Drogen im Garten

Täglich bestimmen Drogenfunde die Schlagzeilen. Das ist die billigste Art Werbung. Geschmuggelte Chemie aus Myanmar oder Laos, wie Methamphetamine in Pillenform, Ya Ba, in kristalliner Form, Ya Ice genannt, überfluten neben einheimischen Erzeugnissen das Land. 

In idyllischen Vororten Bangkoks wie Nong Chok, Min Buri und Lat Krabang gedeihen Bäume wie Kratom, Mitragyna speciosa, auch `Roter Sentolbaum`genannt. Der heimische, zum Landschaftsbild gehörende Baum ist mit bis zu 25 Metern Höhe nicht zu übersehen. Er wurde bereits 1943 verboten. 

Die wohlgeformten Blätter enthalten unerlaubte Substanzen. Hauptalkaloid ist das psychoaktive Tryptamin-Alkaloid Mitragynin. Krathom enthält auch einige Uncaria-Alkaloide (Mitraphyllin, welches immunstimulierende Wirkung hat. Ferner wurden Polyphenole (Catechin) nachgewiesen. Kratom diente zur Heilung von Opiatsucht und von Durchfall, zur Anwendung als Wundverband und als Mittel gegen Fieber. 

Die Hinterhofdroge ist billig. 60 Blätter kosten angeblich 100 Baht. Trotzdem soll im vergangenen Jahr ein 20-jähriger Student aus Narathiwat auf frischer Tat ertappt worden sein, als er Blätter eines Krathom-Baumes entwenden wollte. Der Baum stand auf dem Grundstück einer 73-Jährigen im Bezirk Lat Phrao. Der junge Mann überlebte den Diebstahl nicht. Der Garten wurde durch einen 220 Volt-Elektrozaun vor Eindringlingen geschützt. Die Grundstücksbesitzerin wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. 

Das zeigt, wie unterschiedlich Tötungsdelikte interpretiert und bestraft werden. Eine sehr junge, telefonierende Frau ohne Führerschein tötete mit ihrem Fahrzeug auf einer Schnellstrasse neun Menschen. Ich vernahm nie etwas von einer Verurteilung der Dame aus gutem Hause.

Mein Vorschlag in “Gemischte Gedanken, veröffentlicht am 8. Juli 2012“ betreffend Elektrozaun ist jedenfalls mit viel Vorsicht zu genießen. Der Schutz der Einbrecher steht vor dem Schutz von Eigentum.

Viele mächtige Bäume sind alt. Warum wurden die Kratom-Pflanzen nicht schon früher vernichtet? Ich glaube nicht, dass Kratom eine ernsthafte Bedrohung der Bevölkerung Bangkoks darstellt. In jüngster Zeit widmeten sich einige Polizeioffiziere verstärkt der Bekämpfung natürlicher rauscherzeugender Substanzen. Die muslimische Somwang-Gemeinde gilt als Vorzeigeprojekt in der Zusammenarbeit zwischen Anwohnern und Gesetzeshütern. Ein ganzes Dutzend Kratom-Pflanzen entdeckten sie in der Gemeinde.

Früher wurden verschiedenste Drogen konsumiert. Man rauchte Hanf und Opium. Frauen kauten Betelnuß, Areca catechu, Die gehackten Nüsse werden in mit gelöschtem Kalk bestrichenen Betelpfefferblättern gerollt. Das Ergebnis wird als Betelbissen, sirih, bezeichnet. In Thailand wurden 7500 Jahre alte Überreste von Betelbissen gefunden. Neben Blümchen und Kräutern gibt es rauscherzeugende Pilze. Sogar aus Bananenschalen lassen sich üble Cocktails brauen.

Die synthetischen Drogen, landesweit von zwei, drei Monopolisten vertrieben, versprechen bedeutend höhere Gewinne als lokale, unkontrollierbare Nischenmärkte.

Als Empfehlung gilt: Sämtliche Bäume ausnahmslos fällen. Die Gärten zubetonieren. Wenn dann die Flut kommt, und mit ihr die Einbrecher, kann man gegen den Kater immer noch Ya Ba oder Ice konsumieren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kratom
http://www.drugs-forum.com/forum/showthread.php?t=187147#ixzz21XrnuCnA
http://www.der-farang.com/index.php?article=2012/15/polizei

Ergänzung vom 8.Sep.2012 (Wochenblitz):
Auch die minderjährige Fahrerin Orachorn Thephasadin na Ayutthaya hat eine Gefängnisstrafe ausgesetzt auf eine zweijährige Bewährungsstrafe am vergangenen Freitag erhalten. Sie hatte im Jahr 2010 im Alter von 16 Jahren den Tod von neun Menschen bewirkt, als ihr Fahrzeug mit einem Minibus kollidierte. Dieser Fall löste ebenfalls Empörung in den sozialen Netzwerken aus, darüber, weshalb ein junges Mädchen mit einem adligen Familienname nicht im Gefängnis sitzt sondern mit einem siebenjährigen Fahrverbot davonkommt. http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/29895-straffreiheit-fuer-die-reichen-und-beruehmten.html#contenttxt