Affenliebe

Das Gesundheitsministerium veröffentlichte folgende Statistiken: (1)
Durchschnittlich gebären thailändische Teenager täglich 370 Säuglinge. Über achtzig Prozent der Schwangerschaften seien ungeplant, nach meiner bescheidenen Meinung eher unerwünscht. Nur fünfundfünfzig Prozent würden sich beim ersten Geschlechtsverkehr schützen! Da haben die Lehrer aber genau geguckt und gezählt.

Über die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche, Abtreibungen, fand ich keine Angaben. Brachiale Engelmacherinnen auf dem Lande werden durch Kunstfehler mit Todesfolge kaum bekannter. Für Schlagzeilen in Zeitungen reichen solche Bagatellen nicht.
Daneben existieren weitere Mord-Methoden. Einfach mit Pille, – in Kliniken durch Absaugen oder Curettage, Auskratzen. (2)
Die Zahl dürfte sehr hoch sein. 2010 wurden allein in einem Tempel in Bangkok 2000 Föten gefunden. (3)Buddha Den Chai

Wie geht es denn weiter, mit diesen jungen, oft vaterlosen Kindern und Müttern?
In vielen Fällen gebärt die junge Frau ein weiteres Baby. Die Grossmutter betreut sämtliche Kleinen. Wenn Schwestern mit ähnlichen Problemen vorhanden sind, wird es sehr eng in den kleinen Häusern.
Die schlecht geschulten, oft arbeitsscheuen Kind-Frauen drängen dann zur Selbstverwirklichung. Sie lassen ihren Ballast bei den Müttern und ziehen erst einmal zu Bekannten und Freundinnen in die Bannmeilen der nächtlichen Unterhaltungsindustrien. Dorthin, wo exotische Tierarten wie Elefanten (Chang), Tiger und Leoparden als eiskalte Getränke angeboten werden, während heisse Frauen ihre geschmeidigen Leiber an verchromten Stangen kühlen und die Stängelchen alkoholisierter Zuseher zu eruptieren drohen.

Sobald erste Baht von Freiern fliessen, beginnt das richtige Leben, wie es Filme zeigen. Die Dämchen haben endlich Geld für Kosmetik, schrille Klamotten, Schuhwerk mit extrem hohen Absätzen, Zigaretten, Alkohol, Drogen, falschen Schmuck, Unterhaltungselektronik und das prickelnd lebenswichtige Zocken.
Die attraktiven jungen Girls werden oft ‚uneigennützig‘ beschützt und beaugapfelt von geldgierigen Hütern der Ordnung. Sollten sich Farangs mit solchen Frauen verlustieren, drohen ihnen hohe Bussen wegen Verführung Minderjähriger!
Pflichtbewusste missionierende Angehörige christlicher Kirchen versuchen, zur Verherrlichung Gottes, warum eigentlich, er ist ja bereits der Herr Gott, die Moral zu heben, ekelerregende Sünden zu bekämpfen und die gebeutelten Sexsklavinnen den spermatriefenden Händen Satans zu entreissen.
Aber diese Frauen wollen keine farbigen Heilgenbilder, keine Predigten und Bibeln. Sie sammeln emsig Porträts ihres Königs, auf viele Scheine gedruckt. All diese Scheine bedeuten: Lebenslust, unter anderem endlich ein grosses Haus für Mutter!

Zusätzlich gibt es barmherzige Gutmenschen. Sie versuchen nach kurzen Ferienbekanntschaften, jungen Frauen durch regelmässige, finanzielle Leistungen zu helfen, dem schmutzigen Gewerbe im Rotlichtmilieu zu entfliehen. Diese Weiber denken nicht daran, den besten Teil ihres Lebens aufzugeben. Geschlechtskrankheiten gibt es nur in Märchen. Ratten und Elefanten tun es auch – ohne Kondom.
Die Spender kennen die Hintergründe nicht und sind ahnungslos, dass sie nicht die einzigen Sponsoren sind. Ihre grenzenlose Dummheit wird gekrönt durch Heiratspläne!

