Unbefriedigendes Treiben und Wirken im LOS – land of smiles

Gemäss einem Artikel im Blick, der Bild-Zeitung der Schweiz, gehören die Pflegeberufe zu den undankbarsten Tätigkeiten im Spektrum des Erwerbslebens.
Ganz so böse scheint die Situation nicht zu sein. Im Jahresbericht 2018 einer schweizerischen Pflegeeinrichtung werden verdiente Mitarbeiter erwähnt. Da wurden drei Menschen mit je 30 Dienstjahren geehrt. Vier weitere brachten es auf 25 Jahre. 5 Mitarbeiter arbeiteten bereits 20 Jahre an derselben Stelle. 15 Dienstjahre hatten sieben Angestellte hinter sich. Auf stolze 10 Jahre durften 9 Mitarbeiter zurückblicken. Zusätzliche neun wertvolle Arbeiter wechselten ihre Stelle seit fünf Jahren nicht. Daraus könnte man an dieser Stelle auf sehr angenehme Betriebsverhältnisse schließen, sofern die Leute nicht unter Drogen ihre Pflichten erfüllt haben.
Weniger erfreuliche Zustände traf ich während fast zehn Monaten in einer Klinik in Chiang Mai an. Ich kannte keine Mitarbeiter mit 5 Dienstjahren, weil das Krankenhaus erst vor knapp fünf Jahren eröffnet wurde.
Es gab zwei Typen von Pflegerinnen. Die practical Nurses, teilweise schlecht ausgebildete Pflegehelferinnen, meist unmotiviert und ohne jeglichen Schulsack, dafür geöltes Mundwerk. Diese hirnlosen Weiber kamen ins Zimmer, stülpten sterile Latexhandschuhe über und tratschten dann für eine Viertelstunde mit Kolleginnen. Sie schmissen die nicht benötigten Handschuhe in den Müll und verließen danach das Zimmer.
Besser gestellt, zumindest in der Bezahlung, waren die ausgebildeten, registered Nurses, welche teilweise Pillen, sowie Augen-Tropfen verwechselten und Injektionen vergaßen. Ein kleiner Unterschied war, sie alle trugen Make-up und weiße Uniformen. Die Ausgebildeten aber trugen zusätzlich ein Häubchen als Schmuck im gefärbten Haar.

Beim Spital Eintritt verlangte Dick eine spezielle Matratze für dekubitusgefährdete Paraplegiker. Ich kriegte ein Bett mit einer koreanischen Luftmatratze. Die Hilfs-Pflegerinnen setzten den Regler der Luftpumpe auf Volllast. Die Matratze wurde härter als Granit. Meine operierten Wunden heilten nicht. Nach einigen Wochen fragte ich Dick nach der Einstellung der Luftpumpe. Die Anzeige war am Anschlag: 400. Volllast. Wir reduzierten den Druck auf 300. Die Matratze wurde weicher. Die Wunden heilten.
Aber wir rechneten nicht mit den Pflegerinnen. Sie stellten den Regler regelmäßig zurück auf 400. Weil die Matratze überbläht war, gab es ein Leck. Sofern ich links lag, rechte Körperseite auf der Matratze, stopfte ich mit meinem Körper das Leck. Drehte ich auf die linke Seite, entwich die Luft. Der Körper geriet danach auf der schiefen Unterlage langsam ins Rutschen. Die Wanderung stoppte, wenn ich mit der Nase das Bett-Geländer berührte. Freundlich formulierte Beschwerden bewirkten nichts. Es dauerte Tage, bis Dick das Leck fand.

Volle Leistung gaben die Pflegerinnen auch im Kühlschrank. Für das Frühstück lagerten wir Aufschnitt, Schinken und ähnliches  Gemüse. Das speziell nicht ausgebildete Personal setze die Kälte-Regelung im Kühlschrank auf volle Leistung. Das Resultat war: tief gekühlter Aufschnitt – knackig im Biss, ohne Aroma. Diese Übung wurde mindestens monatlich wiederholt.
Dazwischen stahlen die Damen teures Verbandsmaterial.
Durchschnittlich einmal jeden Monat vergassen die Pflegerinnen, mir die Alarmklingel zu geben. Dann benutzte ich das Handy, rief das Krankenhaus an und bat die Dame in der Zentrale freundlich, doch eine Nurse zu Low in Zimmer A521 zu senden.

