Mondkuchen und hungrige Geister

Mondkuchen sind Spezialitäten der chinesischen Küche. Die Füllungen sind salzig oder süß. Traditionell werden die Kuchen zum Mondfest im Herbst gegessen. Im Hotel in Melaka dauert der Herbst vom 19. August bis am 19. September. Typische Mondkuchen sind rund, bräunlich und mit Stukkaturen verziert. Sie weisen Durchmesser von ungefähr zehn Zentimetern auf und sind etwa fünf Zentimeter hoch. Die kleinen Dinger sind als gut getarnte Kalorienbomben äusserst sättigend.
Ich sah verschiedenste Arten. Der letzte Trend war Schwarzwald, einer Füllung mit einer in einem schwarzen Loch nach Stephen Hawking (1) verdichteten Schwarzwälder Torte nachempfunden.
Zwischen Melaka und Singapur gibt es über dreissig Sorten. Als Testesser bin ich ungeeignet. Nach einem halben Kuchen, benötigen die Verdauungsorgane mindestens einen Tag Pause.

Vor wenigen Jahren wurden im siebenten Mond Monat keine Mondkuchen verkauft, denn das ist die Zeit der hungrigen Geister. Der Trend in den Geschäften lag eher bei brennbaren Gütern wie Papiergeld, aus Papier bestehenden Schuhen, Kleidern, Häusern, Betten, Autos, Dienstboten und Leibwächtern. Neuerdings gibt es papierene Smartphones. Führend ist auch für die Hölle das iPad.
Der ganze Kram wird vor den Häusern der Verstorbenen verbrannt, wie ich aus Melaka berichtete. Komischerweise konnte sich die papierene Kreditkarte nicht durchsetzen.
Da blieb man beim üblichen Papiergeld. Es gibt beim Verbrennen rein optisch mehr her, als ein lausiges Kreditkärtchen.
Die alten Bräuche gelten ebenfalls bei den chinesischen Taoisten in Johor Bahru.
Da entdeckte ich Joss Sticks, Weihrauchstäbchen, die das Herz eines jeden hungrigen Geistes schneller schlagen lassen!Joss sticks

Heutzutage findet man in den Geschäften gleichzeitig Mondkuchen und Artikel für die hungrigen Geister. Irgendjemand freut sich immer, sofern reichlich Kassen lieblich klingeln.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking
http://german.china.org.cn/china/2013-08/30/content_29875560.htm

Geisterspuren in Melaka

Am Samstag, den 17. August, lockten uns am späteren Abend Trommel- und Paukenschläge auf den Balkon. Mitten durch das dichte Verkehrsgetümmel schlängelte sich ein Umzug, eine Prozession mit beleuchteten Wagen, Laternen, Kerzen, elektrischem Licht und Feuerwerk.
Dazwischen quetschten sich Gruppen von Männern, welche rhythmisch, beinahe fanatisch, Schlaginstrumente in allen Grössen und Formen bearbeiteten. Aus einem kleinen Tempel in der Nachbarschaft drangen tiefe, vibrierende Gongschläge in den tropisch feuchten Nachthimmel.Tempel Bald frass der übliche Verkehrslärm die kleine exotische Nachtmusik auf. Von irgendwo und überall knallte plötzlich Feuerwerk.
Am 21. August suchten wir an der Jalan Bunga Raya eine alte chinesische Apotheke, um Muskatnussöl und ähnliche Heilmittel zu kaufen. Apotheke Später überquerten wir den Fluss, verzehrten im Chinesen-Viertel Nudeln, begleitet von einigen Schlücken Guinness Stout. LaternenDanach kehrten wir am Spätnachmittag gemächlich zum Hotel zurück.
Erstaunlicherweise brannten viele Kerzen auf den Strassen vor den Häusern. Strenge Winde drohten die Lichter erbarmungslos auszublasen. Männer brachten bündelweise Geldscheine, sogenanntes Geistergeld (Hellmoney) und verbrannten es. Kleine Altäre mit reichlich Opfergaben, Reis, Nudeln, Früchten, Weihrauch, Kerzen und Schnaps standen zwischen parkierten Fahrzeugen. Daneben brauste unbeeindruckt, rücksichtslos der Verkehr.Dschunke1 Am Ende des sechsten Mond Monats öffnen sich für 28 Tage die Pforten der Hölle. Sämtliche ausgehungerten Geister durchwandern in den folgenden vier Wochen ziellos die Welt Ostasiens. Sie halten sich gerne auf Friedhöfen und anderen düsteren, einsamen Orten auf.
Der 15. Tag des siebenten Monats, er fiel 2013 auf den 21. August, ist der wichtigste Tag im Monat der hungrigen Geister. Da werden die meisten Opfer dargeboten. In der chinesischen Tradition ist das Fest Zhong Yuan tief verwurzelt. In Singapur nennt man es Yue Lan Jie. In Malaysia und Thailand ist es das Por Tor Festival (Poh Tho Khong). Stuhl Dieser Geist war wegen lebenslangem amerikanischem Fastfood wohl zu schwer.

