Zweitausend und dreizehn

Die Suche nach Ausreden war ergiebig: Ausreden – für verspätete Blogbeiträge. Bisher hatte ich kaum Probleme mit der Dreizehn.
Ich kenne männliche Wesen, die an einem Dreizehnten ihre zukünftige Frau trafen. Folglich wurde dann am Dreizehnten geheiratet. Das verflixte siebente Jahr meisterten beide problemlos. Ich selbst scheiterte daran.

Unser Jahr 2013 begann ruhig, steigerte sich mit gelungenen Reisen. Anfangs Februar setzte eine Pechsträhne ein. Vielleicht deshalb, weil ich mich gegen Dorfzauber stellte. (1) Um dreizehn Uhr brach ich den Fuss. Der schwoll schnell an, Format Wassermelone. Er verfärbte sich rot, dann blau und grün. Die Röntgenbilder zeigten: Gleich doppelt gebrochen.
Zusätzlich zu den Brüchen, riss ich mir den Oberschenkelmuskel entzwei. Der kleinere Teil hängt am Hüftgelenk, der grössere Rest an der Knieseite. Damit muss ich leben.
Ich kann, denn ich bin Blogger, kein Fussballer.

Leider verletzte ich ferner das rechte Schultergelenk. Das spürte ich, als der Fuss richtig schön summte und brummte, noch nicht  Wenn ich den Arm nicht brauche, bin ich schmerzfrei. Weine entkorken, unmöglich. Auto lenken geht kaum. Tippen an der Tastatur ist je nach Tischhöhe mal Alkoholpegel möglich. Die genaue Formel bestimmte ich noch nicht. Manchmal flattern bei Schmerz die Finger. Gegenmittel: An einem Glas, gefüllt mit kalten, spirituellen Säften, festkrallen.
Diesen Widerwärtigkeiten, nicht den Säften, entfliehen wir demnächst. Wir erforschen Inseln und ihre Bewohner(innen) im südchinesischen Meer. Die Gründe sind:
Der Einflusshorizont der Hexenmeister ist unter glücklichen Umständen geographisch begrenzt. Wenn nicht, vernahm ich in Wahnsinn aus dem Wok:
Im Islam ist Okkultismus verboten. Aber es gibt in Malaysia muslimische Bomohs. Sie vertreiben Geister, Phi und Jinn, mit Koransuren. (1)
Während ich mir meine Ausreden im Kopf zurechtlegte, verfasste Pheneas Prettiwillie unabhängig davon, einen weiteren Artikel über die Zahl 13 in Thailand. (3)
Leider sind Internetzugänge von den Inseln geschwindigkeitsmässig sehr begrenzt.
Aber sie, geschätzte Leser(innen), werden vermutlich von uns hören und sehen.Monk1

Dick, Kamera und Low, Wort,
mit den besten Wünschen zu Songkran!

(1)
https://hinterindien.com/2013/04/12/spiel-mit-harten-ballen/
(2)
http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2011/05/29/1175-e-stundenlohn-wer-arbeitet-ist-blo%CE%B2-zu-blod-zum-zaubern/
(3)
http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2013/04/15/thailand-jeder-tag-freitag-der-13/

Fachkundiges aus dem TIP Forum:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=14339.msg1080546;topicseen#msg1080546

Goon meistert Geister

San Phra PhumGoons Mutter zog um. Vor der neuen Unterkunft im Dorf stehen zwei Geisterhäuser. Die einstige Besitzerin wurde vom Glück gepeinigt. Sie gewann zweimal innerhalb zweier Jahre vier Millionen in der Lotterie. Mit dem ersten Geldsegen bezahlte sie vernünftigerweise sämtliche Schulden und kaufte Land zwecks Gemüseanbau. Das Gemüse verkaufte sich gut. Bangkok war Grossabnehmer.
Zum ersten Geisterhaus gesellte sich aus Dankbarkeit ein zweites San Phra Phum. Dann flossen wieder Millionen. Die Überglückliche erkrankte unheilbar an Habgier. Sie benötigte dringend mehr Zaster. Wozu? Sie verlor in kürzester Zeit alles, inklusive Familie.

