Gedanken über das Wohnen

Meine Eltern machten sich wenig Gedanken übers Wohnen. Der Vater freute sich vor dem nächsten Umzugstermin jeweilen auf die Eckbank in der Küche, seiner einzigen Bankverbindung. Das Kriterium war: Wohnungen mussten genügend Zimmer haben und preisgünstig sein. Aussicht, Lage, Nachbarn waren Nebensache.
In den Schulen wurde wohnen nicht diskutiert.
Deshalb fiel ich mit meiner ersten Wohnung voll auf die Nase. Das Gebäude hatte einen Lift. Er war eigentlich zu klein für einen Rollstuhl. Die Fussstützen mussten entfernt werden. Die Aussicht auf die Berner Altstadt war grossartig und unbeschreiblich. Dafür konnte ich mit dem Rollstuhl nicht ins Badezimmer. Da setzte ich mich erst auf einen Stuhl, dann aufs WC. Vom WC wieder auf den Stuhl, dann in die Badewanne. Während fast zehn Jahren machte ich mir keine Gedanken darüber.

Erst als ich selbst bauen liess, änderte ich den Entwurf des Architekten. Aus zwei kleinen Badezimmern schuf ich ein grösseres, befahrbares. Weil ich nicht durch Schnee und Eis im Garten rollen wollte, gab es von der Garage eine Türe direkt in die Küche. Die Dame reklamierte lautstark, weil sie deswegen einen Wand-Schrank verlor.

Seitdem ich in Thailand lebe, denke ich über Wohnungen und Raumgestaltung nach.
Die Häuser, die meisten gedankenlos kopiert, sind wenig freundlich für kranke, ältere oder gar behinderte Menschen. Die Duschräume mit WC sind mit Flächen von anderthalb Quadratmetern äusserst knapp bemessen. Bei Beschaffungen auf kleinformatige Zahnbürsten achten. Dabei ist die Besucherfrequenz dieser Kleinstabteile eher hoch.
Schlafzimmerchen von zwölf Quadratmetern mit Doppelbett und Kleiderschrank lassen ein Umrunden der Liege mit dem Rollstuhl nicht mehr zu. Darum sind die kleinen Thai Resorts für Rollstuhlbenutzer kaum geeignet. Das luxuriöseste Zimmer der Häuser ist als Repräsentationsstätte mit Elektronikschrott, Karaoke-Utensilien und Lautsprecherboxen derart zugemüllt, dass zusätzlich höchstens einige Eiswürfel und ein paar Flaschen Johnnie Walker Senior Platz finden. Für besonders prekäre Verhältnisse wurde von der Schnapsindustrie der Flachmann erfunden. Selbst Küchenschaben, Kakerlaken, müssen sich in solcher Umgebung anpassen und schlank machen.

Absaufende Pfahlbauten und Raumpflegerinnen

Herrschaftliche Holz-Häuser auf Pfählen sehen wir je länger, desto seltener. Die meisten Häuser auf dem Land sind aber nach dem alten Muster errichtet, auch wenn man die Pfähle auf den ersten Blick nicht mehr sieht. stahl-pfahlbauer

