebieten hatten keine Klimaanlagen. Der Komfort von Kühlschränken fehlte. Tropische Fieber und Magen-Darm-Probleme erwarteten fremde Eindringlinge wie heute. Motorgetriebene Verkehrsmittel gab es weder in Europa noch in Übersee. Das Telefon schlummerte geduldig seiner Erfindung entgegen.
Ich denke nicht, dass Missionar Poivre einen Dolmetscher hatte. Folglich musste er die Sprachen der Eingeborenen der bereisten Länder erlernen. Was war sein Antrieb, die damalige Welt zu bereisen? War er ein Eiferer des Glaubens, der sich mit der Bibel in der Hand von Hostien ernährte – oder doch eher ein alles verzehrender Abenteurer?

Ein anderer Typ war wohl Christoph Meiners, Professor der Weltweisheit in Göttingen. Christoph sass von Büchern, den Vermittlern des Wissens, umgeben in seiner Studierstube. An trüben Tagen benötigte er Kerzenlicht für seine Arbeit. Meiners übersetzte und zitierte eine dreissigjährige Schrift und war damit top aktuell. In unserer Zeit wäre er chancenlos. Bei heutigen Nachrichten und Publikationen geht es um Minuten und nicht um Jahrzehnte.
Würde ich eine wissenschaftliche Arbeit über Zellular-Telefonie vor dreissig Jahren veröffentlichen, würde das bedruckte Papier höchstens zum Verpacken von Wurstbrot für Familienausflüge Verwendung finden.

1978 beispielsweise wurde in der Schweiz das Natel, Nationale Autotelefon, eingeführt. 1983 wogen die modernsten Funk-Geräte in einem Koffer immer noch 12 Kilogramm. Bereits zehn Jahre später folgte die digitale Datenübermittlung. Wo stehen wir heute? Mit 150 Gramm Elektronik inklusive Stromversorgung, kommunizieren wir weltweit mit Bildern, Daten, Filmen und Sprache. In den klugen Maschinchen sind Fotoapparate und sogar GPS, globale Navigationssatellitensysteme zur Positionsbestimmung, eingebaut. Die meisten Benutzer sind durch die hochintelligenten Telefone geistig überfordert. Die Analphabeten Hinterindiens nutzen Smartphones bloss als Fotoalben und für Pornofilme – mittlerweile eine eigene Industrie. Für reine Telefonie genügen Geräte in der Grösse einer Armbanduhr.
Aber – sind unsere Geistes-Blitze so eminent wichtig, dass wir diese grossartige Technik unbedingt nutzen müssen, um unsere Freunde damit zu beglücken. Dick erhält täglich hundertzwanzig meist nutzlose Line-Nachrichten mit Bild. Mowgli wurden bereits vor Jahren innerhalb vierundzwanzig Stunden über dreihundert Mails zugestellt.
Unsere Körper sind dauernd technischen Frequenzen von fünfzig Hertz, Wechselstrom, bis in den Gigahertz-Bereich, Mikrowellen, ausgesetzt. Die Auswirkungen sind unbekannt. Wir wissen nur, Intelligenz vermittelt diese Strahlung leider nicht.

1798 durfte sich Meiners unbescheiden Professor der Weltweisheit nennen. Es war eine relativ schlichte, unerforschte Welt. Alle undenkbaren technischen Errungenschaften standen der Menschheit noch bevor: Elektrischer Strom, Glühlampen, Radio, Fernsehen, motorisierter Bahn-, Luft-, Schiff- und Strassenverkehr und vor allem weltweite Kommunikation.

Nur eines hat sich kaum verändert: für Mord- und Totschlag genügen immer noch Mentalität und Methoden der Steinzeit. Dabei vermodern wir Menschen, wie weggeworfenes Obst, mit der Zeit rein selbsttätig. Wozu also gedankenloser Aufwand an Kraft, Stahl, Pulver und Blei?

Reis – die Verarbeitung

Nach dem Schnitt des Reises wird er gedroschen. Die Deckspelzen bleiben am Reiskorn. Die Körner werden auf einen Wassergehalt von 14 bis 16 Prozent getrocknet. Dieses Zwischenprodukt wird Roh-Reis oder Paddy genannt.

