Farbensymphonien

Satun ist um eine Attraktion reicher. Zwischen dem Ko Ho Restaurant und dem Po Je Keng Schrein steht nun eine mit schreienden Farben beleuchtete Säule. (1) Ist es möglich, dass der Po Je Keng Schrein deshalb Schrein und nicht Tempel genannt wird? koho
Die ganze Farbpalette wird in knapp zwanzig Sekunden automatisch durchgespielt. Dabei liessen sich die Farbkombinationen bei einer Flasche Bier weitaus eingehender betrachten. Für mich als langsamer Berner, war die Angelegenheit zu hektisch. Betätigte ich bei Rotlicht den Kamera-Auslöser, erwischte ich Pablo Picassos blaue Periode. Die Musik lieferten hunderte um die Kurven preschende Mopeds mit jeweilen mindestens vier Passagieren. Unglaubliche Mengen von Mopeds sind während des Nachtmarktes am Samstag unterwegs. vorgarten
Im Vorgarten des Hauses gediehen die meisten Pflanzen hervorragend. Einige weniger bekannte Raritäten wurden von unbegabten, dafür überbezahlten Hilfskräften als Jäterinnen, dreihundert Baht in zwei Stunden, ohne Nachfrage entfernt. Wir waren gegen jegliche Gartenarbeiten einheimischer Spezialisten, ausgenommen dem Ernten reifer Bananen.
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Fürs Wohnzimmer entwarf ich einen einfachen Lampenständer aus rostfreiem Stahl. Die Lampe aus Ban Tawai stand seit zehn Jahren verpackt und unbenutzt im Haus in Phonphat. Nun dient sie als Hintergrundbeleuchtung beim Fernsehen oder verleiht dem Whiskey je nach Stromstärke eine Bernstein- bis Honig-gelbe Farbe. Das Problem: Es gibt keinen trinkbaren Whiskey in Satun.

(1) Ko+Ho+Gruel+Restaurant, 6.6121255,100.065243
Nachtrag 2.Januar 2017
(Video) https://www.youtube.com/watch?v=-LiBfydmV0U

 

Die Bäckerei am Brottempel

Die Pflegebedürftigkeit von Dicks Mutter, erlaubt es uns nicht, längere Erkundungen im Grossraum Chiang Mai zu unternehmen. Im Notfall sollte Dick innerhalb einer Viertelstunde zurück im Haus sein. Solange darf man nach Artenschutzgesetz einen Menschen auf einer frisch gefüllten, dampfenden Pfanne, oft fehlt das Gerät, sitzen lassen.​
 

Seit langer Zeit sahen wir in diversen Rim Ping Geschäftsstellen abgepacktes, geschnittenes Brot, unter anderem von „Jo’s Bakery“ in Hang Dong. Vor einem Jahr versuchte Dick vergeblich, diese Bäckerei in Hang Dong zu finden. Mandeläugige Schlitzohren oder Schönheiten nach einer Bäckerei im Dorf zu fragen, sofern es keinen Zuckerbäcker betrifft, ist vergebliche Mühe. Die Einheimischen schlecken Süssigkeiten oder essen Reis und Klebreis. Brot ohne Zucker goutieren sie nicht.

Es gibt Touristen, die kennen Chiang Mai nach drei Tagen vollständig. Sie erkundeten jeden Winkel. Sie besuchten sämtliche Tempel, Garküchen, Kneipen und Restaurants. Die meisten Prostituierten sind ihnen bereits namentlich bekannt.
Ich war 1973 erstmalig in Chiang Mai. Seit zwanzig Jahren lebe ich hier. Professionelle Gunstgewerblerinnen gab es im Bekanntenkreis nur wenige. Amourös aktive Amateure häufiger. Man lebt ja nicht vom Brot allein. Ich kannte weder Wat Khet Kitchawat, noch Wat Thung Rang Raeng. Beide Bezeichnungen gelten für denselben Tempel. Chiang Mai bietet uns immer wieder neue Überraschungen. ​
Rim Ping gab das Backen in den Filialen auf. Die Brote werden von verschiedenen Betrieben zugekauft. Die Auswahl von Rim Ping vergesse ich. Eines der besseren angebotenen Brote in der Nähe ist die Baguette, das französische Stangenbrot, von Makro zu dreissig Baht.


