Gericht aus Hinterindien. – Das andere Curry Rezept

Mit meinen Gelenkschmerzen kann ich nicht stundenlang frische, zähe Wurzeln zerstampfen. Deshalb ist es ein einfaches Gericht. Noch einfacher geht es nur, wenn man sich zur nächsten Garküche oder in eine Kneipe schleppt, Geld auf einen schmierigen Tisch legt, hungrig und durstig hervorwürgt: „Gäng, Khao, Beer – khrap!“ Welche Art Gäng aufgetischt wird, wissen sie nicht.
In meinem Falle kämen noch die Transfers ins Fahrzeug dazu. Der Einstieg erfordert, sofern ich es in einer Sekunde schaffen würde, nahezu die Leistung von einer Pferdestärke. Sehe ich aus wie ein Pferd? Deshalb ziehe ich unsere Küche mit bescheidenen Vorräten vor. Das Rezept für drei Personen lautet:
Man nehme einen viertel Liter ungezuckerten Orangensaft. Dann wird eine bio-logische Banane in dünnen Scheiben hineingesäbelt. Pazifisten dürfen Küchenmesser verwenden. Eine feingeschnittene Tomate hinzugeben. Zwei Esslöffel mit Waugh’s Curry Pulver einrühren. Wer indische Currymischungen hat, benutzt diese. Indische Mischungen gibt es seit diesem Jahr in unserer Gegend nicht mehr. Wer sind die Hintermänner? Sind es eher unauffällige Typen der Mafia – oder die uniformierten, namenlosen Helden der Volksbefreiungsarmee?
Zusätzlich gab ich frisch gemahlenen Pfeffer, weiss und dunkel, bei. Küchenkräuter von frisch bis zu getrocknete Mischungen können die Tunke ergänzen. Ganz wichtig ist, eine viertel Zehe frisch gepressten Knoblauch einrühren. Militanten Knoblauchisten empfehle ich, bloss eine halbe Zehe zu verwenden. Sonst wird das empfindliche Bananen-Orangen, Schlauchapfel-Apfelsinen, Aroma, gestört.
Die delikate Mixtur auf kleinem Feuer brodeln lassen, bis die Bananenstücklein zerkocht sind. Währenddessen, drei bis vier Tranchen Schweinelende, ungefähr 15 mm stark, in eine beschichtete Bratpfanne geben. Einige Tropfen Olivenöl beifügen. Das Fleisch beidseitig mit wenig Paprikapulver bestäuben, salzen, würzen mit Oregano und Rosmarin und warten. Paprika benutze ich zur Farbgebung.
In Lan Na Land könnte anstelle von Schweinefleisch Elefantenfilet verwendet werden – grösseres Kochgeschirr erforderlich. Sofern Elefant verwendet wird, ist das Gericht Halal und könnte in europäischen Asylunterkünften angeboten werden.

Sobald sich die Banane langsam in der Curry Tunke auflöst, Pasta-Wasser kochen. Pro 100 Gramm Pasta einen Liter Wasser verwenden. 50 Gramm Nudeln pro Person genügen, sofern es nicht Radfahrer sind. Radfahrer verspeisen ein Kilogramm – gemäss der nach oben offenen Pastafarier-Skala!
Zwecks reichlicher Saucen-Aufnahme empfehle ich „Le Eliche“ Nummer 56. Während die Pasta kocht, Lenden Stücke gut anbraten. In der Sauce kurz ziehen lassen.
Zum eher süsslichen Curry passt ein trockener Schaumwein. Wir leerten eine Flasche Trilogy. Bessere Brause, Gosset beispielsweise, gibt es, aber nicht in Chiang Mai.

https://www.tagesanzeiger.ch/leben/essen-und-trinken/Die-CurryInternationale/story/18814744

Vergiftete Düfte und Träume

Warum verbrennt Low Zigaretten anstatt Räucherstäbchen? Beide Duftspender erzeugen Feinstaub. Zigaretten enthalten vorwiegend Tabak. Preisgünstige Räucherstäbchen in Thailand haben einen gefärbten, brennbaren Träger. Das duftspendende Material enthält Holzpulver, synthetische oder natürliche Glimmstoffe, Öle und Kleber. Räuchern von losem Räucherwerk auf Holzkohle oder Sieben ist aufwendig. Stäbchen sind einfacher anzuwenden. rattanakosin
Indische Räucherstäbchen werden durch Auftragen einer Paste aus Holzpulver, Harzen, Kräutern, Ölen, Wasser und Räucherwerk auf dünne Holzstäbe hergestellt. Preiswerte Räucherstäbchen enthalten synthetische Geruchsstoffe wie Moschus-Ambrette-Verbindungen. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit ist nicht gesichert.

