Reis – die Verarbeitung

Nach dem Schnitt des Reises wird er gedroschen. Die Deckspelzen bleiben am Reiskorn. Die Körner werden auf einen Wassergehalt von 14 bis 16 Prozent getrocknet. Dieses Zwischenprodukt wird Roh-Reis oder Paddy genannt.

In Reismühlen werden die Spelzen entfernt. Sie machen einen Fünftel des ursprünglichen Gewichts aus. Die eigentliche Reisfrucht besteht aus Mehlkörper, Keimling und umgebendem Silberhäutchen. Dieser Reis wird geschälter Reis, brauner Reis oder auch Cargo-Reis genannt, weil der Reis meist in dieser Form exportiert wird. Als Natur- oder Vollkorn-Reis kommt er teilweise zum Verbrauch in den Handel.

Durch Schleifen werden die Silberhäutchen vom Korn entfernt. Das Produkt wird danach geschliffener oder weisser Reis bezeichnet. Er ist haltbarer als der fetthaltigere geschälte Reis, verlor aber leider den größten Teil der Mineralstoffe und Vitamine.
Der nach dem Schleifen rauhe, viel Stärke abgebende, klebrig kochende Reis wird durch Polieren geglättet. Dies geschieht trocken – oder mit Wasser – durch Reibung der Reiskörner aneinander. Das Ergebnis ist polierter Reis.

Um Vitamin- und Mineralstoffverluste zu verhindern, wird Roh-Reis zunächst kurz in Wasser eingeweicht und anschliessend mit Heissdampf behandelt, wodurch die sich lösenden Inhaltsstoffe nach innen in den Mehlkörper diffundieren.
Nach dem Trocknen wird der Reis bis zum Polieren weiterverarbeitet. Im so hergestellten Parboiled-Reis, von partially boiled, teilgegartem Reis, bleiben etwa 80 Prozent der Vitamine und Mineralstoffe des gewöhnlichen geschälten Reises erhalten. Schnellkochender Reis ist vorgekochter und wieder getrockneter Reis.

Bei der Lagerung kann der Reis von Reiskäfern, Sitophilus oryzae, befallen werden. Sie gehören zur Familie der Rüsselkäfer. Die Larven der Käfer wachsen in den Reiskörnern heran und fressen sie von innen auf. Die Käfer vermehren sich ebenfalls im verpackten Reis weiter.
Bei Rüsselkäferbefall befinden sich nicht nur die ausgewachsenen Käfer im Reis. Es gibt Reiskörner mit punktförmigen Frassspuren und von innen ausgehöhlte Körner. Dadurch wird der Befall mit anderen Schädlingen und Mikroben möglich. In Japan wird empfohlen, befallenen Reis aus hygienischen Gründen zu vernichten. fastfood
Anbaugebiete

China, Indien und weitere Länder Südostasiens – sind die Hauptanbaugebiete für Reis. Bedeutende Reisproduzenten arbeiten in den USA und in Norditalien (Poebene).
Im Nordosten des Piemont in den Provinzen Biella und Vercelli, mit geschützten Ursprungsbezeichnungen, gedeiht der „Riso di Barraggia Biellese e Vercellese“.

Reis wird ebenfalls im Maggia-Delta und in der Magadinoebene, Locarno und Umgebung, in der Schweiz angebaut. Dieser Trockenreis ist der am nördlichsten wachsende Reis der Welt. Wann wird die Schweiz neben Uhren Reis nach Thailand exportieren?
Weitere europäische Reiserzeuger sind Portugal, Spanien und Frankreich.

Einige wenige Reissorten – weltweit gibt es über 100.000 !

Arborio ist eine Sorte, die vor allem in der Po-Ebene Italiens angebaut wird. Sie zeichnet sich durch ein kurzes, gedrungenes, ovales Korn aus. Sie wird vorzugsweise in Risotto verwendet.

Basmati bedeutet auf Hindi „Duft“. Es handelt sich um einen besonders aromatischen, langkörnigen Reis. Er stammt ursprünglich aus Afghanistan. Er wird am Fuss des Himalaya angebaut und ist die typische Begleitung zu einer Vielzahl von orientalischen Gerichten.
Von den vermarkteten Basmati-Sorten sind lediglich 15 von den indischen und pakistanischen Behörden nach dem Code of Practice on Basmati zugelassen. Sie dürften maximal 7 Prozent Fremdreis enthalten. Die Basmati-Körner müssen mindestens 6,5 Millimeter lang sein.

Der Jasmin-Reis, Duftreis oder Siam-Reis, ist eine ausgezeichnete Qualität. Jasmin-Reis wird hauptsächlich im Norden Thailands, in Laos, Vietnam und Italien angepflanzt. Man nennt ihn Duftreis, weil er beim Kochen angenehm nach Jasmin riecht, und im Gegensatz zu vielen anderen Sorten, durch spezielle Anbaumethoden ein wenig Eigengeschmack hat. Beim Reis aus Thailand ist die Golden – beziehungsweise die AAA-Qualität – die beste und teuerste. Der Bruchreis mit beschädigten Körnern, d.h. gebrochener Reis, ist eine preisgünstigere, schlechtere Qualität.

