Ein Ende aller Tage

Kommentator Tom schrieb zu „Ein Tag im Leben des Genossen Low“:
„Für mich kreisen deine Beschreibungen um eine Hölle auf Erden.“
Das ist eigentlich richtig, aber es ist erst die Vorstufe. Das Schicksal hat noch viele Möglichkeiten in der Trickkiste. Vor 60 Jahren besuchte ich im Krankenhaus in Bern junge Menschen mit ähnlichen Lähmungen. Sie waren zusätzlich am Respirator, an die Beatmungsmaschinen angeschlossen. Mein Freund Heini ließ sich seinen rechten Arm aufhängen. Die Maschine wurde gestoppt. Er rauchte danach selbständig, mühsam unter gewaltigen Anstrengungen, eine Peter Stuyvesant Zigarette, zu ehren seiner holländischen Verwandtschaft.
Seine Nachbarin Heidi bemalte Keramik mit einem Pinsel im Mund.
Damals bemerkte ich mein Glück, nur im Rollstuhl zu sitzen, noch nicht. Heute sehe ich das ganze Bühnenbild. Weniger erfreulich ist meine Beobachtung, dass meine Behinderungen zunehmen.

Kranke sind ein Ideales Experimentierfeld für Kräuterhexen, Giftmischer, Geistheiler, Okkultisten und dergleichen. Ich war ein ideales Versuchskaninchen. Von ekelerregend stinkenden Salben bis zu bewusstseinsverändernden Drogen überlebte ich alles. Sogar im Krankenhaus erhielt ich 3 Tropfen von dritter Seite unter die Zunge. Nach kurzer Zeit tauchte ich weg. Die Pflegerinnen hatten plötzlich Fratzen anstelle von Gesichtern. Im Bett raste ich im Zimmer herum. Kein Mediziner kontrollierte die Pupillen. Nach der tagelangen Tortur war ich praktisch blind.

Das Problem bei Hilflosigkeit ist die Abhängigkeit von den Pflegenden. Die Dümmsten oder schlecht Gelauntesten bestimmen dein Leben. Du musst ja dankbar sein, für jede Hilfe, welche dir geleistet wird.
Unvorstellbar für Europäer ist, dass hierzulande keine Prioritäten existieren. Das bedeutet im Klartext, die Fische werden eher gefüttert als der Patient. Das Gras wird schneller gemäht, als der Patient umgelagert wird. Als ich im Krankenhaus um Hilfe bat, zwecks ärztlicher Verordnung zum Wenden des Körpers nach 2 Stunden, teilten die naiven Pflegerinnen mit, ich müsse etwa zwei Stunden warten, sie wären mit Neuzugängen beschäftigt.
Absoluten Vorrang haben eigene Interessen. Alle Eingeborenen leiden an Blasenschwäche und Schließmuskeldefekten. Sie rasen mit vollem Mund zum Ort des metabolischen Übergangs.
Sofern Telefon, Smartphone oder Waschmaschine Geräusche erzeugen, steht mir eine halbstündige Warteschlaufe bevor.
Dazu kommt, dass die Pflegenden nicht zuhören. Sind sie am Smartphone, existieren sie in einer anderen, der Cyber-Welt und hören nichts mehr. Als ich vor wenigen Tagen bat, die Beine sollten etwas gestreckt werden, ich hätte Probleme beim Sitzen, gab mir die Lady Butterbrot mit Himbeermarmelade.
Im Dorf wird getratscht. Es gibt keine Diskretion. Meine Körperpflegerin sagte vor kurzem:
„Du siehst müde aus.“
Ich erwiderte:
“ Ich schlief kaum. Als ich um 1:30 Uhr rief, kam die unglückliche Hilfskraft, gestört durch mich, vom hochinteressanten Fernsehprogramm. Schockierende zwei Minuten später schaute sie sich die Sendung zu Ende.“
Die Wäscherin wusste nichts besseres zu tun, als das Ereignis rasch-möglichst zu verbreiten. Als die betreffende Person am Sonntagmorgen den Markt besuchte, vernahm sie die Geschichte. Darauf erhielt ich eine kräftige Kopfwäsche mit buddhistischer Kapuziner-Predigt. Ich vernahm Kose-Wörter wie undankbare Gift-Schlange. Dabei erzählte ich keine Lügen. Ich lernte, ich kann niemandem trauen.
Die Abfolge der Reihe im Falle von Hilfeleistungen ist bereits in der Bibel beschrieben: Deine Mutter, dein Vater, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh und der Fremdling, der in deinen Toren lebt. Diese Regel gilt strikt im buddhistischen Thailand.
Dick hat als Mutter eine Dramakönigin. Dick ist Schwester und hat Brüder. Alle sind arbeitslos und geldgierig. Sie hat zwei Söhne und eine drogenabhängige Tochter mit ausgeprägtem Dachschaden. Sie ist dreifache Großmutter. Sie ist Urgroßtante. Ich fühle: In diesem Verein bin ich zur Zeit am falschen Platz, denn sie möchte die arbeitslosen Geschwister für meinem Pflege anstellen. Für einen Demokraten helvetischer Prägung wäre dies zu viel Familien-Diktatur.</stron