Grundlagen der Baupläne, sofern es sie überhaupt gibt, ist der Talang wa. Das sind vier Quadratmeter. Die Raumgrössen betragen drei bis vier Talang wa. Bei zwölf Quadratmetern für ein Schlafzimmer mit Doppelbett kann es für Rollstuhlfahrer eng werden. Wenn noch ein Kleiderkasten, Karaokemaschinen mit Bildschirmen, 1500 Watt Verstärker mit Leisesprechern hineingequetscht werden, werden Schuhlöffel und Geburtshilfezangen wichtige Instrumente für den Weg ins Bett. Die kleinsten Räume in den Wohnhäusern sind effektiv die wichtigsten – die Duschgelegenheiten mit WC. Für sie müssen üblicherweise ein halber Talang wa, zwei Quadratmeter genügen. Ich entfernte zuerst die für mich unschliessbaren Kunststofftüren und montierte in solchen Miniatur-Bedürfnisanstalten stattdessen Duschvorhänge. Gegen allfällige störende Geräuschentwicklung hilft die Karaokeanlage.
Die thailändischen Hauskonstrukteure planen für Raumgrössen von drei, maximal vier Talang wa vier Pfähle ein. Der nächste Raum benötigt zusätzlich zwei weitere Pfähle. Unser Häuschen steht auf dreiundzwanzig Pfählen. Da ist ein Schlafzimmer von annähernd dreissig Quadratmetern und ein Badezimmer mit stolzen drei Talang wa, meine bescheidenen Entwürfe, inbegriffen.
Die Löcher für die Pfähle wurden in der Trockenzeit auf Grundwassertiefe ausgehoben. Der Statiker empfahl für das relativ grosse Gebäude als Basis für die Pfähle Platten von einem Quadratmeter. Sie wurden an Ort mit viel Stahl versehen gegossen. Inmitten der Quadrate stehen die filigranen Pfähle. meine-pfahlbauspezialisten Die kleineren Häuser im Dorf haben preisgünstigere Träger von bloss einem halben Meter Seitenlänge. Für Spekulations-Bauten gibt es vorfabrizierte Teile. Die werden auf den Boden gestellt und später mit dreissig Zentimeter Erde gekonnt zu dekoriert.
Ich bin überrascht von der Stabilität unserer Konstruktion. Wir erlebten mehrere Erdbeben. Das kräftigste wurde mit 6.3 registriert. (1) In Italien oder der Türkei stürzt bei Beben dieser Grössenordnungen bereits alles zusammen. Im Gebäude gab es nicht einmal neue Risse. Nur die alten Tempel in der Stadt litten und verloren zusätzliche Backsteine.

Wir haben einen lieben Nachbarn. In einem Experiment fand er heraus, dass Schränke hinter Fenstern lichtundurchlässig sind. Vor dieser wichtigen Erkenntnis bat er uns, unsere Bäume zu fällen. Der Schildbürger reklamierte, er hätte kein Tageslicht im betreffenden Zimmer. (2)
Vor wenigen Jahren wurde sein Haus durch eine ortsübliche Überschwemmung geflutet. Er bewohnt das Haus nur zeitweise, beispielsweise wenn er eine neue Mia Noi hat. Deshalb stellte er eine Spezialistin für gepflegte Wohnräume, eine Raumpflegerin an. Er war nicht erfreut, als er die Bescherung, das durch Schmutzwasser, inklusive Fäkalien, beschädigte Eigentum sah. Er fragte seine Hilfskraft um einen guten Rat. Guter Rat ist teuer. Die Dame überlegte kurz und verkaufte folgende Expertise:
„Der Wasserstand im Haus betrug fünfzig Zentimeter. Wenn sie fünfzig Zentimeter Zement auf die Böden auftragen lassen, könnte kein Wasser eindringen. Sie werden alt. Am Eingang müssen sie deshalb zwei zusätzliche Treppenstufen anfertigen lassen.“

Als ich erneut vom Einfallsreichtum der Frau hörte, grinste ich. Ihre geistigen Fähigkeiten bildeten sich zu Gunsten eines überdimensionierten Plapperapparates zurück. Ein zierliches Weib ist wie ein Smartphone. Da muss jeder Kubikzentimeter möglichst effizient genutzt werden. Dann überlegte ich:
„So lange der Kerl keine Korbballspielerin zur Freundin nimmt und zusätzlich keinen dekorativ kitschigen, böhmischen Kristallleuchter an die Decke hängt, kann das gehen. Dennoch sind die Flächen der Trägerplatten der Pfähle dem zusätzlichen Gewicht kaum gewachsen. Während jeder Regenzeit wird das Haus langsam absaufen.“ Ich schätzte, das Haus wurde mit den zusätzlich vierzig Kubikmetern Material zwischen 90‘000 und 100‘000 Kilogramm schwerer.
Wie erwartet, sinkt das Haus. Als erstes barsten vor wenigen Wochen die Wasserleitungen! Glücklicherweise kommt die Elektrizität von oben. Diese Kabelstrippen könnten das Gebäude vor dem endgültigen Untergang retten.

