Umzug in die Kaulquappen-Lagune

Schlagartig wich unsere Freude am Fischtrog ernsthafter Besorgnis. Eine Mückenfarm vor dem Wohnzimmer wollten wir wegen Dengue- und Malaria-Gefahr nicht.
Dick hatte die Idee, die Dollar-Haie abzuwerten und sie positiv denkend, in der Kaulquappen-Lagune anzusiedeln. Gemeint war damit die zukünftige Unterkunft in den Zementröhren. Für die Umquartierung benötigten wir dringend Netze.
Wir fuhren in die Stadt und hielten vergeblich Ausschau. Kurz vor dem Abbruch unserer Bemühungen entdeckten wir auf den Treppen einer Bankfiliale prall gefüllte Beutel und Flaschen mit einzelnen bunten Kampffischen einer Fischhändlerin aus Songkhla. Sie arbeitete jeweils am Samstag in Satun.
Um unser Karma zu verbessern, stellten wir das Fahrzeug auf den gesegneten Grund von Wat Chanathipchaloem und pilgerten den Weg zur von Buddha persönlich gesandten Fischfachfrau. Natürlich bot sie ebenfalls kleine Netze an.

Im Fischtrog errichteten wir in der Nähe des bevorzugten Versteckes unserer nächtlichen Fleischfresser ein Mäuerchen aus Backstein. Danach pumpten wir fast die Hälfte des Wassers ab. Dick war im Umgang mit den Netzen sehr geschickt und erfolgreich.
Nach kurzer Zeit genossen die etwa fünfzehn Zentimeter langen Fische als Willkommensapéro erste Kaulquappen in der Lagune.
Wir füllten im Trog das Wasser wieder auf, entfernten die Mauer und setzten dann behutsam einige neue Zahnkarpfen, Guppy, aus. (6)
Das Verhalten der Fische im Trog änderte sich von hektisch auf beschaulich, als die Lebensgefahr beseitigt war.
In der Kaulquappen Lagune dagegen versuchten einige junge Frösche über die Wände zu entkommen. Seitdem die Chitala Ornata dort leben, laichten keine Frösche mehr, oder die Fische verzehrten spurlos Laich samt Fröschen. Nun müssen wir Futter importieren. Aber die Fische sind nicht wählerisch. Sie verschlingen auch Schnecken und Würmer.

Die Trilogie zeigt eindrücklich, wie kompliziert das einfache Leben in Thailand ist.
Die Wasserhyazinthe wurde als Problemfall am Fernsehen gezeigt. Niemand, ausser Betroffene, kümmern sich darum – und wenn – geschieht es auf bewährte, traditionelle Weise. Man schmeisst das Unkraut aus dem eigenen Teich in den des Nachbarn. Gleichzeitig befischt man sich dort für die Morgengabe!

Beim Einrichten eines Aquariums gilt, sich mit dem Lebensraum und den Eigenschaften der gewählten Fische vertraut zu machen, ist reine Zeitverschwendung und Luxus. Wenn die einen Fische andere auffressen, ist das ein Schauspiel ähnlich wie Thai Boxen. Wie viele Fische pro Liter Wasser Platz finden, wird in der Regel nur durch das Einkommen bestimmt.
Diese Denkweise gilt ebenfalls betreffend Familie, Mia Noi – das sind Nebenfrauen, Liebhaber triebgesteuerter aufgetakelter Fregatten, für technische Geräte wie Fernseher, Smartphones und Automobile. In zehn Jahren las ausser mir niemand die Beschreibung unseres Fahrzeuges, denn Verkehrsmittel funktionieren ohne all den Papierkram wie Ausweise und Versicherungen – oder fragen sie den sechs jährigen Verkehrsexperten mit Moped, nachdem er eine Alte, die nicht auswich, mit einem komplizierten Hüftgelenkbruch beglückte.
Die leidende Verunfallte hätte nun Zeit, eingehend das Wachstumsverhalten von Wasser-Hyazinthen zu beobachten und darüber einen detaillierten Report zu Handen des NCPO, National Council for Peace and Order, zu verfassen.

