Cornelis de Houtman und seine Flotte

Das ist keine heisse Liebesromanze, denn die Flotte ist leider nicht eine barocke Schönheit, wie sie Gemälde von Rubens darstellen.Rubens
In „Gewürznelken, Muskatnuss, Pfeffer…“ schrieb ich teilweise gedankenlos ab. Hier fehlen mir die Bibliotheken mit Informationen. Ich zitierte aus Wiki:
1595 brach eine erste niederländische Flotte unter Führung von Cornelis de Houtman nach Asien auf. Deren wirtschaftlicher Erfolg bewirkte, dass 1598 fünf Expeditionen verschiedener Ostindischer Kompanien…
Ich milderte die Aussage auf: Dennoch bewirkte deren erfolgreiche Rückkehr, dass 1598 fünf Expeditionen….

Ein zweiter, genauerer Blick auf die Reisen von Cornelis de Houtman lohnte sich.
Houtman kommandierte ab 2. April 1595 eine Flotte von vier Schiffen, Amsterdam, Hollandia, Mauritius und Duyfken nach Ostasien. Stellen sie sich die Kommunikation von Schiff zu Schiff vor. Rufe, Feuerzeichen und Flaggensignale. Mehr gab es nicht. Nach wenigen Wochen brach Skorbut aus. Skorbut ist eine Vitaminmangelkrankheit. Beim Fehlen von Vitamin C in der Nahrung tritt Skorbut nach zwei bis vier Monaten auf. Bei Streitereien zwischen den Kapitänen und den Händlern kam es zu Gewaltausbrüchen. Mehrere Personen wurden getötet. Während eines planmäßigen Aufenthaltes in Madagaskar kam es zu weiteren Ausschreitungen. Die madagassische Bucht, in der die Schiffe ankerten, wurde „Dutch Cemetery“, Friedhof der Holländer, genannt. Erst Monate später segelte die Flotte weiter. Am 27. Juni 1596 erreichten sie Bantam, heute Banten, auf Java. Annähernd 100 der ursprünglich 249 Männer überlebten die Fahrt.
Die dortigen portugiesischen Händler stellten Cornelis de Houtman dem Sultan vor. Der Herrscher war den Niederländern anfänglich freundlich gesinnt. Houtman, offenbar ein bösartiger Polterer, fehlten diplomatische Umgangsformen und jegliche Feinfühligkeit. Er beleidigte den Sultan und musste Bantam wegen seines rüden Verhaltens verlassen. Die Schiffe segelten ostwärts in Richtung Madura. Unterwegs wurde die Flotte von Piraten angegriffen. Der Empfang auf Madura war gefällig. Houtman ließ dennoch als Rache für den Piratenangriff ein Massaker unter der Bevölkerung anrichten.
Ohne abgeschlossene wesentliche Geschäfte reisten die Händler und Seeleute weiter nach Bali. Der König verkaufte den Holländern im Februar 1597 einige Fässer Pfefferkörner. Über St. Helena im Südatlantik, erreichten sie 1598 schließlich mit 87 Überlebenden Amsterdam.

Die Expedition war ein menschliches und finanzielles Desaster. Gleichzeitig bedeutete sie einen symbolischen Sieg der Niederländer. Sie war der Start der niederländischen Kolonialherrschaft in Indonesien. Sie brach das Monopol der Portugiesen.
Cornelis de Houtman entdeckte eine neue Seeroute von Europa nach Indonesien. Der Navigator Pieter Dirkszoon Keyser führte Himmelsbeobachtungen durch. Er schuf einen Sternkatalog des Südhimmels.
1598 startete Cornelis mit dem jüngeren Bruder Frederick de Houtman eine weitere Expedition. Cornelis wurde auf Befehl des Sultans von Aceh auf Sumatra ermordet.
Zu dieser Zeit waren Holland und Portugal Grossmächte der bekannten Welt!

https://de.wikipedia.org/wiki/Cornelis_de_Houtman
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Niederl%C3%A4ndischen_Marine
https://hinterindien.com/2014/03/10/hamburg-singapore-1857/

Drei Städte

Wir leben in den Provinzen Chiang Mai im Norden Thailands und im Süden in Satun. Darum verfasste ich Kurzbeschreibungen der drei Städte Chiang Mai, Hat Yai und Satun. Die Zahlen sind nicht absolut vergleichbar, weil die Zeiträume der Erhebungen unterschiedlich sind.
Hat Yai ist die am wenigsten attraktive Stadt. Wichtig in Hat Yai ist der internationale Flughafen. Es gibt in Satun eine kurze Piste. Sie wird gegenwärtig nur für das Drachen-Flug-Festival – während drei Tagen im Februar oder März – benutzt. (1)

