Gewicht aus Hinterindien

Telefonbücher sind gewaltige Verzeichnisse. Sie waren es zumindest in Europa. Wir trennen uns in diesen Tagen vom letzten Telefonbuch in Thailand. Es ist acht Jahre alt. Wir gaben letzten Monat unseren Telefonanschluss auf. Seit Jahren bezahlten wir Gebühren. Leistungen wie Verzeichnisse, gab es keine mehr. Für Anrufe benutzen wir nur noch die drahtlosen Geräte.
Anfänglich benötigte ich den Telefon-Anschluss fürs Modem zum Internet. In Chiang Mai waren Telefon-Nummern absolute Mangelware. Weil ein Wahrsager einer Freundin der gehobenen Klasse verkündete, ihre Nummer sei schlecht für ihr Karma, durfte ich erben! Doch kurz darauf gehörten solche Verbindungen zur Vergangenheit. Modems waren out und wurden gegen schnellere Router getauscht.
Telefonbücher in Thailand lesen war speziell, weil die Nummern nach Vornamen, umgekehrt polnisch – kompliziert wie alte HP-Rechner, sortiert sind. Was helfen Vornamen, wenn nur die Rufnamen wie Moo, Nok, Lek oder Dick bekannt sind?

Mowgli leidet zur Zeit als alternder Teenager an Masern. Die hoch ansteckende Infektionskrankheit betrifft vor allem Kinder. Es können zusätzlich lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen auftreten. Darum bat ich den Jungen regelmässig die Temperatur zu messen. Mowgli kümmerte sich nicht um Komplikationen. Er war zum Messen schlicht zu faul. Im zarten Kindesalter machte ich sehr schlechte Erfahrungen.

Ich war keine zehn Jahre alt, als wir unseren ersten Telefon-Wandapparat erhielten. Er war etwas hoch montiert. Mit einem Schemel unter den Füssen konnte ich 064 246 88 wählen. Das war der Anschluss meiner Grosseltern.
Ich erholte mich von den Masern. Als letztes Kind erwischte es meine Schwester. Unsere Eltern gingen trotzdem abends in den Ausgang. Ich wusste nicht, wohin. Möglicherweise in die Stadt Bern in eine Kneipe oder ein Kino.
Das kleine Mädchen fieberte, hatte grosse Schmerzen und begann zu schreien. Stundenlang. Ich sass hilflos an ihrem Bett. Wir hatten ein Kilogramm schweres Telefonverzeichnis. Kein Mensch zeigte mir, wie man es benutzt. Die Alten lasen täglich Zeitungen und illustrierte Hefte. Nur für das Telefonverzeichnis fehlte das Interesse. Die hätten weder Feuerwehr noch Polizei rasch aufbieten können. Mit den notwendigen Instruktionen hätte ich einen Arzt oder ein Spital anrufen können. So wartete ich ungeduldig auf die Rückkehr der Eltern.
Meine Schwester erwischte es gewaltig – Hirnentzündung. Gedächtnis und Erinnerungsvermögen sind gut, besser als das meiner Nachbarn im Dorf. Aber die Beherrschung der Sprache, von Armen und Beinen, wurde erheblich gestört. Sie erholte sich nie mehr und leidet noch heute an den Folgen. Ich bedaure es ausserordentlich. Mowglis stumpfsinniges Verhalten kickte mich erneut in den überempfindlichen Hintern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Masern

Naturwissenschaftliche Arbeiten vor 1800

Erlauben sie einige Gedanken über meine beiden Informationslieferanten. Beide lebten in einer für uns komplett fremden Welt.
Monsieur Poivre reiste monatelang in windgetriebenen Nussschalen der Küste Afrikas entlang, um das Kap der guten Hoffnung, entdeckt 1488 vom Portugiesen Bartolomeu Diaz, nach Indien, Hinterindien und weiter bis nach China. Die Ernährung, die Trinkwasserversorgung an Bord, waren meist äusserst bescheiden. Ärztliche Versorgung gab es kaum. Stellen sie sich nur eine Amputation um 1745 am Arm vor. Wie wurde narkotisiert? Hoffentlich hatten die Herren Chirurgen und Bader, ordentlich scharfe Messer und sterile Sägen!