Aller guten Dinge sind drei, wie ein altes Sprichwort sagt. Pro Tag waren nur zweimal zwei Verbände zu wechseln. Warum nicht drei, fragten sich hinterlistige Hilfs-Pflegerinnen. Sie zogen meinen empfindlichen, gelähmten Körper über die Bettlaken – oder war es Schmirgeltuch, bis die Haut auf Schulterhöhe riss. Diese Behandlungen kosteten Nerven und Schmerz und pro Woche über hunderttausend Baht.

Von den Ärzten vermisste ich eine kleine neurologische Sensibilitätsprüfung am Oberkörper. Ich machte das mit Dick. Das ging ganz leidlich, bis Dick das Eis zur Kälte-Prüfung auffraß.

Am 18. Oktober wurde mein Rückflug ins Land glaubwürdiger Medizin, in die Alpen – oder  wenigstens in die Nähe der Alpen, durch einen dummen, unbedachten Ruck eines Spital-Angestellten verunmöglicht.Der nächste Beitrag könnte heissen: Erlebnisse im Lan Na Krematorium, – oder: Filterlos ins Nirvana.

Geschwänzte Klassentreffen

Gute Geister organisieren unter viel Einsatz Klassentreffen. Die letzten Jahre fehlte ich. Herzlichen Dank für die Einladungen. Wir waren öfters in der Schweiz. Die alten Herren der e-Reihe pflegen sich in der kühleren Jahreszeit zu treffen.
Obschon ich von zartem Rehrücken, frischen Pilzen, begleitet von Flaschen alten Burgunders, seit Jahren träume, meide ich die kühleren Jahreszeiten in Europa.
Deshalb fand das letzte Treffen wieder einmal ohne mich statt. Elf ältere Männer, die Haare auf grau oder weiss getrimmt, trafen sich gut gelaunt zum Essen. Ich erhielt einige Fotos und muss zu meiner Schande gestehen, bis auf einen Herrn erkannte ich meine Kollegen, mit denen ich Jahre verbrachte, nicht mehr. Die Bilder erinnerten mich irgendwie an das Cabaret Rotstift. (1)
Die Begegnung wurde als nett und unterhaltsam beschrieben. Von hier aus betrachtet, dem Land mit gegen 350 Prozent Abgaben pro Flasche Wein, schmerzten mich die meist leeren Wein-Gläser auf den Bildern, denn laues Wasser gibt es hier ebenfalls.salgesch-2014 Während Jahren erfreute mich das frisch ab Hahn gewonnene Herrenschwandener Spezial. Das letzte beeindruckende Wasser trank ich im Badezimmer des Hotels in Salgesch, im Oberwallis. Wenn sie sich fragen, warum denn im Badezimmer, antworte ich, im Restaurant trank ich selbstverständlich beste Weine aus der näheren Umgebung. Diese Getränke waren besser, billiger und bekömmlicher, als der oft gefälschte oder gepanschte Mist, der hier im LOS, Land of Smile, Land of Sour grapes – selbst das Lachen wurde auf Verfügung gegenwärtig eingestellt – überteuert angeboten wird.
Würde ich in PhonPhat im Badezimmer Leitungs-Wasser trinken, könnte daraus ein qualvoller Selbstmord werden.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Cabaret_Rotstift
(1) https://www.youtube.com/watch?v=8VSHhuPz4L8

Systematischer Wahnsinn

Kennen sie Bacardi Gold? Ein besserer Rum der Firma, produziert auf einer der karibischen Zuckerrohrinseln, Puerto Rico. Diesen Gold-Schnaps gibt es in Thailand nicht. Dafür auf Langkawi, zu 360 Baht die Flasche. Der Inhalt eignet sich für „Cuba Libre“ oder zum Verdünnen von Kokoswasser. Im LOS stammen die masslos überteuerten Destillate von Bacardi aus Indien.
Umso besser kennt man hier: „… still going strong“! Johnnie Walker ist das Schmiermittel der Nation, wenigstens bei Angehörigen der gehobenen Institutionen. Meine erste Begleiterin im Dorf pflegte sämtliche Schwierigkeiten, oft vorbeugend, mit Black Label zu lösen. Sie verkaufte die Flaschen angeblich zollfrei zum Selbstkostenpreis. Sie erkennen die Sensibilität und Herzensgüte der Thais. Einfache Bürger begnügen sich mit preisgünstigerem Lao Khao als Torkelwasser.

