Fahrzeug-Navigation am Wurstzipfel

Seit Jahren benutzen wir in Europa, Malaysia und Thailand erfolgreich Navigationsgeräte. In unbekannten Großstädten sind sie für mich unentbehrlich. Sie sind wesentlich hilfreicher als veraltete Stadtpläne, sofern die Fahrzeuglenkerin für den Lautsprecher oder meine Empfehlungen ein offenes Ohr hat.
Wir sassen im nigelnagelneuen Wagen und fuhren trainingshalber Richtung Chiang Rai. Vor zwei Jahren assen wir bei den heissen Quellen unvergesslich gut gewürzte Würste und gegrilltes Schweinefleisch. Das Mahl rutschte von der Zunge ohne Zahnverluste schmerzlos in den Magen, während uns Düfte vom Grill und Schwefel von den heissen Quellen umwehten.

Die Vorgabe war, auf der Strasse 118, mit Ausnahme der Kurven, immer schön gerade aus bis zu den Quellen zu fahren, dann vor dem Springbrunnen gleich links abzubiegen.
Ich erklärte der hungrigen Lenkerin, wie ich mich auf die Wurst freue und dass wir in spätestens fünfzehn Minuten ankommen würden.
Unvermittelt, meine Hymnen auf Würste und Strassen missachtend, bog die Lenkerin von der Hauptstrasse nach rechts auf eine Nebenstrasse ab. Da war eine Hinweistafel: Heisse Quellen, zwei Kilometer.
Ich redete zwei Kilometer lang, sprach Klartext und überzeugte sie, dass wir diese Wurstqualität wahrscheinlich nur an der Hauptstrasse finden würden. Die Magensäfte stimulierten ihr Gehirn. Sie gab auf, wendete das Fahrzeug und folgte darauf gehorsam dem nördlichen Wurstkurs.

Die Expedition „Wurst des Nordens“ hatte ein Vorspiel. Das Fahrzeug verfügt über einen
Multifunktions-Bildschirm mit Menu. Auf Wunsch wird das Radio angezeigt oder der Equalizer. Er kann Filme abspielen oder Fotos darstellen. Fürs Smartphone existiert eine Bluetooth Funktion. Es gibt einen UBS Anschluss. Der Bildschirm dient ebenfalls zur Navigation.
Genau da lag unser Problem. Ich versuchte, in englischer Sprache Chiang Mai oder Chiang Rai einzugeben. Chiang ging gut. Nach der Leertaste schlug die super-intelligente Logik Dao vor und sperrte gleichzeitig die Tastatur. Laut der Navigationshilfe hätten wir nach Chiang Dao reisen müssen. Das wollte ich nicht. Folglich fuhren wir zum Verkäufer und klagten unser Leid.
Einer der jungen Angestellten setzte sich in den Wagen, lächelte und dachte offenbar:
„Ihr Vollblutidioten, das haben wir gleich! Geld für ein Fahrzeug haben diese Leute. Genügend Hirn um die moderne Elektronik zu bedienen – – – haben sie nicht.“
Er fummelte behende, aber hilflos an Tasten herum. Dann sagte er:
„Ich verstehe Englisch schlecht, darum wechsle ich auf Thai.“
Ich grinste hämisch, als ich sah, dass die Logik die Tastatur auch für Eingaben in Thai sperrte. Nach dreissig Minuten warf er das Handtuch und bat einen Kollegen, das Problem zu lösen.
Dieser Herr fingerte noch schneller, noch gedankenloser. Auch er musste sich nach einer weiteren halben Stunde von der Technik geschlagen geben, während ich ihm mein dreijähriges Gerätchen demonstrierte. Wir verliessen die erfolglosen Spezialisten.