Deshalb machte ich mich auf die Suche nach Jos Bäckerei und wurde fündig. Es gibt sogar einen Eintrag auf WordPress. (1)
Der Betrieb ist in Ban Nam Prae – in der Nähe von Hang Dong, etwas versteckt hinter Wat Khet Kitchawat, oder Wat Thung Rang Raeng. Die Fahrt zum Tempel dauerte knapp zehn Minuten. Nach der Brücke geht es geradeaus in den Tempel. Aber halten sie rechts, wenn sie zum Bäcker wollen. In der ersten Linkskurve am Tempel steht „Jo’s Bakery and Delicatessen“. GPS N 18.68087, E 98.89593.

Wir hatten Glück und trafen Jo persönlich, assen hausgemachten Leberkäse mit Gurken und genossen zum französischen Wein köstliches Kümmelbrot.
Das gesamte Angebot ist bei WordPress in Wort, Bild und Preis einsehbar.

ÖFFNUNGSZEITEN:
Montag geschlossen
Übrige Tage 13 00 bis 20 00
Frisches Brot: Dienstag und Freitag

(1) https://josbakery.wordpress.com/
Lows Brotgeschichten
https://hinterindien.com/2013/12/05/der-honig-lebkuchen-mann/
https://hinterindien.com/2013/12/08/ungeschminkte-gedanken-zum-getreide/
https://hinterindien.com/2016/03/01/brot/

Rauchen mit Buddha

Lesen sie all die Weisheiten, die Buddha vor 2500 Jahren verbreitet haben soll? Siddhartha hatte demnach gar keine Zeit für Meditation. Er war ein Mediator, eine Quasselstrippe ohne Informationstechnologie und Smartphone. Wurden all seine mündlichen Informationen auf vertrauenswürdigen Medien wie Pergament, Lochkarten, Lochstreifen, Magnetband, Floppy, Festplatten, optischen Speichen wie CD und DVD, ROM und RAM, gespeichert?

In Hinterindien mit dem tief verwurzelten Spendenwesen, heute Korruption genannt, funktioniert ohne Schmiermittel, genannt Scheine, nichts. Die Eingeborenen gewöhnten sich daran. Sie denken, sogar Geister, Götter und Buddha sind käuflich. Opfern im Tempel ist üblich. Nicht nur Weihrauch, sondern vor allem Scheine. Im Notfall genügt Gold. Die Bauern können nicht auf reiche Enten verzichten!
Anfänglich war ich bei Dorf-Festen ein willkommener Spender. Als ich bemerkte, dass manche Äbte die üppigen Spenden in rollendes, meist deutsches Edelmetall umwandelten, davon rein gar nichts bei der Bevölkerung oder im Nibbana ankam, lähmte dies meine Griffe zum Geldbeutel.
Anlässlich eines Tempel-Festes erwarteten die Initianten vom Farang mindestens 1000 Baht. Ich trennte mich von 100 Baht.
„Geizhals“, sagte die Urheberin der Geldsammlung. Ich erwiderte:
„Gestern bezahlte ich Essen und Getränke für das Dorf-Fest. Heute bin ich deshalb knapp bei Kasse. Hilft mir jemand mit einem Vorschuss?“
„Helfen schon, aber was ist ein Vorschuss?“ Diskussionsende.

