Das Winter-Wetter in Nordthailand 2019/2020

Vor Weihnachten war es bitter kalt. Die Temperaturen sanken des Nachts bis auf 10 Grad. Einige Fische starben. Das Wasser war zu kalt. Sie hätten eventuell schneller schwimmen müssen. Das konnten sie nicht, weil Dick nur 500 Stück im kleinen Teich aussetzte.
Auf Doi Inthanon zeigte das Thermometer minus 4 Grad Celsius. Sofern die Temperatur-Erhöhung im gleichen Tempo weiter geht, werde ich dort demnächst einen Skilift bauen lassen.
Seit Weihnachten sind die Tage 4 Minuten länger geworden. Am kürzesten Tag dauerte die Dunkelheit ganze 13 Stunden.

Nachbar Kleptomanewitsch erschlug einen seiner Hunde unter lautem Singen von bösen Flüchen oder frommen Gebeten begleitet. Frass das hungrige Tierlein eines der Hühner, oder deponierte es seinen Kot in Kleptomanewitschs ausgetrampelten Latschen? Er opferte das Tier samt Fell am nächsten Tag unter viel Rauchentwicklung, offenbar für den Regengott, sowie die nächstgelegenen Messstationen für Feinstaub.
Darauf hatten wir eine regnerische Nacht. Er bemerkte es jedoch nicht und bewässerte seine Plantagen.
Gegen die hohe Luftverschmutzung, um Weihnachten übertrafen die Spitzenwerte von Feinstaub 150 Mikrogramm, haben wir im Krankenzimmer ein Reinigungsgerät. Bei meinen gelegentlichen Darmentleerungen zeigten die Dioden trotz des üblen Geruches die gesunde grüne Farbe.
Einer meiner Helfer frisst offenbar gerne frittierte Speisen. Seine Frau kocht nicht, sie fritiert nur, dafür gründlich. Die Kleider stinken manchmal stark nach verbranntem Öl, dass ich Brechreiz kriege und die Anzeige am Gerät auf warnendes Rot geht.
Sofern der Mann seine Massage-Frau mit seinem Öl ausstoßenden Moped mit sehenswerter Rauch-Fahne her bringt, leuchten die LED gelb.

Es wurde wesentlich wärmer. Nachts sinken die Temperaturen nur noch auf 18 Grad. Am Nachmittag steigen die Temperaturen gegen 30 Grad. Im großen Haus liegen die Messwerte gegenwärtig zwischen angenehmen 24 bis 28 Grad.
Trotzdem bringen mich, bloß in Windeln gewickelt, wie der Evangelist in der Bibel erwähnt, besonders stupide Menschen zum Siedepunkt, denn so viele Esel und Schafe gibt es in Chiang Mai gar nicht.

Persönliche Einsichten 2019

Unbekannte neue Erlebnisse drängten sich nach dem 10. Januar in mein Leben. Irgendwie überlebte ich die Operationen. Als ich richtig ruhig und drogenfrei im Spital-Bett lag, bemerkte ich, dass an beiden Händen die Finger merkwürdig gestreckt waren. Es sauste, brauste und summte in den Armen. Wieso denn, dachte ich, die haben doch den Hintern operiert.
Nach einigen Tagen versuchte ich, die Finger zu bewegen, denn ich erinnerte mich, solche Hände bei Polio-Patienten in den 50er Jahren gesehen zu haben. Dazu plagten mich Schmerzen in Fingern, Haenden, Ober- und Unter-Armen. Manchmal fühlt es sich an, wie wenn ich Backsteine im Unterarm tragen würde. Zitter-Krämpfe machen mir am Smartphone oder am Tablett das Leben schwer. Schreiben ist unmöglich. Wenn ich mit dem Zeigefinger einen Buchstaben erwische, löscht der kleine Finger das Getippte.
In der Ohren läutet Herr Tinnitus.
Sehschwäche: Von Zeitungen konnte ich nur die Schlagzeilen entziffern. Im Fernseher sah ich farbiges, unidentifizierbares Gewimmel. Der Ton war, wie bei Karaoke-Darbietungen in der Gegend, hauptsächlich auf Bässe ausgerichtet.
Den Laptop bedienen konnte ich nicht. Ich war durch die Behinderungen gänzlich unbeschäftigt, bis auf meine Übungen mit Fingern und Armen. Während Monaten nahm meine Sehstärke zusehends ab. Ein Optiker konnte mir nicht helfen.
Nach einer Star Operation konnte ich ab August endlich wieder sehen. Mit Dicks Hilfe programmierten wir mein Smartphone, damit ich interessante Staumeldungen vom Gotthard mitverfolgen konnte.