Mehr über Geister, speziell hungrige Geister, erfahren sie unter:
Phi Pret und Poh Tho Khong in http://wp.me/p2ljyL-1s
(g) http://www.thaipage.ch/autor/stevens/feste/07_geister.php
(g) https://sites.google.com/site/thailandprivat/home/dies-und-das/hungrige-geister-stiften-unruhe
(g) http://de.wikipedia.org/wiki/Hungergeist
(g) http://www.20min.ch/panorama/news/story/Inflation-in-der-Geisterwelt-macht-Hongkong-Sorgen-31648037
Welch ein Privileg, zu reisen, in Gaststätten beste Verpflegung zu geniessen,
und nicht als hungriger Geist, Kinder und alte Leute erschrecken zu müssen.
– Low
Fotos:
Die Bilder erfasste eine Nikon P510. Die Datenflut reduzierte ich mit COREL von 6 MB auf etwa 150 kB. Der kleine Tempel steht am Jalan Parameswara. Zwei Bilder sind aus der Apotheke. Die Laternen sah ich ebenfalls an der Bunga Raya. Die Dschunke steht am Eingang zur Jalan Hang Jebat. Den zusammengekrachten Stuhl fand ich am Fluss vor einer entsprechenden Wellblech-Villa.

Grenzen der Toleranz

Unterwegs sehen wir nicht nur Landschaften mit alter und moderner Architektur. Wir werden öfters mit unglaublichen Perversionen konfrontiert.
Gäste des Resorts Tanjung Sutera in Kuta Tinggi, Johor Bahru, sorgten drei Tage lang für Schlagzeilen in allen Zeitungen des Landes. Die Nachbeben hielten während einer Woche an.
Der Sultan von Johor Bahru persönlich befasste sich mit der heiklen Angelegenheit. Der Chef der Polizei Datuk Mohd Mokhtar Mohd Shariff informierte, der fünfundvierzig jährige Manager des Resorts, Syed Ahmed Alkaff, sei festgenommen worden. Wegen Verdunkelungsgefahr blieb er vier Tage in Haft, denn möglicherweise wurde Artikel 295 des Strafgesetzes verletzt!
Das frevelhafte Verhalten der Gäste zeigt eine verwackelte Dokumentation auf Youtube. Dem Kameramann fuhr der Schreck offenbar in sämtliche Glieder, als er die abscheuliche Untat filmte. Wurden einheimische Schafe oder Ziegen missbraucht? Schändeten unverbesserliche Pädophile Kleinkinder?

Im Resort errichtete man für Gläubige eine kleine Moschee mit einem Gebetsraum, Surau genannt. Dieser Surau ist eine elegante Bausünde im maurischen Stil. Entgegen aller Vorschriften, ist er nicht nach Mekka ausgerichtet. In jedem Hotelzimmer gibt es meist an der Decke einen Kiblat, einen Wegweiser, der Gläubigen die korrekte Richtung zum Gebet zeigt.
Dieser Surau wurde von buddhistischen Touristen und einem Mönch zu einer Andacht missbraucht. Der hohe Religionsrat beschloss darauf am 13.August, der Bau soll abgerissen werden.

Der in Singapur geborene Muslim Syed Ahmed Alkaff mit Niederlassungsbewilligung in Malaysia sagte:
“Ich hatte nie die Absicht, irgendwelche Gefühle von Mitbürgern zu verletzen, als ich den Gästen erlaubte, den Gebetsraum zur Meditation zu nutzen. Ich wollte zeigen, dass der Islam universell und tolerant ist!“

Der buddhistische Hohepriester Malaysias, Datuk Sri Dhammaratana, entschuldigte sich für das schockierende Benehmen dieser aggressiven Gruppe von Buddhisten aus dem fernen Singapur. Singapur, dem unbedeutenden Inselchen, das einst im Besitz der Sultane von Johor war.

Euer toleranter Korrespondent aus Johor Bahru, gegenwärtig im Melaka.


http://www.themalaymailonline.com/malaysia/article/cops-quiz-resort-manager-in-surau-turned-temple-row#sthash.aNCayGUG.dpuf

Feine Unterschiede

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Viele Volksgruppen pflegen intensive Konversation mit ihrem Gott. Sie verwenden verschiedene Arten der Kommunikation. Sie endet letztendlich im Gebet.
Die eine Glaubensgemeinschaft benutzt fünf Mal täglich elektronische Signal-Verstärker, (KiloWatt / MegaGott), verkabelt mit kräftigen, auf sehenswerten Turmbauten montierten Lautsprechern, um Gläubige zum Gebet zu rufen: Allahu akbar…

Vor langer Zeit erstiegen manchmal schwer beleibte Muezzin mühsam keuchend dutzende von Stufen in schlanken Türmchen eines Minaretts, zwecks Erfüllung des Auftrages als pflichterfüllende Angestellte. Die Herren schrien sich in kühler Höhe die Kehlen wund und die Ohren taub. Um Bauchumfang und Hüftgelenke verschwenden heutige Muezzin keine Gedanken. Sie drücken im klimatisierten Kommunikationsbüro der Moschee (Zutritt verboten) im Erdgeschoss einen Knopf, sofern CD und Verstärker nicht automatisch einschalten. Zeitgemässe Installationen könnten über Internet zum Gebet aufrufen.