In Reismühlen werden die Spelzen entfernt. Sie machen einen Fünftel des ursprünglichen Gewichts aus. Die eigentliche Reisfrucht besteht aus Mehlkörper, Keimling und umgebendem Silberhäutchen. Dieser Reis wird geschälter Reis, brauner Reis oder auch Cargo-Reis genannt, weil der Reis meist in dieser Form exportiert wird. Als Natur- oder Vollkorn-Reis kommt er teilweise zum Verbrauch in den Handel.

Durch Schleifen werden die Silberhäutchen vom Korn entfernt. Das Produkt wird danach geschliffener oder weisser Reis bezeichnet. Er ist haltbarer als der fetthaltigere geschälte Reis, verlor aber leider den größten Teil der Mineralstoffe und Vitamine.
Der nach dem Schleifen rauhe, viel Stärke abgebende, klebrig kochende Reis wird durch Polieren geglättet. Dies geschieht trocken – oder mit Wasser – durch Reibung der Reiskörner aneinander. Das Ergebnis ist polierter Reis.

Um Vitamin- und Mineralstoffverluste zu verhindern, wird Roh-Reis zunächst kurz in Wasser eingeweicht und anschliessend mit Heissdampf behandelt, wodurch die sich lösenden Inhaltsstoffe nach innen in den Mehlkörper diffundieren.
Nach dem Trocknen wird der Reis bis zum Polieren weiterverarbeitet. Im so hergestellten Parboiled-Reis, von partially boiled, teilgegartem Reis, bleiben etwa 80 Prozent der Vitamine und Mineralstoffe des gewöhnlichen geschälten Reises erhalten. Schnellkochender Reis ist vorgekochter und wieder getrockneter Reis.

Bei der Lagerung kann der Reis von Reiskäfern, Sitophilus oryzae, befallen werden. Sie gehören zur Familie der Rüsselkäfer. Die Larven der Käfer wachsen in den Reiskörnern heran und fressen sie von innen auf. Die Käfer vermehren sich ebenfalls im verpackten Reis weiter.
Bei Rüsselkäferbefall befinden sich nicht nur die ausgewachsenen Käfer im Reis. Es gibt Reiskörner mit punktförmigen Frassspuren und von innen ausgehöhlte Körner. Dadurch wird der Befall mit anderen Schädlingen und Mikroben möglich. In Japan wird empfohlen, befallenen Reis aus hygienischen Gründen zu vernichten. fastfood
Anbaugebiete

China, Indien und weitere Länder Südostasiens – sind die Hauptanbaugebiete für Reis. Bedeutende Reisproduzenten arbeiten in den USA und in Norditalien (Poebene).
Im Nordosten des Piemont in den Provinzen Biella und Vercelli, mit geschützten Ursprungsbezeichnungen, gedeiht der „Riso di Barraggia Biellese e Vercellese“.

Reis wird ebenfalls im Maggia-Delta und in der Magadinoebene, Locarno und Umgebung, in der Schweiz angebaut. Dieser Trockenreis ist der am nördlichsten wachsende Reis der Welt. Wann wird die Schweiz neben Uhren Reis nach Thailand exportieren?
Weitere europäische Reiserzeuger sind Portugal, Spanien und Frankreich.

Einige wenige Reissorten – weltweit gibt es über 100.000 !

Arborio ist eine Sorte, die vor allem in der Po-Ebene Italiens angebaut wird. Sie zeichnet sich durch ein kurzes, gedrungenes, ovales Korn aus. Sie wird vorzugsweise in Risotto verwendet.

Basmati bedeutet auf Hindi „Duft“. Es handelt sich um einen besonders aromatischen, langkörnigen Reis. Er stammt ursprünglich aus Afghanistan. Er wird am Fuss des Himalaya angebaut und ist die typische Begleitung zu einer Vielzahl von orientalischen Gerichten.
Von den vermarkteten Basmati-Sorten sind lediglich 15 von den indischen und pakistanischen Behörden nach dem Code of Practice on Basmati zugelassen. Sie dürften maximal 7 Prozent Fremdreis enthalten. Die Basmati-Körner müssen mindestens 6,5 Millimeter lang sein.