Von mir fliesst kein Geld mehr in Tempel. Trotzdem bringe ich Buddha öfters landesübliche Opfer wie Weihrauch. Bereits in der Schweiz entzündete ich nach einem Fondue oder Besuchern mit Schweissfüssen gerne indischen Weihrauch. Wenn ich hier selten genug eine Gudang Garam, eine indonesische Nelken-Zigarette anzünde, spiesse ich nach einigen kräftigen Zügen den Glimmstängel auf einen abgebrannten Weihrauchträger. Das Opfergefäss stelle ich dann vor eine Buddha-Skulptur. Das nenne ich: „Rauchpause mit Buddha.“
Offenbar gefällt Buddha mein beinahe lautloses Angebot. Er segnet uns reichlich mit Blumen, Früchten und Pflanzen. Hie und da verlässt ein schwerer Fisch unseren Teich freiwillig. Dick muss nur noch zupacken.
Gegenwärtig sind unsere Pomelos ein paradiesischer Genuss. pomelo-im-garten Die ungeschälten Früchte wiegen pro Stück über ein Kilogramm. Der süsse Inhalt ist goldig bis rosarot gefärbt. pomelo-schnitze Über dem Pomelo-Baum wuchern Schlingpflanzen, Passionsblumen mit roten Beeren und Maracuja mit gelb-grünen Früchten. Die werden uns per Luftpost franko zugestellt. maracuja-blau Deshalb kann ich aus hoch-religiösen Gründen das Rauchen nicht aufgeben. Würden wir Kartoffeln ernten, wären es tief-religiöse Gefuehle.

Die Axt im Haus erspart den Zimmerbrand

Die Redensart stammt aus dem Drama „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller. Wilhelm Tell persönlich arbeitet am Tor seines Hauses. Dann spricht er: „Jetzt, mein ich, hält das Tor auf Jahr und Tag. Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.“ Besonnene Worte eines Uhr-Schweizers. Herr Schiller musste nur noch notieren. Der Uhrenkönig Hayek spricht weniger Bühnenreif. Dafür raucht er wie ein Fabrikschornstein.

Als wir in Chiang Mai den Wagen abstellten, waren wir vom reichen Grün des Gartens umgeben. Die Unordnung entsprach einem Gesamtkunstwerk – lauter Banausen am Werk. Der Rambutan war von Trockenheit und Hitze gezeichnet, das Laubwerk teilweise verdorrt. Drei Meter vom Baum entfernt, waren ein Wasserhahn mit Schlauch am Haus montiert! Im Gras, versteckt wie Ostereier, lagen verrostende Werkzeuge. Sämtliche Wasser-Pflanzen in der hinteren Pfütze waren tot. Die Welse lebten noch, weil die Angler zu faul zum Fangen waren. Sie holten sich bequemerweise schlechteren Fisch für teures Geld vom Markt.

Holzschlag war angesagt. Wo war unsere Axt? Im Werkzeugschrank war sie nicht. Dick fand im Gebüsch eine rostige Axt. Offenbar wurde sie gegen unser Qualitäts-Werkzeug eingetauscht. Die Schneide war mindestens 4 mm dick. Schleifen würde ich den lebensgefährliche Rosthaufen bestimmt nicht, denn der Stiel war von Dilettanten stümperhaft und unsicher in den Stahl genagelt. Da würden im schönen, rot goldenen Tempel nicht einmal 144 Weihrauchstäbchen, ein Abt und hundert Liter geweihtes Wasser einen segnenden Zauber auf den Stahl ausüben.
Genauso, wie diese Axt repariert wurde, werden dem Anschein nach Bremssysteme von Reisebussen gewartet. In Thailand gibt es fast wöchentlich schwere Unfälle – durch Bremsversagen!
Elektroinstallationen werden ebenso unsachgemäss erledigt. Dies führt regelmässig zu Bränden. (1) Die Ohmschen Gesetze gelten in Hinterindien weniger, als Buddhas Lehren – gar nichts.(2) axt

(1) http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/17-Schulmaedchen-sterben-bei-Feuer-im-Schlafsaal/story/14675551
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Ohmsches_Gesetz

Wie kommt der Blödmann von einem Schreiberling dazu, Schillers geflügeltes Wort abzuändern?
Die Mädchen im Schlafraum in Chiang Rai waren eingeschlossen. Ein primitives Werkzeug wie unsere Axt, hätte vielleicht helfen können.

