Seit drei Wochen zurück in Chiang Mai

Gemischte Gefühle. Die Bronchitis, die ich mir ab Nakhon Pathom aneignete, entwickelte sich zum morgendlichen, nördlichen Dreckhusten. Trotz häufigen Regenfällen ist die Luft enorm verschmutzt. Bereits heute morgen um fünf lag der Feinstaubgehalt bei 57. Seit dem gibt es keine neuen Messwerte. Das Augenbad hilft kaum gegen die Entzündungen. Bereits der schwarze Trompeter Louis Armstrong bespielte eine Schallplatte mit dem Titel: Rote Augen. (1)
Wir stellten fest, eines der einst beliebten Restaurants in der Nähe hat leider kaum noch Gäste. Deshalb verpflegen wir uns vermehrt zu Hause. Wir kauften Reis. Es ist kein Duftreis, wie die Verpackung lügt. Er verbreite nicht nur keinen Duft, sondern er führt zu Durchfall.
Dafür ist das Grünzeug hier sehr aromatisch. In Satun unterscheiden sich Koriander und Sellerie-Blätter bloss im Aussehen. Hier erfreuen unterschiedliche Düfte die Sinne. Einfache Mahlzeiten wie Brot, Charcuterie, Salate und Wein sind ungewohnte Leckerbissen. Wir meiden Meeresbewohner. Sie sind nicht frisch, wie wir es gewohnt sind. Die Andamanensee ist zu weit weg.

Das Klima im Lande verschärft sich. Blogger sollten sich anmelden. Journalisten nebst Ausweisen einen Maulkorb tragen. Ab sofort sind es strafbare Handlungen, wenn im Internet Seiten betrachtet werden, die als majestätsbeleidigend gelten.
SIM Karten mussten bisher registriert werden. Zusätzlich werden ab Januar 2018 Fingerabdrücke erforderlich. Wann werden Überwachungskameras in die Häuser eingebaut?

Eine richtige Augenweide ist der Garten. Die Früchte, Tiere, Blüten und Pflanzen erfüllen Träume.

(1) https://www.youtube.com/watch?v=xdYw3fn4J4Q

Rechenkünstler am Werk

Die Chinesen sind die Erlöser und Retter Thailands. Sie bauen nicht nur überlebenswichtige Unterseeboote für die thailändische Marine und Kampf-Panzer für die Streitkräfte. Sie senden ihre erlebnishungrigen Landsleute, um das darniederliegende Gastgewerbe anzukurbeln. Sie helfen ihren Thaifreunden mit überdimensionierten Rechnern, um schwierigste Aufgaben, wie zehn plus fünf zu lösen. Die weitere Logik hinter Berechnungen bleibt hinterindischen Zahlenakrobaten meist unerschlossen. Deshalb jagen sie dauernd erfolglos nach grossen Nummern. Ein grossartiges Beispiel lieferte unser Nicht-Internet-Provider.
Spezialisten entfernten während unserer Abwesenheit Kabelanschlüsse. Ich brachte den Router mit Zubehör von Satun mit, schloss in an und sah, der hängt signallos in der Luft. Vor einem Jahr empfing das Gerät Bits und Bytes, bevor wir uns in Chiang Mai überhaupt zurück meldeten. Diesmal verlangten die Angestellten neben der monatlichen Grundgebühr zusätzlich 1‘600 Baht.
Das Umschalten geschieht in wenigen Sekunden am Computer in Bangkok. Das Kneifen mit Seitenschneidern dagegen verübten Halunken am Ort.

Als ich am Wochenende ungeduldig vergeblich auf einen Anschluss wartete, ich wollte Mails lesen, eine dringende Geldanweisung sollte ausgeführt werden, handelten wir. Während ich mich im Hause mit einer lustigen Bronchitis im Bett vergnügte, besorgte Dick bei der Konkurrenz das Wundergerät Pocket-WiFi. Weil sie Geburtstag hatte, kriegte sie das ganze Angebot mit fünfzig Prozent Rabatt. Pocket-WiFi arbeitet mit höherer Geschwindigkeit als das alte Kabel und könnte acht drahtlose Anschlüsse bedienen. Die monatlichen Kosten sind vergleichbar.

