Der Irrtum eines Seefahrers verunsichert Schüler in Thailand

In in meiner Bibliothek in Herrenschwanden standen das Bordbuch des Entdeckers Kolumbus, Bücher über alle großen Seefahrer, neben einigen Bänden von Salvador de Madariaga. Mit meinen unkontrollierbaren Fingern könnte ich in keinen Büchern blättern. Wenn Sie also einige Ungereimtheiten entdecken, sind sie auf Mängel in meinem Gedächtnis zurück zuführen. 

Anno 1492 liess ein Genuese, Cristofero Colombo, in spanischen Diensten , also Cristobal Colon, in Palos de la Frontera – genau in La Rabida, die Anker seine Karavellen heben und segelte gegen Westen, nach Indien. In la Rapita, einige Tages-Märsche entfernt von Palos, in der Provinz Tarragona, entdeckte ich einen versteinerten Fußabdruck des Cristofero, genau so – wie es viele Fußabdrücke Buddhas in Thailand gibt.


Die Aussicht von den Karavellen war wochenlang dieselbe. Berge, nichts als Wellenberge. Der Kommandant lehnte sich oft an den Hauptmast, rauchte genüsslich kubanische Zigarren und bereitete sich auf diese Weise auf Diebstähle, Gaunereien, Eroberungen und Kämpfe vor.

Als die Flotte am 12.10. 1492 die westindische Insel Guanahani anlief, sahen sie nackte Eingeborene. Weil sich die Seeleute in Indien wähnten, nannten sie die Menschen Indianer. Diese Leute waren Taino, eine Gruppe der indigenen Arawak. Colon kümmerte sich nicht um Kleinigkeiten. Er nahm das Eiland in den Besitz der spanischen Krone und nannte es fortan San Salvador. Schätzungen zeigten, dass bei der Landung der Spanier etwa 300’000 bis eine Million Taino lebten. 1518 waren es nur noch 4000, – – – angewandter Umweltschutz? Blei- und Stahl-Vergiftungen durch Flinten, Hieb- und Stichwaffen, sowie eingeschleppte europäische Krankheiten wie Grippe und Masern, rafften die Einheimischen dahin.


Der achtjährige Goon baute einen Roboter. Im Gesicht waren Sensoren, in den Armen und Beinen Schrittmotoren montiert. Ein Bluetooth-Empfänger befand sich am Rücken neben der Batterie. Nun sollte man das Monster programmieren. Auf thailändisch ist das schwierig. Deshalb lernt der Knabe Englisch. In seinem Englisch-Buch existiert für jeden Buchstaben eine Abbildung. Beim I illustrierte kein Inder, Fakir, Hindu, Gandhi, Guru, Raja oder Sikh das Buch.  Es war ein Indianer, eine Rothaut – nicht etwa mit edlem Adlerfedern-Schmuck, sondern billig gefärbten Hühnerfedern. Kanada und USA benutzen zum Schutz der Minderheit der Indianer,  für die Inder den Begriff Asian Indian oder East Indian. Rothäute, American Indian gibt es nur noch wenige. Asian Indian dagegen bevölkern mit über 1,3 Milliarden die Erde.Obwohl ursprünglich die Religion der Thais aus Indien stammt, kennen sie den Begriff Indian kaum. Buddha war ein Indianer!
Würde man heute noch mit Karavellen von der Westküste Amerikas aus Indien bereisen, wäre Hinterindien Vorderindien.

Wenn Geld nutzlos wird ….

Ich lag in Bern seit Monaten im Krankenhaus. In der Nachttischschublade waren wohlbehütete zwanzig Franken. Ich hatte unbändige Lust auf eine Essiggurke mit Rauchfleisch vom Rind (Pastrami). Das gab es in einem Geschäft, das bloss einige Minuten entfernt war. Aber ich musste liegen und hatte nur selten Besuch. Je länger der Krankenhausaufenthalt wurde, desto seltener die Gäste. Die Banknote selbst war für ein exquisites Sandwich völlig ungeeignet.