Derweil wächst in den Dörfern des Nordens und des Nordostens der Wohlstand.
In Nuttingen gibt es neue Häuser mit Blaudächern. Vor den Gebäuden stehen Kleinlaster und Traktoren. Im Reisfeld daneben suhlen sich Wasserbüffel. Wenn sie erkranken, bezahlt ein liebeshungriger Farang! Für ein (reibungsloses) Weiterfunktionieren dieser Zustände wird gesorgt, im Durchschnitt 370 mal täglich!

(1) http://www.mcot.net/site/content?id=50f67549150ba03711000062#.Ubn6_fnwlJI
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsabbruch
(3) http://www.time.com/time/world/article/0,8599,2032414,00.html
Links:
(l) http://digitalphat.wordpress.com/2013/06/11/eine-wahre-liebesgeschichte/
(l) https://hinterindien.com/2012/05/12/kreislaufe-und-kollaps/
(l) http://liebeskasperthailand.wordpress.com/

Affenkäfige

Bei Tierliebhabern möchte ich gleich eine Entschuldigung anbringen: Ich wollte keine Affen beleidigen!  Aber als altem Einfaltspinsel fielen mir für die Trilogie keine besseren Titel ein als: Affenkäfige, Affentheater und Affenliebe.

Als neugieriger Knabe stand ich öfters fasziniert vor Affenkäfigen. Das war jedes Mal ein Riesenspektakel, denn häusliche Flimmerkästen gab es noch nicht. Die lustigen Tiere lümmelten sich im Geäst, hingen an Seilen, oder sassen auf Schaukeln, während dem sie teures, für mich seltenes Futter, wie Orangen und Bananen grosszügig vergeudeten. Einige Biester betrieben, die Zähne bleckend, Fellpflege und lausten sich gegenseitig. Affenmütter hüpften gestresst mit winzigen, angeklammerten Jungtieren durch das betriebsame Getümmel.
Einige Äffchen hatten lange rote Bleistifte. Sie benutzten sie nicht zum Zeichnen oder Schreiben. Sie rieben und fummelten erregt mit Fingern an ihrem Büromaterial herum. Ähnliche Reaktionen sah ich kürzlich wieder, als junge Leute ihre Smartphones, ebenfalls Büromaterial, befingerten.
Öfters steckten die Affen diese roten Dinger ihren Kollegen in den Hintern. Das war sehr interessant. Ich war ahnungslos. Anstatt mich aufzuklären, grunzte Grossvater grimmig:
„Komm, wir verziehen uns zu den Vögeln, da gibt es einen Papagei – der spricht.“

MonaAls ich im Dorf an den Reisfeldern ankam, klärten mich freundliche Frauen über den Umgang mit Eingeborenen auf. Dabei waren sie selbst Fremde in einer Retortensiedlung, eingewandert aus dem Grossraum Bangkok. Die meisten Lan Na Speisen behagten ihnen nicht. Es gibt Kräutlein, die stinken so, dass die Haare himmelwärts stehen, während die restlichen Organe welken und den Gesetzen der Schwerkraft folgen. Die Sprache der Alteingesessenen verstanden sie schlecht.
Gutgläubig hörte ich den wohlgemeinten Belehrungen zu. Ich döste meine Träume von fremdartig geformten, bunten Tempeln, heiligen Mönchen in gelben Roben, buddhistischer Reinheit der Herzen, von langhaarigen mandeläugigen sanften Verführerinnen und kräftig gewürzten Thai-Häppchen, eine Art Reisekatalog-Eintopf eben.

Es dauerte Jahre, bis ich mich selbst in einem Affenkäfig wiederfand, mit gekauften Orangen, aber eigenen bio Bananen im Garten.
Der Affenkäfig der Jugendzeit war Wahrheit. Das Affentheater im Dorf um Anstand, Sitte und Moral war ein falsches Spiel mit löchrigen Fassaden.
Das Rätsel um Gottheiten mit vierzig Armen löste sich, als ich mir eingestehen musste, ich verfüge nicht über genügend Hände, um all die dargebotenen sekundären und primären Geschlechtsteile läufiger Dorfkatzen zu stimulieren.

