Exkursion nach Kuah – Langkawi, Malaysia

Die Preise für die Schifffahrt ab Thammalang, Satun, werden stetig angehoben. Gleichzeitig wurden die Boote älter, kleiner und langsamer. Dafür ist der kaum boomende Tourismus verantwortlich! Weil sechzig Personen an Bord unterwegs nach Langkawi waren, wurde die Insel regelrecht überflutet. Vor drei Jahren waren jeweils hunderte Passagiere an Bord. Kleinkinder schrien, käkalisierten die Sitze und verbesserten allgemein das Bordklima.
Heutige Gäste aus China in Langkawi benutzen mehrheitlich den Luftverkehr. In der guten alten Zeit erkannte ich Chinesinnen an den Schlitzaugen und dem ungeübten Befingern neu erworbener Smartphones. Heute dagegen zeigen die knappen Spitzenhöschen den schnellsten Weg in das Reich der Mitte. Vor einem Jahrhundert wurden solch edle Gewebe in der (M)Ostschweiz von Spezialisten für reiche Europäer produziert. Es waren Roben – nicht nur Reizwäsche.
Das wirtschaftliche Handeln auf Langkawi kehrte zur alten Beschaulichkeit zurück. Die schnapspolizeilichen Ermittlungsbeamten wurden aus den Alkoholverkaufsstellen abberufen. Wenn wir vor einem Jahr einen sauren Apfelsaft zu umgerechnet 50 Baht bestellten, gab es einen mit Reisepass versehenen Eintrag im ewigen Sündenregister. Dabei entsprach der Alkoholpegel im Getränk ungefähr einem Wein-Essig. Der Mos(ch)t war nicht trocken, wie beispielsweise ein Ramseier in der Schweiz mit einer erotisierenden Restsäure. Dieser Apfelwein verzauberte in meinen Erinnerungen weisse Sauce mit Fleischkügeli zu Leckerbissen.
Wir kamen am Ende der malaysischen Feiertage des chinesischen Frühlingsfestes in Kuah an. Gäste warteten stundenlang auf Sitzplätze in trendigen Chinarestaurants. Wenn sie endlich einen freien Tisch fanden, warteten sie geraume Zeit auf meist ausverkauften Speisen. Seit einer Woche gab es keine Nudeln mehr im Rootian Restaurant. Die Küchenbrigaden arbeiteten auf dem Zahnfleisch. Der Kampf um exklusive China-Nahrung begann in milder Form bereits gegen Mittag. Europäische, Indische und Koreanische Lokale boten freie Tische und Sitzplätze an.

Der lange Weg nach Satun

Unser Leben gleicht der Reise
eines Wandrers in der Nacht.
Jeder hat in seinem Gleise,
etwas das ihm Kummer macht.

Aber unerwartet schwindet
vor uns Nacht und Dunkelheit,
und der Schwerbedrückte findet
Linderung in seinem Leid.

Darum lasst uns weitergehen,
weichet nicht verzagt zurück!
Dort in jenen fernen Höhen
wartet unser noch ein Glück.

Mutig, mutig, liebe Brüder,
gebt die bangen Sorgen auf:
morgen geht die Sonne wieder
freundlich an dem Himmel auf. (1)