Das sicherste Land auf Erden?

Thailand könnte als eines der sichersten Länder gelten, wenn wir von der Anzahl der Sicherheitskräfte ausgehen. Die Polizei verfügt über 230‘000 Angestellte. Auf 100‘000 Einwohner entfallen 344 Ordnungshüter. Die sind in ihren Kasernen gut aufgeben. Ausser verkehrsregelnden Fachkräften oder den Beamten der Immigration sehe ich die Herren nur selten im Einsatz. Bilder erfolgreicher Fahnder jedoch bereichern die Gazetten oder die Tagesaktualitäten des Fernsehens. Wenn durch lebensgefährliche Einsätze zwei Drogenschmuggler festgenommen werden konnten, verschönern das Bild mindesten zwei Dutzend Polizisten unter dem Titel: Symphonie in Braun.
Auf unseren Fahrten, an die 2‘000 Kilometer von Nord nach Süd und umgekehrt, sahen wir höchst selten Streifenfahrzeuge. Wenn, standen sie vor Verpflegungslokalen. Mehr Beamte gab es in fest installierten Kontrollbereichen.
Die Armee verfügt über 340‘000 Mann. Diese Angabe ist 10 Jahre alt und sicher nicht aktuell. Die Mannschaften werden von 1‘700 Generälen kommandiert. Das ergibt pro General 200 Mann. Diese Generäle helfen seit der Machtübernahme der Armee in vielen zivilen Bereichen als Direktoren aus und steigern damit deren Leistungsfähigkeit gewaltig. So findet man Spezialisten der Luftwaffe bei Thai Airways. Sie schleppen vor allem rote Tinte in die Buchhaltung. Weitere Berichte der unglaublichen wirtschaftlichen Expansion der letzten Monate finden sie in der Tagespresse.

Trotz des riesigen Aufwandes dürfen wir uns nicht allzu sicher fühlen. Eine betrunkene Automobilistin, 24 Jahre jung, verletzte im vergangenen Jahr drei Radfahrer tödlich. Die Delinquentin wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und anschliessend sogleich gegen Kaution entlassen. (Bangkok Post, 1. Juni 2016). Reiche Menschen brauchen sich vor Strafen kaum zu fürchten.

Ein extremes Beispiel von grössenwahnsinniger Willkür und unsinnigen Machtdemonstrationen erheitert zahlreiche Gemüter. Ein gerissener Abt ergaunerte mit unsauberen Geschäften 1,2 Milliarden Baht. Das Geld wurde grösstenteils in den Bau eines UFO-ähnlichen Tempels einer buddhistischen Sekte gesteckt. Nun sollte der Gelbrock einer Vorladung zur Einvernahme folgen. Der Herr Abt ist aber schwer krank und konnte den Einladungen leider seit Monaten keine Folge leisten. Laut Kameraaufzeichnungen scheinen die Beschwerden und Leiden des Abtes durch die heiligen Tempelgründe sehr gemildert.
Um jetzt eine drohende unerwünschte Abholung des Abtes zu verhindern, blockierten friedliebende Mönche die Zugänge zum Heiligtum mit Baumaschinen. Über Nacht wurde der Tempel zusätzlich mit Stacheldraht garniert. Ein Aufgebot von 2’250 Mann, Armee und Polizei, sollte es ermöglichen, den durch fanatische Mönche geschützten Un-Heiligen dennoch zu fassen.

