Nong Khai, Sala Kaeo Ku

Die Stadt Nong Khai erlebte in der Mitte der neunziger Jahre einen Wachstumsschub. Der Grund war der Brückenbau über den Mekong. Ohne die Besucher aus Laos, sie kaufen vorwiegend Textilien, würde die Stadt vollkommen in der Bedeutungslosigkeit versinken.
Für Eingeweihte gibt es, etwas versteckt – annähernd drei Kilometer östlich der Stadt, Sala Kaeo Ku, ศาลาแก้วกู่.
Der Künstler und Mystiker Luang Pu Bunleua Sulilat errichtete im benachbarten Laos ab 1958 einen Buddha Park. Diese Anlage liegt ungefähr fünfundzwanzig Kilometer östlich von Vieng Chan. Als 1975 die Kommunisten in Laos die Macht übernahmen, flüchtete Bunleua über den Mekong zurück in seine Heimat. KaeKu1516
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Er begann 1978, ungefähr drei Kilometer östlich des Zentrums von Nong Khai, mit viel Phantasie und noch mehr Zement, den Park Sala Kaeo Ku zu gestalten. Die mächtigen Skulpturen sind teilweise zwanzig Meter hoch.KaeKu3
Bunleua Sulilat wurde 1932 als siebentes von acht Kindern einer Familie in der Provinz Nong Khai geboren. Er starb 1996. Der mumifizierte Leichnam ist im dritten Geschoss des Hauptgebäudes im Park aufgebahrt.
Der Titel „Luang Pu“ ist eigentlich Mönchen vorbehalten. Sulilat war eine exzentrische und fesselnde Persönlichkeit. In Verbindung mit der gezeigten Mischung von Hinduismus, Buddhismus, beide teilweise mit einer Spur von balinesischem Einfluss, wurde er als Deuter zum Sektenführer. Böse Zeitgenossen behaupteten, der Künstler sei verrückt.KaeKu4
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Die tiefen Eindrücke auf uns können die wenigen Bilder, eine kleine Auswahl aus über hundert Aufnahmen, kaum vermitteln. Dick war fest eingebunden in eine Zementwelt gewaltiger Bildwerke. Sie opferte Blumen und Weihrauch, als sie die ergreifenden Darstellungen des Lebenszyklus erlebte und fühlte.
Meine Wenigkeit dagegen bewahrte ruhiges Blut und kühlte den Körper zusätzlich mit einem kalten, isotonischen Getränk ab. Es war ein heisser Tag. Sogar die Kamera fühlte sich warm an. Der Auslöser brannte unter dem Finger. Gibt es Fotoapparate für Linkshänder?
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KaeKu Sockel Buddha
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http://de.wikipedia.org/wiki/Sala_Kaeo_Ku
http://en.wikipedia.org/wiki/Bunleua_Sulilat

Die Parks befinden sich am Mekong fast gegenüber.
In Laos : 17.912245 102.765079
Thailand: 17.8870818 102.7826244

Das Unkraut der Superlative, die Dickstielige Wasserhyazinthe

Wasserhyazinthen im Fischtrog Diese Wasserhyazinthen, Eichhornia, stammen ursprünglich aus dem Amazonasgebiet in Brasilien. Um 1880 kultivierten europäische „Experten“ das Unkraut als Zierpflanze! Sie siedelten ihr Produkt auf der Insel Java an. Der wissenschaftliche Gattungsname Eichhornia ehrt den ehemaligen preußischen Kultusminister Johann Albrecht Friedrich von Eichhorn (1779–1856).