Später hatte ich die Idee, das Gerät über Koordinaten und Favoriten wenigstens für den Heimweg zu programmieren. Danach überlistete ich die Technik mit den Vorgaben Robinson und Chiang Rai zu einem nördlichen Kurs.
Während wir schweinisch speisten, wir begnügten uns nicht mit Wurstzipfeln, meldeten die Herren telefonisch, am nächsten Tag würde ein Spezialist um zehn Uhr unser Problem lösen.
Die Programmierung des Navigationsgerätes ist für bescheidene Eingaben zu üppig ausgelegt. Nach vielen Tastendrücken des Fachmanns fand das Navi unser Dorf und dessen Koordinaten. Die genaue Position unseres Hauses konnte der Ingenieur leider nicht eingeben.
Das ausgeklügelte Gerät mit grossem Bildschirm lässt den Fahrer also Orte ansteuern, wo er dann im Tante Emma Laden für nähere Auskünfte anstehen darf.
Unser altbewährtes Nüvi hat noch lange nicht ausgedient, oder der Fahrzeughersteller lässt neue Software schreiben.
Eine der Todsünden dieser Geräte ist, dass Distanzen üblicherweise als Luftlinien angegeben werden. Die Fahrzeit wird dann aus irdischen Kilometern errechnet. In Satun wurde beispielsweise die Distanz nach Padang Besar mit 26 Kilometern angegeben, die berechnete Fahrzeit dagegen betrug annähernd drei Stunden. Die Zeit für den Grenzübertritt wurde nicht einkalkuliert.

Heulen statt Wein(en)

Wir erlebten es. Wir wissen es. Zum Addieren von vierzig plus dreissig benutzen die reputierten Rechenkünstler Hinterindiens chinesische Elektronik.(*) Beim Prozentrechnen wird es noch schlimmer. Das ist höhere Wissenschaft, jedenfalls für hiesige Statistiker. Anders kann ich mir nicht vorstellen, wie eine Amtsstelle eine Jahresteuerung von 2,45 Prozent berechnen konnte.
Frische Waren, wie Gemüse, Kräuter, Eier und Früchte kaufen wir günstig direkt bei den Produzenten im Dorf. Dennoch besuchen wir Grossmärkte für Importe, für Teigwaren, Milchprodukte, Fleisch, Bier, Wein und Spirituosen. Wir kaufen aus Gewohnheit immer etwa dasselbe, seien es Mengen oder Artikel.
An der Kasse lege ich anstatt 12‘000 Baht, wie vor einem Jahr, nun 16‘000 Baht hin. Das sind nicht 2,45 %, sondern satte 25 Prozent. Nach klassischer Prozentrechnung sogar 33 Prozent mehr. Ich versuchte einen Kompromiss, eine Annäherung an exotische Berechnungsmodelle, nahm einen Viertel von 12’000 Baht und erhielt damit den Faktor 10 gegenüber dem amtlichen Ergebnis.
Durchschnittlicher Reis kostet anstatt 12 Baht gegenwärtig 22 Baht. Für importierten Basmati Reis bezahlen wir bis 90 Baht pro Kilogramm.
Manao, Limonen, Limetten kosteten früher einmal 30 bis 50 Baht per Kilogramm. Heute legt die Hausfrau pro Stück 8 bis 15 Baht hin. Diese Früchte sind bald teurer als Fleisch. Schweinefleisch mit Limetten wird zum Luxusartikel. (1) Die Fleischpreise erhöhten sich ebenfalls um rund zwanzig Prozent. Der Preis des eher seltenen roten Thunfischs stieg von 500 auf 670 Baht.
Koriander, Pak Chi, wird demnächst unerschwinglich teuer wie Safran, Crocus sativus. 0,3 Gramm der orangefarbigen Stempel-Fäden kosten 260 Baht. Pak Chi ist immer noch um zehner Potenzen günstiger. Der Preisanstieg von 25 auf 150 Baht ist dennoch nicht zu verachten. Ich rechne 60 Prozent, bedaure – das ist der Thaiwert – richtig sind 600 Prozent Teuerung – in einem Jahr.

