Cornelis de Houtman und seine Flotte

Das ist keine heisse Liebesromanze, denn die Flotte ist leider nicht eine barocke Schönheit, wie sie Gemälde von Rubens darstellen.Rubens
In „Gewürznelken, Muskatnuss, Pfeffer…“ schrieb ich teilweise gedankenlos ab. Hier fehlen mir die Bibliotheken mit Informationen. Ich zitierte aus Wiki:
1595 brach eine erste niederländische Flotte unter Führung von Cornelis de Houtman nach Asien auf. Deren wirtschaftlicher Erfolg bewirkte, dass 1598 fünf Expeditionen verschiedener Ostindischer Kompanien…
Ich milderte die Aussage auf: Dennoch bewirkte deren erfolgreiche Rückkehr, dass 1598 fünf Expeditionen….

Ein zweiter, genauerer Blick auf die Reisen von Cornelis de Houtman lohnte sich.
Houtman kommandierte ab 2. April 1595 eine Flotte von vier Schiffen, Amsterdam, Hollandia, Mauritius und Duyfken nach Ostasien. Stellen sie sich die Kommunikation von Schiff zu Schiff vor. Rufe, Feuerzeichen und Flaggensignale. Mehr gab es nicht. Nach wenigen Wochen brach Skorbut aus. Skorbut ist eine Vitaminmangelkrankheit. Beim Fehlen von Vitamin C in der Nahrung tritt Skorbut nach zwei bis vier Monaten auf. Bei Streitereien zwischen den Kapitänen und den Händlern kam es zu Gewaltausbrüchen. Mehrere Personen wurden getötet. Während eines planmäßigen Aufenthaltes in Madagaskar kam es zu weiteren Ausschreitungen. Die madagassische Bucht, in der die Schiffe ankerten, wurde „Dutch Cemetery“, Friedhof der Holländer, genannt. Erst Monate später segelte die Flotte weiter. Am 27. Juni 1596 erreichten sie Bantam, heute Banten, auf Java. Annähernd 100 der ursprünglich 249 Männer überlebten die Fahrt.
Die dortigen portugiesischen Händler stellten Cornelis de Houtman dem Sultan vor. Der Herrscher war den Niederländern anfänglich freundlich gesinnt. Houtman, offenbar ein bösartiger Polterer, fehlten diplomatische Umgangsformen und jegliche Feinfühligkeit. Er beleidigte den Sultan und musste Bantam wegen seines rüden Verhaltens verlassen. Die Schiffe segelten ostwärts in Richtung Madura. Unterwegs wurde die Flotte von Piraten angegriffen. Der Empfang auf Madura war gefällig. Houtman ließ dennoch als Rache für den Piratenangriff ein Massaker unter der Bevölkerung anrichten.
Ohne abgeschlossene wesentliche Geschäfte reisten die Händler und Seeleute weiter nach Bali. Der König verkaufte den Holländern im Februar 1597 einige Fässer Pfefferkörner. Über St. Helena im Südatlantik, erreichten sie 1598 schließlich mit 87 Überlebenden Amsterdam.

Die Expedition war ein menschliches und finanzielles Desaster. Gleichzeitig bedeutete sie einen symbolischen Sieg der Niederländer. Sie war der Start der niederländischen Kolonialherrschaft in Indonesien. Sie brach das Monopol der Portugiesen.
Cornelis de Houtman entdeckte eine neue Seeroute von Europa nach Indonesien. Der Navigator Pieter Dirkszoon Keyser führte Himmelsbeobachtungen durch. Er schuf einen Sternkatalog des Südhimmels.
1598 startete Cornelis mit dem jüngeren Bruder Frederick de Houtman eine weitere Expedition. Cornelis wurde auf Befehl des Sultans von Aceh auf Sumatra ermordet.
Zu dieser Zeit waren Holland und Portugal Grossmächte der bekannten Welt!

https://de.wikipedia.org/wiki/Cornelis_de_Houtman
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Niederl%C3%A4ndischen_Marine
https://hinterindien.com/2014/03/10/hamburg-singapore-1857/

Gewürznelken, Muskatnuss, Pfeffer, Zimt und andere Kostbarkeiten

Heute jammern gesunde, kräftige, junge Menschen im Internet über die Strapazen, denen sie auf dem langen Weg nach Südostasien ausgesetzt waren. Sie scheinen ahnungslos zu sein, wie unsere Vorfahren diese Länder bereisten. Sie dagegen sitzen in komfortablen Flugmaschinen und werden mit Speisen und Getränken verwöhnt. Sogar elektronische Unterhaltungsmöglichkeiten sind in jedem Sitz eingebaut. Aber sie fühlen sich als privilegierte Entdecker.