In Satun hilft sogar ein dickes Bankkonto nicht viel. Das Warenangebot ist äusserst bescheiden. Pastrami gibt es nicht. Auf all die italienischen Salami darf verzichtet werden. Alle paar Wochen erreichen als Strafe eines zornigen Gottes einige Würste von TGM aus Bangkok Satun. Sie werden ungestraft als Salami bezeichnet. Original Deutsches Rezept, erfunden unter den berühmten Salamipalmen in der Salamiallee zu Berlin. Das Kilogramm zu 750 Baht. Essiggurken sah ich hier noch nie.
Fette, dunkel eingekleidete, herumwatschelnde, dabei schwabbelnde Hinterschinken, die beim blossen Betrachten den Appetit hemmen, sind im Süden übliche Handelsware.
Deutsche, italienische oder gar spanische Schinkenarten wie sie in Chiang Mai angeboten werden, suchen deine Augen und ein wässriger Gaumen vergeblich.

Der Senf heisst French, „Französisch“, ist aber ein amerikanisches Produkt. Weitere Auswahl gibt es selten. Panzerspargel, Bleichspargel als Büchsenfutter, schafft den weiten Weg von China in den Süden nicht. Roggenmehl und Maisgriess sind unbekannt. Die Menschen sollen gefälligst Reisüberschüsse vertilgen.

Das meiste Obst stammt aus importierter genmanipulierter Produktion. Was die farbigen hübschen Kleber mit den Nummern auf den Früchten bedeuten, weiss niemand. Keine und keiner interessiert sich dafür. Die Hauptsache sind günstige Preise. Warum sind nicht mehr inländische Früchte in den Gestellen? Sofern Trauben angeboten werden, einheimische Beeren, Früchte aus Chile, China oder Indien, verschwindet erst die importierte Billigware. Die Qualität ist Nebensache.

Es gibt viele Delikatessen, von denen wir nur träumen können. Trotzdem bin ich zufrieden. Saubere Luft und gutes Wasser kann man im Norden höchstens in Flaschen beziehen. Meine Augen sind nicht mehr dauernd auffällig rot entzündet. Am Morgen entfallen Hustkonzerte und Spuckorgien im Badezimmer. Das gemässigte Klima, während des Jahres weder ungemütlich kalt noch extrem heiss, ist wie Balsam für einen kleingeistigen, alten Hetzer und Ketzer.

Wenn Geld nutzlos wird, weil es keiner haben will

Der Herr General erfreut uns, weil er Geld haben will. Zwecks Beschaffung stellte er neue Abgaben auf alkoholischen Getränken in Aussicht. Beim Wein beispielsweise, statt bisher 225 – 2100 Baht pro 0,75 l Flasche, sollen die neuen Steuersätze 519 – 1482 Baht betragen – plus Mehrwertsteuer.
Knochenbrecher-Fusel ist immer noch zu günstig. Ich las im Internet, Rum, Marke Onkel Tom, sei lecker und preisgünstig. Zuckerrohr wächst in Mengen im Land. Wieso noch niemand in Thailand daraus ähnliche Destillate wie Bacardi erzeugen kann, wissen nur die unbefriedigten Geister. Als Schutzgeist würde ich mich nicht mit Lao Khao bestechen lassen. Das müsste mindestens ein gefälschter chinesischer Cognac Courvoisier VSOP XP sein. Sämtlichen sogenannten Thai Rum Destillaten fehlt das typische Rum Aroma. Wenn sie die Etiketten lesen, erfahren sie, dass der in Thailand teuer verkaufte Bacardi in Indien billig hergestellt wird.
Ich legte zweihundertzwanzig Baht aus und brachte sieben Deziliter Onkel Tom mit nach Hause. Ein erster Geruchstest war verheissungsvoll. Die Nase genoss ein volles Rum Aroma mit sonnigen Grüssen aus Barbados, Cuba und Jamaica.
Erst beim Trinken versagte Onkel Tom vollständig. Da waren Fremdgerüche einer ganzen Batterie von Aromen, darunter ein fast stechend beissender Vanille Anteil. Der Fusel reizte zusätzlich unsere Därme. Dieser Schnaps hilft eventuell bei Verstopfungen, oder du ziehst Rizinus-Öl vor.