Bei durchschnittlichen Weinen betragen die (ausser)ordentlichen Abgaben weit über 400 Prozent. 2,5 Euro Weine gehen für fast 700 Baht und mehr über die Theke.
Auf billigst Weine, wie Veter Pella und Konsorten, verzichten wir bewusst. Ein Insider berichtete mir:
Im LOS, üblicherweise Land Of Smile, gilt diesmal die Abkürzung für Land Of Sorcerers, Land der Zauberer. Die hohen Importabgaben werden trickreich umgangen. Die ober-faule Magie stammt von Zauberlehrlingen. (2,3)
Diese armseligen und anspruchslosen – um nicht betrügerisch zu verwenden – Gesöffe werden als konzentrierte, alkoholfreie Traubensäfte in Weinfabriken geliefert. Eines der gewinnbringenden Unternehmen gehört einem der grössten, echten Weinproduzenten Thailands. Im Betrieb werden die Konzentrate verdünnt und mit Alkohol versetzt. Die Pantscherei wird bei 8,5 Volumenprozent in Flaschen abgefüllt, etikettiert, beispielsweise mit: „Fruity Rosé, White Zinfandel, Californian Wine“, erfolgreich vermarktet. Zum Heulen, aber nicht zum Trinken.Zinfandel1 Anmerkungen:
Zinfandel wird in Italien Primitivo genannt. Es ist eine rote Rebsorte. Zinfandel-/Primitivo-Weine erreichen wegen des hohen Zuckergehalts der Beeren hohe Alkoholwerte von 13 bis 15 Volumenprozent.

(*) Reputation hilft strategisch vorteilhafter zu kalkulieren und zu erwägen, wie sich jemand zukünftig verhalten wird. Die Berechenbarkeit hat den Vorteil, dass Entscheidungen erleichtert werden und damit Aufwand eingespart wird.

(1) http://www.chefkoch.de/rs/s0/schweinefilet+a+limone/Rezepte.html
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zauberlehrling
(3) https://www.unix-ag.uni-kl.de/~conrad/lyrics/zauber.html

Weitere Geschenke

Fortsetzung (Tip Forum: Schöne Bescherungen in Hinterindien)

Nach ihrer Rückkehr von Phitsanulok erhöhte sich der Ruhe-Puls der Frau auf fünfundneunzig. Mich nervte, daß gleichzeitig Dicks sämtliche Kinder ins Dorf zogen. Die eine hatte einen Job bei einer Bank. Der Jüngste wollte von der guten medizinischen Versorgung profitieren. Er hob sich beim Ausbuddeln alter Baumwurzeln einen Bruch. In Phitsanulok konnte man angeblich das Leiden weder diagnostizieren noch behandeln.
Er befürchtete, er leide an einer tödlichen Krebsgeschwulst. Seine Freundin hingegen sprach, sie wollte von Dicks Kenntnissen profitieren und lernen, um später einen Salon zu eröffnen. Ihr Dorf verfügte über keine Einrichtungen zur Kapitalverschleuderung zwecks Pflege von Runzeln, Krähenfüssen, erwünschter und unerwünschter Haare. Der hinterste Fleck Hinterindiens benötigt heute Blondinen. Für Thailand eine großartige Erfindung: Die Haarfarbe läßt sich der Intelligenz anpassen.

Am 14. Dezember 2011 verschärfte sich die Situation um Mutter. Wir frevelten, folgten einer Einladung zum Mittagessen und sahen uns bei Anbruch der Dunkelheit nach Wein und Weihnachtsgebäck um.
Wir kehrten gegen zwanzig Uhr zurück.Dick betreute ausnahmsweise eine Kundin, welche einen Langstreckenflug vor sich hatte und ihren vermissten Gatten nach der Ankunft beglücken wollte.
Mutter litt. Harte Schicksalsschläge, andauernde Entbehrungen und fortgesetzter Liebesentzug verdarben ihr den ganzen Tag. Zusätzlich war sie besonderem Hochdruck ausgesetzt. Einer ihrer allesamt nichtsnutzigen Söhne telefonierte, er benötigte dringend vierzigtausend Baht. Anlässlich oder nach Onkels Kremation versetzte die Alte eine viertel Million Baht, Leistungen einer Lebensversicherung für ihren verstorbenen Mann. Es entging ihr, wenigstens einen Teil unserer Aufwendungen für Spital und Kremation zu vergüten.
Nun versuchte sie hemmungslos, für ihren bedürftigen Sohn, Zaster bei Dicks Kindern einzutreiben. Der Hundezüchter sollte umgehend seine Hunde in Kohle verwandeln – nicht verbrennen, sondern verkaufen!
Der Verletzte Enkel wurde aufgefordert, sein praktisch neues Moped zu versetzen. Dick war nicht bereit, den Tunichtgut zu subventionieren. Sie kannte die Summen, welche sich stillschweigend, wie Pfützen bei Sonneneinstrahlung, verflüchtigten. Söhnchen rief nur bei finanziellen Engpässen an. Das heißt, er bettelte dauernd!
Dick kümmerte sich nur um ihre Kundin. Sie ließ ihre Mutter über die herzlose Saubande in Lan Na Land wettern, wüten und toben.