Goon betrachtete sich zumindest als Mitinhaber der San Phra Phum. Er rannte zur Mutter und erzählte glücklich:
„Ich habe zwei neue Freunde. Ein Mädchen und ein Knabe.“
Die Nachbarn wunderten sich, als das Büblein mit unsichtbaren Wesen, Geistern, spielte. Dazu murmelte er dauernd Zahlen. Im Tanzgarten lernte das Kind zählen, nicht nur in Thai, sondern auch auf Englisch – leicht unverständlich – aus neunzehn wurde nol ten.

Die Mutter versuchte aus der scheinbaren Beziehung Goons Profit zu schlagen und fragte ihren Sohn scheinheilig:
„Kennen deine neuen Freunde die Lottozahlen?“
„Ja, aber die wollen dafür Si Daeng, Blut.“ (Waren es schmerzhafte Erinnerungen des Kindes an Krankenhäuser, oder garstige Erlebnisse zu Hause?) (1)

Die leicht beschränkte Frau erschrak ob der Aussage und machte sich ernsthafte Sorgen. Die Nachbarn hatten ausser des Fernsehens keine Unterhaltung. Sie tuschelten dauernd über Phi, Geister, die das Kind verwirrten. Der aufmerksame Kleine hörte einiges und gaukelte den verrückten alten Weibern alles Gewünschte vor. Er erzählte den neugierigen Tratsch Tanten auf Anfrage gerne, wo genau er Geister geortet hatte. Mit viel kindlicher Phantasie begeisterte er die unmittelbare Umgebung.
Seine Aussagen fuhren den Weibern in die betagten Knochen, in die Milz und andere Körperteile, aber kaum in die geistlosen Gehirne. Sie suchten fluchtartig gemeinsam gleich mehrere Tempel auf, verbrannten ganze Packungen voller Weihrauch und liessen sich von geduldigen Äbten mit Weihwasser berieseln.

Als Grossmutter – Dick – beim gemeinsamen Radfahren Goon fragte, wo all die Geister seien, sagte er grinsend:
„Mai Mee, – es gibt keine!“
Lottozahlen vermittelte er nie, auch nicht gegen Süssigkeiten und Kaugummi.

Nachtrag:
Goon ist ja bekannter Bankunmae Tanz- und Fernsehstar und benötigt keine Almosen.
Für die Schule waren Dicks Filmchen beste Reklame. Sämtliche Plätze sind verkauft!

(1) https://hinterindien.com/2012/04/06/die-leiden-des-jungen-guun/
Das Büblein auf dem Eise
http://meister.igl.uni-freiburg.de/gedichte/gue_f01.html

Kleinschlange, Monstergeist

9. Januar 2013

Die Flüge nach Singapur sind gebucht. Die meisten Hotelzimmer ebenfalls. Wie üblich, mögen die Hausgeister unsere Abwesenheiten nicht. Vor acht Monaten streikte, nebst anderen Kleinigkeiten, die Autobatterie zwei Tage vor der Abreise.
Letzte Nacht arbeitete ich bis gegen drei Uhr. Bevor ich mich ins Bett legte, prüfte ich Haus und Garten. Die Lichter brannten. Das Wasser plätscherte in den hinteren Teich. Ein kühler Winterwind säuselte im Bambus. Alles schien in Ordnung. Das Manometer im Badezimmer zeigte normalen Wasserdruck. Dies war eine meiner klügsten Investitionen. Bei Problemen mit der Wasserversorgung in der Regenzeit, genügen Blicke auf dieses Manometer und das Voltmeter in der Küche, bevor jemand mit Werkzeugen gedankenlos im strömenden Nass herumstapft.Waterpump2005

Kurz vor acht Uhr morgens erfolgte die totale Ernüchterung. Kein Druck auf der Leitung. Eventuell schaltete die thermische Sicherung den Motor für kurze Zeit aus. Kein Wasser für WC und Bad. Sogar die Zähne blieben trocken.
Dabei musste Dick dringend nach Mae Rim reisen, um staatliche Kranken- und Unfallversicherungen zu bezahlen. Pro Kilobaht dauert diese Amtshandlung ungefähr eine Stunde, für sieben Kilobaht entsprechend länger.