Chiang Mai wurde gemäss thailändischer Quellen an einem Dienstag um zehn Uhr dreissig im Jahre 1296 von König Mengrai gegründet. Das heutige Chiang Mai ist die Hauptstadt des Landkreises Mueang Chiang Mai und gleichzeitig die Hauptstadt der Provinz Chiang Mai. Die Stadt hatte im Jahr 2000 auf einer Fläche von 40 km² 398‘200 Einwohner.
Chiang Mai hat tausende von Sehenswürdigkeiten. Die Infrastruktur des Gesundheitswesens ist für Wohlhabende gesichert. Einkaufszentren lassen nur wenige Wünsche offen.
Die Nachteile von Chiang Mai sind:
– Hohe Luftverschmutzung!
– Grosse Temperaturdifferenzen im Jahresablauf. Von Dezember – Januar mit bloss zehn Grad oder weniger in der Nacht. Im April – Mai, nachmittags bis 44 Grad Celsius, sind für ältere Menschen unangenehm.

Der Name Hat Yai ist abgeleitet von Mahat Yai, มะหาดใหญ่, übersetzt „Großer Mahat-Baum“, Artocarpus lacucha.
Beim Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahr 1922 war Hat Yai ein kleiner Ort, namens Khok Samet Chun. Damals hatte Khok Samet Chun nur vier Einwohner. Durch Investitionen des Hokkien-Chinesen, Niphat-Chin-Nakhon, ขุนนิพัทธ์จีนนคร, 謝枢泗, Jia Gi Si, einem Förderer der Eisenbahn-Verbindung von Nakhon Si Thammarat nach Pattani, wuchs das Dorf schnell zu einer Stadt heran.
Hat Yai ist die größte Stadt von Südthailand. Sie liegt in der Provinz Songkhla und ist die Hauptstadt des Landkreises Hat Yai. Auf einer Fläche von 21 km² lebten im Jahre 2012 158‘300 Menschen.
Wesentlich zum Wachstum von Hat Yai trug der Tourismus bei. Die Besucher kommen zum grössten Teil aus Malaysia. Der Sextourismus spielt eine bedeutende Rolle, da die Prostitution im streng Koran befolgenden Nord-Malaysia von der Religions-Polizei unerbittlich verfolgt wird.

Satun, สตูล, ist die Haupt-Stadt der Provinz Satun. Die Stadt Satun hatte 2012 23.486 Einwohner.
Bis 1813 ein war Satun ein Distrikt namens Mukim Setul im malaiischen Sultanat Kedah. Nach der gescheiterten Unabhängigkeitsbestrebung des Sultans von Kedah ordnete der siamesische König Rama III., Phra Nang Klao, 1833 die Aufspaltung von Kedah in vier separate Mueang an. Kubang Pasu, Saiburi, der siamesische Name für Kedah, Perlis und Satun. Satun wurde der Verwaltung der Provinz Nakhon Si Thammarat unterstellt.

Im Jahr 1897 vereinigte König Rama V., Chulalongkorn, die vier Orte unter dem Namen Monthon Saiburi. Anlässlich der Unterzeichnung des Anglo-Siamesischen Vertrags von 1909 zwischen Großbritannien und Siam in Bangkok, wurde allein Satun dem heutigen Thailand zugeschlagen. Hier war die Bevölkerungsmehrheit siamesisch. Der Rest des Sultanats Kedah wurde Teil der Unfederated Malay States unter britischem Protektorat.
Ab 1910 wurde Satun durch den Monthon Phuket verwaltet, ab 1925 in der Nachfolge-Körperschaft Monthon Nakhon Si Thammarat. Nach der Auflösung der Monthon-Verwaltung im Jahr 1933 erhielt Satun den Status einer eigenständigen Provinz. In der Provinz lebten 2009 auf einer Fläche von 2‘479 km² 293‘000 Bewohner.
Religion: 67,8 % der Bevölkerung von Satun bekennen sich zum Islam. Nur 31,9 % sind Buddhisten. Die Muslime in Satun sind keine ethnischen Malaien, wie in den rebellierenden Provinzen Pattani, Narathiwat und Yala. Sie gehören mehrheitlich zu der islamisierten thaisprachigen Volksgruppe der Sam-Sam. Sie sprechen nicht das Pattani-Malaiisch, sondern einen Dialekt, der dem des benachbarten malaysischen Bundesstaats Kedah ähnelt.
Das Klima der Stadt Satun und Umgebung wird durch die Andamanen-See beeinflusst und ist im Vergleich mit Chiang Mai gemässigt. Es gibt weder heisse Sommer, noch kalte Winter. Die Luft ist selten verschmutzt und wenn – durch Brandrodung im fernen Sumatra!