Der Jasmin-Reis, Duftreis oder Siam-Reis, ist eine ausgezeichnete Qualität. Jasmin-Reis wird hauptsächlich im Norden Thailands, in Laos, Vietnam und Italien angepflanzt. Man nennt ihn Duftreis, weil er beim Kochen angenehm nach Jasmin riecht, und im Gegensatz zu vielen anderen Sorten, durch spezielle Anbaumethoden ein wenig Eigengeschmack hat. Beim Reis aus Thailand ist die Golden – beziehungsweise die AAA-Qualität – die beste und teuerste. Der Bruchreis mit beschädigten Körnern, d.h. gebrochener Reis, ist eine preisgünstigere, schlechtere Qualität.

Durch Kenntnisse über Reis, Anbaugebiete und Sorten, wird die Auswahl nicht einfacher. Wir hatten schlecht lagerbaren, verkäferten Reis aus eigenem Anbau.
Bereits beim Kochen kann man dem Reis persönliche Noten geben. Anstelle von Salz verwenden wir manchmal Bouillon. Eine gehackte Tomate, gelbes Kurkuma-Pulver, Gewürznelken, oder zerkleinertes Grünzeug bringen neue Geschmacksrichtungen und frische Farben ins Gericht.
Am Schluss des Kochvorgangs verzaubern ein Stücklein Butter, vielleicht ein Spritzer Weisswein oder Reiswein wie Shao Xing die Speise. Sie machen damit aus einem einfachen Reis ein Gourmet-Essen.

Die wenigsten Thais können Reis in einem üblichen Kochtopf zubereiten. Sie alle besitzen Reiskocher oder kaufen gekochten Reis in Beuteln an den belebten Strassen. Die Aromen sind Diesel, Moped oder Tuk-tuk.

Mehr Reis-Geschichten

Meine Oberarme und Hände sind wieder schmerzhaft, die Finger unstabil. Deshalb kopierte ich erneut aus der alten Beschreibung. Ich korrigierte und ergänzte.

Reis hat zwei Wildformen: Oryza rufipogon, einjähriger, klassischer Wildreis und mehrjährigen Oryza nivara . Beide lassen sich untereinander und mit domestiziertem Reis kreuzen.
Die nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung wichtigsten Unterarten von Oryza sativa sind:
Oryza sativa ssp. indica, Langkornreis wie Patna-Reis, Basmati-Reis
Oryza sativa ssp. japonica, Langkornreis, auch Klebreis sowie Risotto-Reis
Oryza sativa ssp. javanica, Mittelkornreis
Oryza sativa var. glutinosa wird in China oder Thailand angebaut.

Die Kulturreispflanze bildet bis zu 30 Halme aus. Sie werden 50 bis 160 cm hoch und tragen schmale überhängende Rispen. An ihnen sitzen 80 bis 100 einblütige Ährchen. Eine Pflanze erzeugt bis zu 3000 Früchte.
Ein Kilogramm Reis hat je nach Korngrösse etwa 30 000 bis 60 000 Körner.
Die Frucht besteht wie bei andern Getreidearten aus Keimling, Mehlkörper, Aleuron- oder Wabenschicht, Samenschale und Fruchtwand. Beim Reis werden die drei letzteren Silberhäutchen genannt.

Wild gewachsener Reis wurde in Höhlen von Yuchan und in Xianrendong im Jangtse-Tal gefunden. Wilder Reis wurde vermutlich vor 8000 Jahren gesammelt.
Vermutlich domestizierter Reis wurde bereits in der Lijiacun-Kultur am Gelben Fluss, 7000–6000 v. Chr., in Hunan in der Yuchanyan-Kultur, 9000–8000 v. Chr., genutzt.
Seit 400 v. Chr. wird Reis in Mesopotamien angebaut. Bereits die Römer kannten Reis. Vermutlich wurde er aus Ägypten importiert. Die Mauren brachten Reis nach Europa. Mit den Türken gelangte der Reis in den Balkan. Australien erreichte der Reis im 19. Jahrhundert
Reis wird seit dem späten 17. Jahrhundert in Nordamerika gepflanzt. Sklavenarbeit ermöglichte den grossflächigen Anbau trotz Gelbfieber und Malaria. Reis wird seither in einigen traditionellen amerikanischen Reis-Gerichten, Cajun- und Kreolen-Küche, wie rote Bohnen mit Reis, Jambalaya und Gumbo, zubereitet. (1)