Bilder und Kommentare zur Posse ab: http://forum.thailandtip.info/index.php?topic=16027.msg1215006#msg1215006

Wege zur Erleuchtung

Die Pfade buddhistischer Tugenden bleiben trotz Mengen reich dekorierter Tempel in Thailand schwierige Gratwanderungen. Die Mehrzahl organisierter Gruppen barfüssiger, in safranfarbige Tücher gewickelte Reiseleiter taugt wenig oder gar nichts. Entweder kennen sie die strikten Anleitungen nicht, oder sie vergassen die massgeblichen Regeln landesüblich nach drei Wochen.
Der Abt unseres kleinen Dorftempels im Norden spezialisierte sich, stahl Leichen oder Teile Verstorbener. Damit praktizierte er im Geheimen schwarze Magie, fertigte spezielle Amulette, bis er beim Fleddern erwischt wurde.
Die Einheimischen suchen zudem weder Tugend noch Erleuchtung. Sie dürsten alle, alle nach Baht-Scheinen! Das ist gelebte Schein-Religion. Wenn endlich reicher Geldsegen unerwartet eintrifft, teilt man nicht gerne. Mann oder Frau kaufen zu Discountpreisen angebotenes Karma bei geldgierigen Gelbröcken, wie man Fahrzeuge, Elektronik, Mia Noi (Zweit- und Drittfrauen), Smartphones und vergiftete Suppen erwirbt.

Die eingeschlagenen Wege zwecks Erreichung buddhistischer Erleuchtung funktioniert selten. Es fehlen die Musen, die Musse und vor allem die benötigte Portion Hirn. Anstatt den Pfad mit der Kraft des Geistes zu suchen, werden vor allem Muskeln eingesetzt. Dies gilt für sämtliche Tätigkeiten in Hinterindien.
bulb philips
Der Krafteinsatz am Gewinde der Energiesparlampe, oder der Energieeinsatz am Gewinde der Kraftsparlampe war falsch. Diese Lampe wird kaum noch Helligkeit abgeben. Zur Erleuchtung führt sie schon gar nicht.
Alkohol brennt zwar. Er führt leider nur in Ausnahmefällen zur Erleuchtung des Geistes. Die Anwendung zum Antrieb von Motorfahrzeugen dagegen scheint gewährleistet.
Trotz vereinigter Anstrengungen von Polizei und Armee sind die Todesfälle im Strassenverkehr, während der Feiertage wie Neujahr und Songkran, in den letzten zwei Jahren extrem angestiegen. Muss dieser Anstieg dem Teufel im Alkohol der Treibstoffe zugeschrieben werden, oder ist allein der Promillepegel der Piloten dafür verantwortlich?
Krematorien und Sargfabriken feiern Hochkonjuktur. (1)

(1) http://www.thaivisa.com/forum/topic/718430-massive-songkran-festival-travel-spurs-coffin-business/

Ramayana – Deutsch und deutlich

Im Bericht über den Affen-Gott Hanuman erwähnte ich das Epos Ramayana. Die Geschichten wurden aus dem Sanskrit in die englische Sprache übertragen. Aus diesen Texten schuf man eine deutschsprachige Version. Es sind insgesamt sieben Bände. Der Download in verschiedenen Formaten ist möglich. Sechs Bände gibt es als Hörbuch in MP3. (1) Die gesprochenen sechs Bände beanspruchen Ohren und Hirn während siebenundvierzig Stunden.
Experten schätzen, die Entstehungszeit des Epos könnte zwischen dem 4. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. liegen.

Besonders eindrücklich erlebte ich Tänze aus dem Ramayana auf der Insel Bali. Die meisten Balinesen, über neunzig Prozent, bekennen sich zur Hindu-Dharma-Religion. Das ist die balinesische Glaubensform des Hinduismus.
Ein relativ moderner balinesischer Tanz, er dürfte aus den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts stammen, ist der Ketjak, der Tanz der Affen aus dem Ramayana. (2)

Was die Generäle Thailands mit den gegossenen Affen-Gottheiten anstellen werden, ist mir unbekannt. Werden spezielle Hanuman Tempel gebaut? Als Äbte würden sich Generäle im Ruhestand hervorragend eignen, aber erst, wenn sie die Sanskrit Texte des Ramayana auswendig gelernt haben.

