2015

2015

Mit den besten Wünschen, Low.

Was bringt die Zeit, wenn der Verstand fehlt?

Bisher brachten drei Neujahrsfeiern innerhalb zwölf Monaten Unruhe in unser eher gemächliches Dasein. Nun wurden daraus vier Anlässe. Das erste Neujahrsfest ist das Katholische. Bekanntlich wurde unser Kalender von einem Papst eingeführt.
Bald darauf folgt das Chinesische Frühlingsfest. Es dauert traditionell zwei Wochen. Im April feiern die Thais Songkran. Flexibel über unsere Zeitrechnung verteilt, begehen die Moslem das Islamische Neujahr.

(t) https://hinterindien.com/2013/01/22/fruhlingsfest-chinesisches-neujahr-ii/

Technik stellt Regeln ins Abseits

Mein Grossvater hatte vor sechzig Jahren eine Kamera, ein optisches Wunderwerk.
Der Hinterteil entsprach ungefähr einem dicken, aufgedunsenem sechs Zoll Smartphone. Vorne war ein langer Faltenbalg, wie bei einer eine Ziehharmonika. Daran war eine Qualitätsoptik mit Compur-Zentralverschluss montiert. (1) Der Name hatte nichts mit Computer zu tun, sondern setzte sich aus den Begriffen Compound und Uhr zusammen.
Die Möglichkeit der Selfies von heute war bereits damals gegeben. Eine mechanische
Zeitverzögerung, ein kleines Uhrwerk, löste Aufnahmen verzögert aus. Einstellen, in den Aufnahmebereich hüpfen, lächeln und das Selfie mit Familie stand.
Heutige Smartphoneselfieenthusiasten laufen mit ein- bis zweimeterlangen Teleskopstangen um den Globus, um sich in jeder Gegend selbst zu beweisen, was man bequem mit Software wie Photoshop vom Schreibtisch aus erledigen könnte. Die lange Stangen-Hardware ist an sich sinnlos. Die meisten Smartphones haben einen elektronischen Selbstauslöser eingebaut. Als Stativ könnten Tische, Stühle, Mauern und leere Bier- oder Spirituosenflaschen dienen. Wer aus religiösen Gründen oder wegen Allergien weder Bier- noch anderes Glas berühren darf, könnte Aluminiumdosen, tote Katzen oder Steinbrocken verwenden. Die Steinbrocken sollten aus persönlichen Sicherheitsgründen nicht von antiken sakralen Bauwerken stammen.

Für meine ersten Reisen in den Osten oder nach Nordafrika erhielt ich Warnungen. Im Islam gilt ein Bilderverbot. Bedingt durch das islamische Bilderverbot entwickelte sich im vorderen Orient unter spätantikem Einfluss eine für die islamische Kunst typische, flächig stilisierte Ranke aus sich gabelnden Blättern, Arabesken oder Mauresken genannt. (2,3) Arabesken unterscheiden sich von Mauresken, von denen sie nicht immer eindeutig auseinandergehalten werden können, durch größere Naturnähe und geringeren Abstraktionsgrad. Sie füllen in schwingender Bewegung Felder gleichmäßig. Eindrucksvolle Arabesken fand ich in den Sälen der Alhambra in Granada.
Viele Menschen fürchten sich noch heute vor Fotografen. Sie denken, sie verlieren ein Stück Seele, sofern ein Bild geknipst würde. Steinwürfe waren und sind üblich, sofern Fremde mit Kameras hantieren. Compur- oder Schlitzverschluss unterscheiden die sich sträubenden Opfer nicht. In Afrika lernte ich, dass viele Menschen Abbildungen, wie Fotos, nicht erkannten. Einfache Strichzeichnungen dagegen identifizierten sie.

Wenn strenggläubige Menschen neuzeitliche Technik erwerben, dringen plötzlich Teufel in eine an sich abgeschirmte, heile Welt. In Smartphones sind bösartige Kameras eingebaut. Kopftuchtragende, tiefverhüllte Damen knipsen gedankenlos Bilder der Familien im Urlaub. Nicht nur das. Auch im intimen Rahmen der Familien wird eifrig fotografiert. Drei- oder vierjährige Knirpse bedienen diese amerikanischen Höllenmaschinen “Made in China“. Sofern sie bloss knipsen, ist bis morgens um sechs die Welt in Ordnung. Wenn diese Kinder dann in der Öffentlichkeit Bildchen anschauen, die das hochgeheime Liebesleben im häuslichen Harem zeigen, erblassen und erröten sogar abgebrühte, schielend zuschauende Pfadfinder. So mancher Schuss mit diesen Spielzeugen ist unbeabsichtigt und ging total daneben, wie das Beispiel zeigt.Daneben

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Compur-Verschluss
(1) http://www.kl-riess.dk/compur.html
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderverbot_im_Islam
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Arabeske