Ein Tag im Leben des Genossen Low in der Abgeschiedenheit Nordthailands

Guten Morgen liebe Leser,
Wenn ich gegen 5 oder 6 Uhr erwache, muss ich mich drehen. Ich drehe mich während der Nacht mindestens alle zwei Stunden. Sonst entstehen neue Druckstellen.
Oft hilft mir Dick, andernfalls schaffe ich es selbst. Ich weiß, dass nach 8:30 Uhr meine Waschfrau kommt. Sie ist eine mittelalterliche Katze, alleinerziehende Mutter mit zwei Mädchen. Sie arbeitete als Englischlehrerin, ohne Talent und jegliche Sprachkenntnisse. Durch die Seuche verlor sie ihre Schüler. Sie bewegt sich wie eine anschmiegsame Mieze und ist sehr sanft. Erst lockert sie meine spastischen Beine etwas. Spätestens um 9:30 Uhr beginnt sie mit waschen. Das Gesicht und die Hände versuche ich zur Minimierung der Schmerzen selbst zu reinigen. Während der Nacht erzeugen die Augen eine Unmenge Kristalle. Ihnen gilt meine erste Aufmerksamkeit. Danach übernimmt sie die feucht-warmen Tücher. Während ich auf dem Rücken liege, betupft sie meine Brust und die Arme, danach den Bauchraum. Dann beginnt das erste Gefecht gegen die spastischen Beine. Fast täglich quetsche ich ihren zarten Körper mit den Knien und schüttle sie ausgiebig. Danach bearbeitet sie ernsthaft die empfindlichen Fortpflanzungsorgane. Gemäß des Zeitaufwandes berechnete ich, dass der Pimmel etwa einen Meter lang sein dürfte, oder ist es etwa die Nabelschnur. Da gibt es auch einen glockenförmigen Sack mit Kugel darin. Nicht zu selten kicke ich mit der Ferse voll hinein. Dann flimmern am hellichten Tag die Sterne, in der Ferne höre ich die Glocken im Elsass. Wenn ich dabei stöhne, massiert Kätzchen logischerweise die Ferse. Das ist ein Unfall-rückzieher. Sofern ich überlebe, drehe ich mich auf die linke Seite , damit der Rücken bearbeitet werden kann. Danach drehe ich auf die rechte Seite , um die andere Hälfte des Rückens zu waschen. Dann warten wir auf Dick. Sie ist für die Wundpflege verantwortlich.
Später werden die Transporteure angefordert. Sie drehen mich im Bett um 90°, von lang auf quer. Ich drehe mich auf den Rücken. Sie bringen mich in Sitzposition. Nachher hebt mich einer der Männer in den Rollstuhl. Ich brauche einige Minuten um mich zu erholen. Dann rolle ich ins Badezimmer. Dort wartet Frau Katze mit dem Katheter, um die Blase zu entleeren. Manchmal macht sie es gut, manchmal wäscht sie meine Beine mit Urin.
Ich prüfe im Spiegel, wie mein Gesicht die Nacht überlebte. Ein Problem sind die gespaltenen Lippen. Nachher rolle ich zurück ins Wohnzimmer an den Tisch, wo vielleicht mein Frühstück wartet. Ich sauge etwas warmen Tee. Danach gibt es Brot-Stücke mit Fleisch und Essiggurken. Als Fleisch dienen Aufschnitt, verschiedene Schinken, gekocht oder getrocknet, Pastrami, Salami, Wurst oder ähnliche Köstlichkeiten. Oft gibt es Salate oder Butterbrot mit Konfitüre. Das Brot muss in kleine Stücke geschnitten werden, weil meine Lippen das Abbeißen nicht zulassen, denn ich kann nicht einmal küssen. Mit Schutzmaske wäre es zur Zeit sowieso nicht sehr interessant. Die Brot-Stücke werden mir von Dick in den Mund geschoben. Ich selbst würde die Fleischstücke und die Gurken unfreiwillig durch Zittern auf den Boden schmeißen. Nach dem Essen habe ich genügend Kraft, um mich zu rasieren und die rissige Gesichtshaut zu pflegen.
Im Zimmer prüfe ich die seltenen Posteingänge und die Nachrichten des Internets. Bis um 14 Uhr habe ich Zeit, um kleinere Arbeiten zu erledigen. Danach darf ich wieder liegen und die Zeit bis 17:30 Uhr vertrödeln. Ich höre oft Radio SRF. Dank Corona gibt es keine Staumeldungen. Vielmehr könnten die Menschen nachempfinden, wie es ist, während Jahren unter Quarantäne zu Leben, ohne Ausgang oder (ausnahmsweise)l Besuch. Ich habe nur die Wahl zwischen Bett und Rollstuhl. Am späteren Nachmittag, meistens vor 18 Uhr, holen mich meine starken Männer wieder aus dem Bett in den Rollstuhl. Wenn Dick zugegen ist, bereitet sie mir mein tägliches Kokoswasser zu. Vor allem in der Hitze der Trockenzeit, mit Temperaturen über 40 Grad, bei einem Gehalt bis 600 Mikrogramm Feinstaub, ist es mir ein Bedürfnis, etwas Gutes in die Gurgel zu schlürfen. Wir besprechen vielleicht das künftige Abendessen oder ich gebe dem kleinen Goon Rechenaufgaben. Faulen Lehrern wie mir, hilft Treppenrechnen. Irgendeine Nummer wird mit 2 multipliziert. Resultate werden dann mit 3, 4 bis 9 multipliziert. Danach wird dividiert mit zwei, drei, bis neun. Bei Erfolg hat man nach den Operationen wieder die Ausgangsnummer. Schlitzohren betrügen indem sie von unten nach oben zwei drei Zeilen hochrechnen. Sie glauben nicht, dass ich den Fehler entdecke.
Nach dem Abendessen kommt vielleicht der Fernsehapparat zum Zuge, denn wir haben Internet oder gespeicherte Filme am Lager. Nach 22 Uhr geht es wieder ins Badezimmer zwecks Pinkeln, Zähneputzen und allgemeinen globalen Wasch-Zeremonien. Nach den Schlummer-Bechern ruft Dick die starken Männer, um mich ins Bett zu verfrachten. Danach wechselt sie ohne Assistentin die Verbände. Darauf besucht mich das Sandmännchen, ausgewählt durch die Gewerkschaft – und streut mir Sand in die Augen. Gute Nacht!