Achtzig Prozent der Weltreisernten werden im Nassreisanbau erzeugt. Pro Kilogramm Reis werden einige Kubikmeter fliessendes Wasser benötigt. Fliesst das Wasser zu schnell, werden Bodenbestandteile und Nährstoffe abgeschwemmt. Fliesst es zu träge, bilden sich Algen.
Im Tiefland kann Nassreisanbau mit Bewässerung über Brunnen zu sinkendem Grundwasserspiegel führen. Die chinesische Regierung verbot rund um Peking den Reisanbau, weil sich der Grundwasserspiegel bis zu drei Metern senkte.

In Indonesien und Malaysia ist der wachsende Reis Padi, der gedroschene Reis Gabah, der geschälte Reis heißt Beras, der gekochte Reis heißt Nasi. Gebratener Reis ist Nasi Goreng.
Das Verrichten der Notdurft hiess ganz vornehm: „Ich habe Reis von mir gegeben.“

Nassreisanbau ist sehr arbeitsintensiv, ermöglicht aber sehr viel höhere Erträge als das Streusaatverfahren. Die Arbeitsgänge sind:
Die Aussaat in ein relativ trockenes Pflanzfeld. Es zeigt sich, dass der Reis keine echte Wasserpflanze ist. Direkt ins Wasser gesät, keimt er kaum.
Die Durchmischung des Bodens auf dem Reisfeld mit Wasser, meist mit Pflügen hinter Motoren oder Wasserbüffeln.
Das Umsetzen der Setzlinge vom Pflanzfeld in das Reisfeld per Hand. Seltener mit Setzmaschinen.
Die Bewässerung der Felder während der Wachstums- und Reifezeit. Probleme entstehen, wenn der Wasserspiegel während der Regenzeit zu stark ansteigt – oder wenn der Monsunregen zu gering ausfällt.

In den Bewässerungsgräben der Reisfelder gediehen in einigen Regionen Kleinfische und Krustentiere. Sie waren oft die einzige Proteinquelle der Bauern.
Durch Pestizideinsatz wurden diese Lebewesen leider weitgehend ausgerottet.
Nach etwa vier bis sechs Monaten werden die Felder trockengelegt. Die Ernte erfolgte mit Hand-Sicheln oder Sichelringen,
Die Bündelung der Pflanzen und Abtransport oder Dreschen vor Ort.
Das Stroh wird leider meist auf den Feldern verbrannt. Das führt in der Region Chiang Mai zu intensiver Luftverschmutzung mit Ascheregen.reis phonphat
Reis-dreschen am Dorfrand von Phonphat, 2002

Man berechnete vor einigen Jahren, dass der Nassreisanbau 17 Prozent des Methans in der Erdatmosphäre erzeugt. Das sind jährlich etwa 60 Millionen Tonnen. Dies entspricht ungefähr dem Wert von etwa 300 Millionen Tonnen Kohlenstoff, beziehungsweise 1,1 Milliarden Tonnen CO2.
Methan ist nach CO2 das wichtigste anthropogene Treibhausgas. Durch die Wässerung des Bodens entsteht ein fast sauerstofffreier Lebensraum für anaerobe Archaea, das sind Methanbildner. Die Methanerzeugung lässt sich etwas reduzieren, sofern man die Böden austrocknen lässt.

(1) Jambalaya: https://www.youtube.com/watch?v=-4o86juvMEE

Schweine und Weine

Chiang Mai hat einige Vor- und Nachteile. Anfänglich litten wir unter der ungewohnten Hitze. Gegenwärtig huste ich täglich. Die Luftverschmutzung ist reizend, um das ungelöste Umweltproblem poetisch zu formulieren. Steckt die brandstiftenden Schurken und Wild-Frevler endlich hinter Gitter! In Nan sind 28 Prozent der Wälder durch Feuer vernichtet. Der Rest soll angeblich nicht kräftig genug sein, um Dürren, Überschwemmungen oder auch Erdrutschen entgegenwirken zu können. (1) Die Luft wird zusätzlich durch nicht gewartete Diesel-Motoren belastet.