Durch Kenntnisse über Reis, Anbaugebiete und Sorten, wird die Auswahl nicht einfacher. Wir hatten schlecht lagerbaren, verkäferten Reis aus eigenem Anbau.
Bereits beim Kochen kann man dem Reis persönliche Noten geben. Anstelle von Salz verwenden wir manchmal Bouillon. Eine gehackte Tomate, gelbes Kurkuma-Pulver, Gewürznelken, oder zerkleinertes Grünzeug bringen neue Geschmacksrichtungen und frische Farben ins Gericht.
Am Schluss des Kochvorgangs verzaubern ein Stücklein Butter, vielleicht ein Spritzer Weisswein oder Reiswein wie Shao Xing die Speise. Sie machen damit aus einem einfachen Reis ein Gourmet-Essen.

Die wenigsten Thais können Reis in einem üblichen Kochtopf zubereiten. Sie alle besitzen Reiskocher oder kaufen gekochten Reis in Beuteln an den belebten Strassen. Die Aromen sind Diesel, Moped oder Tuk-tuk.

Mehr Reis-Geschichten

Meine Oberarme und Hände sind wieder schmerzhaft, die Finger unstabil. Deshalb kopierte ich erneut aus der alten Beschreibung. Ich korrigierte und ergänzte.

Reis hat zwei Wildformen: Oryza rufipogon, einjähriger, klassischer Wildreis und mehrjährigen Oryza nivara . Beide lassen sich untereinander und mit domestiziertem Reis kreuzen.
Die nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung wichtigsten Unterarten von Oryza sativa sind:
Oryza sativa ssp. indica, Langkornreis wie Patna-Reis, Basmati-Reis
Oryza sativa ssp. japonica, Langkornreis, auch Klebreis sowie Risotto-Reis
Oryza sativa ssp. javanica, Mittelkornreis
Oryza sativa var. glutinosa wird in China oder Thailand angebaut.

Die Kulturreispflanze bildet bis zu 30 Halme aus. Sie werden 50 bis 160 cm hoch und tragen schmale überhängende Rispen. An ihnen sitzen 80 bis 100 einblütige Ährchen. Eine Pflanze erzeugt bis zu 3000 Früchte.
Ein Kilogramm Reis hat je nach Korngrösse etwa 30 000 bis 60 000 Körner.
Die Frucht besteht wie bei andern Getreidearten aus Keimling, Mehlkörper, Aleuron- oder Wabenschicht, Samenschale und Fruchtwand. Beim Reis werden die drei letzteren Silberhäutchen genannt.

Wild gewachsener Reis wurde in Höhlen von Yuchan und in Xianrendong im Jangtse-Tal gefunden. Wilder Reis wurde vermutlich vor 8000 Jahren gesammelt.
Vermutlich domestizierter Reis wurde bereits in der Lijiacun-Kultur am Gelben Fluss, 7000–6000 v. Chr., in Hunan in der Yuchanyan-Kultur, 9000–8000 v. Chr., genutzt.
Seit 400 v. Chr. wird Reis in Mesopotamien angebaut. Bereits die Römer kannten Reis. Vermutlich wurde er aus Ägypten importiert. Die Mauren brachten Reis nach Europa. Mit den Türken gelangte der Reis in den Balkan. Australien erreichte der Reis im 19. Jahrhundert
Reis wird seit dem späten 17. Jahrhundert in Nordamerika gepflanzt. Sklavenarbeit ermöglichte den grossflächigen Anbau trotz Gelbfieber und Malaria. Reis wird seither in einigen traditionellen amerikanischen Reis-Gerichten, Cajun- und Kreolen-Küche, wie rote Bohnen mit Reis, Jambalaya und Gumbo, zubereitet. (1)

Achtzig Prozent der Weltreisernten werden im Nassreisanbau erzeugt. Pro Kilogramm Reis werden einige Kubikmeter fliessendes Wasser benötigt. Fliesst das Wasser zu schnell, werden Bodenbestandteile und Nährstoffe abgeschwemmt. Fliesst es zu träge, bilden sich Algen.
Im Tiefland kann Nassreisanbau mit Bewässerung über Brunnen zu sinkendem Grundwasserspiegel führen. Die chinesische Regierung verbot rund um Peking den Reisanbau, weil sich der Grundwasserspiegel bis zu drei Metern senkte.

In Indonesien und Malaysia ist der wachsende Reis Padi, der gedroschene Reis Gabah, der geschälte Reis heißt Beras, der gekochte Reis heißt Nasi. Gebratener Reis ist Nasi Goreng.
Das Verrichten der Notdurft hiess ganz vornehm: „Ich habe Reis von mir gegeben.“

Nassreisanbau ist sehr arbeitsintensiv, ermöglicht aber sehr viel höhere Erträge als das Streusaatverfahren. Die Arbeitsgänge sind:
Die Aussaat in ein relativ trockenes Pflanzfeld. Es zeigt sich, dass der Reis keine echte Wasserpflanze ist. Direkt ins Wasser gesät, keimt er kaum.
Die Durchmischung des Bodens auf dem Reisfeld mit Wasser, meist mit Pflügen hinter Motoren oder Wasserbüffeln.
Das Umsetzen der Setzlinge vom Pflanzfeld in das Reisfeld per Hand. Seltener mit Setzmaschinen.
Die Bewässerung der Felder während der Wachstums- und Reifezeit. Probleme entstehen, wenn der Wasserspiegel während der Regenzeit zu stark ansteigt – oder wenn der Monsunregen zu gering ausfällt.