Die Abreise verzögerte sich wegen Wasser. Erst wurde das Dorf überflutet. Dicks Hilfskraft war total überfordert. Das feuchte Ereignis blockierte den Rest ihres Denkvermögens für Wochen und verurteilte sie, ausser der pausenlosen Nutzung ihres Smartphones, zu absoluter Untätigkeit. Dick reinigte drei Häuser mehr oder weniger im Alleingang. Dafür möchte die Nichthelferin nun mehr Baht in Form von Lohn und Gehalt. Als zusätzliche Zeitverschwendung gab es Schaden-Sitzungen im Dorf und in der Gemeinde.
Eine Woche später litt der Süden unter schweren Niederschlägen. Die Provinzen Prachuap Kiri Khan, Nakhon Si Thammarat und Trang waren teilweise unter Wasser. Der Glückspilz-Verzehrer hatte dann einen trefflichen Riechkolben für den Reisetermin. Die schwierigste Strecke führte von Nakhon Pathom nach Phetchaburi mit kilometerlangen Staus und Umleitungen.
Für die 186 Kilometer von Prachuap Kiri Khan nach Chumphon benötigte Dick nur zwei Stunden und zehn Minuten. Als neuen Etappenort wählten wir anstelle von Surat Thani oder Nakhon Si Thammarat Thung Song. Von dort waren wir in weniger als drei Stunden in Klong Khut. Wir standen vor dem Garten-Tor und bestaunten sprachlos unseren Dschungel. Dick benötigte Messer und Sägen, bis sich das Tor öffnen liess. Spuren einer angeblichen Überschwemmung entdeckten wir keine.
Positiv fiel während der Reise auf, dass die Damenwelt wieder bunt gekleidet ist. Die jungen Frauen tragen gegenwärtig knappste Beinkleider. Ein erfreulicher Anblick für zahnlose, sappernde Liebhaber von Speck und Schinken.
Gibt es eine neue Verordnung, um zusätzliche Touristen anzulocken? In Nakhon Sawan als auch in Nakhon Pathom floss kein Warmwasser – in vier und fünf Sterne Unterkünften. Die chinesischen Gäste kennen offenbar heisses Wasser nicht. Die Frauen stecken dann ihre kalten Finger in sämtliche warmen Speisen am Frühstücksbuffet, anstatt die Krallen in ihrer Speckseitenfurche zu wärmen.
Negativ beurteile ich die Leistung des Hotels in Thung Song. Das im Internet angekündigte Speiselokal für schmackhafte Mahlzeiten und augenöffnendes Frühstück existierte nicht mehr. Dafür gab es in der nächsten Umgebung kundenfreundliche Verpflegungsbetriebe.

Der Zeitpunkt der Abreise war ein Glückstag. Am Abend erschienen fünf Personen mit Dicks Mutter im Schönheitssalon und verlangten Essen und Unterkünfte. Dicks Angestellte wies die Leute weg. Seit die (schwer kranke) Alte uns im Mai dieses Jahres unter Absingen von Drohungen und Verwünschungen verlassen wollte und wegzog, war sie dauernd unterwegs. Einmal versuche sie vergeblich, ihren Platz im Haus in PhonPhat zurück zu erobern. Einige Zeit danach wurde sie von einem Dorfobmann der Provinz Phitsanulok persönlich bei uns abgeliefert, weil sie unmöglich allein in ihrem Haus leben könne. Nach einigen Tagen übernahm Dicks Schwester die Fürsorge und entlastete uns. Diese Pflegerin brachte ihre Mutter auf ihr eindringliches gedankenloses Drängen zurück in die Provinz Phitsanulok. Wenige Wochen später stand sie mit Verwandtschaft als streitbare Begleiter wieder vor der Tür! (2)
Vor einem Jahr im Mai erhielten wir Anrufe aus dem Krankenhaus Hang-Dong, die Frau sei am Sterben und würde nur wenige Tage überleben. Seit dem treibt sie ihr Unwesen als Nicht-Tote, wie in den einschlägigen Horror-Filmen.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Beresinalied
(2) https://hinterindien.com/2017/06/04/das-wars-dann-wohl-misstritte/

Anmerkung: Die A4 bei Phetchaburi war heute, 23. Nov., wieder geflutet! Die Schnellstrasse in den Süden wurde unterbrochen.