Dicks Bruder trinkt als professioneller Fahrzeuglenker gar nicht. Trotzdem ist er ein Überlebenskünstler, denn wie gelangt ein geistig Invalider, ein Schwachsinniger, an einen Führerschein? Unsere Erlebnisse und Erfahrungen sind nicht besonders schmeichelhaft. Eventuell legte sein Erzeuger seine eigenen Gonaden in Spiritus ein.
Er war es, der seiner schwer kranken Mutter vor wenigen Tagen gegrillte Hühnerkrallen schenken wollte. Er war es, der die Patientin, sie konnte weder Nahrung noch Flüssigkeiten zu sich nehmen, nach einem Tag aus finanziellen Gründen aus dem Krankenhaus abholte! Er war es, der unsere Axt „verlor“ und gegen unbrauchbares Werkzeug austauschte.
Vom finanziellen Standpunkt aus betrachtet, hat er eigentlich Recht. Warum nicht gleich die Axt, Glasscherben, Rattengift, Strychnin oder Zyankali anwenden?

Wir haben für die unzurechnungsfähige Kranke einen lückenlosen Pflege- und Überwachungs-Dienst organisiert. Am Montag war der Bruder zu spät, um seine Schicht pünktlich zu übernehmen. Er verpflegte sich am Sonntag mit Tintenfischen. Sie waren entweder nicht ganz frisch oder enthielten wie üblich, einen Spritzer Formalin. Einen Tag später verspürte er übles Bauchgrimmen und ging deshalb ins Krankenhaus, meldete er bei Dienstantritt. Dick war danach unterwegs, um dringende Geschäfte zu erledigen.
Ich tippte an meinen Geschichten und blickte zuweilen zeitweise in den grünen Garten. Da sah ich einen Geist zwischen den Baumstämmen. Es war Dicks Mutter. Ohne Gehhilfe oder Begleitung, schwebte sie rasch von Baum zu Baum. Schön, wie sie sich verabschiedete. Ich vergass meine Einbildung, bis ich sie wieder sah. Sie pflückte Blätter von Bäumen und Sträuchern. Sie steckte das Grünzeug in den Mund. Essen Geister Chlorophyll?

Ich telefonierte Dick, weil ich selbst nicht eingreifen konnte. Mit dem Rollstuhl im nassen Gras auf feucht-erdigem Grund kommt man etwa so rasch vorwärts, wie auf einer Eisbahn.
Dick kehrte notfallmässig zurück und sah, es war keine Aufsicht für Mutter anwesend. Der bedauernswerte Kranke mit den bösartigen kalamarischen Magenschmerzen verdrückte sich klammheimlich, ohne jemanden zu benachrichtigen. Kurz nach seinem Spitalbesuch musste er im Dorf unbedingt eine gesüsste Nudelsuppe verfuttern. Für Notfälle stehen in der Küche des Hauses, wo Dicks Mutter wohnt, Beutel mit MaMa und WaiWai Nudel-Suppen. Heisses Wasser genügt!

Der Mann weiss genau, dass die Mutter nur frisch zubereitete Speisen des Hauses essen sollte. Dennoch brachte er vom Markt fürs Abendessen einen Beutel mit undefinierbarem Zeug, das er selbst nicht schlucken wollte – für die geliebte Mutter. Wir benötigen dringend solide Fussballschuhe, um solche Intelligenzbestien in den Hintern zu treten.