In den Bewässerungsgräben der Reisfelder gediehen in einigen Regionen Kleinfische und Krustentiere. Sie waren oft die einzige Proteinquelle der Bauern.
Durch Pestizideinsatz wurden diese Lebewesen leider weitgehend ausgerottet.
Nach etwa vier bis sechs Monaten werden die Felder trockengelegt. Die Ernte erfolgte mit Hand-Sicheln oder Sichelringen,
Die Bündelung der Pflanzen und Abtransport oder Dreschen vor Ort.
Das Stroh wird leider meist auf den Feldern verbrannt. Das führt in der Region Chiang Mai zu intensiver Luftverschmutzung mit Ascheregen.reis phonphat
Reis-dreschen am Dorfrand von Phonphat, 2002

Man berechnete vor einigen Jahren, dass der Nassreisanbau 17 Prozent des Methans in der Erdatmosphäre erzeugt. Das sind jährlich etwa 60 Millionen Tonnen. Dies entspricht ungefähr dem Wert von etwa 300 Millionen Tonnen Kohlenstoff, beziehungsweise 1,1 Milliarden Tonnen CO2.
Methan ist nach CO2 das wichtigste anthropogene Treibhausgas. Durch die Wässerung des Bodens entsteht ein fast sauerstofffreier Lebensraum für anaerobe Archaea, das sind Methanbildner. Die Methanerzeugung lässt sich etwas reduzieren, sofern man die Böden austrocknen lässt.

(1) Jambalaya: https://www.youtube.com/watch?v=-4o86juvMEE

Schweine und Weine

Chiang Mai hat einige Vor- und Nachteile. Anfänglich litten wir unter der ungewohnten Hitze. Gegenwärtig huste ich täglich. Die Luftverschmutzung ist reizend, um das ungelöste Umweltproblem poetisch zu formulieren. Steckt die brandstiftenden Schurken und Wild-Frevler endlich hinter Gitter! In Nan sind 28 Prozent der Wälder durch Feuer vernichtet. Der Rest soll angeblich nicht kräftig genug sein, um Dürren, Überschwemmungen oder auch Erdrutschen entgegenwirken zu können. (1) Die Luft wird zusätzlich durch nicht gewartete Diesel-Motoren belastet.

In Satun gibt es Salami von TGM aus Bangkok. Eine Wurst wiegt auf das Gramm genau ein Kilogramm und wird angepriesen als „ Deutsches Original Rezept“. Verluste beim Reifen sind in Bangkok offenbar kalkulierbar. Vielleicht verzichtet man ganz einfach darauf. Das senkt die Produktionskosten wesentlich. Wein oder Pfefferkörner finden als exotische Zutaten kaum Verwendung. Meine Leibspeise ist diese Wurst bestimmt nicht. Es fällt mir leicht, darauf zu verzichten.

Käse in Satun stammt hauptsächlich aus Fabriken in Australien, Dänemark, und Neuseeland. Diese Länder produzieren sogar Emmentaler. (Gefälschter?) Parmesan wird aus Amerika nach Satun importiert. (2)
Anders ist die Versorgung in Chiang Mai. Hier gibt es aus Italien importierte Leckereien. Dazu gehören Käse, Schinken und Speck aus Parma, Käse aus Ziegen- und Schafsmilch und Gorgonzola.
Schinken und Würste gibt es ebenfalls aus Spanien und Deutschland. Verglichen mit den halal Angeboten des Südens herrscht hier eine riesige Schweinerei.

Hie und da findet man einen echten Wein – nicht das billige, gepanschte thailändische Kopfwehzeugs, bestehend aus importiertem Traubensaftkonzentrat, Alkohol und hauptsächlich Wasser.
Sauber gefälschte Produkte, zumindest die Etiketten sehen täuschend echt aus, stammen aus China.

Zur Charcuterie und dem Wein gibt es Brot aus einem breiten Angebot. Trotzdem vermisse ich unsere eigenen Kreationen mit dem feinen Hefearoma. (3) Beigaben von Milch und Butter ersetzen Wasser und Margarine.

Der Koriander des Nordens duftet. Im Süden ist es bloss grünes Kraut. Dafür stinken die Hühner-Eier in Satun nicht nach Fisch, wie hier.
Gestern fand Dick in einem Dorf an den Hügeln Früchte. Sie sehen aus wie Aprikosen, schmecken jedoch wie Pfirsich.
Grossartig hier ist der Garten mit der Vielfalt an Bäumen. Da sollten wir bei der Abreise einige Quadratmeter, oder sind es Kubikmeter, einpacken. Garten CNX

(1) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/74508
(2) http://www.forbes.com/sites/larryolmsted/2012/11/19/the-dark-side-of-parmesan-cheese-what-you-dont-know-might-hurt-you/#220089b271be
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Aufschnitt

Die schleichende Zeit

Geld kann man horten. Zeit nicht. Sie ist das einzige Guthaben, von dem wir nicht wissen, wie viel wir davon haben. Findigen Finanzgenies gelang es, Funktionen des Kapitals mit Zeit zu vereinen.
Gregor von Rezzori schrieb in seinen „Maghrebinischen Geschichten“ über einen jungen Mann, der seinen Onkel um etwas Geld und einige Frist bat. Der Onkel sagte trocken:
„Geld kann ich dir nicht geben. Frist kannst du haben, so viel du willst.“ (1) Möglicherweise lieh sich von Rezzori die Geschichte von Hodscha Nasreddin aus. (2)

Es gibt Menschen, die Luxusuhren sammeln. Mit der Zeit häufen sich dann die Zeitmesser an, ohne dass Zeit geschaffen wird. Diese Sammler benötigen Vertrauenspersonal, das ihre Schätze betreut, bewegt, aufzieht. Bei Erzeugnissen aus dem Schwarzwald wird der Kuckuck gefüttert und der Mist weggekarrt.
Bereits Buddha sagte: Eigentum schafft Abhängigkeit!
In den USA versuchen belesene, allwissende Leute die Zeit zu überlisten, indem sie sich einfrieren lassen, möglichst in flüssigem Stickstoff bei minus 195.8 Grad, mindestens für hundert Jahre.