Die chinesischen Stäbchen werden oft „joss-sticks“ genannt. Es sind Glücks- und Schickssalsstäbchen. Sie dienen dazu, die Götter berechnenderweise gnädig zu stimmen.

Japanische Räucherstäbchen enthalten keine Trägerhölzchen. Die aus Wasser, Holzpulver und Duftstoffen hergestellte Paste, wird durch Düsen gepresst, geschnitten und getrocknet. Hochwertige Räucherstäbchen enthalten bis 20 Komponenten. Sie reifen mehrere Jahre lang.

Seit dem 7. Jahrhundert werden in Tibet Räucherstäbchen angefertigt. Sie enthalten Kräuter und werden von Hand gerollt. Die handgerollten Produkte ohne Trägerstäbchen sind sie wesentlich dicker und grobkörniger als die japanische Ware.

Der klassische Weihrauch ist das luftgetrocknete, teure Gummiharz, das in Muskat, Dhofar, Oman, aus dem Weihrauchbaum, Boswellia, gewonnen wird.

Das Abbrennen von Räucherstäbchen erhöht den Gehalt an Feinstaub. Krebserregende Stoffe wie Benzol und Formaldehyd werden freigesetzt. Der Rauch von Räucherstäbchen und anderem Räucherwerk kann mehr zellschädigende Substanzen enthalten als Tabakqualm. (2)
Ein im britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist (Nr. 2302, S. 5) veröffentlichter Bericht erwähnte: in einem Tempel in Taiwan, in dem Räucherstäbchen abgebrannt werden, wurde eine 40fach höhere Konzentration krebserregender polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe als in Häusern von Rauchern gemessen. Eine dem Passivrauchen vergleichbare Gefährdung ist durch die Zusammensetzung des Rauches gegeben. Die gemessene Feinstaubbelastung in einer katholischen Kirche in Bayern entsprach der Belastung einer vielbefahrenen Straße oder einer verrauchten Kneipe. Ich will doch unsere Lan Na Hausgeister nicht vergiften!

Nach den Düften zu vergifteten Träumen.
Die Zahl der Crystal-Meth Abhängigen ist in der Stadt Neuenburg, Schweiz, am höchsten. Wie Untersuchungen der Universität Lausanne zeigten, wurden im Abwasser von Neuenburg 33.4 Milligramm gemessen. Zürich rangierte mit 21.8 Milligramm auf Platz zwei. Zürich weist dafür die höchsten Kokain Werte auf.
Ein Grund, warum die Droge im Welschland stark verbreitet ist, dürfte in den zahlreichen Thai Massagesalons zu suchen sein. Sie gelten als Umschlagplätze für die Thai-Pillen aus Metamphetamin. Einen ausführlichen Bericht brachte der Tagesanzeiger. (2)
Im Raum Chiang Mai oder Satun könnte der allgemeine Drogenmissbrauch schlecht nachgewiesen werden, weil es keine Abwassersammler gibt. Die ausgeschiedenen Stoffe gehen direkt in die Natur, sei es Boden oder Gewässer.

(1) http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Raeucherduft_ist_Krebs_erregend1771015585251.html
(2) http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/Neuenburg-ist-die-Hauptstadt-der-CrystalMethSuechtigen/story/22425146

Thai-Massage

Die traditionelle Thai-Massage ist eigentlich ein System von Massage-Techniken. Thai-Massagen bestehen aus passiven, dem Yoga entnommenen Streckpositionen und Dehnbewegungen, Gelenkmobilisationen und Druckpunktmassagen.
Nach ayurvedischer Lehre durchziehen zehn ausgewählte Energielinien, den Körper als energetisches Netz. Sie werden über sanfte Dehnung und mit rhythmischem Druck von Handballen, Daumen, Knien, Ellenbogen und Füßen bearbeitet.
Thai-Massagen finden meist auf Bodenmatten statt. Sie zeichnen sich durch dynamische kraftvolle Aspekte aus.
Klassische Massage-Routinen für Patienten ohne besondere Beschwerden bestehen aus mindestens 77 einzelnen Behandlungstechniken und benötigen wenigstens 1½ Stunden. Individualisierte Behandlungen können bis zu vier Stunden dauern.

