Kein Vertrauen in Schleusenwärter

Eines der wenigen Diplome, die mich mit Stolz erfüllten, erhielt ich von der Firma Carl Zeiss in Oberkochen. Die Herren von Hühnerbein, Koch und Spletzer übergaben mir 1968 eine Urkunde und ernannten mich damit zum Zeiss’schen Elektronenmikroskop-Schleusenwärter. Diese delikate Schleuse ermöglichte den Probenwechsel im Vakuum, ohne das Gerät zu belüften. Vertrauen sie dem beinahe Experten als Verfasser dieses Berichts. Anmerkung: Das Deutsche Zertifikat wurde vom Schweizerischen Amt für Berufsbildung nie anerkannt.

Im Norden von Chiang Mai gibt es einige Stauseen. Sie speichern Brauchwasser für die Trockenzeit. Jeder Betreiber versucht krampfhaft, möglichst viel Wasser in die Zeit der Dürre zu retten. Oft konsultierte Wahrsager sind nicht Schleusenwärter. Sie können keine Empfehlungen für ein sinnvolles Wassermanagement erteilen. Beim Verkauf garantiert nicht gewinnbringender Lottonummern, beschränkt sich der Sachschaden in berechenbare Dimensionen, nicht wie lausige Voraussagen für diese Flutwellen-Akrobaten.
Sekunden bevor die Dammkronen brechen, werden die Schleusen so stark geöffnet, dass ganze Landstriche überflutet werden. Dass man während Tagen und Wochen gut überwacht, berechenbar, geehrte Herren Wasserregulatoren – die Grössenordnungen sind Kubikmeter pro Sekunde – kleinere Mengen Wasser abfliessen lassen könnte, lernten diese Stümper nie. Ihre Grössenordnungen liegen in den Bereichen von Milli-Litern pro Stunde für Lao Khao. Ihre Behausungen stehen sicher an den Hängen. Schäden, ausser an den Lebern, haben sie keine zu befürchten.

Am zwölften Oktober war es nach einigen trockenen Jahren wieder soweit. Der einzige Wissenschaftler weit und breit, wurde wahrscheinlich in den Ruhestand versetzt. Die Armee übernahm das Kommando über Speicher und Wasser.
Morgens um vier gab es eine fast unverständliche Lautsprechermeldung: „Die Schleusen wurden geöffnet. Wasserschäden sind nicht auszuschliessen“. Aus Erfahrung wusste ich, es dauert ungefähr zwei Stunden, bis die Fluten unser Dorf erreichen. Um viertel vor sechs Uhr verwandelte sich die Strasse in einen rauschenden Fluss. Dann stieg das Wasser bis um neun Uhr kontinuierlich bis einen Meter über Teichpegel.
Diese Flut war gewaltiger, als alles Vorherige. Sogar die Matratzen im Schönheitssalon litten. Oktober und November sind die Wandermonate der Schlangenkopffische. Dort unter dem Kühlschrank, versteckte sich ein kleines Kerlchen. Ab elf Uhr bemerkte ich, der Wasserpegel ging zurück. Als man um die Mittagszeit mit der Schlammbekämpfung hätte beginnen können, stellten unsere Energielieferanten den Strom ab. Einige Geistesschwache in umliegenden Dörfern, wurden aus Unkenntnis – Elektrizität und Wasser – getötet. Andere setzten sich in ihre Fahrzeuge mit der Idee, mit möglichst hoher Geschwindigkeit, den Fluten zu trotzen. Ihre motorisierten Blechscherze verwandelten sich in schwimmende Särge.
Meine Folgerung: Schlecht ausgebildete Schleusenwärter heben den Intelligenzquotienten!

Gerede, Vermutungen, wo liegt die Wahrheit

Aus meinem eingeschränkt bescheidenen Blickwinkel beschreibe ich wieder einmal schonungslos ein Mosaiksteinchen familiärer Lebensqualität in Nordthailand.

Alleinstehende Thai-Mütter finden nur selten Thai-Partner. Die Machos bevorzugen jungfräuliches Fleisch. Privilegierte der Regel schwelgen in unermesslichem Reichtum. Sie bieten schnelle italienische Flitzer, Lao Khao schottischen Ursprungs, Mia Noi und garantiertes Faulenzerleben mit Taschengeld. Da das seltene Ausnahmeerscheinungen sind, haben Farang und Moslems eine gewisse Chance, eine hübsche Gefährtin mit Anhang – ohne Gewähr vor allfälligen Verlusten – zu finden.