Nach drei Uhr schauten wir uns gemeinsam die Wasserpumpe an. Der Motor war warm, arbeitete jedoch nicht. Ein Energiefresser mit reiner Scheinleistung, – eine alltägliche Erscheinung in Hinterindien. Ich prüfte die Spannung mit einem Messgerät. Dann entfernte ich den Netzstecker. Wir sahen uns das technische Wunderwerk sehr genau an.
Eine lebensmüde Schlange verübte im Motor Selbstmord.  Warum im Motor? Die hätte in Pattaya mit dekadent-deprimierten Farangs gemeinsam Balkonspringen üben können. Dick entfernte mit feinen Fingern und noch feineren Werkzeugen das Trockenfleisch mühsam stückweise. Wir sahen, die Wicklungen wechselten durch Feuer und Hitze beim Rösten des Tieres die Farbe.
Selbst nach der sorgfältigen Reinigung lief der Motor nicht mehr an. Mit einer Ersatzpumpe überlistete ich die bösartigen Verursacher danach in wenigen Minuten.

Dann suchte ich mit meiner selbstentwickelten, elektronischen Wünschelrute den eigentlichen Übeltäter. Ich spürte die versteckten, wohlerhaltenen Gebeine einer vorsintflutlichen, menschenverachtenden Echse auf. An schlechten Tagen deponieren sie ihre Kacke in Wein-, Whiskey- oder Wassergläsern. Sie gehören zur Familie der Schuppenkriechtiere(Squamata) und bevölkern die Erde seit etwa 50 Millionen Jahren.GeckoIn einer entsprechenden Opferzeremonie kremierten wir die Teile mit tausend Litern Spiritus und tausend Kilogramm Weihrauch. Vom PC her chanteten dazu tausend Mönche über Lautsprecher mit tausend Watt Leistung.  Über den Daumen gepeilt, findet dann in genau tausend Tagen die Wiedergeburt statt.

Weil in gewissen Ländern gewisse Tiere nicht verspeist werden dürfen, bereiteten wir uns vor. Wir kauften Bauchspeck, nicht von Ratten. Es hatte ein zartes Stückl für Filet Mignon im Kühler. Ich kaufte grobkörnigen Salumi Napoli mit appetitanregenden schwarzen Pfefferkörnern und feingeschnittenen, geräucherten Speck, Prosciutto, von Fiorucci. Während drei Tagen feierten wir schweinisch, bevor wir uns an Hummer, Peking Enten und Halal Essen gewöhnen müssen.

Nun packen wir noch die Koffer. Hoffentlich nicht tausend Kilogramm Damen-garderobe..

Lochfrass

Es geht nicht um die Vorzüge beim Genuss von originalem Emmentaler-Käse!
Im Zusammenhang mit ‘Töpfe in Hinterindien‘ https://hinterindien.com/2012/08/ oder
http://wp.me/p2ljyL-ji bemerkte ich folgende Suchanfragen unsicherer Leser:

A. Kann man Pfannen mit Lochfrass noch brauchen?
B. Ist Lochfrass bei Pfannen giftig?

Im Artikel heisst es:
In Kochgeschirr aus Aluminium oder rostfreiem Stahl kann Lochkorrosion durch Chlorfrass  auftreten. Liegt Salz (Natriumchlorid, NaCl) im Wasser am Boden von Töpfen und Pfannen , können kleine Löcher, der Lochfraß, entstehen. Lochfraß wird verhindert, wenn das Salz in kochendes Wasser gegeben wird.Formel

Antworten:

A. Sofern die Löcher noch nicht Tunnels sind, können Töpfe zum Kochen genutzt werden, andernfalls nur als Sieb.
Mit einer Lupe betrachtet, haben wir keine Pfannen ohne Spuren von Lochfrass.

B. Sofern du nicht selbst in das Metall beisst, bestimmt nicht.
Stahl, auch das Leichtmetall Aluminium, sind relativ schwer verdaulich. Dafür gibt es eisenhaltiges Gemüse. Während der Jagdsaison verzehrte meine Partnerin einst einen bleihaltigen Fasan, weil die Küche keinen Bleimagneten besass, um den Schrot zu entfernen.

Weit gesundheitsgefährdender als Pfannen mit Lochfrass können Keramiken aus Drittweltländern sein. Die Farben könnten Schadstoffe abgeben. Glasuren könnten Schwermetalle wie Blei oder Uran enthalten.
Als Kleinkind hatte ich einen Teller mit einem bunten Gockel. Im Verlaufe der Jahre verschwand das lustige Tier. Ich verzehrte mit dem Brei also ungewollt ein Hähnchen. Wieviel in meinen Körper geriet und wieviel beim Abwaschen weggeputzt wurde, wissen nur die Geister.