Mit Massagen besteht dasselbe Problem wie bei der Thai Küche. Es gibt ein riesiges Angebot. Leider hat es zu wenige fähige Könner und Spezialisten. In Bangkok sind die grössten Massage-Salons in Wirklichkeit Bordelle!
Im Norden sind nur etwa zehn Prozent der Anbieter fähig, klassische Thai-Massagen durchzuführen. Die meisten Damen bieten angenehme Gefälligkeitsmassagen an, zur Freude und Ergötzung zahlreicher Touristen.
Einer der Gründe der Schund-Massagen liegt in der Ausbildung. Im Distrikt werden drei wöchige Massage Kurse mit Abschluss-Diplom, Plastikkärtchen mit Namen, Geburtsdatum und Bild, angeboten. Lehrmaterial wird nicht abgegeben. Notizen machen die Auszubildenden üblicherweise keine. Man lernte leider in der Schule nie richtig lesen und schreiben.

Die ayurvedischen Wurzeln bleiben unerwähnt. Wie viele der siebenundsiebzig Behandlungstechniken vergessen wurden, ist mir unbekannt.
Gute Therapeutinnen lernen auch in Thailand mehrere Jahre bei grossen Meistern. Wenn wir die Anforderungen in der Schweiz zur Erlangung eines Diploms im Gesundheitswesen vergleichen, kann ein dreiwöchiger Kurs nur Schwachsinnigen ein mildes Lächeln entlocken. Aber in den kurzen Ferien will man nicht nur Lächeln, sondern vor allem Abenteuer erleben und Baht-Scheine verteilen.

In schwierigen Zeiten hatte ich immer wieder das Glück, gut ausgebildete Personen zu finden. Oft brauchte es mehrere Anläufe. Es kam vor, dass Kneterinnen nach wenigen Minuten entlöhnt und entlassen wurden.

Die grössten Probleme in letzter Zeit waren meine Arme und die Gelenke.
Nach intensiver Suche fand ich die benötigte Hilfe. Ich war sogar fähig, alleine in die Schweiz zu reisen.
Als ich danach wieder nach Chiang Mai kam, kontaktieren wir die erfolgreiche Heilerin sogleich. Doch die Dame wollte mehr aus mir heraus holen, als kräftigere Arme und weniger schmerzende Gelenke.
Sie war erfolgreich in der Behandlung von Hemiplegien, halbseitig gelähmten Patienten nach Schlaganfällen. Mindestens zwei von ihnen lernten durch ihre erfolgreichen Bemühungen wieder gehen. Genau das war ihr Ziel mit mir.
Sie begann mit ihren Experimenten. Wenn sie meinen Füssen oder Unterschenkeln Schmerzen zufügte, lösten diese Impulse spastische Krämpfe in den Beinen aus. Sie sah ihren Erfolg. Ich bemerkte den Unsinn. Sie kannte den Unterschied zwischen Hemiplegie und Paraplegie nicht.
Als die Haut meiner Unterschenkel und Füsse von ihren Fingernägeln verletzt und durchlöchert war, verboten wir weitere Tests. Sie musste sich mit dem Rest meines alternden Körpers begnügen.

Wenn in Satun während sechs Monaten die Gelenk-Schmerzen unerträglich wurden, erinnerte ich mich an die starke Frau in Chiang Mai. Es gab zwar Masseusen in Satun. Doch keine konnte helfen. Alle – diplomierte Dutzendware, waren trainiert für alltags Gäste und schnelles Geld aus Malaysia. Das Lockern der Beinmuskulatur beherrschte Dick besser und billiger.