(1) https://hinterindien.com/2016/03/05/satun-kite-flying-festival/

Es lebe die Volksgesundheit, besonders in Bangkok

Früher machten die unterbeschäftigten Uniformierten in Bangkok mit auf Hochglanz polierten Stiefeln Jagd auf Schwerverbrecher, die Zigarettenkippen wegschmissen. Dieses Vergehen kostete zweitausend Baht Strafe und mindestens eine Stunde gemütliche Unterhaltung in einer Polizeiwache. Heute ist es schwer möglich, Asche oder Kippe zu entsorgen, weil bereits das Rauchen, das Entzünden einer Minimalmenge von Tabak, verboten ist. Die Menge der Schadstoffe eines einzigen Glimmstengels ist beträchtlich:

Verbindungen und Mengen:

Kohlenmonoxid
14–23 mg
Stickstoffoxid
100–600 µg
Blausäure
400–500 µg
Butadien
24–40 µg
Benzol
12–50 µg
Styrol
10 µg
Formaldehyd
20–100 µg
Acetaldehyd
400–1400 µg
Aceton
100–650 µg
Acrolein
60–140 µg
Aliphatische Amine
3–10 µg

In der Partikelphase sind u. a. folgende Verbindungen nachweisbar:
Nikotin
1000–3000 µg
Nornikotin
50–150 µg
Nichtflüchtige Kohlenwasserstoffe
300–400 µg
Naphthalin
2–4 µg
Naphthalinderivate
3–6 µg
Phenanthrene
0,2–0,4 µg
Fluorene
0,6–1,0 µg
Pyrene
0,3–0,5 µg
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
0,1–0,25 µg
Phenol
80–160 µg
Benzofurane
200–300 µg

Dies in einer Stadt mit Millionen schlecht gewarteter Fahrzeuge, effektiven Giftschleudern. Einer Stadt mit stinkenden Garküchen, Schloten von Fabriken und Kraftwerken, Unmengen von Abfällen, mit Kolonien gefrässiger, urinierender, kotender Menschen und Ratten. Die einzigen Orte, wo noch geraucht wird, sind die Tempel. Die Gelbberockten gehen mit gutem Beispiel voran. Ob sie an einem Lungenkrebs, hervorgerufen durch Weihrauchstäbchen, Kerzenruss, Emissionen bei Kremationen oder Zigarettenrauch sterben, spielt in der Statistik keine Rolle. Zielort ist in jedem Fall das Nibbana.

Mittlerweile ist die Luft in Bangkok besser als in Chiang Mai, wo der Grenzwert der Feinstoffbelastung von hundert Mikrogramm nur noch selten unterschritten wird. Wesentlich anders ist es in Satun. Die Stadt mit etwa zweiundzwanzigtausend Einwohnern bietet meist Brisen frischer Luft von der Andamanensee.
Bereits vor einem Jahr beobachtete ich vom Hotel aus zwischen den Palmen aufsteigende Rauchsäulen. Diese Luftverschmutzer werden von den Ordnungshütern nicht verfolgt, obwohl sie, verglichen mit inhalierten Glimmstengeln, gewaltige Giftmengen erzeugen. Sie feuern jederzeit. Die hirnverbrannten Pyromanen folgen ihrer Lust Tag und Nacht, morgens um vier oder um neun. Dann stinkt es erbärmlich in den Dörfern: Nach Phenol – bis zum Brechreiz, nach Chlorverbindungen beim Abschwelen der blauen PVC Rohre, nach Autoreifen und nach Formaldehyd – das beschützt die zähen Alten vor vorzeitigem Ableben. Gibt es Herz-Erfrischenderes für Leber und Nieren als Düfte frisch verbannter PET-Flaschen und Plastiksäcke? Zwecks Förderung der Volksgesundheit ist das öffentliche Spülen der betroffenen Organe mit kühlem Bier zwischen 14 00 und 17 00 Uhr ebenfalls verboten.
Alle diese Schwelbrände mit versuchten Giftmorden dürfen ohne jegliche Straf-Verfolgung durchgeführt werden. Zigaretten sind schädlich. Schädlicher als tausend Feuerchen mit dem zusätzlich importierten Rauch aus dem fernen Sumatra!

