Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Bauernfängerei bezeichnet ausgeklügelte Arten von Täuschung bis zum Betrug. Der Titel war eine 1964 von Eduard Zimmermann ins Leben gerufene Sendung des ZDF. Vor den Methoden der Trickbetrüger wurde gewarnt. Die Fernsehserie lief während insgesamt 37 Jahren. Die Zuseher lernten wenig oder vergassen schnell. Sie liessen sich trotz eindringlicher Warnungen von falschen Doktoren und redegewandten Politikern genauso auf den Arm nehmen, wie vorher von gewöhnlichen Taschendieben und betrügenden Halunken.

Gegenwärtig erlebe ich diese Serie im richtigen Leben. Die verflixten Lügen und Trickereien sind ansteckend. Dick mischelt kräftig mit. Es gibt praktisch keine Tage ohne Lügen. Wenn nicht gelogen wird, wird mindestens die Wahrheit vertuscht oder dekorativ verschleiert.
Unser Nachbar, Kleptomanewitsch, schnitt Bäume und Bambus und türmte die Abfälle in seinem Gelände auf. Danach telefonierte er dem Dorfobmann, Dick hätte Bäume und Bambus geschnitten. Rücksichtslos hätte sie ihren Mist in seiner Gartenanlage deponiert. Ob er, der Herr Dorfobmann, so freundlich sein würde, Dicks Plunder aus seinem gepflegten Park abzuholen. Der Obmann kam persönlich vorbei. Er fiel auf den schmutzigen Trick von Kleptomanewitsch nicht herein.

Dick kaufte Schnaps und Käse bei Makro. Es war das erste Mal, ohne meine Begleitung. Mein schmerzhafter rechter Oberarm erlaubte den Ausflug nicht. Zwei Flaschen Sang Som wurden an der Kasse als drei berechnet. Beim Weich-Käse war der Nepp so gewaltig, dass ich fortan auf das Milchprodukt bei Makro verzichte.
Es war ein Stücklein Gorgonzola, netto 115 Gramm. Der Käse wurde von Jagota im Grossraum Bangkok eingekauft, geschnitten, verpackt, angeschrieben mit „Product from Italy DOP“ und in den Norden geliefert.
In Hangdong wurde der Gorgonzola in einen grösseren Behälter umgesiedelt, neu gewogen und mit Preisangabe dekoriert. Das Bruttogewicht war mit 132 Gramm angegeben. Die siebzehn Gramm ungeniessbare Verpackung wurden zum Käsepreis von 1355 Baht berechnet. Das sind dreiundzwanzig Baht.
Dieser Blauschimmel-Käse war von minderwertiger Qualität und hätte ebenso in Dänemark oder England hergestellt werden können. Bereits mein Glasauge hätte mir vom Einkauf abgeraten. Die Schimmelflecken erinnerten eher an ausgelaufene Tinte. Möglicherweise litt der Nord-Italiener kurzzeitig unter der tropischen Hitze. Dick war bedeutend weniger kritisch. Sie erwischt hie und da sogar angefaulte Tomaten, mit der Lesebrille in der Handtasche.
Vom selbigen Lieferanten bekam ich zuvor einen zweifelhaften Greyerzer-Käse. Er stammte kaum aus der Schweiz – oder gar dem Kanton Freiburg aus einem kontrollierten Betrieb, obwohl die Verpackung das Gegenteil vorgaukelte. Das teure Stück war so versalzen, dass das Salz zwischen den Zähnen knirschte. Mindestens das Salz war echt.

Zwischendurch genoss ich einen Montagnard des Vosges. Das ist französischer Weichkäse aus pasteurisierter Kuhmilch. Er zeichnet sich durch cremigen Teig und würzigen Geschmack aus. Nichts zu nörgeln: Originalverpackt in der Käserei in den Vogesen, leider relativ selten anzutreffen in Chiang Mai.