Unterkünfte in den tropischen Gebieten hatten keine Klimaanlagen. Der Komfort von Kühlschränken fehlte. Tropische Fieber und Magen-Darm-Probleme erwarteten fremde Eindringlinge wie heute. Motorgetriebene Verkehrsmittel gab es weder in Europa noch in Übersee. Das Telefon schlummerte geduldig seiner Erfindung entgegen.
Ich denke nicht, dass Missionar Poivre einen Dolmetscher hatte. Folglich musste er die Sprachen der Eingeborenen der bereisten Länder erlernen. Was war sein Antrieb, die damalige Welt zu bereisen? War er ein Eiferer des Glaubens, der sich mit der Bibel in der Hand von Hostien ernährte – oder doch eher ein alles verzehrender Abenteurer?

Ein anderer Typ war wohl Christoph Meiners, Professor der Weltweisheit in Göttingen. Christoph sass von Büchern, den Vermittlern des Wissens, umgeben in seiner Studierstube. An trüben Tagen benötigte er Kerzenlicht für seine Arbeit. Meiners übersetzte und zitierte eine dreissigjährige Schrift und war damit top aktuell. In unserer Zeit wäre er chancenlos. Bei heutigen Nachrichten und Publikationen geht es um Minuten und nicht um Jahrzehnte.
Würde ich eine wissenschaftliche Arbeit über Zellular-Telefonie vor dreissig Jahren veröffentlichen, würde das bedruckte Papier höchstens zum Verpacken von Wurstbrot für Familienausflüge Verwendung finden.

1978 beispielsweise wurde in der Schweiz das Natel, Nationale Autotelefon, eingeführt. 1983 wogen die modernsten Funk-Geräte in einem Koffer immer noch 12 Kilogramm. Bereits zehn Jahre später folgte die digitale Datenübermittlung. Wo stehen wir heute? Mit 150 Gramm Elektronik inklusive Stromversorgung, kommunizieren wir weltweit mit Bildern, Daten, Filmen und Sprache. In den klugen Maschinchen sind Fotoapparate und sogar GPS, globale Navigationssatellitensysteme zur Positionsbestimmung, eingebaut. Die meisten Benutzer sind durch die hochintelligenten Telefone geistig überfordert. Die Analphabeten Hinterindiens nutzen Smartphones bloss als Fotoalben und für Pornofilme – mittlerweile eine eigene Industrie. Für reine Telefonie genügen Geräte in der Grösse einer Armbanduhr.
Aber – sind unsere Geistes-Blitze so eminent wichtig, dass wir diese grossartige Technik unbedingt nutzen müssen, um unsere Freunde damit zu beglücken. Dick erhält täglich hundertzwanzig meist nutzlose Line-Nachrichten mit Bild. Mowgli wurden bereits vor Jahren innerhalb vierundzwanzig Stunden über dreihundert Mails zugestellt.
Unsere Körper sind dauernd technischen Frequenzen von fünfzig Hertz, Wechselstrom, bis in den Gigahertz-Bereich, Mikrowellen, ausgesetzt. Die Auswirkungen sind unbekannt. Wir wissen nur, Intelligenz vermittelt diese Strahlung leider nicht.

1798 durfte sich Meiners unbescheiden Professor der Weltweisheit nennen. Es war eine relativ schlichte, unerforschte Welt. Alle undenkbaren technischen Errungenschaften standen der Menschheit noch bevor: Elektrischer Strom, Glühlampen, Radio, Fernsehen, motorisierter Bahn-, Luft-, Schiff- und Strassenverkehr und vor allem weltweite Kommunikation.

Nur eines hat sich kaum verändert: für Mord- und Totschlag genügen immer noch Mentalität und Methoden der Steinzeit. Dabei vermodern wir Menschen, wie weggeworfenes Obst, mit der Zeit rein selbsttätig. Wozu also gedankenloser Aufwand an Kraft, Stahl, Pulver und Blei?

Sie tickt, die Uhr Zensur

ATMJede Sekunde im Leben ist ein kostbarer Schatz. Zeit ist messbar, dennoch unfassbar. Wir können Zeit nicht horten, zur Bank bringen und dafür noch Zins und Zinseszins beziehen. Das Vermögen Zeit zerrinnt unabwendbar. Geklaute Zeit ist unersetzlich.
Heute bezahlt Dick die Versicherung für das Motorfahrzeug, bringt den gewarteten Wagen mit polierten Scheinwerfern (1) zur Kontrolle und bezahlt die Steuern für ein Jahr. Damit ist für sie der Tag, wie jedes Jahr zuvor, gelaufen.