(1) https://hinterindien.com/2014/05/08/schwere-erdbeben-erschutterten-lan-na-land/
(2) http://www.internet-maerchen.de/maerchen/schild02.htm

Sepp Blatter schuldlos: Fussball-Skandal in Satun

Der grosse Schriftgelehrte Arthur Koestler verfasste ein Buch, an dem ich in Europa 1972 lange kaute und verdaute: „Die Wurzeln des Zufalls“. Koestlers These: „Der Okkultismus wird zusehends wissenschaftlicher und die Wissenschaft wird täglich okkulter.“
Das Beste in Hinterindien ist: Zufälle gibt es nicht. In den letzten Tagen beeindruckte mich ein ausserordentlich niederträchtiger Mönch durch nicht eingehaltene Regeln. Regeln und Gesetze müssen gebrochen werden. Ohne Rechtsbrecher und Vagabunden würden hunderttausende Ordnungshüter überflüssig und arbeitslos.
Der Pseudo-Kleriker lenkte betrunken ein Automobil. Mönche sollten weder lenken, noch trinken. Als ihn die Polizei anhielt und kontrollierte, trug er in seiner safranfarbenen Wickel-Robe gut versteckt, im Süden offenbar üblich, einige Bomben.

Eines Samstags glitten wir im Mitsubishi inmitten hunderter Mopedfahrer Richtung Satun. (1) Wir wurden dauernd überholt. Links, rechts, zick-zack, unten durch. Ein Wunder, dass keiner aufs Dach krachte. Wohin wollten alle diese Menschen? Gab es Freibier, Lao Khao oder gar gebrannte Wasser von Johnnie Walkers Söhnen im Big C?
An unserer Strasse liegt das wichtige Fussballstadion von Satun. All diese Leute, zusätzlich einige Automobilisten und Fussgänger, bezahlten siebzig Baht, das entspricht mindestens zwei grösseren Mahlzeiten, für neunzig Minuten Unterhaltung mit thailändischer Rasenakrobatik.(2) fc satun Während einem der grössten thailändischen Fussball-Duelle des Jahres weilten wir in Kuah. Wir vernahmen aus der Ferne: Satun verlor gegen Khon Kaen. Der Polizeichef von Satun und zehn weitere hochrangige Offiziere wurden nach der Niederlage auf Befehl aus Bangkok auf inaktive Posten versetzt. Warum?
Eine importierte Schlägertruppe (aus Krung Thep?) attackierte bei Spielende den Schieds- und die Linienrichter. Wenige hirnlose Satuner machten mit. Der Verlust gegen die Isaner war doch äusserst schmerzhaft.
Die unfähigen Chef-Beamten, die nicht in der Lage waren, die Unparteiischen zu beschützen, wurden auf höchste Anordnung der Landesregierung aus dem Dienst entfernt. Sie wurden umgehend durch qualifizierte Offiziere der Armee aus Bangkok ersetzt.
Deren ausserordentliche Fähigkeiten wurden letzten Samstag voll bestätigt. Es war kein Fussballfest, aber eine grosskalibrige Karaoke-Maschine in der Nachbarschaft lärmte von 14 00 bis 03 00 Uhr durchgehend. War es der fröhliche Einstand des neuen Polizei-Chefs?
Nicht der Zufall, sondern Gelegenheits-Okkultismus gemischt mit hoher Politik, wollen den erfolgreichen Verein wegen Provokation für drei Jahre sperren!

