Wie mir der Zufall als Unfall getarnt, den Griffel aus der Hand schlug

Dick musste zur Wahrung unserer Interessen unbedingt und rasch nach Chiang Mai. Verleumdung der ganzen Sippe, Einbrüche, Diebstähle durch eine drogenabhängige Spielerin und ihre Bande, machte ihre Anwesenheit dringend erforderlich.
Die unglaublichen Ereignisse erschütterten mich, denn wir gewährten der jungen Frau, damals scheinbar wenig verdorben, freie Unterkunft und halfen ihr bei der Suche nach Arbeitsplätzen. Doch dies ist eine andere Geschichte.

Ich war angeschlagen. War es Dicks Abwesenheit oder waren es die Ereignisse im Dorf? Beim Mixen meines Gesundheits-Cocktails begann ich den ersten Fehler. Anstatt Bacardi Gold in den Orangensaft zu giessen, erwischte ich die Flasche mit Olivenöl, Qualität „Extra Vergine“. Nur die Farbe war ähnlich.
Verhungern würde ich nicht. Ein Pfund frisch gebackenes Brot und ein Pfund minderwertiger Schinken waren ein Teil meiner Vorräte.
Weil ich müde war, beschloss ich etwa um neun Uhr zu duschen und danach zu schlafen. Beim Reinigen der Verlängerung des Rückens erwischte ich vielleicht zuviel Gel. Wie ein geölter Blitz flutschte und rutschte hilflos von meinem Sitz. Es krachte fürchterlich, als ich mit dem Kopf auf die Fliesen aufschlug. Als ich die Augen öffnete, prasselte Wasser auf mich. Ich lag in einem Blutbad: Schädelbruch – Lebensende?
Das Blut stammte vom anderen, ebenfalls lebenswichtigen Körperteil. Sogleich leitete ich danach gemächlich Rettungsarbeiten ein.
Es gelang, vom Boden aus, mit einem Wischer den Wasserhahn zu schliessen. Ich musste mich drehen und wenden. In sechs Metern Entfernung warteten Brille und Internet. Das Telefon war im Wohnzimmer, annähernd fünfzehn Meter Distanz um drei Ecken, denn das verdammte Ding funktionierte nur dort!
Langsam und vorsichtig kroch ich aus dem Badezimmer. Da war eine kleine Stufe. Ich überwand sie, ohne mich zusätzlich zu verletzen. Den Rollstuhl schob ich vor mir her. Danach versuchte ich, mit Hilfe eines Koffers, ins Bett zu gelangen. Aussichtslos. Den Transfer vom Bett in den Rollstuhl hätte ich geschafft.

Das Fingerfon als Rettungsmöglichkeit? Ich sandte ein Mail an Dick. Danach wandte ich mich an meine Tochter, Wohnort im Kanton Wallis, Schweiz, sie solle Dick telefonieren und unsere Nachbarn in Satun um Hilfe ersuchen. Töchterchen telefonierte, sandte SMS. Dick reagierte nicht.
Es gab nur noch den Weg zum Telefon. Ein gebrauchtes Badetuch erleichterte das Rutschen auf dem Boden und schonte die feuchte Haut. Zielsicher schob ich den Rollstuhl um die Ecken und berechnete dauernd Distanzen. Nur noch achtzig Zentimeter zum Telefon. Meine Hand- und Schulter-Gelenke schmerzten nicht mehr, drosselten aber die Reise-Geschwindigkeit auf Schneckentempo. Betonung auf Po.
Das Telefon funktionierte bloss teilweise. Meine Anrufe gingen irgendwo im Äther verloren. Ich verrutschte den Standort näher zur Veranda. Das Signal wurde stärker. Dick hatte zwei Apparate. Aber sie antwortete nicht. Nach weiteren Anrufen erreichte ich Mowgli. Er war hilfsbereit, rannte zu Mutter. Sie verhandelte im verschandelten Haus mit der Polizei. Mowgli erzählte ihr vom Fall des Lung. Endlich – fünf Minuten später standen die Retter vor der Tür. Es wurde zwei Uhr, bis ich noch lebend, jedoch bebend, im Bett lag.