Psychoterror und physische Störungen wie Phobien

Unser Dorfobmann litt wahrscheinlich, als er zusehen musste, wie ein Grossteil der Bevölkerung in wenigen Stunden bescheidenen Hausrat durch eine mutwillig ausgelöste Überschwemmung verlor. Erstmalig halfen Soldaten beim Aufräumen. Die Gemeinde besass eine Art Versicherungskasse für Betroffene. Maximal wurden zweitausend Baht ohne grosse Abklärungen ausbezahlt. Wieviel Matratze oder qualitativ hochwertige Schränke können sie für 2‘000 Baht kaufen?
Im Schönheitssalon zerstörte die schlammige Brühe erstmals einen Kühlschrank, zwei Schränke, eine neue Matratze und ein Regal. Ein Nachbar, begeisterter Kunde von Index, verlor seinen ganzen, gut repräsentierenden billigst Krempel, für den er 50‘000 Baht hingelegt hatte.

Der ältere, übersensible Obmann, erhält täglich Anrufe übler Tagediebe, die vor weiteren Flutwellen warnen. Ohne die Anrufe zurück zu verfolgen, greift der Mann zum Mikrofon und warnt seine Gemeinde ohne weitere Überprüfungen. Die hirnlosen Weiber rennen dann planlos gackernd durch das Dorf, glauben und verbreiten den Unsinn.
Für mich ist das krimineller Psychoterror. Darunter versteht man andauernde und sich wiederholende zielgerichtete Angriffe, Provokationen, Belästigungen und Nötigungen zum Zweck der Verunsicherung oder Schädigung der seelischen und geistigen Gesundheit der Opfer. Bei den Betroffenen entwickeln sich Neurosen oder Psychosen, sofern sie nicht bereits Schizo-Vreni heissen. Diese Leiden werden ortsüblich mit Crystal Meth, Meth, Ice und Lao Khao bekämpft.

Dicks Angestellte im Salon hat Besuch. Zwei ihrer vier Grosskinder, vier und sechs Jahre alt, erlebten die Flut. Als der Pegel einen halben Meter erreichte, nahmen wir die Gäste auf. Dick trug das zerbrechlich kleine Mädchen auf dem Rücken Wie ein Äffchen klammerten sich die knapp acht Kilogramm ängstlich an Dick fest. Der ältere Knabe greinte und wollte unbedingt zurück zur Mutter.
Die Grossmutter brachte eine riesige Tüte mit, vornehmlich gefüllt mit industriell gefertigten Süssigkeiten. Das Mädchen lutschte an einer Babyflasche mit Schnuller einen gesüssten Tee.
Ich warnte die Frau vor allfälligen Zahnschäden durch die dauernde Zuckerzufuhr. Sie begriff gar nichts. Als die Kleine den Mund öffnete, fiel ich vor Schrecken beinahe aus den Rollstuhl. Alles schwarz im trauernden Thailand – Zahnfäule in Reinkultur. Einige Zähnchen fehlten.

Kinderspielzeug im herkömmlichen Sinn gab es nicht. Puppen und Autos, Papier und Farbstifte fehlten. Die Kleinen fingerten dauernd an einem dudelnden Smartphone herum.
Grossmutter kocht kaum. Die Putzerei ermüdet sie. Dann gibt es Klebreis und Qualitätsei mit delikatem Fischgeschmack von CP, dreissig Stück für neunundsiebzig Baht. Reiskochen kann sie nicht. MiMi, die Hündin, weigerte sich, ihren Reis zu fressen

Nach der letzten unglaublichen Flut-Warnung gestern, wollte sie die Kinder raschmöglichst zurück zur Mutter senden. Aber die Leute stehen selbst im Hochwasser, fahren unmöglich. Zentral-Thailand ist überflutet. Das Mädchen möchte bei uns bleiben. Es hat Angst vor ihrem neuen Papa. Aha.

https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoterror
https://de.wikipedia.org/wiki/Angstst%C3%B6rung