Als König Rama V., Chulalongkorn, 1901 Java besuchte, erfreute ihn die blaue Blütenpracht. Er brachte Wasserhyazinthen, Eichhornia crassipes, unter dem Namen Phak Tob Chava nach Thailand. Zwecks schnellerer Verbreitung wurde sie wohl auch gestohlen.
Bereits nach wenigen Jahren entpuppten sich die Pflänzchen als rasch wachsende Wucherpflanze. Als invasiver Neophyt verdrängt sie einheimische Gewächse. Sie verstopft Klongs und weitere Gewässer. Die Hyazinthe entzieht anderen Wasserpflanzen das Licht. Sie sterben ab. Im Wasser fehlt der Sauerstoff. Fische, Schildkröten, sowie zahlreiche Lebewesen verenden als Folge des gestörten biologischen Gleichgewichts. Dafür vermehren sich Stechmücken um so erfolgreicher.

König Rama VI. erkannte die Gefahr. Schon 1913 erliess er eine Verordnung, Wasserhyazinthen seien Schädlinge, gemeines Unkraut und müssten bekämpft werden.
Zahlreiche Anweisungen und Gesetze, sogar die einfachsten Regeln des Buddhismus (1) werden kaum befolgt. Eine spezielle Lachnummer ist die Helmtragpflicht für Motorradfahrer. In den südlichen Unruheprovinzen sind Helme verboten.

Die königliche Verordnung von 1913 dürfte längst vergessen sein. In Satun wuchsen die dicksten Hyazinthen-Teppiche auf Gewässern neben staatlichen Gebäuden und Amtsstellen.
Pro Tag erzeugt diese Pflanze drei bis vier Ableger. Das ergibt im Monat hundertzwanzig Ableger. In zwei Wochen verdoppelt sich der Platzbedarf. Einzigartig positiv ist, dass Wasser-Hyazinthen angeblich metallische Schadstoffe und Ölfilme absorbieren können. Nur müssten nach fünf Monaten ältere Pflanzen entfernt werden. Sonst sterben sie ab und verunreinigen dadurch das Wasser erneut.

Viele Länder sind von der Plage betroffen. Dummheit ermöglichte sie. In Afrika ist der Viktoria See stark verkrautet. Die schwimmenden Pflanzen behindern die Schiffahrt im Hafen von Kisumu. Äthiopiens Gewässer leiden unter dem Unkraut.
In Asien verbreiteten sich Wasser-Hyazinthen in mehreren Ländern. Im Tonle Sap in Kambodscha gedeiht Eichhornia crassipes bestens.

Die Alarmglocken läuteten bei mir, als mir Dick in Satun gleich zwei verschiedene Sorten Eichhornia für den Fischtrog brachte. Aber nur die dickstielige Hyazinthe ist invasiv aggressiv.
Beim Abendessen Ende Februar am Mae Tha Chin strömten Hyazinthen faszinierend endlos Richtung Meer. Als Stunden später die Flut einsetzte, floss das versammelte, vergammelnde Unkraut stromaufwärts.

Die Kamera der Filmemacherin lag im Zimmer. Deshalb dokumentierte die zweite Garnitur die treibenden Hyazinthen mit drittklassigem Material, dem Zenfone, in der Dämmerung durch die Glasscheiben des Restaurants.
Die Qualität der Aufnahme ist entsprechend bescheiden, vermittelt dennoch einen Eindruck der Naturkatastrophe. Wie beständig der Pflanzenteppich war, zeigte ein von Wasser-Hyazinthen eingefangener, im grünen Gewimmel mitschwimmender, ausserordentlich stabil gebauter Kratong, denn Loy Krathong wurde am 6. November 2014 gefeiert.