Einkaufen im globalen Dorf

In Satun, ebenso im Bezirk Hang Dong in der Nähe von Chiang Mai, bestehen weltweite Warenangebote. Freilich müssten Käufer die Verpackungen genau lesen, um zu wissen, was erworben wird.
Dick ist wenig kritisch. Sie liest den ersten Buchstaben, dann rät sie. Auf diese Weise kaufte sie französischen Pulver-Kaffee, hergestellt in Korea. Ich konnte die Brühe nicht schlucken. Ohne jegliche Hirnaktivitäten packte sie zwei Fläschchen Kokoswasser, Inhalt hundertsechzig Milliliter, zu zwanzig Baht ein. Ob das abgefüllte Wasser Chemie zwecks Haltbarkeit enthielt oder pasteurisiert wurde, bedachte sie nicht. In Satun erhielten wir für zehn Baht Kokosnüsse, die gut einen halben Liter Wasser lieferten.

Besonders beim Junk Food gilt es die Augen offen zu halten. Die angebotenen Kartoffel-Chips enthalten fast alles, ausser Kartoffeln. Da wird mit Reis-, Mais- und Tapioka-Mehl gestreckt. Zucker darf auf keinen Fall fehlen. Das verwendete Öl ist günstigste „Qualität“. In solchen Fällen sollte man auf dieses Wort verzichten.
Es gibt importierte Chips, welche fantastisch schmecken – welche ohne Zusätze wie Farbstoffe, Glutamat und Chemie hergestellt werden.

Ein leidiges Thema ist der Käse. Weisse Alkoholiker oder Raucher mit defekten Geschmackssensoren haben wenig Probleme im Umgang mit fermentierten Milchprodukten. Ihre Urteilsfähigkeit ist bereits im Nibbana.
Emmentaler Käse gibt es aus globaler Produktion. Nur Emmentaler aus dem bernischen Emmental gibt es selten. Es sind nicht die schweren, runden Käselaibe, die Stückweise angeboten werden, sondern Erzeugnisse in herstellungsgünstiger Stangenform. Die Platzanforderungen sind weniger verschwenderisch. Die Produktion erfolgt vollautomatisch. Von der Menge her ist Dänemark führend, ebenso mit der Vielfalt der Sorten. Daneben gibt es Emmentaler aus Frankreich, Australien und Ozeanien. Aus diesem Kontinent entdeckte ich importierten Emmentaler mit den angepriesenen Eigenschaften: Nussig und süss! Eventuell stammen vorhandene Löcher von Black & Decker. (1)

Parmesan fand ich mit den Herkunftsländern USA, Dänemark und Belgien. Nur aus Parma fehlte die körnige Delikatesse. Ich kaufte ein Stück vermeintlich holländischen Edamer mit der typisch roten Ummantelung – aus Belgien, wie ich eine Woche später bemerkte.

Ich bin dankbar dafür, dass es im Norden überhaupt ein breites Käseangebot gibt. In Satun fand ich bloss billigst Käse der Grossindustrie. Vorwürfe an die einheimischen Angestellten der Abteilungen sind unbesonnen, denn Thais essen keinen Käse. Er ist zu teuer und stinkt meistens.
Eine Ausnahme sind Pizzen. Sie enthalten meist keinen echten Käse, sondern eine synthetische Mischung, ganz ohne Milch. (2) Solche Produkte werden aus preisgünstigen pflanzlichen Ölen und Fetten, wie Palmöl, hergestellt. Der Eiweißanteil stammt nicht von Kühen, sondern von Sojabohnen oder Bakterien. Um dem Imitat dennoch Geschmack und die Konsistenz von echtem Käse zu verleihen, werden Substanzen wie Stärken, Salze, Emulgatoren, Aromastoffe, Geschmacksverstärker und Farbstoffe beigefügt. Die Vorteile für hinterindische Pizzafabrikanten sind, der Käseersatz zieht lange, kaugummiartige Fäden und erträgt Temperaturen bis zu vierhundert Grad, ohne zu verbrennen.
Die teuerste Pizza im Kad Farang heisst Pizza Phamaham. Vielleicht ist der Schinken echt. Buon appetito!