Intimes: In 15 Minuten von Säckingen zur Nasenhöhle

Was unternimmt man, wenn man nichts mehr tun kann? Man beschäftigt sich mit präziser wissenschaftlicher Erforschung unwesentlicher Dinge. Die morgendliche Körperpflege im Krankenhaus war ein interessantes Studien-Objekt.
Eine der ungelösten Fragen ist derzeit der Zeitaufwand. Pflegehelferin Ohhh schaffte das Waschen und Ölen in fünf Minuten im Alleingang. Danach zitterte und zuckte der malträtierte, erschöpfte Körper für drei Stunden.
Die Geschwindigkeit wurde nur von flinken Raumpflegerinnen unterboten. Sie reinigten das Zimmer mit viel Lärm und Geklapper in drei Minuten.
Dagegen diskutierten drei Frauen nach zwanzig Minuten Waschlappen-Applikation ernsthaft, ob sie den linken Unterschenkel bereits gewaschen hätten.
Ein wichtiger Körperteil, der immer übersehen wurde, war eigentlich zwei – die Ohren. Weil die Damen den Ohrenschmalz für längere Zeit gänzlich vergaßen, kristallisierte er und hätte zu Designer-Bijouterie verarbeitet werden können. Nachdem ich die teuren Kristalle entdeckte und ausgrub, wusch ich fortan mein Gesicht und die Ohren trotz gelähmten Fingern selbst.
Die delikatesten Geschäfte umfassten den Geschlechtsapparat mit zwei Teilen und das Ausscheidungsorgan für zweifelhafte Düfte und teils wurstförmige Feststoffe. Ihnen fiel nach ärztlicher Empfehlung besondere Aufmerksamkeit zu.
Deshalb sprachen die Pflegerinnen öfters über Beschaffenheit und Größe der Bananen. Sie verglichen und lobten mein Organ in höchsten Tönen, so dass sich in den Ohren wieder Kristalle bildeten. Was half mir die Lobhudelei? Ich konnte weder onanieren noch masturbieren. Erst mussten die Greifer lernen, ein Telefon zu halten. Danach könnte ich mit Croissants und Nuss-Gipfeln weiter üben.
Leider wurde ich nie richtig aufgeklärt. Meine bescheidene Frage: Wo liegt oder steht der Unterschied zwischen onanieren und masturbieren? Im Internet-Zeitalter schnellst verbreiteter Lügen fand ich heraus, onanieren ist für Solisten. Masturbieren dagegen ist wie mehrhändig Klavier spielen.
Manchmal erbarmten sich Pflegerinnen in buddhistischer Nächstenliebe – oder steil geile Zähne, sowie lüsterne Raubkatzen – und griffen hart oder zärtlich streichelnd – nach dem phallischen Objekt der Lüste.
Nur bei Ohhh empfand ich immer Angst, sie wolle das Unkraut samt Wurzel ausreißen. Im Nebenberuf war Ohhh alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Das Töchterchen wurde IMP genannt.
Ich fragte: “ Was bedeutet Imp? “
Sie antwortete: „Import“. Genauso sah das hübsche Kind aus.
Das verhält sich genau gleich bei den Appenzellern in der Schweiz. Die Kleinen sind Inzucht, die Grossen Fremdenverkehr.
Ohhh’s Kinder waren wie üblich, bei der Großmutter platziert.