Mütterchen futtert gedankenlos alles, was ihr angeboten wird. Wenn sie danach im Brechmodus rotiert, kann sie keine Medikamente schlucken. Für die benötigte Spritze bleibt nur die Fahrt mit Kotztüten ins Krankenhaus. Aber soweit denkt hier niemand.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cuba_Libre

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2. Teil

Durch das kalte Wetter in Nordthailand bedingt, schneite es offenbar einer Bewohnerin durch die Nasenlöcher direkt ins Hirn. Anders kann ich mir den Unfug nicht erklären.
Valentinstag: Eine Masseuse aus Chiang Mai kaufte sich neue bunte Röcke, liess sich die Haare färben und pflegen. Sie steckte schwere Goldringe auf die Finger. Danach missbrauchte sie ein Smartphone für Fotos. Diese Bilder sandte sie mit Line, angeblich konnte sie weder lesen noch schreiben – lernte es anscheinend in Windeseile – an Dick – mit den Vermerk: „For my lovely!“ Damit war ich gemeint.
Besagte liebeshungrige Dame lebt bereits mit zwei Kerlen zusammen. Anscheinend ist sie dabei, ihre Sammlung zu ergänzen. Die kleine Frau hat auffällig geformte Brüste. Sie erinnern nicht an Silicon Valley, sondern an ägyptische Bieramiden – Pyramiden – Khêops, Khufu, mindestens eine davon. (1) Dick wurde von den Dorfhexen per Line vor der Frau, inbegriffen ihre Pläne mit dem Farang, gewarnt. Schade, dass viele Weiber meine Qualitäten erst kurz vor dem Ableben entdecken.

Vor einem Jahr dachten wir, das Verhältnis zu den Dorfbewohnern des Südens sei einfacher und besser als im Norden. Aber wir leben immer noch in Thailand, wie uns erneut bestätigt wurde.
Eine gewaltige Portion von Polizistengattin vermietet unter wesentlichen finanziellen Einbussen ein Haus an einen Farang. Der Farang gestattete sich einige Freiheiten mit einer einheimischen Freundin seiner Wahl. Die strengen moralischen Prinzipien der Hauseignerin wurden dadurch arg strapaziert. Sie wollte den Mieter möglichst rasch loswerden und die Liegenschaft verkaufen. Anstatt einer registriert gesandten Kündigung, wurde während Monaten erfolglos diskutiert. Der Mieter versteht kein Thai.
Die ehrbare Gattin des dekorierten Polizeioffiziers begab sich letzte Woche mit Dolmetschern zum Farang und erzählte ihm:
Das Haus sei bereits verkauft. Ich, Low, hätte es für meine Frau gekauft. Es sei bereits mein zweites Haus in Satun. (Ich besitze in Thailand keine Liegenschaften und bin nicht verheiratet.)
Nach der Frage des Mieters, wann die Eigentumsübertragung sei, antwortete sie, das sei nicht seine Angelegenheit und gehe ihn nichts an. Später rief sie dann den Mieter an und teilte dem Mann mit: Nach Rücksprache mit Dick könne er bleiben, bei einer 3x höheren Miete von 15‘000 Baht. Peinlich ist nur, dass sie uns erst nach ihren Lügengeschichten darüber informierte.

General und Staatspräsident, Prayuth Chan-o-cha, gibt den Thais viel Fröhlichkeit und noch mehr Glücksgefühle zurück. Er ist der grosse Reformator. Die an Schwachsinn grenzende Fernsehunterhaltung verbesserte er bisher noch nicht.
Aber er hob eine Polizei-Verordnung auf. Er strich die Posten der Befrager und Ermittler. Diese Tätigkeit der Spezialisten brachte den betreffenden Offizieren ein zusätzliches Einkommen von ungefähr 20‘000 Baht im Monat.
Polizeioberst Chan Chaisawasdi vom Polizeirevier Thian Thalae reichte eine Petition an den nationalen Rat für Ruhe und Ordnung, NCPO, ein. Er wandte sich gegen die Abschaffung. Chaisawasdi war selbst als Ermittler tätig. Neu sollen laut NPCO-Befehl stattdessen Vizeinspektoren oder Kommandeure Ermittler werden.
Der Polizeioberst bereute offenbar seinen Vorstoss. Sein Gewissen quälte ihn. Er schlug sich vor Kummer die Zähne aus, verletzte sich dabei das Kinn. Darauf erhängte er sich in seinem Haus. Die ermittelnde Polizei konnte keine Fremdeinwirkung feststellen und geht von Selbstmord aus. (2) Den Ausdruck „Fremdeinwirkung“ finde ich gut getroffen. Es gibt eindrückliche Bilder von Treffern der Selbstkasteiung. (3,4) Da ist immer etwas los im LOS!

