Die verzwickt verzweifelte Flucht vor einer unerkannten unbekannten Krankheit

Mehrheitlich hatte ich aussergewöhnlich gute Ärzte. Ihnen verdanke ich als Paraplegiker Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Die Herren Professoren G.Riva und sein Nachfolger H. Keller vom Tiefenauspital Bern nahmen sich immer Zeit für meine Anliegen.
Nach erfolgter Physiotherapie besuchte ich Herrn Keller öfters in seinen Arbeitsräumen. Einmal hatte er ein Treffen mit anderen Medizinern. Trotzdem durfte ich mein Anliegen vorbringen:
„Zeitweise habe ich Gefühlsstörungen in meiner linken Hand.“
Einer der Mediziner klaubte in seinem Geldbeutel und sagte zu mir:
„Halten Sie ihre Hand auf den Rücken.“ Dann legte er eine Münze darauf und fragte:
„Was ist es?“
„Ein Zwanziger!“
Grinsend zeigte er das „Zwänzgi“. Die Anwesenden, ganz in weiss, schmunzelten. Meine Sitzung war beendet.

Einige Monate darauf besuchte ich Doktor Keller und meldete mich erneut wegen dieser Hand. Diesmal überwies er mich an die Neurologen des Inselspitals. Es gab einige Untersuchungen. Darunter eine sehr schmerzhafte Serie mit elektrischen Stimulationsimpulsen in die Hand. Wegen der in Kinderschuhen steckenden neuen Digital-Technologie waren nur Serien mit 32, 64 oder 128 Impulsen möglich. Die Signale wurden am Kopf und am Rücken erfasst. Die Spezialisten entdeckten mit verschiedenen Methoden keine verräterischen Symptome.

Während Jahren konnte ich danach trotzdem beinahe ungestört hochsensible Arbeiten verrichten. Ich spielte mit unberührbaren Ionenquellen. Demontieren, Reinigen, Zusammensetzen und im Gerät erneut anschliessen benötigten fünf Tage höchster Aufmerksamkeit. Die Quelle arbeitete im Ultra-Hochvakuum. Die Maschine musste entsprechend dicht sein.
In den USA benötigte ein Texaner im Labor eines Nachts unbedingt frischen Prärieduft, (green green grass of home 1). Ungeachtet des offenen Quellenraums, riss er ein Fenster auf. Wir schlossen das Gerät und starteten die Vakuumpumpen.
Bei 10E-4 Torr (Zehn hoch minus vier Torr), stand die Anzeige still. Mein Freund sagte: „Da ist sicher ein Insekt im Quellenraum.“ Nach dem er die gefriergetrocknete Präriefliege entfernte hatte, wanderte der Zeiger gegen 10E-8 Torr. Anstatt Uran-Isotope zu messen, ermittelten wir den Dampfdruck einer Fliege.
Das Laden von Substanzen wie Strontium oder Uran im Nanogramm-Bereich ohne Schlottern und Zittern führte ich problemlos aus. Heutzutage gehört das Verspeisen von Kuller-Erbsen zu den unmöglichen Tätigkeiten.

Gegen Ende des Jahrtausends wurden die Wintermonate in Europa problematisch. Vor allem die Schmerzen in den Handgelenken wurden unerträglich. Meine Tätigkeiten wurden eingeschränkt. Reparaturen, inklusive Lötarbeiten, erledigte ich meist rasch. Bundesordner, gefüllt mit Zeichnungen und Informationen, konnte ich den Gestellen nicht mehr entnehmen.

Anstatt mehr oder weniger nutzlos herumzusitzen, versuchte ich mein Glück mit einer Reise nach Chiang Mai. Das milde Wetter wirkte innerhalb weniger Tage. Da ich nur noch zu fünfzig Prozent arbeitete, dachte ich daran, in Zukunft einige kalte Wintermonate in Thailand zu verbringen und in der warmen Periode mein Pensum in der Schweiz entsprechend zu erhöhen.

Soweit kam es nicht mehr. Ich wurde in Bern im Rollstuhl von einem Auto angefahren. Ende der Berufstätigkeit. Ende der Selbständigkeit, erstmaliges Übernachten in der Badewanne und ähnliche Spässe waren vorprogrammiert.
Ich überlebte in Thailand. Viel Physiotherapie im Spital, Massagen zu Hause, Köchinnen, Raumpflegerinnen, Schamlippenvirtuosinnen beziehungsweise Seniorenentsafterinnen, halfen mir, das Beste aus der verzwickten Situation zu holen. Fast Alles war erträglich.
2005 lernte ich Dick kennen. Sie zog für bloss einen Tag zu mir. Wir kannten keine Langweile.
Nach unserer abenteuerlichen Rund-Reise in Borneo, schlug die Kälte in Chiang Mai im Januar 2014 unbarmherzig zu. Anstatt mich in den nächsten Flieger nach Singapur zu setzen, legte ich mich ins warme Bett und litt wie selten zuvor. Meine Armmuskulatur schmolz dahin, wie Butter an der Sonne.
Da waren sie wieder, die Gefühlsstörungen in der linken Hand. Diesmal sehr ausgeprägt. Die Temperaturempfindlichkeit war gestört, die Hand schien in einer Art Schlafzustand mit ausgeprägtem Zittern, vor allem bei oder nach Anstrengungen.
Die rechte Hand zittert wacker mit. Die Kraft in den Armen pfiff weg, wie die Luft in einem defekten Reifen. Dafür spreizt sich der Gesellschaftsfinger, wie bei englischen Tee-Tanten üblich, weit ab. (2) Zum Ausgleich wandert der kleine Finger der linken Hand langsam unter den Ringfinger.

