Archimedes, Bier und die Hitze an Songkran

Schüler in Thailand haben es schwer im Vergleich mit Kindern in Europa. Schlecht ausgebildete Lehrer dozieren gedankenlos, langweilig und phantasielos. Fragen aus dem Publikum sind unerwünscht. Nichtwissen könnte Gesichtsverlust bedeuten.
Anschaulich erklärte ich Jugendlichen in der Küche das Prinzip des Archimedes am mit Wasser gefüllten Waschbecken und einigen Flaschen. Der Lehrsatz hat praktische Anwendungen. Er könnte Verständnis dafür schaffen, warum in einem Boot für zehn Personen, zwanzig Leute nur unter Lebensgefahr Platz finden.
Ein Fläschchen Bier aus Laos sank augenblicklich. Ich rettete die Flasche, öffnete sie sorgfältig, gurgelte den Inhalt im Eilzugstempo hinunter, drückte den Kronenkorken wieder auf den Flaschenhals und liess sie danach im Trog schwimmen. Die Zuschauer staunten und meinten, das hätten sie jetzt nicht verstanden.
„Bitte wiederholen!“
Nach einigen weiteren experimentellen ‚Beer Lao‘ liess ich teils angeheitert, teils erschöpft, die Gäste zur Vertiefung ihres Wissens googeln. Fehlanzeige.
Unter Archimedes fanden sie den Thales-Kreis, plus drei Seiten Zeilenfüller – nur das gesuchte Prinzip war nirgends beschrieben.
Die deutsche Erklärung war vorbildlich. Zum selben Thema benutzte eine andere thailändische Seite einige Worte in Englisch. Erklärungen und Abbildungen fehlten.
Sofern Juristen mit der gleichen Sorgfalt ausgebildet werden, sind fragwürdige Entscheide der Gerichte selbstverständlich.

Weil Schüler schneller vergessen als lernen, benutze ich deutliche Formulierungen.
Zur Erklärung der kinetischen Energie stellte ich die Frage: Warum ist es an Songkran so heiss? Dann erzählte ich drastisch, wie überfüllte Fahrzeuge mit hohem Gewicht und noch höherer Geschwindigkeit verunfallen. Blut fliesst, Schädel splittern, Extremitäten brechen wie Streichhölzer, werden teilweise abgerissen. Kinder werden zu Waisen. Aus reizenden Schauspielerinnen und muskulösen Spitzensportlern entstehen in Bruchteilen von Sekunden hilflose Krüppel und Rollstuhlfahrer. Diese Masche zieht. Alle Jugendlichen sehen ihre Zukunft an und in Bildschirmen. Beiläufig erwähne ich, die ganze kinetische Energie wird bei Zusammenstössen in Wärme umgesetzt.
Fährt ein kleines Fahrzeug mit der Masse m=1000 kg und mit einer Geschwindigkeit von v=100 km/h, hat es demzufolge eine kinetische Energie von
T=1/2*1000(kg)*(100km/h) ^2 = ½*1000*(27.78m/s) ^2= 385 800 Joule = 92146 Kalorien, so viel wie 200 Gramm Bier.

Fehlleistungen

Orachorn Thehasadin na Ayudhya fuhr am 27. Dezember 2010 mit 16 Jahren ohne Führerschein auf der Stadtautobahn in Bangkok. Sie telefonierte beim Fahren und rammte einen Minibus. Dessen Passagiere wurden teilweise herausgeschleudert und fielen mehrere Meter in die Tiefe. Neun junge Menschen verloren ihr Leben.
Der Unfall erregte einiges Aufsehen. Ein Foto zeigt das Mädchen an der Unfallstelle, immer noch beim Telefonieren. Am 22. April verhängte ein Berufungsgericht eine Strafe auf Bewährung. 04unfall[1] Wenn Normalbürger oder gar Kleinkriminelle aus einem Mini-Markt Getränke oder Zigaretten entwenden, sitzen sie unbedingt! Für die Haute-Volée gelten andere Richtlinien.
Der Red Bull Erbe, welcher mit seinem Ferrari einen Polizisten erfolgreich ins Nibbana beförderte, wurde bisher trotz Lügen und versuchter Vertuschung keinen Tag eingesperrt. Beim letzten Verhandlungstermin in Bangkok feierte er rein zufällig Grippe in Singapur.

Low na PhonPhat

(Mehr) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/50887-neun-tote-bei-verkehrsunfall-bewaehrung.html
(blog) http://wp.me/p2ljyL-1mH
(*) http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2014/03/19/vorsicht-freilaufende-morder/

Verzicht und Gier

Liebe Leser(innen),
wenn sie denken, wir sitzen hier daumendrehend im Haus und warten griesgrämig auf unerfreuliche Nachrichten, irren sie sich, denn wir harren eigentlich auf Schnurren und Schwänke. Nach der Nicht-Registrierung keiner Eingänge feiern wir trotzdem. Wir zelebrieren die Entführung vorschulpflichtiger Kinder, die tägliche Entjungferung von Schulmädchen, das gekonnte Abmurksen koreanischer Klimaanlagen in Hinterindien mit provozierten Freon-Ergüssen in den Garten, das unaufgeklärte Verschwinden meiner Angelgeräte und den lange erwarteten Regen.