Die Gelegenheit schien günstig, für ein Zeit-Experiment in Satun. Ein Gross-Markt bot Wanduhren aus China für umgerechnet einen Franken pro Stück an. Wie viel darf so ein Teil in der Herstellung kosten – Material und Arbeit – wenn man Verpackung, Transport und Gewinn des Verkäufers einbezieht?
Wir kauften einen roten Zeitmesser für die Küche, denn Kochzeiten sind für mich wichtig. Dick ist weniger pingelig als der alpenländische Farang. Ihr drei Minuten Ei kocht je nach Laune fünfzehn Minuten. Der Reis wird bereits nach fünf Minuten aufgetischt, ideal als Semi-Rohkost. Dafür klebt das Beef-Steak nach zwanzig Minuten in der heissen Pfanne. Die Teflon-Beschichtung haftet am Fleisch. Solche Zubereitungsarten fördern die Kaumuskulatur, jedoch kaum das Verständnis für sensible Kochkunst.

Die Quarz-Uhr läuft anstandslos. Wir kauften eine blaue Wanduhr fürs Badezimmer um wichtige Sitzungen genau bestimmen zu können. Im Wohnzimmer steckte wenig dekorativ eine nutzlose Schraube sinnlos mitten in einer Wand. Diese Schraube sollte nun eine Uhr gegen die immerwährende Schwerkraft festhalten und sich selbst dahinter verstecken. Nach einer Woche lieferte der Antrieb keine Impulse mehr. War es die Schwerkraft oder eine andere Erfindung aus England?
Die Zeiger steckten fest. Batteriewechsel halfen nicht. Mein Multimeter bestätigte, das elektronische Wunderwerk mit digitalem Teiler war unrettbar defekt. Anstatt einen Uhrmacher im Städtchen zu beglücken, schmiss ich den teuren Wecker, eine Woche einen Franken – das ergibt im Jahr zweiundfünfzig Franken – in den Kehricht.
Die Uhr im Badezimmer hatte ebenfalls Probleme. Innerhalb von drei Monaten zeigte sie bloss zweimal die richtige Zeit an, weil sie extrem langsam war.
Die Schwarzwälder-Uhren meiner Grosseltern entsprachen Chronometern, verglichen mit dem Chinaschrott. Nun steht auch sie, obwohl sie hängt.
Jedoch zweimal pro Tag zeigt sie die richtige Zeit an. Sie ist komischerweise wesentlich genauer, als zuvor, als sie noch werkelte. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, soll ich das Ding hängen lassen, wegschmeissen, oder doch zu einem Uhrmacher bringen.
Aber – trotz meines eigenen defekten Gehwerks, überlebte ich in drei Monaten zwei Uhren. Balifractsnow
Der neue, zeitlose Schraubenverberger des Wohnzimmers

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_von_Rezzori
(2) http://www.forgottenbooks.com/readbook_text/Der_Hodscha_Nasreddin_1100008989/169

Schenkt mir die Zukunft ein Denkmal

Ein kurzer, zu früher Kälteeinbruch Ende September lähmte mich in Chiang Mai. Im Oktober brachen wir Richtung Süden in eine ungewisse Zukunft auf. Wir wussten bloss, wir würden kaum weiter im gemieteten Haus verweilen. Die gesundheitlichen Bedenken überwogen.
Auf Anhieb fand Dick ein angenehmes Haus. Erstmals seit fast zwei Jahren wurden meine Handgelenke schmerzfrei. Ich konnte wieder, ohne Hilfe und ohne den Hintern aufzureissen, das WC benutzen und duschen.. Die Freude währte nicht lange. Eines Nachts verlor ich Empfindungen und Kontrolle der Hände, nicht komplett, aber beängstigend. Ich erhole mich langsam oder gewöhne mich daran.
Die nächtlichen Temperaturen sanken im Januar in HangDong auf 12 °C. In Satun dagegen hatten wir heisses Wetter, denn angesagter Regen blieb oft aus. Strenge Nordwinde bliesen die Wolken aus der Andamanensee nach Süden.

Die Tastaturen von PCs und Laptops spielten mit mir. Schreiben und lesen waren an mehreren Tagen unmöglich. Die unkontrollierbaren Finger wechselten mühsam geöffnete Seiten nach Belieben. Meine eigenen Hände verschaukelten und vergaukelten mich. Ich wusste:
„Erkläre den Lesern, das Ende der Geschichten aus Hinterindien ist möglicherweise nahe.“

Ich weiss, es gibt Spracheingabe.
Der PC versteht meine feuchte Aussprache nicht besonders gut. Ich müsste das Gerät dauernd trocknen oder mit Windeln schützen. Es ist lärmig. Hunde bellen. Hühner gackern. Hähne krähen. Mopeds röhren. Waschmaschinen der Nachbarn dudeln vierundzwanzig Stunden am Tag. Die Lautsprecher arbeiten noch, wenn der Wassertank bereits lange leer ist. Die Warnsignale finden keine Beachtung. Lautsprecherwagen werben fahrend. Akustische Umweltverschmutzung ist gestattet. Dicks Smartphone produziert Geräusche.
Das schlimmste, ich fluche laut. Ich verfluche die Schmerzen, meine Ungeschicklichkeit. Der PC versteht meine Sätze nicht, nur Flüche, dafür in fast sämtlichen Sprachen.