(1) http://www.mitsubishi-motors.at/attrage/#!
(2) https://en.wikipedia.org/wiki/Satun_United_F.C.
Die Fussballfreunde werden sich feuen!
https://hinterindien.com/2014/06/10/frohliches-thailand-nach-argernis-demokratie/
Pheneas sagte bereits am 14. Juni 2014 um 16:15 :
Ein bekloppteres, von kopfballgeschädigten Akteuren verursachtes Eigentor, werden auch die nächsten 10-FIFA-Games nicht hergeben.

Betreten auf eigene Gefahr!

Als ich im letzten Jahrhundert in der Schweiz Besitzer eines neuen Hauses war, wurde mir dringend empfohlen, für mein Grundstück Haftpflichtversicherungen abzuschliessen. Salzstreuer Sollte die attraktive Blaufichte, ein Flachwurzler, bei einem schlimmen Sturm auf Nachbars Dach krachen, müsste ich für den Schaden aufkommen.
Sofern der Weg zur Haustüre im Winter vereist sei, Besucher oder Postboten ausrutschen würden, deren Knochen bersten und brechen, wäre ich schuld, weil ich das Eis nicht entfernt hätte oder kein Warnschild aufgestellt habe. So schloss ich denn eine Haftpflichtversicherung ab. Die Versicherung kassierte. Innerhalb von fünfundzwanzig Jahren traten keine Schadenfälle ein.
Während des Entfernens von Schnee und Eis schwitzten wir jeden Winter. Zwecks zusätzlicher Sicherheit streuten wir so viel Salz, dass während der Vegetationszeit die Rosenstöcke abserbelten.
Im Nachhinein fragte ich mich, wäre ich, wenn sich ein Einbrecher, ein frecher Dieb, beim Einschlagen des Glases der Haustüre geschnitten hätte, schadenersatzpflichtig geworden? Bei Profis aus Balkanesien sicher, denn jemand hätte schlussendlich nach der Verarztung, Gerichts- und Rückreisekosten bezahlen müssen.

Als das Häuschen im Lan Na Dorf am letzten Reisfeld stand, schloss ich, wie ich es gewohnt war, Versicherungen für sämtliche Schadenfälle wie Einbruch/Diebstahl, Feuer, Termiten, Wasser, ab. Als mich später Dick über die erbärmlichen Leistungen der Versicherung aufklärte, kündigte ich die Verträge termingerecht.
Für meine Bildersammlung, von erstklassigen thailändischen Künstlern mit viel Sorgfalt gepinselt, hätte der Versicherer beispielsweise die Kosten für Farbe, Leinwand und Rahmen vergütet.
Die Entschädigung für ein Gemälde im Wert von 249‘386.75 Baht hätten wir ohne Aufwand in Alkohol verwandelt und zu zweit innerhalb einer halben Stunde geschluckt! Für ein bescheidenes dörfliches Karaoke-Besäufnis hätte die Summe nicht gereicht.

Für Dicks Grundstücke existieren keine Haftpflichtversicherungen. Deshalb gilt für allfällige Besucher die Regel: Betreten auf eigene Gefahr!
Wegen der benachbarten Drogenhersteller und der damit verbundenen Explosionsgefahr, bestehen wir auf: Rauchen verboten!
Um die Gift-Konzentration zu senken, müssen Gäste die Treppen benutzen und tief einatmen.

