Low unterwegs als fad-feuchter Pflaumenforscher

Geschätztes Publikum: Ich bedaure, dass ich mich wegen widrigen Umständen nicht melden konnte.
Wir waren eine Woche lang in den Norden unterwegs. Nach täglich mehreren Stunden schütteln auf überlasteten Landstrassen, versagten meine Finger abends den Dienst an der Tastatur. Wir durften regen Anteil nehmen an der schwierigen Situation des Gastgewerbes. In einem vier Sterne Haus war die Matratze im Mittelfeld ausgebumst und wies einen Krater aus, der mich die ganze Nacht lang magisch anzog und hineinrollen liess.
Am nächsten Tag waren die einst süffigen Cocktails einer Bar am Rande der Geniessbarkeit. Dafür wurden die Preise angepasst – mit reichlich dreissig Prozent Zuschlag. Anders berechnet sind es schlichte fünfzig Prozent. Ab Nakhon Pathom wurde die Atemluft stickig. Während des Fahrens hatte ich das Gefühl, ich hätte Wasser in den Lungen. Während wir vor einem Jahr zur selben Zeit durch eine staubige, durch Dürre gezeichnete Steppenlandschaft reisten, glänzte dieses Mal die Umgebung in sattem Grün. Sogar Reisfelder wurden bestellt.

Einen harten Dämpfer bescherte unser Internetanbieter in Chiang Mai. Der Herr am Schalter im Grossmarkt Hangdong wollte, unser Vertrag läuft noch bis Ende Jahr, bereits im Wonnemonat Mai ein neues, teureres Angebot abschliessen. Wir könnten gar nichts tun als von seinem Vorschlag profitieren. Die Zuleitungen zum Haus seien bereits entfernt. Unser zwei jähriger Router deshalb unbrauchbar.
Die „drei bösen Buben“ machten ihre Berechnungen, stiessen aber auf extremen Widerstand des Kunden. Die herbeigerufenen Servicetechniker stellten im Dorf fest, Kabel wurden wirklich gekappt. Ausser den monatlichen Rechnungen erhielten wir nie Berichte über die Tätigkeiten der Firma in unmittelbarer Umgebung unserer Grundstücke. Die Agentur im Chiang Mai Airport Plaza war der gegenteiligen Ansicht, wir hätten Router und einen Vertrag, die Dienstleistungen könnten problemlos weiter geführt werden. Den selbstherrlichen Bereicherer werde ich am Hauptsitz in Bangkok als faule, im Grenzfall als unreife, Pflaume entlarven.

Eher selten sind wir in japanischen Restaurants anzutreffen. Ich mag das zarte Wagyu Rindfleisch, begleitet von einem Fläschchen Sake. (1) Beim letzten Besuch in Chiang Mai war das Wagyu importierter zäher Wasserbüffel aus den flimmernd heissen Steppen des Isan. Der Sake war alle. Die Kellnerin empfahl ein ähnliches japanisches Erzeugnis. Das Getränk passte weder zu Wasserbüffel, noch zu Wagyu.   Es war abscheulich süsslicher Pflaumenschnaps, wie mir Gaumen und Herr Google verrieten.
Etwa auf halber Strecke nach Nordthailand, kannten wir eine Gaststätte. Die Verantwortlichen gestalteten in der bebilderten Speisekarte eine oder zwei Seiten mit ihrem Weinangebot. In sechs Monaten verminderte sich die Auswahl auf zwei Sorten Hauswein. Einen Chardonnay und einen Cabernet Sauvignon. (2)
Eine Hühnersuppe stand brodelnd in einem Topf auf dem Tisch. Süss-saures Schweinefleisch war bestellt. Der Cabernet-Sauvignon war unsere Wahl.
Die Kellnerin goss reichlich roten Saft in die Gläser und liess die Flasche schnell verschwinden. Ich nippte vorsichtig am Glas. Die Haare stellten sich auf. Der Magen grunzte erregt.
Das war kein Rebensaft. Das war wieder ein fermentierter Pflaumenfruchtsaft, wie sich beim Interpretieren der Angaben auf der Flasche bestätigte. Kein Tropfen Cabernet-Sauvignon verirrte sich in die Brühe. Solche „Food and Beverage Manager“, Betrüger der gehobenen Art, gehören hinter Gitter, bestimmt nicht in gepflegte Sessel von Grand Hotels. (3)