Ich bemerkte, wenn die Pflegerinnen in Chiang Mai meine Fortpflanzungs-Organe ausgiebig reinigten und salbten, meine Nase fünfzehn Minuten später zu tropfen begann. Ich berechnete, dass die Distanz vom Hodensack bis zur Nasenhöhle (Cavum nasi, klingt fast wie Nasi Goreng = flied lice) unter Berücksichtigung sämtlicher Ecken und Kurven etwa einen Meter zwanzig betragen dürfte. Die unbekannte Substanz, eventuell Lipikar Balsam, hatte demnach eine Reisegeschwindigkeit von 1,333 Millimeter pro Sekunde. (Das sind 0,0048 km/h.) Vielleicht heißen diese Dinge aber Hodozyten oder Penizyme. Hoffentlich lesen Wissenschaftler und Mediziner in Schweden diese neue Studie aus Hinterindien. Für Frau G. Humbug sind Nasentropfen Umweltverschmutzung. IMG_20191224_222944_BURST001_COVER
Das T-Shirt hat mehr Falten als der Alte.

Osterbräuche im Laufe der Zeit

Schön war meine Zeit am Liebeggweg, mit der grossartigen Aussicht auf die Altstadt von Bern. Im Hintergrund prangte die Kathedrale, das Münster. Es war eine mutige Tat weniger Einwohner 1421 mit dem kühnen und teuren Bau zu beginnen. Solche Entscheidungskraft vermisse ich bei den Berner Regierungen.
Es war an einem Karfreitag um 1970. Ich betrachtete das Panorama. Im Hintergrund lief klassische Musik vom Schweizer Radio. Am Nachmittag stellte das Radio die Sendungen aus Pietätsgründen ein.
Dank dem Internet kann ich im muslimisch-buddhistischen Satun Schweizer Radio empfangen. So vernahm ich am Karfreitag Klänge aus der einstigen Heimat. Nein, da stampfte ungeschminkt amerikanischer Kommerzpop. Pietät gab es keine mehr. Auf Musikwelle sandten einige unverzagte Jodler ihre Urschreie ins Weltall. Ich vernahm sie ungerührt.
Mit den Kindern fuhr ich jeweilen an Ostern zum Kornhausplatz, zwecks Eiertütschen. Ein spezielles Erlebnis für die Kinder war der Gewinn des Riesen Ostereis im Hotel Holiday Inn in Malta. Aber wir arbeiteten an die zwei Stunden dafür.
In Satun esse ich keine Ostereier. Der Grund ist, die Hühner werden mit Garnelen gefüttert. Die Eier riechen derart fischig, dass ich Garnelen mit Kräuter-Mayo weitaus besser finde.
Unsere Zopf-Bäckerei leidet ebenfalls unter der Eier-Qualität. Das Bestreichen des backbereiten Teiges mit Eigelb entfällt. Der gebackene Zopf roch mehr nach Garnelen als nach Emmentaler Anke-Züpfe. Gesucht wird deshalb ein Geflügelhalter, wo die Tiere noch Körner aller Arten picken dürfen. Noch bunter und lebhafter würde die Frühlings-Szene, wenn gleich dort rammelnde Hasen farbige Eier bemalen.

