Wenn süsse Früchte Richtung Küche fliegen

Zwei Haarkünstlerinnen diskutierten aufgeregt. Sie waren wütend auf unsere Hochbaum-Artisten, die Thai-Hörnchen. Diese munteren Tierchen frassen in der Höhe unreife Passions-Früchte und Maracuja. Während des Schlemmens dekorierten sie von oben die Haare der Ladies mit Abfällen. Die Frauen zeteterten: wegen den gierigen hungrigen Tieren gäbe es für uns keinen Sirup. Die flinken Kletterer können nur unreife Früchte öffnen. Einige Tage später wird die Hülle zu hart zum Knacken. Dann fallen immer noch kilogrammweise saftige, rötliche oder gelbliche Kugeln von den Schlingpflanzen im Geäst. Ab Juli würde ich im Garten als Schutz vor den gefährlichen Geschossen Helme empfehlen. Die Frauen tragen bloss Schlapphüte.

Früchte gibt es neulich im Überfluss. Dick schenkte vor einem Jahr einem Nachbarn eine Flasche mit Sirup. Er brachte kürzlich seiner Gattin einige Säcke voller Maracuja und wünschte sich Sirup. Die Frau werkelte und stellte einige Liter Brühe her. Im Testtrinker entwickelten sich sogleich Bauchschmerzen mit Durchfall. Der Saft seiner Küchenperle gärte unverfroren. Eine neue Definition für Gärung lautet: „Mikrobieller Abbau organischer Stoffe ohne Einbeziehung von externen Elektronenakzeptoren wie beispielsweise Sauerstoff zum Zweck der Energiegewinnung.“
Definitionslos bringt nun der Nachbar seine Früchte in unsere Sirupküchen. Schon beim Garen von Reis sind die Einheimischen restlos überfordert. Ohne Reiskocher geht gar nichts. Wie sollten sie etwas Heikles wie Sirup ohne bakterielle Verunreinigungen herstellen?

In Satun stellten wir vergorenen Sirup her. Ein gestrichener Teelöffel mit Hefe im verdünnten Saft liess die Flüssigkeit im Kühlschrank während Tagen brodeln. Vorsicht, der Behälter darf nicht geschlossen werden! Explosionsgefahr! Der resultierende Sprudel ist bekömmlich bis sehr gut. Wir leben noch.

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Rauchen mit Buddha

Lesen sie all die Weisheiten, die Buddha vor 2500 Jahren verbreitet haben soll? Siddhartha hatte demnach gar keine Zeit für Meditation. Er war ein Mediator, eine Quasselstrippe ohne Informationstechnologie und Smartphone. Wurden all seine mündlichen Informationen auf vertrauenswürdigen Medien wie Pergament, Lochkarten, Lochstreifen, Magnetband, Floppy, Festplatten, optischen Speichen wie CD und DVD, ROM und RAM, gespeichert?

In Hinterindien mit dem tief verwurzelten Spendenwesen, heute Korruption genannt, funktioniert ohne Schmiermittel, genannt Scheine, nichts. Die Eingeborenen gewöhnten sich daran. Sie denken, sogar Geister, Götter und Buddha sind käuflich. Opfern im Tempel ist üblich. Nicht nur Weihrauch, sondern vor allem Scheine. Im Notfall genügt Gold. Die Bauern können nicht auf reiche Enten verzichten!
Anfänglich war ich bei Dorf-Festen ein willkommener Spender. Als ich bemerkte, dass manche Äbte die üppigen Spenden in rollendes, meist deutsches Edelmetall umwandelten, davon rein gar nichts bei der Bevölkerung oder im Nibbana ankam, lähmte dies meine Griffe zum Geldbeutel.
Anlässlich eines Tempel-Festes erwarteten die Initianten vom Farang mindestens 1000 Baht. Ich trennte mich von 100 Baht.
„Geizhals“, sagte die Urheberin der Geldsammlung. Ich erwiderte:
„Gestern bezahlte ich Essen und Getränke für das Dorf-Fest. Heute bin ich deshalb knapp bei Kasse. Hilft mir jemand mit einem Vorschuss?“
„Helfen schon, aber was ist ein Vorschuss?“ Diskussionsende.