In Gegenden, wo Minarette und Moscheen wie Pilze gedeihen und von Lautsprechern Gebetsrufe vernehmbar sind, sehen wir nur wenige Hunde. Ist es die Geräuschkulisse, welche die Kläffer verscheucht? Nein, Hunde gelten als unrein. Sie sind nicht willkommen in dieser religiösen Gemeinschaft. Wahrscheinlich sind wir deshalb zur Hundehaltung degradiert worden.
Goons mehr oder weniger ausgesetztes Tier, war zum Tode verurteilt, wenn es Dick auf meine Empfehlung nicht aufgenommen hätte. Wir kennen die Durchtriebenheit von Dicks Tochter. Sie verkaufte skrupellos einen ihrer Söhne. Die einfachsten Regeln Buddhas kannte sie nie. Sie log, stahl und trieb sich mit uniformierten Strolchen herum. Noch vor wenigen Wochen begeisterte sie als blonde Tussi im durchscheinenden luftigen Kleidchen mein Auge. Ein Flittchen, eine Flöte, auf dem Präsentierteller. Ich kannte diese Frau nicht.
Im Mai versuchte sie, von Dicks Angestellter fünfzigtausend Baht zu erpressen. Vor wenigen Wochen veröffentlichte sie auf Facebook wenig schmeichelhafte Bemerkungen über ihre Mutter. Dicks Söhne ärgerten sich über die Frechheiten und Lügen. Eine herzlich warme Tochter-Mutter-Beziehung bemerkte ich nie. Die gratis Mietwohnung in Dicks Haus benötigte nach dem Rausschmiss Reparaturen für fast hunderttausend Baht.

Gegenwärtig ist sie ehrbare Lebensgefährtin mit Kopftuch und tiefschwarzem Ganzkörperkondom, denn ihr neuester Partner verehrt Allah. Es gibt keine Hunde, Schweinereien und Unreinheiten im Haus!
Goon sorgt für ein sauberes Badezimmer. Als Ausgleich darf er zum Freitagsgebet.
Bei uns isst er, nach dem Herumtollen mit seinem Hündchen, Pilzsauce mit Schweinsfilet und Nudeln. Von Onkel Google lernte der Kleine, bis zum Alter von fünfzehn Jahren dürfe er Schweinefleisch essen. Folglich fühle ich mich nicht als Verführer, nur als Verlierer.

Dick hatte ein ernsthaftes Gespräch mit dem ausserordentlich netten Herrn. Er scheint durchaus ehrbare Absichten zu haben. Er investierte beachtliche Summen in seine Zukunft. Er besorgte ein Geschäftslokal für seine neue Frau. Er kaufte für sie ein neues Motorrad und einen neuen Wagen, nachdem sie ihr Fahrzeug während Jahren ohne jegliche Wartung zu Schrott gefahren hatte. Service, Reifenwechsel und ähnlichen Luxus gab es nur nach Pannen. Genau dieses Spiel war das Strickmuster für ihre sämtliche Lebensbelange wie Arbeit, Beziehungen zu Partnern, zu ihrer Mutter oder zu mir.
Goon könnte nur profitieren, wenn seine Mutter mit einem zuverlässigen Gefährten endlich ihre Ruhe findet. Wir zweifeln beide, ob diese Frau nach jahrelangen, ruhelosen Eskapaden ihre Chance erkennt und wahrnimmt. Materielle Güter behagten ihr. Ratschläge lehnte sie immer kategorisch ab.