Das erste Mal wollte eine Gärtnerei in der Nähe von Hang Dong mein thailändisches Geld nicht annehmen und behielt die ausgesuchten Pflanzen. Sehe ich aus wie ein Notenfälscher oder wie ein professioneller Bankräuber?
In Satun in der Nähe befindet sich dem Namen nach zu schliessen ein GROSS-Markt. Die herumstehenden Angestellten machten uns mehrmals Schwierigkeiten, Waren zu beziehen. Einmal warteten wir eine halbe Stunde an der Kasse, um den Preis einer Flasche Wein zu ermitteln.
Die Mitarbeiter entdeckten, dass der Wein im Computer nicht zu finden war. Weil er nicht aufgeführt war, hätten sie ihn verschenken können. Keiner hätte etwas bemerkt. Mit demselben Resultat hätten wir ihn stehlen können. Der Diebstahl hätte nicht bewiesen werden können. Vielleicht war die preislos teure Flasche eine stille „Reserve du Patron“.

Seit drei Jahren liegt eine Flasche Syrah Cabernet im Verkaufs-Regal. Der Flaschenverschluss leckte. Der Wein ist teilweise ausgelaufen und verfärbte Kragen und Etikette. Kein vernünftiger Mensch bezahlt Geld für verdorbenen Wein.

Auf eine besonders miese Masche stiess ich im ganzen Land. Die Angestellten stellen Ware mit Preisen versehen aus. Sofern man das Objekt erwerben will, heisst es dann:
„Das ist unser Ausstellungsstück. Wir verkaufen es nicht.“ Wieso wird Zeug angeboten, das nicht verkauft werden will. Sind die Angestellten zu faul oder zu dumm zum Wegräumen? In Bern musste laut Verfügung angeschriebene Ware zum angebotenen Preis verkauft werden.

Eines Nachts nach zehn Uhr, wechselte Dick die Bettwäsche. Danach erzählte sie mir, die Matratze hätte grau-schwarze, fleckige Stellen, möglicherweise Fungus. Da der Bettinhalt während eines Jahres in Leks Haus mit Schimmelzucht lag, vertraute ich Dicks Bemerkung.
„Verschenk das Ding“, sagte ich. „Morgen kaufen wir eine neue Unterlage.“
Noch am gleichen Abend bot sie die neuwertig aussehende Matratze telefonisch einer Freundin an. Am Morgen sah ich mir im Sonnenschein das zweijährige Objekt an. Ich entdeckte keine verräterischen Flecken, noch roch ich Schimmel. Die Flecken entstanden möglicherweise durch zerriebene Kokosfasern. Eine halbe Stunde später war das Bettgestell geräumt.