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Stanley_Black_%26_Decker
(2) http://www.geo.de/natur/oekologie/3330-rtkl-lebensmittelproduktion-lebensmittel-taeuschung-von-analogkaese-und

Von Waren-Tempeln, Schummeln und Krachern – zum Nationalfeiertag der Confoederatio Helvetica

Vor ungefähr drei Wochen gewann Dick am Thai TV ein Smartphone im Wert von 23‘900 Baht. Der Haken: Das Gerät musste auf Termin in Bangkok abgeholt werden. Sie konnte nicht weg. Sie spielte Arzt, Pflegepersonal, Köchin und Waschfrau. Ein Sohn trat die Reise an, ausgerüstet mit Vollmachten und Dokumenten. Die Organisatoren verschoben den Abholtermin plötzlich um eine Woche. In diesen sieben Tagen verlor das Gerät an Wert. Er erhielt nicht das angekündigte Telefon, sondern ein preisgünstigeres Modell für 17‘000 Baht, wie er ermittelte. Die grosszügigen Spender kassierten zudem fünf Prozent Abgaben!
Für den ersten Preis, zwei Baht Thai-Gold, Baht als Gewichtseinheit zu ungefähr 15 Gramm, verlangten sie vom Preisempfänger zehn Prozent Gebühren.

Telefone dienen hervorragend zur Übermittlung von Nachrichten. Das Problem ist, es werden vor allem Lügen breit gestreut. Auf echte, vertrauenswürdige Informationen wird verzichtet. Es gilt die Regel, je grösser die Lüge, desto hektischer die Verbreitungsrate.
Ein Attentäter in Hinterindien meldete, die Schokoladen der Firma XY enthielten Schweine-Öl! Die Firma erlitt grausame Umsatzeinbrüche, weil die Produkte dadurch nicht mehr Halal waren. Den beinahe finalen Kick erhielt das Unternehmen, als sogar eine von Allah gesegnete Landesregierung die Lügen prüfungslos übernahm.

Vor zwei Wochen zelebrierten Bank- und Staatsangestellte ein langes Wochenende, während dessen echte Arbeiter für bescheidenen Lohn ausgebeutet wurden. Da waren Samstag, Sonntag, den Montag überbrückte man grosszügig, denn am Dienstag war Asalaha Bucha und am Tag darauf war man durch den Buddhist Lent am Arbeiten verhindert.
An Wochenenden besuche ich keine Einkaufszentren. Das sind die neuen Tempel des Landes, in welchen gläubige Eingeborene, sie glauben an die All-Macht des Baht, ihre Opfer bringen.
Am Montag benötigte ich Bargeld. Es gab keine Ausrede. Ich musste den Einkaufstempel besuchen. Eine Grossbank Thailands stattet ihre Bankkarten aus Sicherheitsgründen nicht nur mit Magnetstreifen, sondern neu mit Chips aus. Weil sämtliche Geldautomaten der Konkurrenz Karten mit Chips nicht lesen können, kann ich Geld nur mit Maschinen der betreffenden Bank abheben.
Sämtliche Parkplätze waren besetzt. Die Thai besuchten bloss Imbissbuden und Fresslokale. Bankgeschäfte und Einkäufe liessen sich problemlos erledigen.
Als ich die Moneten in der Tasche hatte, benötigten wir Lebensmittel. Was sah mein Glasauge, respektive das Auge durch mein Brillen-Glas im Regal? Mexikanische Nacho Barbeque Chips „EL SABOR“. Als ich bemerkte, das Zeug stammt aus Griechenland, der Mais aus Frankreich und Italien, verfeinert mit viel gesundem Glutamat und sogar Silizium-Dioxyd, wollte ich verzichten. Dick ermunterte mich, trotzdem eine Tüte Cracker zu behändigen. Sie sagte überzeugend, Silizium ist auch in Smartphones enthalten.
Sämtliche importierte Güter haben einen Kleber. Er erklärt auf Thai die Eigenschaften der Produkte. Prozentrechnen ist schwer. Vergleichen sie die Angaben für Kohlenhydrat. BBQ

Dienstag und Mittwoch wurde wieder in den Waren-Tempeln gehuldigt. Freie Parkplätze dagegen gab es bei den Gelbröcken genügend. Noch am Freitag und Samstag zeigten viele Autos in Chiang Mai Nummernschilder aus Bangkok. Das ist gelebte Spiritualität mit Alkoholverbot!