Von mir fliesst kein Geld mehr in Tempel. Trotzdem bringe ich Buddha öfters landesübliche Opfer wie Weihrauch. Bereits in der Schweiz entzündete ich nach einem Fondue oder Besuchern mit Schweissfüssen gerne indischen Weihrauch. Wenn ich hier selten genug eine Gudang Garam, eine indonesische Nelken-Zigarette anzünde, spiesse ich nach einigen kräftigen Zügen den Glimmstängel auf einen abgebrannten Weihrauchträger. Das Opfergefäss stelle ich dann vor eine Buddha-Skulptur. Das nenne ich: „Rauchpause mit Buddha.“
Offenbar gefällt Buddha mein beinahe lautloses Angebot. Er segnet uns reichlich mit Blumen, Früchten und Pflanzen. Hie und da verlässt ein schwerer Fisch unseren Teich freiwillig. Dick muss nur noch zupacken.
Gegenwärtig sind unsere Pomelos ein paradiesischer Genuss. pomelo-im-garten Die ungeschälten Früchte wiegen pro Stück über ein Kilogramm. Der süsse Inhalt ist goldig bis rosarot gefärbt. pomelo-schnitze Über dem Pomelo-Baum wuchern Schlingpflanzen, Passionsblumen mit roten Beeren und Maracuja mit gelb-grünen Früchten. Die werden uns per Luftpost franko zugestellt. maracuja-blau Deshalb kann ich aus hoch-religiösen Gründen das Rauchen nicht aufgeben. Würden wir Kartoffeln ernten, wären es tief-religiöse Gefuehle.

Irrungen und Verwirrungen

Als wir von Satun in den Norden aufbrachen, war ich auf etliche Überraschungen vorbereitet. Der Garten war verwahrlost. Im grossen Teich war der reiche Pflanzenteppich weg. Niemand kümmerte sich darum. Zusätzlich leckte das Mauerwerk. Der Rambutan Baum hatte keine Früchte. Die Blätter waren vergilbt. Die unerträgliche Hitze forderte ihren Tribut. Andere Früchte als Kokos, Bananen und Pomelo gab es dieses Jahr offenbar nicht.
In den letzten Wochen lagen in der Nähe des Sitzplatzes am Morgen runde Kugeln am Boden. Dick klagte, all die Früchte seien von Eichhörnchen und Vögeln angefressen. „Was ist es denn?“
„Saowaros.“
„Gönnen wir unseren Haustieren das Vergnügen“, sagte ich. Ein fetter Wels von siebzig Zentimetern Länge, landete nach der Besichtigung des Gartens und des Fallobstes in verschiedenen Kochtöpfen.
Danach fielen täglich unversehrte Beeren auf den Boden. Bisher kochte Dick davon bereits sechs Liter unverdünnten Sirup. Alle waren schneller als ich, beim Geniessen der Früchte. Überfluss an Passionsfrucht erlebte ich noch nie. Die Ernte geht weiter!

Es ist Ende September. Eigentlich wäre die Zeit reif, um in den Süden zu reisen.
Dick hatte eine zuverlässige Frau als Pflegehelferin. Die letzten drei Wochen musste Dick auf diese Hilfe verzichten. Die Frau reiste nach Indonesien und Singapur. Dicks Pflege-Dienst begann um sieben Uhr, wenn Mowgli zu Schule ging. Dann blieb sie weg, oft bis gegen Mitternacht.
Die Aufsichtspersonen aus der Familie, ausser Mowgli, taugten nichts. Wiederholt sah ich unsere Patientin mit einem Besen als Krücke im Garten herum irren, sofern wir unfähigen Trotteln vertrauten. Die Damen und Herren konnten oder wollten sich die Möglichkeit eines gefährlichen Sturzes nicht vorstellen. Dabei kracht die Frau fast jede Woche auf den Boden des Hauses, wenn sie in Eile ist. Sie ist immer in Eile. Sie mag keine Sekunde warten. Gegen diese senile Fallsucht könnte man uneinsichtige Personen höchstens auf dem Boden festschnallen. buddha-s
Ich versuchte, Dick wenigstens in unserem Haus zu helfen und kochte Abendessen für uns und ebenfalls für die Kranke. Trotz den Problemen mit den Armen wusch ich Teller und Besteck. Nur Gläser berührte ich bloss zum Trinken. Deren Abwasch ist zu delikat ohne Gefühl und Feinmotorik.
Eigentlich sollte Dicks Helferin zurück sein. Aber sie beschloss, bis Ende Oktober in Indonesien oder Malaysia zu bleiben. Das bedeutet, Dick kann gegenwärtig nicht weg. Wenn es kalt wird, beim ersten Schmerz, muss ich verreisen. Vielleicht könnte mir Mowgli helfen. Wir könnten Malaysia bereisen. Für ernsthafte Probleme müsste ich Instruktionen mit Telefonnummern vorbereiten.

Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere

Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere,
und weil die Bäume hoch sind
und diese Tiere groß sind.
Die süßesten Früchte schmecken dir und mir genauso,
doch weil wir beide klein sind,
erreichen wir sie nie.

Hoffentlich verstehen die Leser die Verse. Die wurden nämlich von einem Österreicher verfasst. Die Internetseite „Songtexte“ weist ausdrücklich darauf hin, dass es noch keine Übersetzung auf Deutsch gibt. Der Verfasser war der talentierte Unterhalter Peter Alexander. Er hiess eigentlich Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer. Herr Neumayer sprach von Kirschen.
Für mich sind die Früchte in über fünf Metern Höhe Passionsfrucht oder Maracuja. Das ist aber nicht dasselbe. Maracuja und Passionsfrucht gehören beide zur Gattung der Passionsblumen. Die Maracuja, forma flavicarpa genannt, ist in der heutigen Lebensmittelindustrie jedoch weiter verbreitet, als die kleinere, rote Passionsfrucht, die forma edulis. Auf Thai heissen die Früchte Saowaros, เสาวรส.
Beide sind Schlingpflanzen mit wunderschönen Blüten. Sie wachsen über unseren Sträuchern und Bäumen. Die Eichhörnchen und Vögel geniessen sie. Dank Buddhas Gnade gibt es reichlich Früchte, die herunterfallen. Die könnten ja auch direkt ins Nibbana fliegen!
Dick kocht das Fruchtfleisch unter Zugabe von dreissig bis fünfzig Prozent Zucker für zwei Minuten. Zeitangaben in Thai, geschätzt – nicht gemessen! Der Saft wird in sterilisierte Sake Flaschen, drei dl, ohne weitere Zusatzstoffe abgefüllt.
Die abgekühlten Flaschen werden im Kühlschrank aufbewahrt. Weil der Sirup in wenigen Tagen verschwindet, können wir auf Hilfsmittel wie Zitronensäure verzichten.

Meine bevorzugte Zubereitung des Saowaros Sling – Phon Phat:
Einen Finger Sirup ins Glas giessen,
vier bis fünf Finger gekühltes Sprudel-Wasser beigeben,
zum Abrunden einen Finger Wachholder-Schnaps, Gin.
(Die Finger-Angabe betrifft breite, nicht länge!)

Das Getränk mischt sich unter starkem Schäumen selbsttätig. Achtung, entstehende süsse Mikrospritzer ziehen Ameisen an! Weil ich zum Reinigen zu bequem bin, bereite ich diese Flüssigkeiten im Abwaschbecken zu.

Bereits machte ich mir Gedanken, wie ich in Zukunft auf den Gin verzichten kann. Man könnte das Fruchtfleisch mit Zucker und Hefe präparieren, stehen lassen und danach destillieren. Das wäre besonders bekömmlich für ältere Menschen wie mich, anstatt mit wackelnden Zähnen die Früchte ausnagen, aussaugen – oder kraftlos mit Löffeln nach einigen Häppchen zu bohren.

Macro HangDong verkauft Maracuja Sirup. Ich fand ihn neben dem alkoholfreien Rum-Aroma in der Abteilung für Kuchen und Torten. Doch besteht ein kleiner Qualitätsunterschied zu unserem Saft. Das Gebräu enthält Zusatzstoffe. Auf 800 Milliliter Sirup entfallen fünfundfünfzig Prozent Zucker und bloss zwanzig Prozent Saowaros. Der stolze Preis: 249 Baht. Teurer Zucker!

(Text) http://www.songtexte.com/songtext/peter-alexander/die-sussesten-fruchte-fressen-nur-die-grossen-tiere-1b8ae924.html
(Frucht) http://www.tropenkost.de/exotische-fruechte/passionsfrucht.html
(Lied) https://www.youtube.com/watch?v=StY353HKlyQ