Das Internet funktioniert seit einem Tag sensationell mit Pocket WiFi von True. Es bietet Zugriff für sämtliche Laptops und Smartphones im Haus. (4)

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Wagy%C5%AB
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Cabernet_Sauvignon
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/F%26B-Manager
(4) http://www3.truecorp.co.th/truemoveh/product/detail/3208/4G_pocket_WiFi?ln=en#promotion

Wege zum Ruhm

Rum beschaffen wir uns in Flaschen. Durch Wiederholungen werden meine Beiträge nicht besser. Aber kopieren entlastet mich und meine Finger. Der Aufsatz #1562, mit leichten Korrekturen, stammt vom 18. August 2011. (t)

Im Buch `Der Rolltreppeneffekt`, verriet der Autor Felix R. Paturi, daß Schriftsteller ihre Arbeiten auf möglichst dickem Papier mit großer Schrift veröffentlichen sollten. (1) Nur auf diese Weise seien großformatige, umfangreiche und eindrückliche Folianten möglich.
Als ich mein Büchlein aus Phuket betrachtete, sah ich den sauberen Druck und bemerkte die aufwendige Typographie der Titel.
Doch die Wucht eines großen, ledernen Einbandes fehlte. Äußerlich wirkte es, wie eine alte, mißratene Ausgabe eines Monatsheftes von Readers Digest!

Im Fernsehen verfolgte ich vor Jahren öfters ein witziges, kontroverses Programm, das literarische Quartett, betreffend Bücher und Autoren mit seiner Hoheit, dem Literaturpapst, Marcel Reich-Ranicki, MRR, selbst. (2)
Der Herr der Bücher donnerte los wie eine Artilleriestellung. In kürzester Zeit zerriß er ein Werk, in welchen unbescholtene Schreiberlinge die schönsten Jahre ihres Lebens, genüßliche Fortpflanzung, einen lukrativem Lebenserwerb im Topmanagement und ungezählte Freundschaften opferten.
MRR klaubte rein rhetorisch schöne, glaubwürdige Sätze zusammen, die er theatralisch in die Mikrofone geiferte, während sein Gesicht und seine Gestik Bände des Unglaubens, der schieren Verzweiflung und der absoluten Verständnislosigkeit demonstrierten.
Der nicht unbestrittene MRR hatte zeitweise ein schwieriges, abenteuerliches Leben, genug Stoff für ein mehrbändiges Werk.
MRR arbeitete als Übersetzer, Lektor, Schriftsteller und Publizist. Er hatte die Gnade der Gabe der rasier-messerscharfen Kritik. Diese praktizierte er als gehobene Unterhaltung in einer eher kulturarmen, kommerzialisierten Fernsehwelt.

Neulich demontierte mich MRR im Traum. Ich war Gast in seiner Sendung und nippte leicht nervös an meinem Selters, während ich gespannt das Schlachten erster Opfer verfolgte. Bedaure, ich meinte natürlich die Besprechung der neuen Bücher.

