Dienstleistungen vorgestern, gestern und heute

In Chiang Mai werden von der Immigration zur Sicherheit und Integrität des Landes zusehends bedeutend mehr Daten gesammelt. Das wirkt sich ungünstig auf den zeitlichen Aufwand für ausländische Antragssteller aus.
Während einst eine 90 Tage Bestätigung in fünfzehn Minuten erledigt wurde, darf man heute vier Stunden in den durch reichlich Phantasie geformten Kunstleder-Sesseln der Promenada kleben, um den neuen Eintrag zu erleben. Vor einem Jahr noch wurden Farang, frei nach Wolfgang Borchert, „draussen vor der Tür“ abgekocht. (1)
Früher wurde im Pass lediglich das alte Formular gegen ein neues ausgetauscht. Heute muss zwecks Amortisierung der Kopierautomaten der ganze Pass kopiert werden. Wo all diese Papierflut abgelegt und gespeichert wird, weiss ich nicht.
Zusätzlich darf zur Erhöhung der persönlichen Sicherheit ein Informations Formular für Ausländer, Foreign National Information Form, ausgefüllt werden. Die Namen der meist verstorbenen Eltern sollen in der Erinnerung der Antragsteller fixiert werden. Ebenso interessiert sich das Amt für die Benutzung sozialer Medien im Internet und ganz nebenbei die Bank Verbindungen und Konto Nummern. Ein nicht normgemässes Foto ergänzt die zwei Seiten Information.
Beim den letzten Besuchen in der Promenada durfte ich die zwei Seiten in zehn Tagen dreimal ausfüllen. Erst für das Jahres-Visum, dann für die Wieder-Einreise-Genehmigung, und dann für die neunzig Tage Frist. Dies erhöht die Attraktivität der Wartezeit
Weil ich je nach Belastung Mühe beim Schreiben bekunde, kopierte ich die wichtigen Urkunden in den PC, füllte sie aus, speicherte und druckte das Zeug, in Chiang Mai und in Satun Versionen.

Beim Reisen sollten Touristen beachten, dass sie bei Ortswechseln stets registriert werden. Üblicherweise besorgen das die Hotels. Sonst drohen empfindliche Bussen bis 4‘000 Baht. Bei Mietwohnungen, sind die Vermieter verpflichtet, Meldung zu erstatten.
Seit dem wir in Satun eine eigene Unterkunft haben, musste ich bei der Immigration registriert werden. Ich hatte vor, anstelle der neunzig Tage Frist zur Immigration, nach Langkawi zu reisen. Da ich das Büro sowieso aufsuchen musste, änderte ich nach der langen Anreise meine Pläne und füllte das entsprechende Formular aus. Vorsichtigerweise druckte ich ebenfalls ein Informations Formular für Ausländer und die erste Seite des Reisepasses aus.
Um zehn Uhr fuhren wir beim neuen Gebäude in der Nachbarschaft der Mambang Matsayid-Moschee Satun vor. Die dachten an alles. Ein markierter Behindertenparkplatz wartete auf Benutzer. Nicht zu steile Rampen führten in den ersten Stock. parkplatz-satun
Da war kein Gedränge. Zwei freundliche Damen warteten auf Kundschaft. Ich erklärte meine Anliegen und händigte einer Beamtin den Stapel Formulare aus. Sie meinte, das Informations Formular für Ausländer benötige sie eigentlich nicht. Sie wies auf Trinkwasser und Kaffee hin und machte sich an die Bearbeitung der Unterlagen. Wie vor zwanzig Jahren in Chiang Mai, war die Sitzung nach fünfzehn Minuten zu Ende. Herzlichen Dank! satun-moschee

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Drau%C3%9Fen_vor_der_T%C3%BCr
Mehr Chiang Mai Immigration:
https://hinterindien.com/2015/10/15/los-legendaere-obrigkeitliche-schlitzohrigkeit/