Ich habe nicht mehr viel, aber wesentliches zu verlieren.
Noch funktioniert mein Hirn. Ich bitte die Herren Alzheimer und Parkinson von einem baldigen Besuch abzusehen.
Hören kann ich relativ gut, das Ohrenpfeifen ist erträglich. Riechen kann ich alles, vor allem das Unangenehme. Katzen Exkremente lassen sich nicht mit Thai-Curry vergleichen !
Der Geschmackssinn ist vorhanden. Noch unterscheide ich Essig oder gepanschten Wein von reinem vergorenen Traubensaft. Häufig werden im warmen, total verschmutzten, Land leider gefälschte Artikel verkauft. Das betrifft besonders Jungfrauen.

Mit verschmutzt, meine ich Wasser und Luft. Im Norden gibt es keine Kläranlagen. Die Luftbelastung beträgt gegenwärtig um Chiang Mai im Tag bis 150 Mikrogramm Feinstaub. Wie wird es erst in der Feuer-Saison ab Januar aussehen? 500 Mikrogramm sind angesagt.
Deshalb verbot die Regierung aus Friedens-Aposteln (NCPO)und Generälen das Rauchen von Glimmstengeln sogar in den eigenen vier Wänden. Wenn dich deine Frau, Kinder oder Lebenspartnerin anzeigt, wird es echt teuer.
Kehricht, tote Katzen, sowie weitere Leichen darf im Freien jedermann jederzeit unbestraft verbrennen.

Wahrnehmungsunfähigkeiten

Der Leser und Denker Illuminati weckte mich mit seinem Kommentar erneut aus Träumen und Tiefschlaf. Was kann er nur gemeint haben? Zweifelt er gar die verheerende Luftbelastung durch Feinstaub in Nordthailand an?
Zugegeben, mein zynischer Vorschlag, Särge mit Warnschildern zu versehen, grenzte an Leichenfledderei. Er war so sinnvoll, wie Aufforderungen, Dieselfahrzeuge regelmässig zu warten, oder Krematorien mit Filteranlagen auszustatten. Das ist bei Feuerbestattungs-Anlagen ohne Kamine, wie ich sie in LanNa Land antraf, unmöglich.

Dazu gesellt sich unsere subjektive Wahrnehmung, beziehungsweise die Wahrnehmungsfähigkeit. Einige tragen rosarote Brillen. Sie erkennen aus Selbstschutz nichts, was sie nicht mögen.
Für solche Mitmenschen gibt es keine schlechten Gerüche, weniger freundlich als Gestank bezeichnet. Sie sind gierige Allesfresser, die sogar neben stinkenden Abfalleimern oder auf schwelenden Müllhalden picknicken.

Unglücklicherweise habe ich einen empfindlichen Riechkolben. Er lässt mich jedoch die Feinheiten edler Weine erkennen, ohne sie zu trinken. Dieselbe Nase warnt mich vor verdorbenen Speisen. Auf deren Genuss verzichte ich gerne, weil ich die meisten Toiletten wegen baulicher Hindernisse, Treppen und zu schmale Türen, im Notfall nicht aufsuchen kann.
Dick kennt da weniger Skrupel. Sie isst, mit wenigen Ausnahmen fast alles, was aufgetischt wird. Danach generiert sie neue Welt-Bestzeiten im Schittathlon auf glitschigen Slaloms zu Toiletten, sofern sie sich nicht vorher übergibt. Sie tut dies mit beneidenswerter Leichtigkeit, während ich mich jeweils stark schwitzend, ergebnislos fast zu Tode würge.