Dank eines Fernsehers mit Zugang zum Internet, wird es mir nicht langweilig, wenn die PCs unbenutzt herumstehen. Wir sehen uns Filme an und hören Musik über YouTube. image

Das Haus fordert uns täglich. Ich entwickelte Moskitogitter für die ausstellbaren Fenster. Eine kleine Firma in der Nähe baut die gesuchten Einheiten mit Magnetschliessern. Die jungen Leute haben einen zusätzlichen Lebenserwerb. BrückeWZ

Am Eingang von der Veranda her bauten wir eine Brücke als Schutz vor Rollstuhl-Rädern für die Profile der gleitenden Kunststoff-Türen. Die sogenannten Aluminium-Fenster – schlecht imitiertes, nicht deutsches, nicht patentiertes Qualitätsprodukt – entpuppten sich als Kunststoff-Attrappen.
Zum Blockieren der Schiebefenster musste ich bohren. Im Geschäft verkaufte man uns nicht die ausgesuchten billig Bohrer aus China. Der Chef erklärte der Verkäuferin:
„Siehst du den Farang im Auto? Der will bessere Qualität, wenn er Stahl bohrt.“
Ich grinste, denn die Bohrer waren für die Aluminium-Fenster bestimmt. Man verkaufte uns Ware aus USA. Zu Hause bohrte ich dann in reinen Kunststoff. Die Arbeit war leichter als das Schneiden von Import-Butter. In die Löcher setzte ich Stahlpfropfen als Fensterstopper. Sie sollen bei Abwesenheiten einige Fenster gesichert offen halten.

Dick stach die zahlreichen Farbbeulen am Haus auf und entfernte die Farbschichten sorgfältig. Danach grundierte sie die Flächen mehrmals mit einem Pinsel.
Der grösste Brocken steht uns noch bevor. Das zweite einbetonierte WC müsste ersetzt werden. Ausgerechnet im Esszimmer stinkt es zeitweise appetitkillend nach Pisse. Ich könnte mir damit ein Denkmal setzen und den Stinker einfach stehen lassen. Thais bemerken solche Düfte nicht. Sie speisen landesweit unbeeindruckt an Abwasserkanälen und neben Abfallhaufen. Gerümpel und Abfälle gehören oft zum unentbehrlichen Hausrat.

Unser Glastisch ist klein und zudem eine unwillkommene Lärmquelle. Demnächst soll er durch ein Holztischblatt mit Chromstahlsäulen ersetzt werden. Noch kontrollieren die Uniformierten den Holzhandel in Satun nur beschränkt.
Mit meinen Händen kann ich nur wenig zum Gelingen beitragen. Die Frage ist, ob mir die Zeit geschenkt wird, die Vollendung zu erleben.
Keiner kennt die Dauer seiner Zukunft. Sind es drei Minuten oder drei Monate? Nur die Wahrsager in den Tempeln wissen alles.

Low als Glücksbringer

Nicht nur Glück, sondern vor allem Devisen, bringen zahllose Gäste aus dem riesigen Reich der Mitte in die Länder Hinterindiens. Wahrscheinlich durch Auswirkungen der Kulturrevolution sind diese Menschen noch nicht total auf zeitgemässe Formen der Darmentleerung getrimmt, obwohl im alten China die Hygienemassnahmen weitaus fortschrittlicher waren, als damals in Palästen und Siedlungen im europäischen Raum. Privatsphäre beim Verrichten natürlicher Ausscheidungen gab es im aufstrebenden China trotz rotem Büchlein kaum. Kackenderweise unterhielt man sich während den Sitzungen ungeniert mit den Partei-Genossen über die Ratschläge des grossen Vorsitzenden. In den kahlen Räumlichkeiten fehlte jeglicher Komfort. Im alten Rom dienten Vorsitzende als Vorwärmer kalter Sitzgelegenheiten.

Im modernen China verdient man plötzlich Geld. Es erlaubt, kurzzeitig aus dem Mief trister Wohnblöcke auszubrechen. Vielfach war es üblich, dass es pro Stockwerk bloss eine bescheidene Einrichtung zur Verrichtung der Notdurft gab. Daher fehlte die Kenntnis, wie man geflieste Toilettenanlagen mit komischen, keramischen Sitzgelegenheiten, viel Chrom, Papierrollen, Waschbecken aus Porzellan, an den Wänden glänzende Spiegel und glitzerndes Glas, benutzen sollte. Auf einem Klo stehend, konnte man fernere Ziele anvisieren, als aus Bodenhaltung. Die Ecken der Toiletten wurden von rechtwinkligen Architekten nicht als Deponien für Toblerone oder andere bräunliche Gegenstände gestaltet. Diese Ecken boten dennoch ungeahnte Privatsphären, denn in die geschlossenen Kabinen getraute man sich nicht. Missbräuche von Hinterindiens Toiletten wurden zum Politikum.