Spielsachen

Wiederholt hatte ich die angenehme Aufgabe, Spielsachen für Kinder im Vorschulalter zu finden. Das ist nicht ganz einfach in Hinterindien, wenn man sich mit Puppen oder anderem Kunststoff-Schrott aus China nicht zufrieden gibt. Mit Plastik-Kriegsspielzeug, beginnend mit Samurai-Schwertern, Faustfeuerwaffen, Gewehren, über Panzer bis zu Atomraketen, könnte man ganze Kindergarten-Armeen ausrüsten. Uniformen stellt die Militär-Regierung, wir sahen es vor einem Jahr, gratis und franko zur Verfügung. Die Beschaffung wird schwieriger, sofern man Gegenstände sucht, welche kreatives Denken, des Zusammenspiels von Händen und Hirn, fördern. Bei batteriebetriebenen Fahrzeugen mit Fernsteuerungen scheint das Thema erschöpft. Kästen mit einfachen Holzbausteinen haben Seltenheitswert. Hochtechnisierte Bausätze, mit Motoren und komplizierten Steuerungen in bunten Plastikteilen findet man leichter. Diese Sachen sind besser für technikbegabte Väter, als für Kleinkinder geeignet.
Rar sind grosse Zusammensetzspiele, im Fachjargon Puzzle genannt. Die Thai-Kinder des Dorfes sind damit überfordert. Sie versuchen, die Teile vielmehr mit Muskel-Kraft als mit Hirn, zusammen zu fügen. Ein dreijähriges Mädchen aus der Schweiz schafft spielend, was für sechsjährige Thai-Kinder unmöglich ist. Sie übten nie, Menschen, Speisen, Gegenstände oder Landschaften genau zu betrachten und auf diesen Grundlagen Entscheidungen zu treffen.
Mowgli stolpert noch heute wiederholt über Pflanzen und Eimer, ohne dass er sie sieht, denkt – und aus dem Weg räumt. Während Jahren ging er täglich mehrmals achtlos an einem Transformator in Kleiderschrankgrösse vorüber und bemerkte ihn nicht.
Fehlt ein Gen oder benötigen diese Leute Sehprothesen? Keines von beiden. Sie sind für einfachste Wahrnehmungen, zum Gebrauch ihrer Sinnesorgane, wie fühlen, hören, sehen, riechen, denken, zu faul. Die einzigen bewussten Empfindungen erfolgen von Bildschirmen, Lautsprechern und Smartphones. Nahrungsmittel können von den Ureinwohnern nur bei gleichzeitiger Ablenkung durch Mattscheiben und Karaoke eingeworfen werden.

Als ich noch durch Windeln geschützt auf dem Boden herumrutschte, war ich Landwirt. Ich hatte eine Herde handgeschnitzter Holz-Kühe. Manche Tiere waren einfache kleine Holzstücke mit rotbraunen Flecken, die Fell signalisierten.
Als ich grösser wurde, holte ich mit Grossvater eine Ladung Sand von der Aare. Der gütige Schneidermeister spendierte ein defektes Bügeleisen als Dampfwalze für den Strassenbau. Autobahnen gab es in der Schweiz noch nicht. Mein Bruder und ich erstellten sie mit dem Bügeleisen für unsere Blechautos. Oft waren unsere Fahrzeuge schön gefärbte, gut geformte Steine oder Schneckenhäuser.
Wenn es regnete, bauten wir in der Wohnung Türme und Dörfer mit Klötzchen aus dem Holzbaukasten und geeigneten Scheiten vom Feuerholz.

Fortsetzung folgt….