Zurück in Chiang Mai, telefonierte Dick dem hilfreichen, überirdischen Wesen. Sie kam, sah und experimentierte. Von vier Stunden Behandlung verplemperte sie drei Stunden auf Füsse und Unterschenkel. Ich schrie vor Schmerzen und bat sie, aufzuhören. Sie lächelte nur und machte unverdrossen weiter. Mein linker Fuss war von Fingernägeln durchbohrt. Unsere sechs Monate alten Empfehlungen waren vergessen. Ich wollte nichts mehr von ihr wissen.
Sie telefonierte täglich. Nach zwei Wochen kam sie wieder. Dick sagte ihr, sie müsste die Behandlung von Füssen und Unterschenkeln beenden. Ich erzählte dasselbe.
Sie hörte uns nicht zu. Sie verletzte die Haut des rechten Unterschenkels beidseitig. Die Verletzungen könnten lebensgefährlich sein! Denn sie behandelt Patientinnen mit Gelbsucht, Ikterus, eventuell Hepatitis und nicht ausgeschlossen, Kunden mit HIV. Mit ihren spitzigen, schmutzigen Fingernägeln, Lan Na Krallen, könnte sie mich problemlos anstecken. Es gäbe durchaus angenehmere Wege, sich Infektionen zu holen.
Besorgte Leser empfahlen für diese Art Massage: „Im Minimum einen Gummi darum, also Gummistiefel.“

Ein Nachbar in Bremgarten bei Bern, Direktor einer Brauerei, wurde von seiner Katze am Arm gekratzt. Er starb daran.

http://www.netdoktor.de/symptome/gelbsucht/

Treu und Redlichkeit

Sanitsuda Ekachai von der Bangkok Post überzeugt immer wieder mit ihren hervorragenden Arbeiten. Möglicherweise schwebt sie in Lebensgefahr, wie manche Journalisten von Matichon, welche in der Vergangenheit fast regelmässig gewaltsam aus der Schreiberzunft gerissen wurden. Meine Auszüge aus ihrem Bericht der Bangkok Post vom 19. August sind äusserst zurückhaltend und vorsichtig formuliert.

Beamte der Dienststelle Sakhon Nakhon bereiteten ihren Vorgesetzten Ärger mit einem Artikel auf Facebook. Als neue Polizisten beschwerten sie sich, sie würden wie Dreck behandelt, während in den oberen Rängen mit Untergrundgeschäften Geld gescheffelt würde.

Die Polizisten schrieben:
Die Hälfte der kargen Entlöhnung müssen in Dienst-Fahrzeuge, Treibstoff, Uniformen, Computer, Drucker, Papier, Tinte, ihre Bewaffnung und sogar in das Mobiliar investiert werden!
Der Rest reiche kaum für ihre Familien, für Miete, Schulgelder, Elektrizität, Wasser, Kleider und Lebensmittel. Sie seien gezwungen, Geld zu leihen und gerieten in Schulden!
(1)

Was ist mit den Phuyai, den reich dekorierten Vorgesetzten? Haben sie Schulden? Nein, die sind reich. Wieso? Ende des Monats beziehen die Herren Einnahmen aus Spielhöllen, illegalen Casinos und Bordellen, von Drogenhändlern und so weiter.
Wir fordern die Antikorruptions-Behörden auf, zu ermitteln. Wir verlangen Gerechtigkeit.

Die Militärregierung verbot Staatsangestellten die Datenverarbeitungssysteme für Filme, Spiele und Facebook-Konten zu verwenden. Davon wussten die neu angestellten Polizisten offenbar nichts. Die armen Kerle fanden nicht einmal Zeit, die neuesten Dienstvorschriften zu studieren, bevor sie sich selbst ins Wespennest setzten.
In einer für hinterindische Verhältnisse unglaublich schnellen Reaktion wurden die verleumderischen Bits und Bytes der Dummköpfe in das Nibbana des Internets befördert.

Wie wenig Freude und gesegnetes Karma für bedauernswerte Polizisten und ihre Familien abfallen, erlebten wir kürzlich. Vor dem kleinen Haus des Beamten in der Nachbarschaft stehen ein weisser und ein schwarzer Hyundai City. Mopeds gibt es ebenfalls.
Eines frühen Morgens besuchte die Gattin des Offiziers Dick im Schönheitssalon.
Sie gestand, dass sie den Wagen von Dicks Tochter beschädigt hatte. Am koreanischen Chevrolet entstand nur ein leichter Lackschaden, während ihr Fahrzeug auf der ganzen Länge mit deutlichen Kratzern und Dellen verziert war. Wenn sie mich als Elektroniker und Fachmann nach den Ursachen der Dellen befragen, antworte ich:
„Die Dellen wurden eindeutig durch Mikrowellen eines Smartphones in der Nähe des Lenkrades verursacht!“

Das durch buddhistische Ethik – nicht stehlen, lügen, betrügen, morden – sowie strenge Lan Na Dorf-Logik begründete Anliegen der Frau war:
„Haben sie eine Versicherung? Ich habe keine. Wenn sie den Schaden melden und angeben sie wären gefahren, wird ihre Versicherung die Reparatur meines Wagens bezahlen.“

(Lied) https://www.youtube.com/watch?v=hPzfRuZlvvs
(1) https://hinterindien.com/2015/08/09/schulden/
http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/661128/minnows-cop-it-hard-as-big-fish-prosper

Üb immer Treu und Redlichkeit
Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1775)
Wolfgang Amadeus Mozart (1791)

Üb immer Treu und Redlichkeit
bis an dein kühles Grab,
und weiche keinen Finger breit
von Gottes Wegen ab.