Wir betraten, nach dem ich mit Banknoten aufgerüstet hatte, das Geschäft. Wir hatten Glück. Es waren Matratzen am Lager. „Swiss Design“, hiess es, mit einer kleinen rot-weissen Flagge dekoriert. „Made in Thailand!“ Zusammensetzung, unter anderem Stahlfedern, nicht Entendaunen, Rosshaar und Seegras, sondern Kokosfasern. Der Preis war herabgesetzt. Anstatt 45xx Baht nur 28xx Baht, inklusive Gratislieferung. (Wussten sie, dass Chinesischer Tee aus gebrauchten Seegras-Matratzen gebraut wird?)
„Zu dem Preis können wir zuschlagen. Wenn unsere Rücken nach einer Nacht schmerzen, kaufen wir andernorts etwas Besseres“.
Wir warteten vergeblich auf Bedienung. Nach einiger Zeit organisierte Dick eine Angestellte. Diese wiederum sandte einen freundlichen jungen Mann. Er schaute in sein Notizheft und meinte: „Nach vier Uhr kann ich ihnen den Artikel zustellen.“
Wir warteten auf die Rechnung. Anstelle der Rechnung erschien eine grell-giftige, resolute junge Frau. Sie bellte: „Heute wird auf keinen Fall geliefert, vielleicht morgen“. Darauf schrie in einer Lautstärke, dass es jeder hören sollte, zu einer anderen Angestellten: „Die sollen sich doch einen Kleinlaster mieten“.
Dick beschwerte sich an der Kasse über die ungewohnt unfreundliche Abfertigung langjähriger Kunden. Ich dachte, vielleicht machte die aggressive junge Frau unerfreuliche Erfahrungen auf der Unterlage. Sie wollte uns nur warnen.

Dick fuhr zu unserem Möbellieferanten. Er hatte gediegene Bettinhalte beginnend bei achttausend Baht. Wir entschieden uns für eine Qualitätsmatratze von über 20‘000 Baht und erhielten einen grosszügigen Rabatt. Zehn Minuten nach unserer Rückkehr lag das Latex-Ding bei uns im Bettgestell.

Danach klingelte nicht der Tinnitus. Es es war der Grossmarkt. Sie könnten nun doch heute liefern.

Vergiftete Düfte und Träume

Warum verbrennt Low Zigaretten anstatt Räucherstäbchen? Beide Duftspender erzeugen Feinstaub. Zigaretten enthalten vorwiegend Tabak. Preisgünstige Räucherstäbchen in Thailand haben einen gefärbten, brennbaren Träger. Das duftspendende Material enthält Holzpulver, synthetische oder natürliche Glimmstoffe, Öle und Kleber. Räuchern von losem Räucherwerk auf Holzkohle oder Sieben ist aufwendig. Stäbchen sind einfacher anzuwenden. rattanakosin
Indische Räucherstäbchen werden durch Auftragen einer Paste aus Holzpulver, Harzen, Kräutern, Ölen, Wasser und Räucherwerk auf dünne Holzstäbe hergestellt. Preiswerte Räucherstäbchen enthalten synthetische Geruchsstoffe wie Moschus-Ambrette-Verbindungen. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit ist nicht gesichert.

Die chinesischen Stäbchen werden oft „joss-sticks“ genannt. Es sind Glücks- und Schickssalsstäbchen. Sie dienen dazu, die Götter berechnenderweise gnädig zu stimmen.

Japanische Räucherstäbchen enthalten keine Trägerhölzchen. Die aus Wasser, Holzpulver und Duftstoffen hergestellte Paste, wird durch Düsen gepresst, geschnitten und getrocknet. Hochwertige Räucherstäbchen enthalten bis 20 Komponenten. Sie reifen mehrere Jahre lang.

Seit dem 7. Jahrhundert werden in Tibet Räucherstäbchen angefertigt. Sie enthalten Kräuter und werden von Hand gerollt. Die handgerollten Produkte ohne Trägerstäbchen sind sie wesentlich dicker und grobkörniger als die japanische Ware.

Der klassische Weihrauch ist das luftgetrocknete, teure Gummiharz, das in Muskat, Dhofar, Oman, aus dem Weihrauchbaum, Boswellia, gewonnen wird.