Abenteuerlustige Kollegen verprassten gleichzeitig ihr Unvermögen in schummrigen Trinkhallen und schäbigen Hotelzimmern mit professionellen Dirnen. Vergeblich versuchten sie, mich zu schalem Bier und schlüpfrigen Vergnügungen in die Stadt zu schleppen.
Ich war zu faul, in der Stadt zweifelhaftem, öffentlich angebotenem, lackiertem Fleisch in Mogelpackungen nachzuhängen. Speziell darum, weil mich vernachlässigte Dorfschöne besuchten und mir in meiner Einsamkeit reichlich Trost und Liebe spendeten. Dabei bildete ich mir nie ein, die Mandelschlitzäugigen besuchten mich bloss, wegen meinen strahlend blauen Augen.

Fortsetzung folgt

Illusionen

Kirche1Nach wenigen mit Schlafstörungen gesegneten Nächten ist sie da, eine neue, gleichzeitig uralte Geschichte.

Vor einem Jahr durfte ich im Herzland, im ehemaligen Wirkungskreis eines Jeremias Gotthelf, drei Stunden Gastfreundschaft inmitten einer intakten Familie geniessen. Welch ein Erlebnis nach einem Dutzend Jahre hinterindischer Oberflächlichkeiten gespielter dörflicher Seifenopern mit viel Kabale, d.h. niederträchtigen Intrigen – und wenig Liebe.

Ausser mit den Grosseltern erlebte ich selten enge familiäre Verbundenheit. In meinem Elternhaus fand ich wenig Geborgenheit und erhielt mehr Prügel als Anerkennung. Der Vater arbeitete hart, um uns mit Anstand über die harten Runden der Nachkriegszeit zu bringen. Über die Mutter schweigt des Sängers Höflichkeit.

Die eigene Ehe scheiterte und hinterliess tiefe emotionelle und finanzielle Wunden. Die leidtragenden Personen waren die Kinder. Die finanzielle Lage konnte ich durch eigene Anstrengungen im Laufe der Zeit verbessern.
Das Sorgerecht für die Kinder, niemand erwähnte je die Sorgepflicht, erhielt die Mutter. Ausser Markenklamotten kriegten die Kleinen wenig Fürsorge und Betreuung. Die Tochter flüchtete zu mir, während die amtlich festgesetzten Betreuungsbeiträge zwecks Situationsberuhigung weiter flossen. Der Sohn blieb ausserhalb meines Einflussbereiches. Es blieb ein düsterer Tümpel salziger Tränen, umgeben von Sanddünen schmerzlicher Erinnerungen.

Vor einigen Monaten stellte ich mögliche erste Risse in der familiären Idylle emmentalischer Käselandschaften und Gastfreundschaft fest. Nun ist sie da, die traurige, endgültige Gewissheit, dass wir unwissende Teilnehmer einer perfekt organisierten Verabschiedung waren.
Im christlich kühlen Abendland sind die Verhältnisse kaum besser, als in der von Methan und Unmoral geschwängerten Luft an stetig schwindenden Reisfeldern.
Herzliches Beileid.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kabale_und_Liebe

Ein Leser kommentierte:
Die Menschen „sind wohl so..“ weltweit –
vielleicht auch weil viele die „10 Punkte Roadmap“
hochmütig als Zumutung ablehnen.. 

Betrug 2

Girl1Langsam wurde ich vom Blinden zum Sehenden und bemerkte etliche Abgründe menschlichen Daseins. Die Reinheit der Lehre Buddhas und der wunderbaren Tempel wurde getrübt durch das äusserst raffgierige Verhalten der Menschen. Sie kannten die einfachsten – nur fünf – Gebote ihrer Religion nicht. Sofern sie Kenntnisse davon hatten, vergassen sie diese möglichst schnell. Sie besassen die Gewissheit, die Äbte der Klöster, selbst Buddha – liessen sich kaufen, wie korrupte Staatsangestellte, Polizisten und Politiker. Die heiligen Stätten der Andacht mutierten zur theatralischen Selbstinszenierung, Selbstbefriedigung und zu Nummern-Kiosken für Lotterien. Die überwiegende Mehrheit der Einheimischen sind keine Buddhisten, sondern Geisterhausverwaltungsangestellte. Die überragenden Vorteile dieser Glaubensrichtung sind: Es gibt weder Gebote noch Moral. Freiheiten und Dummheit werden dimensionslos.