Wenige Tage später schrieb eine Angestellte der Firma „3 (de-)Bile (Kabel-)Beisser“ eine viertel Stunde an einem Formular, in dem wir auf die Begleichung der Forderung der Firma verzichteten und den nördlichen Anschluss aufgaben. Eine sagenhafte Rendite für die Aktionäre! Die Spezialabgabe, wie auch die monatlichen Gebühren entfallen.
Sollte es Probleme in Satun geben, hätte ich das Taschen-WiFi dabei. Das funktioniert mit wenigen Ausnahmen, im ganzen Land. Einloggen in Hotel-WiFi-Systeme erübrigt sich. Die Bronchitis liebt mich übrigens immer noch.

Herbsttage

Freund Herbert sandte ein Mail mit dem Titel Festtage. Mein überschnelles Gedächtnis schuf aus Herbert und Festtage: Herbsttage. Genauso fühle und empfinde ich. Nach unserer ersten Reise-Etappe von Chiang Mai nach Phitsanulok im November, bestellte ich zum vorzüglichen Essen einen anständigen Wein.
Die Schwierigkeit war, ich konnte mit meinen Gelenkschäden in Armen und Händen die Öffnung des künstlerisch im Neo-barock geformten Glases nicht an meinen Mund führen. Pablo Picasso hätte mich entsprechend porträtieren können. Das Weinglas klapperte aufgeregt und äusserst laut an meinen Augengläsern. Trinken konnte ich nach den Anstrengungen der Reise zunächst nicht.
Mit kürzeren Etappen und weniger Anstrengungen verminderten sich dann die Leiden. Es dauerte einen Monat, bis ich mich annähernd erholt hatte.
Aber wenn der säuselnde Wind eine Türe zuknallt oder wenn die fleissige Dick einen Löffel fallen lässt, dann ist endgültig Feierabend. Ich kann Laptop, Ultra-Book oder Smartphone nicht mehr bedienen. Beim Zeitungslesen lösche ich dauernd Inhalte. Google entdeckt dann verräterisches Verhalten der Seiten des Laptops und möchte Sicherheitstests durchführen. Der einzige Unsicherheitsfaktor bin ich.

Meine Zukunft wurde zur Vergangenheit. Ich mag kaum mehr kämpfen. Hier bedeutet aber das Leben Kampf. Kampf für anständiges Futter, gegen Verleumdung, für Gerechtigkeit, für Gesundheit und Kampf für kleinste Freiheiten.
Wir kauften innerhalb der letzten zwei Monate „orinetalische“ Wai Wai Nudel-Suppen. Ein Verfalldatum auf dem zwölf Portionen Beutel suchten wir vergeblich. Das Pulver in den Verpackungen sind verklebte Monoblöcke. Das Palm-Öl in den Beutelchen ist ranzig! Konsumentenschutz ist ein Fremdwort.
Die Militärdiktatur billigte am 16. Dezember ein Gesetz über sogenannte Computerverbrechen. Es erlaubt, Internetinhalte selbst dann zu verurteilen, wenn sie nicht direkt illegal sind, sondern lediglich gegen die öffentliche Moral verstoßen. Gegenseitige Bespitzelung wird gefördert.
General Prayuth hält bezüglich Moral und der Internetzensur jedoch an seiner Linie fest: Gute Moral ist Frieden, Ordnung und nationale Sicherheit. Innerhalb der Verwandtschaft gelten seine strengen Massstäbe nicht. Da riskierten in den vergangenen Tagen und Monaten mehrere mutige Journalisten ihre Freiheit.

