Gewürznelken, Muskatnuss, Pfeffer, Zimt und andere Kostbarkeiten

Heute jammern gesunde, kräftige, junge Menschen im Internet über die Strapazen, denen sie auf dem langen Weg nach Südostasien ausgesetzt waren. Sie scheinen ahnungslos zu sein, wie unsere Vorfahren diese Länder bereisten. Sie dagegen sitzen in komfortablen Flugmaschinen und werden mit Speisen und Getränken verwöhnt. Sogar elektronische Unterhaltungsmöglichkeiten sind in jedem Sitz eingebaut. Aber sie fühlen sich als privilegierte Entdecker.

Ein grosser Schritt auf dem weiten Weg nach Asien war die Entdeckung des Kaps der guten Hoffnung im Süden Afrikas im Jahre 1488 – durch den Portugiesen Bartolomeu Diaz! Dieses Wissen um den Seeweg nach Asien blieb für einige Jahrzehnte portugiesischen Seefahrern vorbehalten.
Wie klein und eng diese Segelschiffe waren und den Einfluss auf die Denkweise der Reisenden, bezeugt eindrücklich die Porta de Santiago der portugiesische Festungsanlage A Famosa von 1511 auf Melaka. Santiago
Die niederländischen Kartographen zeichneten die besten Seekarten der damaligen Welt. Ein holländischer Spion beim portugiesischen Bischof von Goa, Indien, kopierte Karten. Sie ermöglichten den Holländern, die Portugiesen zu überholen. 1641 eroberten die Holländer das portugiesische Melaka.

Basierend auf Anregungen von Jan Huygen van Linschoten, brach 1595 eine erste niederländische Flotte unter Führung von Cornelis de Houtman nach Asien auf. In vier Schiffe der Flotte wurden 290.000 Gulden investiert. Allein 100.000 Gulden waren zum Ankauf von Gewürzen in Ostindien bestimmt. Die Schiffe, die erst 1597 wieder ihren Heimathafen erreichten, hatte das ursprüngliche Zielgebiet, die Molukken, nicht erreicht. Dennoch bewirkte deren erfolgreiche Rückkehr, dass 1598 fünf Expeditionen verschiedener Ostindischer Kompanien von unterschiedlichen niederländischen Hafenstädten ins Pfefferland ausliefen. Bereits 1599 erreichte eine Expedition die weiter östlich liegenden Molukken. Teile einer Flotte segelten erfolgreich zu den Banda-Inseln und nach Sulawesi.

In knapp 200 Jahren, in denen die holländische „Vereenigde Oostindische Compagnie“ existierte, segelten nach Schätzungen knapp eine Million Menschen in ihren Diensten nach Asien! Von diesen Angestellten kehrte nach Berechnungen von Historikern bloss etwa jeder Dritte zurück. Manche starben während der achtmonatigen Seereise nach Batavia, heute Jakarta, an Skorbut. Während des Aufenthalts in Südostasien drohten tropischen Krankheiten. Die hygienischen Bedingungen auf den Schiffen waren katastrophal. Auf den ungefähr fünfzig Meter langen Schiffen waren 250 Männer zusammengepfercht. Die Soldaten durften bei gutem Wetter zwei Mal täglich für eine halbe Stunde auf das Oberdeck, um frische Luft zu schnappen. Während dessen pflegten sie ihre vom Rost befallene Ausrüstung.

Die Erträge lassen sich sehen. Der Handelswert der nach Europa eingeführten Waren betrug bis 1700 577 Millionen Gulden und im zweiten Jahrhundert, bis 1795, 1,6 Milliarden Gulden. Der Wert berechnet nach dem heutigen Goldpreis eines Gulden, 4g = 194 EURO, betrug also 423 Milliarden EURO.

Wenn sie eine Prise Pfeffer auf ihre Pizza streuen, oder wenn sie sogar vor den Resten portugiesischer oder holländischer Kolonisationsversuche in Melaka stehen, verschwenden sie einen Augenblick lang ihre Gedanken im Gedenken an die heldenhaften Abenteurer und Opfer früher christlicher Seefahrt. Wegweiser 2
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Huygen_van_Linschoten
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Niederl%C3%A4ndische_Ostindien-Kompanie

Südliche Aufenthalte

Die Entscheidung, im warmen Süden zu bleiben, war richtig. Das Winterwetter in Chiang Mai ist gegenwärtig weniger grimmig als letztes Jahr. Für intensive Beschwerden hätte es allerdings mehr als gereicht. Mit Grausen erinnere ich mich an den vergangenen Januar.
Meine Erholungsphase der Gelenke ist noch nicht beendet. Der mehrmals aufgerissene Hintern schmerzt beim Sitzen immer noch.