Trotzdem halfen wir, sofern wir konnten. Hilfsbereitschaft wurde im Lande von Pestalozzi, Henri Dunant und der ewig dudelnden Glückskette ja bereits mit der Muttermilch eingesogen.
Immer wieder wurden wir belogen. Ein kleiner Knabe war halbblind. Uns und hilfsbereiten Ärzten wurde brutal verheimlicht, dass das Leiden durch einen Motorradunfall ausgelöst wurde – nur um einige Baht zusammen zu raffen.
Mir tat der Mann aus Phitsanulok, der vergeblich nach Chiang Mai für ein MRI reiste, unendlich leid. Ihm hätte ich helfen können. Aber da waren noch Dutzende weiterer bedürftiger Patienten und ich musste statt des Geldbeutels die Notbremse ziehen.
Die Millionen, welche zur Selbstverwirklichung in Tempeln gespendet werden, könnten unzähligen Kranken und Kindern helfen. Der herrschende Egoismus lässt differenziertes Denken nicht zu. Deshalb ist Hilfe ausserhalb von Familien praktisch ausgeschlossen.

Die dreissig Baht Versicherung deckt bei ernsthaften Gesundheitsstörungen nur einfachste Behandlungen. Dennoch gibt es Farang, welche sich die Versicherungskarte unbeirrt zulegen. Farang Ferien-Alterssiedlungen mit streng kommerziellem Hintergrund empfehlen ihren gutgläubigen Kunden diese Versicherung. Jeder Baht an Leistungen, der in die Pflege ausländischer Gäste fliesst, fehlt dann für die wirklich notleidenden Einheimischen. (2)

Unser Fahrzeug ist sieben Jahre alt. Die Versicherungsgesellschaft teilte uns mit, bei einem Unfall sei eine Reparatur des alten Fahrzeuges in einer Werksgarage, einer offiziellen Vertretung, ausgeschlossen. Solche Arbeiten würden (zur Hebung der allgemeinen Verkehrssicherheit) nur noch in Hinterhofbetrieben vergütet!
Entweder bringe ich demütig Rauchopfer in einem berühmten Tempel mit einhundertacht Mönchen, oder kaufe ein neues Fahrzeug. (3) Wie heisst doch das schlichte deutsche Wort für solches Verhalten? Erpressung.

(2) http://www.bangkokpost.com/learning/learning-from-news/322038/hospital-budget-freeze 
(3) http://machshell.de/108-neundutzend-die-heilige-zahl/

Damit schliesse ich dieses Kapitel. Der tägliche Betrug läuft gnadenlos, grenzenlos weiter.

Dhamma-Weisheit

Um dem Niveau des Gebotenen nachzuhelfen, erlaubte ich mir in der Vergangenheit, weise Worte zu zitieren. Gerne greife ich wieder zu diesem Mittel und benutze Seite 229 eines Büchleins mit 913 Seiten. Dieser Wälzer zeigt eindrücklich, wie schwer Moral wiegt.
Daher scheint es durchaus logisch, wenn Frauen mit lockeren Moralbegriffen zu den leichten Mädchen gezählt werden. Im fortgeschrittenen Lebensabschnitt kann Leichtigkeit Gnade sein. Leben und Literatur sind Lasten genug.

DHAMMAPADAM
NAMO TASSA BHAGAVATO
ARAHATO SAMMASAMBUDHASSA

Better than a hundred years life
without morality and concentration
is a single day’s life of one
who is moral and meditative.

Besser als hundert Jahre zu leben
ohne Moral und Konzentration
genügt ein einziger Tag
der moralisch und meditativ ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Meditation
http://de.wikipedia.org/wiki/Dharma

…und das gedacht: Wie viele haben den moralisch meditativen Tag bereits hinter sich?
Bei mir war es vorgestern im Wat Phra Sri Rattana Mahathat Woramahawihan.