Die Alte wollte nach dem finanziellen Desaster unverzüglich nach Hause, Distanz vierhundertfünfzig Kilometer. Warten bis am nächsten Morgen war unmöglich und ausgeschlossen. Sie forderte beide Enkel auf, sie gleich zu fahren. Die Jungen reagierten nicht. Sie packte Zeug. Sie machte sich in der Finsternis ohne jegliche Verabschiedung mit außerordentlicher Bagage zu Fuß auf den Weg. Der Hundezüchter sah sie und fuhr mit ihr in die kalte Nacht hinaus.

Am Tag darauf wollte Dick die Waschmaschine benutzen. Sie bemerkte, Mütterlein liess als Not-Proviant an die zehn Kilogramm Waschpulver, einige Flaschen Speiseöl und sämtliche Vorräte an Kaffee und Ovomaltine mitlaufen. Einige antike Bronzeschalen aus Laos verschwanden ebenfalls. Das Herz hätte die elende Schlepperei wahrscheinlich nicht lange mitgemacht. Für mich war sie gestorben.Amp Zuvor fehlten, nach einem Kurzbesuch des sich in permanenten Geldnöten befindlichen schmierigen Charakters, Verbindungskabel der akustischen Hintergrundberieselung des Salons. Die voluminösen Elektronik-Einheiten und Lautsprecher ließ er dank fehlender Transportmöglichkeiten stehen.
Mit derben Verlusten muss in Hinterindien jederzeit gerechnet werden. Dennoch war dieser Abgang meine beglückende Weihnachtsbescherung.

Quellen:
Thailand TIP Forum
Mein Tagebuch, Geschichten aus Hinterindien
#1784 am: 19. März 2012 Schöne Bescherungen in Hinterindien
#1685 am: 29. November 2011 Kein Verlass in Hinterindien

Hammer-Wettbewerb

Wenig Hammer-Wettbewerb begeisterten Leserinnen und Lesern, sowie geborenen Widerstands-Muffeln,* oder Ohm-Allergikern, verspreche ich: der nächste Beitrag wird einfachster kulinarischer, fernöstlicher Koch-Kunst gewidmet. Titel: Shao Xing

Einige eifrige Leser befassten sich mit der Lösung des Widerstand-Problems. Eigentlich wollte ich mit dem Bild bloss zeigen, wie ich den Denkapparat eines Thai Jungen zu elektrisieren versuche, ohne ihn hundertmal schreiben zu lassen: U=R*I. (E=R*I)Würfel Kopftraining: Jeder Widerstand hat 100 Ohm. Gesamtwiderstand?

Nachdem bisher keine richtige Antwort eintraf, möchte ich das durch Kommentare ausgelöste Gedankenspiel durch Preise aufwerten.
Ein Teilnehmer aus dem Raum D A CH erhält für die erste richtige Lösung eine Flasche Wein aus dem Hause

Vin d’oeuvre
Isabella & Stéphane Kellenberger
Gintig 4
3953 Leuk Stadt
Schweiz
http://www.vindoeuvre.ch

Der Wein, nach Wahl weiss oder rot, würde durch die Post zugestellt. Auf Wunsch könnte die Flasche bei Vin d’oeuvre nach Anmeldung abgeholt werden.

Im Raum Hinterindien kann ich wegen hoher Portokosten und eventueller Einfuhrbeschränkungen leider keinen Wein anbieten.
Dafür gibt es für die erste richtige Lösung aus den Ländern
Malaysia, Singapur und Thailand
je ein Taschenbuch
: “Geschichten aus Hinterindien“,
oder einen Beutel „Hunglay Curry Paste“ von Lobo.

Zuschriften sind aus allen Ländern und Kontinenten willkommen!