Ankündigungen der Militärs am Freitag mit der Bitte um „Kooperation“ und der Anordnung, die NCPO Operationen nicht weiter zu kritisieren, sorgt für eine erneute Beunruhigung der Medien. Der NCPO, ‘National Council for Peace and Order‘, droht bei Zuwiderhandlung mit rechtlichen Schritten und einer sofortigen Schließung der entsprechenden Medien.
Diese Anordnungen gelten für alle Medien und Plattformen, die Informationen verbreiten, unabhängig davon, ob sie von Gesellschaften oder von Privatpersonen betrieben werden.
Erneut wurde betont, dass Interviews von Wissenschaftlern, ehemaligen Beamten, ehemaligen Mitarbeitern der Gerichte oder Justizämter, sowie die Verbreitung von Meinungen unabhängiger Organisationen oder anderer Medien verboten sind.
Gleichzeitig legt der NCPO großen Wert darauf, dass alle von ihm erteilten Informationen und Anordnungen verbreitet werden. (t)

Meine Berichte könnten in diesem Zusammenhang unregelmässig erscheinen, nachdem ich feststellen durfte, dass meine alten Computer neuerdings Probleme machen. Den Router starten, dauerte am Sonntag 30 Minuten. Meine gesendeten Mails erschienen für kurze Zeit im Posteingang!
Jede URL musste mehrmals eingeben werden. Wenn die Seiten endlich erscheinen, waren sie oft verstümmelt. In den letzten Tagen gingen wichtige Mails verloren. Wohin in den Kabeln, Leitungen und Knotenpunkten des Internets?
Zeitungen lesen erforderte trotz Hochgeschwindigkeits-Netz mehr Geduld als mit antiquierten Dampf-Telefonmodems. (2)

Trotzdem werde ich versuchen, bis zu meiner noch nicht festgelegten Abreise, alle drei Tage ein Lebenszeichen zu publizieren. In der guten alten Zeit der Kurz- Lang- und Mittelwellen sendeten Radiostationen Pausenzeichen als Zeitfüller zwischen den Programmen. (3) Diese Signale dienten zudem zur Sendererkennung. Hier sind fast sämtliche Fernsehprogramme langweiliger und trostloser als Pausenzeichen und an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten, weil jegliche Botschaft fehlt – reine Zeitverschwendung!

(1) https://hinterindien.com/2014/07/10/kaufmannische-uberlegungen-in-lan-na-land/
(2) https://hinterindien.com/2014/07/04/zweifel-an-statistiken/
(3) http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7c/Swiss_Radio_International.ogg
Sauber übersetzt finden sie die Verhaltensregeln auf:
(t) http://passauwatchingthailand.com/2014/07/19/ncpo-deklaration-uber-kooperatives-verhalten-gegenuber-dem-ncpo-und-die-verbreitung-von-informationen-an-die-offentlichkeit/

Grüne Zukunft in Thailand

Die grünen Uniformen der neuen Regierung täuschten mich und meine schwachen Augen. Das waren keine Umweltschützer, sondern Militär. Die wollen nicht nur die Umwelt, sondern ganz neutral das gesamte Land beschützen.

Die Militärjunta erklärte Gründe für den Putsch:
1. Thailand ist anders und die politische Landschaft unterscheidet sich von anderen Ländern.
2. Dem Militär liegen klare Beweise und eindeutige Gründe vor, weshalb es die Macht ergreifen musste. Die Beweise und Gründe werden später der internationalen Gemeinschaft präsentiert.
3. Die demokratische Regierungsform hat in Thailand zu vielen Toten geführt.

Armeechef und Führer Prayuth Chan-ocha forderte am 26. Mai die Medien nochmals zur Vorsicht auf. Er warnte insbesondere vor kritischen Kommentaren auf Facebook.
Nach seiner Bestätigung als Führer durch den König, sprach Prayuth in weiser weisser Uniform:
„Soldaten und Polizei dürfen nicht mehr kritisiert werden. Ich will mich mit niemandem streiten, ich will nur meine Intentionen deutlich machen. Ich kann alles erreichen, so lange die Leute bereit sind, mir zu helfen. Kritisieren Sie mich nicht und machen Sie keine Schwierigkeiten, das ist sinnlos.“
Der Führer der Junta, Prayuth Chan-ocha, bestellte am 27. Mai zwei Journalisten ein. Er gab ihnen zu verstehen, dass es unerwünscht sei, aggressive Fragen zu stellen. Prayuth befahl, auf Pressekonferenzen nicht befragt, sondern bejubelt zu werden.