In Satun gibt es Salami von TGM aus Bangkok. Eine Wurst wiegt auf das Gramm genau ein Kilogramm und wird angepriesen als „ Deutsches Original Rezept“. Verluste beim Reifen sind in Bangkok offenbar kalkulierbar. Vielleicht verzichtet man ganz einfach darauf. Das senkt die Produktionskosten wesentlich. Wein oder Pfefferkörner finden als exotische Zutaten kaum Verwendung. Meine Leibspeise ist diese Wurst bestimmt nicht. Es fällt mir leicht, darauf zu verzichten.

Käse in Satun stammt hauptsächlich aus Fabriken in Australien, Dänemark, und Neuseeland. Diese Länder produzieren sogar Emmentaler. (Gefälschter?) Parmesan wird aus Amerika nach Satun importiert. (2)
Anders ist die Versorgung in Chiang Mai. Hier gibt es aus Italien importierte Leckereien. Dazu gehören Käse, Schinken und Speck aus Parma, Käse aus Ziegen- und Schafsmilch und Gorgonzola.
Schinken und Würste gibt es ebenfalls aus Spanien und Deutschland. Verglichen mit den halal Angeboten des Südens herrscht hier eine riesige Schweinerei.

Hie und da findet man einen echten Wein – nicht das billige, gepanschte thailändische Kopfwehzeugs, bestehend aus importiertem Traubensaftkonzentrat, Alkohol und hauptsächlich Wasser.
Sauber gefälschte Produkte, zumindest die Etiketten sehen täuschend echt aus, stammen aus China.

Zur Charcuterie und dem Wein gibt es Brot aus einem breiten Angebot. Trotzdem vermisse ich unsere eigenen Kreationen mit dem feinen Hefearoma. (3) Beigaben von Milch und Butter ersetzen Wasser und Margarine.

Der Koriander des Nordens duftet. Im Süden ist es bloss grünes Kraut. Dafür stinken die Hühner-Eier in Satun nicht nach Fisch, wie hier.
Gestern fand Dick in einem Dorf an den Hügeln Früchte. Sie sehen aus wie Aprikosen, schmecken jedoch wie Pfirsich.
Grossartig hier ist der Garten mit der Vielfalt an Bäumen. Da sollten wir bei der Abreise einige Quadratmeter, oder sind es Kubikmeter, einpacken. Garten CNX

(1) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/74508
(2) http://www.forbes.com/sites/larryolmsted/2012/11/19/the-dark-side-of-parmesan-cheese-what-you-dont-know-might-hurt-you/#220089b271be
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Aufschnitt

Die schleichende Zeit

Geld kann man horten. Zeit nicht. Sie ist das einzige Guthaben, von dem wir nicht wissen, wie viel wir davon haben. Findigen Finanzgenies gelang es, Funktionen des Kapitals mit Zeit zu vereinen.
Gregor von Rezzori schrieb in seinen „Maghrebinischen Geschichten“ über einen jungen Mann, der seinen Onkel um etwas Geld und einige Frist bat. Der Onkel sagte trocken:
„Geld kann ich dir nicht geben. Frist kannst du haben, so viel du willst.“ (1) Möglicherweise lieh sich von Rezzori die Geschichte von Hodscha Nasreddin aus. (2)

Es gibt Menschen, die Luxusuhren sammeln. Mit der Zeit häufen sich dann die Zeitmesser an, ohne dass Zeit geschaffen wird. Diese Sammler benötigen Vertrauenspersonal, das ihre Schätze betreut, bewegt, aufzieht. Bei Erzeugnissen aus dem Schwarzwald wird der Kuckuck gefüttert und der Mist weggekarrt.
Bereits Buddha sagte: Eigentum schafft Abhängigkeit!
In den USA versuchen belesene, allwissende Leute die Zeit zu überlisten, indem sie sich einfrieren lassen, möglichst in flüssigem Stickstoff bei minus 195.8 Grad, mindestens für hundert Jahre.