Dann wirst du, wie auf grünen Au’n,
durchs Pilgerleben gehn;
dann kannst du, sonder Furcht und Graun,
dem Tod ins Auge sehn.

Dann wird die Sichel und der Pflug
in deiner Hand so leicht;
dann singest du beim Wasserkrug,
als wär dir Wein gereicht.

Dem Bösewicht wird alles schwer,
er tue was er tu;
der Teufel treibt ihn hin und her
und läßt ihm keine Ruh.

Der schöne Frühling lacht ihm nicht,
ihm lacht kein Ährenfeld;
er ist auf Lug und Trug erpicht
und wünscht sich nichts als Geld.

Der Wind im Hain, das Laub im Baum
saust ihm Entsetzen zu;
er findet nach des Lebens Traum
im Grabe keine Ruh.

Dann muß er in der Geisterstund
aus seinem Grabe gehn
und oft, als schwarzer Kettenhund,
vor seiner Haustür stehn.

Die Spinnerinnen die, das Rad
im Arm, nach Hause gehn,
erzittern wie ein Espenblatt,
wenn sie ihn liegen sehn.

Und jede Spinnestube spricht
von diesem Abenteuer
und wünscht den toten Bösewicht
ins tiefste Höllenfeuer.

Der alte Kunz war bis ans Grab
ein rechter Höllenbrand:
Er pflügte seinen Nachbar ab
und stahl ihm vieles Land.

Nun pflügt er als ein Feuermann
auf seines Nachbars Flur
und mißt das Feld hinab hinan
mit einer glühnden Schnur.

Er brennet, wie ein Schober Stroh,
dem glühnden Pfluge nach
und pflügt und brennet lichterloh
bis an den hellen Tag.

Der Amtmann, der die Bauern schund,
in Wein und Wollust floß,
trabt nachts, mit seinem Hühnerhund
im Wald auf glühndem Roß.

Oft geht er auch am Knotenstock
als rauher Brummbär um
und meckert oft als Ziegenbock
im ganzen Dorf herum.

Der Pfarrer, der aufs Tanzen schalt
und Filz und Wuchrer war,
steht nachts als schwarze Spuckgestalt
um zwölf Uhr am Altar.

Paukt dann mit dumpfigem Geschrei
die Kanzel, daß es gellt,
und zählet in der Sakristei
sein Beicht- und Opfergeld.

Der Junker, der bei Spiel und Ball
der Witwen Habe fraß
kutschiert, umbraust von Seufzerhall
zum Fest des Satanas.

Im blauen Schwefelflammenrock
fährt er zur Burg hinauf.
Ein Teufel auf dem Kutschenbock,
zwei Teufel hinten auf.

Sohn, übe Treu und Redlichkeit
bis an dein kühles Grab,
und weiche keinen Finger breit
von Gottes Wegen ab!

Dann suchen Enkel deine Gruft
und weinen Tränen drauf;
und Sommerblumen, voll von Duft
blühn aus den Tränen auf.

Heisse Eiszeit in PhonPhat

Keiner hätte erwartet, meine Ablehnung einer bescheidenen Spende von 150‘000 Baht für eine junge, reiselustige Frau, würde unser fast langweilig beschauliches Leben wesentlich beeinflussen.
Dick und ihre erwachsenen Kinder liefern Gesprächsstoff im Dorf. Sie arbeiten alle. Sie fahren nicht nur Mopeds. Jeder Haushalt hat zusätzlich einen anständigen Mittelklasse-Wagen. Woher stammt all das viele Geld? Nur die Mutter benutzt neuerdings wegen eines typisch ausländischen Geizhalses eine billige Karre mit einem zwölfhundert Kubikzentimeter Motörchen. Bei Bedarf funktionieren sogar die Scheibenwischer.