Wir lernten neue, sehenswerte Landschaften und andere Menschen und Bräuche kennen. Die Lebensmittel sind nicht nur wesentlich preisgünstiger, aber entscheidend – von besserer Qualität. Die Hühner sind nicht die uns bekannten, mageren, zudem zähen, oft von Reifen flach gewalzten, LanNa Dorfstrassenscharrer. Die Hähne des Nordens krähen nicht wegen der Fleischeslust. Es ist der Schmerz, den ihnen die spindeldürren Hennen mit ihren teils unbefiederten Hintern zufügen. Wäre ich ein Hahn, würde ich die wohlgenährten, breitarschigen, lüstern gackernden Eierproduzentinnen des Südens bevorzugen. Objekt1
An einer Entenbrust für vierzig Baht schlemmten wir über die Neujahrs-Tage. Zum Glück marinierten wir nicht das gesamte Fleisch. Das südthailändische Pa-Lo Pulver, die fünf Gewürze Version, enthielt unverschämte fünfundsechzig Prozent Zucker, anders als chinesische oder vietnamesische Mischungen.
Verdauungsbeschwerden nach dem Verzehr von Gemüse wie Gurken und Peperoni hatte ich hier nie. Croissants mögen wir nicht. In Satun sind sie ölig und kräftig gezuckert. Einheimische schmieren zum Ausgleich gesalzene Butter und – wenn möglich süsse Marmelade, darauf.
Fische und Garnelen kommen nicht aus überfüllten Zuchtbecken mit reichlich Chemie und Antibiotika, sondern frisch aus der Andamanensee, Lieferung frei Haus zum halben Preis oder noch günstiger. An Weihnachten gab es einen kleinst Crevetten-Cocktail. Klein deshalb, weil zwei Monster-Garnelen vollkommen genügten.
Beim Bier übten wir Zurückhaltung. Das Beer Lao heisst hier schlicht Leo und stammt nicht aus Laos. Dafür können wir preisgünstigen Wein von Herrn Penfolds kaufen. In Chiang Mai hätte diese Qualität Negativbudgets verursacht. Bei den Büchsen-Sardinen hätten wir zwangsweise auf Öl und Brot verzichten müssen.Objekt2
Die kopftuchtragenden Kassiererinnen fassen, anders als ihre Kolleginnen in Malaysia, verpacktes Schweinefleisch an. Zur verdienten Stärkung genehmigen sie sich zwischendurch einen Hot-Dog.
In Melaka durften wir unsere ‘Nicht-Halal Einkäufe‘ selber scannen. In Johor Bahru erledigten in den einschlägigen Geschäften Chinesinnen das grausame Handwerk des Umgangs mit verbotenen Genussmitteln. Objekt3
Die Nachbarn der Siedlung leben, nach ersten Eindrücken, in gesunden finanziellen Verhältnissen. Dem entsprechend leistungsfähig sind ihre Karaoke Maschinen.
Unsere Milchlieferantin, kein Tante Emma Laden, wollte mit ihrem hart arbeitenden Gemahl Weihnachten in Süd-Korea verbringen. Ihre Familie beliefert Satun, Hat Yai und Langkawi mit frischem Kuhsaft.
Die Idee, sich vor Reiseantritt über Kleinigkeiten wie Währung, das Essen, ideale Kleidung und das Klima zu informieren, hatten die guten Leute nicht. Als sie den Flughafen im Traumland verliessen, traf sie ein Kälteschock, mit dem sie nie gerechnet hatten. Sie waren ja in Süd-Korea. Ihre Kleidung war geeignet für Süd-Thailand. In Satun werden weder gefütterte Stiefel, Wollpullover noch Pelzmäntel angeboten. Die Frau erkrankte schwer. Sie konnte kaum atmen. Nach zwei Tagen, vielleicht waren es zwei Nächte, trat das unterkühlte Paar die Rückreise nach Bangkok an. Die Leute hätten sich Erkältungen in Chiang Mai, auf Doi Inthanon, preisgünstiger einhandeln können.