Uferstrecken am Mekong

Nach einem unglaublichen Monat im Dorf trieb uns der täglich professionell angewandte Schwachsinn der Nachbarn, die Verwandtschaft inbegriffen, zu einem vorgezogenen Visarun. Meine Meldefrist für neunzig Tage Aufenthalt läuft demnächst ab. Anstatt während Stunden der Hitze und den Abgasen der ohnehin überlaufenen Amtsstelle in Chiang Mai ausgesetzt zu sein, reisten wir über Loei nach Nong Khai. Wie ein Magnet zog uns in der Stadt der Mekong an.
Entlang des Flusses gibt es einige Lokale, die eigentlich zum Verweilen einladen sollten. Das Ufer ist durch eine Betonstrasse mit Brüstung gegen Hochwasser vermauert. Das Material strahlt die Hitze nicht nur ab, es speichert sie. Ohne schattenspendende Bäume wird es bei schönem Wetter eher ungemütlich. Zum Spazieren empfehle ich hitzeschützende Schuhe und Beinkleider.
Die strenge Gesetzgebung betreffend den reduzierten Ausschank überteuerter alkoholischer Getränke ist für den Umsatz der Kneipen wenig förderlich. Am Montag, einem buddhistischen Feiertag, gab es zum Fisch am Fluss bloss Wasser, für Einheimische bunt gefärbt und stark gezuckert. Im Hotel dagegen wurden zu den unvermeidlichen, zeitweise schwer verdaulichen Karaokeklängen, unbekümmert Feuerwasser und Bier heran geschleppt.
Nach zwei Nächten reisten wir nach Vientiane. (1) Wir besitzen noch keine Fahrzeugschilder für fünfundzwanzig Millionen (2) und mussten deshalb den neuen Wagen beim Hotel in Nong Khai stehen lassen. Der freundliche und hilfsbereite Taxifahrer konnte nicht rechnen. Er erzählte uns, Laos sei teuer. Hundert Baht wären tausend Kip. In Wirklichkeit gibt es vierundzwanzig Mal mehr. Die Bank der demokratischen Volksrepublik Laos vermittelte mir als helvetischem Kapitalisten  Glücksgefühle: Für zweihundert Franken durfte ich über 1.6 Millionen Kip in den Händen halten.vientiane
Das Hotel am Fluss behagte uns. Anders als im verordneten trockenen Kneipen-Klima von Nong Khai, standen in nächster Umgebung verlockende Magenstimulierungsinstitute. Auf hunderten von Metern war die Uferpromenade mit einladenden Stühlen und Tischen möbliert.
Spirit houseIm Spirit House sassen im Schatten alter Bäume auf Holzbänken lauter fröhliche Menschen. Ich interessierte mich von Anbeginn an für Geister und Geisterhäuser. (3) Im Geisterhaus werden geistige Getränke in Flaschen und Gläsern angeboten. An den Ufern des Mekong reizte mich natürlich der Mekong High Tea. Diese spezielle Mischung enthält Wachholder, Pfirsich Tee und Gurken-Scheiben.
Schwaden von Düften aus Garküchen und von zahlreichen Feuerstellen stimmten, besser als teurer Weihrauch, Geister, Götter und Menschen – Laoten und zugereiste Chaoten – freundlich. Wein ist in den Gaststätten jederzeit einfach und preisgünstig erhältlich. Trotz niedrigem Pegel des Flusses, zwei Drittel des Bettes sind trocken, herrscht Hochstimmung.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Vientiane
(2) https://hinterindien.com/2015/05/23/das-kasten-wesen-thailands/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/10/mae-nak-phra-khanong/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/09/geister-gespenster-gemahlinnen-gelehrte-bananen-und-andere-pflanzen/

Die Kunst des Karaoke-Nicht-Singens

Erinnerungen an meine Frühzeit im kleinen Dorf inmitten der Reisfelder Nordthailands.
Eine meiner jungen Nachbarinnen war ein bezaubernd aussehendes Sing-a-song-Girl. Ein Manko, sie konnte nicht singen.
Bereits am Nachmittag fuhren grössere Wagen der einstigen Oberklasse vor. Sie verstopften die kleinen Strassen in der Nähe des Nests der stillen Nachtigall.
Ohne eine Note zu singen erarbeitete sich die Frau genügend Bank-Noten für einen gehobenen Lebensstandard. Schönheitssalon, Massagen, letzte Mode gehörten zu ihrem Alltag. Eines Tages heiratete sie einen Herrn aus Singapur. Einige Jahre danach zog das Paar leider weg. Das Haus steht noch. Der einst kleine grüne Garten wurde restlos zu betoniert. Da gedeiht kein Unkraut mehr. Für mich ist es ein Denkmal!