Gruss aus Suphan Buri

Endlich sind wir unterwegs in unser Winterquartier. Eine vergleichbare Distanz in Europa entspricht ungefähr dem Weg von Bern nach Istanbul. Unsere Abreise wurde immer wieder verzögert. Geldgier lässt gedankenlose Zeitgenossen jährlich in Sumatra Urwald abbrennen. Die Produktion von Palmöl zwecks Ernährung und als Biodiesel verspricht Kapitalgewinne. Menschen und Tiere ersticken. Der Himmel über Sumatra ist immer noch von Rauch bedeckt. Die Luftverschmutzung erreichte Singapur. Sie überdeckte die gesamte malaysische Halbinsel bis Südthailand und traf sogar die Insel Phuket. Die Lage verbesserte sich. Aber das Problem ist leider immer noch aktuell.Suphan Buri

Die Grösse des Objekts: Links unten, neben der Schrift, ist ein Mensch!

In Chiang Mai hatten wir bereits anfangs Oktober einen ersten Kälteeinbruch. Die Temperaturen fielen des Nachts auf sechzehn Grad Celsius. Ich leide immer noch darunter. Die Gelenkschmerzen sind zeitweise unerträglich.
Zusätzlich riskierte ich fliegend eine dicke Lippe. Durch Baumängel bedingt, stürzte ich vor einigen Wochen, im erst vor einem Jahr erstellten Kad Farang, auf meine Fresshöhle. Ich reparierte meine wüsten Verletzungen nach Western Manier, unter jeweiligem Genuss je einer halben Flasche Bourbon, in zwei mutigen Eingriffen. Die Knochen im Gesichtsbereich erhielten einen wüsten Schlag. Blutergüsse im Wangenbereich zeigten sich. Das Brillen-Gestell war ruiniert. Ein Rippchen brach. In der Schweiz würde der Liegenschafts-Besitzer haften. In Thailand gilt: Betreten auf eigene Gefahr. Vielleicht verliere ich als Spätfolge noch einige Zähne. Aus Vorsicht, zur Schonung des Kauapparates geniesse ich BeBe-Diät: Bier und Brei. kad Unfall2

Vor der Operation mit Dr. Bourbon.

Zurzeit sind wir in Suphan Buri. Heute noch reisen wir in die Gegend von Hua Hin. Die Temperaturen dort sind mild. Sie liegen gegenwärtig zwischen 25 und 28 °C. Die Nächte von November bis Februar sind in Hua Hin wie in Chiang Mai für mich zu kalt.

Erinnerungen, Missverständnisse, Hilfsbereitschaft

In meiner Bibliothek stand ein Buch, das ich immer wieder bestaunte, dessen Texte und Bilder mir in Erinnerung blieben.
Der vierzig jährige Maler und Fotograf Gotthard Schuh verreiste im März 1938 elf Monate nach Singapur, Sumatra, Java und Bali. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er das faszinierende Werk: Inseln der Götter. (1)
Eine Episode beschrieb, wie Schuh in Indonesien aufgehängte Spiegel vorfand. Gegen Transportschäden wurden die empfindlichen Ecken mit Karton abgedeckt. Weil niemand den Sinn dieser Schutzfunktion erkannte, wurden die Schutzecken nie entfernt.
In Satun dachte ich sofort an Schuhs Geschichte, als ich den Wandschmuck im Hotelzimmer betrachtete. Überlegen und Nachdenken sind nicht die Stärken der Thais. Deshalb leben die Eckenschoner im südostasiatischen Raum noch heute weiter. Ecken
Nach Wochen des Verzichts auf die thailändische Sprache, sprudelten in Satun aus Dicks Mund freudig heimatliche Laute. Die Verständigung unter Thais klappt nicht immer. Eine Ursache der Pannen könnte das Schulwesen sein. Die Kinder schalten das Gehör für langweiliges Dozieren unausstehlicher Pädagogen ab, um ungestört zu dösen. Geistige Abwesenheiten unter Einfluss von Alkohol, Drogen und unbekannte Einflüsse wie Schlafmangel, sind bösartige Unterstellungen dritter.
Wir waren im Restaurant, bestellten Getränke und Speisen, als Dick sah: “Gratis WIFI, verlangen sie bitte unser Passwort!“
Sie fragte nach dem Passwort, um mit ihrem Smartphone weltweit Bits und Bytes aufzuspüren. Die Anzeige benötigte dringend frische Fettschichten und gefühlvolle Streicheleinheiten.
Wir tranken und assen ohne Eile. Dick wartete während dessen gespannt auf das Passwort. Nach der Stärkung, die Mägen waren bis zu den Halszäpfchen gefüllt, schleppte der Kellner vor Anstrengung keuchend, fetttriefende Fritten an. Sie waren das Passwort, um das Dick gebeten hatte!