In reiferen Jugendjahren konnte ich defekte Elektrogeräte dank der hohen Sensibilität der Geruchsempfindlichkeit ohne Messgeräte reparieren. Defekte Gleichrichter aus Selen, es gibt sie heute nicht mehr, rochen für mich ähnlich, wie Neugeborene mit vollen Windeln. Die „Déformation professionelle“ liess mich Jahrzehnte später bei meinen Kindern ausrufen: „Es riecht nach Selen!“ (1)

Es mag zwei Wochen her sein. Ich lag bereits im Bett und wartete auf Dick. Ihre Mutter beanspruchte ihre Anwesenheit grenzen- und zeitlos. Als Dick endlich kam, füllte sie das Haus mit stechend durchdringendem, scharfem Gestank. Sie selbst bemerkte nichts.
Die dicke Luft liess mich nicht einschlafen. Ich suchte nach einer Erklärung. Fuchs und Marder waren es nicht. Katze! Ich verliess das Bett und suchte.
Wahrhaftig – da pisste doch ein verliebter Kater in einen auf der Veranda wartenden, mittlerweile im Schlafzimmer anwesenden, flauschigen Pantoffel.

Bei Rauch differenziere ich. Gartenabfälle und Qualm toter Tiere miefen, sind jedoch in geringen Mengen unbedenklich. Gummi und Autopneus, die ich von Kleptomanewitschs Stahlwerk her kenne, hinterlassen schwerer verdauliche Spuren. Wolken von PVC, PolyVinylChlorid, gehören für mich zur Giftklasse. Weniger vorsichtige Menschen garen über diesen glimmenden Wohlgerüchen Würste und Fleisch. Die Gase riechen nach Chlorwasserstoff. Es entstehen gesundheitlich bedenkliche chlororganische Verbindungen. (2)

Bereits beim Landeanflug in Bangkok anfangs Februar tauchte die Maschine in bunte Farbkombinationen von Luft. In Bangkok ist die Luftqualität weitaus besser als im Norden des Landes.
Tags darauf besorgten wir in Hangdong Nahrungsmittel bei einem Grossverteiler. Als ich mich danach ins Auto setzte, bemerkte ich schwarz gefärbte Hände. Ich erinnerte mich nicht, dass ich dunkle Gegenstände, Apparate oder Isan-Frauen, angefasst hätte. Meine Handflächen blieben während drei Wochen in Chiang Mai mehr oder weniger dunkel. Waschen half nur kurzzeitig.
In Nakhon Sawan verminderte sich die Einfärbung. Drei Tage später, in der Gegend des Mae Tha Chin, Distrikt Sam Phran, Provinz Nakhon Pathom, verschwand die Verfärbung allmählich. Ich nehme an, es handelte sich um chemische Reaktionen, ausgelöst durch Luftverschmutzung, feuchte Hände und die metallenen Greifringe des Rollstuhls. Mae Tha Chin
Heute vernahm ich telefonisch aus Satun und las in Zeitungen, dass sogar Chiang Mais Gouverneur Suriya Prasanbanthit nach reiflichem Nachdenken (ca. 3 Wochen) über die Luftqualität im Norden besorgt sei. Vermutlich werden dieselben Massnahmen ergriffen wie üblich: Ausser leerem Gerede – gar nichts.
Seit fünfzehn Jahren liegt ein neuer Feinstaub-Rekord in der Luft, denn so etwas erlebte ich nie zuvor.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A9formation_professionnelle
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Polyvinylchlorid
(3) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/61359

Bild: Paddler kämpft gegen treibende Wasserhyazinthen am Mae Tha Chin.

Vivaldi in Nordthailand

Drei Wochen Nordthailand. Die Vorteile:
– Keine Vermieterin, die leere Schnaps- und Weinflaschen kontrolliert, zählt und die Mieter wegen Alkoholmissbrauchs und Verschleuderung von Finanzen ermahnt.
– Keine Vermieterin, die morgens vor acht mit gekochtem Karottensaft die Bettruhe stört. Der Gemüsesaft ist so schlecht, dass man danach mit einem Schnaps spülen muss, damit die Zähne nicht ausfallen oder das Halszäpfchen schrumpft.
– Ein Haus, in dem der Fungus nur in fast kontrollierbarem Ausmass gedeiht – zur Zeit wegen Kälte und Trockenheit gar nicht.
– Kein freundlicher Nachbar im Ruhestand, der uns während des ganzen Tages gratis mit bloss einem thailändischem Radioprogramm berieselt.
– Ein grosses, lichtdurchflutetes Haus in einem malerischen Garten mit einem riesigen Sukothai Buddha in der Stille.
– Die Möglichkeit, Delikatessen aus Schweinefleisch zu geniessen – Würste, verschiedene Arten von Schinken – gekocht oder luftgetrocknet, aus Westfalen, Parma, Spanien, dem Schwarzwald – Salami aus Italien und Speck von Fiorucci. All das Zeug ist äusserst ungesund, aber sau-gut.
– Es gibt verschiedene Art von Senf, nicht nur das amerikanische Produkt mit dem Fantasie-Namen „French“.
– In den Regalen guter Geschäfte stehen mehre Essig-Typen, darunter sogar Aceto Balsamico aus Modena.
– Technische High Tech Geräte wie Thermometer und Hygrometer sind wohlfeil.