Betrachtungsweisen

Sie bemerkten es, liebe Leserinnen und Leser, Hinterindien unterscheidet sich von anderen Reiseblogs. Es ist ein kleiner Unterschied, ob man ein Land während Tagen oder Wochen bereist, oder ob man hier, nicht unbedingt am Ort – ebenfalls im Land, sesshaft ist. Die ersten Blicke hinter die zauberhaften Kulissen, pornographischen Traumwelten und die zelebrierten Seifen-Opern zeigten mir eine neue, realistischere Welt. Es dauerte allerdings mindestens drei Monate, bis ich mich durch den schützenden, kulinarisch attraktiven Reisberg gefressen hatte und ich im Schlaraffenland endlich meine verklebten Augen öffnete. Thaiküchen boten einst absolute Höchstleistungen für Gaumen und Magen.

Die Umstände änderten sich während den Jahren. Amerikanische Schnellimbisse mit entsprechenden Süssgetränken eroberten das Land. Thais goutieren diese Küche samt gezuckerten Mikrowellen-Gerichten. Die Jungen mit ihren Smartphones als Dauerbrenner am Maul, identifizieren den abgekühlten Plunder nicht als minderwertiges Zeug. Von den Preisen her, musste es hochwertige, gesunde Kost sein.
Sollten wir Schweizer etwa auf Rösti mit Geschnetzeltem, reich garnierten Bernerplatten mit Würsten, Rippli, Bohnen und Sauerkraut – oder gar ein einfaches Fondue zu Gunsten dieser Hamburgerkulturen verzichten?
Seit Jahren weiss ich bei Einkäufen in Thailand, wir erwerben nicht – was wir benötigen, sondern — was uns angeboten wird. Dies gilt besonders während unseren Aufenthalten in Satun. Da helfen oft nur noch Bestellungen in Bangkok oder Chiang Mai.

Ein krasses Beispiel ist der Regen. Wenn es in Satun regnet, riechen wir aromatisch feuchte Erde. Sofern es im Dorf im Norden regnet, riecht es im Haus wie im Chemie Labor an der Uni. Braun-schwarzes, unbekanntes, griesiges Konglomerat fällt von den Dächern.

Seit drei Jahren wird das Land nicht mehr regiert. Die Generäle befehlen. Oft wird eine Anweisung innerhalb eines Tages ausgesetzt. In den drei Jahren der Militärregierung, erhöhten sich die Ausgaben für Verteidigung um einen Viertel, denn Thailand ist von äusserst aggressiven Nachbarn umgeben. Dafür wurde beim Bildungs- und Gesundheitswesen gespart.
Die Regierung Yingluk war drei Monate im Amt, als Überschwemmungen 2011 Zentralthailand und Bangkok heimsuchten. Schuld ist die Frau, weil sie als Regierungschef den Zorn der Götter erregte.
Die Generäle üben seit drei Jahren. Die gegenwärtigen Überschwemmungen sind reine, unvorhersehbare Naturkatastrophen. Dammbrüche durch wenig kompetente Schleusenwärter inbegriffen.

Ihre Excellenz Kobkarn Wattanavrangkul, Thailand Minister of Tourism and Sports, hatte die Eingebung, Touristen reisen nicht wegen des Sexgewerbes, sondern durch vielfältige kulturelle Angebote nach Pattaya. In Zusammenarbeit mit Armee und Polizei räumte man deshalb in den letzten Wochen Sündentempel, wie Massage-Salons, Bars und Klubs rigoros.

Dagegen boomt das Sexbusiness für chinesische Touristen unbekümmert weiter. Klammheimlich haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Grossveranstaltungsorte im Pattaya Markt etabliert. Diese Live-Sex-Shows sind ausschließlich Touristen aus der Volksrepublik China vorbehalten. Bis zu über 100 Busse karren die kulturell interessierten Gruppen zu den Etablissements, die von der Größe her Konzertarenen gleichen. Im Norden der Stadt gibt es vier Lokalitäten, in denen die schlüpfrigen Shows ohne Schlüpfer angeboten werden: BigEye, Bang Up, Number One und 69 Show. In direkter Nachbarschaft entsteht ein weiterer Komplex.