(Am 28. Mai war Facebook für befristete Zeit nicht erreichbar.)
„We have blocked Facebook temporarily and tomorrow we will call a meeting with other social media, like Twitter and Instagram, to ask for cooperation from them,“ Surachai Srisaracam, permanent secretary of the Information and Communications Technology Ministry (MICT), told Reuters.
(n) http://www.straitstimes.com/news/asia/south-east-asia/story/thai-ministry-says-blocks-facebook-stem-anti-coup-criticism-20140528
Eine leicht andere Version :
(n) http://en.khaosod.co.th/detail.php?newsid=1401284244&typecate=06&section=

Das Ministerium ICT blockierte 219 Webseiten (Stand 22. Mai, mittlerweile dürften es vielleicht mehr sein)
(n) http://www.prachatai.com/english/node/4045
BBC und CNN suchte man am TV vergeblich.

Das Militär kündigte Pläne für Versöhnungszentren im ganzen Land an. Dort sollen vom Militär abgesegnete Veranstaltungen stattfinden. Als Versöhnungsgetränk empfehle ich Lao Khao.
Chiang Mai hat die Ehre, Prauyuths Bruder als Chef der hiesigen Truppen zu beherbergen.

Einige Länder gaben leider ihre Informationssendungen über Kurzwellen auf. Kurzwellen lassen sich nicht so einfach ausblenden, wie Internet. Kurzwellenempfänger waren und sind in einigen Gebieten unerwünscht oder verboten.
Eine ähnliche Misere droht, sollte der analoge Telefonverkehr eingestellt und gänzlich auf das Internet (VOIP) aufgepfropft werden. Schon bei einem einfachen Stromausfall funktionieren Router nicht mehr.

(t) http://passauwatchingthailand.com/2014/05/27/die-unwissenden-auslander/

Der Hammer

Kurzfassung für schnelle Überflieger: Die Getroffene liegt seit Wochen im Koma.

Ohne mein Wissen schaffte Mowgli vier Prüfungen gegen jeweils etwa vierhundert Mitbewerber und trat darauf eine technische Ausbildung an. Die seinerzeitige sture, mehrfache Abschreiberei entfiel. Die Lehrer sind offenbar Techniker und Ingenieure. Mowgli freute sich täglich auf den Schulbesuch.
Er kam und stellte Fragen zum Ohmschen Gesetz. (1) Ich entschied mich, ihn wieder zu unterrichten.
Bald ärgerte mich der Lehrplan. Die meisten jungen Herren begriffen die einfachsten Formeln noch nicht, als bereits über Widerstände mit nichtlinearen Eigenschaften, wie Kondensatoren und Spulen doziert wurde. Das brachte die Denkweise der Anfänger komplett durcheinander.
Wenn zwei gleiche Widerstände R in Serie liegen, das heisst hinter einander geschaltet sind, verdoppelt sich der Wert. Bei Kondensatoren C dagegen halbiert sich die Kapazität, während der Widerstand frequenzabhängig ist.Orchid Mit meiner Unterstützung umschiffte er diese Klippen. Die Lehrer wunderten sich und fragten, warum ein solch begabter Schüler keine technische Universität besuche.
Die Schule legt Wert auf praktische Arbeiten. Neben angewandter Messtechnik, übten die Burschen die Stahlbearbeitung. Sie durften pro Woche einen halben Tag an einem Hammer feilen.
Das Feilen von Stahl ist eine beschwerliche Arbeit. Fortschritte sind nicht nach Sekunden sichtbar. Das Abtragen von Material mit gehärteten Werkzeugen, erfordert Kraft, Präzision und Ausdauer. Diese Eigenschaften suchen Farang bei vielen Thais vergeblich.
Von achtzehn Teilnehmern ersetzte die Hälfte das schweisstreibende Feilen durch schummrige Karaoke-Sausen mit Freundinnen in einschlägigen Lokalitäten von Chiang Mai und Umgebung. (Karaoke hiess seiner Zeit: Wein, Weib und Gesang!)
Für wenige Baht machte Mowgli Überstunden und feilte Hämmer für die Konkurrenz.
Einige der Burschen machten ihre Hausaufgaben nie, oder wegen Trunkenheit und Drogen selten. Unverschämt und frech, ihre einzigen Tugenden, bedrohten sie Mowgli und kopierten seine Arbeiten.
Die Kleinklasse von achtzehn Schülern reduzierte sich nach dem ersten Semester auf dreizehn. Ein Lehrer äusserte sich am Telefon, wenn drei Schüler einen erfolgreichen Abschluss schafften, wären sie zufrieden. Würfel Kopftraining. Jeder Widerstand hat 100 Ohm. Gesamtwiderstand?