Wie ein schlechter Witz dagegen mutete das Verhalten eines Tempelvorstehers, des Abtes von Wat Pa Khanti Dhamma aus Sisaket an. Der safranfarbig gut Betuchte geriet in die Schlagzeilen, als er mit Freunden, Designer-Brille und Louis Vuitton-Tasche in einem Privatjet gefilmt wurde.
Bei Helikoptereinsätzen prangte auf den gemieteten Maschinen ein Konterfei des Halbgottes mit Pokergesicht.
Misstrauische, besonders bösartige Menschen versuchten danach, das Privatleben dieses aufsehenerregenden Tempeloberhauptes zu durchleuchten.
Vor 12 Jahren schwängerte Hochwürden eine Vierzehnjährige. Der Sohn ist mittlerweile elf Jahre alt. Die Polizei überlieferte angeblich im Auftrag regelmässig Unterhaltsbeiträge an Mutter und Grossmutter. Das dürfte dem potenten Mönch nicht schwer gefallen sein, denn Beamte fanden 10 Sparhefte allein in Thailand mit über 200 Millionen Baht. Andere Quellen erwähnen tägliche Transaktionen von über 20 Millionen Baht.
Phra Luang Pu Nenkham Chattiko flog öfter im Privatjet zwischen Bangkok und Ubon Ratchathani hin und her. Dabei zahlte der Passagier für jeden Flug, annähernd 300‘000 Baht bar, sagte Pilot Piya Tregalnon.
Auf den Strassen benutzte der bescheidene Jünger Buddhas einen Maybach. Nur für Fahrten innerhalb seines Tempels wählte er einen weniger bequemen Mercedes-Benz S500 oder den BMW X6.

Vielleicht arbeitete das eher finanzorientierte Genie einfach im falschen Beruf. Zwischen 2008 und 2011 erstand er 22 Mercedes-Benz Fahrzeuge. Die 95 Millionen Baht bezahlte er, wie immer, bar. Dieser Mensch hat eine vorbildliche Zahlungsmoral. Sie fehlt vielen seiner Landsleute.
Das extreme Beispiel offenbart uns den himmelsgesteuerten Weg der Finanzen. Deutsche, liebeshungrige Farang unterstützen selbstlos mandeläugige Bargirls und Bräute. Einen guten Teil des hart erarbeiteten Verdienstes mit Weichteilen, opfern diese feinen Damen in ausgesuchten Tempeln. Die von Schmerzen gepeinigten, alten, gehbehinderten Äbte kaufen damit deutsche Luxuslimousinen. Das Geld fliesst dann über Schweizer Banken mindestens teilweise nach Deutschland zurück.

Beamte der Spezialeinheiten fanden immerhin acht Frauen, mit denen der Verkünder des Glaubens und der Barmherzigkeit intime Beziehungen pflegte. Warum nicht?
Häufiges Masturbieren ist langfristig eine schlechte Lösung. Der Mann könnte sich davon zermürbende Epikondylitis, d.h. Tennisellenbogen plus Handgelenksentzündungen aneignen. Damit wäre er nicht mehr in der Lage, seine Glaubensangehörigen mit lebenswichtigem Weihwasser zu bewedeln. Anders als im Sozialleistungs-Paradies Schweiz, würde er in Hinterindien keinen einzigen Satang wegen Selbstverstümmelung erhalten.

Zwecks Beschaffung von bescheidenen Mitteln, machte der umtriebige Abt Fernsehwerbung für den Luftreiniger Vollara.
Als ihm trotzdem die Luft in Sisaket Ende Juni zu heiss wurde, verzog er sich nach Frankreich, ohne sich im Geringsten um ein gross angekündigtes Tempelfest zu kümmern.

Zahlreiche chiligeschwängerte Süppchen der Gerüchteküchen brodeln. Noch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Erwiesenermassen wurden vom angeprangerten Abt dutzende (kleinkarierter) Regeln verletzt.
Ebenso von diesen Herren beim gemütlichen Abendessen. Sie sollen, nach ermüdenden Einkaufsbummeln in auserlesenen Tempeln für Luxusgüter, in einem Steakhouse in New York diniert haben. Das letzte tägliche Mahl für Mönche wird in der Regel vor der Mittagszeit eingenommen!monksmeal1
Am Samstag tritt einer von Dicks Söhnen auf Zeit in einen Tempel ein. Sein bisheriges Wirken verlief befreit von sämtlichem moralischem und buddhistischem Ballast. Nach unserem Empfinden muss er Phra Luang Pu Nenkham Chattiko nicht unbedingt nachahmen.