Erfindungen und gerissene Gauner

Was war die hervorragendste Erfindung des letzten Jahrhunderts? Ein ungesunder Brotaufstrich? War es die Entwicklung nuklearer Waffensysteme und Träger-Raketen? Für die Damenwelt waren es wohl Nylon-Strümpfe, Bikini-Badegarnituren und mit Teflon beschichtete Pfannen. Grossmutter besass emaillierte Pfannen. Sie waren teuer, schwer und zerbrechlich, aber erfüllten sämtliche Anforderungen der Spitzenköchin. Waren es Grossraumflugzeuge für globale Rucksacktouristen.
Für mich persönlich war es die Arbeit des Schotten Alexander Fleming. Er entdeckte 1928 das Penicillin. Ab 1942 wurde es erfolgreich als Antibiotika gegen Infektionskrankheiten eingesetzt. Ohne diese grossartige Entdeckung und verschiedene daraus weiterentwickelte Medikamente hätte ich meinen Unfall mit Querschnittlähmung, Paraplegie, nie überlebt.
Nach einigem Überlegen fand ich einen anderen Sieger. Der Brite Tim Berners-Lee entwickelte aus älteren, komplizierten instabilen Kommunikations-Versuchen im CERN 1989 das Internet. Ab 30. April 1993 bot CERN die geniale Software lizenzfrei an.
Bald verkabelte ich die Maschinen im Laboratorium entsprechend. Von meiner Wohnung aus hatte ich den Zugriff auf die meisten Geräte an meinen Arbeitsplätzen. Mein privater Provider (pop.agri.ch) arbeitete vorbildlich. Updates und Systemwartung wurden angekündigt. Das Netz der Universität nutzte ich kaum.

In Thailand änderten sich die Zustände dramatisch. Kontakt zu den Providern gab es nur auf finanzieller Ebene. Das Internet war und ist eine Einbahnstrasse. Die Elektronikindustrie entwickelte für geistige Neandertaler Fingerfones. Die Datenflut stieg. Unser Pflegesohn erhielt täglich dreihundert Mails. Noch schlimmer wurde es durch die Einführung der schnellen Datenübermittlungen G2, G3, G4 und GXY. Die Preise stiegen monatlich auf das Zehnfache. Die Anbieter in Chiang Mai sandten Sabotage-Trupps mit Seitenschneidern aus, um Kunden der Konkurrenz den Zugang zu vermiesen.
Aus Fingerfones wurden Smartphones. Dazu gab es leicht bedienbare Programme wie Line. Sprachübermittlung, Text mit Bild wurden für intellektuell Unterprivilegierte möglich. Dick erhält täglich hundertachtzig Nachrichten mit Line. Die meist sinnlose Datenflut, Kopien von Kopien, wächst. Darum muss die Geschwindigkeit der Netze stetig erhöht werden. Wenn die handlichen hochtechnischen Telekommunikationsgeräte mit Daten zugemüllt sind, ist es im Dorf üblich, dass anstatt den Schrott zu löschen, ein neueres Gerät her muss.

Die Spitze der Zerstörungswut war erreicht, als mein Provider unter Vertragsbruch, eine Horde Dilettanten mit Seitenschneidern aussandte, um den erneuerten Anschluss nach knapp einem Jahr zu kappen. Hätte ich geahnt, was geschehen würde, hätte ich die Kerle am Haus weder nageln noch bohren lassen.
Das Internet bereitete der Regierung sorgen. Sogenannte Kriegsräume wurden installiert, um die Datenflut zu überwachen. Zwei Müsterchen erwähne ich. Ich hatte über das Netz Kontakt mit einer grösseren Weinfirma. Plötzlich blieben die wöchentlichen Informationen aus. Aber Microsoft fragte mich trotzdem mehrmals, ob ich, diese für mich unlesbaren Mails als Spam markieren möchte!
Es gab also jemanden, der meinen Briefkasten pflegte. Ich änderte und verlängerte mein Kennwort von 11 auf 24 Zeichen. Das Resultat war eindeutig, ich erhalte diese Mails wieder.
Noch interessanter war die Erfahrung mit unseren „Smart TV“. Das Gerät erlaubt Zugriff auf das Internet. Dort benutzten wir hauptsächlich YouTube. Vor etwa einer Woche war der Zugriff auf YouTube möglich, das Laden der Programme funktionierte am Fernseher nicht. Die Computer dagegen hatten Zugriff. Muss ich als Sehprothesenträger Spielfilme im Postkartenformat ansehen, während ein Grossgerät nutzlos herumsteht?
Dick telefonierte mit einer Angestellten des Netz-Anbieters. Die Intelligenzbestie löschte sogar das Passwort des Routers erfolglos. Ich wollte eigentlich nur wissen, ob andere Kunden gleiche Erfahrungen meldeten. Das lügende Spatzenhirn behauptete frech, unser Smart-TV sei defekt.
Ein Nachbar, Polizist, ebenfalls Besitzer eines schlauen Fernsehers, machte dieselben Erfahrungen mit YouTube. Wahrscheinlich kroch eine Schnecke über die Hochgeschwindigkeitsleitung, denn nach einigen Tagen funktionierten unsere Guckkästen wieder vollumfänglich. War nur der tiefe Süden betroffen –
oder hatten andere Landesteile ähnliche Probleme?

