Bananenküchlein

Johann Christoph Friedrich von Schiller(1759 – 1805),
der deutsche Dichter und Dramatiker schrieb:

Ehret die Frauen! Sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben,
Flechten der Liebe beglückendes Band,
Und in der Grazie züchtigem Schleier
Nähren sie wachsam das ewige Feuer
Schöner Gefühle mit heiliger Hand.

Kannte der Schmied gewaltiger Verse, „Die Glocke“ – „Wilhelm Tell,“ den Schlauchapfel, die Paradiesfeige, (Musa × paradisiaca)? Geriet sein Gedicht, „Ode an die Bananenstaude“, bloss in Vergessenheit?

Da gibt es eine Parodie vom Dichter-Flegel
August Wilhelm von Schlegel (1)
Geboren am 8.9.1767 in Hannover; gestorben am 12.5.1845 in Bonn.

Ehret die Frauen! Sie stricken die Strümpfe,
Wollig und warm, zu durchwaten die Sümpfe,
Flicken zerrissene Pantalons aus;

Kochen dem Manne die kräftigen Suppen,
Putzen den Kindern die niedlichen Puppen,
Halten mit mäßigem Wochengeld Haus.

Doch der Mann, der tölpelhafte
Find’t am Zarten nicht Geschmack.
Zum gegornen Gerstensafte
Raucht er immerfort Tabak;
Brummt, wie Bären an der Kette,
Knufft die Kinder spat und fruh;
Und dem Weibchen, nachts im Bette,
Kehrt er gleich den Rücken zu.

Bekannter ist mir die eidgenössisch helvetische Lebkuchen-Version aus Zuckerguss:

Ehret die Frauen
Sie backen und trölen
Himmlische Kuchen für irdische Lölen.

Als ich mich ungefähr um die Jahrtausendwende in Nordthailand einnistete, gab es bei Tesco-Lotus täglich frische Bananenküchlein. Ein halbes Dutzend kostete zwölf Baht, Aktionen waren noch günstiger.
Das Gebäck war relativ leicht, bekömmlich, aber zu trocken. Ich fand schnell Abhilfe gegen die Gefahr einer Staublunge, Pneumokoniose. (2) Ich bohrte die Küchlein bei Besuch mit Gabel, im Alleingang mit dem kleinen Finger an und füllte mit Thai Schnaps, Mekong oder Song Sam, auf. Die Lungen waren gerettet.

Kürzlich entdeckte ich in Satun südthailändische Bananenkuchen. Die Portionen waren unverändert. Die Oberflächen glänzten wie frisch polierte Polizeistiefel. Der Preis war der Inflation angepasst. Das Gebäck entsprach den neuesten Vorschriften zur allgemeinen Senkung der Alkoholpegel und tolerierte, irgendwie gesättigt, fettgetränkt, keinen Rum. Die Kalorien der Kleinst-Küchlein entsprachen ungefähr der einer Portion emmentalischer Chemmeriboden-Bad Meringue. (3)

Angaben zur Zusammensetzung:
Fettgehalt: 7 %
Margarine: 18 % (Enthält bekanntlich weder Fette noch Oele)
Zucker: 20 %
Nur der typische Bananengeschmack fehlte.

(1) http://gutenberg.spiegel.de/autor/august-wilhelm-schlegel-519
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Pneumokoniose
(3) https://www.tripadvisor.de/ShowUserReviews-g1096083-d1872980-r177769984-Hotel_Landgasthof_Kemmeriboden_Bad-Schangnau_Canton_of_Bern.html