(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Lebendgeb%C3%A4rende_Zahnkarpfen

Wels – Wonne in Wanne

Am Sonntagnachmittag hatten wir Besuch und gleichzeitig den ersten kurzen, warmen Frühlingsregen bei 33 Grad Celsius. Dabei bemerkte Dick:
“Dieser Regen weckt in unseren Fischen sicher wieder Wandertriebe.“
Als sie in der Dunkelheit vom Salon zurückkam, trug sie ein grosses Becken bei sich. Darin war ein sechzig Zentimeter langer Wels. Sie wurde auf ihn aufmerksam, als er   sich unter dem Mangobaum gegen zwei Katzen wehrte. Dick packte ihn ins Becken. Der Wels wirkte gestresst. Ich machte den Vorschlag, dass wir ihm eine Erholungspause gönnen. Diskussionslos setzten wir ihn ins Badewännchen.

Echte Welse, Siluridae, sind eine Fischfamilie, die mit Ausnahmen Sibiriens und der Arabischen Halbinsel, weltweit vorkommt.
Welse haben eine schuppenlose, nackte Haut. Der flachgedrückt Kopf hat ein breites Maul. Am Oberkiefer befindet sich ein langes Paar Barteln, am Unterkiefer ein bis zwei kurze Paare. Die Rückenflosse ist nur klein oder nicht vorhanden. Wenn vorhanden, wird sie von weniger als sieben Flossenstrahlen gestützt. Flossenstacheln gibt es nicht. Fettflossen fehlen. Die lange Afterflosse wird von 41 bis 110 Flossenstrahlen verstärkt. Bei der Gattung Silurchthys ist sie mit der Schwanzflosse verwachsen.
Es gibt zwölf Gattungen Welse und über 100 Arten.

Die kleinsten Arten, wie Aspredinidae und Trichomycteridae, erreichen die Geschlechtsreife mit nur einem Zentimeter Länge. Die eignen sich eher für Aquarien, als für Kochtöpfe und Bratpfannen. Sehr dekorativ sind die durchsichtigen Glaswelse.
Grösser war der Ictalurus furcatus, der am 20. Juli 2010 im Missouri River gefangen wurde. Er wog 59 Kilogramm.
Eine elfjährige britische Schülerin angelte im Juli 2009 am Fluss Ebro in Spanien. Mit zusätzlicher Hilfe zog sie einen Wels mit einem Gewicht von 193 Pfund an Land.Ebro, Saragossa

Ebro bei Zaragoza, Spanien

Die grössten Welse lebten im Mekong im Norden Thailands. Am 1. Mai 2005 wurde ein Fischlein von 293 Kilogramm gefangen. (1)
Extreme Niedrigwasserpegel des Flusses, bedingt durch zahlreiche Staudämme in China, lassen befürchten, dass diese Wels Art aussterben könnte.
In den letzten Jahren wurden neue Arten entdeckt. In Europa breiten sich in den Flüssen Riesenwelse aus.

Welse sind nachtaktiv. Das bemerkten wir, als der Fisch trotz Wasser Tiefstand, ungefähr alle fünfundvierzig Minuten wild planschend, misslungene Ausbruchsversuche unternahm. Dabei verletzte er sich leicht am Kopf, als er die verchromten Armaturen traf.
Wir schlachteten das Tier. Anhand des vollen Eierstockes war es ein Weibchen. Wir sündigten, als ich vergass, ein Foto des Gastes in der Wanne zu machen, bevor wir den wohlschmeckenden Fisch verzehrten. (Olivenöl, Salz, Thymian, Oregano)