Drei Wochen Nordthailand. Die Nachteile:
– Die nächtliche Kälte. Mitte Februar sanken die Temperaturen im Garten wieder auf 14 °C. Bei der Ankunft hatten wir immerhin 17 °C.
– Die grauenhafte Luftverschmutzung. Trotz Verboten wird fröhlich gefeuert, wie es seit den Höhlenbewohnern zwecks verscheuchen von Bären und Tigern zelebriert wird. Die Nasenlöcher sind blutig verharzt. Die Schleimhäute sondern grau-braune Exkrete ab. Diese Sauce trocknet schmerzhaft in den nasalen Belüftungskanälen ein. Nasenbohren, Popeln wird überlebenswichtig. Die Augen sind von wunderbar zarter Röte umrandet.
– Im Dorf wurde trotz öffentlicher Kehrichtabfuhr der Kinderspielplatz zur Müllhalde, weil einige eingesparte Baht in Lao Khao investiert werden können. Es existiert ein regelrechter Mülltourismus.
– Die Verwandtschaft stielt Dicks Zeit mit mir. Ich muss mich mit Fotos begnügen, anstatt ….. . (Ausländische bunte Blätter berichten derweil über grauen Sado-Masochismus.)

Weil ich weitaus kräftiger bin als im August, als ich das Dorf schwer angeschlagen fluchtartig verliess, konnte ich weitere Teile meines gesammelten Mists aussortieren. Die Geister waren mir behilflich. Während des Genusses von Vivaldis „Frühling“ über das Internet, stoppte die Musik plötzlich. Die Leitungen des Internets wurden nicht sabotiert. Der PC ruhte. Beim erneuten Starten meldete die Hardware:
„Der eingebaute Überspannungsschutz reagierte auf Spannungsspitzen der Stromversorgung und schützte das Gerät durch Ausschalten.“
Stur und eigensinnig wollte ich nicht auf den Vivaldi verzichten und beharrte auf weitermachen. Das System krachte erneut. Ein Austausch des Netzteils half nicht mehr. Die Mutterplatine überlebte nicht. An die zwanzig Kilogramm Elektronikschrott, der Stolz vergangener Jahre, wurden vom Arbeitsplatz entfent.
Schon vor einigen Jahren fand ich es sinnlos, 500 Watt Computerleistung zu verpuffen, um einige Mikrowatt Musikleistung zu erzeugen, die dann an einen Leistungs-Verstärker übermittelt wurden.
Ich kaufte damals in Europa einen Internetradioempfänger kleiner Leistung, der direkt via Router drahtlos Radiosignale aus der ganzen Welt empfing. Der Empfang war miserabel, hatte Glitches und jede Menge Geräusche. Ich sparte 490 Watt, aber keinen Pfennig, Rappen oder Cent. Ich verschenkte diesen Empfänger nun ebenfalls, denn praktisch jedes Smartphone empfängt heute Internetradio in höchster Qualität, auch Antonio Vivaldi mit sämtlichen Jahreszeiten.
iRadio