(1) http://www.ramayana.pushpak.de/ramapdf.html
(2) https://www.youtube.com/watch?v=E55dQXdiIms

Hundeleben

Von Montag ab 21 Uhr hatten wir kein Internet auf Langkawi. Mittlerweile sind wir in Kuah. Morgen reisen wir mit der Fähre zurück nach Satun, Thailand.

Tiere in Hinterindien führen meist ein übles Leben. Junge Hündchen werden als Massenware billig gehandelt. Sobald Tiere grösser werden oder gar ausgewachsen sind, fallen sie manchen Besitzern zur Last. Sie fressen, koten und bellen zu viel. Die Köter lernen nichts. Sie verbringen ihre Zeit in engen Käfigen, oder betteln auf den Strassen, wie vernachlässigte Kinder. Nur wenige Besitzer bringen ihre unerwünschten Objekte, wie Hunde und Katzen, in einen Tempel. (1) Der Normalfall ist das Aussetzen. Die einstigen bellenden und heulenden Haustiere streunen, verwildern und ernähren sich von Abfall. Gelegentliche Hühnchen und Ratten werden nicht verschmäht. Kehrichtsäcke werden aufgerissen. Der Inhalt wird dann zusätzlich durch Fahrzeuge, Stürme, Wasser und Wind in den Siedlungen verteilt.

Unmittelbare Nachbarn halten und quälen ihr Schosstier dauernd in der Küche, wo es ebenfalls seine Notdurft verrichtet. Stuhl- und Tischbeine sind fast die einzigen Möglichkeiten, um Markierungen zu hinterlassen. Der Raum riecht fürchterlich. Der Gestank wirkt auf normalempfindliche Nasen als Brechmittel. Die einzige Luftverbesserung schafft das gelegentliche deckenschwärzende Frittieren toter Fische. Sie müssen nicht einmal frisch sein. Offenbar schmeckt es den Hundehaltern trotzdem.

Andere Nachbarn zogen von Satun nach Hat Yai. Ihr gutmütiger Hund blieb einsam zurück. Wenige Einwohner füttern das Tier. Eine Frau in Klong Khut kocht Frühstück für die Hundemeute. Mittlerweile hat sie täglich über zwanzig vierbeinige Gäste. Der Vorteil ist, die gesättigten Tiere spielen kaum mit Abfall. Die Strasse bleibt sauber.

Weit schlimmer ist, wenn Kinder weder Aufmerksamkeit, Betreuung noch Liebe erhalten. In einer unübersichtlichen Kurve in unserer Strasse steht zur Erhöhung der Sicherheit ein Spiegel. Eines Tages wies der Spiegel ein Loch auf. Wir dachten, stürmische Winde hätten ihn durch krachende Äste beschädigt.
Beim Giessen unseres Gartens hörte Dick dann komische Schlaggeräusche. Sie schaute nach und sah, wie ein kleiner Junge mit einer langen Stange auf den Verkehrs-Spiegel einschlug. Sie ging hin und erklärte dem Knaben, warum das kein Spass sei, dass er solche Hilfsmittel nicht zerstören sollte. Der Schelm hörte der gut gemeinten Schelte absolut verständnislos zu. Danach brachte ihn Dick nach Hause. Unterwegs demonstrierte der kleine Drecksack seine Schlag-Kraft, indem er als Dreingabe mit seiner Stange einige Papaya-Stauden der Nachbarn köpfte.
Zu Hause erwarteten ihn die Grosseltern. Grossvater hat irgend einen Doktortitel, geht jedoch keiner Beschäftigung nach. Die Grosseltern verprügelten das Kind zu zweit kommentarlos. Der Kleine gab trotz der Schmerzen keinen Laut von sich. Der Alte schickt den Sechsjährigen zwecks Abhärtung ins Boxtrainig. Bübchen übt daneben fleissig Vandalismus. Gelegentlich verbeult er mit seinen Stangen entlang der Hauptstrasse Automobile.
In wenigen Jahren wird er Drogen verkaufen. Wer keine Drogen kauft, wird er mit seiner Stangen-Technik zu erpressen versuchen. Kung Fu pur. Das Fernsehen übermittelt solche Botschaften bereits Kleinkindern. Wir kennen diese Bösen-Buben-Spielchen von PhonPhat. Das ist die beste Vorbildung zum Offizier – Armee oder Polizei. Schulzeugnisse bleiben Nebensache.
Gleichzeitig breitete sich eine neue Seuche aus – Plastikkinder.
https://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2016/02/24/die-luk-thep-wochos-gehen-weiter/