Einer der Bengel passt all den Tratsch-Tanten und geistlosen Dorf-Weibern nicht ins Lan Na Konzept. Der Kerl ist bleich und geht seit Monaten keiner regelmässigen Arbeit nach…. Der Holzschnitzer. Noch schlimmer, an eindeutigen sexuellen Angeboten zeigt er absolute Interesselosigkeit. Als Künstler schluckt er für Phantasien und neue Ideen offenbar Drogen. Sein Hirn ist benebelt. Die Banane unerregbar, ausgenommen fürs Pinkeln. Er ist total abhängig.
Sein schönes, armes Weib sorgt für ein regelmässiges Einkommen, während man ihn im Dorf kaum noch sieht. Er trinkt nicht einmal Bier oder Schnaps in geselligen Runden. Seit langem kaufte er kein Chang im Tante Emma Laden. Das ganze schöne Geld weg, nur für Drogen….
Verschiedentlich sprach man Dick besorgt an und forderte die unaufmerksame Frau und Mutter auf, die Untaten des Sohnes und seinen Drogenkonsum zu beenden. Neulich tuschelten die Tanten, Fahnder in Zivil würden Sohn und Tochter, sie fliegt zu oft, wegen Drogen-Handels und Konsum beobachten. Die Gesetzes-Hüter hätten sich wichtige, wesentliche Informationen der Dorf-Bewohner beschafft.

Der Mann hatte Pech. Er kam vor Jahren zur Behandlung eines Leistenbruchs nach Chiang Mai. Die Chirurgen untersuchten vorbildlich. Sie vollzogen den Eingriff und fixierten wie meist üblich, zusätzlich ein Netz. Die Ärzte rieten dem Patienten, trotz der erfolgreichen Operation zur Vorsicht. Wann immer er als junger, kräftiger Mann aufgefordert wurde, schwere Lasten anzuheben, gab er sein Leiden preis und hielt sich zurück.
Vor einigen Monaten packte er einmal zu. Es genügte. Entweder holte er sich einen neuen Bruch, oder der reparierte Teil wurde beschädigt. Diesmal blieb er länger im Krankenhaus. Die Heilung benötigte mehr Zeit. Er fand eine Tätigkeit, die er im Haus ausführen kann.
Als vor kurzem die ersten ergiebigen Regenschauer fielen, drohte der überfliessende Kanal, die Garten-Mauer ohne Fundament zu beschädigen. Er überlegte nicht lange, stieg ins strömende Dreckwasser und rettete das Bauwerk.
Einige Tage später hatte er Fieber und zusätzlich Blut im Urin. Er holte sich im Wasser Würmer oder Bakterien, die seine Nieren angriffen. Im Provinzspital verordnete ein freundlicher Arzt ohne bakteriologische Abklärung Antibiotika. Es half nicht. Gegenwärtig ist er in Behandlung in einem Privatspital mit den erforderlichen Laboratorien.

Es war bereits dunkel, als Dick für unseren Aperitif im Garten des Hauses am Kanal – mit Reisfeld – frische Kokosnüsse holen wollte. Am ehemaligen Kinderspielplatz, jetzt Kehrichtdeponie, sah sie mehrere Dienstfahrzeuge der Polizei aus Chiang Mai, nicht aus Hang Dong. Sie gelangte zum Haus, wo gegenwärtig der Sohn wohnt und wunderte sich, denn das Gebäude war von einem guten Dutzend grimmiger Beamter umstellt.
Dick fragte die Beamten, was sie wollten.
„Hausdurchsuchung.“
„Haben sie einen Durchsuchungsbefehl? Ohne Vollmacht gibt es keine Durchsuchung!“
Dick war einst Hilfskraft einer Anwältin und Freundin. Diese resolute Dame geniesst gegenwärtig unfreiwillig Unterkunft und Verpflegung der erlauchten Regierung.
Die Beamten gaben nach, verlangten jedoch vom Bewohner eine Urinprobe. Strahlend pinkelte der gerettete Sohn ins Fläschchen. Dick selbst brachte den Urin mit uniformierter Begleitung im Polizeiwagen mit Leuchtbalken ins Spital.
Der Patient und dessen Urin waren im Krankenhaus bekannt. Der Befund auf Drogen war negativ. Der Arzt erklärte, der Patient sei leider immer noch krank, die Leukozyten seien noch vorhanden.
Der Offizier stammelte zerknirscht: „Kathod khrap.“2003AussichtReisfeld
Zurück am Haus sammelten die wartenden Polizeibeamten im Garten fleissig Mango. Einer meinte anerkennend:
„Sie haben viele schöne Früchte.“
Dick kassierte innerlich wütend, doch lächelnd, pickelhart den Siegerpreis, ihre Früchte von den erfolglosen Polizisten ein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Leistenbruch
https://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2015/08/24/warum-sind-thailands-gesellschaft-und-menschenrechte-inkompatibel

Betreten auf eigene Gefahr!