Nun suche ich nur eines, etwas mehr Kraft im rechten Arm. Sobald ich die Transfers vom WC in den Rollstuhl schaffe, könnten wir wieder reisen. Überschwemmungen und Kraftmangel behindern unseren Wegzug nach Satun. Es wird kalt in Chiang Mai. Am 31. Oktober war es am frühen Morgen draussen nur 16 °C. Meine Gelenke reagierten. Kennen sie ein Mittel wie: Dr. Armstrong macht ihren Arm strong? Mein Schwiegervater, Zahnarzt in Singapur, hiess Armstrong. Der erste Mensch auf dem Mond war ein Armstrong. Der grosse Trompeter aus New Orleans hiess Louis Armstrong.

Low Armweak, Chiang Mai

(1) https://www.youtube.com/watch?v=nYjBpgz2lus
(2) http://blogs.faz.net/stuetzen/2009/08/06/der-gesellschaftsfinger-lob-eines-aussterbenden-distinktionsmerkmals-590/

Ausgang am frühen Abend

Eine Banküberweisung wartete. Nach sechs unlesbaren Formularen erstellte ich zu Hause nach einem Glas Maracuja mit viel Wachholder ein lesbares Blatt. Waren es die Vitamine oder der Alkohol? Es war eine Sternstunde angewandter Chemie, weil sich zu dem Zeitpunkt sämtliche Planeten am richtigen Ort befanden. In Satun beispielsweise wäre das gemischte Getränk nutzlos gewesen. Das ist mein Leben. Deines auch. Wahrsager, Kaffeesatzleserinnen und geldgierige Zigeunerinnen würden Dich gerne persönlich überzeugen – von der Allmacht des Glaubens an Scheissdreck. Die dürfte nach meinen neuesten Erkenntnissen weltweit proportional ähnlich verbreitet sein.

Wir fahren nicht zu Big C. Die Wartezeit in der Bank dürfte annähernd eine Stunde betragen. In Promenada müsste der Andrang weit geringer sein. Promenada ist ein überdimensioniertes Einkaufszentrum. Etwa dreissig Prozent der Ladenfläche fanden keine Mieter. Promenada lernte ich zwangsmässig kennen, denn die Chiang Mai Immigration befindet sich dort. Ich entdeckte ein kleines italienisches Restaurant. Die Köche kochen Spaghetti al dente – unglaublich! Nur meine Bolognese schmeckt mir besser. Die Cocktail Bar arbeitet nach Rezepten. Die Weine sind gut und preiswert. Die Bedienung ist vorbildlich.

Nach Fahrplan hätten wir um fünf in der Promenada ankommen sollen. Wegen des Gedränges auf der Strasse 108 wurde es halb sechs. Das Bankgeschäft wurde innerhalb fünf Minuten erledigt. Danach marschierten wir frohen Mutes nach Italien.
Die Cocktails mit der Vorspeise schmeckten. Der Hauptgang mit einer Flasche Primitivo aus Salento war bereits zuviel für uns alten Leute. Das stetige Befeuchten der Gurgel benötigte viel Zeit. Wir kauften in der Kneipe Gorgonzola und Würste. Danach suchten wir den Lift. Es war kurz nach neun Uhr. Die Lifte waren bereits ausser Betrieb! Promenada ist echte Provinz. Saufen vor fünf Uhr ist amtlich verboten. Nach neun musst du Treppen benutzen – ideal für den Rollstuhl.

Ein herbeigerufener Wachmann wies einen besonderen Weg. Wir fanden unseren Wagen und die exquisiten Würste landeten Minuten später ungestresst im Kühlschrank.

Treibholz

Bedaure, ich liess regelmässige Leser sitzen. Der Grund war ein erneuter Angriff meines Erzfeindes auf die Kontrolle meiner Hände und Finger. Ich konnte kaum Mails lesen. Ein kleines Teufelchen in der Finger-Steuerung liess mich Mails und Nachrichten löschen, bevor ich sie gelesen hatte. Mühsam gelang es mir, die meisten Texte zu retten. Vor einigen Jahren war ich ahnungslos, dass es solche Viren ebenfalls gibt.
Aus einer relativ aktiven Person, wurde ein mühsamer, fast passiver Lebenspartner. Das einzige, zu was der alte, stinkende Fleischhaufen noch taugt, ist reine Umweltverschmutzung. Dies beelendet mich wenig, denn parasitäre Lebensformen sind unter der Bevölkerung weit verbreitet.
Getränke führe ich zweihändig zum Mund. Letzthin in der Kneipe mampfte ich Finger-Food. Ich scheute mich, wegen unnütz lautem Geklapper Gabel und Messer zu benutzen.
Erinnerungen wurden wach. Ich dachte an das Buch: Lady Chatterley’s Lover, Lady Chatterleys Liebhaber. (1)
Dick ist glücklicherweise wirklich beschäftigt. Sie bedient alte Kundinnen im Salon. Sie repariert und lackiert unter meiner Regie, alles – von Elektronik bis zu aufwändigen Restaurationen. (3) Todesfälle und gesellschaftliche Einladungen gibt es zu Hauf. So ist sie oft von acht Uhr morgens bis um Mitternacht unterwegs. Mittagessen gibt es im Dorf, von frisch gezuckerten Nudeln bis zu Klebreis.
Selbst kleinste Besorgungen benötigen viel Zeit. Sie benötigte einen ganzen Tag, um ihre Versicherung zu bewegen, endlich eine Gutschrift für eine bevorstehende Operation auszustellen. Die amtliche Organisation, die ihr im Falle einer Krebsbehandlung problemlos 350‘000 Baht vorgaukelte, wurde pingelig und bezahlt für einen kleinen Eingriff nicht einmal eine Jahresprämie. Das erlebte sie doch schon mit AIA, vier Krankenhausaufenthalte – keine Leistungen! Aber für den Prämienbezug waren die Angestellten stets pünktlich zur Stelle.