Als wir in Satun beim Hotel ankamen, blockierten unzählige Mopeds der Angestellten den Weg zur Rampe für Kinderwagen und Rollstühle. Die erste Stufe war mit annähernd zwanzig Zentimetern zu hoch geraten. Zwei Stunden später verliessen wir die Unterkunft zur ersten Stadterkundung. Die Mopeds waren weg. Ein freundlicher Geist hatte zudem die hohe Kante mit einem Brett entschärft. Wir waren dankbar für die unaufgeforderte Hilfe.
Rampe Bei der Rückkehr vom Spaziergang mischte ein Arbeiter Zement, um die erste Stufe definitiv zu entschärfen! Bei so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft fiel es uns leicht, den Aufenthalt von zwei auf acht Nächte zu verlängern.

(1) http://ursramseyer.blogspot.com/2009/05/gotthard-schuh-in-bali.html
(1) http://www.artef.com/Gotthard-Schuh/index.htm

Immerwährender Abschied II

Grossvater mit LowMeine geschätzten Grosseltern verstarben ohne Abschied. Weil ich im Ausland weilte, erlebte ich ihre Bestattungen nicht. Es verging praktisch kein Jahr, ohne dass ich vertraute Bekannte verlor.
Ganz hart traf mich das Hinscheiden meines Reisebegleiters und Freundes am Tobasee auf Sumatra, Indonesien. Mobiltelefone gab es noch nicht. Es war fast unmöglich, später von Medan aus die Botschaft in Jakarta zu verständigen.

Mein Vater erlitt auf Gran Canaria Herzinfarkte. (4) Meine Frau Gemahlin weilte bei ihrem sterbenden Vater in Singapur. Ausgerüstet mit genügend Kleingeld, Windeln und zwei Knirpsen samt ihren Köfferchen, besuchten wir meinen Vater im Spital in Las Palmas und organisierten seine Rückreise. Er war dankbar, nicht im Ausland sterben zu müssen. Einige Jahre danach verstarb meine Mutter.

Böse Schläge in Herz und Magen bedeutete die Trennung von den Kindern nach einer Scheidung. Mein Leben plätscherte danach zwischen hochinteressanter Elektronik im Labor und täglicher Routine im eigenen Haus dahin. Die Arbeiten füllten mich aus. Langeweile kannte ich keine. Das Unbehagen über die Hilflosigkeit der amtlich verordneten Situation mit den Kindern bohrte.
Abrupt verlor ich meinen Arbeitsplatz. Ein unvorsichtiger Automobilist beförderte mich rückwärtsfahrend vom Rollstuhl auf die Strasse. Das schmerzhafte Resultat war eine defekte Schulter und das brutale Ende meiner Erwerbstätigkeit. Es fehlten Gelegenheiten zum Aufräumen des Arbeitsplatzes und zu Abschiedsfeiern.

Malerei Glücklicherweise stand in Thailand, in einem Dorf an Reisfeldern, eine kleine Unterkunft von fünfzig Quadratmetern mit einem bescheidenen Garten. Ich organisierte dort Betreuung rund um die Uhr und besuchte die Physiotherapie im Krankenhaus. Zusätzlich hatte ich privat Massagen von einer liebeshungrigen Frau, die nach einigen Wochen nicht nur Muskeln knetete. Ihre ausserordentlichen Fähigkeiten und ihr täglicher Einsatz schenkten mir unerwartet ungeahnte Lebensqualitäten. Dafür bin ich ihr heute noch dankbar .
Im damals für mich angenehmen Klima erholte ich mich mit zahlreichen Einschränkungen zufriedenstellen. Ich war nicht mehr dauernd auf Hilfeleistungen Dritter angewiesen.
Als das Dorf an einem Novembertag überflutet wurde, sass ich im Häuschen bis zu den Knien in brauner Brühe. Nach der unwillkommenen Kneippkur liess ich das gemütliche Nest abreissen. (5) Herr Sand errichtete mit seiner Truppe einen Meter über Strassenniveau eine dreimal grössere Hütte nach meinen Plänen.