Abbildungen: Nicht gewählte Mietobjekte

Abschied von Langkawi

Als bösartig bis verleumderisch, könnten meine Zeilen über den Hadschi ibn Haschi in ‘Lankawi intim‘ interpretiert werden. Ich beobachtete fortan Reisende, Einzelpersonen, Paare, Familien und Gruppen ganz genau. Die meisten Gäste reisen ohne Harem.
Der Hadschi selbst war vermutlich mit Familie unterwegs. Die Damen könnten seine Frau, die Mutter, die Schwiegermutter und eine Tante, welche wenige Tage zuvor ihren geschätzten, frommen Ehemann verlor, gewesen sein. Bei all dem dunklen Tuch, es wirkte auf mich wie schwarze Löcher im grenzenlosen All, wissenschaftlich auf quantenmechanischen Grundlagen beschrieben durch den bekannten Astrophysiker S. Hawking, verlor ich meinen Durchblick. (1)
Vom hartem Schicksal plus ebensolchem Stuhlgang gepeinigt, reagierte ich zusätzlich frustriert über eine möglicherweise glückliche Familienidylle, weil ich seit dem 27. August heimatlos bin. Meine Suche nach einem Häuschen mit etwas Umschwung, Blick aufs Meer mit zwei bis drei Inseln, im Hintergrund schimmert das Matterhorn, am benachbarten Grundstück zerfällt der Marmor eines griechischen Tempels, war leider bisher erfolglos.

In jämmerlichen Hotelzimmern lebend, kaute ich fremdes Brot, meist in der Form von Reis, Nasi genannt. Die lokale Zauberformel heisst Nasi Goreng Kampung. Von einer einzigen, üblicherweise reichlichen Portion des gebratenen Reises mit Gemüse, exotischen Gewürzen, Ei, Huhn – das ist Ayam – und Meeresfrüchten könnten wir in Kuah mehrere Tage überleben.

In der Schweiz übernachtete ich in fünf Beherbergungsbetrieben. Meine Weinbauernfamilie in Leuk scheffelten, während unseren entbehrungsreichen Exkursionen im Dschungel, verdiente Auszeichnungen für ihre hingebungsvolle Arbeit. (2)
In Johor Bahru wechselten wir die Unterkunft zwei Mal. In Melaka waren es fünf Umzüge und in Langkawi sind wir zurzeit im achten Hotel. Die ideale Herberge fanden wir, trotz zwanzig wechseln in fünfundsechzig Tagen, noch nicht.
Für den Sonntag planen wir einen vorgezogenen Visarun nach Satun. Die Schifffahrt von Kuah nach Satun dauert, gutes Wetter vorausgesetzt, bloss fünfundsiebzig Minuten. (3)

Eher Affäre als Fähre

Eher Affäre als Fähre

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking
(2) http://www.grandprixduvinsuisse.ch/img/gpvs_gewinner_2014/large/gamay.jpg
(3) http://Langkawi-Ferry.com

Alte und neue Mauern in Malaka

In den vergangenen Jahren klickte ich fasziniert die spärlichen Reste des alten Malaka an ausgetrampelten Touristenpfaden. Diesmal richtete ich meine Blicke auf neuere Bausünden. (Weitere Abbildungen:
https://hinterindien.com/2014/09/28/einige-unterschiede-zwischen-phonphat-und-malaka/) hatten1 Gezielter Abbruch längst vergessener Geschichten.Rosario1 Ich stöberte noch einige letzte, nicht zweckentfremdete Bruchstücke, der Ruine der Capela Ermida de Rosario auf. Sie wurde um 1700 erbaut und ersetzte eine Saint Lorenzo, Sankt Lawrence Kapelle, welche die Portugiesen im 16. Jahrhundert ausserhalb des Forts, Fortaleza de Malacca, errichteten. text Der Zerfall der Kapelle begann, als einige hundert Meter entfernt die Kirche St. Peter 1710 eingeweiht wurde. Dieser alte Andachtsort wird von zahlreichen Gläubigen für Gottesdienste aufgesucht.St.Peter1
StPeter Während meiner Anwesenheit dienten die Überreste der Capela Ermida de Rosario respektlos zum Trocknen der Bodenbeläge einer benachbarten Kneipe Rosario Ein letzter Hauch gepflegter Nostalgie in derselben Gegend. Gegenwärtige Vergangenheit

Kranke Bankautomaten

Kleider, Taschen, Schuhe. Dick inspizierte internationale Geschäfte in Malaka. Vor langer Zeit fand man diese edlen Boutiquen nur in Barcelona, Mailand, Paris und New York. Unter dem Stichwort Globalisierung wird hochgejubelter Plunder überall angeboten.