Nach Wochen fragte ich Mowgli, ob er mir den gefeilten Hammer zeigen würde. Er holte
das edle Stück. Es war in ein Tuch gewickelt. Gegen den Rat seiner Mutter, ölte oder fettete er den Stahl nicht ein. Bedingt durch die hohe Feuchtigkeit, präsentierte er einen Rostklumpen.
Ich zeigte ihm, wie er mit Schmirgeltuch den Rost entfernen und gleichzeitig Kratzspuren vom Feilen auspolieren konnte. Leider waren meine Vorräte begrenzt. Ich bat ihn, er solle einige Bogen im Geschäft an der Hauptstrasse besorgen, während ich sein Werk genau betrachtete. Es war kein Meisterstück, wie sie vor Jahrzehnten in der Schweiz gefertigt wurden. Eigentliche Flächen wiesen gewölbte Verformungen auf, sie waren bombiert. Die Bohrung für den Stiel erfolgte ohne Überlegung. In das Löchlein passte ein grobes Essstäbchen.

Ich sass auf der Veranda, als nach einer halben Stunde ein Moped am Eingang stoppte.
Es war Mowgli. Er lieh sich das Gefährt problemlos und fuhr landesüblich ohne Helm und Ausweis.
Ich wurde stocksauer. Mowgli, der kein Fahrrad unfallfrei benutzen konnte, fuhr Moped.
Ich erklärte ihm mögliche Gefahren, die finanziellen Folgen eines Unfalles und erwähnte, er benötige einen Führerschein.
Meine Hinweise betrachtete er als Schikane. Mein Schüler bestrafte mich und zeigte an unseren gemeinsamen Arbeiten kein Interesse mehr, kam verspätet zum Unterricht und löste keine Probleme mehr. Bereits früher benutzte er zur Machtdemonstration ähnliche Tricks. Darauf beurlaubte ich mich.
Mowgli verbrachte eine Woche seiner Schulferien auf dem Verkehrsamt. Als stolzer Eigentümer eines Ausweises – das halbe Dorf fährt ohne Bewilligungen – wünschte er sich die Fortsetzung meiner Hilfeleistungen. Darauf darf er lange warten.

Das fertige Werkzeug musste er dem Fachlehrer abgeben. In der Schule wird gestohlen. Einige Tage später fand der Herr Lehrer Mowglis Werk nicht mehr. Stahlhart sagte der Lehrer: „Ohne Hammer keine Punkte, Diskussion überflüssig“.
Verzweifelt telefonierte Mowgli seiner Mutter.
„Geh ins Geschäft, kauf einen Hammer ohne Prägung ‘Made in China‘, entferne verräterische Kleber und gib das Ding deinem Lehrer.“
Dieser Hammer wurde akzeptiert. Mowgli erhielt seine Punkte.

An derselben Schule schlug ein 16 jähriges Mädchen ihrer fleissigen und begabten Freundin aus Eifersucht mit einem Hammer auf den Kopf. Die Getroffene liegt seit Wochen im Koma.

(a) http://de.wikipedia.org/wiki/Hammer
(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Ohmsches_Gesetz
If I had a hammer
(song) http://www.youtube.com/watch?v=VaWl2lA7968

Frühlingsfest – Chinesisches Neujahr

Demnächst, am 9. Februar beginnt das chinesische Frühlingfest. Die Menschen bereiten sich gebührend darauf vor. Städte wie Singapur, Johor Bahru und Melaka sind im Feiertagsschmuck. Restaurants preisen ihre Spezialitäten an. Politiker im nördlichen Malaysia machen mit fragwürdigen Verordnungen und Verboten auf sich aufmerksam: Stoff für Neujahrs-Geschichten im Jahr der Schlange.