Praktisch jeder 7/11 Laden im Norden hat eine grössere Auswahl an Medikamenten als sogenannte Apotheken in Satun. Wir versuchten Medikamente, von Antibiotika über Heftpflaster bis Stuhlzäpfchen, zu kaufen. Glyzerin ja, Dulcolax nein. Andere Medizin war verschreibungspflichtig durch Fach-Ärzte. Heisst das, ein Augenarzt darf keine Stuhlzäpfchen verschreiben?
Dick sagte:
“Kein Problem, wir besuchen einen Arzt und bringen den Schein.“
Die Apothekerin antwortete:
„Das hilft Ihnen leider nicht. Keine Apotheke in Satun wird dieses Medikament verkaufen!“
Ohne weitere erfolgslose Diskussionen bestellten wir im Norden.
Auf genehmigungspflichtige Schmerzmittel muss ich in Satun verzichten. Dagegen wären harte Drogen einfach zu beschaffen.

Bedingt durch meine Schwächen, sie nehmen eher zu als ab, wird es mir kaum mehr möglich sein, meine Familie, die Grosskinder und die Schwester in der Schweiz zu besuchen. Ist das meine einzige verheissungsvolle Zukunft? Werde ich noch einmal den Mut aufbringen, in wenigen Wochen mit der Fähre nach Langkawi zu reisen?
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Zuvor fahren wir in einen Tempel, möglicherweise zum Wat Chanathipchaloem. Dort suche ich für meine verspätete Abschieds-Reise einen verschnörkelten südlichen Grabstein aus. Die gefallen mir bedeutend besser, als die Legionen von Geisterhäuschen des Nordens.

Zur feierlichen Verabschiedung des vergangenen Jahres fanden wir einen Prosecco. Mögen die Bläschen perlend in unsere Köpfe aufsteigen und es leicht machen, uns gegen erneute Tiefschläge schützen, denn die Zukunft ist bestimmt nicht nur Zuckerschlecken.
Ihnen wünschen wir mehr als Blasen in ihren Denkmaschinen! Ach, die benutzen Sie kaum mehr. Sie haben jetzt 4G, LTE, Smartphones!
Prosit Neujahr!

Trauer muss Elektra tragen

Die Orestie des Dichters Aischylos ist laut Spezialisten die einzige erhaltene antike griechische Trilogie. Sie ist die Verkörperung politischer Kunst in der Tragödie und entstand bereits im Jahr 458 v. Chr.
Thailand trauert. Schwarz ist Pflichtfarbe. Anfänglich erhielten Menschen in bunter Alltagskleidung Prügel und wurden brutal aus öffentlichen Verkehrsmitteln geschmissen. Veranstaltungen wie Märkte in Chiang Mai, Loy Krathong, Neujahr und Songkran wurden ohne lange zu überlegen, abgesagt. Im Nachhinein erfolgten kleinere Korrekturen.
Der Presse und den Journalisten wurde äusserste Zurückhaltung empfohlen. Das Internet, besonders Line und Facebook, wird einschneidend von Spezialisten überwacht. Sogar Dick erhielt eine Aufforderung, ihre Startseite auf Line situationsgerecht anzupassen.

Sie kennen die intensive Fleischbeschau anlässlich diverser internationaler Automobil-Salons. In Bangkok heisst der Gross-Anlass Motor Expo.
Motoren werden kaum gezeigt. Es geht um Kurven, Karosserien, Lack und Chrom. Die Ausstellung findet zwischen dem 1. Und 12. Dezember statt. 36 Automobil- und 17 Motorrad-Hersteller haben ihre Teilnahme beschlossen. Die Organisatoren erwarten, dass 50‘000 Wagen und 4‘000 Motorräder im Wert von 50 Milliarden Baht verkauft werden.
Die Veranstalter wiesen darauf hin, dass sich die präsentierenden Damen korrekt anziehen sollten. Die Kostüme der Hauptdarstellerinnen müssen vorab eingereicht und abgesegnet werden.
Der Name Elektra passt gut zu den trendigen Hybrid- und Elektro-Fahrzeugen.
Unser Hotel in Chumphon investierte entsprechend in zeitgemässe Stromversorgung, um die Akkumulatoren unserer Smartphones effizient laden zu können!
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https://de.wikipedia.org/wiki/Trauer_muss_Elektra_tragen