MRR:
„Am heutigen Abend begrüßen wir einen Gast aus den fernen Reisfeldern Nordthailands, Herrn Low.“
Bescheidener, freundlicher Applaus.
„Guten Abend.“
„Herr Low verfaßte Erzählungen aus einem gänzlich unbedeutenden Dorf und schilderte Land und Leute. Dies tat er erst im Internet und nun in diesem, glücklicherweise bescheidenen kleinen Band.“ Fitze Hinterindien
MRR fuchtelte ein Sekunde mit der Lektüre in der Luft herum, als wäre sie mit Blitzen geladen.
„Herr Low, das ist kein Buch, das ist kein Büchlein. Das ist bereits vom Aussehen her vergleichbar mit Schund in Reinkultur. Namen nenne ich keine, oder kennt jemand von ihnen John Kling oder Jerry Cotton?“
Applaus.
MRR wandte sich gnädigst an mich:
„Herr Low, hatten sie und ihre Gattin, welche nicht ihre Gattin ist, eine angenehme Reise?“
„Ja, danke Herr MRR.“
„Herr Low, Sie sind überheblich und verglichen ihre Erlebnisse in den Reisfeldern mit den Erzählungen eines Autors vom Format eines Albert Bitzius, Gotthelf genannt, aus dem schweizerischen Emmental.“
„Die Ähnlichkeit der Geschehnisse waren frappant, Herr MRR. Die Mentalität der Menschen entsprach etwa Gotthelfs Schilderungen der Zustände vor hundertfünfzig Jahren. Sie werden zusätzlich zu Alkoholika und Drogen von den meisten technischen Errungenschaften materiell und geistig dauernd überfordert.“
„Herr Low, sie scheuten sich nicht, sogar Friedrich Dürrenmatt …“
Dürrenmatt – der Name zerfloß MRR richtiggehend auf der Zunge.
„ – …Friedrich Dürrenmatt, einen Autor von Weltklasse, einen der ganz Grossen, – zu zitieren.“
„Das ist richtig, Herr MRR. Dürrenmatt liegt zeitlich näher. Seine angepaßte Sprache zeigt Spuren der Rhetorik eines Seelsorgers. Sein Vater war, wie Gotthelf selbst, Pfarrherr im Emmental. Dürrenmatts Sohn Peter ist Pfarrer.“
„Herr Low, versuchen sie nicht, sich in die Theologie zu flüchten. Ihre teilweise gewagten Aufsätze beweisen das Gegenteil.“
„Danke, Herr MRR. Die einfachsten und schönsten Predigten von Dürrenmatt sind meines Erachtens `Der Verdacht`und `Der Richter und sein Henker`. Sein Psalm auf das Leben heißt `Grieche sucht Griechin`.“
„Herr Low, sie sind nicht hier, um das Werksverzeichnis eines bedeutenden Autors wie Friedrich Dürrenmatt vorzutragen. Sie erklärten am Anfang ihrer Geschichten, sie schreiben, um ihre Sprachkenntnisse nicht zu verlieren?“
„Das ist richtig, Herr MRR.“
„Herr Low, da hätten sie aber nicht viel zu entbehren! Ich überflog ihre Texte kurz. Nicht alle. Einige wenige genügten mir.“
Er betrachtete mich furchterregend, eindringlich.
„Und ich weiß, daß sie inmitten von Reisfeldern wohnen. Deshalb hege ich folgenden begründeten Verdacht:
In den Reisfeldern leben und arbeiten diese urtümlichen, gewaltigen Tiere, genannt Wasserbüffel.“
„Richtig, Herr MRR.“
„Nun, diese Wasserbüffel, wie auch die Reisfelder selbst, produzieren das Klimagift Methan.“
„Richtig, Herr MRR.“
„Herr Low, dieses Giftgas namens Methan stieg ihnen in den Kopf. Anstatt es einfach durch einige Flatulenzen entweichen zu lassen, vermüllen sie Literatur und unsere Umwelt mit ihrem Krempel. Guten Abend, Herr Low.“
Stürmischer Applaus.
Wem galt der Applaus? Der Kenntnis der Chemie? Dem geschickt eingefädelten Abgang?
Ich blieb anständig, dachte an die teure, durch MRR finanzierte Reise und sagte:
„Danke sehr, Herr Reich-Ranicki. Guten Abend,“ und trollte mich, wie vom Winde verweht.
In Wirklichkeit rollte ich mich in Chiang Mai schnarchend im Bett von einer Seite zur anderen.

(t) http://forum.thailandtip.info/index.php?topic=1225.msg1015570;topicseen#msg1015570
(1)
Der Rolltreppeneffekt, Felix R. Paturi
• Verlag: Rowohlt TB-V., (Januar 1985)
• ISBN-10: 3499168995
(2)
http://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Reich-Ranicki

Die industriellen Betriebe des Nachbarn Kleptomanewitsch

Die Leute im Dorf in Nordthailand feierten. Ich hörte es im Telefon. Kleptomanewitsch wurde wieder einmal festgenommen. Er durfte sich eine VIP-Zelle im Gefängnis in HangDong aussuchen. Herr Kleptomanewitsch ist Direktor der zwei einzigen industriellen Betriebe im Dorf.
Erwähnenswert ist das Stahlwerk mit Hochofen. Der Ofen ist immerhin höher als breit. Aus benutzten Autopneus produziert der Unternehmer Stahl. Wenn die Produktion läuft, riecht es in der Gegend bemerkenswert nach Gummi.
Auch der zweite Erwerbszweig lässt sich erschnüffeln: Ethanol. Der Alkohol wird zur Herstellung von Methamphetamin verwendet. Je nach Bedarf wird rund um die Uhr produziert. Da ist dann wechselndes Personal im Schichtbetrieb im Einsatz.