Dick ist zurück in Satun. Sie hat immer noch zwei ungelesene Nachrichten von mir auf ihrem Smartphone. Ein Vorteil moderner Kommunikation. Nur Narren benutzen sie. Die landesüblich gebräuchlichen Versionen sind Facebook und Line.

Frohe Ostern!

Oster-Gedicht von Low, passend zu einer Melodie von W.A. (Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus) Mozart: Ah,vous dirai-je, maman‘ K.265

Während Hasen liebend rammeln
üben Kinder Eier sammeln.

Fortsetzung folgt

Grüne Zukunft in Thailand

Die grünen Uniformen der neuen Regierung täuschten mich und meine schwachen Augen. Das waren keine Umweltschützer, sondern Militär. Die wollen nicht nur die Umwelt, sondern ganz neutral das gesamte Land beschützen.

Die Militärjunta erklärte Gründe für den Putsch:
1. Thailand ist anders und die politische Landschaft unterscheidet sich von anderen Ländern.
2. Dem Militär liegen klare Beweise und eindeutige Gründe vor, weshalb es die Macht ergreifen musste. Die Beweise und Gründe werden später der internationalen Gemeinschaft präsentiert.
3. Die demokratische Regierungsform hat in Thailand zu vielen Toten geführt.

Armeechef und Führer Prayuth Chan-ocha forderte am 26. Mai die Medien nochmals zur Vorsicht auf. Er warnte insbesondere vor kritischen Kommentaren auf Facebook.
Nach seiner Bestätigung als Führer durch den König, sprach Prayuth in weiser weisser Uniform:
„Soldaten und Polizei dürfen nicht mehr kritisiert werden. Ich will mich mit niemandem streiten, ich will nur meine Intentionen deutlich machen. Ich kann alles erreichen, so lange die Leute bereit sind, mir zu helfen. Kritisieren Sie mich nicht und machen Sie keine Schwierigkeiten, das ist sinnlos.“
Der Führer der Junta, Prayuth Chan-ocha, bestellte am 27. Mai zwei Journalisten ein. Er gab ihnen zu verstehen, dass es unerwünscht sei, aggressive Fragen zu stellen. Prayuth befahl, auf Pressekonferenzen nicht befragt, sondern bejubelt zu werden.

(Am 28. Mai war Facebook für befristete Zeit nicht erreichbar.)
„We have blocked Facebook temporarily and tomorrow we will call a meeting with other social media, like Twitter and Instagram, to ask for cooperation from them,“ Surachai Srisaracam, permanent secretary of the Information and Communications Technology Ministry (MICT), told Reuters.
(n) http://www.straitstimes.com/news/asia/south-east-asia/story/thai-ministry-says-blocks-facebook-stem-anti-coup-criticism-20140528
Eine leicht andere Version :
(n) http://en.khaosod.co.th/detail.php?newsid=1401284244&typecate=06&section=

Das Ministerium ICT blockierte 219 Webseiten (Stand 22. Mai, mittlerweile dürften es vielleicht mehr sein)
(n) http://www.prachatai.com/english/node/4045
BBC und CNN suchte man am TV vergeblich.

Das Militär kündigte Pläne für Versöhnungszentren im ganzen Land an. Dort sollen vom Militär abgesegnete Veranstaltungen stattfinden. Als Versöhnungsgetränk empfehle ich Lao Khao.
Chiang Mai hat die Ehre, Prauyuths Bruder als Chef der hiesigen Truppen zu beherbergen.

Einige Länder gaben leider ihre Informationssendungen über Kurzwellen auf. Kurzwellen lassen sich nicht so einfach ausblenden, wie Internet. Kurzwellenempfänger waren und sind in einigen Gebieten unerwünscht oder verboten.
Eine ähnliche Misere droht, sollte der analoge Telefonverkehr eingestellt und gänzlich auf das Internet (VOIP) aufgepfropft werden. Schon bei einem einfachen Stromausfall funktionieren Router nicht mehr.