Als ich im letzten Jahrhundert in der Schweiz Besitzer eines neuen Hauses war, wurde mir dringend empfohlen, für mein Grundstück Haftpflichtversicherungen abzuschliessen. Salzstreuer Sollte die attraktive Blaufichte, ein Flachwurzler, bei einem schlimmen Sturm auf Nachbars Dach krachen, müsste ich für den Schaden aufkommen.
Sofern der Weg zur Haustüre im Winter vereist sei, Besucher oder Postboten ausrutschen würden, deren Knochen bersten und brechen, wäre ich schuld, weil ich das Eis nicht entfernt hätte oder kein Warnschild aufgestellt habe. So schloss ich denn eine Haftpflichtversicherung ab. Die Versicherung kassierte. Innerhalb von fünfundzwanzig Jahren traten keine Schadenfälle ein.
Während des Entfernens von Schnee und Eis schwitzten wir jeden Winter. Zwecks zusätzlicher Sicherheit streuten wir so viel Salz, dass während der Vegetationszeit die Rosenstöcke abserbelten.
Im Nachhinein fragte ich mich, wäre ich, wenn sich ein Einbrecher, ein frecher Dieb, beim Einschlagen des Glases der Haustüre geschnitten hätte, schadenersatzpflichtig geworden? Bei Profis aus Balkanesien sicher, denn jemand hätte schlussendlich nach der Verarztung, Gerichts- und Rückreisekosten bezahlen müssen.

Als das Häuschen im Lan Na Dorf am letzten Reisfeld stand, schloss ich, wie ich es gewohnt war, Versicherungen für sämtliche Schadenfälle wie Einbruch/Diebstahl, Feuer, Termiten, Wasser, ab. Als mich später Dick über die erbärmlichen Leistungen der Versicherung aufklärte, kündigte ich die Verträge termingerecht.
Für meine Bildersammlung, von erstklassigen thailändischen Künstlern mit viel Sorgfalt gepinselt, hätte der Versicherer beispielsweise die Kosten für Farbe, Leinwand und Rahmen vergütet.
Die Entschädigung für ein Gemälde im Wert von 249‘386.75 Baht hätten wir ohne Aufwand in Alkohol verwandelt und zu zweit innerhalb einer halben Stunde geschluckt! Für ein bescheidenes dörfliches Karaoke-Besäufnis hätte die Summe nicht gereicht.

Für Dicks Grundstücke existieren keine Haftpflichtversicherungen. Deshalb gilt für allfällige Besucher die Regel: Betreten auf eigene Gefahr!
Wegen der benachbarten Drogenhersteller und der damit verbundenen Explosionsgefahr, bestehen wir auf: Rauchen verboten!
Um die Gift-Konzentration zu senken, müssen Gäste die Treppen benutzen und tief einatmen.

Lüfte und Düfte

Ludwig Uhland:
26.4. 1787 Tübingen – 13.11. 1862 Tübingen
Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Nach Satun mit viel frischem Wind, erzeugt durch mächtige Adlerschwingen, ist die Luft in Chiang Mai schwer. In Satun gibt es mehr Adler als Sperlinge in Chiang Mai. Die Verschmutzung ist auch ohne das Abfackeln von Feldern und Hügeln hoch. In Spitzenmonaten können die Schadstoffkonzentrationen dreihundert Mikrogramm erreichen. Fünfzig Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft sind üblich. In der Schweiz gilt dieser Wert länger als fünfunddreissig Tage pro Jahr als unzulässig und extrem gesundheitsschädigend. (1) Thais vertragen offenbar mehr. Gelbe Gardenie
Es gibt erfreulichere Düfte, wenn die goldgelben Gardenien oder der Jasmin blühen. Die Aromen sind süss und schwer. Bei hoher Luftfeuchtigkeit wirken diese Blüten noch intensiver. Ich mag die erdigen Gerüche, wenn im Lan Na Dorf die ersten Regen einsetzen. Wir riechen den Regen, bevor er fällt. Frisch geschnittenes Gras gibt ein besonderes Bukett ab.
Ich erinnere mich an die Wohlgerüche von besonntem Heu in den Voralpen. Als Kind roch ich die eisenhaltige Luft in Bahnhöfen. Besonders eindrücklich war der abgestandene kalte Rauch in den Wartsälen der dritten Klasse. In den Wintermonaten mischten Heizungen den Mief feuchter Mäntel und Kleider dazu. Ein echter Höhepunkt war der Geruch nach Mottenkugeln im Gewimmel. Motten sind sehr genügsame und umweltfreundliche Tiere, denn sie fressen nur Löcher.