Schlitzohren und Mandelaugen unterwegs

Auf Reisen in Nordthailand wunderten wir uns über leere Minibars und fehlende Badetücher in den meisten Hotels. Gesichts- und Hand-Tücher gab es nicht. Angeboten wurden jeweils zwei Flaschen Trinkwasser und ein Badetuch in der Grösse eines Tennisfeldes, das selbst gefaltet, schlecht in einen Rucksack passte.
Unterwegs in den Süden, lernten wir die Gründe dafür eindrücklich persönlich kennen. Da sass ein gestylter Kerl in seinem aufgeplusterten Wagen und spielte nervösen Fusses mit dem Gaspedal, denn der Motor wollte beschäftigt sein, während er eine halbe Stunde lang auf seine Weiber wartete.
Die beluden erst geräuschvoll schnatternd das Fahrzeug mit unzähligen Koffern, Plastiktüten und Täschchen. Wenige Minuten danach holten die Damen zerknirscht den ganzen Krempel wieder, denn diese fleissigen Bienen sammelten und verpackten zusätzlich die hoteleigenen Badezimmer-Garnituren.
Beim Überprüfen der leeren Zimmer fehlten sämtliche Gesichts-, Hand- und Bade-Tücher. Das Personal wollte diese Artikel berechnen. Die Damen heulten entsetzt laut auf, ob dieser unglaublichen Unfreundlichkeit, gackerten, wollten rein gar nichts bezahlen und begannen in sämtlichem Gepäck nach den Souvenirs, die sich wohl selbst ins Gepäck eingenistet hatten, zu suchen. Bei den Zimmerpreisen wäre ein Fernseher eher ein angepasstes Mitbringsel gewesen.
Eine andere Familie zankte sich mit den Angestellten, weil die zahllosen Mitglieder vor der Abreise die Minibar von Getränken und Schokoladen befreit hatten. Sie waren der Ansicht, der Inhalt der Minibar gehöre selbstverständlich den Gästen und sei im entrichteten Preis inbegriffen.

Hotelmanager verzichteten bereits vor Jahren auf relativ teure Flaschen mit hochprozentigem Inhalt in den Minibars. Gebildete Kunden gossen sich den Schnaps in die Kehlen und ersetzten den Inhalt durch farbähnlichen Tee. Tolldreiste Gauner füllten die Fläschchen mit Natursekt, sprich Pisse auf.

Beim Schlemmen in Chumphon sahen wir, Wirte führten als Selbstschutz Regeln ein. Für 119 Baht pro Person durften wir uns mit Gemüsen, Nudeln, Reis – gekocht oder gebraten, Fleisch von Garnelen, Huhn, Schwein, Fisch, gefüllten Teigtaschen und diversen Saucen selbst bedienen und die Delikatessen anschliessend auf einem Tatartenhut brutzeln oder in dessen Sud kochen und danach verspeisen.
Für bezogene, aber übrig gebliebene, nicht verwendete Fressalien, verlangte der Kassier am Ende einer Mahlzeit beim Bezahlen pro Stück zusätzlich zehn Baht. Ohne solch drastische Sparmassnahmen müssten die Preise verdoppelt werden.

Ähnliche Sammelwut erleben wir täglich an den Frühstücksbuffets. Lebenskünstlern oder geübten Baumeistern gelingt es einhändig, die andere Hand hält das Smartphone am Ohr, auf einem Teller von dreissig Zentimetern Durchmesser einen Kegel von fünfundvierzig Zentimetern Höhe aufzuschichten. Vorsicht: Spiegeleier benutzen die Steilhänge als Sprungschanzen. Nur wenig vom behändigten Futter gelangt bis in den Magen.
Wir erlebten es im Dorf. Die Hälfte der erworbenen Lebensmittel wird weggeschmissen! Wegwerfgesellschaften wurden in Teilen der (w)restlichen Welt Industrie-Standard. Smartphones sind nach sechs Monaten technisch veraltet. Globale Konzerne wollen nicht nur produzieren, sondern vor allem verkaufen.