Die Gelegenheit schien günstig, für ein Zeit-Experiment in Satun. Ein Gross-Markt bot Wanduhren aus China für umgerechnet einen Franken pro Stück an. Wie viel darf so ein Teil in der Herstellung kosten – Material und Arbeit – wenn man Verpackung, Transport und Gewinn des Verkäufers einbezieht?
Wir kauften einen roten Zeitmesser für die Küche, denn Kochzeiten sind für mich wichtig. Dick ist weniger pingelig als der alpenländische Farang. Ihr drei Minuten Ei kocht je nach Laune fünfzehn Minuten. Der Reis wird bereits nach fünf Minuten aufgetischt, ideal als Semi-Rohkost. Dafür klebt das Beef-Steak nach zwanzig Minuten in der heissen Pfanne. Die Teflon-Beschichtung haftet am Fleisch. Solche Zubereitungsarten fördern die Kaumuskulatur, jedoch kaum das Verständnis für sensible Kochkunst.

Die Quarz-Uhr läuft anstandslos. Wir kauften eine blaue Wanduhr fürs Badezimmer um wichtige Sitzungen genau bestimmen zu können. Im Wohnzimmer steckte wenig dekorativ eine nutzlose Schraube sinnlos mitten in einer Wand. Diese Schraube sollte nun eine Uhr gegen die immerwährende Schwerkraft festhalten und sich selbst dahinter verstecken. Nach einer Woche lieferte der Antrieb keine Impulse mehr. War es die Schwerkraft oder eine andere Erfindung aus England?
Die Zeiger steckten fest. Batteriewechsel halfen nicht. Mein Multimeter bestätigte, das elektronische Wunderwerk mit digitalem Teiler war unrettbar defekt. Anstatt einen Uhrmacher im Städtchen zu beglücken, schmiss ich den teuren Wecker, eine Woche einen Franken – das ergibt im Jahr zweiundfünfzig Franken – in den Kehricht.
Die Uhr im Badezimmer hatte ebenfalls Probleme. Innerhalb von drei Monaten zeigte sie bloss zweimal die richtige Zeit an, weil sie extrem langsam war.
Die Schwarzwälder-Uhren meiner Grosseltern entsprachen Chronometern, verglichen mit dem Chinaschrott. Nun steht auch sie, obwohl sie hängt.
Jedoch zweimal pro Tag zeigt sie die richtige Zeit an. Sie ist komischerweise wesentlich genauer, als zuvor, als sie noch werkelte. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, soll ich das Ding hängen lassen, wegschmeissen, oder doch zu einem Uhrmacher bringen.
Aber – trotz meines eigenen defekten Gehwerks, überlebte ich in drei Monaten zwei Uhren. Balifractsnow
Der neue, zeitlose Schraubenverberger des Wohnzimmers

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_von_Rezzori
(2) http://www.forgottenbooks.com/readbook_text/Der_Hodscha_Nasreddin_1100008989/169

Schenkt mir die Zukunft ein Denkmal

Ein kurzer, zu früher Kälteeinbruch Ende September lähmte mich in Chiang Mai. Im Oktober brachen wir Richtung Süden in eine ungewisse Zukunft auf. Wir wussten bloss, wir würden kaum weiter im gemieteten Haus verweilen. Die gesundheitlichen Bedenken überwogen.
Auf Anhieb fand Dick ein angenehmes Haus. Erstmals seit fast zwei Jahren wurden meine Handgelenke schmerzfrei. Ich konnte wieder, ohne Hilfe und ohne den Hintern aufzureissen, das WC benutzen und duschen.. Die Freude währte nicht lange. Eines Nachts verlor ich Empfindungen und Kontrolle der Hände, nicht komplett, aber beängstigend. Ich erhole mich langsam oder gewöhne mich daran.
Die nächtlichen Temperaturen sanken im Januar in HangDong auf 12 °C. In Satun dagegen hatten wir heisses Wetter, denn angesagter Regen blieb oft aus. Strenge Nordwinde bliesen die Wolken aus der Andamanensee nach Süden.