Das Abbrennen von Räucherstäbchen erhöht den Gehalt an Feinstaub. Krebserregende Stoffe wie Benzol und Formaldehyd werden freigesetzt. Der Rauch von Räucherstäbchen und anderem Räucherwerk kann mehr zellschädigende Substanzen enthalten als Tabakqualm. (2)
Ein im britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist (Nr. 2302, S. 5) veröffentlichter Bericht erwähnte: in einem Tempel in Taiwan, in dem Räucherstäbchen abgebrannt werden, wurde eine 40fach höhere Konzentration krebserregender polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe als in Häusern von Rauchern gemessen. Eine dem Passivrauchen vergleichbare Gefährdung ist durch die Zusammensetzung des Rauches gegeben. Die gemessene Feinstaubbelastung in einer katholischen Kirche in Bayern entsprach der Belastung einer vielbefahrenen Straße oder einer verrauchten Kneipe. Ich will doch unsere Lan Na Hausgeister nicht vergiften!

Nach den Düften zu vergifteten Träumen.
Die Zahl der Crystal-Meth Abhängigen ist in der Stadt Neuenburg, Schweiz, am höchsten. Wie Untersuchungen der Universität Lausanne zeigten, wurden im Abwasser von Neuenburg 33.4 Milligramm gemessen. Zürich rangierte mit 21.8 Milligramm auf Platz zwei. Zürich weist dafür die höchsten Kokain Werte auf.
Ein Grund, warum die Droge im Welschland stark verbreitet ist, dürfte in den zahlreichen Thai Massagesalons zu suchen sein. Sie gelten als Umschlagplätze für die Thai-Pillen aus Metamphetamin. Einen ausführlichen Bericht brachte der Tagesanzeiger. (2)
Im Raum Chiang Mai oder Satun könnte der allgemeine Drogenmissbrauch schlecht nachgewiesen werden, weil es keine Abwassersammler gibt. Die ausgeschiedenen Stoffe gehen direkt in die Natur, sei es Boden oder Gewässer.

(1) http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Raeucherduft_ist_Krebs_erregend1771015585251.html
(2) http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Neuenburg-ist-die-Hauptstadt-der-CrystalMethSuechtigen/story/22425146

Gewürznelken, Muskatnuss, Pfeffer, Zimt und andere Kostbarkeiten

Heute jammern gesunde, kräftige, junge Menschen im Internet über die Strapazen, denen sie auf dem langen Weg nach Südostasien ausgesetzt waren. Sie scheinen ahnungslos zu sein, wie unsere Vorfahren diese Länder bereisten. Sie dagegen sitzen in komfortablen Flugmaschinen und werden mit Speisen und Getränken verwöhnt. Sogar elektronische Unterhaltungsmöglichkeiten sind in jedem Sitz eingebaut. Aber sie fühlen sich als privilegierte Entdecker.

Ein grosser Schritt auf dem weiten Weg nach Asien war die Entdeckung des Kaps der guten Hoffnung im Süden Afrikas im Jahre 1488 – durch den Portugiesen Bartolomeu Diaz! Dieses Wissen um den Seeweg nach Asien blieb für einige Jahrzehnte portugiesischen Seefahrern vorbehalten.
Wie klein und eng diese Segelschiffe waren und den Einfluss auf die Denkweise der Reisenden, bezeugt eindrücklich die Porta de Santiago der portugiesische Festungsanlage A Famosa von 1511 auf Melaka. Santiago
Die niederländischen Kartographen zeichneten die besten Seekarten der damaligen Welt. Ein holländischer Spion beim portugiesischen Bischof von Goa, Indien, kopierte Karten. Sie ermöglichten den Holländern, die Portugiesen zu überholen. 1641 eroberten die Holländer das portugiesische Melaka.

Basierend auf Anregungen von Jan Huygen van Linschoten, brach 1595 eine erste niederländische Flotte unter Führung von Cornelis de Houtman nach Asien auf. In vier Schiffe der Flotte wurden 290.000 Gulden investiert. Allein 100.000 Gulden waren zum Ankauf von Gewürzen in Ostindien bestimmt. Die Schiffe, die erst 1597 wieder ihren Heimathafen erreichten, hatte das ursprüngliche Zielgebiet, die Molukken, nicht erreicht. Dennoch bewirkte deren erfolgreiche Rückkehr, dass 1598 fünf Expeditionen verschiedener Ostindischer Kompanien von unterschiedlichen niederländischen Hafenstädten ins Pfefferland ausliefen. Bereits 1599 erreichte eine Expedition die weiter östlich liegenden Molukken. Teile einer Flotte segelten erfolgreich zu den Banda-Inseln und nach Sulawesi.

