Weitere Geschenke

Fortsetzung (Tip Forum: Schöne Bescherungen in Hinterindien)

Nach ihrer Rückkehr von Phitsanulok erhöhte sich der Ruhe-Puls der Frau auf fünfundneunzig. Mich nervte, daß gleichzeitig Dicks sämtliche Kinder ins Dorf zogen. Die eine hatte einen Job bei einer Bank. Der Jüngste wollte von der guten medizinischen Versorgung profitieren. Er hob sich beim Ausbuddeln alter Baumwurzeln einen Bruch. In Phitsanulok konnte man angeblich das Leiden weder diagnostizieren noch behandeln.
Er befürchtete, er leide an einer tödlichen Krebsgeschwulst. Seine Freundin hingegen sprach, sie wollte von Dicks Kenntnissen profitieren und lernen, um später einen Salon zu eröffnen. Ihr Dorf verfügte über keine Einrichtungen zur Kapitalverschleuderung zwecks Pflege von Runzeln, Krähenfüssen, erwünschter und unerwünschter Haare. Der hinterste Fleck Hinterindiens benötigt heute Blondinen. Für Thailand eine großartige Erfindung: Die Haarfarbe läßt sich der Intelligenz anpassen.

Am 14. Dezember 2011 verschärfte sich die Situation um Mutter. Wir frevelten, folgten einer Einladung zum Mittagessen und sahen uns bei Anbruch der Dunkelheit nach Wein und Weihnachtsgebäck um.
Wir kehrten gegen zwanzig Uhr zurück.Dick betreute ausnahmsweise eine Kundin, welche einen Langstreckenflug vor sich hatte und ihren vermissten Gatten nach der Ankunft beglücken wollte.
Mutter litt. Harte Schicksalsschläge, andauernde Entbehrungen und fortgesetzter Liebesentzug verdarben ihr den ganzen Tag. Zusätzlich war sie besonderem Hochdruck ausgesetzt. Einer ihrer allesamt nichtsnutzigen Söhne telefonierte, er benötigte dringend vierzigtausend Baht. Anlässlich oder nach Onkels Kremation versetzte die Alte eine viertel Million Baht, Leistungen einer Lebensversicherung für ihren verstorbenen Mann. Es entging ihr, wenigstens einen Teil unserer Aufwendungen für Spital und Kremation zu vergüten.
Nun versuchte sie hemmungslos, für ihren bedürftigen Sohn, Zaster bei Dicks Kindern einzutreiben. Der Hundezüchter sollte umgehend seine Hunde in Kohle verwandeln – nicht verbrennen, sondern verkaufen!
Der Verletzte Enkel wurde aufgefordert, sein praktisch neues Moped zu versetzen. Dick war nicht bereit, den Tunichtgut zu subventionieren. Sie kannte die Summen, welche sich stillschweigend, wie Pfützen bei Sonneneinstrahlung, verflüchtigten. Söhnchen rief nur bei finanziellen Engpässen an. Das heißt, er bettelte dauernd!
Dick kümmerte sich nur um ihre Kundin. Sie ließ ihre Mutter über die herzlose Saubande in Lan Na Land wettern, wüten und toben.

Die Alte wollte nach dem finanziellen Desaster unverzüglich nach Hause, Distanz vierhundertfünfzig Kilometer. Warten bis am nächsten Morgen war unmöglich und ausgeschlossen. Sie forderte beide Enkel auf, sie gleich zu fahren. Die Jungen reagierten nicht. Sie packte Zeug. Sie machte sich in der Finsternis ohne jegliche Verabschiedung mit außerordentlicher Bagage zu Fuß auf den Weg. Der Hundezüchter sah sie und fuhr mit ihr in die kalte Nacht hinaus.

Am Tag darauf wollte Dick die Waschmaschine benutzen. Sie bemerkte, Mütterlein liess als Not-Proviant an die zehn Kilogramm Waschpulver, einige Flaschen Speiseöl und sämtliche Vorräte an Kaffee und Ovomaltine mitlaufen. Einige antike Bronzeschalen aus Laos verschwanden ebenfalls. Das Herz hätte die elende Schlepperei wahrscheinlich nicht lange mitgemacht. Für mich war sie gestorben.Amp Zuvor fehlten, nach einem Kurzbesuch des sich in permanenten Geldnöten befindlichen schmierigen Charakters, Verbindungskabel der akustischen Hintergrundberieselung des Salons. Die voluminösen Elektronik-Einheiten und Lautsprecher ließ er dank fehlender Transportmöglichkeiten stehen.
Mit derben Verlusten muss in Hinterindien jederzeit gerechnet werden. Dennoch war dieser Abgang meine beglückende Weihnachtsbescherung.

Quellen:
Thailand TIP Forum
Mein Tagebuch, Geschichten aus Hinterindien
#1784 am: 19. März 2012 Schöne Bescherungen in Hinterindien
#1685 am: 29. November 2011 Kein Verlass in Hinterindien

Feine Unterschiede

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Viele Volksgruppen pflegen intensive Konversation mit ihrem Gott. Sie verwenden verschiedene Arten der Kommunikation. Sie endet letztendlich im Gebet.
Die eine Glaubensgemeinschaft benutzt fünf Mal täglich elektronische Signal-Verstärker, (KiloWatt / MegaGott), verkabelt mit kräftigen, auf sehenswerten Turmbauten montierten Lautsprechern, um Gläubige zum Gebet zu rufen: Allahu akbar…

Vor langer Zeit erstiegen manchmal schwer beleibte Muezzin mühsam keuchend dutzende von Stufen in schlanken Türmchen eines Minaretts, zwecks Erfüllung des Auftrages als pflichterfüllende Angestellte. Die Herren schrien sich in kühler Höhe die Kehlen wund und die Ohren taub. Um Bauchumfang und Hüftgelenke verschwenden heutige Muezzin keine Gedanken. Sie drücken im klimatisierten Kommunikationsbüro der Moschee (Zutritt verboten) im Erdgeschoss einen Knopf, sofern CD und Verstärker nicht automatisch einschalten. Zeitgemässe Installationen könnten über Internet zum Gebet aufrufen.

Der hinduistsche Sri Mariamman Tempel in Pekan Bangi Lama, Malaysia, erhielt eine Verwarnung wegen ungebührlichen Lärmes.  Der Stadtrat verlangte dringend einen Senkung des störenden Lärmpegels und die Aufhebung sämtlicher religiöser Aktivitäten nach sechs Uhr abends.
Die hohen Herren drohten mit Geldstrafen von 1000 Ringgit, sechs Monaten Gefängnis oder  beiden Strafen gleichzeitig.Andachtstätten MA

Der Hinduismus ist die drittgrösste Religionsgemeinschaft der Erde. Der Obmann des Tempels, S. Pannirselvam erklärte:
„Jeden Dienstag und Freitag zwischen sechs und neun Uhr abends beten tausende gläubige Hindus. Während der Gebete läuten Glocken. Müssen wir auf den Glockenklang verzichten?“
Pannirselvam suchte Hilfe bei Herrn T. Mohan, der sagte:
„Das ist eine Verletzung unserer Verfassung. Sie erlaubt freie Religionsausübung.
Wir erwarten eine öffentliche Entschuldigung des ‚Meist Ehrenhaften Chef Ministers‘, Tan Sri Khalid Ibrahim, persönlich.“

http://en.wikipedia.org/wiki/Chief_Ministers_in_Malaysia

Abbildung:
Sri Raja Mariamman Temple, Johor Bahru,
Kling Moschee, Melaka

21. Januar 2013