(Video) https://www.youtube.com/watch?v=olcDwLrDw6c

(1) http://www.buddhanet.net/e-learning/budethics.htm
(t) http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserhyazinthen
(t) http://de.wikipedia.org/wiki/Dickstielige_Wasserhyazinthe
(t) http://www.onlinezeitung24.de/article/4999
Meine neueren Beiträge zur Wasserhyazinthe
(b) https://hinterindien.com/2015/05/08/wolkenbruche-wohnungsnot-und-gesang/
(b) https://hinterindien.com/2015/04/18/umzug-in-die-kaulquappen-lagune/
(b) https://hinterindien.com/2015/04/15/trojanische-pferde-im-fischtrog-ii/
(b) https://hinterindien.com/2015/04/12/trojanische-pferde-im-fischtrog/
(b) https://hinterindien.com/2015/03/03/wahrnehmungsunfahigkeiten/

Grenzfälle

Südthailand ist ein umstrittenes Gebiet. Tägliche Anschläge militanter Gruppierungen verunsichern die gesamte Bevölkerung.
Die Grenze zu Malaysia ist Umschlagplatz für Waren- und Menschenschmuggel.
Lorong Tikus, Rattenpfade, ist der Name für etwa dreihundert bekannte Schmuggelwege.
Die 46 Kilometer lange Strecke von Bukit Kayu Hitam nach Padang Besar ist mit Zäunen und Stacheldraht gegen illegale Grenzübertritte geschützt. Zusätzlich lieferten 27 Kameras Bilder an Beobachtungsposten.
Bis Ende Juli zerstörten die Schmuggler zwanzig Kameras oder machten sie unbrauchbar. Der Stacheldraht nützt wenig. Die Schmuggler führen Zangen mit sich.

Am Samstag patrouillierten zwei Soldaten auf ihren Motorrädern, als sie morgens um halb fünf eine Lücke im Zaun entdeckten. Azamuddin Azizan reparierte den Schaden und ging danach zum wartenden Kollegen zurück. Dabei wurde er beschossen. Drei Kugeln trafen den Rücken. Zwei Geschosse verletzten den rechten Oberschenkel, eines den linken. Der Kollege wurde nicht getroffen. Vielleicht beschützte ihn ein Amulett aus Thailand. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus in Kangar eingeliefert.

Die Bemühungen der Sicherheitskräfte beider Länder sind nicht sehr erfolgreich.
Das Gebiet blieb seit den kommunistischen Aktivitäten ab 1948 in damals Britisch-Malaysia bis heute unsicher. Ich erinnere mich, dass in den frühen siebziger Jahren von Butterworth – Malaysia aus, Mirage Kampfflugzeige erfolglos Bomben abwarfen.

Beschädigter Drahtverhau, Bild: Rahimat Othman, New Straits Times.Zaun
Man spricht vom Bau einer Mauer. Sie soll fünfzig Millionen Ringgit kosten. Datuk Ahmad Zaini Japar aus Bukit Kayu Hitam findet: “Das gebietet die Sicherheit der Nation. Zudem sind die fünfundzwanzig Wachtürme entlang der Grenze von Rost befallen.“

Grosse, nutzlose, Mauern errichteten bereits die alten Chinesen, etwas später die Vorsitzenden des Arbeiter- und Bauernwohlstandsparadieses DDR.
Empfehlenswert ist, nach Mafia-Art ungefähr alle hundert Meter einen ertappten Gesetzesbrecher einzumauern. Das spart erstens Zement und erhöht zweitens die Glaubwürdigkeit.
Kleinste Grundstücke in Lan Na Land sind mit eindrücklichen Mauern umgeben. Die Katzen benutzen diese zur Morgengymnastik. Unser Nachbar muss sich als Polizist nicht an vorgeschriebene Mindestabstände halten und nutzte die Abgrenzung als Erweiterung seines Wohnzimmers.

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Malaysias
http://de.wikipedia.org/wiki/Butterworth_(Malaysia)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dassault_Mirage
New Straits Times, 13. August 2013, Seite 2
New Straits Times, 14. August 2013, Seite 13

Entwurzelt

Der unersättliche Hunger nach mehr.