Säule Ich interessierte mich mehr für Geldbeschaffungsautomaten. Sie sind nur mit Vorsicht zu benutzen. Gerissene Gauner versahen die Geräte, wie in Thailand, mit Lesern an Tastaturen und Karteneingaben, um anschliessend Konten leichtfertiger, nichtsahnender Kunden zu plündern. Das machen weltweit Edelboutiquen wesentlich subtiler.
Thailands neuer Premierminister, General Prayuth Chan-ocha, empfahl seinen hoch verschuldeten Landsleuten am Fernsehen: „53,8 Prozent der Thais sind bei Banken verschuldet. Sie können das Problem lösen, indem sie nicht zum Shopping gehen.“

In einer abgelegenen Ecke standen drei Geräte verschiedener Banken. Gelegentlich kamen unbehaglich üble Typen vorbei, denen ich weder Kredite, noch Konten gewährt hätte. Sie hantierten lässig nach Noten. Sie kitzelten körperbetont den letzten Ringgit aus den Blechmaschinen. (1)

Dann beobachtete ich Merkwürdiges. Banken entsenden üblicherweise zwei uniformierte Fachleute zur Wartung oder zum Auffüllen der Geräte. Am hintersten Gerät machte sich ein einzelner Mann, ein Zivilist, an die Arbeit. Er bewegte den Innenteil des Gerätes aus dem Blechkasten und fingerte daran herum. Was er genau machte, konnte ich aus der Ferne nicht erkennen. Für ein Foto mit dem Teleobjektiv aus der Hand war es zu dunkel. Für eine Nahaufnahme mit Blitz fehlte mir der Mut oder der Long Island Tee.

Zehn Tage darauf las ich die Morgenblätter. Aus achtzehn Geldautomaten beschafften sich listige Kriminelle zwischen Kuala Lumpur und der weiteren Umgebung über drei Millionen Ringgit. Ihr Vorgehen war äusserst raffiniert.
Mit den Programmen Backdoor.Plotus und Backdoor.Padpin manipulierten die ausgebildeten Spezialisten ältere ATM-Geräte. (2) Darin waren teilweise noch Leser für optische Speicher, CD ROM, installiert. Mit dem Trojaner ulssm.exe setzten die Schurken die Logik schachmatt und plünderten anschliessend unbehelligt Geldvorräte der Banken. Dann verstopften die dreisten Diebe die Kartenleseöffnungen mit Papier oder Zigarettenkippen, um weiteren Anwärtern den Zugang zu Bargeld zu blockieren.
Das Programm Backdoor.Plotus ermöglicht den Bezug von Geldscheinen sogar über mobile Telefone. Gleichzeitig schaltet es lokale Netzwerke aus und verhindert damit die Alarmierung der Zentralen.
Handwerk hat goldenen Boden!

Quellen:
Nicholas Cheng, http://www.thestar.com.my 1. Okt. 2014
Presenna Nambiar, newsdesk@thesundaily.com 1. Okt. 2014

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Ringgit
(2) http://www.symantec.com/security_response/writeup.jsp?docid=2013-101123-2819-99

Bullshit-Index :0.11
Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.
(l) http://www.blablameter.de/index.php

Einige Unterschiede zwischen PhonPhat und Malaka

Die Distanz PhonPhat – Malaka entspricht etwa der von Bern nach Stockholm. In Nordthailand sind kühle Winternächte um 10 °C (November, Dezember, Januar) mit extrem heissem April und Mai bei Temperaturen über 40 Grad Celsius, üblich. In Malaka liegt im Jahresdurchschnitt die Temperatur bei 26.7 °C. Die Schwankungen sind im Bereich von 20 bis 30 °C, mit durchschnittlichen Regenmengen von 2878 mm innerhalb eines Jahres. Die Niederschlagsmenge in Chiang Mai beträgt zirka die Hälfte.

Mit den Jahren war ich im Dorf an den Reisfeldern kein Fremder mehr. Bis auf die letzten Monate, wo ich gesundheitshalber ans Haus gefesselt war, nahm ich regen Anteil am Dorfleben. Ich kannte die Menschen und ihre Tugenden. Sie lieferten fast täglich Stoff für unglaubliche Geschichten.