Berüchtigt ist der Gauner durch seine Diebstähle. Er klaut prinzipiell alles. Aus meinem Garten entfernte er zwei Rosenstöcke. Er benötigte zusätzlich zwei Kisten Fliesen. Für seine eigene Elektroinstallation schraubte er alte Steckdosen und Schalter von den Wänden des zukünftigen Schönheitssalons.
Aus Chiang Mai schleppte er unentdeckt ein Tuk Tuk heran. Er frass die seltenen roten Pandas aus unserem Bambus. In der ganzen Region sammelte er die neu eingeführten Kehrichteimer ein. Für geklaute Mopeds sass er mehrmals einige Tage in Gefangenschaft. Die benachbarte Gärtnerei ist seine Selbstbedienungsfiliale.

Am Samstag um zwei Uhr früh trottete Kleptomanewitsch durchs Dorf. Er war nicht allein. An einem Strick zog er eine Kuh in sein Reich. Er schlachtete das Tier sogleich. Die Kuh war trächtig. Das bemerkte der alkoholisierte Dieb erst beim Zerhacken. Als es verlockend nach Rindsbraten duftete, kam die Polizei. Auch der Besitzer, ein alter Mann, meldete sich.
Die Leute im Dorf freuten sich, als der Gauner endlich abgeführt wurde.
Ich kenne dieses Spiel seit fast zwanzig Jahren. Die Polizei lässt den Kerl jedes Mal nach wenigen Tagen gegen hohe Kaution laufen. Kleptomanewitsch geniesst Protektion von höchster Stelle. Die Drogenproduktion hat absolute Priorität. So auch dieses Mal. Keine vierundzwanzig Stunden später war unser geschätzter und gefürchteter Nachbar wieder zu Hause.
Das Verbrechersyndikat fand eine zusätzliche Schutzklausel. Kleptomanewitsch erhielt von der Psychiatrie ein offizielles Dokument, das ihn als Unzurechnungsfähig erklärt. Das ist ein Freibrief, sogar für Mord. kuh geklaut und geköpft
Beachten sie die ausgebrochenen Hörner am Kopf. Der Drogen-Spezialist wird die geraspelte Substanz als Stengelstärker, Marke Phiagra, verkaufen.

Mehr Geschichten aus über 6‘003 Nächten in Hinterindien

2. Teil

Durch das kalte Wetter in Nordthailand bedingt, schneite es offenbar einer Bewohnerin durch die Nasenlöcher direkt ins Hirn. Anders kann ich mir den Unfug nicht erklären.
Valentinstag: Eine Masseuse aus Chiang Mai kaufte sich neue bunte Röcke, liess sich die Haare färben und pflegen. Sie steckte schwere Goldringe auf die Finger. Danach missbrauchte sie ein Smartphone für Fotos. Diese Bilder sandte sie mit Line, angeblich konnte sie weder lesen noch schreiben – lernte es anscheinend in Windeseile – an Dick – mit den Vermerk: „For my lovely!“ Damit war ich gemeint.
Besagte liebeshungrige Dame lebt bereits mit zwei Kerlen zusammen. Anscheinend ist sie dabei, ihre Sammlung zu ergänzen. Die kleine Frau hat auffällig geformte Brüste. Sie erinnern nicht an Silicon Valley, sondern an ägyptische Bieramiden – Pyramiden – Khêops, Khufu, mindestens eine davon. (1) Dick wurde von den Dorfhexen per Line vor der Frau, inbegriffen ihre Pläne mit dem Farang, gewarnt. Schade, dass viele Weiber meine Qualitäten erst kurz vor dem Ableben entdecken.