Gestern erhielt Dick auf ihrem Smartphone Filme. Sie zeigten, dass Cracker einer Firma aus Malaysia Plastik enthält und deshalb brennbar sind. Der Hersteller sollte offenbar aus dem umkämpften Markt ausgeschaltet werden, denn sämtliche Cracker aus Weizenmehl mit einer Spur Öl oder Margarine, brennen in trockenem Zustand. Feuchtnasse Zigaretten mit oder ohne Warnung, lassen sich dagegen nur schlecht anzünden.

Wie wir feststellten, brennt sogar gekochter Reis. Dick erhielt von einem namhaften Kosmetik-Hersteller als teures Werbegeschenk Chromstalpfannen aus Korea.
Die Ware wurde an eine Freundin gesandt. Dieser Frau gefielen die hervorragend verarbeiteten, polierten Töpfe. Ohne weitere Nachfrage benutzte sie das fremde Eigentum.
Als wir von Satun zurückkamen, rückte die „Freundin“ einen Teil der Pfannen heraus.
Darunter war ein Dampfkochtopf, der es erlaubte, Speisen wie Dumplings, Dim Sum, zu garen. Der Einsatz des Topfes fehlte. Dick besuchte die feine Dame erneut.
Diese kam ins Stottern und erklärte ohne zu erröten, beim Dämpfen sei ihr Reis leider angebrannt!!! Sie übergab Dick den Einsatz mit verkohltem Reis. Es dauerte drei Tage, um den Kohlenstoff restlos zu entfernen. Dick hat einen Topf mehr und eine Freundin weniger.

http://www.freemalaysiatoday.com/category/nation/2016/07/30/hup-seng-defends-ping-pong-crackers-against-video-claim/

Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit

Wie war es vor dem Jahr 1796 in Hinterindien? Ein Schreibtisch-Korrespondent berichtete:

Seite 281 und folgende (1)

Von allen bisher angeführten Ländern unterschied sich nach Poivre’s Erzählung wenigstens noch vor einem Menschenalter das Ländchen Cancar, das auf den Charten Ponthiamas genannt wird, und zwischen Siam und Cambodia liegt.
Vor etwa funfzig Jahren, sagt der eben genannte reisende Philosoph, liess sich ein Chinesischer Kaufmann Kiang-tse mit einem kleinen Häuflein von Landsleuten in Ponthiamas nieder, und vermochte die benachbarten Fürsten dahin, dass sie ihn beschützten, oder wenigstens in Ruhe liessen, bis er seine Niederlassung mit Gräben umzogen, und mit Wällen gegen einen plötzlichen Angriff gesichert hatte. Er theilte jedem Fleissigen, der sich zu ihm, und den seinigen gesellen wollte, Ländereyen aus, ohne sich das Eigenthum vorzubehalten, oder Abgaben zu fordern. Zugleich gab er denen, die ihm angehörten, das Beyspiel der Arbeitsamkeit und Sparsamkeit, und öffnete den Hafen von Ponthiamas allen Nationen ohne Unterschied, ohne Zoll zu verlangen, oder den Handel einzuschränken, oder Erpressungen auszuüben. Diese Weisheit und Milde machten sein kleines Gebiet bald zu einem Zufluchtsort von Unglücklichen aus allen Reichen in Hinterindien. In kurzer Zeit wurden von den aus allen Gegenden zuströmenden Menschen die dicken Wälder, mit welchen man umgeben war, niedergehauen. Die fetten Thäler wurden von Dornen und anderem Unkraut, welches sie bedeckte, gereinigt. Man zog Canäle, säete und pflanzte Reis, und andere nützliche Pflanzen, und Gewächse; und machte das Ländchen Ponthiamas zum Fruchtboden eines grossen Theils von Hinterindien, aus welchem die Malayen, die Siamer, und Cochinchinesen in Zeiten der Noth Reis und andere Nothwendigkeiten des Lebens hohlen.
– Dies Betragen des Kiang-tse, in dessen Fussstapfen sein Sohn getreten seyn soll, ist so idealisch, so sehr über die Denk- und Sinnesart aller südlichen, und östlichen Asiaten erhaben, dass ich nicht umhin kann, es noch viel mehr verschönert zu halten, als die Gemählde, welche derselbige Schriftsteller von China und Cochinchina geliefert hat. Das Wahre, was bey den Nachrichten von Ponthiamas zum Grund liegt, besteht vermuthlich darin: dass der Chinesische Kaufmann das verödete Ponthiamas mit Hülfe seiner Landsleute in kurzer Zeit nach Chinesischer Art anbaute, und eine nicht geringe Zahl von Flüchtlingen aus den benachbarten Gegenden herbeylockte, über welche er sanfter regierte, als die Tyrannen, welchen sie entronnen waren: und zwar auch deswegen sanfter regierte, weil er sonst fürchten musste, dass seine Unterthanen ihre ehemaligen Oberherren herbeirufen, und dem kleinen, wenig befestigten Reiche ein Ende machen möchten. In jedem Fall ist es ein tröstender Gedanke, dass es in Hinterindien wenigstens einen kleinen Fleck gibt, wo glückliche Menschen wohnen. Auch ist das Ländchen Ponthiamas ein erfreuliches Beyspiel: wie leicht die Wildnisse in Hinterindien in blühende Paradiese umgeschaffen werden könnten, wenn sie von fleissigen Menschen besetzt, und von gerechten, oder nur leidlichen Regenten beherrscht würden.