Im weissen Tempel von Chiang Rai sperrte man den Eintritt und die Benutzung der Sanitäranlagen kurzzeitig für Besucher aus China. (1) Nun sollen spezielle Entsorgungs-Einrichtungen für die willkommenen Devisenlieferanten erstellt werden. Die Flughäfen Bangkoks und von Chiang Mai meldeten pikante Vorkommnisse. Barbusige Damen wuschen ihre Unterwäsche in den Waschräumen und trockneten die delikaten Bekleidungsstücke auf Sitzen der Aufenthaltshallen. Die Herren benahmen sich meist pflegefreundlicher. Sie wuschen bloss verschwitzte Füsse im Klo oder als gekonnte kunstturnerische Akrobatikeinlagen im Lavabo. Neben den fiskalischen, ähh – den fäkalischen Problemen entstanden neue, technische Engpässe. Die chinesischen Freunde erwerben im Ausland in ihrer Heimat produzierte Smartphones. Es gibt nur ein Produkt für sie: Birne. Mit dem vereinigten Birnenkomp(l)ott blockieren sie als imposante Menge sämtliche Internetzugänge. Drei Tage lang versuchte ich erfolglos, eine Verbindung zu erhaschen. Eine freundliche Dame an der Rezeption sagte anlässlich meiner Frage nach Zugangs-Schlüssel und Passwort unaufgefordert zu mir: „Bringen sie ihren Laptop. Ich habe einen schnellen Kabelanschluss!“

In unserer favorisierten Bar auf Langkawi erhielten wir den Code des privaten Anschlusses. Wieso? Der Abteilungsleiter für Essen und Getränke (neudeutsch: F&B Manager) träumte von mir. Er kaufte ein Los mit unserer ehemaligen Zimmernummer und kassierte zweihundertfünfzig Ringgit. Welche meiner intimen Daten in Chiang Mai verwendet wurden, weiss ich nicht. Aber unser Holzkunstwerker, der geniale Wurzelschnitzer mit polizeilich verordneter Bedenkzeit im Kerker, gewann nach einem Traum über mich, hoffentlich wurde er von Albträumen verschont, dreissigtausend Baht. Man darf sich ruhig fragen, ob Glück gleichbedeutend mit Geld ist. Im Land der buddhistisch angehauchten, zur Zeit freilandgeräucherten Bahtisten bestimmt. (a)

(1) https://hinterindien.com/2013/02/15/chiang-rai-schwarz-und-weiss-bunte-ansichten/ (a) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/61918

(a) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/61921

Technik stellt Regeln ins Abseits

Mein Grossvater hatte vor sechzig Jahren eine Kamera, ein optisches Wunderwerk.
Der Hinterteil entsprach ungefähr einem dicken, aufgedunsenem sechs Zoll Smartphone. Vorne war ein langer Faltenbalg, wie bei einer eine Ziehharmonika. Daran war eine Qualitätsoptik mit Compur-Zentralverschluss montiert. (1) Der Name hatte nichts mit Computer zu tun, sondern setzte sich aus den Begriffen Compound und Uhr zusammen.
Die Möglichkeit der Selfies von heute war bereits damals gegeben. Eine mechanische
Zeitverzögerung, ein kleines Uhrwerk, löste Aufnahmen verzögert aus. Einstellen, in den Aufnahmebereich hüpfen, lächeln und das Selfie mit Familie stand.
Heutige Smartphoneselfieenthusiasten laufen mit ein- bis zweimeterlangen Teleskopstangen um den Globus, um sich in jeder Gegend selbst zu beweisen, was man bequem mit Software wie Photoshop vom Schreibtisch aus erledigen könnte. Die lange Stangen-Hardware ist an sich sinnlos. Die meisten Smartphones haben einen elektronischen Selbstauslöser eingebaut. Als Stativ könnten Tische, Stühle, Mauern und leere Bier- oder Spirituosenflaschen dienen. Wer aus religiösen Gründen oder wegen Allergien weder Bier- noch anderes Glas berühren darf, könnte Aluminiumdosen, tote Katzen oder Steinbrocken verwenden. Die Steinbrocken sollten aus persönlichen Sicherheitsgründen nicht von antiken sakralen Bauwerken stammen.

Für meine ersten Reisen in den Osten oder nach Nordafrika erhielt ich Warnungen. Im Islam gilt ein Bilderverbot. Bedingt durch das islamische Bilderverbot entwickelte sich im vorderen Orient unter spätantikem Einfluss eine für die islamische Kunst typische, flächig stilisierte Ranke aus sich gabelnden Blättern, Arabesken oder Mauresken genannt. (2,3) Arabesken unterscheiden sich von Mauresken, von denen sie nicht immer eindeutig auseinandergehalten werden können, durch größere Naturnähe und geringeren Abstraktionsgrad. Sie füllen in schwingender Bewegung Felder gleichmäßig. Eindrucksvolle Arabesken fand ich in den Sälen der Alhambra in Granada.
Viele Menschen fürchten sich noch heute vor Fotografen. Sie denken, sie verlieren ein Stück Seele, sofern ein Bild geknipst würde. Steinwürfe waren und sind üblich, sofern Fremde mit Kameras hantieren. Compur- oder Schlitzverschluss unterscheiden die sich sträubenden Opfer nicht. In Afrika lernte ich, dass viele Menschen Abbildungen, wie Fotos, nicht erkannten. Einfache Strichzeichnungen dagegen identifizierten sie.