Grenzen der Toleranz

Unterwegs sehen wir nicht nur Landschaften mit alter und moderner Architektur. Wir werden öfters mit unglaublichen Perversionen konfrontiert.
Gäste des Resorts Tanjung Sutera in Kuta Tinggi, Johor Bahru, sorgten drei Tage lang für Schlagzeilen in allen Zeitungen des Landes. Die Nachbeben hielten während einer Woche an.
Der Sultan von Johor Bahru persönlich befasste sich mit der heiklen Angelegenheit. Der Chef der Polizei Datuk Mohd Mokhtar Mohd Shariff informierte, der fünfundvierzig jährige Manager des Resorts, Syed Ahmed Alkaff, sei festgenommen worden. Wegen Verdunkelungsgefahr blieb er vier Tage in Haft, denn möglicherweise wurde Artikel 295 des Strafgesetzes verletzt!
Das frevelhafte Verhalten der Gäste zeigt eine verwackelte Dokumentation auf Youtube. Dem Kameramann fuhr der Schreck offenbar in sämtliche Glieder, als er die abscheuliche Untat filmte. Wurden einheimische Schafe oder Ziegen missbraucht? Schändeten unverbesserliche Pädophile Kleinkinder?

Im Resort errichtete man für Gläubige eine kleine Moschee mit einem Gebetsraum, Surau genannt. Dieser Surau ist eine elegante Bausünde im maurischen Stil. Entgegen aller Vorschriften, ist er nicht nach Mekka ausgerichtet. In jedem Hotelzimmer gibt es meist an der Decke einen Kiblat, einen Wegweiser, der Gläubigen die korrekte Richtung zum Gebet zeigt.
Dieser Surau wurde von buddhistischen Touristen und einem Mönch zu einer Andacht missbraucht. Der hohe Religionsrat beschloss darauf am 13.August, der Bau soll abgerissen werden.

Der in Singapur geborene Muslim Syed Ahmed Alkaff mit Niederlassungsbewilligung in Malaysia sagte:
“Ich hatte nie die Absicht, irgendwelche Gefühle von Mitbürgern zu verletzen, als ich den Gästen erlaubte, den Gebetsraum zur Meditation zu nutzen. Ich wollte zeigen, dass der Islam universell und tolerant ist!“

Der buddhistische Hohepriester Malaysias, Datuk Sri Dhammaratana, entschuldigte sich für das schockierende Benehmen dieser aggressiven Gruppe von Buddhisten aus dem fernen Singapur. Singapur, dem unbedeutenden Inselchen, das einst im Besitz der Sultane von Johor war.

Euer toleranter Korrespondent aus Johor Bahru, gegenwärtig im Melaka.


http://www.themalaymailonline.com/malaysia/article/cops-quiz-resort-manager-in-surau-turned-temple-row#sthash.aNCayGUG.dpuf

Zweitausend und dreizehn

Die Suche nach Ausreden war ergiebig: Ausreden – für verspätete Blogbeiträge. Bisher hatte ich kaum Probleme mit der Dreizehn.
Ich kenne männliche Wesen, die an einem Dreizehnten ihre zukünftige Frau trafen. Folglich wurde dann am Dreizehnten geheiratet. Das verflixte siebente Jahr meisterten beide problemlos. Ich selbst scheiterte daran.

Unser Jahr 2013 begann ruhig, steigerte sich mit gelungenen Reisen. Anfangs Februar setzte eine Pechsträhne ein. Vielleicht deshalb, weil ich mich gegen Dorfzauber stellte. (1) Um dreizehn Uhr brach ich den Fuss. Der schwoll schnell an, Format Wassermelone. Er verfärbte sich rot, dann blau und grün. Die Röntgenbilder zeigten: Gleich doppelt gebrochen.
Zusätzlich zu den Brüchen, riss ich mir den Oberschenkelmuskel entzwei. Der kleinere Teil hängt am Hüftgelenk, der grössere Rest an der Knieseite. Damit muss ich leben.
Ich kann, denn ich bin Blogger, kein Fussballer.

Leider verletzte ich ferner das rechte Schultergelenk. Das spürte ich, als der Fuss richtig schön summte und brummte, noch nicht  Wenn ich den Arm nicht brauche, bin ich schmerzfrei. Weine entkorken, unmöglich. Auto lenken geht kaum. Tippen an der Tastatur ist je nach Tischhöhe mal Alkoholpegel möglich. Die genaue Formel bestimmte ich noch nicht. Manchmal flattern bei Schmerz die Finger. Gegenmittel: An einem Glas, gefüllt mit kalten, spirituellen Säften, festkrallen.
Diesen Widerwärtigkeiten, nicht den Säften, entfliehen wir demnächst. Wir erforschen Inseln und ihre Bewohner(innen) im südchinesischen Meer. Die Gründe sind:
Der Einflusshorizont der Hexenmeister ist unter glücklichen Umständen geographisch begrenzt. Wenn nicht, vernahm ich in Wahnsinn aus dem Wok:
Im Islam ist Okkultismus verboten. Aber es gibt in Malaysia muslimische Bomohs. Sie vertreiben Geister, Phi und Jinn, mit Koransuren. (1)
Während ich mir meine Ausreden im Kopf zurechtlegte, verfasste Pheneas Prettiwillie unabhängig davon, einen weiteren Artikel über die Zahl 13 in Thailand. (3)
Leider sind Internetzugänge von den Inseln geschwindigkeitsmässig sehr begrenzt.
Aber sie, geschätzte Leser(innen), werden vermutlich von uns hören und sehen.Monk1