Dorfleben

Dieses Dorf und seine Frauen sollten teilweise mein Schicksal und meine Zukunft bestimmen. Glücklicherweise war ich ahnungslos über die bevorstehenden Ereignisse. Seit meinem Unfall und Spitaleintritt 1957, erlebte ich in den nächsten Jahren die turbulenteste Zeit meines Lebens.
Am Hofeingang zu den Laboratorien in Bern wurde ich durch einen rückwärts fahrenden Wagen aus dem Rollstuhl auf die Strasse geschleudert. Die neu entstandene schwere Schulterverletzung schmiss mich augenblicklich aus dem Erwerbsleben. Zusätzlich verlor ich meine Selbständigkeit. Mich vom Boden in einen Rollstuhl zu heben, wurde unmöglich. Im Schlafzimmer in der Schweiz schaffte ich nicht einmal die vierzig Zentimeter vom Boden auf die Matratze. Morgens um vier half mir die Sanitätspolizei für vierhundert Franken! Sportliche Aktivitäten, wie das Schwimmen, musste ich abschreiben und vergessen, ebenso feine Arbeiten mit beiden Händen.Reisernte PhonPhat

Reisernte am Dorf 2002

Es ging mir noch gut, als ich begann, mich in der neuen Wohnung gemütlich einzurichten. Meine Haushälterin brachte gleich einen elektrisch beheizten Topf, um Trinkwasser warm zu halten. Einen Kühlschrank für kalte Getränke fand ich weitaus besser. Mein Freund und Nachbar fuhr mit mir los, um so ein Gerät zu erwerben.
„Two doors“, meinte mein Freund.
Ich verstand: „Tudor – Dynastie, Henry VII, 1457–1509!“
Ernsthaft fragte ich mich: „Ein spätgotischer, grüner Kühlschrank? Na ja, vielleicht in Nordthailand.“

Als der Verkäufer nach der Lieferadresse fragte, telefonierte mein Helfer seiner Frau, welche unseren Wohnort kannte und in Landessprache instruierte.
„Ein leerer Kühler hilft dir nicht“, sagte mein Fahrer. „Wir benötigen Getränke und ordentliche Humpen.“ Als wir im Dorf eintrafen, wartete unser Lieferant bereits vor der Türe. Bald darauf feierten wir mit dem ersten Bier.
Bereits an einem der folgenden Tage, wurde mein Glück leicht getrübt. Die Schwester der Haushälterin verstarb in Bangkok. Die Köchin sagte:
„Ich muss zur Trauerfeier nach Bangkok“. Weg war sie.
„Nun benötige ich einen Kochherd“, sagte ich zu meinem Freund. „Dann kann ich im Notfall Suppen oder Pasta mit Sugo kochen.“
Eine knappe Stunde später war der Handel erledigt. Zwecks Lieferadresse rief er wieder seine Frau an. Darauf druckte ich Adress-Kärtchen in Thai und Englisch.
Die nächsten Abende war ich bei den Nachbarn eingeladen oder wir gingen zusammen aus. Damals war es einfach, in der näheren Umgebung gute und preiswerte Verpflegung zu finden. Ich kochte kaum. Für Notfälle war ich vorbereitet.

Ich lernte einige Nachbarn kennen und beobachtete, wie mein Freund und andere Farang lebten. Die meisten seiner Abende waren verplant mit Kartenspiel und Kegeln mit Landsleuten. Speziell englische Fussballspiele am Fernsehen wurden in Gesellschaft mit viel Bier begossen. Jeweils am Freitag standen gemeinschaftliche Barbesuche, Region Loi Kroh, auf dem Programm. Selten nur beteiligte sich seine quirlige Frau an solchen Exkursionen. Während ihrer ausgedehnten Freizeit spielte sie Bingo und andere Glücksspiele. Sie tröstete sich schnell mit zusätzlichen Liebhabern. Dies war der Anfang seines bitterbösen Endes.
Mein lieber Freund und Helfer kümmerte sich nicht im geringsten um Thai-Belange. Er kannte keine örtlichen Feiertage mit Alkoholverboten. Feste und lokale Anlässe interessierten ihn nur am Rande. Er beharrte auf englischem Frühstück, möglichst mit Nieren und wenn immer realisierbar, auf englischem Dinner. Meine Verdauung akzeptiere weder die kulinarischen Spezialitäten der Insel, noch all die Menge Bier.
Die Barbesuche ödeten mich an. Ich zog mich von den englischen Gentlemen zurück. Während sie die käufliche Ware in Bars aus Stangenhaltung eingehend studierten und kritisierten, zwitscherte ich mit vernachlässigten Landhühnern aus Bodenhaltung im Dorf, trostspendend Wein.
So viele Freundinnen hatte ich nie zuvor. Diese mandeläugigen Wesen, die Meisten verheiratet, suchten beinahe hemmungslos Körperkontakt.