Aber am nächsten Morgen hatten wir erneut eine belegte Badewanne. Einen Schlangenkopffisch, mit knapp 50 Zentimetern etwas kürzer, konnten wir vor den Katzen retten. Zwei kleinere Kollegen, geschätzte fünfundzwanzig Zentimeter, wurden von den Miezen auf japanischer Art, roh, bis auf die Köpfe gefressen, ebenso ein Tausenddollar Fisch. (2)

http://www.thejump.net/id/wels-catfish.htm
(1) http://news.nationalgeographic.com/news/2005/06/photogalleries/giantcatfish/index.html
Photography: Suthep Kritsanavarin
http://www.kle.nw.schule.de/wbrsx/faecher/biologie/aquarium/internetseiten/glaswels.jpeg

(2) https://hinterindien.com/2012/08/20/kein-fischerlatein/

Kein Fischerlatein

Hinter und vor dem Haus gibt es je einen Teich. Anfänglich setzte ich Zahnkarpfen und Fadenfische ein. Liebliche Seerosen erfreuten das Auge. Papyrus wucherte. De Fische gediehen und vermehrten sich. Die wachsenden Gurami frassen die Seerosen ratzekahl. Zum Gemüse verschmähten sie Guppy nicht. Dick fütterte die stets hungrigen Speise Gurami, Osphronemus gorami, mit Kokosraspel und Gemüseabfällen. Bei guter Laune fiel hin und wieder ein Häppchen für mich ab. Später verspiesen wir diese Fische selbst. Das Fangen war nicht ganz einfach. Die einst kleinen Fischlein entwickelten sich zu gewaltigen Brocken und wogen an die sieben Kilogramm.

Bei Überflutungen des Gartens hatten die Fische zwar freien Ausgang. Sie weideten unter Palmen und Sträuchern. Wenn der Wasserpegel sank. kehrten sie freiwillig in die Becken zurück. Von den grossen Gurami verloren wir keine.
Nur als sie erst halbwüchsig waren, also in der Pubertät, verirrte sich mal einer zum Beauty Salon. Vermutlich wollte er ein Schuppenmittel.

Die Mosaik- und Marmor-Fadenfische fanden wir wieder, als die Trübung verschwand. Die Fadenfische zeigen ein interessantes Brutverhalten. Die Männchen bauen Schaumnester und übernehmen die Pflege. Ungefähr einen Tag nach dem Laichen, schlüpfen sehr kleine Larven. Sie tragen einen  Dottersack mit einem Ölanteil. Dessen Auftrieb hält sie weiter im Schaumnest. Aus dem Nest gespülte Larven werden vom Männchen mit dem Maul eingefangen und zurück in das Nest gespuckt, sofern Väterchen nicht unter Schluckauf leidet.

Möglicherweise nahmen einige lebendgebärenden Zahnkarpfen (Poeciliinae),vor allem Guppy, Reissaus. Aber bei deren Gebärfreudigkeit spielte das keine Rolle. Vielmehr zeigte sich eine wundersame Vermehrung der Arten. Aale fühlten sich in den Wurzeln des Papyrus wohl. Wir fanden zwei Gattungen, die wir ohne Netz und Angeln fingen.
Die Schlangenkopffische gehen in der Regenzeit auf Wanderschaft.
Ein Suprabranchialorgan im Kiemenraum, das aus einem gefalteten und gut durchbluteten Epithel besteht, ermöglicht ihnen Luft zu atmen. Die sammelten wir wiederholt im Gras ein.

Wandernder Schlangenkopffisch. Zwischenstation auf dem Weg in die Bratpfanne.

Kampfbereit und aggressiv sind die Tausenddollarfische, Pla Klaey, Chitalata Ornata, bei Revierkämpfen. Diese aussergewöhnlichen Raubfische sind zugewandert. Ich hatte keine Ahnung von ihnen. Dick fand innerhalb weniger Tage zwei. Sie sprangen im Garten in den Tod. Die Länge betrug ungefähr fünfundfünfzig Zentimeter .

http://de.wikipedia.org/wiki/Fadenfische
http://de.wikipedia.org/wiki/Lebendgeb%C3%A4rende_Zahnkarpfen
http://www.aquatips.de/bild.htm
http://joomla.igl-home.de/phpBB3/viewtopic.php?f=19&t=4137
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlangenkopffische