Blechen ohne Kohle

Es gibt Tage, da manöveriert man sich selbst ahnungs- und vor allem gedankenlos in unangenehme Situationen. Vor einigen Jahren schlugen wir uns die Mägen in Changi mit zwei fantastisch zubereiteten Hummern voll. Wir spülten fleissig mit weissem Sauvignon, anstatt uns mit preisgünstigem Cola oder Brunnenwasser zu begnügen.

Am Ende der Reise verflüchtigten sich die Singapur Dollars. Aber ich hatte ja Kreditkarten dabei. Als ich die Rechnung verlangte, fehlten wirklich einige landesübliche Banknoten. Wozu gibt es Kreditkarten? Das Problem war, ich kannte meine Codes, die damals neuerdings erforderlich waren, nicht. Die Nummern lagen irgendwo gut versteckt im Hotelzimmer.Changi Village

Geld wechseln in Changi war nicht möglich. Geldautomaten, ATM, gab es noch nicht. Die Kellnerin rief den Chef. Es kam mir selbst wie eine billige Ausrede vor, als ich die Kreditkartengeschichte dozierte. Ich schlug vor, er könne Dick als Geisel behalten, während ich die Geheimnummern im Zimmer organisiere. Das Hotel war in wenigen Minuten erreichbar.
Es steckten jedoch noch einige Banknoten im Geldbeutel, bloss fremdländische. Er meinte, das sei kein Problem, solange ich ihn mit dem Wechselkurs nicht betrüge. Mit roten Ohren bezahlte ich in gemischter Währung und schlug ein anständiges Trinkgeld darauf.
Als ich mich Wochen später nach der Transaktion erkundigte, war er hoch zufrieden. Seitdem sind wir Stammgäste.

Leiden an Festtagen

Wie mein Leben zeigt, schreiben unendliche Geschichten selbständig Fortsetzungen,
wie auch diese Neujahrsgeschichte, vom 17. April 2010.

„Die hirnlose Hübsche mit getönter Wuschelfrisur füllte ihren liebreizenden Körper gut gemischt mit Wein, Bier und Whisky.  Nachher fuhr sie ihr Auto zu Schrott.
Sie besuchte mich, wie es sich an Song Kran gehört, tropfnass und feuchtete mich gebührend an. Sie sucht einen neuen Mann. Wahrscheinlich wird der Wagen repariert.“

Anfangs Dezember plante sie, uns demnächst – im Januar, nach Malaysia zu begleiten. Alleine verreisen wollte sie nicht. Glücklicherweise änderte sie ihre Pläne. Sie besuchte Dick und bot ihren Schrottwagen für 300‘000 Baht an. Gleichzeitig ersuchte sie um eine Bürgschaft, das heisst eine Bankgarantie über eine Million, weil sie das Fahrzeug wechseln wollte.
Wir, zumindest ich, waren weder an Alteisen, noch an zu leistenden Bürgschaften interessiert. Den Mann sucht sie übrigens immer noch.
Heiligabend. Am frühen Nachmittag lud dämliche Dame Dick zum Essen ein. Der Grund der Einladung war aber nicht die Mahlzeit, sondern ihr neuer Wagen, dank der Bank.Moo daeng

Als Dick zurückkehrte, füllte sie den Glutkorb des Grills mit Holzkohle. Bald leuchteten die Kohlen heiss orangefarbig. Sie setzte ein langsam drehendes Körbchen mit mariniertem Moo Daeng, rotem Schwein, auf.
Dazu warteten in der Küche frische Spargeln. Ich bemühte mich redlich um eine leckere Pilzsauce, abgeschmeckt mit rarem Wein aus Torgiano. Dazu war Kartoffelstock vorgesehen, damit wir die Zähne umso tiefer ins Fleisch schlagen konnten.
Zuvor labten wir uns an Sherry und Tapas mit Jamón Serrano, der besonders schmeckte, weil er nicht so dünn geschnitten war, dass man durch die Tranchen Zeitung lesen konnte. (2)
Schon beim Schinken, zeigte Dick wenig Appetit. Er war nicht nur reduziert durch die wenigen Speisen, die sie am Mittag genoss. Einige verborgene Bakterien, Salmonellen, was auch immer – genügten. Sie litt während den Weihnachtstagen an einer üblen Magenverstimmung.

Mich erwischte es erst am 30. Dezember. Sie bereitete dreissig frische Won Ton zu und kochte sie in einem Kräutersud. (3) Weil mir bereits am Nachmittag übel war, verzichtete ich freiwillig auf den abendlichen Küchendienst.
Mit viel Mühe verzehrte ich drei der delikaten Teigtäschchen. Danach war mir übler als je in den vergangenen zwanzig Jahren.
Während ich später im Badezimmer angeschlagen vorwiegend Wassermusik spielte, dazu ab und zu röhrend trompetete, genoss sie das Süppchen begleitet von hervorragendem Sauvignon blanc mit frischen Cassis-Aromen. Dagegen hatte ich Mühe, alkoholfreies Sodawasser zu schlucken.
An Silvester gab es für mich Cola anstelle von Schaumwein. Dick stürzte sich unbekümmert in den Ausgang, begleitet von der letzten Flasche Brause, anstatt sich standhaft, wie seinerzeit Florence Nightingale, um leidende Kranke zu kümmern. (4)

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Serrano-Schinken
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Wan_Tan
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Florence_Nightingale

Bathroom blues
http://www.youtube.com/watch?v=wsETX3RjTEs
Wassermusik
http://www.youtube.com/watch?v=obanYKEU2sc