Meine Haushälterin klärte mich auf:
„Du benötigst dringend einen Fernseher“. Die Häuser sind zusammengebaut. Die dünnen Wände dämpfen Geräusche kaum. Bedingt durch die Bauweise verbreiten sich sogar Dämpfe aus den Küchen in den Wohnungen.
„Ohne Flimmerkiste wirst du nie Besuch im Schlafzimmer empfangen.“
Regelmässig wenn ihr Freund und Liebhaber meine Köchin besuchte, ging ihr Fernseher an. Das darauf folgende Programm konnte ich mir vorstellen. Landwirtschaft: Pflügen und Ackern. Handwerk: Bohren und Nageln.

Einen Fernseher benötigte ich nicht. Die Stereo-Anlage genügte. Beispielsweise Bolero von Maurice Ravel! (2)

(1) https://en.wikipedia.org/wiki/Tudor_period
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Tudorstil
(2) https://en.wikipedia.org/wiki/10_(film)

Selbstverwirklichung im Freudenhaus

Nach der Rückkehr aus dem klimatisch und menschlich gemässigteren Klima von Satun nach Nordthailand, prasselten negative Ereignisse und Nachrichten wie tropische Gewitterstürme auf Dick ein. Absolut gedankenlos attackierte die faule, liebe Verwandtschaft, eingeschlossen verschiedene Dorfbewohner mit üblicher mentaler Retardierung* Dicks geistiges Wohlbefinden.

Eigentlich wollte ich nur eine kurze Mitteilung aus Dicks Smartphone wiedergeben. Aber die Leser im Abendland und der neuen Welt benötigen die exotisch erotischen Hintergrundinformationen zum Verstehen des Beitrages.
Als ich vor elf Jahren das neue Haus bezog, störten mich die bellenden Flohträger des Nachts, wenn sie den Mond oder ihr trauriges Schicksal besangen. Den Kegeln auf den Strassen konnte man ausweichen. Dem Anblick krepierender Hunde vor dem Nachbarhaus nicht.
Dort lebten viele Personen: Eltern, Kinder, Tanten und die anderen Verwandten. Tagsüber war meist niemand anwesend. Nachts erhellten selten Lampen Flure und Zimmer. Keiner kümmerte sich um die Tiere: Hunde, Katzen, Vögel und einen buntschillernden Kampfhahn.
Der krähte verzweifelt so intensiv, dass die Kokosnüsse von den Palmen krachten.
Sobald die Tiere ihre letzten Zuckungen zelebrierten und die Vögel in den Käfigen von den Stangen fielen, erstand man Nachfolgeobjekte.
Als die Kinder grösser wurden und zum Praktizieren der Pubertät eigene Zimmer benötigten, zog die ältere Verwandtschaft aus. Während eines Dorffestes stellte sich die Nachbarin, mit Flasche – von Chang, rülpsend vor:
„Ich bin diplomierte Krankenpflegerin. Sofern Du ein Anliegen, ein Bedürfnis hast, ruf mich bitte. Ich kann mich jederzeit frei machen.“
Das Bedürfnis war nicht riesig, denn da war eine liebeshungrige, alkoholfreie Masseuse. Ich war ihr einziger Kunde. Sie fühlte sich dauernd heiss und trainierte deshalb meine Augen vor den eigentlichen Leibesübungen mit Entkleidungsritualen. Wenn diese Frau gelegentlich verhindert war, gab es andere Honiglieferantinnen.