Karl Tellenbach

Fairness zu fairen Lesern. Ich bedaure, dass ich mich grosszügig über Anekdoten und Witze betreffend Kari, obwohl ich ihn erwähnte, hinwegsetzte. Sie sind im Internet gut versteckt. Den wenigsten Nichtbernern dürften die Zoten bekannt sein.
Deshalb widme ich dem Coiffeurmeister, der sein Geschäft an der Neuengasse, in der Nähe des Waisenhausplatzes betrieb, gerne einige Zeilen.

Nach der Arbeit, Haare schneiden erzeugt Durst, war Kari beim Studium der Weine in verschiedenen Gasthäusern anzutreffen. Ihm erging es ähnlich wie mir neulich in Satun. Als er hinfiel, gelang es ihm nicht, wieder aufzustehen. Internet und Smartphone gab es noch nicht. Zwei freundliche Polizisten waren gerne behilflich.
„Wie kamen sie in diese Lage?“ wollten die Freunde und Helfer wissen.
„Drei Italiener sind schuld daran“, seufzte Kari.
„Namen?“ fragten die Beamten.
„Asti, Barbera und Chianti“, antwortete Kari.

Am Tag darauf, rasierte er froh gelaunt einen Kunden. Eine kleine Unaufmerksamkeit und Kari verletzte schneidig das Kinn seines nun blutenden Opfers.
Der Mann räusperte sich und sagte unfreundlich: „Dällebach, das kommt vom Saufen!“
Kari antwortete: „Sie haben recht. Das gibt eine trockene und spröde Haut!“

Letztwillige Verfügung von Karl Tellenbach, kremiert in Bern am 12. August 1931:
«Alle, die mich auf dem letzten Gang begleiten, sollen nur während der Predigt und der Versenkung der Urne besinnlich sein. Danach ist Gemütlichkeit und Humor an der Reihe. Ich habe bei Frau Jenni in der »Grünegg« ein Säli reserviert und im Voraus ein Zvieri mit Hamme (1) und natürlich einen rechten Tropfen Roten bezahlt. Da denkt alle an mich zurück, indem ihr bei Frohsinn und Geselligkeit meine Geschichten auffrischt. Zum Abschluss des Mahls, das wünsche ich mir ausdrücklich, singt für mich noch einmal ‹Wie die Blümlein draussen zittern›. Ich werde mein liebstes Lied hören.»
KARL DÄLLENBACH

(1) Hinterteil der Schweine, genannt Schinken, vermutlich mit Züpfe, Zopf.

Im Osten nichts Neues

Es tut mir leid. Ich wartete in Thailand vergeblich auf positive Ereignisse, um meine Berichte ausgewogener zu gestalten. Fehlanzeige. Es ist Mai, der fünfte Monat des Jahres. Dennoch las ich einen Bericht, dass die Staatskasse in den ersten sechs Monaten einen Fehlbetrag von sechshundert Milliarden „erwirtschaftete“!

In Pattaya herrscht wieder Fallobstzeit. Wöchentlich stürzen zwei bis drei ausländische Gäste aus Fenstern und Balkonen ihrer Unterkünfte in die Tiefen. Das ist eine abgründige Tradition. Sind alle diese Menschen bekifft, betrunken, verlangen böse Geister Menschenopfer, oder sind die Fälle durch architektonische Besonderheiten begünstigt?

