Gift in Lebensmitteln

Es gibt romantischere Gefühle im Leben, als sich mit Bauchkrämpfen und Durchfall zu verlustieren.
Vor fünfzig Jahren waren Kühlschränke noch nicht so verbreitet wie heute. Dennoch durfte man ohne Befürchtungen an den meisten Orten herzhaft futtern, sich den Magen vollschlagen.

Meine Grosseltern lebten ein ganzes Leben ohne Kühlschrank. Grossmutters Küche war so berühmt, wie Grossvaters Blauburgunder, auch wenn ihre Kinderlein nach genossenen Festessen darüber im Versteckten schnödeten.
Filet Wellington, ein Fleischgericht, das angeblich vom Schweizer Küchenchef Charles Senn anlässlich der Zürcher Internationalen Kochkunstausstellung 1930 kreiert wurde, kannte Grossmutter nicht. Hamburger, Hot Dogs und Hummer stellte sie nie auf den Tisch.

Vor einem halben Jahrhundert durfte man sich in Indonesien das warme Bintang Bier mit den wenigsten Schleiern und Fäden in der Flasche persönlich aussuchen. (1) Probleme mit dem fremdartigen exotischen Getränk kannte ich nicht. Heute ertrage ich die meisten Biere in Thailand nicht mehr. Chemische Hilfsmittel mag mein Magen nicht.

Im Norden verdaue ich die meisten Gemüse schlecht, weil zu viele Chemikalien zum Anbau verwendet werden. Dick geht es ähnlich. Im Süden ist es besser, sofern wir Grünzeug nicht in Grossmärkten erwerben.
Aus Profit-Gründen werden vielen Lebensmittel Schönmacher-Chemie beigefügt. Fisch, Fleisch und Gemüse werden mit hochgiftigem Formol bespritzt. Auf zahlreichen Fischkuttern gibt es nicht nur Eis und Kühltruhen. Trotz Kälte-Technik wird zu oft zur Formol Flasche gegriffen. Selbst in Australien erkrankten Menschen nach dem Genuss von Dosen-Thunfisch aus Thailand. (2)

Ich litt öfters nach Fisch-, oder Garnelen-genuss. Die Gemüse des Nordens lösen Blaskonzerte aus, letztmals teure japanische Gurke. Wir sahen zu, wie Chemie in verkäferte Reissäcke gespritzt wurde.
Nach dem Verzehr von Brot von RimPing, damals aus der Nim City, war mir mehrmals übel. Wahrscheinlich spritzten hirnlose Hilfskräfte Chemie in von Motten und Würmern verunreinigtes Mehl. RimPing schloss die betriebseigenen Bäckereien.

Als wir von Satun nach Chiang Mai kamen, durfte ich bei der Immigration in Promenada schnellstens meine Adressänderung melden. Da wir keine grösseren Vorräte im Haus hatten, benutzten wir die Gelegenheit zusätzlich für einige Einkäufe bei RimPing.
Ich erinnere mich an meinen ersten Thailand Aufenthalt. Jeder Tag brachte neue, teilweise duftende Erlebnisse. Ganz neu für mich war damals der Duftreis, Hom Mali, ein überwältigendes Erlebnis. In den letzten zehn Jahren fanden wir keinen guten Duftreis in Thailand, oder es war importierter Basmati Reis aus Indien.
Wir benötigten Reis. Die Auswahl war nicht besonders vielfältig. Eine Marke war, „Königlicher Schirm“ – Hom Mali. Die füllten nur Reis in den Sack und vergassen den Duft. Das Kochen erregte die Geschmacksknospen nicht. Einige Stunden nach dem Genuss wurde mir übel. War es das Fleisch, war es das Gemüse, der Salat oder gar der Wein?
Am Tag darauf verarbeiteten wir die Reste zu Bratreis. Wir gaben feingeschnittene Omelette-Julienne, angebratene Fleischstücklein, Gemüse und Kräuter in die Bratpfanne mit dem Reis. Wieder wurde mir schlecht danach. Dick zeigte ähnliche Symptome. Das Badezimmer hatte starken, vor allem schnellen Zulauf. Fortan ernährten wir uns von Kartoffeln, Mais und Pasta. Wir vergassen den Reis im Schrank. Wir konnten es kaum glauben, verseuchter Reis, eine grosse Marke, aus einem angesehenen Geschäft – vergiftet?

Anfangs Woche brachte Dick unsere Vorratsdose mit dem zweifelhaften Reis der Hilfskraft im Schönheitssalon. Gleichzeitig warnte sie die Empfängerin, der Reis könnte Bauchgrimmen auslösen, etwa im Tonfall, in welchem ich in der Schweiz jeweils Fliegen- oder Knollenblätterpilze verschenkte. (3,4) Innerhalb weniger Stunden erkrankte die Köchin. Sie erbrach und hatte Durchfall. Einerseits war mein Forschergeist befriedigt. Andererseits bedauerte ich die Erkrankte und spendete grosszügig Medizin. In der Schweiz dagegen hätte eine Probe beim Kantonschemiker einen Skandal ausgelöst.
Der Nicht-Duftreisfabrikant hätte mir einen Lamborghini oder Maserati vors Haus stellen müssen. Im LOS pfeife ich – nein – scheisse ich, auf oder in Lamborghini oder Maserati und fahre demonstrativ Mitsubishi.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Multi_Bintang_Indonesia
(2) https://www.news.at/a/thunfisch-dosen-soziales-elend
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Fliegenpilz
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Knollenbl%C3%A4tterpilz
(hinterindien) https://hinterindien.com/2016/04/14/qualitaet-der-lebensmittel/