Eines Abends zu später Stunde hatte die Pflegefach-Frau ein Anliegen an mich – als Farang und Christ. Ihre Tochter wurde von einer Elite-Schule verwiesen. Sie vernaschte die Burschen reihenweise und betrieb schamlos regen Geschlechtsverkehr in den Schulgebäuden.
Davon erzählte die Dame nichts. Sie erwähnte nur, dass sie ihre hübsche Tochter in einer christlichen Schule anmelden möchte. Leider sei ihre Kasse leer, ob ich als Christ und Nachbar mit schönem, teurem Haus mit einigen Baht helfen könne – und so…
Ich wusste, das Schulmädchen machte in den Hotelzimmern der Stadt Chiang Mai Hausbesuche, um als eifrige Phallusverehrerin die Tiefenwirkung penetrierender Christen zu erforschen. Die rastlose Ejakulations-Assistentin konnte die Summe in einigen Tagen locker selbst beschaffen. Ich verzichtete auf das eindeutig zweideutige Angebot der Mutter und empfahl naiv und unbefangen andere Finanzierungsmöglichkeiten in der näheren Umgebung.

Es war nicht überraschend für mich, als Dick mir vor einigen Wochen ganz diskret und leise sagte:
„Unsere Nachbarin, die Krankenschwester hat zwei Berufe. In der Freizeit verkauft sie Sex.“

Später erhielt Dick von der Pflegerin eine Nachricht auf ihrem Zenfone:
„Liebe Dick,
du bist eine sehr attraktive Frau. Dein Mann ist alt, gebrechlich und schwer krank. Du erlebst sicher mühsame, vor allem langweilige Abende zu Hause.
Ich verbringe meine Freizeit in einem eleganten Klubhaus für distinguierte Herren. Romantische Kerzenbeleuchtung, ansprechende Musik, teure Getränke, gepflegte Frauen und wohlhabende Männer versüssen nicht nur mein Leben, sondern bieten zudem finanziell äusserst interessante Anreize.
Gerne lade ich Dich zu einem Besuch im Super-Klub der Klasse und der fröhlich klingelnden Kasse ein. Mit Deinen Kenntnissen vieler Länder in Asien und in Europa gewinnst Du leicht neue Freunde. Dein strahlendes Lächeln und Dein schöner Körper, wären eine echte Bereicherung unseres Hauses…..“

Anhang:
Erklärungen und Links

*Medizinisch orientierte Definitionen sprechen von einer Minderung oder Herabsetzung der maximal erreichbaren Intelligenz.
Sind die Ursachen des Schwachsinns Alkohol, Drogen, Inzucht oder Syphilis?

(1) https://hinterindien.com/2015/06/16/grenzenlose-selbstverwirklichung/
(2) https://hinterindien.com/2015/05/20/langes-warten-auf-millionen/
(3) http://www.duden.de/rechtschreibung/distinguiert

Die Kunst des Karaoke-Nicht-Singens

Erinnerungen an meine Frühzeit im kleinen Dorf inmitten der Reisfelder Nordthailands.
Eine meiner jungen Nachbarinnen war ein bezaubernd aussehendes Sing-a-song-Girl. Ein Manko, sie konnte nicht singen.
Bereits am Nachmittag fuhren grössere Wagen der einstigen Oberklasse vor. Sie verstopften die kleinen Strassen in der Nähe des Nests der stillen Nachtigall.
Ohne eine Note zu singen erarbeitete sich die Frau genügend Bank-Noten für einen gehobenen Lebensstandard. Schönheitssalon, Massagen, letzte Mode gehörten zu ihrem Alltag. Eines Tages heiratete sie einen Herrn aus Singapur. Einige Jahre danach zog das Paar leider weg. Das Haus steht noch. Der einst kleine grüne Garten wurde restlos zu betoniert. Da gedeiht kein Unkraut mehr. Für mich ist es ein Denkmal!

Verlorene Übersicht?

