Blechen ohne Kohle

Es gibt Tage, da manöveriert man sich selbst ahnungs- und vor allem gedankenlos in unangenehme Situationen. Vor einigen Jahren schlugen wir uns die Mägen in Changi mit zwei fantastisch zubereiteten Hummern voll. Wir spülten fleissig mit weissem Sauvignon, anstatt uns mit preisgünstigem Cola oder Brunnenwasser zu begnügen.

Am Ende der Reise verflüchtigten sich die Singapur Dollars. Aber ich hatte ja Kreditkarten dabei. Als ich die Rechnung verlangte, fehlten wirklich einige landesübliche Banknoten. Wozu gibt es Kreditkarten? Das Problem war, ich kannte meine Codes, die damals neuerdings erforderlich waren, nicht. Die Nummern lagen irgendwo gut versteckt im Hotelzimmer.Changi Village

Geld wechseln in Changi war nicht möglich. Geldautomaten, ATM, gab es noch nicht. Die Kellnerin rief den Chef. Es kam mir selbst wie eine billige Ausrede vor, als ich die Kreditkartengeschichte dozierte. Ich schlug vor, er könne Dick als Geisel behalten, während ich die Geheimnummern im Zimmer organisiere. Das Hotel war in wenigen Minuten erreichbar.
Es steckten jedoch noch einige Banknoten im Geldbeutel, bloss fremdländische. Er meinte, das sei kein Problem, solange ich ihn mit dem Wechselkurs nicht betrüge. Mit roten Ohren bezahlte ich in gemischter Währung und schlug ein anständiges Trinkgeld darauf.
Als ich mich Wochen später nach der Transaktion erkundigte, war er hoch zufrieden. Seitdem sind wir Stammgäste.

(Un-) Vernunft und Glaube

Das Wesen der Religionen sollte darin bestehen, zeitliche Formen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu transzendieren. (1) Das materialistische Umfeld, grenzenlose Gedankenlosigkeit verbunden mit fragwürdiger Pflichterfüllung des Klerus  ersticken das zarte Pflänzchen Glaube nicht nur, sie fördern den Unglauben. Die Vorbildfunktion der Heilsverkünder kann kaum in die Hose gehen, weil diese Kerle mehrheitlich Roben und Röcke tragen. Ihre schöngeistige Rhetorik entpuppt sich bei genauer Analyse als haltloses Geschwätz. Ist die kultische Vergangenheit unantastbar? Sie scheint gefestigter als Saurierfussabdrücke in Gesteinsschichten.
Die Götter benötigen neues Personal, glaubwürdige und starke Repräsentanten auf Erden. Buddha ist kein Gott. Die Problematik ist ähnlich.

Meist weiß ich, wovon ich schreibe. Auch diesmal. Mein Foto ist von der Qualität her mangelhaft. In einem Mittelding zwischen Andachtsraum und Garage für Sankt Benz, mußte ich mich sputen. Der ehrwürdige Bhikkhu (Abt) schmiß mich aus der heiligen Halle, als ich ihn offensichtlich mit meiner Kamera beim Rauchen und Kaffeetrinken störte, inmitten von sakralem Benzinduft, gemischt mit edlem Hauch von Autopolitur. Die Absicht Hochwürden zu portraitieren hatte ich nie. Nie zuvor erlebte ich in einem Tempel solche Aggression. Ich führte sie auf die vorhandenen Reizgase zurück.

Unvermittelt fragte ich mich, warum meditierende Menschen auf dem tugendhaften Weg zur Erleuchtung unzufriedene Gesichter und unfreundliches Benehmen zeigen. Ist Freundlichkeit auf dem Weg zur immerwährenden Glückseligkeit ein Vergehen? Zweifeln die Suchenden an ihren Fähigkeiten? Darben und leiden sie gar am Verzicht auf weltliche Freuden? Dann sind sie Heuchler in Mönchsroben. Hart schuftende Bauarbeiter strahlen mehr Lebenslust aus, als jene im Grunde egoistische, um nicht zu sagen, schmarotzerhafte Lebenshaltung, die sich doch lediglich um das eigene Seelenheil kümmert. Einige Äbte pflegen einen so ausgedehnten Personenkult mit Bildern, Schriften, Biographien, daß sie heller strahlen, als der Erleuchtete selbst.

Anfänglich glaubte ich Sätzen wie: Der buddhistische Mönch lebt sehr einfach. Er verbringt die meiste Zeit mit Meditation. Er ernährt sich nur durch Betteln. Sein Eigentum beschränkt sich auf zwei Gewänder, eine Schüssel für die zu erbettelnde Nahrung, eine Nadel, eine Schnur. Auf ihr sind 108 Kugeln, ähnlich einem Rosenkranz, aufgezogen. Er hat ein Rasiermesser zum Scheren der Kopfhaare und einen Filter, mit dem er Lebewesen aus seinem Trinkwasser siebt, um ihnen kein Leid zuzufügen.  Der Umgang mit Geld war tabu. Heute sehe ich Mönche mit Kreditkarten Geldautomaten benutzen. Das Meditieren findet abartig vor lärmenden elektronischen Bildschirmen statt, anstelle an Orten des Friedens vor einem streng schweigenden Buddha.