In knapp 200 Jahren, in denen die holländische „Vereenigde Oostindische Compagnie“ existierte, segelten nach Schätzungen knapp eine Million Menschen in ihren Diensten nach Asien! Von diesen Angestellten kehrte nach Berechnungen von Historikern bloss etwa jeder Dritte zurück. Manche starben während der achtmonatigen Seereise nach Batavia, heute Jakarta, an Skorbut. Während des Aufenthalts in Südostasien drohten tropischen Krankheiten. Die hygienischen Bedingungen auf den Schiffen waren katastrophal. Auf den ungefähr fünfzig Meter langen Schiffen waren 250 Männer zusammengepfercht. Die Soldaten durften bei gutem Wetter zwei Mal täglich für eine halbe Stunde auf das Oberdeck, um frische Luft zu schnappen. Während dessen pflegten sie ihre vom Rost befallene Ausrüstung.

Die Erträge lassen sich sehen. Der Handelswert der nach Europa eingeführten Waren betrug bis 1700 577 Millionen Gulden und im zweiten Jahrhundert, bis 1795, 1,6 Milliarden Gulden. Der Wert berechnet nach dem heutigen Goldpreis eines Gulden, 4g = 194 EURO, betrug also 423 Milliarden EURO.

Wenn sie eine Prise Pfeffer auf ihre Pizza streuen, oder wenn sie sogar vor den Resten portugiesischer oder holländischer Kolonisationsversuche in Melaka stehen, verschwenden sie einen Augenblick lang ihre Gedanken im Gedenken an die heldenhaften Abenteurer und Opfer früher christlicher Seefahrt. Wegweiser 2
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Huygen_van_Linschoten
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Niederl%C3%A4ndische_Ostindien-Kompanie

Naturwissenschaftliche Arbeiten vor 1800

Erlauben sie einige Gedanken über meine beiden Informationslieferanten. Beide lebten in einer für uns komplett fremden Welt.
Monsieur Poivre reiste monatelang in windgetriebenen Nussschalen der Küste Afrikas entlang, um das Kap der guten Hoffnung, entdeckt 1488 vom Portugiesen Bartolomeu Diaz, nach Indien, Hinterindien und weiter bis nach China. Die Ernährung, die Trinkwasserversorgung an Bord, waren meist äusserst bescheiden. Ärztliche Versorgung gab es kaum. Stellen sie sich nur eine Amputation um 1745 am Arm vor. Wie wurde narkotisiert? Hoffentlich hatten die Herren Chirurgen und Bader, ordentlich scharfe Messer und sterile Sägen!

Unterkünfte in den tropischen Gebieten hatten keine Klimaanlagen. Der Komfort von Kühlschränken fehlte. Tropische Fieber und Magen-Darm-Probleme erwarteten fremde Eindringlinge wie heute. Motorgetriebene Verkehrsmittel gab es weder in Europa noch in Übersee. Das Telefon schlummerte geduldig seiner Erfindung entgegen.
Ich denke nicht, dass Missionar Poivre einen Dolmetscher hatte. Folglich musste er die Sprachen der Eingeborenen der bereisten Länder erlernen. Was war sein Antrieb, die damalige Welt zu bereisen? War er ein Eiferer des Glaubens, der sich mit der Bibel in der Hand von Hostien ernährte – oder doch eher ein alles verzehrender Abenteurer?