Die Tastaturen von PCs und Laptops spielten mit mir. Schreiben und lesen waren an mehreren Tagen unmöglich. Die unkontrollierbaren Finger wechselten mühsam geöffnete Seiten nach Belieben. Meine eigenen Hände verschaukelten und vergaukelten mich. Ich wusste:
„Erkläre den Lesern, das Ende der Geschichten aus Hinterindien ist möglicherweise nahe.“

Ich weiss, es gibt Spracheingabe.
Der PC versteht meine feuchte Aussprache nicht besonders gut. Ich müsste das Gerät dauernd trocknen oder mit Windeln schützen. Es ist lärmig. Hunde bellen. Hühner gackern. Hähne krähen. Mopeds röhren. Waschmaschinen der Nachbarn dudeln vierundzwanzig Stunden am Tag. Die Lautsprecher arbeiten noch, wenn der Wassertank bereits lange leer ist. Die Warnsignale finden keine Beachtung. Lautsprecherwagen werben fahrend. Akustische Umweltverschmutzung ist gestattet. Dicks Smartphone produziert Geräusche.
Das schlimmste, ich fluche laut. Ich verfluche die Schmerzen, meine Ungeschicklichkeit. Der PC versteht meine Sätze nicht, nur Flüche, dafür in fast sämtlichen Sprachen.

Dank eines Fernsehers mit Zugang zum Internet, wird es mir nicht langweilig, wenn die PCs unbenutzt herumstehen. Wir sehen uns Filme an und hören Musik über YouTube. image

Das Haus fordert uns täglich. Ich entwickelte Moskitogitter für die ausstellbaren Fenster. Eine kleine Firma in der Nähe baut die gesuchten Einheiten mit Magnetschliessern. Die jungen Leute haben einen zusätzlichen Lebenserwerb. BrückeWZ

Am Eingang von der Veranda her bauten wir eine Brücke als Schutz vor Rollstuhl-Rädern für die Profile der gleitenden Kunststoff-Türen. Die sogenannten Aluminium-Fenster – schlecht imitiertes, nicht deutsches, nicht patentiertes Qualitätsprodukt – entpuppten sich als Kunststoff-Attrappen.
Zum Blockieren der Schiebefenster musste ich bohren. Im Geschäft verkaufte man uns nicht die ausgesuchten billig Bohrer aus China. Der Chef erklärte der Verkäuferin:
„Siehst du den Farang im Auto? Der will bessere Qualität, wenn er Stahl bohrt.“
Ich grinste, denn die Bohrer waren für die Aluminium-Fenster bestimmt. Man verkaufte uns Ware aus USA. Zu Hause bohrte ich dann in reinen Kunststoff. Die Arbeit war leichter als das Schneiden von Import-Butter. In die Löcher setzte ich Stahlpfropfen als Fensterstopper. Sie sollen bei Abwesenheiten einige Fenster gesichert offen halten.

Dick stach die zahlreichen Farbbeulen am Haus auf und entfernte die Farbschichten sorgfältig. Danach grundierte sie die Flächen mehrmals mit einem Pinsel.
Der grösste Brocken steht uns noch bevor. Das zweite einbetonierte WC müsste ersetzt werden. Ausgerechnet im Esszimmer stinkt es zeitweise appetitkillend nach Pisse. Ich könnte mir damit ein Denkmal setzen und den Stinker einfach stehen lassen. Thais bemerken solche Düfte nicht. Sie speisen landesweit unbeeindruckt an Abwasserkanälen und neben Abfallhaufen. Gerümpel und Abfälle gehören oft zum unentbehrlichen Hausrat.

Unser Glastisch ist klein und zudem eine unwillkommene Lärmquelle. Demnächst soll er durch ein Holztischblatt mit Chromstahlsäulen ersetzt werden. Noch kontrollieren die Uniformierten den Holzhandel in Satun nur beschränkt.
Mit meinen Händen kann ich nur wenig zum Gelingen beitragen. Die Frage ist, ob mir die Zeit geschenkt wird, die Vollendung zu erleben.
Keiner kennt die Dauer seiner Zukunft. Sind es drei Minuten oder drei Monate? Nur die Wahrsager in den Tempeln wissen alles.