Anleitungen zur Lösung:
Wenn zwei gleiche Widerstände R in Serie liegen, das heisst hinter einander geschaltet sind, verdoppelt sich der Wert. (Aufsatz: Der Hammer, http://wp.me/p2ljyL-1aV)
Wenn zwei gleiche Widerstände R parallel geschaltet sind, halbiert sich der Wert.
http://www.elektrotechnik-fachwissen.de/grundlagen/parallelschaltung-widerstand.php

Lösungen, welche nach dem 15. November 2013 eintreffen, werden für die Preise nicht mehr berücksichtigt.
(*) http://de.wikipedia.org/wiki/Muffel_(Person)

Von Schreimaschinen und vom Schreiben

Unter dem Titel “Sinnlichkeit und Würde“ grübelte sich Herr Stv. Chef-Redaktor Marti, mit von Tablets geschädigten Fingern, einen letzten Rest Schmalz aus dem Hirn und schrieb: (1)
Die rasante Verbreitung von Tablets befreit die Menschheit endlich von der Knechtschaft durch Maus und Tastatur.
Einige Kommentare dazu:
„Sinnlichkeit und Würde“? Eher schmierige Benutzeroberfläche…
“Wenn man produktiv arbeiten will, kommt man nach wie vor nicht um einen PC herum.“
“Ich fühle viel eher eine Befreiung wenn ich nach längerer Benutzung des Tablets wieder an einem richtigen Computer arbeite – mit Maus und Tastatur.“

In Hinterindien sind Tablets nichts anderes als teure technische Spielzeuge. Jegliche ernsthafte Nutzung entfällt. Eigentümer fotografieren fleissig. Die Fotos auf Datenträgern speichern oder als Mail versenden, überfordert sie.
Vor wenigen Tagen sassen im Schankbetrieb zwei herausgeputzte, strahlende, junge Frauen neben einer Flasche Wein . Ob es Jungfrauen waren, soll hier nicht diskutiert werden. Sie kauften sich, neben Frisuren, Schuhen, und modischer Kleidung – neue Tablets. Weil sie noch nichts anderes damit anfangen konnten, benutzten sie ihre High-Tech Geräte als – Schminkspiegel!

Mit alten, ausgeleierten, teils gefühllosen oder schmerzenden Fingern und Gelenken, ist es eine Qual, Bildschirme als Eingabegeräte zu nutzen. Kürzlich dachte ich, das Global Positioning System, GPS, sei defekt. Es wäre ja kein Wunder, wenn Elektronik bei tropischen Temperaturen hinter Glas im Fahrzeug nicht überlebt. – Nein, meine grobschlächtigen Finger waren am falschen Ort. Das Gerät funktionierte.

Trotz der Möglichkeit von Spracheingabe, ziehe ich Handarbeit auf einer grossen Tastatur vor. Ein Problem ist, ich spreche schneller als ich denken kann. Dabei ist meine Sprechgeschwindigkeit rein herkunftsbedingt – als Berner – eher langsam und bedächtig. Einer meiner ersten Schulberichte enthielt den Vermerk: „Spricht langsam und schwerfällig!“ Die Synchronisation von Hirn und Maul klappte nie. Wesentliche Fortschritte im Laufe der Jahre bemerkte ich nicht.

Von der Sprache her, bin ich in LanNa Land am falschen Platz. Hier schnattern die Menschen – nicht einmal leichtsinnig, sondern komplett sinnbefreit – schnell drauf los, ohne je das Hirn zu benutzen.
Nach zwei Minuten erinnern sie sich an nichts mehr, was sie erzählten. Deshalb gibt es keine Lügen. Für ihre Handlungen und Taten sind sie nicht verantwortlich. Man funktioniert einfach gedankenlos: sei es Arbeit, Nahrungsaufnahme, Versäuberung oder Geschlechtsverkehr.
Toilet BadOrchidee
Diese autonomen, automatisierten Abläufe fördern das hinterindische Multitasking, die gleichzeitige Ausübung mehrerer Tätigkeiten – nicht nur im Strassenverkehr. Man kann während der Verrichtung der Notdurft zusätzlich essen, trinken, telefonieren, rauchen und onanieren. Bananen, Rüben und Gurken verirren sich gelegentlich in eher unübliche Körperöffnungen. Ist der Griff zu landwirtschaftlichen Produkten durch das Dildo-Verbot in Thailand begründet?
Telefone verbinden sich plumpsender Weise selbsttätig mit Fäkalien. (2, 3,4) Eine Arbeit darüber – aus den USA zeigte: Über 90 Prozent der Menschen mit Geburtsdatum ab 1982 bringen das Handy zu ihren vertraulichsten Sitzungen. Immerhin 60 Prozent schreiben damit. 19 Prozent lassen ihr unentbehrliches Kommunikationsmittel ins Klo fallen. In Japan witterte man eine Marktlücke: Ingenieure konstruierten wasserdichte Smartphones für unheilbare Triebtäter(innen). (5)

