Persönliche Einsichten 2019

Unbekannte neue Erlebnisse drängten sich nach dem 10. Januar in mein Leben. Irgendwie überlebte ich die Operationen. Als ich richtig ruhig und drogenfrei im Spital-Bett lag, bemerkte ich, dass an beiden Händen die Finger merkwürdig gestreckt waren. Es sauste, brauste und summte in den Armen. Wieso denn, dachte ich, die haben doch den Hintern operiert.
Nach einigen Tagen versuchte ich, die Finger zu bewegen, denn ich erinnerte mich, solche Hände bei Polio-Patienten in den 50er Jahren gesehen zu haben. Dazu plagten mich Schmerzen in Fingern, Haenden, Ober- und Unter-Armen. Manchmal fühlt es sich an, wie wenn ich Backsteine im Unterarm tragen würde. Zitter-Krämpfe machen mir am Smartphone oder am Tablett das Leben schwer. Schreiben ist unmöglich. Wenn ich mit dem Zeigefinger einen Buchstaben erwische, löscht der kleine Finger das Getippte.
In der Ohren läutet Herr Tinnitus.
Sehschwäche: Von Zeitungen konnte ich nur die Schlagzeilen entziffern. Im Fernseher sah ich farbiges, unidentifizierbares Gewimmel. Der Ton war, wie bei Karaoke-Darbietungen in der Gegend, hauptsächlich auf Bässe ausgerichtet.
Den Laptop bedienen konnte ich nicht. Ich war durch die Behinderungen gänzlich unbeschäftigt, bis auf meine Übungen mit Fingern und Armen. Während Monaten nahm meine Sehstärke zusehends ab. Ein Optiker konnte mir nicht helfen.
Nach einer Star Operation konnte ich ab August endlich wieder sehen. Mit Dicks Hilfe programmierten wir mein Smartphone, damit ich interessante Staumeldungen vom Gotthard mitverfolgen konnte.

Ich habe nicht mehr viel, aber wesentliches zu verlieren.
Noch funktioniert mein Hirn. Ich bitte die Herren Alzheimer und Parkinson von einem baldigen Besuch abzusehen.
Hören kann ich relativ gut, das Ohrenpfeifen ist erträglich. Riechen kann ich alles, vor allem das Unangenehme. Katzen Exkremente lassen sich nicht mit Thai-Curry vergleichen !
Der Geschmackssinn ist vorhanden. Noch unterscheide ich Essig oder gepanschten Wein von reinem vergorenen Traubensaft. Häufig werden im warmen, total verschmutzten, Land leider gefälschte Artikel verkauft. Das betrifft besonders Jungfrauen.

Mit verschmutzt, meine ich Wasser und Luft. Im Norden gibt es keine Kläranlagen. Die Luftbelastung beträgt gegenwärtig um Chiang Mai im Tag bis 150 Mikrogramm Feinstaub. Wie wird es erst in der Feuer-Saison ab Januar aussehen? 500 Mikrogramm sind angesagt.
Deshalb verbot die Regierung aus Friedens-Aposteln (NCPO)und Generälen das Rauchen von Glimmstengeln sogar in den eigenen vier Wänden. Wenn dich deine Frau, Kinder oder Lebenspartnerin anzeigt, wird es echt teuer.
Kehricht, tote Katzen, sowie weitere Leichen darf im Freien jedermann jederzeit unbestraft verbrennen.

Kennen Sie den Sensemann persönlich?

klimt tod
Spätestens seit Kain und Abel, 1.Mose/Genesis 4,1-16, ist der Sensemann selbst arbeitslos. Der Sensemann als perfekte Organisation lauert ewiglich irgendwo im Hintergrund. Aber sie, die Organisation, hat mehr als genug Ausführende und Handlanger, die ihrerseits letztendlich ebenfalls vom Tod bedroht sind. Sensemann & Co. pachtete Kleinigkeiten wie Krankheiten und Kriege. Das Unternehmen investiert weltweit erfolgreich in Dummheit und Gier.

Seit Jahren erwarte ich den Überfall der geheimnisvollen Macht, den grossen Auftritt des Abtritts. Der Sensemann will mich noch nicht. Er verhöhnt mich. Statt einem stillen, endgültigen Finale, schnippelt er dauernd an meiner Lebensqualität.
Ich lernte früh, wie wenig Menschen brauchen, um selbst einem bescheidenen Leben Qualitäten abzuringen. Ich sah es spätestens im Krankenhaus 1957 – 1964. Meine durch Polio gelähmten Freunde wurden damals durch Maschinen beatmet. (1) Dennoch benutzten sie jede Möglichkeit, um aktiv am Leben teilzunehmen.

Anfangs Mai vernahmen wir in Satun, Dicks Mutter würde innerhalb einiger Tage sterben. Wir bestiegen den Wagen und reisten zum endgültigen Abschied zurück nach Chiang Mai. Mittlerweile wurde es August. Die alte Frau stirbt immer noch. Mit Dicks Pflege und meinen bescheidenen Diät-Kochkünsten gewann sie mehrere Kilogramm Gewicht. In ihrem Falle entdeckte ich die verborgene Lebensqualität noch nicht. Die Angehörigen distanzierten sich, vor allem von Pflegeleistungen. Sie warten unermüdlich auf nicht vorhandene Erbschaften. Sie überlassen freundlicherweise die schwere Arbeit Dick. Im Hintergrund übe ich mich Griessbrei kochend in Geduld.

Die Leichenentsorgung wurde, selbst in Thailand, zu einem blühenden, konjunkturunabhängigen, Geschäft! Wir werden alle Kunden dieser Industrie.

Abbildung Klimt: http://www.leopoldmuseum.org/de/sammlung-leopold/hauptwerke/22
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Poliomyelitis