Im Paul Scherrer Institut in Würenlingen, CH, untersuchten die Fachleute hin und wieder
Keramikfliesen. Als Farbstoffe dienten Uranverbindungen. Bei der Annäherung mit Geiger-Müller Zählrohren tickten die Instrumente wegen der abgegebenen Strahlung.
Bereits 1789 und 1810 wurde Uranerze in den böhmischen, schlesischen und sächsischen Glashütten eingesetzt.
Anlässlich einer dringenden Sitzung zur Verrichtung eines Rufes der Natur in einer flott gekachelten Bedürfnisanstalt, kann jemand unter schlechten Bedingungen mehr radioaktive Strahlung erhalten, als bei einem Besuch im Kernkraftwerk! Die Strahlungsdosis könnte durch einen böhmischen Kristallleuchter intensiviert werden, bis Lochfrass entsteht. Aber – das wäre dann eine andere Formel.

http://de.wikipedia.org/wiki/Keramik
http://de.wikipedia.org/wiki/Z%C3%A4hlrohr

Gaeng Hunglay

Als Ruheständler leiste ich neben der Schreibarbeit täglich Küchendienst. Hie und da stolpere ich über ein Rezept, das wir gemeinsam verwirklichen: Sie kocht, ich esse. Neulich entdeckte ich im Internet ein Rezept von Madame Tomatenblüte. Welch wunderschöner Name voller Poesie. Sie beschrieb in Wort und Bild einen lackierten chinesischen Schweinebauch. (1) Die Abbildungen allein lösten gewaltige Speicheleruptionen aus. Wir arbeiteten uns durch das Rezept. Das Resultat war fantastisch anzusehen und duftete voll exotisch orientalisch, von Indien bis China.

Rund um den heissen,  Aromen verströmenden Backofen versammelten sich die Geier, die mitfeiern wollten. Zum Glück, denn im warmen Klima Thailands, die Temperaturen sanken in den letzten Tagen um etwa zehn Grad, genügte wenig der Delikatesse, um uns ältere Leute zu sättigen. Die jungen Leute verschlangen den Rest des Schweinebauches in Rekordzeit.
Eine etwas leichtere, burmesisch-, nordthailändische Zubereitungsart von Schweinebäuchen ist Gaeng Hunglay, oder Hanglee Curry.

Hunglay Currypaste für ein Pfund Fleisch:
einige Knoblauchzehen, je nach Grösse * erst am Schluss beigeben
3-4 Thai Zwiebeln oder Schalotten          * erst am Schluss beigeben
1 1/2 TL Ingwer
1 1/2 TL Galanga
1 Stengel Zitronengras, wenige cm sehr fein schneiden, den Rest in etwa 4 cm langen Stücken beigeben
1/2 TL Koriandersamen
1-2 Korianderwurzeln
1-2 TL frischen Kurkuma
2-3 Kaffir Zitronenblätter, ungeschnitten
3-6 getrocknete Chili, frisch geht auch
1/2 TL Zimt
1/2 TL Sternanis
1/2 TL Garnelenpaste, Kapi, leicht angeröstet

Die zerkleinerten Gewürze mit 250 bis 500 ml Wasser verrühren, je nachdem sie eine eher dicke Sauce oder her eine suppenartige Brühe möchten. Ich mische die Suppe in Teller und Schalen mit vergnügen mit Reis oder Nudeln.
Kein Schweinebauch

Wer Mühe hat, die Zutaten zu finden, erspart sich die Arbeit und kauft einen Beutel Hunglay Curry Paste von Lobo.

Das Fleisch in ca. 20 mm Würfel schneiden und anbraten. Ob sie den Bauch mit oder ohne Schwarte zubereiten, entscheiden sie. Diverse Köche empfehlen eine halbes Pfund Schweinelende und ein halbes Pfund Bauch zu mischen. Wir suchen uns einen nicht zu fetten Bauch, opfern unter Umständen die Schwarte und vergessen die Lende.