Vor einem Jahr dachten wir, das Verhältnis zu den Dorfbewohnern des Südens sei einfacher und besser als im Norden. Aber wir leben immer noch in Thailand, wie uns erneut bestätigt wurde.
Eine gewaltige Portion von Polizistengattin vermietet unter wesentlichen finanziellen Einbussen ein Haus an einen Farang. Der Farang gestattete sich einige Freiheiten mit einer einheimischen Freundin seiner Wahl. Die strengen moralischen Prinzipien der Hauseignerin wurden dadurch arg strapaziert. Sie wollte den Mieter möglichst rasch loswerden und die Liegenschaft verkaufen. Anstatt einer registriert gesandten Kündigung, wurde während Monaten erfolglos diskutiert. Der Mieter versteht kein Thai.
Die ehrbare Gattin des dekorierten Polizeioffiziers begab sich letzte Woche mit Dolmetschern zum Farang und erzählte ihm:
Das Haus sei bereits verkauft. Ich, Low, hätte es für meine Frau gekauft. Es sei bereits mein zweites Haus in Satun. (Ich besitze in Thailand keine Liegenschaften und bin nicht verheiratet.)
Nach der Frage des Mieters, wann die Eigentumsübertragung sei, antwortete sie, das sei nicht seine Angelegenheit und gehe ihn nichts an. Später rief sie dann den Mieter an und teilte dem Mann mit: Nach Rücksprache mit Dick könne er bleiben, bei einer 3x höheren Miete von 15‘000 Baht. Peinlich ist nur, dass sie uns erst nach ihren Lügengeschichten darüber informierte.

General und Staatspräsident, Prayuth Chan-o-cha, gibt den Thais viel Fröhlichkeit und noch mehr Glücksgefühle zurück. Er ist der grosse Reformator. Die an Schwachsinn grenzende Fernsehunterhaltung verbesserte er bisher noch nicht.
Aber er hob eine Polizei-Verordnung auf. Er strich die Posten der Befrager und Ermittler. Diese Tätigkeit der Spezialisten brachte den betreffenden Offizieren ein zusätzliches Einkommen von ungefähr 20‘000 Baht im Monat.
Polizeioberst Chan Chaisawasdi vom Polizeirevier Thian Thalae reichte eine Petition an den nationalen Rat für Ruhe und Ordnung, NCPO, ein. Er wandte sich gegen die Abschaffung. Chaisawasdi war selbst als Ermittler tätig. Neu sollen laut NPCO-Befehl stattdessen Vizeinspektoren oder Kommandeure Ermittler werden.
Der Polizeioberst bereute offenbar seinen Vorstoss. Sein Gewissen quälte ihn. Er schlug sich vor Kummer die Zähne aus, verletzte sich dabei das Kinn. Darauf erhängte er sich in seinem Haus. Die ermittelnde Polizei konnte keine Fremdeinwirkung feststellen und geht von Selbstmord aus. (2) Den Ausdruck „Fremdeinwirkung“ finde ich gut getroffen. Es gibt eindrückliche Bilder von Treffern der Selbstkasteiung. (3,4) Da ist immer etwas los im LOS!

(1) https://en.wikipedia.org/wiki/Khufu
(2) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/72335
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Kasteiung
(4) http://forum.thailandtip.info/index.php?topic=11760.msg1204488#msg1204488

Bananenküchlein

Johann Christoph Friedrich von Schiller(1759 – 1805),
der deutsche Dichter und Dramatiker schrieb:

Ehret die Frauen! Sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben,
Flechten der Liebe beglückendes Band,
Und in der Grazie züchtigem Schleier
Nähren sie wachsam das ewige Feuer
Schöner Gefühle mit heiliger Hand.

Kannte der Schmied gewaltiger Verse, „Die Glocke“ – „Wilhelm Tell,“ den Schlauchapfel, die Paradiesfeige, (Musa × paradisiaca)? Geriet sein Gedicht, „Ode an die Bananenstaude“, bloss in Vergessenheit?

Da gibt es eine Parodie vom Dichter-Flegel
August Wilhelm von Schlegel (1)
Geboren am 8.9.1767 in Hannover; gestorben am 12.5.1845 in Bonn.

Ehret die Frauen! Sie stricken die Strümpfe,
Wollig und warm, zu durchwaten die Sümpfe,
Flicken zerrissene Pantalons aus;

Kochen dem Manne die kräftigen Suppen,
Putzen den Kindern die niedlichen Puppen,
Halten mit mäßigem Wochengeld Haus.

Doch der Mann, der tölpelhafte
Find’t am Zarten nicht Geschmack.
Zum gegornen Gerstensafte
Raucht er immerfort Tabak;
Brummt, wie Bären an der Kette,
Knufft die Kinder spat und fruh;
Und dem Weibchen, nachts im Bette,
Kehrt er gleich den Rücken zu.

Bekannter ist mir die eidgenössisch helvetische Lebkuchen-Version aus Zuckerguss:

Ehret die Frauen
Sie backen und trölen
Himmlische Kuchen für irdische Lölen.

Als ich mich ungefähr um die Jahrtausendwende in Nordthailand einnistete, gab es bei Tesco-Lotus täglich frische Bananenküchlein. Ein halbes Dutzend kostete zwölf Baht, Aktionen waren noch günstiger.
Das Gebäck war relativ leicht, bekömmlich, aber zu trocken. Ich fand schnell Abhilfe gegen die Gefahr einer Staublunge, Pneumokoniose. (2) Ich bohrte die Küchlein bei Besuch mit Gabel, im Alleingang mit dem kleinen Finger an und füllte mit Thai Schnaps, Mekong oder Song Sam, auf. Die Lungen waren gerettet.

Kürzlich entdeckte ich in Satun südthailändische Bananenkuchen. Die Portionen waren unverändert. Die Oberflächen glänzten wie frisch polierte Polizeistiefel. Der Preis war der Inflation angepasst. Das Gebäck entsprach den neuesten Vorschriften zur allgemeinen Senkung der Alkoholpegel und tolerierte, irgendwie gesättigt, fettgetränkt, keinen Rum. Die Kalorien der Kleinst-Küchlein entsprachen ungefähr der einer Portion emmentalischer Chemmeriboden-Bad Meringue. (3)

Angaben zur Zusammensetzung:
Fettgehalt: 7 %
Margarine: 18 % (Enthält bekanntlich weder Fette noch Oele)
Zucker: 20 %
Nur der typische Bananengeschmack fehlte.

(1) http://gutenberg.spiegel.de/autor/august-wilhelm-schlegel-519
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Pneumokoniose
(3) https://www.tripadvisor.de/ShowUserReviews-g1096083-d1872980-r177769984-Hotel_Landgasthof_Kemmeriboden_Bad-Schangnau_Canton_of_Bern.html

Schlitzohren und Mandelaugen unterwegs

Auf Reisen in Nordthailand wunderten wir uns über leere Minibars und fehlende Badetücher in den meisten Hotels. Gesichts- und Hand-Tücher gab es nicht. Angeboten wurden jeweils zwei Flaschen Trinkwasser und ein Badetuch in der Grösse eines Tennisfeldes, das selbst gefaltet, schlecht in einen Rucksack passte.
Unterwegs in den Süden, lernten wir die Gründe dafür eindrücklich persönlich kennen. Da sass ein gestylter Kerl in seinem aufgeplusterten Wagen und spielte nervösen Fusses mit dem Gaspedal, denn der Motor wollte beschäftigt sein, während er eine halbe Stunde lang auf seine Weiber wartete.
Die beluden erst geräuschvoll schnatternd das Fahrzeug mit unzähligen Koffern, Plastiktüten und Täschchen. Wenige Minuten danach holten die Damen zerknirscht den ganzen Krempel wieder, denn diese fleissigen Bienen sammelten und verpackten zusätzlich die hoteleigenen Badezimmer-Garnituren.
Beim Überprüfen der leeren Zimmer fehlten sämtliche Gesichts-, Hand- und Bade-Tücher. Das Personal wollte diese Artikel berechnen. Die Damen heulten entsetzt laut auf, ob dieser unglaublichen Unfreundlichkeit, gackerten, wollten rein gar nichts bezahlen und begannen in sämtlichem Gepäck nach den Souvenirs, die sich wohl selbst ins Gepäck eingenistet hatten, zu suchen. Bei den Zimmerpreisen wäre ein Fernseher eher ein angepasstes Mitbringsel gewesen.
Eine andere Familie zankte sich mit den Angestellten, weil die zahllosen Mitglieder vor der Abreise die Minibar von Getränken und Schokoladen befreit hatten. Sie waren der Ansicht, der Inhalt der Minibar gehöre selbstverständlich den Gästen und sei im entrichteten Preis inbegriffen.

Hotelmanager verzichteten bereits vor Jahren auf relativ teure Flaschen mit hochprozentigem Inhalt in den Minibars. Gebildete Kunden gossen sich den Schnaps in die Kehlen und ersetzten den Inhalt durch farbähnlichen Tee. Tolldreiste Gauner füllten die Fläschchen mit Natursekt, sprich Pisse auf.

Beim Schlemmen in Chumphon sahen wir, Wirte führten als Selbstschutz Regeln ein. Für 119 Baht pro Person durften wir uns mit Gemüsen, Nudeln, Reis – gekocht oder gebraten, Fleisch von Garnelen, Huhn, Schwein, Fisch, gefüllten Teigtaschen und diversen Saucen selbst bedienen und die Delikatessen anschliessend auf einem Tatartenhut brutzeln oder in dessen Sud kochen und danach verspeisen.
Für bezogene, aber übrig gebliebene, nicht verwendete Fressalien, verlangte der Kassier am Ende einer Mahlzeit beim Bezahlen pro Stück zusätzlich zehn Baht. Ohne solch drastische Sparmassnahmen müssten die Preise verdoppelt werden.

Ähnliche Sammelwut erleben wir täglich an den Frühstücksbuffets. Lebenskünstlern oder geübten Baumeistern gelingt es einhändig, die andere Hand hält das Smartphone am Ohr, auf einem Teller von dreissig Zentimetern Durchmesser einen Kegel von fünfundvierzig Zentimetern Höhe aufzuschichten. Vorsicht: Spiegeleier benutzen die Steilhänge als Sprungschanzen. Nur wenig vom behändigten Futter gelangt bis in den Magen.
Wir erlebten es im Dorf. Die Hälfte der erworbenen Lebensmittel wird weggeschmissen! Wegwerfgesellschaften wurden in Teilen der (w)restlichen Welt Industrie-Standard. Smartphones sind nach sechs Monaten technisch veraltet. Globale Konzerne wollen nicht nur produzieren, sondern vor allem verkaufen.

Dorfleben

Dieses Dorf und seine Frauen sollten teilweise mein Schicksal und meine Zukunft bestimmen. Glücklicherweise war ich ahnungslos über die bevorstehenden Ereignisse. Seit meinem Unfall und Spitaleintritt 1957, erlebte ich in den nächsten Jahren die turbulenteste Zeit meines Lebens.
Am Hofeingang zu den Laboratorien in Bern wurde ich durch einen rückwärts fahrenden Wagen aus dem Rollstuhl auf die Strasse geschleudert. Die neu entstandene schwere Schulterverletzung schmiss mich augenblicklich aus dem Erwerbsleben. Zusätzlich verlor ich meine Selbständigkeit. Mich vom Boden in einen Rollstuhl zu heben, wurde unmöglich. Im Schlafzimmer in der Schweiz schaffte ich nicht einmal die vierzig Zentimeter vom Boden auf die Matratze. Morgens um vier half mir die Sanitätspolizei für vierhundert Franken! Sportliche Aktivitäten, wie das Schwimmen, musste ich abschreiben und vergessen, ebenso feine Arbeiten mit beiden Händen.Reisernte PhonPhat

Reisernte am Dorf 2002

Es ging mir noch gut, als ich begann, mich in der neuen Wohnung gemütlich einzurichten. Meine Haushälterin brachte gleich einen elektrisch beheizten Topf, um Trinkwasser warm zu halten. Einen Kühlschrank für kalte Getränke fand ich weitaus besser. Mein Freund und Nachbar fuhr mit mir los, um so ein Gerät zu erwerben.
„Two doors“, meinte mein Freund.
Ich verstand: „Tudor – Dynastie, Henry VII, 1457–1509!“
Ernsthaft fragte ich mich: „Ein spätgotischer, grüner Kühlschrank? Na ja, vielleicht in Nordthailand.“

Als der Verkäufer nach der Lieferadresse fragte, telefonierte mein Helfer seiner Frau, welche unseren Wohnort kannte und in Landessprache instruierte.
„Ein leerer Kühler hilft dir nicht“, sagte mein Fahrer. „Wir benötigen Getränke und ordentliche Humpen.“ Als wir im Dorf eintrafen, wartete unser Lieferant bereits vor der Türe. Bald darauf feierten wir mit dem ersten Bier.
Bereits an einem der folgenden Tage, wurde mein Glück leicht getrübt. Die Schwester der Haushälterin verstarb in Bangkok. Die Köchin sagte:
„Ich muss zur Trauerfeier nach Bangkok“. Weg war sie.
„Nun benötige ich einen Kochherd“, sagte ich zu meinem Freund. „Dann kann ich im Notfall Suppen oder Pasta mit Sugo kochen.“
Eine knappe Stunde später war der Handel erledigt. Zwecks Lieferadresse rief er wieder seine Frau an. Darauf druckte ich Adress-Kärtchen in Thai und Englisch.
Die nächsten Abende war ich bei den Nachbarn eingeladen oder wir gingen zusammen aus. Damals war es einfach, in der näheren Umgebung gute und preiswerte Verpflegung zu finden. Ich kochte kaum. Für Notfälle war ich vorbereitet.

Ich lernte einige Nachbarn kennen und beobachtete, wie mein Freund und andere Farang lebten. Die meisten seiner Abende waren verplant mit Kartenspiel und Kegeln mit Landsleuten. Speziell englische Fussballspiele am Fernsehen wurden in Gesellschaft mit viel Bier begossen. Jeweils am Freitag standen gemeinschaftliche Barbesuche, Region Loi Kroh, auf dem Programm. Selten nur beteiligte sich seine quirlige Frau an solchen Exkursionen. Während ihrer ausgedehnten Freizeit spielte sie Bingo und andere Glücksspiele. Sie tröstete sich schnell mit zusätzlichen Liebhabern. Dies war der Anfang seines bitterbösen Endes.
Mein lieber Freund und Helfer kümmerte sich nicht im geringsten um Thai-Belange. Er kannte keine örtlichen Feiertage mit Alkoholverboten. Feste und lokale Anlässe interessierten ihn nur am Rande. Er beharrte auf englischem Frühstück, möglichst mit Nieren und wenn immer realisierbar, auf englischem Dinner. Meine Verdauung akzeptiere weder die kulinarischen Spezialitäten der Insel, noch all die Menge Bier.
Die Barbesuche ödeten mich an. Ich zog mich von den englischen Gentlemen zurück. Während sie die käufliche Ware in Bars aus Stangenhaltung eingehend studierten und kritisierten, zwitscherte ich mit vernachlässigten Landhühnern aus Bodenhaltung im Dorf, trostspendend Wein.
So viele Freundinnen hatte ich nie zuvor. Diese mandeläugigen Wesen, die Meisten verheiratet, suchten beinahe hemmungslos Körperkontakt.

Meine Haushälterin klärte mich auf:
„Du benötigst dringend einen Fernseher“. Die Häuser sind zusammengebaut. Die dünnen Wände dämpfen Geräusche kaum. Bedingt durch die Bauweise verbreiten sich sogar Dämpfe aus den Küchen in den Wohnungen.
„Ohne Flimmerkiste wirst du nie Besuch im Schlafzimmer empfangen.“
Regelmässig wenn ihr Freund und Liebhaber meine Köchin besuchte, ging ihr Fernseher an. Das darauf folgende Programm konnte ich mir vorstellen. Landwirtschaft: Pflügen und Ackern. Handwerk: Bohren und Nageln.

Einen Fernseher benötigte ich nicht. Die Stereo-Anlage genügte. Beispielsweise Bolero von Maurice Ravel! (2)

(1) https://en.wikipedia.org/wiki/Tudor_period
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Tudorstil
(2) https://en.wikipedia.org/wiki/10_(film)