Wenn sie jetzt denken, der Mann wird alt und unglaubwürdig, haben sie recht. Ich selbst traue ebenfalls niemandem mehr in meiner Umgebung.

Ich wollt ich wär ein Huhn

Am Ende des Tagewerks legte ich geschwind ein Ei. Danach wälzte ich mich ins Bett. Hüpfen kann ich als Paraplegiker nicht. Es war um Mitternacht, also Geisterstunde. Offenbar hatte ich Besuch von einem besonders bösartigen, unsichtbaren Gast. Ich versuchte, meine Beine so zu lagern, dass sich keine Knochen auf Knochen rieben. Denn das führt zu Dekubitus-Geschwüren, welche schlecht heilen. Beim Zurechtbiegen der Beine knallte es in meinem rechten Oberarm. Eine Riesendetonation mit Feuerwerk – Zerrung.
Diese war besonders schmerzhaft. Ich schrie, volle Lautstärke, geschätzt während einer halben Stunde. In Wirklichkeit waren es einige Sekunden. Meine Helferin räkelte sich bloss wenige Meter entfernt in der Badewanne. Sie hörte mich nicht. Ich hätte ihr Smartphone aktivieren müssen. Nur darauf sind die Sinne heutiger Generationen geschärft, – eine zeitgemässe Abart selektiver neurodegenerativer Krankheiten. Althergebrachte Kommunikationsfähigkeit ist bei jungen Menschen meist nicht mehr vorhanden. Sie verspeisen lauwarmes Zeugs, meist mit einem technischen Gerät, einem Mikrowellengenerator, in der Nähe ihres Nahrungseinwurfs. Diese Menschen könnten mit Infusionen überleben, beispielsweise mit Ovomaltine im Mastdarm.

Der nächste Morgen lächelte mir unfreundlich ins Gesicht. Mein rechter Arm war gelähmt, unbrauchbar. Dick half mir den extrem langen Weg, die wenigen Zentimeter, vom Bett in den Rollstuhl zu überwinden.
„Ich habe zwei Haltegriffe – am Kopf, die Ohren. Oder reiss mich am Sack! Aber bitte, berühre meinen Arm nicht, der ist wie ein Behälter voller stichbereiter Wespen.“
Dann fand ich heraus, dass ich einarmig weder Laptop noch Smartphone benutzen konnte. Irgendwie musste ich mich im Rollstuhl festhalten. Weitere Unfälle durfte ich mir nicht erlauben. Getränke mischen, Dosen öffnen – unmöglich. Dick mixte schmerzmildernde Maracuja-Cocktails.
Ich lernte schnell, einhändig im Haus zu rollen. Kalkulierte zickzack-Kurse wie ein Segelboot, leider ohne Wind, erlaubten beinahe beliebige Ortswechsel. Im Badezimmer bemerkte ich, einarmiges Händewaschen ist leider Illusion. Ich folgerte, die nächsten Tage wäre es wohl unmöglich, mich aufs WC zu setzen. Karge Mahlzeiten mussten entsprechend angepasst werden.
In der Schweiz gibt es problemlos Pflegemöglichkeiten für solche Patienten und Situationen. Meine Unfallversicherung hätte die hohen Kosten, ungefähr 1‘500 Fr. pro Pflegetag, diskussionslos vergütet. In Chiang Mai haben sogar private Krankenhäuser keine Spezialmatratzen für Paraplegiker. Ich hätte sie, die Matratze, mitbringen müssen. Meine angepasste, verpisste Unterlage wurde durch geistige Armleuchter, meist nicht eingeladene Besucher, zerstört.