Ein grosser Schritt auf dem weiten Weg nach Asien war die Entdeckung des Kaps der guten Hoffnung im Süden Afrikas im Jahre 1488 – durch den Portugiesen Bartolomeu Diaz! Dieses Wissen um den Seeweg nach Asien blieb für einige Jahrzehnte portugiesischen Seefahrern vorbehalten.
Wie klein und eng diese Segelschiffe waren und den Einfluss auf die Denkweise der Reisenden, bezeugt eindrücklich die Porta de Santiago der portugiesische Festungsanlage A Famosa von 1511 auf Melaka. Santiago
Die niederländischen Kartographen zeichneten die besten Seekarten der damaligen Welt. Ein holländischer Spion beim portugiesischen Bischof von Goa, Indien, kopierte Karten. Sie ermöglichten den Holländern, die Portugiesen zu überholen. 1641 eroberten die Holländer das portugiesische Melaka.

Basierend auf Anregungen von Jan Huygen van Linschoten, brach 1595 eine erste niederländische Flotte unter Führung von Cornelis de Houtman nach Asien auf. In vier Schiffe der Flotte wurden 290.000 Gulden investiert. Allein 100.000 Gulden waren zum Ankauf von Gewürzen in Ostindien bestimmt. Die Schiffe, die erst 1597 wieder ihren Heimathafen erreichten, hatte das ursprüngliche Zielgebiet, die Molukken, nicht erreicht. Dennoch bewirkte deren erfolgreiche Rückkehr, dass 1598 fünf Expeditionen verschiedener Ostindischer Kompanien von unterschiedlichen niederländischen Hafenstädten ins Pfefferland ausliefen. Bereits 1599 erreichte eine Expedition die weiter östlich liegenden Molukken. Teile einer Flotte segelten erfolgreich zu den Banda-Inseln und nach Sulawesi.

In knapp 200 Jahren, in denen die holländische „Vereenigde Oostindische Compagnie“ existierte, segelten nach Schätzungen knapp eine Million Menschen in ihren Diensten nach Asien! Von diesen Angestellten kehrte nach Berechnungen von Historikern bloss etwa jeder Dritte zurück. Manche starben während der achtmonatigen Seereise nach Batavia, heute Jakarta, an Skorbut. Während des Aufenthalts in Südostasien drohten tropischen Krankheiten. Die hygienischen Bedingungen auf den Schiffen waren katastrophal. Auf den ungefähr fünfzig Meter langen Schiffen waren 250 Männer zusammengepfercht. Die Soldaten durften bei gutem Wetter zwei Mal täglich für eine halbe Stunde auf das Oberdeck, um frische Luft zu schnappen. Während dessen pflegten sie ihre vom Rost befallene Ausrüstung.

Die Erträge lassen sich sehen. Der Handelswert der nach Europa eingeführten Waren betrug bis 1700 577 Millionen Gulden und im zweiten Jahrhundert, bis 1795, 1,6 Milliarden Gulden. Der Wert berechnet nach dem heutigen Goldpreis eines Gulden, 4g = 194 EURO, betrug also 423 Milliarden EURO.

Wenn sie eine Prise Pfeffer auf ihre Pizza streuen, oder wenn sie sogar vor den Resten portugiesischer oder holländischer Kolonisationsversuche in Melaka stehen, verschwenden sie einen Augenblick lang ihre Gedanken im Gedenken an die heldenhaften Abenteurer und Opfer früher christlicher Seefahrt. Wegweiser 2
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Huygen_van_Linschoten
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Niederl%C3%A4ndische_Ostindien-Kompanie