Vor zwanzig Jahren war ich stolzer Kapitän meines Lebensschiffes und bestimmte den Kurs. Mittlerweile wurde ich zum vergammelnden, langsam absaufenden Stück Treibholz. Dessen Weg wird von andern Mächten bestimmt. Ich wurde zum passiven Zuschauer. Schaffe ich den Weg noch einmal nach Satun? Zur Zeit eher nicht.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Lady_Chatterley
(2) vergleiche Mai 2013, https://hinterindien.files.wordpress.com/2013/05/root2.jpg
(3) Arbeit von Dicks Sohn Dei, 2013, lackiert August 2017

Alkohol trinkende Ameisen attackieren Cocktails

Während Jahrzehnten verdünnte ich Süssgetränke zur Hälfte mit Sprudelwasser. Dann gab ich einen Schuss Wachholder, Rum, oder Whiskey dazu, um allfällige Ameisen zu verscheuchen. Spätestens nach drei Minuten, hätten die flinken Tierchen sonst mein Cogaaa-cola als Schwimmbad benutzt. Schon alte Schlager priesen Rum und Cogaaa-cola, Cuba Libre, als bekömmliches Mixgetränk an. Es war also nicht meine Erfindung.
Glücklicherweise sind die durstigen Ameisen sehr klein. Sie saufen in dreissig Minuten keine Flasche Schnaps. Sie sind schlecht zu entdecken, weil sie kürzer als einen Millimeter sind. Zusätzlich sind sie aussergewöhnlich schnell. In einer Sekunde bewältigen sie bis zu zehn Zentimetern. Zudem sind sie Fuzzy-Logik gesteuert. Fuzzylogik ist eine Theorie, welche vor ungefähr fünfzig Jahren, in der Mustererkennung zur präzisen Erfassung des Unpräzisen entwickelt wurde. Diese klugen Tierchen laufen nicht direkt von A nach B. Wie Hasen schlagen sie haken und entgehen so lebensbedrohenden Fingerkuppen. Die zurückgelegte Strecke ist folglich A-C-D-B!
In Thailand gibt es zur Ausbildung in praktischer Anwendung der Fuzzy Theorie ausreichend alkoholisierte Automobilisten. Sie fahren selten gerade aus, sondern schlagen Zickzackkurse ein. Zusätzlich variieren sie ihre Fahrgeschwindigkeit dauernd. Solche Kenntnisse helfen ihnen später, die kleinen Ameisen mit flinken Fingerkuppen erfolgreich auszumerzen.

Vor etwa drei Jahren entdeckte ich in Satun Ameisen, die Hong Thong Flaschen zwecks naschen bestiegen. Im Dorf verkauften die Läden keinen Sang Som oder andere Schnäpse. Hong Thong hat nur fünfunddreissig Prozent Alkohol und ist stark süss. Preislich ist Hong Thong günstiger.
Vor einigen Wochen enterten Ameisen in Chiang Mai erstmalig unseren Kokoswasser-Cocktail mit Barbados Rum. Experten dürfen sich streiten: Ist es das Kokoswasser – oder der Rum?

Dick klagte ihr Leid einer Nachbarin. Die Frau erzählte Dick, auch sie wurde beim Essen dauernd von Ameisen gestört. Abhilfe brachte angeblich eine Latex-Unterlage auf dem Tischblatt. Sie überreichte Dick einen entsprechenden Gummi-Schutz. Sie verwendet Latex-Matten ebenfalls erfolgreich im Bett. Lange benutzte ich im Bett die Tütenform, ohne zu wissen, dass ich damit lästige Ameisen abwehre.

Der erste Abend verlief erfolgversprechend. Einen Tag darauf waren die kleinen Säufer durstiger als je zuvor. Die Hälfte des Cocktails wimmelte innerhalb weniger Minuten derart von Ameisen, dass Dick ihn wegschüttete.
Es gibt Lösungen: keine Longdrink-Gläser, sondern kleine Sherry-Gläser, zusätzlich die Mixtur im Kühlschrank lagern. Ein jeglicher Verzicht auf seichte Unterhaltung fördert das schnelle Schlucken.