Gewiß, es gibt sie, Mönche und ihre Vorgesetzten, welche die traditionellen Regeln einhalten.  In den Zeitungen finden sich bedauerlicherweise andere Nachrichten wie, die Polizei hielt einen großen Wagen an. Der Fahrer war ein betrunkener Abt ohne Fahrausweis. Er war auf dem Rückweg in den Tempel. Im Wagen befanden sich kaum bekleidete Personen weiblichen Geschlechts.
Es geschieht immer wieder, daß Mönche Frauen vergewaltigen und in Tötungsdelikte, sogar von Mitbrüdern, verwickelt sind. Einige schmuggelten in ihren Roben Drogen. Einer entwendete vom Tempel 300 000 Baht, um an den Spielen der Fußballweltmeisterschaft zu wetten. Ein Autonarr unter den besitzlosen Jüngern Buddhas sammelte 60 Mercedes-Benz Fahrzeuge. Grosse Sänger unter ihnen besuchten in Zivilkleidung Karaoke-Veranstaltungen und Schönheitswettbewerbe reizender junger Frauen in knappen Badeanzügen.

Äbte und Mönche produzieren entgegen sämtlichen Vorschriften Amulette gegen Gefahren an Leib und Seele. Mit dem Verkauf werden Millionen gescheffelt. Ein illustrer Abnehmer ist die Armee. Sie will ihren Kämpfern im Süden zusätzlichen Schutz vor Attacken der Moslems bieten.
Den Gipfel der Dummheit, sich um schlechtes Karma bemühend, zeigte ein junger Mönch, als er vor einigen Monaten in einem 7-11 für wenige hundert Baht PC Zubehör mitlaufen ließ und dabei erwischt wurde.

In Hat Yai, beim Wat Putthikaram stank es im Mai 2011 fürchterlich aus einem parkierten, zugedeckten Wagen der gehobenen Preisklasse. Die Polizei entdeckte darin den verwesenden Körper eines 62 jährigen Mönches. Er war der Besitzer des Fahrzeuges mit Nummernschildern aus Phuket. Der Tote soll kurz vor seinem Ableben in einer Lotterie in Malaysia etwa 5 Millionen Baht gewonnen haben. Da stinkt nicht nur der Verwesungsgeruch gewaltig.

Schnelle, fast unmoralische Bereicherung wächst weltweit ungebremst. Verrückt, das Bangster Virus schlägt nicht nur bei Buddhisten, sondern ebenso bei christlich geimpften Klerikern zu. (3)
Jene verbreiten die Heilslehre des Sohnes eines armen Zimmermanns aus Nazareth. Er, dieser Sohn, bezeichnete Gott als seinen Vater. Das hindert sie nicht, selbst einen opulentem Lebensstil zu pflegen. Diese Ordensmänner spielen in einer anderen Liga und müssen sich als Hirten gezwungenermassen von den Schafen abheben.

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I. trägt eine Schweizer Uhr. (4) Das muß er wohl, geht es doch bei ihm um den präzisen Zeitabgleich mit der Ewigkeit. Zum edlen Zweck wählt man kein preisgünstiges Angebot von Tissot oder Certina. Nur ein Modell der Edelmarke Breguet im Wert von 55’000 Franken, erfüllt solche Anforderungen. Das bestätigt Patriarch Kyrill. Er betonte in einem Interview, er trage die Uhr nicht mit seiner offiziellen Kleidung. Doch da gab es ein Foto. (5)
Es zeigte den Patriarchen im Ornat – ohne Uhr. Russische Blogger entdeckten: Im Lack des Tischblattes spiegelte sich die Uhr. Das Wunder läßt sich einfach erklären: Eine unsorgfältige Retouche des Ärmels mit Photoshop.

Wladimir Gundjajew, so heißt Kyrill I. mit weltlichem Namen, befaßte sich seit Jahren mit „Tabakgeschäften“. (Moskauer Zeitung). Als Vorsitzender der Abteilung für Außenbeziehungen der russisch-orthodoxen Kirche soll der damalige Metropolit von Smolensk und Kaliningrad ab 1993 einträgliche Händel mit Zigaretten gemacht haben. Sie wurden aus dem Ausland importiert und als „humanitäre Hilfe“ steuerfrei weiterverkauft.
Laut „Nowaja Gaseta“ war das nicht das einzige Geschäft des Kirchenmannes. Er exportierte Öl, war in Bankgeschäfte involviert und handelte mit Meeresfrüchten. All dies unter dem schützenden Mantel der Kirche und deshalb von Steuern befreit.
Beim Amtsantritt als Nachfolger des Patriarchen Alexius II., soll sich Kyrills Vermögen auf vier Milliarden US-Dollar belaufen haben. Nach Angaben von „The New Times“ besitzt er ein eigenes Flugzeug, eine Villa in der Schweiz, eine Luxusdatscha und, und, und.
Den seinen gibt’s der Herr im Schlafe. Ps 127,2.

Welche Schlüsse ziehe ich aus den Gegebenheiten? Ich wechsle vom Buddhisten zum Nudisten. Da benötige ich kein Gewand. Die Schüssel zum Betteln erübrigt sich ebenfalls. Zwecks Verehrung weiblicher Gottheiten genügen die mitgelieferten Utensilien. Nur Nudisten sind besitzloser als Buddhisten.

(1)http://de.wikipedia.org/wiki/Transzendenz

(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Klerus

(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Kyrill_I.

(5) http://www.aktuell.ru/russland/panorama/peinliches_uhrenwunder_am_arm_des_patriarchen_3501.html

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