Buddhistische Feiertage

Ohne viel zu denken, ergriff ich das Dhammapadam und zitierte in meinem letzten Beitrag eine Seite daraus. Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn am Tag nach der Publikation wurde Asanha Bucha gefeiert. Die meisten Einheimischen opfern an solchen Tagen weniger Zeit und Geld im Wat, als in klimatisierten Einkaufstempeln.
Anfänglich verbrachten wir hohe Feiertage in reich geschmückten Tempeln neben Scharen von herausgeputzten, goldverzierten Ladies. Busladungen mit Touristen, Geldspendern des Tempels aus Bangkok, dekorierten das Gelände. Während der Gebete und der Ansprache des Abtes schliefen viele der Weitgereisten in den VIP-Bussen. Auf einen Schlag öffneten sich danach die Türen und die teilweise schlaftrunkenen, vielleicht angetrunkenen Gestalten übergaben dem Chef des Tempels Geschenke. Die meisten Gaben wurden von verschiedenen Spendern mehrmals dargereicht. Der Krempel wurde in den Tempel gebracht, von zahlreichen Mönchen herausgeschafft und von fröhlich lächelnden Gästen wieder zum Abt befördert. Ein köstliches Beispiel über den Kreislauf – Irrsinn – des Lebens. Das war wie eine ansteckende Krankheit. Selbst Dick ergriff einen herumstehenden Blumenstrauss und wanderte damit zum Abt.
Später einmal erzählte uns der schwer gezeichnete Abt, er schätze seine Gäste aus Bangkok wenig. Die meisten reichen Gaben seien aus anderen Tempeln unerlaubt entfernt worden. Einige Buddhas aus diesem Areal hätten, ohne sich abzumelden, den beschwerlichen Weg bis nach Amerika geschafft. Die scheinheiligen Pilger-Touristen würden während und nach der Fahrt reichlich Lao Khao schlucken und das Tempelgelände durch schamlosen Geschlechtsverkehr entweihen.
Die zeitgemässen Fahrzeuge verfügen über Toiletten. Selbst bescheidene Tempel haben solche Einrichtungen. Trotzdem wird das Gelände von feiernden Vandalen zusätzlich durch Tretminen, Fäkalien, verseucht.

Auf den Tag nach Asanha Bucha folgt Khao Pansa, Buddhist Lent. Das ist eigentlich der Beginn der Regenzeit. Früher blieben die Mönche während drei Monaten im Tempel – in Regenzeitklausur. Diese Zeit wird im Englischen buddhistische Fastenzeit genannt. Das ist unkorrekt, weil nicht gefastet wird.
Wie wir auf unseren ausgedehnten Reisen feststellten, erlauben sich nun die selbsternannten Halbgötter in Gelb, selbst während den drei Monaten jeden Luxus, inklusive Fernreisen mit Flugzeugen.

Wie leichtsinnig in Thailand mit Daten und Terminen umgegangen wird, zeigt (2). Das Datum für Khao Pansa ist schlicht falsch. 2017 – Tuesday, July 11. Übertroffen durch: “This holiday has been celebrated and observed over thousands of years”. Die Aussage ist knapp übertrieben. Wie alt ist der Buddhismus – in Thailand? Die Tempel sind bereits angekommen, während die Mehrzahl der Einheimischen immer noch gefürchteten zahllosen Geistern opfern.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Asalha_Puja
(2) https://www.calendardate.com/th_buddhist_lent_day.htm
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Khao_Phansa

Blumen, Gurken, Einbrecher und Spezial-Ermittler

Auf der letzten Etappe der Reise von Satun nach Chiang Mai erhielt Dick den Anruf einer Nachbarin aus der Gegend des Gästehauses. Die Frau berichtete, Einbrecher hätten in der Nacht die Wand über den Küchenfenstern zerstört und seien auf diesem Weg in das Haus eingedrungen. Ich lachte kurz und erklärte Dick:
„Die müssten ja total blöd oder besoffen sein, um über den Fenstern ins Haus einzusteigen, wenn sie mit einem einzigen Hammer-Schlag das gesamte Glas entfernen können!“
Nachforschungen ergaben, im Haus fehlte nichts. Die Decke war unversehrt. Die Fassade war eindeutig beschädigt.

Es gab eine ums Haus rankende Pflanze. Nach einem Jahr erfreute sie uns mit wunderschönen Blüten. Einige Jahre später gediehen aus den Blumen gurkenartige Früchte. Kein Mensch wusste, was es war. Während unserer Abwesenheit rankte sich das Pflänzchen über die Küchenfenster empor und fixierte sich an der Verkleidung darüber. Starke Sturmwinde rissen des Nachts die Pflanze samt Gemüse und Fassade hinunter. Eine Holzkonstruktion, sie hielt die Teile einst zusammen, war teils verfault, teils von Insekten gefressen. Dick war mit der Krankenpflege einer anspruchsvollen Patientin mehr als beschäftigt. Die zusätzliche Bauüberwachung war ein angenehmer Zeitvertrieb.