(1) https://en.wikipedia.org/wiki/Khufu
(2) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/72335
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Kasteiung
(4) http://forum.thailandtip.info/index.php?topic=11760.msg1204488#msg1204488

Zwanzig Jahre leben im Überfluss oder überflüssiges Leben

Die Latexproduktion sollte unbedingt erhöht werden. Der Grund ist, es gibt zu wenig Gummi im LOS, im Land Ohne (amtlich zugelassene) Sexarbeiterinnen. (Prostitution verboten! So einfach löste mann Probleme). Das ist Thainess.
Die Störche üben dauernd Tiefflug. Vom Teenager an sind Frauen dauernd schwanger. Ist es wegen der zelebrierten Penisverehrung in einschlägigen Andachtsstätten oder anderswo, vielleicht in Schulhäusern oder Karaokeschuppen.
Mowglis Schulklassen wurden von Ärzten und durch Pflegepersonal öffentlicher Krankenhäuser über Sexualität, Fortpflanzung, Lust und Seuchen (Lustseuche) aufgeklärt. Alle die instruierten Jugendlichen erhielten wohlverpackten Latex zwecks Verhütung ansteckender Krankheiten und unerwünschter Schwangerschaften. Kein Sex ohne Latex! Aber lehren sie eigensinnige, störrische Esel Fahrrad fahren.
Diese extremen Schwachköpfe mögen Gummigeruch nur an Motorfahrzeugen. Sie händigten alle ihre Franzosen an Mowgli aus. Er ist nun familieninterner Lümmeltütenverwalter.
Kaufen würden Thais Kondome nur in Ausnahmefällen: zu teuer! Kinder sind nicht unbedingt preisgünstiger, selbst wenn sie nur an Nahrungsmittel, Kleider und üppige Schulgebühren denken.
Was hier im Suff oder Drogenrausch mit wollüstigen Triebwerkzeugen hormongesteuert auf die Welt gestellt wird, entspricht eher Quantität als Qualität. Kinder werden im Dorf wie Hunde erzogen, nämlich gar nicht. Allfällige Erziehung überlässt man grosszügig den Lehrern.
Diese Gedanken hatte ich, als ich mich mit dem Schicksal eines zwanzigjährigen Individuums auseinander setzte. Ich kannte den Knaben fast zehn Jahre lang. Sein Vater war ein sympathischer Mensch, der hart arbeitete und keine Zeit für seine drei Söhne hatte, weil er als Lastwagenfahrer dauernd unterwegs war. Die Mutter, Lügnerin, Schwatzbase im Quadrat, zudem professionelle Zockerin, verspielte das karge Einkommen. Die Knäblein wurden grösser. Keiner kümmerte sich um sie. Futter, Kleider, das war die gesammelte Zuneigung.
Die Büblein spielten dauernd üble Streiche und verübten Gaunereien. Sie wurden aus sämtlichen Schulen geschmissen. Danach lebten sie einige Zeit auf Dicks Farm. Sie bestahlen Nachbarn, überall Fahrzeuge und Treibstoffe. Sie quälten die Tiere auf bestialische Weise, schlachteten zwecks Selbstversorgung Enten, Fische und Hühner ab. Arbeiten wollten sie nicht. Die Polizei war dauernd beschäftigt.

Jetzt lebt ein junger Mann im Dorf. Er habe sich gebessert. Unter hundertzwanzig Bewerbern fand er Arbeit auf einem benachbarten Golfplatz.
Er war kurz verheiratet. Vor sechs Monaten fand die Frau einen potenteren Liebhaber. Sie verliess den Vater ihres Kindes eines Nachts. Als Morgengabe liess sie den zwei Monate alten Säugling zurück. Nun schläft der Kerl im Dorf, in der Wohnung eines Onkels und teilt sein Zimmer mit seinem acht Monate alten Sohn. Welch eine Vergangenheit? Welch eine Zukunft?