Im gleichen Städtchen machte ein Tourist aus Deutschland schlechte Erfahrungen. Als er sich zu frühesten Morgenstunden ein Bier genehmigen wollte, attackierten ihn zwei Ladyboys und boten ihm ihre Liebesdienste an. Er verzichtete grosszügig auf das eindeutige Angebot für einen flotten Dreier. Darauf massierten die sensiblen abgewiesenen Triebtäter sein Gesicht in der Weise, dass das zarte Bein des Riechkolbens brach. Der Herr verlor dabei etwas Blut im überempfindlichen Kopfbereich. Durch zahllose alkoholische Getränke in der tropischen Hitze litt die Haut und wurde spröde. ((1) Kari Dällebach.) Die ungestümen Streicheleinheiten führten zu ausgiebigem Bodenkontakt. Die geldgierigen Einheimischen, vielleicht waren es burmesische Gastarbeiter – wie oft in ähnlichen Fällen, erleichterten ihr Opfer um viertausend Baht und machten sich davon. (2)
Der Verletzte wurde im Krankenhaus verarztet. Er machte darauf eine Anzeige. Oh Wunder, die Polizei fand die beiden Liebesdiener und verhörte sie. Nach einer Busse von eintausend Baht wurden sie in die grenzenlose Freiheit Pattayas entlassen.

Wesentlich grausamer erging es in Hua Hin einem älteren Ehepaar mit Sohn, dreiundvierzig, aus England. Vier angetrunkene Täter im Alter zwischen zwanzig bis zweiunddreissig Jahren, schlugen die fremden Gäste brutal zusammen. Als die Opfer wehrlos am Boden lagen, wurden deren Köpfe mit den Füssen getreten. Schlimm waren die Zuschauer, die teilnahmslos – wie an der Glotze, die Tat verfolgten. Das Geschehen wurde von einer Überwachungs-Kamera aufgezeichnet. Der Polizei gelang es einige Tage danach, die Täter zu verhaften. Die brutalen Bilder verbreiteten sich rasch im Internet.
Die Gesetzeshüter suchen nun fieberhaft nach denjenigen, die das Video veröffentlichten, denn diese barbarischen Bilder hätten der angeschlagenen Tourismusindustrie des Landes enormen Schaden zugefügt. (3)

Irgendwie erinnert das an zahlreiche Unglücksfälle und Verbrechen. Die Untaten konnten nicht verhindert werden. Das Vernichten von Beweismitteln dagegen ist wesentlich einfacher und offenbar einträglicher. (Janepob Veeraporn, Vorayuth Yoovidhya, Orachon „Praewa“ Thephasadin na Ayudhya.) Gegen solchen Dummfug kämpfen sogar studierte Forensiker vergeblich.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Tellenbach
(2) http://www.blick.ch/news/ausland/dreier-abgelehnt-dann-gabs-pruegel-in-pattaya-lutz-ist-das-ladyboy-opfer-id4966319.html
(*) http://www.blick.ch/news/ausland/aggressive-transsexuelle-auf-iphone-klautour-ladyboy-alarm-in-pattaya-id4963468.html
(3) http://www.bangkokpost.com/news/general/954489/hua-hin-clip-leak-caused-more-harm

Fehlinvestitionen

Die dreifaltige Fahne der Moral im Dorf heisst Party. Die Steigerung heisst Tempelfest.
Fromme Prozessionen mit Geldbäumen zum Wat in frühen Morgenstunden. Umrundung der Heiligtümer. Weihrauch-Schwanden. Gebete. Chanten der Mönche. Worte des Abtes. Tiefschlaf der Anwesenden. Brüskes Erwachen durch Spritzer der Weihwasserwedel. Mittagsverpflegung. Rauchopfer amerikanischer Art, Nikotinspargeln. Chaotischer Rückzug mit anschliessendem Besäufnis am Reisfeld. Zum Nachtisch gibt’s Drogen. (1)(2)

Gedanken einer süchtigen Mandeläugigen in knisternder Nachthitze:

Der Tanga String ist mein Banner
und wenn er nicht will, dann kann er…
Lieber länger als breit
und mehr als zu zweit.