Wenn strenggläubige Menschen neuzeitliche Technik erwerben, dringen plötzlich Teufel in eine an sich abgeschirmte, heile Welt. In Smartphones sind bösartige Kameras eingebaut. Kopftuchtragende, tiefverhüllte Damen knipsen gedankenlos Bilder der Familien im Urlaub. Nicht nur das. Auch im intimen Rahmen der Familien wird eifrig fotografiert. Drei- oder vierjährige Knirpse bedienen diese amerikanischen Höllenmaschinen “Made in China“. Sofern sie bloss knipsen, ist bis morgens um sechs die Welt in Ordnung. Wenn diese Kinder dann in der Öffentlichkeit Bildchen anschauen, die das hochgeheime Liebesleben im häuslichen Harem zeigen, erblassen und erröten sogar abgebrühte, schielend zuschauende Pfadfinder. So mancher Schuss mit diesen Spielzeugen ist unbeabsichtigt und ging total daneben, wie das Beispiel zeigt.Daneben

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Compur-Verschluss
(1) http://www.kl-riess.dk/compur.html
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderverbot_im_Islam
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Arabeske

Langkawi

Am 5. Oktober, kurz nach vier Uhr, landete die Maschine auf dem Langkawi International Airport. Aus der Höhe zeigte sich recht eindrücklich die majestätisch gelegene Hauptinsel, umgeben von einem Kranz Inselchen im blaugrünen Wasser der Andamanensee. Fingerdocks, Airbridges, gibt es noch nicht. Die Passagiere durften gesundheitsfördernde, altmodische Treppen benutzen. Per Taxi gelangte ich ins bestgeführte Hotel der Stadt Kuah. Die Einwohner der Stadt leben beinahe stressfrei. Sie liessen sich durch die lautstarken Rufe der Muezzin zu Gebeten beim Essen kaum stören. Die Menschen sind aussergewöhnlich freundlich und hilfsbereit.
Die Beamten der Insel zählten ungefähr sechzigtausend Einwohner. Den höchsten Anteil stellen Bumiputras, eingeborene Malaien. Daneben gibt es alteingesessene Bewohner aus China und Thailand. Das Gastgewerbe beschäftigt vorwiegend Angestellte aus den Nachbarländern, sowie Indien und Nepal.
Nach wenigen Nächten fand ich eine neue Unterkunft in der Nähe des ersten Hotels. Das komfortable Haus mit Bar, Zigarren und Wein war leider ausgebucht. Die neue Herberge mit arabischer halal Küche, behagte nur teilweise. Mir fehlten zum gegrillten Hummer mit Kardamom, sündige Flüssigkeiten wie Arak.
Nach einer Woche in der Stadt wünschte ich dann, von Meeresbrisen erfrischt zu werden. Einen knappen Kilometer von den bisherigen Standorten entfernt, immer noch auf Stadtgebiet, fand ich ein Zimmer. Zahlreiche Makanan Laut, Seegetier-Anbieter, Arak-, Schnaps- und Weinhändler, Wäschereien und Kedai Rambut, Institute für Haar und Körperpflege, liessen die Umgebung eines fast idealen, leider schlecht gepflegten Hotels sympathisch wirken.
Zwei Tage später traf Dick von Chiang Mai ein. Ich war froh. Sie half mir beim Bewältigen der Auswirkungen des starken Dünnpfiffs, der mich – wie ich es befürchtete – nach dem Genuss eines Sandwichs aus der Monsterküche, traf. (1)
Am Freitag ergriffen wir planmässig die Flucht in die Gegend von Pantai Cenang, einem berühmt berüchtigten Strand. Wir logierten in einem aussergewöhnlichen Hotel, weg von Strand und Sand, in Temoyong. Die Garten-Anlage mit mehreren zusammenhängenden Schwimmbecken, Rutschbahnen und beeindruckenden Wasserfällen, lag am Fusse eines von Dschungel bewachsenen, von Affen bewohnten, Hügels.
Preisgünstigere Unterkünfte in Strandnähe bieten teilweise wunderbare Aussicht, jedoch ausser beissendem weissem Sand in den Leintüchern, wenig Komfort.
Wir alten Knacker ziehen Behaglichkeit ud Ausicht bei kühlen, mit Eis und Frostschutz versetzen Getränken, vor. Verglichen mit dem hohen Standard auf Sabah, sind die Hotels eher unterdurchschnittlich eingerichtet. Es gibt wenige, teilweise abgelegene, teure Luxus-Resorts. Die landschaftlichen Schönheiten, die Unberührtheit der Natur im Innern der Insel beeindrucken. Palmölindustrie und überbordernder Massentourismus fassten noch nicht Fuss.

(1) http://wp.me/p2ljyL-1yY
Einige Bilder vermitteln Eindrücke aus Kuah. 1153 segler
1117 Schuhe
1135 Stadteil Kuah
1072 Rad
1079 Meer Inseln
1120 Bike
1142 BVtowers
1124
Köchinnen Kuah
1138 Kuah