Anmerkung: Ponthiamas war, ist Hà Tiên in Vietnam.

Die Arbeit von Pierre Poivre wurde 1768 in Yverdon ohne Nennung des Autors veröffentlicht. Poivre ist einer der weniger bekannten Reisenden und Entdecker. Er war Missionar in China, Cochinchina und Macau, später Verwalter von Mauritius und Réunion und Mitglied des Ordens vom heiligen Geist, Ordre du Saint-Esprit.
1745 reiste er als Mitglied der Französischen Ostindienkompanie nach Indien. Poivre wurde in einer Seeschlacht gegen die Briten verwundet. Eine Kanonenkugel zertrümmerte sein Handgelenk. Ein Teil seines rechten Arms wurde amputiert. (2)
Christoph Meiners, Professor der Weltweisheit, übersetzte den Text aus dem Französischen, ohne Angst vor tropischen Krankheiten oder verirrten feindlichen Geschossen. (3)
Die Reiseberichte von Pierre Poivre
p poivre
(1) https://books.google.co.th/books?id=WWFgAAAAcAAJ
(2) http://www.pierre-poivre.fr/doc-67-8-mois-c
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Meiners

Grundlegende Erkenntnisse über Unterhosen

Unter Unterhosen verstehen wir Kleidungsstücke, welche unter Hosen, Röcken oder Kleidern getragen werden. Sie bedecken meist Gesäß und Geschlechtsorgane. Unterhosen gehören zur Gattung der Leib- und Unterwäsche.
Caterina de‘ Medici, Prinzessin von Urbino, 1519-1589, gilt als Erste, welche die italienische Mode des Tragens von Unterhosen am französischen Hof bekannt machte.
Ab 1547 wurde sie durch Heirat Königin von Frankreich. Bekannt wurde sie nicht wegen ihrer Leibwäsche, sondern durch ihren Befehl, in der sogenannten Bartholomäus-Nacht tausende Hugenotten zu ermorden. (1) Ketzer konnten keine Klamotten aus dem katholischen Italien tragen.