Ein anderer Typ war wohl Christoph Meiners, Professor der Weltweisheit in Göttingen. Christoph sass von Büchern, den Vermittlern des Wissens, umgeben in seiner Studierstube. An trüben Tagen benötigte er Kerzenlicht für seine Arbeit. Meiners übersetzte und zitierte eine dreissigjährige Schrift und war damit top aktuell. In unserer Zeit wäre er chancenlos. Bei heutigen Nachrichten und Publikationen geht es um Minuten und nicht um Jahrzehnte.
Würde ich eine wissenschaftliche Arbeit über Zellular-Telefonie vor dreissig Jahren veröffentlichen, würde das bedruckte Papier höchstens zum Verpacken von Wurstbrot für Familienausflüge Verwendung finden.

1978 beispielsweise wurde in der Schweiz das Natel, Nationale Autotelefon, eingeführt. 1983 wogen die modernsten Funk-Geräte in einem Koffer immer noch 12 Kilogramm. Bereits zehn Jahre später folgte die digitale Datenübermittlung. Wo stehen wir heute? Mit 150 Gramm Elektronik inklusive Stromversorgung, kommunizieren wir weltweit mit Bildern, Daten, Filmen und Sprache. In den klugen Maschinchen sind Fotoapparate und sogar GPS, globale Navigationssatellitensysteme zur Positionsbestimmung, eingebaut. Die meisten Benutzer sind durch die hochintelligenten Telefone geistig überfordert. Die Analphabeten Hinterindiens nutzen Smartphones bloss als Fotoalben und für Pornofilme – mittlerweile eine eigene Industrie. Für reine Telefonie genügen Geräte in der Grösse einer Armbanduhr.
Aber – sind unsere Geistes-Blitze so eminent wichtig, dass wir diese grossartige Technik unbedingt nutzen müssen, um unsere Freunde damit zu beglücken. Dick erhält täglich hundertzwanzig meist nutzlose Line-Nachrichten mit Bild. Mowgli wurden bereits vor Jahren innerhalb vierundzwanzig Stunden über dreihundert Mails zugestellt.
Unsere Körper sind dauernd technischen Frequenzen von fünfzig Hertz, Wechselstrom, bis in den Gigahertz-Bereich, Mikrowellen, ausgesetzt. Die Auswirkungen sind unbekannt. Wir wissen nur, Intelligenz vermittelt diese Strahlung leider nicht.

1798 durfte sich Meiners unbescheiden Professor der Weltweisheit nennen. Es war eine relativ schlichte, unerforschte Welt. Alle undenkbaren technischen Errungenschaften standen der Menschheit noch bevor: Elektrischer Strom, Glühlampen, Radio, Fernsehen, motorisierter Bahn-, Luft-, Schiff- und Strassenverkehr und vor allem weltweite Kommunikation.

Nur eines hat sich kaum verändert: für Mord- und Totschlag genügen immer noch Mentalität und Methoden der Steinzeit. Dabei vermodern wir Menschen, wie weggeworfenes Obst, mit der Zeit rein selbsttätig. Wozu also gedankenloser Aufwand an Kraft, Stahl, Pulver und Blei?

Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit

Wie war es vor dem Jahr 1796 in Hinterindien? Ein Schreibtisch-Korrespondent berichtete:

Seite 281 und folgende (1)