(t) http://passauwatchingthailand.com/2014/05/27/die-unwissenden-auslander/

Soziale Netze einst und jetzt

13. September 2012

Der geschätzte Norwegerklaus schrieb: (Zitat aus: Wat Yai, Phitsanulok, http://wp.me/p2ljyL-kq)
„Wer so scharf beobachtet und mit Fotos belegt, was fast alle, die bewußt und kritisch beobachten, sehen können, darf dies nicht in Freudenhäuser tun!!!“
Du hast Recht und mein volles Verständnis. Mama San sehen es nicht gerne, wenn Kunden mit Kameras anrücken!

Ein Problem ist, ein Freudenhaus ist überschaubar. Das Angebot an der Theke oder im Salon ist limitiert. Wir leben aber in einem unübersichtlichen Freudendorf. Wer die Miete fürs (Freuden-) Haus schuldig bleibt, geht. Zurück bleiben unter Umständen 25 hungrige Miezen, wie Ende August. Die Nachfolger(innen) können wir nicht an einer Fleischschau auswählen. Bei Mieterwechseln beginnt anfänglich öfters ein harter Verdrängungswettbewerb.

In der näheren Umgebung leben drei diplomierte Masseurinnen. Ein Diplom ist ein Stück Papier, das bei Bedarf jeder Tintenstrahldrucker hergibt. Neunzig Prozent der restlichen Frauen, nach Bangkok Post und Durex sind es bei den Verheirateten im Lande 60 Prozent, massieren auch – alles. Nur beim Staubwedeln bekunden sie Mühe.
Es ist bedeutend einfacher, Freundinnen oder Mia Noi (Zweitfrau, es können mehrere sein) zu finden, als versierte Raumpflegerinnen.

Um ideale Putzfeen leichter zu finden, gibt es nun digitalisierte soziale Netzwerke im Quadrat.  Binär codierte Nachrichten werden direkt aus Bildschirmen geklopft.
Die oft als primitiv empfundenen und belächelten Rauchzeichen bestanden ebenfalls aus logisch eins und null.
Vor fünfhundert Jahren waren die Brunnen in Bern Kommunikationszentren der Waschweiber.(2) Vor sechzig Jahren diente die Post als schnelles Verbindungs-Netzwerk. Sie stellte Sendungen zweimal täglich zu. Schulreisen ohne Postkartenorgien waren undenkbar und dies für 10 Rappen. Unverschlossene Neujahrsbriefe kosteten nur einen Fünfer.
Heute fingern weltweit halb Anal-fabeten an Smartphones und Tablet Computern. Anstelle von Worten benutzen Anwender Miniaturbildchen und Kürzel. Die Kommunikation wurde gleichzeitig unglaublich schnell und inhaltlich äusserst bescheiden.

Wenn ich Pacific Healthcare in Bangkok ein Mail mit einer Bestellung sende, muss ich meinen Healthcare-Spezialisten dort anrufen und ihm erklären, er habe ein Mail in seinem PC. Er spielt tagelang am Bildschirm, ohne je den Firmen-Posteingang zu öffnen.
Am Telefon erklären, was ich benötige, kann ich schlecht, weil es für moderne technische Wortschöpfungen kein Thai gibt. Jegliche teuren Missverständnisse müssen ausgeschlossen werden.

Schüler und Schülerinnen der Schule HangDong nutzen Email und Netzwerke mit etwa hundet empfangenen Mitteilungen pro Person und Tag! (Fragwürdige Internetnutzung 2, http://wp.me/p2ljyL-iB)  Wer kann diese Informationsflut übersehen?
Zwei Drittel der Botschaften stammen von liebeshungrigen Mädels ab dreizehn.
Der Name Facebook ist ein Hohn. Die betroffenen Körperteile liegen meist deutlich tiefer.

Trotz über einem Jahrzehnt andauernden Handy Boom, finden (ältere) Weiblein und Männlein in den Dörfern und Siedlungen ohne drahtlose Kommunikations-Technik zueinander.
Statt Facebook kraulen alte Weiber lieber direkt Bärte. Die Landeswährung ist der Baht. Die lockeren Sitten begannen bereits im zarten Alter in der Schule und hören bis ins reife Alter nimmer auf.
Leicht verwundert schrieb ich vor einem Jahr den Schulmädchen Report. Eine der herausragenden Figuren war die damals neue uralt Masseuse.

Fortsetzung folgt
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Berner_Brunnen