Das Schweinefleisch in die Tunke geben und 1 1/2 bis 2 Stunden zugedeckt auf kleiner Hitze schmoren lassen. Wir geben üblicherweise in Würfel geschnittene Kartoffeln dazu, Topinambur (2) eignet sich auch – und vielleicht eine einsame Tomate. In der Dorfversion kann der Kari mit etwas Apfel oder frischer Kleinst-Banane aus dem Garten, beides fein geschnitten, angereichert werden. Je nach Laune – etwa eine Viertelstunde vor dem Anrichten die Schalotten (ganz), Knoblauchzehen (ganz), eventuelles Grünzeug und Ingwerstreifen beigeben.

Gaeng Hunglay eignet sich zum Verzehr mit Reis, oder mit feinen Nudeln.
Ob es dazu geröstete Erdnüsse und feingeschnittenen, eingelegten Ingwer nebst anderen Beilagen braucht, überlasse ich ihrer Phantasie.
Als Dank für das gelungene Essen, entlassen wir jeweilen einen Geist aus einer verkorkten Flasche. Wir vernichten die für Kinder ungeeignete Flüssigkeit während des Essens schluckweise.

(1) http://tomatenbluete.wordpress.com/2012/12/04/schweinebauch/
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Topinambur

Anmerkung Bild: Die Frau mit den zwei Köpfen ist eher dick. Sie heisst aber nicht so.

Korrekturen

Alle Leser haben ein Recht darauf zu wissen, warum Dick im sexy Hexen Dress Kräutlein kaufte. Die Abonnenten der Geschichten kommen immer wieder zu schaden. Die Aufsätze existieren meistens als Gesamtblock. Hinweise und Links setze ich an den Schluss.
Wenn ich langfädige Erzählungen aufteile, vergesse ich zu oft, die entsprechenden Bemerkungen in den richtigen Teil zu schieben. Für Durchschnittsleser bleibt mir nach erfolgter Publikation genügend Zeit für die entsprechenden Korrekturen. Zwischen Mittag und zwei Uhr Thaizeit schaut kaum jemand auf den Blog
Die Abonnenten erhalten meine Texte gleich bei der Publikation. Da sind sämtliche Rettungsaktionen ausgeschlossen.FrangipaniDie Felder am Bildschirm für Speichern und Publizieren liegen sehr nahe beieinander. Mein Sehvermögen ist nicht mehr so gut. Möglicherweise sollte ich den Kauf eines Glasauges reiflich überlegen, denn es kam vor, dass ich, oder die Maus – das falsche Feld erwischte. Ein publizierter Beitrag kann sofort gelöscht werden. Die Abonnenten jedoch erhalten den Aufsatz. Die Krönung ist, wenn ein Leser einen Kommentar zu einem Thema macht, welches die schweigende Mehrheit noch nicht kennt.  Als geistloser Einmann-Betrieb bedaure ich diese Fehler. Im Lande vieler Phi kommen sie häufiger vor. Die wollen nämlich ihren Spass haben.

Reklamationen sind sehr erwünscht.

Hier sind die fehlenden Anmerkungen (für Abonnenten) zu ‚Vorbildlicher Kundendienst‘ (Teil 1)

(1) Seit wann verkauft Jaspal Kostüme für Halloween?
http://de.wikipedia.org/wiki/Halloween
* Name von der Redaktion zum Schutz des Konsumenten Low geändert.

Pech

Khun Ding erhob sich üblicherweise im Morgengrauen. Er hing seine ausgebleichte, verwaschene, dünne Decke an einen krummen, rostigen Nagel in einem Balken und schaute als erstes nach seinen Tieren.
Die Nachbarn kochten bereits aromatische Süppchen aus Knochen, Zitronengras, Chili und Galanga. Es roch in der feuchten Luft nach verbranntem Gummi. Holzkohle war fast unbezahlbar. Auch beim Gas musste man sparen. Reis und Gemüse waren kaum noch gefragt am Markt. Billige Importwaren zerstörten die Preise. Sprachfetzen aus den Fernsehgeräten vermischten sich mit dem Gegacker der Hühner, dem Heulen der Hunde und dem Knattern der Motorräder.