Einen kleinen Trost gibt es. An der Bar kann ich mir die kleinen Drinks ohne Attacken weiterhin problemlos mischen – spätestens, bis die gemeinen Viecher den Weg vom Tisch zur Bar erschlossen haben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cuba_Libre

Betrachtungsweisen

Sie bemerkten es, liebe Leserinnen und Leser, Hinterindien unterscheidet sich von anderen Reiseblogs. Es ist ein kleiner Unterschied, ob man ein Land während Tagen oder Wochen bereist, oder ob man hier, nicht unbedingt am Ort – ebenfalls im Land, sesshaft ist. Die ersten Blicke hinter die zauberhaften Kulissen, pornographischen Traumwelten und die zelebrierten Seifen-Opern zeigten mir eine neue, realistischere Welt. Es dauerte allerdings mindestens drei Monate, bis ich mich durch den schützenden, kulinarisch attraktiven Reisberg gefressen hatte und ich im Schlaraffenland endlich meine verklebten Augen öffnete. Thaiküchen boten einst absolute Höchstleistungen für Gaumen und Magen.

Die Umstände änderten sich während den Jahren. Amerikanische Schnellimbisse mit entsprechenden Süssgetränken eroberten das Land. Thais goutieren diese Küche samt gezuckerten Mikrowellen-Gerichten. Die Jungen mit ihren Smartphones als Dauerbrenner am Maul, identifizieren den abgekühlten Plunder nicht als minderwertiges Zeug. Von den Preisen her, musste es hochwertige, gesunde Kost sein.
Sollten wir Schweizer etwa auf Rösti mit Geschnetzeltem, reich garnierten Bernerplatten mit Würsten, Rippli, Bohnen und Sauerkraut – oder gar ein einfaches Fondue zu Gunsten dieser Hamburgerkulturen verzichten?
Seit Jahren weiss ich bei Einkäufen in Thailand, wir erwerben nicht – was wir benötigen, sondern — was uns angeboten wird. Dies gilt besonders während unseren Aufenthalten in Satun. Da helfen oft nur noch Bestellungen in Bangkok oder Chiang Mai.

Ein krasses Beispiel ist der Regen. Wenn es in Satun regnet, riechen wir aromatisch feuchte Erde. Sofern es im Dorf im Norden regnet, riecht es im Haus wie im Chemie Labor an der Uni. Braun-schwarzes, unbekanntes, griesiges Konglomerat fällt von den Dächern.

Seit drei Jahren wird das Land nicht mehr regiert. Die Generäle befehlen. Oft wird eine Anweisung innerhalb eines Tages ausgesetzt. In den drei Jahren der Militärregierung, erhöhten sich die Ausgaben für Verteidigung um einen Viertel, denn Thailand ist von äusserst aggressiven Nachbarn umgeben. Dafür wurde beim Bildungs- und Gesundheitswesen gespart.
Die Regierung Yingluk war drei Monate im Amt, als Überschwemmungen 2011 Zentralthailand und Bangkok heimsuchten. Schuld ist die Frau, weil sie als Regierungschef den Zorn der Götter erregte.
Die Generäle üben seit drei Jahren. Die gegenwärtigen Überschwemmungen sind reine, unvorhersehbare Naturkatastrophen. Dammbrüche durch wenig kompetente Schleusenwärter inbegriffen.

Ihre Excellenz Kobkarn Wattanavrangkul, Thailand Minister of Tourism and Sports, hatte die Eingebung, Touristen reisen nicht wegen des Sexgewerbes, sondern durch vielfältige kulturelle Angebote nach Pattaya. In Zusammenarbeit mit Armee und Polizei räumte man deshalb in den letzten Wochen Sündentempel, wie Massage-Salons, Bars und Klubs rigoros.

Dagegen boomt das Sexbusiness für chinesische Touristen unbekümmert weiter. Klammheimlich haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Grossveranstaltungsorte im Pattaya Markt etabliert. Diese Live-Sex-Shows sind ausschließlich Touristen aus der Volksrepublik China vorbehalten. Bis zu über 100 Busse karren die kulturell interessierten Gruppen zu den Etablissements, die von der Größe her Konzertarenen gleichen. Im Norden der Stadt gibt es vier Lokalitäten, in denen die schlüpfrigen Shows ohne Schlüpfer angeboten werden: BigEye, Bang Up, Number One und 69 Show. In direkter Nachbarschaft entsteht ein weiterer Komplex.

Wenn sie jetzt denken, der Mann wird alt und unglaubwürdig, haben sie recht. Ich selbst traue ebenfalls niemandem mehr in meiner Umgebung.