Um 1870 kamen lange Unterhosen auf.
Im Fachgeschäft verlangte ich Unterhosen. Die führten Marken wie Calida, Jockey oder Schiesser. Heutzutage wären zusätzlich Armani und Lagerfeld im Angebot. Ich sagte der echt blonden, hübschen Verkäuferin:
“Guten Tag. Ich benötige Unterhosen.“
“Lange?“
“Ich will sie nicht mieten, ich will sie kaufen!“ (z)

Frauen benutzten bis zum Anfang des 19.Jahrhunderts generell keine Unterhosen. Bäuerinnen trugen im Winter Hosen als Kälteschutz unter den Röcken.
Nach 1840 wurden Unterhosen für Damen Pflicht. Untere Schichten lebten weiterhin “unten ohne“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren Unterhosen des schönen Geschlechts weit geschnitten, wie Pluderhosen. Ab 1877 kreierten Modeschöpfer einteilige Kombinationen wie Hemdhosen oder Unterrockhosen. Schlüpfer wurden erst ab 1914 hergestellt und verkauft. Die deutsche Bezeichnung Schlüpfer bezeichnete ursprünglich Unterhosen, Slip, mit Beinansatz.

Heute ist es bei zivilisierten Menschen üblich, dass Unterhosen aus hygienischen Gründen häufiger als die übrige Kleidung gewechselt werden. Noch in den 1950er Jahren ermahnten Lehrer ihre Schüler, die Unterwäsche etwa einmal in der Woche zu wechseln.
Unterhosen für Jungen oder Männer haben häufig einen “Eingriff“, einen Schlitz auf der Vorderseite, durch den der Penis zwecks urinieren heraus geführt werden kann. Der Schlitz soll nach dem Ersten Weltkrieg erfunden worden sein. Zuvor kannte man dringende Bedürfnisse nicht.

Das Thema Unterhose wurde für mich durch die stark behinderten Funktionen der Arme und Hände aktuell. Ich benötigte qualifizierte Hilfe zum Anziehen sämtlicher Beinkleider. Als Hilfsbedürftiger war ich gleichzeitig Instruktor des Spezialgebiets Unterwäsche. Dick war erstaunt, welche tiefe Kenntnis ich über diese, eher selten diskutierten, delikaten Kleidungsstücke, hatte.

Ich erklärte:
„Du kümmerst Dich wenig um Kleinigkeiten wie Unterwäsche. Du unterscheidest zwischen gestickter Reizwäsche und bequem weiten, warmen Liebestötern. Bei Damenslips werden entweder Spuren der Entlüftung des Verdauungstraktes – der Fachausdruck lautet Flatulenzen (2) – des Blaseninhaltes oder einer erregten Vagina auf der Innen- oder der Aussenseite der teuren Kleinigkeiten im Briefmarkenformat mit Lupen sichtbar – oder von ausserordentlich empfindlichen Riechkolben feststellbar. Nur in Ausnahmesituationen werden Gasmasken empfohlen.Slip Bei Unterhosen von Männern ist das wesentlich komplizierter. Es gibt drei Möglichkeiten, die Unterhose falsch anzuziehen und leider nur eine einzige, den Vorgang korrekt zu erledigen. Weil meine Bewegungsfähigkeit eingeschränkt war, mussten wir uns frühzeitig überlegen, wie wir vorgehen. Als Entscheidungshilfe dienten Lows unterhosenspezifischen Lehrsätze:
A. Die Aussenseite ist innen, der Eingriff ist vorne. FALSCH.
B. Die Aussenseite ist innen, der Eingriff ist hinten. FALSCH.
C. Die Aussenseite ist aussen, der Eingriff ist hinten. FALSCH.
D. Die Aussenseite ist aussen, der Eingriff ist vorne. RICHTIG!“

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Bartholom%C3%A4usnacht
Fürze. Der ultimative Blähführer: Buch
(2) http://www.amazon.de/F%C3%BCrze-Der-ultimative-Bl%C3%A4hf%C3%BChrer-Soundkonsole/dp/3833225661
Fürze werden von AMAZON auch gebraucht angeboten.
(t) http://www.business-on.de/duesseldorf/die-jamin-kolumne-auf-einen-cappuccino-was-ich-von-einer-unterhose-erwarte-und-warum-ich-keine-mehr-von-hugo-boss-kaufe-_id30895.html
(z) http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=1225.msg81304#msg81304