Nichts tun in Satun

Satun, Stadt und Provinz, liegen an der südlichen Westküste von Thailand. Von der kleinen Stadt aus, mit knapp 24‘000 Einwohnern, sieht man den Tenasserim-Hügelzug. Diese Kette aus altem Granit erstreckt sich an die tausend Kilometer vom “Drei Pagoden Pass“ in Kanchanaburi, Thailand, bis nach Satun. TaLiKlai3 Über den Fluss Ta Li Klai führen mehrere Brücken. Die Stadt ist einige Kilometer vom Meer entfernt. Weil das Gefälle äusserst gering ist, wirken sich die Gezeiten bis hierher aus. Greifvogel Zeitweise fliesst beim Markt das Brackwasser flussabwärts. Wenige Stunden später verläuft die Strömung flussaufwärts.
Hauptwirtschaftszweig ist der Fischfang. Der Handel mit Malaysia trägt zum bescheidenen Einkommen der Stadt bei. Ein beachtlicher Teil dieser Gewinne dürfte aus dem florierenden Schmuggel stammen.
Die touristische Bedeutung der Stadt ist gering. Im altertümlichen, authentischen Stadtbild mit Holzhäusern erleben Besucher das alte Thailand – Bangkok wie es vor Jahrzehnten einmal war.
In der Umgebung der Stadt gibt es zahlreiche idyllisch schöne Orte, Höhlen, Felsen, Wasserfälle und Seen. Von Booten aus erhält man unübliche Einblicke in die Lebensweise am Fluss. Häuser, meistens bescheidene Hütten mit rostenden Wellblechdächern und Satellitenschüsseln dekoriert, sind teilweise ans Wasser gebaut. Der Fluss dient mit frischen Fischen, Garnelen, Krebsen und Muscheln als Nahrungsquelle, gleichzeitig als Hong Nahm, Badezimmer und als Verkehrsweg.TaLiKlai1 In der Umgebung sind der Park Khao To Phaya Wang, die National-Parks von Thale Ban und Taman Negeri Perlis in Malaysia und der Tarutao Marine Park.

Thais von Chiang Rai bis an die Grenze von Malaysia lieben das Feuern. Wenn wir am Vorabend vom sechsten Stockwerk aus die grüne Landschaft um Satun bewundern, steigen überall zwischen Palmen, von Tälern und Hügeln, Rauchsäulen als Zeichen brüderlicher Verbundenheit unbelehrbarer Vollidioten auf.
Selbst das kümmerliche Inhalieren von Nikotinspargeln auf Bangkoks Märkten wurde unter Androhung drastischer Strafen kürzlich verboten. Die landesweit hohe Feinstaubbelastung mit häufigen Lungenerkrankungen durch rücksichtsloses Verbrennen von Abfällen und entsprechender Luftverschmutzung dagegen, werden amtlich stillschweigend übersehen.

Teures Nibbana

Zwei Wochen Vorbereitungen für sechs Tage fragwürdiges Mönchstum empfand ich als krass. Gäste reisten zusammen gezählt zehntausende von Kilometern mit Bahn und vorwiegend Automobilen. Das bedeutet nicht Stickoxyde und Luftverschmutzung, sondern Karma! 

Der Wunsch einer verstorbenen alten Frau wurde mit immensem Aufwand erfüllt. Die geglückte Inszenierung mit all den Spenden, Geschenken, Kleidern, Haartrachten und sonstigen Kleinigkeiten dürfte einige Hunderttausend Baht gekostet haben.
Dabei hatten lebende Mumien wie ich, eindeutig das Nachsehen. Das Theater ist nicht vorbei.
Anstatt sich mit kalten, frühmorgens eingesammelten Nahrungsmitteln zu begnügen, lud sich der Abt zum frisch zubereiteten Mittagessen bei seinem ehemaligen Mönch ein.
Die Safrangewandeten kriegten in den letzten Wochen mehr warme Mahlzeiten als ich. Aus reiner Notwehr griff ich zu Kochtöpfen.

Vielbeschäftigte Mönche segnen Häuser, Banken, Einkaufszentren, Neugeborene, Schüler, Verstorbene, Fahrzeuge, Flugzeuge, Panzer, Schiffe und Kanonen. Da ist jeweils ein opulentes Mahl verbunden mit grosszügiger Geldspende vor Mittag inbegriffen.
Während die geistlichen Herren nach der Ausübung ihrer heiligen Riten tafeln, wartet das gewöhnliche Publikum, um sich anschliessend gierig auf reichlich Reste zu stürzen.

“Weck mich bitte um sechs“, sagte Dick am Sonntagabend: “Ich muss früh auf den Markt.“  Während Wochen wurden Einkäufe fürs Haus vergessen und vernachlässigt. Aber für Hochwürden mit Anhang ist ausgiebig Zeit, Musse und Geld vorhanden. Da gelten für verwirrte Farang plötzlich neue, unbekannte Massstäbe.

Fünfzehn fettleibige Schwätzer(innen) meldeten sich nach eingehender Befragung als Mitesser an, als sie den einstigen Mönch beim erneuten Frühjahrsputz innerhalb von zwei Wochen beobachteten. So sorgt tiefer Glaube für intensive Reinlichkeit, hochgradige Hygiene und überflüssige Kalorien.