Ein folgenschwerer Spaziergang am Teich

Eigentlich wählte ich als Titel: „Schwein gehabt“. Da ich mit spezieller Rücksicht auf religiöse Gefühle nur halal-freundliche Worte benutzen möchte, verzichtete ich zumindest im Titel auf die Erwähnung des zum Verzehr verbotenen Borstenviehs.
Eine von Dicks Helferinnen bei der Betreuung ihrer Mutter, besuchte die kranke Frau regelmässig. Sogar als sie nicht mehr für Dick arbeitete. Zudem liebte sie kurze Spaziergänge im schattig kühlen Garten – mit Bäumen, Blumen, Früchten und Teichen.
Beim Lustwandeln am Teich hatte sie eine echte Bewusstseinsstörung, einen Schwindelanfall. Sie beging den Fehler und wollte sich an einer zerbrechlichen Thai-Konstruktion, einer den Japanern nachempfundenen Beleuchtung, festhalten. Beide fielen, streng nach Newtons Gesetzmässigkeiten, zu Boden. Die gefallene Frau überlebte schadlos. Dreissig Prozent des zementierten Werks zerbarsten. Der Deckel als wichtiger Regenschutz verlor seinen Untersatz. Die Frau holte aus ihrem Haus eine Keramikhaube. Gekonnt setzte sie die Stücke verkehrt zusammen. Anstatt das Wasser abzuweisen, wurde es gesammelt. Sie telefonierte mehrmals nach Satun. Den Unfall und den Schaden erwähnte sie nie.
Vom Schlafzimmerfenster aus sah ich mir den ungepflegten Garten mit den zahlreichen beschädigten Teilen an. Da klaute doch ein Langfinger mit Schraubendreher den Stecker einer Leitung zu einer Teichpumpe. Die Pumpe entfernten wir vorsorglich. Wir wussten, niemand würde alle paar Wochen den Schlamm entfernen. Der ungekühlte Motor würde verbrennen.
Mowgli trimmte sein Arbeitsprogramm für sechs Monate auf reine Scheinleistung. Er berührte gar nichts, ausser er benötigte frischen Fisch für Pfanne und Magen. Welse haben den Vorteil, dass man sie nicht schuppen muss. Die schwimmen unanständigerweise vollständig nackt im Wasser und dies in einer streng uniformierten Militärdiktatur.

Dick versuchte den Beleuchtungskörper zu reparieren. Sie ersetzte die zerstörte Lampenfassung. Ich hatte die Idee, das Laternendach auf Sodawasserflaschen zu stellen.
Anfänglich dachte ich an eine Eigen-Konstruktion aus Acrylglas. Aber – wer verkauft zwei mal zwei Zentimeter Profile im Entwicklungsland? Gegenwärtig kann ich nicht einmal als Passagier ins Auto steigen. Es blieb mir einzig der Genuss von Sodawasser.

Alle unsere Beleuchtungskörper sind mit Feinsicherungen von 500 milli-Ampere, mA, geschützt. Für Energiesparlampen wären dadurch Leistungen von gesamthaft über hundert Watt möglich.
Schon beim Zusammenstecken der Einheiten von Beleuchtungssteuerung und Anschlusssicherungen, bemerkte ich, offenbar zerstörte sich eine Sicherung. In der Dunkelheit leuchtete das Lämpchen am Teich danach jedenfalls nicht.
Dick steckte das Kabel kurzer Hand direkt in einen Hausanschluss. Die Lampe hatte genügend Wasser zu sich genommen. Die Explosion war ähnlich einer Bombe. Die Stromaufnahme der Sparlampe, ungefähr acht Watt, wuchs nachgerechnet kurzzeitig auf 5‘000 Watt.
Der Stecker war heiss und verkohlt. Die Isolation der Kabel schmolz teilweise. Hier geschah weiter nichts. Im Holzhaus des Nachbars, in der Nagelburg, mit den aufgenagelten Leitungen, wäre ein Gross-Brand, ohne jegliche Beschleuniger, durchaus möglich gewesen.

Gift in Lebensmitteln

Es gibt romantischere Gefühle im Leben, als sich mit Bauchkrämpfen und Durchfall zu verlustieren.
Vor fünfzig Jahren waren Kühlschränke noch nicht so verbreitet wie heute. Dennoch durfte man ohne Befürchtungen an den meisten Orten herzhaft futtern, sich den Magen vollschlagen.

Meine Grosseltern lebten ein ganzes Leben ohne Kühlschrank. Grossmutters Küche war so berühmt, wie Grossvaters Blauburgunder, auch wenn ihre Kinderlein nach genossenen Festessen darüber im Versteckten schnödeten.
Filet Wellington, ein Fleischgericht, das angeblich vom Schweizer Küchenchef Charles Senn anlässlich der Zürcher Internationalen Kochkunstausstellung 1930 kreiert wurde, kannte Grossmutter nicht. Hamburger, Hot Dogs und Hummer stellte sie nie auf den Tisch.

Vor einem halben Jahrhundert durfte man sich in Indonesien das warme Bintang Bier mit den wenigsten Schleiern und Fäden in der Flasche persönlich aussuchen. (1) Probleme mit dem fremdartigen exotischen Getränk kannte ich nicht. Heute ertrage ich die meisten Biere in Thailand nicht mehr. Chemische Hilfsmittel mag mein Magen nicht.