WZ Schweiz Später verbrachte ich mit einer hilfsbereiten Partnerin einige Sommer in der Schweiz im ehemaligen Heim. Wir besuchten die wesentlich wärmeren Nachbarländer.
Häufige, heftige Demonstrationen in Bangkok zeigten, dass es nicht möglich war, für Dick jederzeit schnell und problemlos ein Visum zu besorgen. Das Haus, mit Sicht auf die Alpen, als Fluchtmöglichkeit aus den Turbulenzen Thailands gedacht, wurde sinnlos und teuer. Unterhalt, Heizkosten, Versicherungen und Steuern für ein leerstehendes Gebäude waren happig.
Innerhalb eines Monats trennte ich mich von der Liegenschaft samt verehrtem Gerümpel. Es war relativ schmerzhaft, all die Erinnerungsstücke zu verschenken oder liegen zu lassen. Aber ich sagte mir: Sobald der Sensemann anrückt, bleibt dir ebenfalls keine Wahl.

Als kleiner Trost blieb mir in Thailand ein komfortabel eingerichtetes, grosszügig gestaltetes Heim.
Hier häuften sich mit der Zeit unglaubliche Kunstwerke an. Auch diesmal bleibt mir die Trennung nicht erspart. Es ist nicht nur die hohe Politik, die mich zum Gehen zwingt. Der Grund sind meine abgenutzten Gelenke. Sie ertragen die winterliche Kälte Nordthailands nicht mehr. Spätestens im November muss ich weg sein. Sofern ich könnte, würde ich das Land bereits heute verlassen. Living1 Die grausame Kälte im Januar lähmte meine Arme. Die Muskeln schmolzen dahin wie Butter an der Sonne während Songkran.
Wegen fehlender Kraft harre ich aus und übe täglich bis an die Schmerzgrenze. Das gibt mir zusätzlich Zeit, mich aus meinem äusserst begrenzten irdischen Paradies, die Grenzen sind die Grundstücksmauern, zu verabschieden.

Wird mir die Gunst gewährt, meine Pläne zu verwirklichen? Zuerst möchte ich meine Kinder, Kindeskinder, Schwester, Bruder und Freunde besuchen. Danach suche ich in Malaysia ein Winterquartier.

(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Gran_Canaria
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Kneipp-Medizin

Tiger in der Löwenstadt

Wenn sich heutige Touristen nach dem halbtägigen Flug von Europa nach Singapur erholt haben, erinnern sie sich an Erzählungen und Reiseführer – und suchen zwischen markanten Bauten den Merlion. Das ist eine wasserspeiende Kreuzung aus Löwe und Fisch. Der Merlion wurde 1964 von Fraser Brunner im Auftrag der Tourismuskommission als Logo für die Stadt entworfen und stammt nicht aus den Händen griechischer Steinmetze der Antike. Am 28. Februar 2009 wurde der Merlion durch einen Blitzschlag beschädigt. (1) Graphitti1 Graffito aus Singapur: Merlion, Bild: Low, Nov. 2011, Queens.

Wie der Ethnograf Andreas F. Jagor berichtete, gab es 1857 auf der Insel ganz andere Probleme: (2)