Von allen bisher angeführten Ländern unterschied sich nach Poivre’s Erzählung wenigstens noch vor einem Menschenalter das Ländchen Cancar, das auf den Charten Ponthiamas genannt wird, und zwischen Siam und Cambodia liegt.
Vor etwa funfzig Jahren, sagt der eben genannte reisende Philosoph, liess sich ein Chinesischer Kaufmann Kiang-tse mit einem kleinen Häuflein von Landsleuten in Ponthiamas nieder, und vermochte die benachbarten Fürsten dahin, dass sie ihn beschützten, oder wenigstens in Ruhe liessen, bis er seine Niederlassung mit Gräben umzogen, und mit Wällen gegen einen plötzlichen Angriff gesichert hatte. Er theilte jedem Fleissigen, der sich zu ihm, und den seinigen gesellen wollte, Ländereyen aus, ohne sich das Eigenthum vorzubehalten, oder Abgaben zu fordern. Zugleich gab er denen, die ihm angehörten, das Beyspiel der Arbeitsamkeit und Sparsamkeit, und öffnete den Hafen von Ponthiamas allen Nationen ohne Unterschied, ohne Zoll zu verlangen, oder den Handel einzuschränken, oder Erpressungen auszuüben. Diese Weisheit und Milde machten sein kleines Gebiet bald zu einem Zufluchtsort von Unglücklichen aus allen Reichen in Hinterindien. In kurzer Zeit wurden von den aus allen Gegenden zuströmenden Menschen die dicken Wälder, mit welchen man umgeben war, niedergehauen. Die fetten Thäler wurden von Dornen und anderem Unkraut, welches sie bedeckte, gereinigt. Man zog Canäle, säete und pflanzte Reis, und andere nützliche Pflanzen, und Gewächse; und machte das Ländchen Ponthiamas zum Fruchtboden eines grossen Theils von Hinterindien, aus welchem die Malayen, die Siamer, und Cochinchinesen in Zeiten der Noth Reis und andere Nothwendigkeiten des Lebens hohlen.
– Dies Betragen des Kiang-tse, in dessen Fussstapfen sein Sohn getreten seyn soll, ist so idealisch, so sehr über die Denk- und Sinnesart aller südlichen, und östlichen Asiaten erhaben, dass ich nicht umhin kann, es noch viel mehr verschönert zu halten, als die Gemählde, welche derselbige Schriftsteller von China und Cochinchina geliefert hat. Das Wahre, was bey den Nachrichten von Ponthiamas zum Grund liegt, besteht vermuthlich darin: dass der Chinesische Kaufmann das verödete Ponthiamas mit Hülfe seiner Landsleute in kurzer Zeit nach Chinesischer Art anbaute, und eine nicht geringe Zahl von Flüchtlingen aus den benachbarten Gegenden herbeylockte, über welche er sanfter regierte, als die Tyrannen, welchen sie entronnen waren: und zwar auch deswegen sanfter regierte, weil er sonst fürchten musste, dass seine Unterthanen ihre ehemaligen Oberherren herbeirufen, und dem kleinen, wenig befestigten Reiche ein Ende machen möchten. In jedem Fall ist es ein tröstender Gedanke, dass es in Hinterindien wenigstens einen kleinen Fleck gibt, wo glückliche Menschen wohnen. Auch ist das Ländchen Ponthiamas ein erfreuliches Beyspiel: wie leicht die Wildnisse in Hinterindien in blühende Paradiese umgeschaffen werden könnten, wenn sie von fleissigen Menschen besetzt, und von gerechten, oder nur leidlichen Regenten beherrscht würden.

Anmerkung: Ponthiamas war, ist Hà Tiên in Vietnam.

Die Arbeit von Pierre Poivre wurde 1768 in Yverdon ohne Nennung des Autors veröffentlicht. Poivre ist einer der weniger bekannten Reisenden und Entdecker. Er war Missionar in China, Cochinchina und Macau, später Verwalter von Mauritius und Réunion und Mitglied des Ordens vom heiligen Geist, Ordre du Saint-Esprit.
1745 reiste er als Mitglied der Französischen Ostindienkompanie nach Indien. Poivre wurde in einer Seeschlacht gegen die Briten verwundet. Eine Kanonenkugel zertrümmerte sein Handgelenk. Ein Teil seines rechten Arms wurde amputiert. (2)
Christoph Meiners, Professor der Weltweisheit, übersetzte den Text aus dem Französischen, ohne Angst vor tropischen Krankheiten oder verirrten feindlichen Geschossen. (3)
Die Reiseberichte von Pierre Poivre
p poivre
(1) https://books.google.co.th/books?id=WWFgAAAAcAAJ
(2) http://www.pierre-poivre.fr/doc-67-8-mois-c
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Meiners