Buddha lehrte Bescheidenheit. Diese Lehre findet in Thailand, wo das einfache Leben als reich inszenierte Seifenoper praktiziert wird, wenig Beachtung. Requisiten als Blickfänger sind kostspielig. Besonders dann, wenn mehrere knackige Mia Noi Aushängeschilder für unerschöpfliche Potenz sein sollten.AAB

Ein einst armes Mädchen aus einem abgelegenen Bauerndorf verdiente mit seriöser Arbeit plötzlich Geld, viel Geld! In einem einzigen Monat mehr, als die Eltern in einem ganzen Jahr zur Verfügung hatten. Doch da lockten tausend Sachen, wie Smartphones, Motorräder, Autos, Klamotten, Schmuck, Uhren, Taschen und Täschchen von Gucci.
Dinge, die wir kaum benötigen. Aber sie unterscheiden uns von den Habenichtsen.

Die Frau war vergiftet vom Geruch des Geldes, süchtig nach weit mehr. Angestellte des Flughafens fahren jede Woche ins goldene Dreieck. Selten wegen Opium und synthetischen Drogen. Auf burmesischem Boden steht ein Casino, eine berühmt-berüchtigte Spielhölle. Dorthin bringen sie ihr zu leicht verdientes Geld. Habgierig nach unendlichem Gewinn. Wenn dann rein zufällig eine Million lächelt, ist es nicht genug. Die weckt bloss den Hunger.
Ich kenne einige weibliche Burmapilger. Sie opferten periodisch, erst Bargeld, ererbte Ersparnisse und Schmuck. Später verloren sie den Rest, sogar teil-finanzierte Fahrzeuge und bescheidene eigene Häuser.

Casinos sind für zahlreiche Thais die wirklichen Tempel und Kirchen. Sie vermitteln überwältigende Glücksgefühle und gleichzeitig unerträglichen Nervenkitzel. Die verehrten Hohepriester sind modisch gekleidete Croupiers. Dagegen demonstrieren in safranfarbige Tücher gewickelte Bonzen mit ihren Sprechgesängen Unvermögen und Machtlosigkeit in Reinkultur.

Eines Abends erhielt unser angehender Künstler einen Anruf:
„Liebster, ich komme heute leider nicht nach Hause. Ich übernehme eine weitere Schicht. Danach haben wir wichtige Besprechungen, blah, blah, blah.“
Dummerweise erhielt der Mann zuvor einen Hinweis auf eine bevorstehende Exkursion geldhungriger Angestellter. Er nahm ein altgedientes Fahrzeug seiner Mutter und verfolgte den Minibus der Spielsüchtigen vom Flughafen bis an die burmesische Grenze.
Er sah SIE.
Thais rechnen nicht. Sie lernten es nie. Deshalb gab es im Casino kein halten, als die mitgebrachten Summen verspielt waren. Wozu gibt es Pfandleiher? Nach ihrer Rückkehr versetzte die unverheiratete Spielerin ihren Brautschmuck und ohne Rückfrage an den neuen Besitzer – meine ehemalige Kamera samt Gummi und weiterer Linse. Er bemerkte es schmerzhaft, schwieg und verreiste darauf zu seinen Wurzeln.
Nach einigen Wochen kehrte er gutgelaunt, frühmorgens zurück. Es war sehr kühl im winterlichen Chiang Mai. Er drängte rasch ins Haus. Ihm wurde extrem kalt, als er seine Lebensgefährtin mit einem Kerl im warmen Bett fand. Er schwieg, ging und verabschiedete sich ohne weitere Erklärungen von seiner Mutter.
Ich vermisse ihn. Er wird kaum zurückkommen.

Ein Künstler wurde vor seiner Entdeckung brutal abgemurkst, eine Bagatelle für eine gewissenslose Sicherheitsbeamtin. Sie ist nun eine typische, voll-integrierte Dorf-Frau. Wenn ihr Spielschuldenberg einige hunderttausend Baht beträgt, wird sie sich nach einem Farang umsehen.

Fortsetzung folgt….

http://de.wikipedia.org/wiki/Croupier

http://www.blick.ch/news/schweiz/casino-zocker-will-sein-geld-zurueck-id2320161.html