Im Norden verdaue ich die meisten Gemüse schlecht, weil zu viele Chemikalien zum Anbau verwendet werden. Dick geht es ähnlich. Im Süden ist es besser, sofern wir Grünzeug nicht in Grossmärkten erwerben.
Aus Profit-Gründen werden vielen Lebensmittel Schönmacher-Chemie beigefügt. Fisch, Fleisch und Gemüse werden mit hochgiftigem Formol bespritzt. Auf zahlreichen Fischkuttern gibt es nicht nur Eis und Kühltruhen. Trotz Kälte-Technik wird zu oft zur Formol Flasche gegriffen. Selbst in Australien erkrankten Menschen nach dem Genuss von Dosen-Thunfisch aus Thailand. (2)

Ich litt öfters nach Fisch-, oder Garnelen-genuss. Die Gemüse des Nordens lösen Blaskonzerte aus, letztmals teure japanische Gurke. Wir sahen zu, wie Chemie in verkäferte Reissäcke gespritzt wurde.
Nach dem Verzehr von Brot von RimPing, damals aus der Nim City, war mir mehrmals übel. Wahrscheinlich spritzten hirnlose Hilfskräfte Chemie in von Motten und Würmern verunreinigtes Mehl. RimPing schloss die betriebseigenen Bäckereien.

Als wir von Satun nach Chiang Mai kamen, durfte ich bei der Immigration in Promenada schnellstens meine Adressänderung melden. Da wir keine grösseren Vorräte im Haus hatten, benutzten wir die Gelegenheit zusätzlich für einige Einkäufe bei RimPing.
Ich erinnere mich an meinen ersten Thailand Aufenthalt. Jeder Tag brachte neue, teilweise duftende Erlebnisse. Ganz neu für mich war damals der Duftreis, Hom Mali, ein überwältigendes Erlebnis. In den letzten zehn Jahren fanden wir keinen guten Duftreis in Thailand, oder es war importierter Basmati Reis aus Indien.
Wir benötigten Reis. Die Auswahl war nicht besonders vielfältig. Eine Marke war, „Königlicher Schirm“ – Hom Mali. Die füllten nur Reis in den Sack und vergassen den Duft. Das Kochen erregte die Geschmacksknospen nicht. Einige Stunden nach dem Genuss wurde mir übel. War es das Fleisch, war es das Gemüse, der Salat oder gar der Wein?
Am Tag darauf verarbeiteten wir die Reste zu Bratreis. Wir gaben feingeschnittene Omelette-Julienne, angebratene Fleischstücklein, Gemüse und Kräuter in die Bratpfanne mit dem Reis. Wieder wurde mir schlecht danach. Dick zeigte ähnliche Symptome. Das Badezimmer hatte starken, vor allem schnellen Zulauf. Fortan ernährten wir uns von Kartoffeln, Mais und Pasta. Wir vergassen den Reis im Schrank. Wir konnten es kaum glauben, verseuchter Reis, eine grosse Marke, aus einem angesehenen Geschäft – vergiftet?

Anfangs Woche brachte Dick unsere Vorratsdose mit dem zweifelhaften Reis der Hilfskraft im Schönheitssalon. Gleichzeitig warnte sie die Empfängerin, der Reis könnte Bauchgrimmen auslösen, etwa im Tonfall, in welchem ich in der Schweiz jeweils Fliegen- oder Knollenblätterpilze verschenkte. (3,4) Innerhalb weniger Stunden erkrankte die Köchin. Sie erbrach und hatte Durchfall. Einerseits war mein Forschergeist befriedigt. Andererseits bedauerte ich die Erkrankte und spendete grosszügig Medizin. In der Schweiz dagegen hätte eine Probe beim Kantonschemiker einen Skandal ausgelöst.
Der Nicht-Duftreisfabrikant hätte mir einen Lamborghini oder Maserati vors Haus stellen müssen. Im LOS pfeife ich – nein – scheisse ich, auf oder in Lamborghini oder Maserati und fahre demonstrativ Mitsubishi.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Multi_Bintang_Indonesia
(2) https://www.news.at/a/thunfisch-dosen-soziales-elend
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Fliegenpilz
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Knollenbl%C3%A4tterpilz
(hinterindien) https://hinterindien.com/2016/04/14/qualitaet-der-lebensmittel/

Blumen, Gurken, Einbrecher und Spezial-Ermittler

Auf der letzten Etappe der Reise von Satun nach Chiang Mai erhielt Dick den Anruf einer Nachbarin aus der Gegend des Gästehauses. Die Frau berichtete, Einbrecher hätten in der Nacht die Wand über den Küchenfenstern zerstört und seien auf diesem Weg in das Haus eingedrungen. Ich lachte kurz und erklärte Dick:
„Die müssten ja total blöd oder besoffen sein, um über den Fenstern ins Haus einzusteigen, wenn sie mit einem einzigen Hammer-Schlag das gesamte Glas entfernen können!“
Nachforschungen ergaben, im Haus fehlte nichts. Die Decke war unversehrt. Die Fassade war eindeutig beschädigt.

Es gab eine ums Haus rankende Pflanze. Nach einem Jahr erfreute sie uns mit wunderschönen Blüten. Einige Jahre später gediehen aus den Blumen gurkenartige Früchte. Kein Mensch wusste, was es war. Während unserer Abwesenheit rankte sich das Pflänzchen über die Küchenfenster empor und fixierte sich an der Verkleidung darüber. Starke Sturmwinde rissen des Nachts die Pflanze samt Gemüse und Fassade hinunter. Eine Holzkonstruktion, sie hielt die Teile einst zusammen, war teils verfault, teils von Insekten gefressen. Dick war mit der Krankenpflege einer anspruchsvollen Patientin mehr als beschäftigt. Die zusätzliche Bauüberwachung war ein angenehmer Zeitvertrieb.