Den Grund dieses Beitrages lieferte unser Nachbar Kleptomanewitsch. Er besitzt eine neue Grasschneidemaschine. Ob er sie kaufte oder bloss mietete, ist uns nicht bekannt. Vielleicht fand er sie verlassen und einsam, ganz ohne Besitzer an einem Strassenrand.
Jeden Sonntag frühmorgens schnallt er sich Benzinkanister und Motor auf den Rücken. Dann hören wir den ganzen Tag die Symphonie für zweitaktgetriebene Propellermesser, vom scheppernden Leerlauf bis zum röhrenden Vollgas. Synkopen setzen geschleuderte Steine. Als Kesselpauken dienen getroffene Fensterscheiben. Die Duftentfaltung ist kolossal. Die solide Grundlage liefert der katalysatorfreie Auspuff. Dazu kommen Schwaden von unverbranntem Benzin. Das geschnittene Gras riecht fantastisch. Neuerdings benutzt der Gärtner sein Werkzeug zum Entlauben von Bäumen und Sträuchern mit mir unbekannten Duftnoten, wie Bambus und Mango. Aber – ohne Rizinusöl schafft der Kerl die Olympia-Qualifikation nie.
Gegen den Gestank des Treibstoffes setze ich im Haus erfolgreich Surya ein. Das sind indonesische Zigaretten des Hauses Gudang Garam, verfeinert mit Zucker und Gewürznelken. Wenn es nicht zu feucht ist, knattern und prasseln die Glimm-Stengel (Batang rokok) mit dezentem Feuerwerk.

Ebenfalls des Nachts im Bett, ohne Freundin Jasmin oder andere Blüten im Garten, werden wir von exotischen Düften überrascht. Die Nachbarin röstet jederzeit Knoblauch in Palmöl. Je später die Stunde, desto verbrannter der Knoblauch. In der abendlichen Stille hören wir die fliegenden Fische, wenn sie aus den Pfannen an die Decke knallen.
Letzte Nacht gegen drei Uhr dachte Dick, Mowgli verkohle seine Pasta und damit das ganze Haus. Ich konnte sie beruhigen, das sei nicht Pasta mit Pesto, die ich abends lieferte. Das müsse der hustende Koch von Sizzler sein, der seine Nudeln à l’américaine flambiere. Vom Strässchen her wehen, gefiltert durch das Badezimmer, zahlreiche stinkende Grüsse ungewarteter Dieselmotoren.

Zwei Stunden später wachte ich beduselt auf. Ein unbekannter Anrainer verwandelt Hustensaft mit Pseudoephedrin in Methamphemine. (2) Es stank, wie zur Zeit fast jede Nacht, nach Ethanol. Die durchschnittliche Geruchsschwelle liegt bei Konzentrationen von 93 ppm, das sind Teile pro Million. Explosionsgefahr besteht erst ab 35‘000 ppm, das sind 3.5 Prozent.(3) Ab welchem Grenzwert Leber und Lunge geschädigt werden, weiss ich nicht. Wir desensibilisieren vorsichtigerweise unsere Körper mit Destillaten aus der Karibik, gemischt mit veganem Kokoswasser.
Nun muß sich alles, alles wenden.
Kaum. – An den Frühling glauben ohnehin nur einige Heimweh-Europäer. Hustensaft feiert im LOS ungebrochen Hochkonjunktur!

(1) http://www.bafu.admin.ch/luft/00575/00578/index.html?lang=de
(2) https://hinterindien.com/2015/07/11/gefahren-in-schlafzimmern-2/
(3) http://www.swisseduc.ch/chemie/schwerpunkte/ethanol/docs/ethanol.pdf