Abschied von Langkawi

Als bösartig bis verleumderisch, könnten meine Zeilen über den Hadschi ibn Haschi in ‘Lankawi intim‘ interpretiert werden. Ich beobachtete fortan Reisende, Einzelpersonen, Paare, Familien und Gruppen ganz genau. Die meisten Gäste reisen ohne Harem.
Der Hadschi selbst war vermutlich mit Familie unterwegs. Die Damen könnten seine Frau, die Mutter, die Schwiegermutter und eine Tante, welche wenige Tage zuvor ihren geschätzten, frommen Ehemann verlor, gewesen sein. Bei all dem dunklen Tuch, es wirkte auf mich wie schwarze Löcher im grenzenlosen All, wissenschaftlich auf quantenmechanischen Grundlagen beschrieben durch den bekannten Astrophysiker S. Hawking, verlor ich meinen Durchblick. (1)
Vom hartem Schicksal plus ebensolchem Stuhlgang gepeinigt, reagierte ich zusätzlich frustriert über eine möglicherweise glückliche Familienidylle, weil ich seit dem 27. August heimatlos bin. Meine Suche nach einem Häuschen mit etwas Umschwung, Blick aufs Meer mit zwei bis drei Inseln, im Hintergrund schimmert das Matterhorn, am benachbarten Grundstück zerfällt der Marmor eines griechischen Tempels, war leider bisher erfolglos.

In jämmerlichen Hotelzimmern lebend, kaute ich fremdes Brot, meist in der Form von Reis, Nasi genannt. Die lokale Zauberformel heisst Nasi Goreng Kampung. Von einer einzigen, üblicherweise reichlichen Portion des gebratenen Reises mit Gemüse, exotischen Gewürzen, Ei, Huhn – das ist Ayam – und Meeresfrüchten könnten wir in Kuah mehrere Tage überleben.

In der Schweiz übernachtete ich in fünf Beherbergungsbetrieben. Meine Weinbauernfamilie in Leuk scheffelten, während unseren entbehrungsreichen Exkursionen im Dschungel, verdiente Auszeichnungen für ihre hingebungsvolle Arbeit. (2)
In Johor Bahru wechselten wir die Unterkunft zwei Mal. In Melaka waren es fünf Umzüge und in Langkawi sind wir zurzeit im achten Hotel. Die ideale Herberge fanden wir, trotz zwanzig wechseln in fünfundsechzig Tagen, noch nicht.
Für den Sonntag planen wir einen vorgezogenen Visarun nach Satun. Die Schifffahrt von Kuah nach Satun dauert, gutes Wetter vorausgesetzt, bloss fünfundsiebzig Minuten. (3)

Eher Affäre als Fähre

Eher Affäre als Fähre

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking
(2) http://www.grandprixduvinsuisse.ch/img/gpvs_gewinner_2014/large/gamay.jpg
(3) http://Langkawi-Ferry.com

Wein im Wallis

Seit einer guten Woche bereiste ich in der Schweiz die Kantone Bern und Wallis. Besonderheiten: Im Oberwallis fallen die Nachmittage aus. Kurz nach zwölf Uhr mittags grüssen die ‘Local Hilltribes‘: „Guten Abend!“ Abends sind Bars, Kneipen und Restaurants geöffnet, freie Fahrt für Gläser mit Fendant und Dôle. Das sind zwei typische Walliser Weine. Aber es werden praktisch sämtliche bekannten Rebsorten gepflegt.rot Der Staat Bern war einst ein Ort der Behäbigkeit, der Gemütlichkeit und der sprichwörtlichen Langsamkeit. Unter den Einflüssen von Drogen, ausländischem Schnellimbiss und Einwanderern aus Balkanesien und Afrika, veränderten sich die früher eher trägen Eingeborenen. Alles und jedes muss nun schnell gehen.
„I ga no schnäu go d’Häng wäsche, ich gehe schnell die Hände waschen.“
„I ga no schnäu go luege, ich gehe schnell nachschauen.“
Der Höhepunkt der schnellen Perversion ist:
„Warte schnell!“ „Tue schnäu warte!“
Wegen dieser dauernden Hetze verliess ich am dritten Tag den Kanton Bern und reiste relativ schnell ins Wallis.

Der Kanton Wallis: Hauptstadt: Sitten, Sion, Einwohner: 275’000. Fläche 5225 km². Mitglied der Schweizerischen Eidgenossenschaft seit 1815.

Ein Drittel der Schweizer Rebflächen liegen im Wallis. Es sind mehr als 5‘000 Hektaren. Ein Hektar entspricht 10‘000 Quadratmetern.
Über 50 Kilometer lang, von den Ufern des Genfersees bis nach Visperterminen, liegen die Weingärten teils an spektakulären Steilhängen.
Die Trauben gedeihen in Höhen zwischen 450 bis 1100 Meter über Meer. Die höchsten Anbaugebiete liegen bei Visperterminen. Hier wird aus der Rebsorte Savagnin der Weisswein Heida gekeltert.
Meine Tochter und ihr Mann bearbeiten Parzellen von Fully bei Martigny, über Raron, Leuk bis in die Höhenlagen von Visperterminen. (1, 2) Die Kellerei selbst liegt in Leuk-Stadt. 1256 erhielt Leuk das Stadtrecht. barrel Beim Betrachten der gesamten Anbauflächen dachte ich, kleinere Produzenten hätten riesige Konkurrenz und seien praktisch chancenlos. Aber wer kompromisslos auf Qualität setzt, hat wenig Probleme, Käufer zu finden.
Fünfundachtzig Prozent der Produktion sind eher Kurantweine. Sie werden für Grossverteiler wie Aldi, Coop, Denner und weitere Firmen produziert und abgefüllt.

Für weitere Bilder beachten sie bitte meine Seite Oberwallis. https://hinterindien.com/oberwallis/

(1) Vin d’oeuvre, http://www.vindoeuvre.ch
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Visperterminen
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Leuk