Erlebten sie bereits die Annehmlichkeiten von Luxus-Wohlfühloasen? Da gibt es weder Wasserknappheit, noch Stromausfälle. Notstromgeneratoren und Ersatzpumpen sind genau so vorhanden, wie Heerscharen von Technikern, Köchen, Servicepersonal und freundlich assistierenden Managern, geschult und trainiert für sämtliche denkbaren Ereignisse wie Weltuntergang. Für diese Berufsgattung, wandelnde Kleiderständer von Armani, Boss, an solchen Orten kein Problem. „Madame, darf ich ihnen auf Kosten des Hauses ein Glas Champagne anbieten?“

Meine Oase hat Ersatzteile. Ganze Pumpen und Generatoren fehlen, weil es keine Service-Techniker gibt. Der beste Generator müsste regelmässig benutzt und gewartet werden. Ohne elektrischen Strom, fliesst kein Wasser, denn die Pumpe streikt.

Ich klärte meine irdischen Heerscharen, bestehend aus drei Personen, auf:
„Am späteren Nachmittag am Samstag muss ich unbedingt aufs WC. Der Kot steht bereits am Pegelmesser, dem Halszäpfchen. Da gibt es im Garten keine Wasserspiele oder Experimente mit Elektrizität. Wenn ihr euch unbedingt umbringen müsst, benutzt Seile. Nach mehreren überaus schmerzhaften Tagen, möchte ich mich in aller Ruhe reinigen und duschen.“

Die Sklaven waren mit dem Entfernen von Ästen im Garten beschäftigt, während ich langsam genüsslich meinen Darm entleerte. Ein halber Baum krachte gezielt auf einen Wasseranschluss ausserhalb des Hauses und entfernte durch einen einzigen Schlag eine ganze Batterie von weiteren Anschlüssen. Wasserspiele, Springbrunnen. Dick musste die Wasserpumpe ausschalten. Ich sass sauber eingeseift, die Haare lagerten in biologischem Aktiv-Schaum, auf dem WC und wartete gespannt auf einige Tropfen Wasser.
Irgend ein möchtegern Farb-Spezialist bekleckerte die Wasserleitung mit möglichst viel Anstrich. Andernfalls wäre das Anleimen eines provisorischen Verschlusses in Minuten erfolgt.
Wohlgeseift, Low, gackernd.

Überraschungen und Herausforderungen

Unsere Lebensweise in Thailand fordert uns dauernd neu heraus. Es gibt kein Zurücklehnen und Ausruhen. Dick wird andauernd von Mutter und Kindern gerupft, wie ein geschlachtetes Huhn. Die Geschwister beteiligen sich nicht an der Pflege. Geldgierig warten sie auf ihr baldiges Erbe, das jedoch vor langer Zeit öffentlich verprasst wurde. Dicks eigene Bedürfnisse und Wünsche haben keine Priorität. Sofern die Alte plötzlich Lust auf Fisch hatte, fing Dick Fische. Eine halbe Stunde später verlangte die Tochter telefonisch, Dick sollte Goon von der Schule abholen. In Satun sind wir weit weg. Forderungen, beispielsweise für getrocknete Garnelen, erfolgen nur fernmündlich.
Die Regierung der Generäle erlässt regelmässig neue Verordnungen und Verfügungen, welche drei Tage später ersatzlos verschwinden. Das Weinangebot wird im Süden bewusst verknappt. Antibiotika, Dulcolax, Heftpflaster, sowie die meisten Produkte aus Apotheken sind kriegswichtige Erzeugnisse, welche nicht in die Hände von Bombenbauern fallen sollen. Das erschwert den Einkauf von wichtigen Hilfsmitteln bedeutend. In hartnäckigen Fällen bestellte ich die benötigte Ware in Chiang Mai.