https://de.wikipedia.org/wiki/CERN

Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland

Das waren Jeremias Gotthelfs Worte an den Schweizerischen Schützenverein, in Bern 1842.
Die militärische Staatsführung im aufstrebenden Entwicklungsland sieht das wesentlich lockerer.
Der Vize-Vorsitzende ist begeisterter Uhrenliebhaber. Erst wurde eine Luxusuhr an seinem Handgelenk entdeckt. Mit der Zeit wurden zwanzig verschiedene Sammlerstücke gezählt. Nun sollen es über hundert sein.
Er vergass leider, den Besitz in seiner Steuererklärung zu erwähnen. Die unglaubwürdige Ausrede: „Die Zeitmesser gehören guten Freunden“. Sie liehen dem Herrn General ihre teuren Spielzeuge.
Die Nationalen Anti Corruption Commission (NACC) vermeldete, dass es nicht die Aufgabe der Behörde sei, einen Regierungsvertreter aus dem Dienst zu suspendieren, weil er teure Uhren besitzt, ohne sie zu melden. Sofern es nicht seine eigenen Uhren sind, entfällt die Meldepflicht ohnehin.

Über einen allfälligen Rücktritt wurden mehrere Umfragen im Internet abgehalten. Bis auf eine Einzige, empfahlen die Teilnehmer die Verabschiedung des hohen Funktionärs. Das positive Ergebnis beruhte allein auf der Tatsache, dass die Mailadressen geklaut und missbraucht wurden. Von 16‘000 Stimmen waren nur 300 unverfälscht. (1)
Was meinte mein Lehrer Jeremias Gotthelf dazu:
„Das wahre Glück des Menschen ist eine zarte Blume; tausenderlei Ungeziefer umschwirret sie; ein unreiner Hauch tötet sie.“ Aus: Geld und Geist.

(1) http://www.khaosodenglish.com/politics/2018/02/05/activists-surprised-find-names-pro-prawit-petition/
https://hinterindien.com/2018/01/16/die-geheime-sehnsucht-betrogen-zu-werden/

Seit drei Wochen zurück in Chiang Mai

Gemischte Gefühle. Die Bronchitis, die ich mir ab Nakhon Pathom aneignete, entwickelte sich zum morgendlichen, nördlichen Dreckhusten. Trotz häufigen Regenfällen ist die Luft enorm verschmutzt. Bereits heute morgen um fünf lag der Feinstaubgehalt bei 57. Seit dem gibt es keine neuen Messwerte. Das Augenbad hilft kaum gegen die Entzündungen. Bereits der schwarze Trompeter Louis Armstrong bespielte eine Schallplatte mit dem Titel: Rote Augen. (1)
Wir stellten fest, eines der einst beliebten Restaurants in der Nähe hat leider kaum noch Gäste. Deshalb verpflegen wir uns vermehrt zu Hause. Wir kauften Reis. Es ist kein Duftreis, wie die Verpackung lügt. Er verbreite nicht nur keinen Duft, sondern er führt zu Durchfall.
Dafür ist das Grünzeug hier sehr aromatisch. In Satun unterscheiden sich Koriander und Sellerie-Blätter bloss im Aussehen. Hier erfreuen unterschiedliche Düfte die Sinne. Einfache Mahlzeiten wie Brot, Charcuterie, Salate und Wein sind ungewohnte Leckerbissen. Wir meiden Meeresbewohner. Sie sind nicht frisch, wie wir es gewohnt sind. Die Andamanensee ist zu weit weg.

Das Klima im Lande verschärft sich. Blogger sollten sich anmelden. Journalisten nebst Ausweisen einen Maulkorb tragen. Ab sofort sind es strafbare Handlungen, wenn im Internet Seiten betrachtet werden, die als majestätsbeleidigend gelten.
SIM Karten mussten bisher registriert werden. Zusätzlich werden ab Januar 2018 Fingerabdrücke erforderlich. Wann werden Überwachungskameras in die Häuser eingebaut?

Eine richtige Augenweide ist der Garten. Die Früchte, Tiere, Blüten und Pflanzen erfüllen Träume.

