Der Ruf der Wurzeln

Root2Dezember, kühles Winterwetter in Chiang Mai. Einer von Dicks Söhnen, der talentierte Wurzelholzschnitzer, nicht zu verwechseln mit einem Schnitzelholzwurster, verreiste mit seinem Lehrer in den Süden. (1)
Sie planten, auf einem Grundstück der Familie weitere Wurzeln zu bearbeiten.  Die beiden Künstler wollten um die Farang-Neujahrs Tage zurück sein. Chinesisches- und Thai Neujahr, Songkran, sind ebenfalls feucht-fröhliche Fest- und Feiertage.

Er war ein guter Sohn und half seiner Mutter ohne lange Diskussionen. Er machte sich in Haus und Garten nützlich. Der Garten in den Tropen stellt fast täglich neue, teilweise heikle Herausforderungen. Deswegen waren wir dankbar, uns auf zwei zuverlässige und sorgfältige grüne Daumen verlassen zu können.
Trotz wenig Mitteln, die meisten Künstler haben mehr Auskommen als Einkommen, nahm er für seine Tätigkeiten von uns kein Geld an. Ein kühles Bier oder einige Zigaretten, Gudang Garam, lehnte er nicht ab. Diese indonesischen Glimmstengel missbrauche ich als Weihrauch.  Nebst einigen Tabak-krümeln enthalten sie geschrotete Gewürznelken und Zucker. Sie verströmen außerordentliche Duftnoten, und erinnern mich damit an balinesischen Tempel samt metallischen Gamelanklängen.

Für die Dokumentation seiner Arbeitsweise und der Umsetzung seiner Ideen wäre für den  jungen Mann eine gute Kamera sinnvoll gewesen. In den Schränken lag eine neuere, für lange Reisen zu schwere, digitale Spiegelreflexkamera mit zwei Objektiven. Allein die Gummilinse, das Zoom, wog mehr als eine volle Bierflasche. (2) Ich zeigte ihm, wie man Bilder speichert, gab ihm die Handbücher, Ersatz Akkus und schenkte ihm den ganzen teuren Krempel samt Originalverpackungen.

Um seine Partnerin musste er beim Verreisen keine Gedanken verschwenden. Sie fand eine Stelle als Sicherheitsbeamtin am Flughafen und verdiente das Doppelte, als was er mit überlangen Arbeitszeiten aus einem menschenverachtenden Ausbeuter-betrieb nach Hause brachte.

Dicks Sohn kehrte um den Jahreswechsel für wenige Stunden ins Dorf zurück und blieb seitdem weg.  Das war unser Wissensstand Ende letzten Jahres. Was war geschehen?

Fortsetzung folgt

(1)
http://wp.me/s2ljyL-wurzeln
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Zoomobjektiv

Heisse Muhme in LanNa Land *

Vom gepflegten Umgang mit Geistern.

Im Halbschlaf blickte ich lange Zeit auf die Türe. Sie war geschlossen, aber nicht verriegelt. Es war nicht allzu dunkel. An der Decke schimmerten durch den Teich gespiegelte Reflexe der Gartenbeleuchtung. Der Vollmond stand klar über dem Bambus. Wie bei einer Digitalkamera bei wenig Licht, sah ich alles leicht verrauscht. Ist das bei allen Menschen so, oder ist das eine altersbedingte Sehschwäche?

Auf der Höhe des Türschlosses zeigte sich ein Flämmchen. Nein – ein blasses Bläschen. Nach geraumer Zeit wuchs daraus eine Blase. Wie ein klopfendes Herz, führte sie pumpende Bewegungen aus. Später zählte ich drei Blasen. Zwei davon interpretierte ich anhand dunkler Flecken als Nippel zweifellos beeindruckender Brüste. Alles wirkte angestrengt pumpend. Aus dem Pumpen resultierte zwei weitere Blasen. Sie entpuppten sich als wohlgeformter Hintern. Das Heck pumpte auch mit. Dann erstreckte sich ein Bein bis zum Boden. Ein zweites Bein mit ebenso perfekt geformtem Schenkel und Wadenbein erschien. Die Beine gaben dem Ganzen etwas halt und wippten fleißig mit. Wie beim Füllen eines Ballons dehnten sich langsam zwei Arme mit feinen Händen und makellosen Fingern in die Luft. Auch sie zuckten rhythmisch, ohne jegliche Musik. Mit einem abschließenden Plopp schoß ein Hals mit Kopf aus dem Gebilde. Die Pumperei stoppte abrupt. Die Gestalt steckte sich einen winzig kleinen Stöpsel, er funkelte wie Edelstein, in ihre Scheide und trat danach einen Schritt vom Türschloß zurück. Ich lag perplex, mit offenem, trockenen Mund da und bestaunte die regungslose Venus von Lan Na Land. Atemberaubend. Sie stand vor dem Spiegel. Das Spiegelbild fehlte. Sie mußte ein Geist, eine Hexe, sein. Sie glättete mit der einen Hand zärtlich ihr langes Haar. Mit der anderen betastete sie prüfend Bauch und Unterleib.

Ohne Einladung schlüpfte sie danach wortlos unter die Bettdecke und schmiegte sich an mich. Mit behenden Fingern befühlte sie meinen Pumpschwengel, der sich, wie zuvor sie selbst, aufblähte.
Ohne Worte wurde mir klar, was sie wollte. Konnte ich einem mir unbekannten Geist als Gast in Lan Na Land einen Wunsch verweigern?

Trotz leidenschaftlich erregtem Spiel, achtete ich darauf, mit meinem Stöpsel ihren kleinen Pfropfen nicht versehentlich zu berühren und zu entfernen. Ich war besorgt, bei ihrem plötzlichen Ausbeamen meinen Pimmel zu verlieren. Als ich später schweißgebadet aufwachte, prüfte ich erst, ob alle Körperteile vollständig vorhanden waren. Danach überlegte ich krampfhaft, ob ich die Einfahrt zu unserer Garage verändern sollte. (1) Würde die Lan Na Venus, wie lautete ihr richtiger Name, in der nächsten Vollmond Nacht zurückkehren?

* http://de.wikipedia.org/wiki/Die_kleine_Hexe

(1) Sind bloss die Geister bescheuert? Veröffentlicht am 6. April 2012