Schulden

Die Abkürzung LOS kann gleich mehrfach gedeutet werden:
Land of smile(s),
Land ohne Socken,
Loss of signal,
Linux Operating System,
Land ohne Schulden.

Schuldenfrei ist der Grossteil der Bevölkerung nicht. Jede Berufsgruppe stellt in ihrer Sparte jedes Jahr neue Rekorde auf. Leichtsinnig wird Bargeld verjubelt. Am liebsten geliehenes. Das wird nicht nur in unbedienbare Smartphones und hochprozentigen Schnaps, sondern ebenfalls in hochheiligen Tempeln investiert. Da gibt es die seelenlosen, buddhistischen Geldverleiher. Sie fordern bescheidene vierzig Prozent Zinsen pro Tag! (1)

Der für die Region zuständige Polizeigeneral Boonlert Jaipradit erklärte: Rund 13.000 Polizeibeamte im Nordosten schulden der Government Savings Bank (GSB) neun Milliarden Baht. GSB ist nur eine Bank von vielen. (2)

Premierminister General Prayuth Chan-ocha zeigte sich darüber alarmiert, dass mehr als 1,6 Millionen Farmer 400 Milliarden Baht Schulden haben. (3)

Im Dorf, sind die Menschen ebenfalls schwer verschuldet. Sie protzen mit mehrfachem Hausbesitz, heissen Nebenfrauen, potenten Liebhabern und mehreren Fahrzeugen. Das gesamte Blendwerk, ausgenommen Poussierstängel und Hofdamen, gehört Kreditinstituten.

Als ich vor einem Jahr überraschend das Dorf verliess, belästigte ein verheirateter staatlicher, uniformierter Beamter, – drei Personen, drei Häuser, fünf Fahrzeuge – mit nächtlichen Telefonanrufen Dick solange, bis sie ihm zehntausend Baht lieh.

Vor zwei Wochen hatte ich unvorbereitet abendlichen Damenbesuch. Die beiden aufgetakelten Fregatten – Gold und Schminke – brachten Wein, Schnaps und geschmortes Fleisch. Die hoch angesehene Familie prahlt mit vier Häusern und 6 Fahrzeugen.
Ihr Anliegen: Keine krepierende Herde von Wasserbüffeln, keine todkranken Familienmitglieder – der Gatte, beeindruckend gewichtiger Alkoholiker, wird nach dem Ableben dank seiner Schnapsimprägnierung nicht verwesen, eher explodieren. Hundertfünfzigtausend Baht für ein Reislein des Töchterchens nach Australien!
Genau diese Leute machten sich im Mai wichtig mit den Bemerkungen, wir hätten einen unterklassigen Wagen erworben. Das Fahrzeug ist bezahlt! Deshalb sind sämtliche Subventionen für Bildungsreisen ausgeschlossen, auch wenn dadurch der IQ der restlichen Bevölkerung ansteigen würde.

(1) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/66475
(2) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/66526
(3) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/66328

Lüfte und Düfte

Ludwig Uhland:
26.4. 1787 Tübingen – 13.11. 1862 Tübingen
Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Nach Satun mit viel frischem Wind, erzeugt durch mächtige Adlerschwingen, ist die Luft in Chiang Mai schwer. In Satun gibt es mehr Adler als Sperlinge in Chiang Mai. Die Verschmutzung ist auch ohne das Abfackeln von Feldern und Hügeln hoch. In Spitzenmonaten können die Schadstoffkonzentrationen dreihundert Mikrogramm erreichen. Fünfzig Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft sind üblich. In der Schweiz gilt dieser Wert länger als fünfunddreissig Tage pro Jahr als unzulässig und extrem gesundheitsschädigend. (1) Thais vertragen offenbar mehr. Gelbe Gardenie
Es gibt erfreulichere Düfte, wenn die goldgelben Gardenien oder der Jasmin blühen. Die Aromen sind süss und schwer. Bei hoher Luftfeuchtigkeit wirken diese Blüten noch intensiver. Ich mag die erdigen Gerüche, wenn im Lan Na Dorf die ersten Regen einsetzen. Wir riechen den Regen, bevor er fällt. Frisch geschnittenes Gras gibt ein besonderes Bukett ab.
Ich erinnere mich an die Wohlgerüche von besonntem Heu in den Voralpen. Als Kind roch ich die eisenhaltige Luft in Bahnhöfen. Besonders eindrücklich war der abgestandene kalte Rauch in den Wartsälen der dritten Klasse. In den Wintermonaten mischten Heizungen den Mief feuchter Mäntel und Kleider dazu. Ein echter Höhepunkt war der Geruch nach Mottenkugeln im Gewimmel. Motten sind sehr genügsame und umweltfreundliche Tiere, denn sie fressen nur Löcher.