http://bangkok.coconuts.co/2013/06/24/more-scandals-emerge-involving-louis-vuitton-toting-monk
http://bangkok.coconuts.co/2013/06/18/villagers-claim-louis-vuitton-toting-monks-involved-suspicious-activities
http://bangkok.coconuts.co/2013/06/25/more-luxury-monks-exposed-seen-starbucks-istudio-america

Die Tempel-Links in Sisaket wurden bereits vor Tagen sabotiert. Nun fiel auch der Flug im Jet der Zensur zum Opfer: http://www.youtube.com/watch?v=l9nLwj-9XPQ
Der reiche Mann mit Grundbesitz in USA, mittlerweile werden Milliarden genannt, geniesst Protektion. Die Geschichte wird zusehends schmutziger. (Ergänzung vom 12. Juli, 19:30)

http://www.alittlebuddha.com/

Brüder

Goons älterer Bruder lebte mit seinem prügelnden, alkohol- und drogenkranken Vater bei den Grosseltern.
Anfangs Juni telefonierte Grossmutter aufgeregt (nach einem Familienkrach?) mit Goons Mutter. Sie, Grossmutter, wolle und könne das Kind nicht länger betreuen. Sie solle den Knaben so rasch wie möglich abholen.
Goons Mutter organisierte Betreuung für ihren Kleinen und machte sich nachts vollständig gedankenlos und unvorbereitet auf den Weg nach Nan.
Sie kehrte mit ihrem Erstgeborenen ohne Kleider, Spielsachen und irgendwelche Dokumente zurück.

Goon hatte es anfänglich nicht einfach, den Bruder zu akzeptieren. Erst verteidigte er sein Revier und seine Sachen im Haus gegen den Eindringling. Er war ahnungslos, was ein Bruder ist.
Einige Tage später radelten sie zu zweit auf einem alten Rosthaufen im Dorf herum und besuchten Hand in Hand Khun Puh in ihrem Tante Emma Laden, wenn sie von ihrer Tagesbetreuung zurück kamen.

Drei oder vier Tage nach dem Abholtermin, verlangte Grossmutter telefonisch ‚ihren‘ Jungen unverzüglich zurück. Die Mutter der beiden Brüder unternahm nichts.

Dick und ich fanden bei Asia Books grössere Zusammensetzspiele, Puzzle genannt. Sogar in der betreffenden Buchhandlung antworteten die Angestellten auf unsere Nachfragen lächelnd mit:
“Mai mee“.
Seit längerer Zeit suchte ich vergeblich solche Dinger für meine Enkelin. Ich kaufte eine Testpackung. Eines Abends arbeiteten die Knaben auf dem Boden unseres Wohnzimmers hart. Sie setzten das sechzig zu neunzig Zentimeter grosse Bild aus fünfunddreissig Teilen zusammen und waren stolz auf ihr Werk. Als Dick die Knaben zum Schlafen zu ihrer Mutter brachte, sagte der Ältere:
„Yai, ich bin sehr glücklich.“Unfall

Das Glück währte nur eine kurze Nacht.
Am nächsten Morgen wurden die Brüder von ihren Grosseltern, in Begleitung von Polizeibeamten aus Nan, in ihrem Tageshort abgeholt! Die naive Puh verriet den unbekannten Kunden für eine Packung Zigaretten gedankenlos, wo sich die Kinder aufhielten.

Anschliessend besuchten die Leute mit den Buben den Night Safari Park, bevor sie zurück ins Dorf kamen. Weil die Mutter in Chiang Mai arbeitete, überfielen die unerwünschten Gäste Grossmutter Dick im Beauty Salon.
Sie verlangten das Haus der Schwiegertochter zu sehen, um die Sachen des Knaben abzuholen! Als der Kleine bemerkte, dass es um ihn ging, und er wieder nach Nan sollte, wehrte er sich, rannte weinend weg und schrie:
„Ich will hier bleiben. Ich möchte mit meinem Bruder spielen. Ich mag den täglichen Streit und die Gewalt in Nan nicht! Bevor ich weggeschickt wurde, zertrat mein Vater meine Spielsachen!“

Die Leute waren schockiert. Die Frau eines Beamten aus Nan weinte.
Die Grosseltern schnüffelten im fremden Haus herum. Sie entdeckten einen sechsjährigen Tintenstrahldrucker.
„Den hat mein Sohn gekauft“, erklärte die Alte geifernd. „Den nehmen wir zurück!“
Auf einem wackligen Gestell sahen sie einen alten, mit Bildröhre bestückten, Fernseher.
„Den hat unser Sohn gekauft, den nehmen wir zurück.“
Das Publikum auf der Strasse verfolgte gespannt das unwürdige Schauspiel, während sich die Polizisten tunlichst aus dem Geschehen heraus hielten.
Dann verliess die Wagenkolonne mit der Beute das Dorf.
Vor Empörung zitternd, weinend, verlor nach zwei Wochen Goon seinen Bruder innerhalb von Sekunden.