LOS – Legendäre obrigkeitliche Schlitzohrigkeit

Wir Farang kennen es. Nach dem besonders sorgfältigen Rasieren und Kämmen rennt man zum Garderobe-Schrank und reisst den Konfirmations- oder Hochzeits-Anzug heraus. Nach der eingehenden Kontrolle, ob die Krawatte richtig sitzt, nimmt man seine Dokumenten-Tasche, möglichst von Gucci, schnürt die auf Hochglanz polierten Leder-Schuhe, Armani, und geht mit freundlichem Lächeln, üben, üben, üben, zur Immigration.
Vorher legt der Kluge in der Morgendämmerung beim Geisterhäuschen, San Phra Phum, ศาลพระภูมิ, einen Sicherheitshalt ein. Ein Schluck Lao Khao, duftende Blüten, sowie einige angebrannte Weihrauchstäbe, könnten die Geister milde stimmen. Man ist ja nicht abergläubisch, aber sofern es nichts nützt, schadet es sicher nicht.

Sind die wenigen Parkplätze rings um die Gebäude der Immigration besetzt, findet man sicher ein Plätzchen am Internationalen Flughafen von Chiang Mai. Nach einem gesundheitsfördernden Fussmarsch steht man dann in der Reihe und wartet gespannt auf die Erteilung einer Glücksnummer. Sofern die aufgerufen wird, darf man einen Beamten mit seinem Anliegen betrauen.

So war es einmal. So ist es nicht mehr. Die Immigration in der Nähe des Flughafens gibt es nicht mehr. Die Beamten residieren in der Promenada, einem drittklassigen Einkaufszentrum. Dort gibt es schattige, vor Regen schützende Parkplätze. Die sind (waren) bisher gratis.
Ein ungebügeltes, löchriges T-Shirt, Shorts, Flip-Flops und genügend Geldscheine genügen jetzt völlig für die wichtigen Amtshandlungen und Stempel. Man darf auf Wunsch morgens um fünf Uhr immer noch anstehen, um dann nach halb acht Uhr eine Nummer zu erhalten, muss aber nicht.
Die neue Immigration beeindruckt durch eine grosszügige, klimatisierte Schalterhalle für die Beamten. Die Besucher können beliebig vom warmen thailändischen Klima vor der Halle profitieren, bis ihre Nummer viel später aufgerufen wird.
Für die neunzig Tage Aufenthalts-Frist, gibt es täglich hundert Nummern. Für das Rentnervisum werden angeblich nur zwanzig Nummern verteilt.
In der alten Immigration arbeiteten etwa dreissig Angestellte. In der neuen Promenada sieht man rund ein Dutzend Beamte. Offenbar konnte deren Effizienz bedeutend gesteigert werden.
Meine Erfahrung: Re-Entry Erlaubnis, kurz vor Dienstschluss, in fünf Minuten!

Als wir die Promenada und das Amt besuchten, erzählte ein unglücklicher Deutscher allen Anwesenden:
„Ich stand bereits um fünf Uhr in der Früh hier. Jetzt ist vier Uhr und ich warte, warte, warte immer noch auf meinen Reisepass!“
Der uneinsichtige Mann wurde wiederholt aus den Schalterraum, wo er lauthals aufbegehrte, an die warme Luft gesandt. Er begriff nicht, dass er vom Schicksal ausgesucht wurde, den Beamten Eis-Tee oder Eis-Kaffee anzubieten.

Neben dem geräumigen Dienst-Raum der Immigration steht ein klitze kleines Büro. Die netten Leute dort bieten folgende Dienstleistungen an:
90 Tage-Kontrolle, Kosten: 500 Baht (Erledigung in fünfzehn Minuten, Stand September 2015)
Rentnervisum: 3000 Baht plus Gebühren. (vor 10 Uhr die Unterlagen abgeben. Am frühen Nachmittag Fototermin bei der Immigration, der Rest ist erledigt.)

Glücklicherweise gibt es seit der Militärregierung keine Korruption mehr!

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=14206.msg1189098#msg1189098