(1) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/phuket/72424

Alleine in China leben sechzig Millionen Kinder, um die sich kaum einer kümmert.
The Star, Malaysia, 26. Feb.20, Leaving no child behind, ATP

Schenkt mir die Zukunft ein Denkmal

Ein kurzer, zu früher Kälteeinbruch Ende September lähmte mich in Chiang Mai. Im Oktober brachen wir Richtung Süden in eine ungewisse Zukunft auf. Wir wussten bloss, wir würden kaum weiter im gemieteten Haus verweilen. Die gesundheitlichen Bedenken überwogen.
Auf Anhieb fand Dick ein angenehmes Haus. Erstmals seit fast zwei Jahren wurden meine Handgelenke schmerzfrei. Ich konnte wieder, ohne Hilfe und ohne den Hintern aufzureissen, das WC benutzen und duschen.. Die Freude währte nicht lange. Eines Nachts verlor ich Empfindungen und Kontrolle der Hände, nicht komplett, aber beängstigend. Ich erhole mich langsam oder gewöhne mich daran.
Die nächtlichen Temperaturen sanken im Januar in HangDong auf 12 °C. In Satun dagegen hatten wir heisses Wetter, denn angesagter Regen blieb oft aus. Strenge Nordwinde bliesen die Wolken aus der Andamanensee nach Süden.

Die Tastaturen von PCs und Laptops spielten mit mir. Schreiben und lesen waren an mehreren Tagen unmöglich. Die unkontrollierbaren Finger wechselten mühsam geöffnete Seiten nach Belieben. Meine eigenen Hände verschaukelten und vergaukelten mich. Ich wusste:
„Erkläre den Lesern, das Ende der Geschichten aus Hinterindien ist möglicherweise nahe.“

Ich weiss, es gibt Spracheingabe.
Der PC versteht meine feuchte Aussprache nicht besonders gut. Ich müsste das Gerät dauernd trocknen oder mit Windeln schützen. Es ist lärmig. Hunde bellen. Hühner gackern. Hähne krähen. Mopeds röhren. Waschmaschinen der Nachbarn dudeln vierundzwanzig Stunden am Tag. Die Lautsprecher arbeiten noch, wenn der Wassertank bereits lange leer ist. Die Warnsignale finden keine Beachtung. Lautsprecherwagen werben fahrend. Akustische Umweltverschmutzung ist gestattet. Dicks Smartphone produziert Geräusche.
Das schlimmste, ich fluche laut. Ich verfluche die Schmerzen, meine Ungeschicklichkeit. Der PC versteht meine Sätze nicht, nur Flüche, dafür in fast sämtlichen Sprachen.

Dank eines Fernsehers mit Zugang zum Internet, wird es mir nicht langweilig, wenn die PCs unbenutzt herumstehen. Wir sehen uns Filme an und hören Musik über YouTube. image

Das Haus fordert uns täglich. Ich entwickelte Moskitogitter für die ausstellbaren Fenster. Eine kleine Firma in der Nähe baut die gesuchten Einheiten mit Magnetschliessern. Die jungen Leute haben einen zusätzlichen Lebenserwerb. BrückeWZ