Vor beinahe einem Jahr retteten wir Dicks Mutter vor dem bevorstehenden Tod. Später organisierte Dick Pflegerinnen. Sie brachte diesen Frauen die Zubereitung von Magenschondiät bei, ohne den Ausdruck auch nur zu erwähnen. Vor einigen Monaten ging es der Alten so gut, dass sie in ihre angestammte Heimat verreisen wollte, um dort zu leben und später dort zu sterben. Die Pflegerin, eine entfernte Verwandte aus der Region, hatte keine Einwände gegen die Reise. Dick freute sich bereits auf baldige unbeschwerte Tage in Nordthailand.
Vor Jahren verletzte sie sich an der Schulter. Aus der kleinen Verletzung entstand eine unschöne Geschwulst. Ärzte begutachteten den Schaden und meinten: Abwarten. Anscheinend leidet sie nun zeitweise unter Schmerzen. Sie möchte die Schwellung in Chiang Mai entfernen lassen. Eine alte Freundin sollte sie danach betreuen und gleichzeitig den Schönheitssalon wieder aktivieren. In der langfristigen Planung war ich nicht inbegriffen.

Ein unerwarteter Paukenschlag erfolgte letzte Woche, als Mutters Pflegerin im Nachbarhaus in der Provinz Phitsanulok, eine besser bezahlte Anstellung fand. Sie kündigte ihre Stelle auf Ende Monat. Eigentlich hätte sie gerne zwei alte Weiber mit zwei Gehältern betreut. Sie kochte bereits bei den Nachbarn und brachte das Essen über die Gasse. Ein Problem ist das Trink-Wasser. Die Nachbarn pumpen mit Fäkalien und Schmutz aus der eigenen Möbelproduktion verunreinigtes Wasser. Sie benutzen keine Filter. Väter und Mütter benötigten diesen neumodischen, teuren Plunder ebenfalls nicht. Aber ihre Vorfahren hatten weder WC, TV noch Smartphones. Doch so weit zurück denken heutige 4G+ Thais nicht.

Seit dem Dicks Mutter Speisen aus der Küche der Nachbarn verzehrt, zeigen sich wieder Blutgerinnsel in den Armen und angeblich neu in einer Schulter. Heute reist sie, sofern keine inneren Organe betroffen werden, zurück in den Norden. Demnächst unbeschwerte Tage in Chiang Mai dürfen wir vergessen. Dicks zukünftige Betreuung sorgt glücklicherweise demnächst für die Mutter. Dick wird, wie in der Vergangenheit, kaum zehn Stunden pro Tag, eher bei Nacht, bei mir anwesend sein.

Mir fehlen Lust und Vergnügen, die lange Reise in das Dorf mit Alkoholikern, Denunzianten, Dieben, Drogenabhängigen, Lügnern, Mördern, Nutten, Spitzeln und Verrätern zurück zu kehren. Anfänglich war das Dorf-Leben sehr angenehm. Einige liebe Einwohner verstarben. Andere Familien zogen weg. Die Neuankömmlinge machten die Situation zusehends unheimlicher. Alt eingesessene, aalglatte, praktisch unantastbare Funktionäre eigneten sich Besitz an. So vergrösserte ein Richter sein Grundstück, indem er kurzerhand eine Wendeschleife beschlagnahmte und überbaute. Unsere selten anwesenden Nachbarn im Süden demonstrieren, wie eine echte Dorfgemeinschaft funktioniert. Das gab es vor zwanzig Jahren auch im Norden.

Tücken thailändischer Polizeiarbeit – Oster-Eiersuche im LOS

Während amtlich verordneten Feiertagen wie Songkran, gibt es ausserordentliche Verkehrs-Kontrollen. Sie sind an fest installierte Stützpunkte gebunden. Die Beamten benötigen ordentliche Mahlzeiten und jederzeit sanitäre Einrichtungen. Jeder Ortskundige kennt diese Fallen und verhält sich, wenn nicht total bekifft oder berauscht, entsprechend. Patrouillen mit Dienst-Fahrzeugen, wie wir sie aus Europa und den USA kennen, gibt es selten bis gar nicht.