Warum Schreimaschinen? Eigentlich schrieb ich Schreibmaschinen. Aber diese Kommunikationsinstrumente werden von Menschen in meiner Umgebung vorwiegend zur Wiedergabe von Filmen benutzt. Dialoge in Porno, Horror, und Kriegsfilmen reduzieren sich auf Schreie. Der zweite Grund ist, die Leute erliegen den Verlockungen des ungebremsten Konsums und suchen ständig nach dem letzten Schrei der Technik.

Schluss folgt.

(1) http://www.derbund.ch/digital/mobil/Sinnlichkeit-und-Wuerde/story/15260612
(2) http://www.beobachter.ch/geld-sicherheit/versicherungen/artikel/versicherung_handy-im-wc-orange-will-nicht-zahlen/
(3) http://de.wikihow.com/Ein-nasses-Handy-retten
(4) http://www.viralblog.com/mobile-and-apps/toilet-talk-cell-phone-usage-in-restrooms/
(5) http://wp.me/p2ljyL-O1

Messtechnik

Mowgli besucht eine Schule für technische Ausbildung. Er schaffte drei Prüfungen problemlos, nicht weil er ein hervorragender Schüler ist, sondern einfach, weil seine Kollegen noch denkfauler und vergesslicher sind.
Wir arbeiten wieder zusammen. Er ist wissbegierig, speziell an Elektrotechnik. Er lernt spielend, aber vergisst schnell.
Ein Fachlehrer liess die Schüler Multimeter besorgen. Die Schule wollte keine Instrumente mehr abgeben, weil die mittlere Überlebensdauer eines Messgerätes je nach Benutzer knappe zehn Minuten betrug.
Während einführenden Erklärungen des Lehrkörpers, musste man mit den Nachbarn dringend neueste Spiele für Smartphones diskutieren. Vorhandene Bedienungsanleitungen für sämtliche technischen Geräte eignen sich hervorragend zum Verpacken von Nahrungsmitteln. Nur gelesen werden sie nicht.
Am Tage, als die Schüler ihre Gerätchen mitbrachten, roch es bereits bevor der Lehrer das Zimmer betrat, streng nach Ohmschem Gesetz und verbratener digitaler Elektronik. Wurde die andauernde Hitzewelle durch die Phra Phuttha geopferten Multimeter verursacht?

Für unseren Zögling kaufte ich ein Drehspulinstrument nach Grossvaterart. Diese Dinger funktionieren jederzeit ohne Strom und Batterien. Bei Missbrauch stinken sie fast genauso, wie teure Digitalinstrumente. Bloss der kostspielige Duft schwelender integrierter Mikroelektronikbauteile fehlt.
Die einzige Schwierigkeit bereitet das Ablesen zehn verschiedener Skalen und mehrerer Messbereiche. Das übten wir, bevor ich ihm vor zwei Wochen das Gerät endgültig überliess. Mein Ratschlag war:
„Schalte das Gehirn ein, bevor du das Gerät missbrauchst.“Scale MM

Eine unserer sensorgesteuerten Gartenlampen funktionierte nicht. Anstelle trockener Messübungen im Wohnzimmer, arbeiteten wir praktisch am Objekt im Garten. Mücken und Fliegen belästigten uns in der schwülen Hitze.
Drei Bauteile konnten fehlerhaft sein:
Der Sensor,
die Sicherung,
oder der Leuchtkörper selbst.
Wir steckten das Lampenkabel ans Netz. Das Licht strahlte sogar in der grellen Sonne.
Mowgli schraubte die Sicherung aus dem Kasten. Ich instruierte:
„Messen!“
Anstatt mit seinem Ohmmeter die Leitfähigkeit zu prüfen, bestimmte der Schlaumeier die Länge der Feinsicherung mit dem Massstab.