Die ungestümen Arbeiter, mit mehr Kraft als Hirn, mussten überwacht werden. Die hätten gleichzeitig mit dem schadhaften Holz zusätzlich problemlos das halbe Dach entfernt. Ein Stück Wasserleitung mit Ventil, dazu eine Gartenbeleuchtung wurden geopfert. Während vier Tagen wurde sorgfältig Holz entfernt. Danach schweissten die Spezialisten Stahlprofile an, ohne dass die Hütte Feuer fing!

Zufälle gibt es kaum. Am Tage, als unsere unzufriedene Kranke freiwillig verreiste, feierten die Arbeiter abends an den Steintischen im Garten des Gästehauses mit Lao Khao. Der Grund war nicht der Abgang der Alten, aber am folgenden Tag würde die Reparatur abgeschlossen. Nach unserem obligaten Kokoswasser-Cocktail sagte Dick:
„Ich gehe zum Gästehaus, schmeisse die Säufer hinaus und schliesse ab.“ Danach begann für mich eine endlose Wartezeit.

Dick war kaum bei den fröhlich Feiernden, als vier uniformierte Militärpolizisten eintraten. Sie grüssten und meldeten: „Drogenkontrolle!“
Dick wurde einmal mehr des Handels bezichtigt. Die Einsatztruppe kontrollierte Ausweise. Jeder pinkelte. Die Analysen waren negativ. Gründlich Spurensuchen im ganzen Haus verliefen ergebnislos. Die Beamten waren freundlich und schenkten den Feiernden zusätzliches Bier.
Dick fragte: „Wer machte die Anzeige?“
Der Leiter der Spezialisten aus Bangkok sagte grimmig ein Wort: „Familie.“

ASEAN – Strassenverkehr, nette Verpackung ohne Inhalt

Was da schon alles diskutiert wurde ist phantastisch. Beispielsweise: ein einziges Visum für mehrere Länder. Die Realität zeigt das Gegenteil. Thailandbesuche wurden in den letzten Monaten härter reglementiert. Terrestrische Reisen werden gedämpft, ja bekämpft. Der Luftverkehr ist bevorzugt.
Im eigenen Fahrzeug nach Singapur zu reisen, ist kaum empfehlenswert. Das Fahrzeug spätestens in Johore Bahru stehen lassen!
Ich kannte die Strassen und Länder Europas während fünfzig Jahren. Die grüne Haftpflichtversicherung war in den meisten Ländern gültig. Nur einmal sassen wir am Ende der sechziger Jahre wartend an der Grenze zwischen Jugoslawien und Ungarn. Der Einreiseentscheid fiel in Budapest.

In Hinterindien sieht es anders aus. Grenzübertritte mit Fahrzeugen benötigen viel Zeit und Geld für Kleinigkeiten wie Versicherungen. Es gab, gibt, sogar Grenzübergänge, die kannten Nachtruhe und Mittagspause. Erst gestern verordnete die Regierung Thailands die Schliessung von sechs Grenzübergängen in Sungai Kolok nach Malaysia.
In Satun wohnen wir zwanzig Minuten von Malaysia entfernt. Wir querten die Grenze öfters für Einkäufe im Niemandsland. Darum bemühten wir uns für internationale Reisedokumente fürs Fahrzeug. Es gab sogar internationale Nummernschilder. Sie wurden uns nach Satun nachgesandt. In Malaysia werden schlechter vorbereiteten Thais bedruckte Kleber als Nummernschilder abgegeben.

Was wir nicht wussten war, es ist in Thailand nicht gestattet, mit einem internationalen Thaischild herum zu fahren. Ganz nach Schildbürgerart müssen die Nummernschilder nach jeder Rückkehr ins Land gewechselt werden. In Satun kümmerte sich niemand um Nummernschilder. Wir reisten problemlos über eintausendsiebenhundert Kilometer in den Norden. In Chiang Mai wurde Dick in der Nähe der Airport Plaza geblitzt. Sie erhielt einen eingeschriebenen Brief mit Bild. Sie wurde gebeten, die Schilder zu wechseln und für das anstössige Vergehen gegen die amtlichen Verkehrsregeln zweitausend Baht zu bezahlen. Das Schild konnte trotz aller Schwierigkeiten von instruierten Fachleuten gelesen werden und führte zur Ermittlung der Fahrzeughalterin. Aber es hätte ebenfalls zu einem schweren Verkehrsunfall führen können…..

Wir sandten die Hausschlüssel in den Süden und baten Freunde, uns die gebräuchlichen Thai-Schilder zuzustellen. Am Montag oder Dienstag werden sie montiert. Danach muss der Wagen von Beamten der Dienststelle neu begutachtet werden.

Als das Fahrzeug neu war, hatte es rote Nummernschilder des Verkäufers. Wir wollten nach Nong Khai reisen. Dafür durften wir eine offizielle Genehmigung des Amtes einholen! Grenzenlose Freiheiten für Schildbürger.