Dick, Kamera und Low, Wort,
mit den besten Wünschen zu Songkran!

(1)
https://hinterindien.com/2013/04/12/spiel-mit-harten-ballen/
(2)
http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2011/05/29/1175-e-stundenlohn-wer-arbeitet-ist-blo%CE%B2-zu-blod-zum-zaubern/
(3)
http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2013/04/15/thailand-jeder-tag-freitag-der-13/

Fachkundiges aus dem TIP Forum:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=14339.msg1080546;topicseen#msg1080546

Dissonanzen und Flatulenzen zum Frühlingsfest

Auf währschaft Deutsch:
Misstöne und Fürze (… und wenn sie sich im Gehirn entwickeln.)
Leider bin ich nicht der letzte kleinkarierte Spielverderber Hinterindiens.

Die Parti Islam Se-Malaysia, PAS, ist eine aktive, Islam orientierte Partei Malaysias. In der Regierung gehört sie zur Opposition. In Bundesstaaten wie Kedah, regieren ihre Mitglieder. Der PAS Vorsitzende ist Abdul Hadi Awang. Er unterstützte die Taliban, als sie im März 2001 die Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan zerstörten. In einer Predigt erklärte er, dass die Taliban ein Beispiel für ein islamisches Regime seien, wie er es sich für Malaysia wünsche.

In Alor Star, Kedah, dekretierte Datuk Dr. Hamdan Mohamad Khalib, PAS Vorsitzender der Kommission für Kunst und Kultur, am chinesischen Frühlingsfest seien Auftritte von Musikgruppen im Allgemeinen und weiblichen Personen im Besonderen, auf Bühnen verboten. Anstelle von POP Musik, sollten dem Publikum Musikkonserven mit religiösen Themen und positiven Gedanken dargeboten werden.Stage1

Ein Sturm der Entrüstung erhob sich in den chinesischen Gemeinden mit dem präsidierenden Datuk Chong Itt Chew. Die Moralapostel der PAS krebsten zurück. Datuk Seri Azizan Abdul Razak milderte das Verbot auf: „Beide Geschlechter dürfen auf Bühnen auftreten, sofern die Kleidung den Regeln entspricht.“
Das klassische chinesische Damenkleid ist der Cheongsam. Es ist ein sehr enggeschnittenes, Figur betonendes Kleidungsstück. Als Gag weist es an den Seiten einen bis zwei Schlitze auf. Sie könnten theoretisch bis zu den Ohrläppchen reichen.
Nun dreht sich die Diskussion in den Zeitungen darum, ob der Cheongsam überhaupt, und in welcher Form er als angemessen toleriert werde.

Die leitenden Herren der PAS sollten eine Exkursion, eine Studienreise, nach Johor Bahru unternehmen. Dort tragen junge Frauen teilweise auf der Strasse Kleidungsstücke, wenn nicht in Briefmarkengrösse,- so doch im Taschentuchformat. Das stört mich selten. Mein Sehnerv reagiert nur schmerzhaft, wenn füllige Damen ihre prallen, drallen, Schenkel schamlos dem Tageslicht aussetzen. Dann sollten flanierende Speckseiten mindestens ein Kopftuch tragen.

In PAS kontrollierten Staaten gab es, zumindest bei meinen früheren Besuchen, die religiöse Polizei. Diese strengen Ordnungshüter überprüften wenig zimperlich, unter Missachtung sämtlicher westlicher Anstandsregeln, wie beispielsweise anklopfen, ob die Pärchen in den diversen Hotelzimmern und Suiten verheiratet waren.

Bis am 22. Januar las ich in Gazetten täglich über die teilweise gelockerten Verbote. Das Drama ums Frühlingsfest in Kedah endete für mich mit unserer Abreise.
Datuk Ti Lia Ker, Mitglied der chinesischen Vereinigung, sagte im Hinblick auf die baldigen Wahlen, die DAP, Democratic Action Party, versäumte es, für die Chinesen und deren Anliegen einzutreten. Der Hick-Hack wird bis zum Frühlingsfest, vielleicht bis zu den Wahlen munter weiter betrieben.