In drei Jahren verfasste ich auf WordPress bis heute freiwillig mehr als 375 Beiträge. Ich räumte auf und archivierte. Einerseits erstaunte mich die Vielfalt der Themen.
Zahlreiche Erlebnisse sind Momentaufnahmen. Sie unterlagen im Laufe der Zeit eigentlich ständigen Wechseln, ähnlich dem Wetter. Die meisten Menschen fotografieren nur bei Sonnenschein. Ich beschrieb Schattseiten und Unwetter, meist zurückhaltend, stark beeinflusst durch westliche Erziehung, Literatur und Moral.
Andererseits gestehe ich, in Nordthailand, im Dorf am Reisfeld rotiere ich gedanklich an Ort und Stelle. Es gibt kaum Positives zu berichten. Die Rubrik müsste lauten: Sex, sex, sex, Gedankenlosigkeit, Unglücksfälle und Verbrechen!
Bedauernswert finde ich die Situation der Jugendlichen hier. Ausser an technischen Spielzeugen und gewaltverherrlichenden Computerspielen, zeigen die jungen Leute keinerlei Interessen. Neugier und Wissensdrang der Kinder wurden durch Lehrer, Fernsehen oder Elternhaus nie geweckt. Mowgli erreichte den Zenith seiner Bildung vor vier Jahren. Seitdem lernte er nur wenig dazu. Er übte sich trotz regulärem Schulbesuch fleissig im Vergessen. Weil seine Kollegen noch vergesslicher und vor allem eingebildeter sind, ist er trotzdem einer der Besten.
Wir kennen es von Handwerkern: Saubere, vertrauenswürdige Ausführung von Arbeiten, besonders Reparaturen, gehören in die Kategorie Seltenheit. Fachkenntnisse und geforderte Vorsicht, werden meistens durch mass- und sinnlose Kraft ersetzt.

Die Szenen ähneln sich. Sie passen fugenlos, besser als ein Puzzle, zusammen.
Vor einigen Tagen verfasste ich einen unglaublichen Artikel, eigentlich nichts Neues unter gleissender Tropensonne – oder unter dem unendlichen Sternenhimmel. Glücklicherweise löschte ich meine krassen Informationen unfreiwillig durch einen Muskelkrampf in der Hand – ausgelöst durch einen Blitzschlag.
Die Menschen des Dorfes, von wenigen Ausnahmen abgesehen, benehmen sich wie im Irrenhaus. Ich hatte diesen Eindruck beim Verlassen Ende August. Jetzt, Ende Mai, nach einer unfreiwilligen Rückkehr aus der Idylle Satun, bleibt meine Meinung unverändert.

Die trügerischen Wahrnehmungen dürften an mir liegen. Bereits vor drei Jahren schrieb mir ein speziell netter, verantwortungsbewusster Mensch:
Deine Weisheiten sind auch nur durch ein „sehr kleingestricktes“ Fernglas verifizierbar…. und ganz sicher nicht allgemeingültig.
Ja. In meinen Geschichten, nicht nur dort, fehlen meistens Verstand und globale Großzügigkeit.

Eigentlich bin ich von Hinterindien gesättigt und habe genug, speziell von Nordthailand. Meine komfortabelste Unterkunft in Asien liegt bedauerlicherweise auf diesem Fleck Erde. In LanNa Land erlebten wir zu viele spezifische Un- und Eigenarten.
Leider kann ich kaum zurück nach Europa. Ich ertrage das Klima, ebenfalls die pseudo-helvetische Gutmensch-Politik, eingebunden in den driftenden, fremdbestimmten Ballon Europa, nicht mehr. Eine zukünftige Betreuung in eidgenössischen Alters- und Pflege-heimen ist nicht erstrebenswert. Eine Erdbestattung in jener Gegend erwäge ich nicht, weil bei eisiger Bise (Nordwind) im ungeheizten Behältnis zusätzlicher Rheumatismus droht. Deshalb suchen wir weiter nach einer angenehmen Unterkunft, kleines Haus in grossem Garten, im milden Süden.