Bereits am 12. Januar war die Samstags Ausgabe der Singapur Straits Times voller Anzeigen. Die Leser wurden richtig angeheizt, zum Neuen Jahr am 10. Februar viel Elektronik zu reduzierten Preisen, Schmuck und neue Wagen zu kaufen. Alleine SingTel platzierte drei einhalb Seiten Inserate. 4G, LTE, – der Mobilfunkstandard der vierten Generation, soll mit neuesten Geräten gewinnbringend vermarktet werden.

Wie viel Zeit geben uns Marketing und Industrien, bis zum nächsten Standard, der dann diese neuen Geräte schlagartig in Schott umfunktioniert. Schrott, der von den wenigsten Benutzern je verstanden und mit allen seinen integrierten Möglichkeiten volle Verwendung fand. In Thailand wird gegenwärtig 3G eingeführt.

Die fleissige Frau eines Freundes begann bereits mit der Putzerei der Wohnung. Achtungslos wird dir der Stuhl unterm Hintern weggezerrt. Du verbringst Stunden ohne Stuhl im Gang. Erfreut oder läutert öde Reinlichkeit die Seele? Wo bleibt dabei die freie, selbstbestimmte Verrichtung der Notdurft? – Dennoch: rot-godene Dekorationen, rote Lampen, Laternen und Kleider werden selbst in Johor Bahru überall angeboten.New Year

Vor langer Zeit war das chinesische Neujahrsfest in Singapur ein zweiwöchiger Freudentaumel mit Essen, Trinken, Knallereien und Feuerwerk. Auf Kehrichteimern in den Strassen wurde Klavier gespielt. Man zerbombte schlechte Geister richtiggehend. Alte Leute erinnern sich noch an die wilden Tage. Bomben gegen Geister, sowie spontanes Feuerwerk wurden weitgehend verboten. Die weitaus gefährlicheren Fress- und Sauf-Orgien werden ungestört weiter zelebriert, umrahmt von Löwen- und Drachentänzen und einigen fernsehgerechten Paraden in HDTV.

Für Chinesen rund um den Globus ist das Frühlingsfest das wichtigste Ereignis des Jahres. Auslandschinesen feiern üblicherweise einige Tage, besuchen Verwandte, Eltern, Freunde und empfangen und verteilen die roten Hong Bao, auch Ang Pau genannt, Umschläge mit Geld (an Unverheiratete). Meine kleine Tochter kassierte in Singapur während des Festes umgerechnet gelegentlich 45 000 bis 60 000 Baht. Das entsprach in Chiang Mai einem Jahresverdienst.

Fortsetzung folgt

Fortschritt: Inder ‚besitzen‘ mehr Handys als Toiletten

Verrichten sie nun ihre Notdurft im Internet?
Helmut Schümann:
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/klos-fuer-indien-heldin-der-hygiene/6220210.html

In meiner Jugendzeit hatten wir auf unserem Stockwerk eine Bedürfnisanstalt.
Klopapier ist eine Erfindung der Neuzeit. Zeitungspapier mit Druckerschwärze diente als Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Landesweit gab es gar keine Handys!

Im Jahre 2013 fehlen in Hinterindien Abwasserleitungen und Abwasser-reinigungsanlagen.
Nach 3G im Internet, sollte das Land jetzt 4S+ im Gewässerschutz fördern:
Sensual Shit + Sewage System
Lustvolles Fäkalien und Abwasser System.
Damit würde der Kreislauf von der Fäkalienbeseitigung zur Wasserpumpe endgültig gebrochen. Aber die Versorgung mit Tablet PC und Smartphones ist einfacher, billiger und schindet mehr Eindruck! Bereits Windelkacker können erfolgreich Smartphones fingern.
Trotzdem haben 2,6 Milliarden Menschen keine funktionierenden Sanitäranlagen.

Der Beitrag verdeutlicht krass den weltweiten Überfluss an Informatikern und den Mangel an Sanitär-Installateuren.
http://www.nzz.ch/aktuell/panorama/indien-1.15755965