(1) https://www.youtube.com/watch?v=xdYw3fn4J4Q

Rechenkünstler am Werk

Die Chinesen sind die Erlöser und Retter Thailands. Sie bauen nicht nur überlebenswichtige Unterseeboote für die thailändische Marine und Kampf-Panzer für die Streitkräfte. Sie senden ihre erlebnishungrigen Landsleute, um das darniederliegende Gastgewerbe anzukurbeln. Sie helfen ihren Thaifreunden mit überdimensionierten Rechnern, um schwierigste Aufgaben, wie zehn plus fünf zu lösen. Die weitere Logik hinter Berechnungen bleibt hinterindischen Zahlenakrobaten meist unerschlossen. Deshalb jagen sie dauernd erfolglos nach grossen Nummern. Ein grossartiges Beispiel lieferte unser Nicht-Internet-Provider.
Spezialisten entfernten während unserer Abwesenheit Kabelanschlüsse. Ich brachte den Router mit Zubehör von Satun mit, schloss in an und sah, der hängt signallos in der Luft. Vor einem Jahr empfing das Gerät Bits und Bytes, bevor wir uns in Chiang Mai überhaupt zurück meldeten. Diesmal verlangten die Angestellten neben der monatlichen Grundgebühr zusätzlich 1‘600 Baht.
Das Umschalten geschieht in wenigen Sekunden am Computer in Bangkok. Das Kneifen mit Seitenschneidern dagegen verübten Halunken am Ort.

Als ich am Wochenende ungeduldig vergeblich auf einen Anschluss wartete, ich wollte Mails lesen, eine dringende Geldanweisung sollte ausgeführt werden, handelten wir. Während ich mich im Hause mit einer lustigen Bronchitis im Bett vergnügte, besorgte Dick bei der Konkurrenz das Wundergerät Pocket-WiFi. Weil sie Geburtstag hatte, kriegte sie das ganze Angebot mit fünfzig Prozent Rabatt. Pocket-WiFi arbeitet mit höherer Geschwindigkeit als das alte Kabel und könnte acht drahtlose Anschlüsse bedienen. Die monatlichen Kosten sind vergleichbar.

Wenige Tage später schrieb eine Angestellte der Firma „3 (de-)Bile (Kabel-)Beisser“ eine viertel Stunde an einem Formular, in dem wir auf die Begleichung der Forderung der Firma verzichteten und den nördlichen Anschluss aufgaben. Eine sagenhafte Rendite für die Aktionäre! Die Spezialabgabe, wie auch die monatlichen Gebühren entfallen.
Sollte es Probleme in Satun geben, hätte ich das Taschen-WiFi dabei. Das funktioniert mit wenigen Ausnahmen, im ganzen Land. Einloggen in Hotel-WiFi-Systeme erübrigt sich. Die Bronchitis liebt mich übrigens immer noch.

Herbsttage

Freund Herbert sandte ein Mail mit dem Titel Festtage. Mein überschnelles Gedächtnis schuf aus Herbert und Festtage: Herbsttage. Genauso fühle und empfinde ich. Nach unserer ersten Reise-Etappe von Chiang Mai nach Phitsanulok im November, bestellte ich zum vorzüglichen Essen einen anständigen Wein.
Die Schwierigkeit war, ich konnte mit meinen Gelenkschäden in Armen und Händen die Öffnung des künstlerisch im Neo-barock geformten Glases nicht an meinen Mund führen. Pablo Picasso hätte mich entsprechend porträtieren können. Das Weinglas klapperte aufgeregt und äusserst laut an meinen Augengläsern. Trinken konnte ich nach den Anstrengungen der Reise zunächst nicht.
Mit kürzeren Etappen und weniger Anstrengungen verminderten sich dann die Leiden. Es dauerte einen Monat, bis ich mich annähernd erholt hatte.
Aber wenn der säuselnde Wind eine Türe zuknallt oder wenn die fleissige Dick einen Löffel fallen lässt, dann ist endgültig Feierabend. Ich kann Laptop, Ultra-Book oder Smartphone nicht mehr bedienen. Beim Zeitungslesen lösche ich dauernd Inhalte. Google entdeckt dann verräterisches Verhalten der Seiten des Laptops und möchte Sicherheitstests durchführen. Der einzige Unsicherheitsfaktor bin ich.

Meine Zukunft wurde zur Vergangenheit. Ich mag kaum mehr kämpfen. Hier bedeutet aber das Leben Kampf. Kampf für anständiges Futter, gegen Verleumdung, für Gerechtigkeit, für Gesundheit und Kampf für kleinste Freiheiten.
Wir kauften innerhalb der letzten zwei Monate „orinetalische“ Wai Wai Nudel-Suppen. Ein Verfalldatum auf dem zwölf Portionen Beutel suchten wir vergeblich. Das Pulver in den Verpackungen sind verklebte Monoblöcke. Das Palm-Öl in den Beutelchen ist ranzig! Konsumentenschutz ist ein Fremdwort.
Die Militärdiktatur billigte am 16. Dezember ein Gesetz über sogenannte Computerverbrechen. Es erlaubt, Internetinhalte selbst dann zu verurteilen, wenn sie nicht direkt illegal sind, sondern lediglich gegen die öffentliche Moral verstoßen. Gegenseitige Bespitzelung wird gefördert.
General Prayuth hält bezüglich Moral und der Internetzensur jedoch an seiner Linie fest: Gute Moral ist Frieden, Ordnung und nationale Sicherheit. Innerhalb der Verwandtschaft gelten seine strengen Massstäbe nicht. Da riskierten in den vergangenen Tagen und Monaten mehrere mutige Journalisten ihre Freiheit.