Wolkenbrüche, Wohnungsnot und Gesang

Tropische Regenfälle sind spektakulär. In Nordthailand, im Dorf am letzten Reisfeld warnen stürmische Windstösse vor bevorstehenden Schauern. Alte, oft stark geschminkte Weiber versuchen dann, herumwirbelnde Wäschestücke zu retten, während bösartige Böen bunte Röcke schamlos anheben. Sogar wenig betagte Säufer bemerken nichts von allem und starren teilnahmslos in ihre Schnapsgläser oder auf die Glasfronten der Fernseher.
Plötzlich prasselt der Regen. Während Minuten weigern sich heisse Dächer und asphaltierte Flächen nass zu werden. Das zischt und dampft zusätzlich wie Wasser auf heissen Herdplatten. Doch dann siegen die Fluten. Es kommt vor, dass die Teiche überlaufen. Unsere Fische weiden wie Kühe im Garten unter Sträuchern und im Gras.

Aussergewöhnlich starke Regenfälle erlebten wir erst in Langkawi und im Haus in Satun. Die Gewalt des Wassers ist mächtig. Sie lässt jede Sprache verstummen. Die Blitze jagen sich, der Donner kracht. Es trommelt auf den Dächern. Die relative Luft-Feuchtigkeit im Haus steigt schnell auf achtzig Prozent. Zeitungen kleben an Armen und Händen. Falschgeld-Drucker wie ich, müssen pausieren. Das gesamte Wirtschaftsleben erlahmt. Keiner besucht Kneipen.
Nur die Fische wandern aus ihren überbevölkerten, mit Wasser-Hyazinthen verstopften Rinnsalen und Teichen. Die Tiere suchen neue Gewässer. Beim ersten grossen Regen trafen wir auf Strassen und in Gärten zahlreiche Kletterfische, Anabas testudineus. (1) Wasser-Hyazinthe
Nach der zweiten Sintflut besuchte Dick den Markt in Klong Khut. Sie kaufte Grünzeug und einen Fisch. Während des Rückmarsches von ungefähr hundertfünfzig Metern erfolgte ein weiterer Wolkenbruch. Sie sah im Wasser am Strassenrand einen Fisch von etwa einem Kilogramm. Er kämpfte um sein Leben. Motorradfahrer sahen das Tier in der Dämmerung nicht. Dick fing den Fisch von Hand und brachte ihn in einem Plastik-Beutel nach Hause. Die Beute einer Nachbarin waren vierzig Fische. Sie bot das Fleisch in ihrem Restaurant an.

Ums Haus quakten wie gewohnt die Frösche. Da setzte zusätzlich in der linken Ecke ein Bass einen Akzent. Nur Sekunden später erfolgte die Antwort eines gewaltigen Basses von rechts. Aus der Mitte, jenseits der Mauer, erschallte für drei Sekunden ein Kontra A. (2) Der erste Bass hatte Spass und wiederholte seinen Beitrag. Die Runde quakte wechselnd munter weiter. Jenseits der Mauer warteten hunderte von teilnehmenden Sängern. Die Lautstärke wurde überwältigend. Sie übertraf die Schlusstakte eines grossen Symphoniekonzerts. (3) Die meisten Frösche arbeiteten bis Sonnenaufgang. Dann wurde es ruhig, bis zur Nacht des nächsten Wolkenbruchs. Mit voller Lautstärke gab der Chor der Bassisten seine Anwesenheit bekannt.
Ich erwog den Ankauf von Ohrenpfropfen, um in Zukunft ruhig schlafen zu können. Nach einem weiteren kräftigen Regenguss blieb in der dritten Nacht der Chor stumm. Die Mitglieder waren inzwischen wohl alle verheiratet, mit häuslichen Pflichten beschäftigt und durften nicht in den Ausgang.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Kletterfische_und_Buschfische
(2) https://www.youtube.com/watch?v=iNKSEctlLfs
(3) https://www.youtube.com/watch?v=GvyJZoqzw-8

(mp3)

Die Aufnahme mit einem Smartphone enttäuschte mich. Die Höhen sind überbewertet. Die Bässe fehlen. Zur Korrektur fehlte mir ein leistungsfähiger Equalizer.