Den Grund dieses Beitrages lieferte unser Nachbar Kleptomanewitsch. Er besitzt eine neue Grasschneidemaschine. Ob er sie kaufte oder bloss mietete, ist uns nicht bekannt. Vielleicht fand er sie verlassen und einsam, ganz ohne Besitzer an einem Strassenrand.
Jeden Sonntag frühmorgens schnallt er sich Benzinkanister und Motor auf den Rücken. Dann hören wir den ganzen Tag die Symphonie für zweitaktgetriebene Propellermesser, vom scheppernden Leerlauf bis zum röhrenden Vollgas. Synkopen setzen geschleuderte Steine. Als Kesselpauken dienen getroffene Fensterscheiben. Die Duftentfaltung ist kolossal. Die solide Grundlage liefert der katalysatorfreie Auspuff. Dazu kommen Schwaden von unverbranntem Benzin. Das geschnittene Gras riecht fantastisch. Neuerdings benutzt der Gärtner sein Werkzeug zum Entlauben von Bäumen und Sträuchern mit mir unbekannten Duftnoten, wie Bambus und Mango. Aber – ohne Rizinusöl schafft der Kerl die Olympia-Qualifikation nie.
Gegen den Gestank des Treibstoffes setze ich im Haus erfolgreich Surya ein. Das sind indonesische Zigaretten des Hauses Gudang Garam, verfeinert mit Zucker und Gewürznelken. Wenn es nicht zu feucht ist, knattern und prasseln die Glimm-Stengel (Batang rokok) mit dezentem Feuerwerk.

Ebenfalls des Nachts im Bett, ohne Freundin Jasmin oder andere Blüten im Garten, werden wir von exotischen Düften überrascht. Die Nachbarin röstet jederzeit Knoblauch in Palmöl. Je später die Stunde, desto verbrannter der Knoblauch. In der abendlichen Stille hören wir die fliegenden Fische, wenn sie aus den Pfannen an die Decke knallen.
Letzte Nacht gegen drei Uhr dachte Dick, Mowgli verkohle seine Pasta und damit das ganze Haus. Ich konnte sie beruhigen, das sei nicht Pasta mit Pesto, die ich abends lieferte. Das müsse der hustende Koch von Sizzler sein, der seine Nudeln à l’américaine flambiere. Vom Strässchen her wehen, gefiltert durch das Badezimmer, zahlreiche stinkende Grüsse ungewarteter Dieselmotoren.

Zwei Stunden später wachte ich beduselt auf. Ein unbekannter Anrainer verwandelt Hustensaft mit Pseudoephedrin in Methamphemine. (2) Es stank, wie zur Zeit fast jede Nacht, nach Ethanol. Die durchschnittliche Geruchsschwelle liegt bei Konzentrationen von 93 ppm, das sind Teile pro Million. Explosionsgefahr besteht erst ab 35‘000 ppm, das sind 3.5 Prozent.(3) Ab welchem Grenzwert Leber und Lunge geschädigt werden, weiss ich nicht. Wir desensibilisieren vorsichtigerweise unsere Körper mit Destillaten aus der Karibik, gemischt mit veganem Kokoswasser.
Nun muß sich alles, alles wenden.
Kaum. – An den Frühling glauben ohnehin nur einige Heimweh-Europäer. Hustensaft feiert im LOS ungebrochen Hochkonjunktur!

(1) http://www.bafu.admin.ch/luft/00575/00578/index.html?lang=de
(2) https://hinterindien.com/2015/07/11/gefahren-in-schlafzimmern-2/
(3) http://www.swisseduc.ch/chemie/schwerpunkte/ethanol/docs/ethanol.pdf