Praktisch jeder 7/11 Laden im Norden hat eine grössere Auswahl an Medikamenten als sogenannte Apotheken in Satun. Wir versuchten Medikamente, von Antibiotika über Heftpflaster bis Stuhlzäpfchen, zu kaufen. Glyzerin ja, Dulcolax nein. Andere Medizin war verschreibungspflichtig durch Fach-Ärzte. Heisst das, ein Augenarzt darf keine Stuhlzäpfchen verschreiben?
Dick sagte:
“Kein Problem, wir besuchen einen Arzt und bringen den Schein.“
Die Apothekerin antwortete:
„Das hilft Ihnen leider nicht. Keine Apotheke in Satun wird dieses Medikament verkaufen!“
Ohne weitere erfolgslose Diskussionen bestellten wir im Norden.
Auf genehmigungspflichtige Schmerzmittel muss ich in Satun verzichten. Dagegen wären harte Drogen einfach zu beschaffen.

Bedingt durch meine Schwächen, sie nehmen eher zu als ab, wird es mir kaum mehr möglich sein, meine Familie, die Grosskinder und die Schwester in der Schweiz zu besuchen. Ist das meine einzige verheissungsvolle Zukunft? Werde ich noch einmal den Mut aufbringen, in wenigen Wochen mit der Fähre nach Langkawi zu reisen?
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Zuvor fahren wir in einen Tempel, möglicherweise zum Wat Chanathipchaloem. Dort suche ich für meine verspätete Abschieds-Reise einen verschnörkelten südlichen Grabstein aus. Die gefallen mir bedeutend besser, als die Legionen von Geisterhäuschen des Nordens.

Zur feierlichen Verabschiedung des vergangenen Jahres fanden wir einen Prosecco. Mögen die Bläschen perlend in unsere Köpfe aufsteigen und es leicht machen, uns gegen erneute Tiefschläge schützen, denn die Zukunft ist bestimmt nicht nur Zuckerschlecken.
Ihnen wünschen wir mehr als Blasen in ihren Denkmaschinen! Ach, die benutzen Sie kaum mehr. Sie haben jetzt 4G, LTE, Smartphones!
Prosit Neujahr!

Trauer muss Elektra tragen

Die Orestie des Dichters Aischylos ist laut Spezialisten die einzige erhaltene antike griechische Trilogie. Sie ist die Verkörperung politischer Kunst in der Tragödie und entstand bereits im Jahr 458 v. Chr.
Thailand trauert. Schwarz ist Pflichtfarbe. Anfänglich erhielten Menschen in bunter Alltagskleidung Prügel und wurden brutal aus öffentlichen Verkehrsmitteln geschmissen. Veranstaltungen wie Märkte in Chiang Mai, Loy Krathong, Neujahr und Songkran wurden ohne lange zu überlegen, abgesagt. Im Nachhinein erfolgten kleinere Korrekturen.
Der Presse und den Journalisten wurde äusserste Zurückhaltung empfohlen. Das Internet, besonders Line und Facebook, wird einschneidend von Spezialisten überwacht. Sogar Dick erhielt eine Aufforderung, ihre Startseite auf Line situationsgerecht anzupassen.

Sie kennen die intensive Fleischbeschau anlässlich diverser internationaler Automobil-Salons. In Bangkok heisst der Gross-Anlass Motor Expo.
Motoren werden kaum gezeigt. Es geht um Kurven, Karosserien, Lack und Chrom. Die Ausstellung findet zwischen dem 1. Und 12. Dezember statt. 36 Automobil- und 17 Motorrad-Hersteller haben ihre Teilnahme beschlossen. Die Organisatoren erwarten, dass 50‘000 Wagen und 4‘000 Motorräder im Wert von 50 Milliarden Baht verkauft werden.
Die Veranstalter wiesen darauf hin, dass sich die präsentierenden Damen korrekt anziehen sollten. Die Kostüme der Hauptdarstellerinnen müssen vorab eingereicht und abgesegnet werden.
Der Name Elektra passt gut zu den trendigen Hybrid- und Elektro-Fahrzeugen.
Unser Hotel in Chumphon investierte entsprechend in zeitgemässe Stromversorgung, um die Akkumulatoren unserer Smartphones effizient laden zu können!
26552strom
https://de.wikipedia.org/wiki/Trauer_muss_Elektra_tragen