Link Multimeter
http://www.conrad.ch/ce/de/product/108502/Metrix-MX1-Analog-Multimeter-CAT-III-600-V

Einträgliche Geschäfte

Einer von Dicks Söhnen arbeitete neben seiner Hundezucht einige Tage pro Woche als Spezialist in einem Geschäft für Bildschirmillusionsfutter. Er verkaufte Apparätchen mit elektronischen Normanpassungen für ältere und neueste Bildschirme. Diese Kästen enthalten zusätzliche Elektronik für betrunkene Banausen. Sie könnten auf Knopfdruck Internetangebote wie Youtube, Youporn und Internetradio nutzen.
Die Einheiten haben Stecker für USB Speicher jeder Art. Ferner Anschlüsse für Strom, HDTV, TV- und Kabel für Geräte älterer Bauarten. Cinch-Kupplungen, auch RCA genannt und Ethernet, bereichern die meist schwarzen lackierten Gehäuse, wie seinerzeit Fords Modell T auf der Strasse. (1, 2) Ford schrieb im Buch „Mein Leben und Werk“, im Kapitel „Das Geheimnis der Produktion“, den Satz: „Jeder Kunde kann seinen Wagen beliebig anstreichen lassen, wenn der Wagen nur schwarz ist“. *Ford T

Zusätzlich eingebaut, nicht im Ford T, sondern in den Geräten, sind Festplatten im Terabyte Bereich, bestückt mit unzähligen Spielfilmen. Für die Filmkopien wurden nie Lizenzen erworben. Das ist landesübliche Schwarzmarktware, inklusive originaler Copyrightverletzung. Das Kopieren besorgten zwei Angestellte. Damit der Handel unbehelligt und ungebremst schwungvoll lief, zahlte der Geschäftsführer pro Monat zweihundert-tausend Baht an braune Schutz- und Ordnungstruppen.
Der Meisterkopierer hatte Glück. Während er ein herzergreifendes, prunkvolles Hochzeitsfest der Oberklasse in Sukothai besuchte, verhaftete die Polizei in Chiang Mai trotz reichlicher Zahlungen den Firmeninhaber samt anwesendem Mitarbeiter. Der Chef wurde gegen eine Kaution? von fünfhundert-tausend Baht sofort wieder in die Freiheit entlassen.
Er ist wichtig! Sollten die Geschäfte erlahmen, flössen keine Schutzgelder mehr. Der Mitarbeiter dagegen sitzt. Der Boss bezahlt ihm pro Monat im Kittchen zehntausend Baht. Der Mann ist zufrieden, weil er zusätzliches Futter erhält und dafür nicht einmal arbeiten muss. Möglicherweise vermittelt er diffizile Filme an das Aufsichtspersonal. Die sollten nämlich dringend visuell über Pornographie und sämtliche üble Spielarten möglicher, speziell fremdländischer Insassen, aufgeklärt werden.
Als Knasti hätte ich Mühe. Vor allem, wegen meiner unersättlichen Sehnsucht nach weiblicher Wärme in der winterlichen Kälte.

Das Geschäft muss sich trotz horrender Nebenkosten auszahlen. Kürzlich wurde eine Filiale eröffnet. Filme auf Festplatten mit Terabyte Kapazitäten sind immer noch günstiger als Raubkopien auf DVD oder gar Blu-ray. (3)
Zusätzlich existiert der Faktor Zeit. Filme, welche erst in Zukunft öffentlich aufgeführt werden, gibt es bereits heute im verlockenden Angebot zahlreicher Spezialisten zu leicht erhöhten Preisen.
Nach flüchtiger Ansicht des Angebots, hauptsächlich bleigeschwängerter Sex –  wird der geistlose Inhalt amerikanischen Ursprungs ausgetauscht. Weil die gummikauenden Cowboys in Washington Urheberrechtsforderungen mit allen Mitteln zu erzwingen versuchen, muss die hiesige Polizei gelegentlich gegen Raubkopien und ihren Verkauf durchgreifen. Der Kampf ist bisher ebenso aussichtslos, wie die fragwürdigen Einsätze gegen Drogen.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Ford
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Ethernet
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Blu-ray_Disc

* Henry Ford 1922 in ‚My Life and Work‘: „Any customer can have a car painted any colour that he wants so long as it is black.“