Das historische Malaka kenne ich seit etwa vierzig Jahren. Damals lebte ich im Gouvernment Rest House. (1) Es wurde vor hundert Jahren errichtet. An Stelle des schlichten Gebäudes im Kolonialstil, mit Deckenventilatoren und Malariaschutznetzen über den Betten, steht nun das Hotel Equatorial mit einundzwanzig Stockwerken.
Etwa dreihundert Meter entfernt plätscherten die Wellen der Malaka-Strasse an den Strand. Abends wurden dort Imbissbuden aufgestellt. Der Duft köstlicher Krabben bleibt in Erinnerung. Es waren grosse Krustentiere mit breiten Panzern, Stielaugen und fünf Beinpaaren. Das erste Paar wurde zu Zangen umgeformt. Meine einstigen Freunde, wir genossen zusammen das Essen im abendlich angenehmen Wind, leben nicht mehr.

Wie in Singapur wurde die See an die fünfhundert Meter zurück gedrängt. Auf diesem Gelände stehen nun das Einkaufszentrum Mahkota Parade, das Hatten Hotel und die Geschäfte des Dataran Pahlawan. Ganze Quartiere wurden in den letzten zehn Jahren auf diesem Land gebaut. Dem Meer wurde danach zusätzlich ein weiterer Kilometer Land abgetrotzt. Landmalaka
Als Hotelgast fehlt mir die Nähe zur Bevölkerung. Die tiefen Einblicke in den Alltag wie in PhonPhat gibt es noch nicht. Ich erlebe die Stadt oberflächlich, wie ein durchschnittlicher Tourist und benötige keine Reiseführer. Aber ausser in Speiselokalen fehlt doch das Salz in den Suppen der Gerüchteküchen.

Am Holiday Inn Hotel gab es für betuchte Yachtbesitzer eine lange Bootsanlegestelle, genannt Jetty. Sie führte etwa dreihundert Meter hinaus ins tiefere Wasser. Von der Jetty aus liessen sich im seichten Wasser Schlammspringer beobachten. Schlammspringer sind eine amphibisch lebende Gattung von Fischen aus der Familie der Gobionellidae. Diese Fische halten sich gerne im Brackwasser und an Land auf. Sie nutzen ihre Brustflossen als Beine. Wie Chamäleons, können sie jedes Auge einzeln drehen.
Die Jetty-Erbauer liessen sich von den Stadtvätern und ihren Plänen überraschen. Die Regierung lässt weiterhin Land aufschütten. Die Jetty liegt jetzt in einer Sandwüste und dient als Karaokehalle. Es hallt von ferne und stört nicht wie in PhonPhat, wo durch die Bässe gepanschter Wein sauer wurde.
Potentielle Sängerinnen und Sänger werden nicht mit Motor-Booten, sondern mit Elektromobilen zu ihren Auftritten gefahren, damit ihre oft bescheidenen Luftvorräte nicht bei langen Fussmärschen verpuffen.

(1) http://cdm15466.contentdm.oclc.org/cdm/ref/collection/p15466coll5/id/184
Neue Quartere Neue Quartiere
Jetty1 Jetty
Jetty Sand Jetty in den Sand gesetzt

Ältere Beiträge:
(l) https://hinterindien.com/2013/08/24/geisterspuren-in-melaka/
(l) https://hinterindien.com/2012/10/07/melaka-malaysia/
(l) https://hinterindien.com/2013/09/18/die-briten-in-hinterindien-malaca/
(l) https://hinterindien.com/2013/08/27/mondkuchen-und-hungrige-geister/

Die Briten in Hinterindien – Sincapur

Fortsetzung aus:

Neue
Allgemeine Geographische
und Statistische
EPHEMERIDEN
Redigirt
von
dem Prof. Dr. G. Hassel
Weimar, im Verlage des Landes- Industrie Comptoirs
XXII. Bandes drittes Stück 1827