Im Land des ohne Socken Lächelns stehen über dreissig Tausend Tempel. Dreihunderttausend Mönche beten darin. Die für Touristen attraktivsten Wat wurden durch zahlungskräftige Monarchen errichtet. Zahlreiche Bauten entstanden durch Spenden der Bevölkerung. Es gab und gibt immer wieder Personen, welche in kürzester Zeit immense materielle Werte anhäuften. Wenn plötzlich die selbsterschaffene Glitzerwelt durch Leid, Krankheiten und unvermeidlichen Tod getrübt wurde, flossen und fliessen riesige Summen für Tempelerweiterungen oder Neubauten. Irgendwo im Kleinhirn versteckt lauert das Wort Karma!

In der Umgebung zerfallen leider ältere, durchaus sehenswerte Anlagen mit erlesenem Handwerk lokaler Künstler. Dagegen schiessen neue Wat industrieller Fertigung, wie in Europa einst Banken und Tankstellen, wie Pilze aus dem Boden. Niemand kann sich erlauben, gegen (profane) sakrale Bauten Einspruch zu erheben. Das Kasikorn Research Center ermittelte, dass allein in der Mönch-Versorgungs Branche pro Jahr ungefähr 10 Milliarden Baht umgesetzt werden.

Die Firmenpolitik entzieht sich diesen Einflüssen nicht. Es gibt keine Einkaufszentren und Fabriken ohne Geisterhäuser. Ein Teil des Profits tröpfelt in die Tempel. In meiner Sammlung fehlen nur noch Bilder christlicher Kirchen oder Moscheen mit gepflegten Geisterhäusern.

Der Lebensstandard Angestellter staatlicher Betriebe im Dorf übertrifft deren Lohnsummen bei weitem. Die Direktoren solcher Unternehmen scheffeln ganz nebenbei Millionen. Um günstiges, leicht zerbrechliches Karma zu fördern und zu schmieren, fliessen gewaltige Summen der Vorgesetzten und der Belegschaften in die Tempel.
Kein distinguierter Herr Direktor würde einem ehrwürdigen Abt einen Scheck zustellen lassen. Spenden will zelebriert sein. Diskretion und Bescheidenheit wären Todsünden.

Geldstaude

Geldstaude

Spezialisten verwandeln Bananenstauden in Geldbäume. Eine präparierte Staude könnte locker eine Million tragen. Aber es ist eindrücklicher, mehrere Geldbäume in langen Prozessionen zu den Tempeln zu bewegen.
Eine Brigade kräftiger Schlagzeuger sorgt mit durchdringendem Lärm für Aufmerksamkeit. Auf Schwerhörige wirken Fahnen, Banner und buntgekleidete Tänzerinnen. Ausserhalb der Wahlkämpfe sind Laster mit Lausprecherwänden und Popmusik preiswert. Sie provozieren, selbst in krankhaft wirkenden Fetthaufen unter den Zusehern, rhythmisches Muskelzucken. Danach folgen auffällig dekorierte Kleinlaster mit den Geldbäumen.
Dahinter fahren all die Angestellten samt Familien in sauber gewaschenen, auf Hochglanz polierten Fahrzeugen. Verschämt versteckt surrt eine Luxuskarosse. Neben einer unter schwerem Goldschmuck unsäglich leidenden Schönheit, sitzt selbstbewusst der erfolgreiche Buchhalter des Unternehmens am Steuer. Karma. Ich war dabei, mit gebügeltem Anzug, Krawatte und leerem Geldbeutel.

Gebeutelt
Low

http://de.wikipedia.org/wiki/Stickoxide

Mond – S c h e i n – Romanze

26. März 2013

Fahl und bleich stand die Sonne um die Mittagszeit im Zenit am grau braunen Himmel. Am frühen Morgen vermochten die Strahlen nur schlecht die Dreckluft in und um Chiang Mai zu durchringen.
Gestern abend leuchtete ein fast runder Mond in Rot- und Brauntönen. Sterne waren keine zu erkennen. Einen Abend später vermissten wir händchenhaltend erneut die Sterne. Der Mond erinnerte an eine braune Vergangenheit  Ein Korrektor interpretierte meine Aussage, die Gedanken sind frei: „Die braune Vergangenheit empfinde ich etwas zu bemüht.“
Woran behakenkreuzigte er sich?
Unbekümmert sah ich im dritten Auge, von Windeln entblätterte, vollmondförmige – – – verschmutzte Babyhintern. Rein theoretisch könnte man die Schichten eintrocknen lassen, um sie dann mit einem Haartrockner, für dickeres Geröll empfehle ich eher einen Laubbläser, (1) als Staub wegzublasen. In diesem Sinne haben wir alle, die Heiligen inbegriffen, eine schmutzige Vergangenheit. Hirnlose, teils uniformierte Herrenmenschen, sind immer noch ein globales Problem – auch in Asien.