Die ungestümen Arbeiter, mit mehr Kraft als Hirn, mussten überwacht werden. Die hätten gleichzeitig mit dem schadhaften Holz zusätzlich problemlos das halbe Dach entfernt. Ein Stück Wasserleitung mit Ventil, dazu eine Gartenbeleuchtung wurden geopfert. Während vier Tagen wurde sorgfältig Holz entfernt. Danach schweissten die Spezialisten Stahlprofile an, ohne dass die Hütte Feuer fing!

Zufälle gibt es kaum. Am Tage, als unsere unzufriedene Kranke freiwillig verreiste, feierten die Arbeiter abends an den Steintischen im Garten des Gästehauses mit Lao Khao. Der Grund war nicht der Abgang der Alten, aber am folgenden Tag würde die Reparatur abgeschlossen. Nach unserem obligaten Kokoswasser-Cocktail sagte Dick:
„Ich gehe zum Gästehaus, schmeisse die Säufer hinaus und schliesse ab.“ Danach begann für mich eine endlose Wartezeit.

Dick war kaum bei den fröhlich Feiernden, als vier uniformierte Militärpolizisten eintraten. Sie grüssten und meldeten: „Drogenkontrolle!“
Dick wurde einmal mehr des Handels bezichtigt. Die Einsatztruppe kontrollierte Ausweise. Jeder pinkelte. Die Analysen waren negativ. Gründlich Spurensuchen im ganzen Haus verliefen ergebnislos. Die Beamten waren freundlich und schenkten den Feiernden zusätzliches Bier.
Dick fragte: „Wer machte die Anzeige?“
Der Leiter der Spezialisten aus Bangkok sagte grimmig ein Wort: „Familie.“

Warme Regengüsse und amtliche Ergüsse begrüssen das neue Jahr

Zwischen dem 29. Dezember und dem 4. Januar starben mindestens 478 Menschen auf den Strassen Thailands. Das ist seit zehn Jahren der absolute Rekord. Wie üblich sind die meisten Opfer Mopedfahrer. Manche trugen weder Helm noch Gurten. Dafür desinfizierten sie sich vorher für die gefährlichen Fahrten prophylaktisch mit Alkohol. Wie viele Liter J.W. und Lao Khao insgesamt vernichtet wurden, weiss ich nicht.
Dagegen ist mir das Trink-Ritual bestens bekannt. Mann nimmt ein möglichst langes Long Drink Glas und füllt es mit Eis auf. Die Lücken im Mauerwerk werden dann mit Schnaps geschlossen. Durch die Wirkung der Kälte kann dadurch jeder sogar vierzig prozentigen, teuren französischen Cognac problemlos hinunter gurgeln.
Ende des Monats wird dieselbe wichtige Zeremonie von den Chinesen zum Frühlingsfest feierlich begangen.

Südlich von Chumphon funktionieren gegenwärtig weder der Strassen- noch der Bahnverkehr. In Nakhon Si Thammarat ist der Flughafen wegen Überschwemmungen geschlossen. Es schüttet munter weiter.
Es wäre möglich, dass im Süden das Bier des Nordens knapp wird. Wir haben uns vorsichtigerweise mit reichlich Trinkwasser eingedeckt.
Im Häuschen ist es 26 °C warm bei 85 Prozent relativer Feuchtigkeit. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb empfiehlt es sich, nur trockene Weine zu trinken!
Aus der Bananen-Ernte fritierte Dick mit einer Freundin Chips. Sie fanden reissenden Absatz. Wir selbst machten achthundert Gramm Bananen-Konfitüre. Für mehr fehlten die Vorratsgläser. Dagegen wären leere Flaschen vorhanden. Was fehlt, ist einzig die Destillation.
Mit Beziehungen und etwas Glück könnten wir so ein Gerät aus Armee- oder Polizei-Beständen erwerben. Die Ordnungskräfte holen die teuren Maschinen im Isan ohne jegliche Voranmeldungen ab. Als demokratischen Ausgleich könnte man das Entwicklungsgebiet Südthailand mit Destillations-Anlagen technisch aufrüsten. Während des Brennens hätten die Einwohner keine Zeit, Bomben zu bauen. Globale Werbesprüche für unser Produkt hätte ich bereits vorbereitet:
Low, the biological banana liar. The lower the liar, the higher the flyer. Lows banana still standing strong.