Danach tröpfelte Feuchtigkeit.
Die Begleichung der Schulden war abgeschlossen.

Vor langer Zeit betrieb Dick mit Angestellten rund vierhundert Kilometer südlich von Chiang Mai einen florierenden Schönheitssalon. Wenn sämtliche Haartrockner heulten, während andere Frauen unter Hauben hockten und irgend jemand zusätzlich einen stromfressenden Staubsauger einschaltete, sank die Spannung an den Steckdosen gegen hundertfünfundsechzig Volt.
Weil die Elektrizitätslieferanten die Zähler nicht an den Häusern montieren, sondern im Freien an ihre Strommasten hängen, zahlen die Kunden nicht nur die Energie, welche die Geräte verheizen, sondern ebenfalls die Verluste auf den Zuleitungen. Mowgli und ich massen Spannungsabfälle und berechneten daraus, bei hoher Last kann der Energieverlust im Dorf pro Hausanschluss je nach Kabelqualität und Durchmesser fünfundzwanzig Prozent und mehr erreichen. Die Verluste sind proportional zur Stromstärke.Zähler Tel

Fachgerecht hängende Strom-, Internet-, und Telefonanschlüsse

Das kümmerte Dicks Kundinnen nicht. Solange die Geräte ihre Zwecke erfüllten, war ihre kleine Welt in Ordnung. Die Stromversorgung wurde erst kritisch, als ein Sohn im Nebengebäude einen Computer-Laden eröffnete. Die empfindlicheren Kisten entwickelten bei horrenden Spannungsschwankungen Grippe- und Virus-ähnliche Symptome.
Der junge Mann mit Freundin benötigte dringend 100‘000 Baht. Ich schrieb einen Wisch und erklärte, das Geld sei ausschliesslich für die Stromversorgung vorgesehen, Investitionen in Fahrzeuge oder andere Unternehmungen seien nicht gestattet.
Der Zähler war mindestens fünfzig Meter entfernt. Hundert Meter grosskalibrige, schwere Qualitätskabel bedingten Leitungsmasten. Teile der Hausinstallation sollten ebenfalls ersetzt werden. Eine einzige Sicherung von über dreissig Ampere schützte sämtliche Anschlüsse.

Der Kampf im ländlichen, kleinen Dorf um IT Kunden war hart. Die Polizei eröffnete wenige Meter entfernt einen Internet-Shop mit PC Verkaufsstelle. Der Junge warf das Handtuch, schloss sein Geschäft und benutzte das Geld für eine Hundezucht. Weil er auf dem Lande den Bauern keine Köter andrehen konnte, zog er zwecks erfolgreicheren Hundehandels in die Grossstadt Chiang Mai.
Beim näheren Betrachten der Wege und Strassen, hätte er an den Kegeln bereits etablierter Vierbeiner abschätzen können, dass dieser Markt, genauso wie die Wege, bereits gesättigt ist. Als hochqualifizierter Faulpelz wollte er sich zudem bloss auf den Hundehandel spezialisieren. Für die Drecksarbeiten, wie misten und füttern, benötigte er Angestellte. Das schmälerte den Geschäfts-Ertrag und führte schnell zur Aufgabe dieser Tätigkeit.

Damit er für vier Nächte als Gelbrock im Tempel aufgenommen werden konnte, musste er mich zwei Stunden vor der Prozession um Vergebung anflehen. Er versprach:
„Nach dem Tempelaufenthalt werde ich ein besserer Mensch.“
Mit zweihundert Gästen in seinem Gefolge war ich erpressbar. Buddha schenkte ihm die Gnade des Vergessens – inbegriffen eine Finanz-Demenz.

(1) Bild Geldstaude: https://hinterindien.com/2013/07/30/teures-nibbana/
(2) https://hinterindien.com/2013/07/18/programmiertes-chaos/