Der Feinstaubanteil in der Luft ist beängstigend und bedrückt die Atmung.
Werte von 200 ug/Kubikmeter sind üblich. In Mae Hong Son wurde das Doppelte an Dreck gemessen! Aber die sortenreinen Einheimischen lassen sich nicht beirren. Sie feuern Tag und Nacht munter weiter. Sie sind überzeugt davon; die schlechte Luft kommt nur von ungebildeten Nachbarn aus Burma und Laos. Die feuern natürlich auch, wie man anhand der eindrücklichen NASA Karten beweisen kann. (2)  Jeder Brand ist einer zuviel.

Wir waren am frühen Morgen eine Stunde weg. Als wir zurückkehrten roch es im Haus wie in einer Müllhalde mit mottendem, glimmendem Schwelbrand. Als fast Nichtraucher blieb mir nur eines übrig: Zur Luftverbesserung eine Zigarette anzuzünden!
Schwelbrand: Durch Pyrolyse  entstehen brennbare Gase und Dämpfe sowie un- oder teilverbrannte Folgeprodukte. Viele von ihnen sind giftig oder krebserregend. Als bekanntes,  berüchtigtes Brandfolgeprodukt des Kohlenstoffes entsteht giftiges, brennbares Kohlenstoffmonoxyd, CO. Bei vollständiger Verbrennung mit ausreichendem Sauerstoff würde Kohlendioxyd, CO2 entstehen, welches zwar erstickend wirkt, jedoch nicht so toxisch wie CO und zudem unbrennbar ist. Einem Toten könnte es eigentlich egal sein, ob er erstickte oder vergiftet wurde!MauMoh1

Dreckschleuder: Lignit Kraftwerk in Mae Moh, Lampang

Die Zukunft sieht noch trostloser aus. Der Feinstaub könnte zusätzlich durch radioaktives Caesium, Strontium und weitere wissenschaftlich interessante strahlende Zerfallsprodukte ergänzt werden. Der nationale Elektrizitätserzeuger plant, in den nächsten Jahren Atomenergie in Mai Pen Rai Technologie zur Stromerzeugung zu nutzen.

Während der weltweiten oberirdischen Kernwaffenversuche von 1954 bis 1966 wurde auf dem Boden der alten Bundesländer 2500 Bequerel pro Quadratmeter für 90Strontium gemessen. Für 137Cäsium waren es 4000 Becquerel pro Quadratmeter. Ein Großteil der Ablagerungen tickt heute noch. Als neue Lieferanten von zusätzlichem Fallout erlebten wir Tschernobyl:
In Neuherberg bei München maß die Gesellschaft für Strahlenforschung am 26. April 1986 19’000 Becquerel pro Quadratmeter für 137Cäsium, fast fünfmal so viel wie durch die Kernwaffentests. Pro Quadratmeter lagerten sich 210 Becquerel 90 Strontium ab. 90Sr ist ein Betastrahler und zerfällt mit einer Halbwertzeit von 28,78 Jahren.
Fukushima: Trotz Riesenmengen von Publikationen waren genaue und vergleichbare Zahlen nicht zu finden.
Eigene, gut gewartete Reaktoren abzuschalten – und gleichzeitig preisgünstigen Strom aus Risikoanlagen zu importieren bringt wenig, weil radioaktive Verschmutzung grenzenlos ist!

(1) http://www.echo-motorgeraete.de/produkte/laubblaeser/
(2) http://firms.modaps.eosdis.nasa.gov/firemap/

Koordinaten für Nordthailand:
http://firms.modaps.eosdis.nasa.gov/firemap/?x=99.75937499999998&y=18.590625000000003&z=7&g=g&v=2&r=0&i=er&l=ad,ct&s=2013-03-26&e=2013-03-27
Am 30. 3. 2013 wurden insgesamt 15900 Punkte registriert. Das könnten natürlich auch Teenies und Bar-Girls in heissen Höschen auf Bergwanderungen gewesen sein.
Am 1. April waren es (ohne die Wanderer) nur noch knapp 800.