Über die Festtage erfreuten uns aufmerksame Grossmärkte mit Überraschungen, wie Toblerone mit ranzigen Mandeln, dafür mit dreissig Prozent Nachlass. Zusätzlich gab es Spezialaktionen, lies Spekulationen, mit Zucker. Makro bot fünf mal ein Kilogramm zum Spezialpreis als Gesamtpacket an. Bei Big C war es umgekehrt. Da durfte man zum Sonderpreis bloss sechs Kilogramm einpacken.

Hinterindiens Nachtwandler und Tagträumer

Man möchte eigentlich informiert sein über Ereignisse und Geschehen im Gastland. Ein einstiger Soldat und General, ohne jegliche Re-in-karnation – jetziger Ministerpräsident, Prayut Chan-o.cha, wollte ein wöchentliches Fernsehprogramm, um Fremden seine Regierungsrichtlinien verständlich zu machen. Dazu wurde „The Insider“ entwickelt. Danke dafür, dass als erstes Ausländer durch eine neue, pseudo-intellektuellere Sendung von Seifenopern und bescheidenster (bescheuerter) Unterhaltung entlastet wurden.

Ich hatte das Vergnügen, „The Insider, Ep. 3“ zu betrachten. Herr Maj. Gen. Werachon Sukondhapatipak interviewte Doktor Porametee Vimolsiri. Entweder trug der Doktor eine Maske oder liess sein Gesicht mit Botox auf ein schmerzhaft seriöses Dauerlächeln fixieren. Das Thema war der Übergang von fünf-Jahresplänen auf ein zwanzig Jahre Diktat. Ich hätte die Aussagen von fünfzehn Minuten auf drei Minuten verkürzen können. Möglicherweise hätte leider meine Geschwindigkeit der extremen Wichtigkeit der Botschaft nicht entsprochen.
Die Mindest-Einkommen sollen von 6‘000 $US auf 13‘000 $US erhöht werden. Das Problem ist jedoch nicht die Erhöhung der Bezüge, sondern vielmehr die Erhaltung der Kaufkraft. Wenn in den USA die Notenpresse weiter läuft wie bis anhin, verdienen Thais in wenigen Monaten 13‘000 $, ohne dass sie sich schuldenfrei mehr leisten können.

Ich arbeitete einst in mittleren Westen der USA. Ein Dollar wurde damals zu ungefähr 4.50 Fr. berechnet. Die amerikanische Währung verlor über 80 Prozent an Wert, oder der Franken wurde entsprechend stärker. Ein Dollar galt seinerzeit zwanzig Baht!

Langfristige Prognosen bergen Risiken. Vor zwanzig Jahren, 1996 brachte NOKIA den Communicator 9000 auf den Markt. Das erste Smartphone der Welt! Die Geschwindigkeit war mit 9.6 kBit/sek äusserst bescheiden. Ständige schnelle Datenverbindungen, wie UMTS oder LTE, gab es nicht. Verbindungen waren unbezahlbar teuer, weil die Zeit – nicht das Datenvolumen berechnet wurde. Wer hätte damals gedacht, dass es NOKIA in zwanzig Jahren nicht mehr gibt.

Wir kehrten im Mai von Satun in den Norden zurück. Die Preise der Lebensmittel waren hoch. Jedoch waren die Qualitäten von Fleisch und Gemüsen am unteren Ende unserer Empfindungen. Die Provinz Satun mit bloss etwa 100‘000 Einwohnern bietet dagegen vergleichsweise meist hochwertige Frischprodukte an.