Im Distrikt Prawet, einem von fünfzig Stadtteilen in Bangkok, haben einige Ordnungshüter ein kleines Problem. Ende März entdeckten und konfiszierten Beamte unter der Leitung von Polizei Maj. Gen. Surachet Hakpan 76 Kilogramm Marihuana. Der Fund wurde zwecks Analyse in die Gerichtsmedizin transportiert.
Nur 37 Kilogramm der Droge fanden später den Weg zurück in das Hauptquartier in Prawet. Darauf wurde Pol. Col. Thongchai Wilaiprom für dreissig Tage auf einen inaktiven Posten versetzt. Während dieser Zeit soll nach dem verlorenen Marihuana gesucht werden.
Nach meiner Vorstellung überlebte das fehlende aromatische Kraut die Verbindung mit dem Luftsauerstoff nicht. Ob dafür einige Scheine die Besitzer wechselten, können wir schlecht ausschliessen. (1)

Im Esszimmer hörte ich Variationen von Puccinis Komposition: Carnaval de Venecia, ausgeführt von Studenten des Konservatoriums Tchaikovsky und dem Philharmonischen Orchester von Moskau – mit dem Dirigenten Yuri Simonov. (2)
Trotz der virtuosen Geigenklänge bemerkte ich, dass die Schiebetüre an der Veranda bewegt wurde. Ohne mir mit Spirituosen Mut einzuflössen, raste ich im fünften Gang ins Wohnzimmer. Ein Junge, gegen zehn Jahre alt, schlich sich schnell auf die Veranda. Er trug keine sichtbare Beute bei sich. Ein weiterer, einige Jahre älterer Jugendlicher, spielte draussen mit seinem Smartphone. Vor dem Haus stand eine neuwertige, blaue Yamaha. Es war keine Nähmaschine. Ich sprach zu den Burschen:
„Das ist nicht euer Haus. Macht es wie die Spinnen: Zieht Fäden!“ Das heisst auf abendländisch: „Entfernt euch.“
Die Knaben zogen sich zum Moped zurück. Vermutlich wollten sie einen Besuch machen und irrten sich bloss in der Hausnummer. Möglicherweise waren es Spione für eine spätere Diebestour.

Als Dick zurück kam, erzählte ich vom unerwünschten Besuch. Ich schlug vor, die Türen in Zukunft zu verriegeln. Sie hört bedeutend schlechter als ich und würde Eindringlinge nicht bemerken, sofern die Diebe ihr nicht die Getränke wegsaufen.
Wir hielten eine kurze Siesta im Schlafzimmer. Danach prüfte ich die Eingangstüre. Sie war wie üblich, nicht gesichert.
Wir wollten mit dem Kochen beginnen, als uns der Anruf einer Nachbarin störte. Der Ortsvorsteher sei mit zwei Kollegen hier. Die Herren hätten eine dringende Mitteilung. Dick verschwand erneut, ohne die Türe zu sichern.
Die Vorsitzenden erzählten:
„Liebe Nachbarn,
wir fordern euch auf, Häuser und Fahrzeuge abzuschliessen und damit zu schützen. Letzte Nacht wurden aus unserer nächsten Umgebung acht Fahrzeuge gestohlen. Es ist vermutlich eine Gruppe von elf Personen aus Pattani am Werk.“
In Satun lassen die Einfältigen die Zündschlüssel stecken, um nicht danach suchen zu müssen.
Einen Tag später erhielten wir die Mitteilung:
„Vier Fahrzeuge wurden bereits gefunden. Vier Diebe wurden festgenommen, zusätzlich einer im Feuergefecht erschossen!“
Frohe Ostern, die besten Wünsche zum Neuen Jahr – Songkran und allen Menschen ein Wohlgefallen.

(1) http://www.bangkokpost.com/news/crime/1232200/prawet-police-chief-lost-drugs
(2) https://www.youtube.com/watch?v=n-ykqFce8Ds