„Eine andere hübsche Excursion war nach dem 519′ hohen sogenannten Zinnberg (bukit-tima), dem höchsten Punkt der Insel. Man kann bis an seinen Fuss im Wagen fahren, und wenn der Pony Lust hätte, bis auf den Gipfel, auf welchem einige hohe Damar-Bäume stehen, aus deren Stamm das geschätzte Harz reichlich ausquillt. Nach Versicherung eines französischen Missionärs sind an seinem Fuss Spuren von Zinn und auch von Gold gefunden worden, aber in zu geringer Menge, um zur Ausbeutung anzuregen.
Eine kleine Abtheilung Sträflinge war hier beschäftigt, Tigerfallen anzulegen und die Strasse von der seitlich eindringenden Vegetation zu säubern, ein Geschäft, das oftmals wiederholt werden muss, da der Wald sonst bald den ihm abgenommenen Boden wieder besetzt. Von der Dichtigkeit und Undurchdringlichkeit einer solchen Waldung geben die unsrigen keine Vorstellung. Zwischen den Hochstämmen, die sich meist astlos bis an das 60–80′ hohe Laubdach erheben, zieht sich nach allen Richtungen ein so dichtes Gewirr von Unterholz, Schling- und Kletterpflanzen, dass es unmöglich ist, ohne Waldmesser einzudringen. Das grösste Hinderniss bilden die Calamusarten, Palmen, deren lange, dünne Stämme dicht mit Stacheln besetzt sind. Die Blätter, und namentlich deren peitschenförmig verlängerte Mittelrippe, tragen an der unteren Seite scharfe Widerhaken, vermittelst welcher sie sich überall festhängen, wo sie Halt finden, und so dem Stamm, der viel zu dünn und elastisch ist, um sich selbst zu tragen, die nöthige Stütze verschaffen. Einige Arten sollen über 1000 Fuss lang werden, nach Rumphius sogar bis 1800 Fuss; sie ziehen sich wie Stricke nach allen Richtungen quer durch den Wald; auch werden sie ja, nachdem die Blätter und Stacheln entfernt sind, als Taue, und gespalten als Stricke, benutzt. Zu diesen kletternden Palmen gehört auch unser spanisches Rohr oder Stuhlrohr (Rotang der Malayen), es ist auf allen Inseln des Archipels sehr häufig und für manche ein wichtiger Ausfuhrartikel.
Aber auch wo eine kleine Lichtung oder ein schmaler Pfad erlaubt hätte, den Weg zu verlassen und tiefer in den Wald zu dringen, wurde ich durch die Sträflinge daran verhindert, weil überall an solchen Stellen Tigerfallen angelegt sind, tiefe Gruben mit Reisig und Erde so geschickt bedeckt, dass sie selbst den vorsichtigen Tiger zuweilen täuschen. (Am Tage vor meinem ersten Besuch waren in einer solchen Grube zwei Tiger lebend gefangen worden.) In den Boden derselben sind häufig spitze Pfähle eingerammt. Daher sind die Excursionen in diesem Walde, wenn man vom Wege abweicht, sowohl durch die Tiger selbst, als auch durch die Fallen in hohem Grade gefährlich. Meine Begleiter schienen allerdings nur die letzte Gefahr im Auge zu haben. An einen Ueberfall von Tigern dachten sie gar nicht, obgleich an mehreren Stellen frische Spuren zu sehen waren.
Die Tiger spielen in Singapore eine grosse Rolle. Nach dem Urtheil der ältesten Residenten und der am besten darüber unterrichteten Beamten werden auf dieser kleinen Insel, die nur ein Drittel grösser ist als die Insel Wight, jährlich 350–400 Menschen von Tigern zerrissen, und dennoch fürchtet sich Niemand vor ihnen, die Chinesen auf den Gambirpflanzungen ausgenommen, die ausschliesslich als Opfer fallen. Ich werde später darauf zurückkommen. Alle Versuche, das Thier auszurotten, werden wohl fruchtlos bleiben, so lange nicht die ganze Insel von Strassen durchschnitten und gleichmässiger bewohnt ist. Für jedes gefangene oder getödtete Thier zahlt die Regierung 50 Dollars, ebensoviel fügt ein Verein von Privaten hinzu, der die Insel gern von dieser Geissel befreien möchte. Aber trotz der hohen Prämie, und obgleich ein Theil der Sträflinge zum Anlegen von Fallen verwendet wird, scheint die Zahl der Tiger doch eher zu- als abzunehmen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass sie über die Meerenge schwimmen, angelockt durch die bequeme, reichliche Beute. Denn während der ersten Jahre, nachdem die Engländer die Insel in Besitz genommen, befand sich kein Tiger auf derselben.
In einem kleinen Aufsatz des damaligen Guvernörs John Crawfurd über den Ackerbau von Singapore, 1824, heisst es: „der Tiger und Elephant, die für den Ackerbau in Sumatra und auf der malayischen Halbinsel so verderblich sind, kommen in Singapore nicht vor.”

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Merlion
(2) http://www.gutenberg.org/ebooks/44405?msg=welcome_stranger