Heute war alles anders. Ding lag leise stöhnend am Schlafplatz. Wiederholt versuchte er sich zu erheben. Röchelnd brach er kraftlos zusammen. Frau und Kinder bemühten sich vergeblich, den Alten irgendwie aufzustellen. Suppen, Reis oder Lao Khao mochte er nicht.
Nach einigen Stunden dämmerte die Gewissheit im Letzten der wenig gebildeten Köpfe des Dorfes: Ding war ernsthaft krank. Ein Phi schlug verborgenerweise in den dunklen Schatten der Nacht zu. Der Zauberer und Hexenmeister des Weilers wurde gerufen.
Er prüfte den Puls des Darniederliegenden. Er blies ihm Schnapswolken ins bleiche Gesicht. Er ölte die Stirn des Kranken. Er opferte Weihrauch und feuerte riesige Dampfschwaden. Dann schlitzte er unter starken Zaubersprüchen und mit magischen Gesten einem schwarzen Huhn die Kehle auf. Ding blieb liegen.

Die verstörten Kinder starrten mit Rotz in den Nasen und mit verweinten Augen auf den schmierigen Bildschirm des halbblinden Fernsehers, während sich eine emsige Spinne über eine Fliege im Netz hermachte.
Später holten Verwandte Ding mit einem revisionsbedürftigen, russenden Kleinlaster. Sie brachten ihn ins Krankenhaus nach Phitsanulok. Hunderfünfunddreissig harte Kilometer ohne weiche Unterlage oder Schatten auf der Ladefläche.

Ding war nicht der einzige Hilfsbedürftige. Ein riesiges Gedränge versperrte den Zugang. Immer wieder versuchten verzweifelte Menschen einen kleinen Vorteil auszunutzen und zu den Göttern in weiss vorzudringen.
Die Sonne näherte sich bereits dem Horizont, als Ding endlich auf eine matratzenähnliche, dünne Unterlage gelegt wurde. Die medizinischen Abklärungen hatten angefangen. Dings Frau schätzte sich glücklich und dankbar. In wenigen Tagen wären sie wieder zu Hause, bei Klebreis und Papaya Salat.

Das Krankenhaus war ein Bienenstock mit vielen Waben. In all den weissen Waben standen Apparate und Maschinen mit hunderten von Lämpchen. Die Geräte summten, brummten und spuckten Papiere aus. Bebrillte Leute diskutierten ernsthaft die langen Papierstreifen, als wären es Zeitungen. In diesem Labyrinth wurde Ding hunderte von Metern geschoben und immer wieder aufs Neue untersucht. Die holten die letzten Blutstropfen aus Armen und Fingern, injizierten Flüssigkeiten aus Spritzen und Flaschen in sämtliche Körperteile. Dazu gab es Pillen in allen Formen und Farben des Regenbogens. Da wurde geschmiert und geölt. Keine einzige, noch so winzige Stelle des Körpers ging vergessen.

Dings Erkrankung blieb ein Rätsel. Der Oberdoktor, der Herr aller Doktoren, sprach langsam  und hart drei Buchstaben:“ MRI!“
Einer der Ärzte unterhielt sich mit Dings Frau. In Chiang Mai stehe eine ganz neue Maschine. Nichts im Körper bleibe damit unentdeckt. Allerdings sei die Untersuchung nicht ganz gratis. Fünfzehn bis zwanzigtausend Baht müsste man schon rechnen. „Hat die Familie Geld? Hat die Verwandtschaft Geld?“
“Geld, in diesen Mengen?“ Sie schüttelte den Kopf: “Nein.“
Der letzte höhere Betrag sei ein Schulgeld gewesen und dann kleine Raten fürs Motorrad.

Im Dorf diskutierte man eifrig über das Suan Dok, oder Maharaj Spital in Chiang Mai. Die könnten dort alles. Neues Herz, bitte! Frische Niere zum Frühstück, kein Problem. Die Ärzte seien so erstaunlich gut, die Krematorien wären arbeitslos. Aber Geld, lausiges Geld, war keines aufzutreiben.

Dennoch legte man Ding eines frühen Morgens in einen Minibus. Sechs Stunden lang harrte der Kranke aus. Er ertrug das Schütteln, das banale Geschwätz, den Gestank nach Esswaren, Schweiss und schmutzigen Füssen im vollgestopften Bus. Er wartete geduldig auf sein persönliches Wunder.
Dann lag er lag voller Hoffnung in einer Reihe anderer Patienten. Die Stunde der Wahrheit kam in Form einer fülligen Kassiererin. Und als keine Scheine die Besitzer wechselten, bettete man den Schwerkranken, er war nicht der Einzige, zurück in die Warteschlangen für die Minibusse.

http://www.leckerbisschen.de/thailand-typisch/lachende-werbung.html