Marktfrische Früchte aus Singapur 2

Angenehmer schmecken die Anonen-Arten, die aber in Singapore noch nicht die verdiente Verbreitung gefunden haben. (Cherimoya, Custard Apple, Th: Noi Naa, D: Zimtapfel – Low)cherimoya
Der Lei-tschi der Chinesen (Nephelium lichi), der in Siam so gut fortkommt, scheint in Singapore nicht zu gedeihen; der Rambutan, eine ihm verwandte Nephelium-Art (N. lappaceum?), ist häufig und kommt ihm im Geschmack sehr nahe. Die fleischige Hülle haftet aber durch unzählige Fäserchen so fest am Kern, dass ihr Genuss unbequem ist.
Apfelsinen sind in zahlreichen Varietäten vorhanden, in allen Grössen, vom kleinen Kumqwat, nicht grösser als eine Walderdbeere, bis zur Pumpelmuse (Citrus decumana), die fast kopfgross wird. Letztere hat zwar einen grossen Verbreitungsbezirk, erlangt aber nur an gewissen eng begrenzten Lokalitäten ihr volles Aroma. Am besten geräth sie in Batavia und in Amoy. Sie ist lange nicht so saftreich, aber würziger, als alle andren Oranien. Der Name Pumpelmuse klingt sehr holländisch, kommt aber wahrscheinlich vom Tamil-Wort Bambalmas. Die Engländer nennen sie gewöhnlich Shaddock nach einem Schiffskapitän, der sie von Batavia nach Westindien übersiedelte. Dr. de Vry sagt in einem vor der British Assoc. in Birmingham gehaltenen Vortrage, dass die Pumpelmusen in Bandong (Java) in 2300′ Meereshöhe ungeniessbare Früchte, nicht grösser, als gewöhnliche Apfelsinen, tragen, dass er aber von einem einzigen Baum in seinem Garten 200 ℔ Blüthen (!) gepflückt habe und dass er von 1000 ℔ Blüthen 1 ℔ Neroli bester Qualität erhielt.
Als Unkraut wuchert die Guajava (Psidium pomiferum und P. pyriferum), deren den Holzbirnen und Aepfeln ähnlich aussehende Früchte die Stelle unserer Quitten vertreten, ohne ihrem Aroma gleichzukommen; sie werden fast nur eingemacht gegessen. (Farang – Low)
Eine der merkwürdigsten Früchte von allen ist der Durian (Durio zibethinus); nach Crawfurd ist er auf dasselbe kleine Gebiet beschränkt, wie der Mangustan und wächst auf hohen Bäumen, häufiger im Walde, als kultivirt, hat ziemlich die Grösse und Gestalt der Ananas, aber die pyramidalen Warzen, die seine holzige Schale bedecken, sind hart und spitz. Bei der reifen Frucht springt die Schale an vier Stellen der Länge nach bis zum Stiel auf und enthüllt eine weiche, weisslich gelbe, creme-artige Substanz, welche die Zwischenräume zwischen den nussgrossen Samenkernen ausfüllt. Sie schmeckt besser als der beste Creme, und riecht schlechter als Knoblauch. Dieser ungemein penetrante Geruch ist anfänglich Jedem zuwider, der Wohlgeschmack aber so gross, dass der ursprüngliche Widerwille sich bald in eine wahrhaft leidenschaftliche Zuneigung verwandelt. Man zahlt oft einen Dollar für das Stück, während Ananas nur einen Cent kosten, so gross ist die Nachfrage ihrer Verehrer. — Hoch bezahlt sind auch steinharte, fade Birnen und Aepfel, die der Norden von China liefert; sie sind fast ungeniessbar für neue Ankömmlinge, aber länger Ansässige, denen sie das Obst der geliebten Heimath versinnlichen, dichten ihnen in frommer Erinnerung einen Wohlgeschmack an, den sie durchaus nicht besitzen.
Die Sehnsucht nach der Heimath ist ein stehender Zug bei allen Europäern, die in diesen fernen Landen leben. Eine hübsche Sitte, die sich darauf gründet, ist der Toast: „Auf die fernen Freunde”, der zum Schluss des Mahls im besten Wein mit feierlicher Stille getrunken wird.

(t) http://www.gutenberg.org/files/44405/44405-h/44405-h.htm

Überbordende Geselligkeit

In Singapur genossen wir unbekannte Cocktails in einer Art Biergarten. Ein heftiger Wind zerrte Blätter von den Bäumen und deponierte sie gefährlich nahe der Getränke.
Neben uns sassen vergnügt vier Touristen aus Japan. Hie und da verlor einer ein unverständliches Wort. Mein Wortschatz beschränkt sich auf Sayonara, Sukiyaki und Toyota. Die restlichen Begleiter antworteten grinsend mit einem kurzen “Ha…“ und beschäftigten sich emsig weiter mit transportabler Elektronik, wie wenn die Geräte in wenigen Minuten eingesammelt und vernichtet würden.
Die Bedienung brachte vier Halbliter Weissbier. So war es wenigstens angeschrieben.
Jeder einzelne am Tisch nahm sein ureigenes Smartphone ans Auge und machte ein Bild versammelter Weiss-Biere in Singapur. Die Telefone wurden noch smarter, weil sie jetzt Bier im Speicher hatten.
Danach schluckten die Japaner etwas Flüssigkeit und versanken nicht nur in Gedanken wieder in den Untiefen des Internet.
Wir waren wahre Exoten im Restaurant, die einzigen Gäste ohne Kommunikations-Elektronik.

*

Die alten Chinesen erfanden den Kompass, das Porzellan, die Druckkunst und das Schiesspulver. Heutige kommunistische Chinesen lassen sich durch blutsaugende Kapitalisten ausbeuten und bauen für den Rest der Welt billig teure intelligente Mobiltelefone. Die Folge ist: in Kneipen und Biergärten herrscht nur noch Geflüster, es sei denn, ein Chinese kommuniziert lautstark mit dem weit entfernten China!

*

Ich machte kein Foto der Japaner. Eine eindrückliche Handy-Werbung ging von Wien aus um die Welt. In seiner Loge hielt Opern-Ball Mörtel ein Telefon am Ohr. Gleichzeitig befingerten geliehene Gespielinnen – gerissene Gunstgewerblerinnen, gelangweilt gediegene Smartphones.

(b) http://www.blick.ch/people-tv/bellers-am-ball-der-eitelkeiten-id2706508.html
bild 6/7
Die teuerste Telefonzelle der Welt: Kim Kardashian (r.) und ihre Mama Kris Jenner (l.) mit Richard Lugner. ORF