Das war’s dann wohl… Misstritte

Während Jahren organisierten wir Betreuung und Pflege für Dicks Mutter. Ich finanzierte das Ganze, um den Seelen-Frieden in Satun geniessen zu können.
Alleine die letzten drei Wochen war die Frau dreimal in Krankenhäusern. Mowgli, Dicks Freundin und Dick selbst setzten sich rund um die Uhr, ebenfalls im Spital, für die Alte ein. Die anderen vier Kinder hatten weder Interesse oder Geld, noch Zeit für ihre Mutter.
Am Dienstagnachmittag wurde die Patientin entlassen. Der Arzt erklärte, die Umstellung von Spritzen auf Pillen könne Erbrechen auslösen. In der Nacht war Dick beschäftigt, Mütterlein von Rotz, Kotz und Scheisse zu säubern. Gegen Mitternacht kam sie erschöpft zurück.
Zwölf Stunden später war alles anders. Mutter schrie lauthals, sie wolle sofort nach Hause. Sie habe genug vom minderwertigen Gesindel in ihrer unmittelbaren Umgebung. Man betrüge und bestehle sie. Anstatt in eine Erstklasse-Klinik wie Chiang Mai RAM, bringe man sie in ein drittklassiges Provinzspital. Dick fehle jeglicher Respekt, vor allem Finanzen für ihre schwerst kranke Mutter. Jeder bekam sein Fett weg, die Betreuerin, sogar Enkel Mowgli, der wirklich sein Bestes, vor allem lange -schlaflose Nächte, für die launige Alte gab.
Dick war tief getroffen. Sie verlor die Kontrolle über ihre Blase. Sie wollte sich umbringen. Ich war erschüttert, obwohl mir die heimtückischen Attacken der bösartigen Hexe bekannt waren. Diese jahrelange Gehirnwäsche war perfide. Dick litt anfänglich gemäss Schwester und Schwager unter Migräne-Anfällen. Migräne war es nicht. Ich brachte meine neue Partnerin während mehr als einem Jahr regelmässig in psychiatrische Behandlung. Sie hatte grosses Glück, denn die Chef-Ärztin behandelte persönlich.

Ihre Mutter vergass, dass die chirurgischen Eingriffe im RAM Spital durchgeführt wurden. Von diesem Krankenhaus wurde sie dann an das Nakornping Hospital überwiesen. Die Ärzte waren dieselben. Nakornping entschied später, die Patientin nach Hang Dong zu überweisen.

Wenn ein Kranker aus sämtlichen Löchern übel duftenden Ausscheidungen von sich gibt, ist es weitaus klüger, die nächstgelegene Hilfsstelle anzupeilen, als Stunden im Fahrzeug im Verkehr zu stecken, nur um eine renommierte Klinik aufzusuchen.

Eine Tochter lebt in der Nähe von Phitsanulok. Sie vergiftete Mutter zweimal – mit von Laien hergestellten Natur-Heilmitteln. Das zweite Mal brachte sie die Sterbende eigenhändig in das Krankenhaus in Hang Dong. Als es schlussendlich ans Bezahlen ging, fehlten der ehrbaren Tochter viertausend Baht. Sie borgte sich die Summe von unserer zufällig anwesenden Erzfeindin. Danach setzte sie sich schnellstmöglich nach Phitsanulok ab. Wir erfuhren diese Geschichte grinsend in Satun. Zähneknirschend überwiesen wir die Summe in den Norden.

Diese liebenswürdige Tochter bereitete nun Mutters schnelle Abreise vor. Vor etwa einem Jahr sollte Dicks uraltes Fahrzeug in Phitsanulok verkauft werden. Die Käufer wollten das Fahrzeug eigentlich, nur bezahlen wollten sie nicht. Deshalb wurden die Ausweise nie übertragen.
Ein wohlgeratenes Söhnchen dieser Tochter benutzte seither ohne jegliche Erlaubnis den Wagen. Er sollte mit dem fast dreissig jährigen Klapperkasten Grossmutter abholen. Der Sohn hat keine Fahrbewilligung. Es gibt keine Versicherung für das Fahrzeug. Seit Jahren wurden keine Steuern bezahlt. Wartungsarbeit ist für den Knaben ein Fremdwort. Arbeit sowieso.

Der Fahrer setzte sich mit Familie, hochschwangere Frau, in kürze dürfte sie zwanzig sein, mit drei jähriger Tochter, in Bewegung. Wie er die zahlreichen Kontrollstellen umging, dürfte sein Geheimnis bleiben. Es wäre für Dick sehr teuer geworden. Als erstes nahm sie dem Fahrer nach der Ankunft den Fahrzeug-Schlüssel ab und versteckte den noch fahrbaren Untersatz im Dorf. Zwei Tage später reiste die Familie per Bahn zurück. Ein weiser Spruch aus der Schweiz heisst: Der Kluge reist im Zuge!

Die unfreundliche Alte lebt nun für einige Tage bei einer andern Tochter in Chiang Mai. Aus Trotz liess sie ihre Medikamente bei uns liegen. Benötigt sie die teure Chemie wirklich nicht?
Sie verhöhnte unsere Fürsorge und kaufte vor dem Schönheits-Salon demonstrativ Klebreis und andere Delikatessen von einer Lieferantin auf einem Motorrad. In zwei Tagen soll sie in ihre Heimat gefahren werden. Hoffentlich schafft sie es! Von mir gibt es jedenfalls keine Hilfe, Unterkunft, Satang oder gar Baht mehr.