Schuld und Schludrigkeiten

Reisen bildet. Neue Kulturen und andere Menschen vermitteln Denkanstösse.
An einem Abendessen lernte ich in Phitsanulok einen jungen Mann kennen.
Er geht zur Schule – Universität, technisch etwa auf Sekundarschulniveau. Er ist total computerabhängig und stark computergeschädigt, ohne dass er die Technik sinnvoll nutzen könnte. Sein Sehvermögen ist nach Stunden am Bildschirm öfters beeinträchtigt. Langsam aber sicher entwickeln sich die Schlitzaugen zu einem 16 zu 9 Format, nachdem sture, uneinsichtige Quadratschädel bereits weit verbreitet sind.
Vermutlich leidet er nach durchgespielten Nächten an epilepsieähnlichen Anfällen.
Jedenfalls brachte er eine neue Theorie ins Spiel. Mowgli und er siechten an der grausamen Vietnam Krankheit dahin. Er meinte damit, sie zwei beide – verhinderte, behinderte, zukünftige Elite Hinterindiens – wären durch Agent Orange geschädigt.
Mit anderen Worten: Dioxin erzeugt Spielsucht und fördert Kriminalität.
Für Abhängige aller Art sind keine Ausreden billig genug! Ach, die bedauernswerten Jugendlichen!

Weltweit sterben süchtige Spieler und Spinner an den Bildschirmen. Der asiatische Raum ist besonders betroffen.
http://www.pcgames.de/Diablo-3-PC-27763/News/Diablo-3-Todesfall-Taiwan-1001847
http://www.teltarif.de/pc-spielsucht-jugendliche/news/36239.html

Nach meinen bescheidenen Informationen ging der Vietnam Krieg am 30. April 1975 zu Ende. Die zwei jungen Schnösel wurden 1994 und 1998 weit weg von Vietnam geboren. Ihre thailändischen Mütter hatten zur kritischen Zeit kaum vietnamesische Liebhaber. Nicht ganz auszuschliessen wäre allerdings, dass sie zum Kochen billigste dioxinhaltige Transformatoren Öle verwendeten. Das hätten die Frauen schlecht, die Föten kaum überlebt. Den Vater des Knaben kannte ich. Seine spektakuläre Todesursache beschrieb ich in den ‚Geschichten aus Hinterindien‘.

Moderne Kriege sind Verbrechen. Dagegen waren in alter Zeit Schädelklopfen mit Morgenstern und Brust- oder Bauchpenetrationen mit Hellebarde und Schwert bloss Raufereien unter starken Männern, angezettelt durch Blaublütige und Geldadel.
Der Einsatz der Chemikalie war kriminell. Die amerikanischen Streitkräfte versprühten zwischen 1965 und 1971 insgesamt 45.677.937 Liter Agent Orange. Nach meinen Berechnungen kostete das Gift die Steuerzahler etwa 85 Millionen Dollar. Hobbygärtner aufgepasst: Krautkiller sind in größeren Mengen besonders preisgünstig.

Das Herbizid war herstellungsbedingt mit 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin, TCDD, verseucht. Mehrere Hunderttausend Bewohner der besprühten Gebiete und bis zu zweihunderttausend US-Soldaten erkrankten. Dioxine wirken fetotoxisch und fruchtschädigend. Sie sind äußerst langlebig.
Die andauernd hohe Belastung eines Teils der vietnamesischen Bevölkerung mit Dioxin wird bis in die Gegenwart mit erhöhtem Auftreten von schweren Missbildungen bei Kindern, mit Krebserkrankungen und Immunschwächen in Verbindung gebracht.
Betroffene ehemalige US-Soldaten wurden nach gerichtlichen Auseinandersetzungen von den Herstellerfirmen finanziell entschädigt. Vietnamesische Opfer erhielten nie pekuniäre Hilfeleistungen der USA.

Im teuren und letztendlich sinnlosen Gemetzel starben 2 Millionen Zivilisten. Sogar die Thailändische Armee verlor an die 1500 junge Männer.
In Seveso, Italien, richteten 1976 zwischen einigen hundert Gramm und wenigen Kilogramm TCDD verheerende Schäden an. In Vietnam wurden mehrere hundert Kilogramm eingesetzt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Agent_Orange
http://de.wikipedia.org/wiki/Morgenstern_(Waffe)
http://de.wikipedia.org/wiki/Hellebarde
http://www.enzyklo.de/Begriff/fetotoxisch
http://de.wikipedia.org/wiki/Sevesoungl%C3%BCck

http://www.spiegel.de/politik/ausland/agent-orange-opfer-in-vietnam-frau-truongs-endloser-krieg-a-674630.html
Nur für starke Nerven:
http://www.youtube.com/watch?v=XpSPKAqiAmY
Neu: 17. Sep. 2012
http://www.youtube.com/watch?v=1810e-9HSDQ&feature=player_embedded
Die Macht amerikanischer GenTechPioniere lässt Kritik offenbar nicht zu.

Brutales Ende der Reis Enten

6. August 2012

Den Aufsatz “Partydrogen“ wollte ich nachträglich mit einer Fotografie der zurückgekehrten Enten schmücken. Die braunen Tiere leben im braunen Wasser, auf braunen Dämmen, im noch braunen Reisfeld. Um endlich ein bescheidenes Lob für eine aussergewöhnliche Aufnahme einzuheimsen, benötigte ich gutes Licht mit etwas Kontrast in den Brauntönen. Deshalb wartete ich geduldig auf eine günstige Gelegenheit.

Bevor ich mich zum Reisfeld aufmachte, nahm ich die Kamera, formatierte den Speicher und hobelte die Linse mit einem selten benutzten, schön gefalteten, trockenen Taschentuch. Ein altes Erinnerungsstück, reine Leinenqualität mit gestickter Initiale. Ein Geschenk meiner, vor etwa fünfunddreissig Jahren verstorbenen, Grossmutter. Diese Taschentücher würde ich gerne weiter vererben. Die überleben noch manche Kamera. Aber, wer will im Zeitalter von Kleenex, noch anständiges, griffiges Tuch?

Am Reisfeld fehlten dann die Enten. Ich stellte unangenehme Fragen wie: „Wer hat sie aufgefressen?“ In der guten alten Zeit schnitt einer die Grasnarbe am Wegrand mit einer Machete oder einer Sense. Heute dagegen benutzen bequeme einheimische Spezialisten Herbizide, die sogenannte Chemiekeule. Ob Rückstände in den Reis gelangen, interessiert keine Sau. Ob die Enten überleben, desgleichen. Einige starben schnell. Andere zuckten länger.
Sollte einer im Dorf nach dem Genuss von Gaeng Ped, das ist Entencurry, die Schraube ins Nibbana drehen, erhöht sich der Intelligenzquotient im ganzen Lande.

In Enten wurden Antikörper des Hühnergrippe Virus nachgewiesen. Sie erkrankten selbst nicht. Trotzdem wurden sie gnadenlos verfolgt. Eventuell tragen sie die Substanz seit tausend Jahren in sich.