Der hinduistsche Sri Mariamman Tempel in Pekan Bangi Lama, Malaysia, erhielt eine Verwarnung wegen ungebührlichen Lärmes.  Der Stadtrat verlangte dringend einen Senkung des störenden Lärmpegels und die Aufhebung sämtlicher religiöser Aktivitäten nach sechs Uhr abends.
Die hohen Herren drohten mit Geldstrafen von 1000 Ringgit, sechs Monaten Gefängnis oder  beiden Strafen gleichzeitig.Andachtstätten MA

Der Hinduismus ist die drittgrösste Religionsgemeinschaft der Erde. Der Obmann des Tempels, S. Pannirselvam erklärte:
„Jeden Dienstag und Freitag zwischen sechs und neun Uhr abends beten tausende gläubige Hindus. Während der Gebete läuten Glocken. Müssen wir auf den Glockenklang verzichten?“
Pannirselvam suchte Hilfe bei Herrn T. Mohan, der sagte:
„Das ist eine Verletzung unserer Verfassung. Sie erlaubt freie Religionsausübung.
Wir erwarten eine öffentliche Entschuldigung des ‚Meist Ehrenhaften Chef Ministers‘, Tan Sri Khalid Ibrahim, persönlich.“

http://en.wikipedia.org/wiki/Chief_Ministers_in_Malaysia

Abbildung:
Sri Raja Mariamman Temple, Johor Bahru,
Kling Moschee, Melaka

21. Januar 2013

Melaka, Malaysia

Jeder Tourismusverantwortliche wäre glücklich, wenn sein Bezirk ähnliche Besuchermassen beherbergen und verköstigen dürfte, wie Melaka. Ob sämtliche Touristen eine Ahnung davon haben, welchen historischen Boden sie betrampeln, bezweifle ich. Wie die Geschichte zeigt, besuchten Männer früher mit ihren aufgetakelten Flotten den Ort. Heutzutage bringen sie auch fettleibige Schlampen mit.
Versteckt gelang es mir, in der Nähe der Sankt Francis Xavier Kirche, eine Aufnahme der neuesten Ausgrabungen zu machen. Ob die Flasche portugiesischen, holländischen, britischen oder kirchlichen Ursprungs ist – Bier, Wein, Messwein – weiss ich noch nicht.

1396  Prinz Parameswara von Palembang, Sumatra, gründet Melaka.
1403  Der chinesische Gesandte Yin Ching besucht Melaka.

Der Chinesische Gesandte mit Begleitung

1407  Die kaiserliche chinesische Flotte unter Admiral Cheng Ho ankert vor der Stadt.
1447  Siamesen attackieren Melaka erfolglos.
1509  Der Portugiese Diogo Lopez de Sequeira bringt seine Flotte nach Melaka.

1511  Nach 10 tägiger Belagerung übernimmt Alfonso d‘ Albuquerque die Stadt.
1588  Der erste Engländer, Ralph Ritch, besucht den Ort.
1597  Die Holländer bedrängen die Portugiesen erfolglos.1641  Die Holländer besiegen die Portugiesen.
1645  Lee Wie King errichtet den Chen Hoon Teng Tempel.
1795  Die Briten übernehmen die Stadt von den Holländern.
1818  Ein Vertrag, unterzeichnet in Venedig, gibt den Holländern Melaka zurück.
1824  Mit einem Vertrag aus London, geht Melaka wieder an England.
1942  Japanische Truppen übernehmen Melaka.
1957  Tunku Abdul Rahman unterzeichnet den Unabhängigkeitsvertrag für Malaysia.
1963  Melaka tritt der Föderation Malaysia bei.
1972  Low nimmt erstmals die Huldigung der Bevölkerung Melakas entgegen.

Von der Gier nach Reichtum, Macht und vom Wind getrieben, erblickten Europäer nach entbehrungsreichen Monaten mit Nussschalen auf hoher See einst Melaka. Erst plünderten sie vorhandene Schätze und bereicherten sich an den Einheimischen. Dann schlugen sie sich im fieberschwangeren Klima gegenseitig Körper und Köpfe blutig.
Mit welcher Überheblichkeit und Arroganz die überseeischen Ländereien verwaltet wurden, zeigen die Verträge von Venedig und London klar.

Gewinner waren die chinesischen Immigranten. Sie strömten ab Ende des 15. Jahrhunderts als billigst Arbeiter ins Land. Durch ihre Verbindung mit malaiischen Frauen entstand die Peranakan, auch Nyonya-Baba Kultur mit der eigenständigen Nyonya Küche.
Baba waren die Männer, Nyonya die Frauen. Durch Fleiss und Sparsamkeit prägten sie bald mit ihren Geschäften, Häusern, Palästen und Tempeln bis heute einen Teil der sehenswerten Stadt.

Die Qualität der Bilder ist nicht optimal. Die Linse erkrankte an Fungus.
Der nächste Aufenthalt in Singapur dürfte teuer werden!