6) Die Insel Sincapur oder Sincapore, die letztere der Britischen Besitzungen in Hinterindien. Ein Eiland, das am äussersten Ende der Halbinsel Malaca in der sogenannten Meerenge von Sincapur liegt, durch welche die Schiffe segeln, welche in die Schinesischen Meere gehen oder von da zurückkehren. Als nach dem Frieden von 1814 die Holländer in ihre alten östlichen Besitzungen wieder eingesetzt wurden, befürchtete die Englisch-Ostindische Regierung, dass jene in diesen Gewässern ein zu grosses Uebergewicht erlangen und den ganzen Handel der Hinterindischen Halbinsel an sich ziehen möchten, sie wünschte daher eine bessere Station in der Strasse von Malaca, die näher am Wege nach Schina liegen möchte, als das entfernte Prince Wales. Sir Thomas Stamford Raffles schlug dazu das kleine Sincapur vor, das ihm dazu am gelegensten schien; es war unbesetzt, hatte kaum 200 Einwohner, aber einen vortrefflichen Haven. 1818 nahm ein Bengalisches Geschwader das Eiland in Besitz und seitdem ist daselbst eine blühende Stadt entstanden, die jetzt schon in der Handelswelt eine grosse Rolle spielt.Sing72
Das Eiland Sincapur ist etwa 4 ¼ Q.M. gross und wird von einem breiten Meeresarme eingeschnitten, der bei seiner Einmündung etwa 300 Fuss breit seyn mag. Dieser Meeresarm hat regelmässige Ebbe und Fluth, und trägt Schiffe von 250 Tonnen. Die Oberfläche der Insel selbst wechselt mit Hügeln und Thälern, der Boden ist fruchtbar, und schon sieht man überall Pflanzungen von Pfeffer, Ingwer, Gewürzen, Reis, Zucker und andern Indischen Producten: Holz ist im Ueberflusse vorhanden, das Wassser aus Quellen und Bächen vortrefflich, das Clima gesund und die Cholera morbus, die 1820 und 1821 Indien verheerte, hatte sich hier nur einige Tage gezeigt. 1824 hatte das Eiland bereits 14‘366 Einw., wovon in der Stadt 11‘851 lebten, nämlich 84 Europäer, 132 eingeborne Christen, 9 Armenier, 10 Araber, 690 Decaner, 226 Hinduer, 5‘180 Malaien, 1‘701 Buggisen, 88 Javanesen und 3‘828 Schinesen, worunter aber nur 3‘231 Weibspersonen waren, und diess nachtheilige Verhältnis des weibl, Geschlechts gegen das männl., ist bis jetzt eine der grössten Unbequemlichkeiten der Colonie, woran sie leidet und die sich erst in der Folge ausgleichen kann. Jetzt soll die Volksmenge schon über 30‘000 Menschen angewachsen seyn. Was sie zusammentreibt, ist der Handel. Die Stadt liegt an dem Meeresarme, der in die Insel eindringt und den schönsten, sichersten Haven bildet: sie hatte 1824 bereits 911 Häuser, deren Werth man auf 1‘013‘314 Gulden berechnete. Handel und Schiffahrt waren in stetem Zunehmen: 1823 belief sich die Zahl der zu dem Haven gehörigen Schiffe auf 1‘552 Tonnen: 31 Schiffe segelten nach Westindien, 59 nach Schina, 14 nach Mañila, 6 nach Anam, 6 nach Siam, wogegen 44 Siamische und 15 Schinesische Junken den Haven besuchten.
Der Werth der Ausfuhr betrug 1824 13‘009‘202, der Einfuhr 13‘829‘072 Gulden. Die vornehmsten Geschäfte wurden in Benzoe, Kaffee, Pfeffer, Reis, Zucker, Zinn, Gewürzen, Europ. Waaren und Schildpatt gemacht: 1823 brachten die Schinesen 609 Kisten Seide, 2‘257 Ballen Nankin und 1‘250 Pikuls Kampher. – Aber dieser Platz ist nicht allein für die Briten als Stapelplatz des Hinterindischen Handels und weil er die Strasse von Sincapur beherrscht, wichtig, sondern auch weil er zum Ruheplatze und der Hauptstation ihrer Schiffe in die Schinesischen Meere, die nun nicht mehr in die Häven von Java einzulaufen brauchen, dient, und dazu herrlich gelegen ist.

(S) http://wp.me/p2ljyL-159 Hinterindien: Wachstum in Singapur
(S) http://de.wikipedia.org/wiki/Singapur
(S) http://www.yoursingapore.com/content/traveller/en/experience.html
(S) http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Stamford_Raffles
Eine gediegene Dokumentation über Briten in Hinterindien entdeckte ich in:
(L) http://entdeckeengland.com/2013/08/29/31-august-hari-merdeka-malaysias-unabhangigkeitstag/