Übel spielten um Chiang Mai die Apotheken mit: „Diese Antibiotika haben wir erst morgen wieder. Ihre Bakterien müssen sich gedulden!“
Mittlere Heftpflastergrössen gab es nicht mehr. Antiseptica wie Betadine verteuerte sich extrem. Ich benötige täglich ungefähr einen Milliliter. Früher bezahlten wir für ein Fläschchen von dreissig Millilitern vierzig Baht. Halbliterflaschen gab es um zweihundert Baht.
Dreissig Milliliter Gebinde gibt es gegenwärtig nicht mehr. Sie wurden durch fünfzehn Milliliter Fläschchen ersetzt. Der Preis: Stolze dreissig Baht mit dem Ziel: wachsende Abfallhalden, nachdem Exporte und Importe extrem zurückgingen!
Macro bietet importierte Povidon-Iod Lösung aus den USA an. Fünfzehn Milliliter kosten beim Bezug von zwölf Einheiten nur zwölfeinhalb Baht. Offizieller Verkaufspreis: Fünfundzwanzig Baht. Einheimische benutzen mit Vorteil Lao Khao, äusserlich wie innerlich!

Schmerzhafte Hoffnungslosigkeit

Warum pflegen Leute weltweit alte, hoffnungslos kranke Menschen? Das Schicksal ist eigentlich absehbar. Am Ende wartet der allmächtige Tod.
Dick betreibt unendlichen Aufwand für ihre Mutter. Diese Patientin ist absolut unzurechnungsfähig. Die Schmerzmittel veränderten ihr Denkvermögen. Die meisten der üblicherweise selbstverständlichen Gefühle sind ausgeschaltet. Sie erkennt nicht, wenn sie satt ist. Wenn Dick nicht aufpasst, verschlingt sie beinahe unbesehen alles, bis sie erbricht.
Durch die sorgfältig ausgewählten Speisen legte die die Patientin in vier Monaten zehn Kilogramm zu. Sie ist jedoch mit fünfundvierzig Kilogramm nicht fett. Durch geförderte Bewegung entwickelten sich einige Muskeln.

Dicks Bruder möchte seiner Mutter zusätzlich Freude bereiten. Wir erklärten ihm, die Alte könne nicht mehr alles verzehren, was Herz und Magen begehren. Gut gewürzte Thai-Speisen könnten Blähungen, Blutungen und Schmerzen auslösen. Der Mann weiss alles besser. Er hörte noch nie zu.
Nach knapp fünf stündiger Nachtruhe nickte Dick bei der Betreuung kurz ein. Während dessen brachte ihr Bruder gutes Essen für seine Mutter. Nicht langweiliger Brei oder fast geschmacklose Suppe, sondern bestes Thai Essen mit viel Knoblauch, Kräutern, Fleisch und Chilischoten, getränkt in reichlich Palmöl. Mutter ass die Delikatesse teilweise. Es schmeckte nicht, wie früher üblich. Sie dachte, eventuell müsse sie das Zeug wärmen. Sie stellte den Topf auf den Gasherd und vergass ihn.
Dick wurde durch Rauchschwaden geweckt. Die Kohlereste im Aluminium-Topf begannen zu glühen.
Vor wenigen Wochen verbrannte die Frau Dicks Hand mit kochendem Wasser, weil ihr die Kraft fehlte, die Pfanne irgendwo sicher hinzustellen. Sekundenbruchteile genügen, um Schäden zu verursachen. Ich verstehe nun, warum Psychiatrie-Patienten angekettet werden.
Brüderchen bereitete uns wenig Freude. Ein paar Stunden nach dem gesunden, stärkenden Essen, verlor die Patientin wieder Blut. Das beweist eindeutig: Magenschondiät schwächt den Kreislauf, Darm und Nieren. Unter Umständen fehlte zum Abrunden der Mahlzeit bloss der Lao Khao.

Wenn wir in wenigen Wochen in den Süden verreisen möchten, hat die Patientin mit der verbleibenden Verwandtschaft keine Überlebenschance. In Satun fehlen für sie die Infrastruktur wie Spital, Apotheke und qualifizierte Ärzte. Das Krankenhaus dort ist eine bessere Wartehalle der Krematorien. Wer wirklich Hilfe benötigt, reist nach Hat Yai, Nakhon Si Thammarat oder Bangkok, sofern die Finanzen vorhanden sind.
Die bittere Erfahrung zeigt: Alleine schaffe ich es leider nicht, sei es Chiang Mai oder Satun.