Am Eingang von der Veranda her bauten wir eine Brücke als Schutz vor Rollstuhl-Rädern für die Profile der gleitenden Kunststoff-Türen. Die sogenannten Aluminium-Fenster – schlecht imitiertes, nicht deutsches, nicht patentiertes Qualitätsprodukt – entpuppten sich als Kunststoff-Attrappen.
Zum Blockieren der Schiebefenster musste ich bohren. Im Geschäft verkaufte man uns nicht die ausgesuchten billig Bohrer aus China. Der Chef erklärte der Verkäuferin:
„Siehst du den Farang im Auto? Der will bessere Qualität, wenn er Stahl bohrt.“
Ich grinste, denn die Bohrer waren für die Aluminium-Fenster bestimmt. Man verkaufte uns Ware aus USA. Zu Hause bohrte ich dann in reinen Kunststoff. Die Arbeit war leichter als das Schneiden von Import-Butter. In die Löcher setzte ich Stahlpfropfen als Fensterstopper. Sie sollen bei Abwesenheiten einige Fenster gesichert offen halten.

Dick stach die zahlreichen Farbbeulen am Haus auf und entfernte die Farbschichten sorgfältig. Danach grundierte sie die Flächen mehrmals mit einem Pinsel.
Der grösste Brocken steht uns noch bevor. Das zweite einbetonierte WC müsste ersetzt werden. Ausgerechnet im Esszimmer stinkt es zeitweise appetitkillend nach Pisse. Ich könnte mir damit ein Denkmal setzen und den Stinker einfach stehen lassen. Thais bemerken solche Düfte nicht. Sie speisen landesweit unbeeindruckt an Abwasserkanälen und neben Abfallhaufen. Gerümpel und Abfälle gehören oft zum unentbehrlichen Hausrat.

Unser Glastisch ist klein und zudem eine unwillkommene Lärmquelle. Demnächst soll er durch ein Holztischblatt mit Chromstahlsäulen ersetzt werden. Noch kontrollieren die Uniformierten den Holzhandel in Satun nur beschränkt.
Mit meinen Händen kann ich nur wenig zum Gelingen beitragen. Die Frage ist, ob mir die Zeit geschenkt wird, die Vollendung zu erleben.
Keiner kennt die Dauer seiner Zukunft. Sind es drei Minuten oder drei Monate? Nur die Wahrsager in den Tempeln wissen alles.

Es lebe die Volksgesundheit, besonders in Bangkok

Früher machten die unterbeschäftigten Uniformierten in Bangkok mit auf Hochglanz polierten Stiefeln Jagd auf Schwerverbrecher, die Zigarettenkippen wegschmissen. Dieses Vergehen kostete zweitausend Baht Strafe und mindestens eine Stunde gemütliche Unterhaltung in einer Polizeiwache. Heute ist es schwer möglich, Asche oder Kippe zu entsorgen, weil bereits das Rauchen, das Entzünden einer Minimalmenge von Tabak, verboten ist. Die Menge der Schadstoffe eines einzigen Glimmstengels ist beträchtlich:

Verbindungen und Mengen:

Kohlenmonoxid
14–23 mg
Stickstoffoxid
100–600 µg
Blausäure
400–500 µg
Butadien
24–40 µg
Benzol
12–50 µg
Styrol
10 µg
Formaldehyd
20–100 µg
Acetaldehyd
400–1400 µg
Aceton
100–650 µg
Acrolein
60–140 µg
Aliphatische Amine
3–10 µg

In der Partikelphase sind u. a. folgende Verbindungen nachweisbar:
Nikotin
1000–3000 µg
Nornikotin
50–150 µg
Nichtflüchtige Kohlenwasserstoffe
300–400 µg
Naphthalin
2–4 µg
Naphthalinderivate
3–6 µg
Phenanthrene
0,2–0,4 µg
Fluorene
0,6–1,0 µg
Pyrene
0,3–0,5 µg
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
0,1–0,25 µg
Phenol
80–160 µg
Benzofurane
200–300 µg

Dies in einer Stadt mit Millionen schlecht gewarteter Fahrzeuge, effektiven Giftschleudern. Einer Stadt mit stinkenden Garküchen, Schloten von Fabriken und Kraftwerken, Unmengen von Abfällen, mit Kolonien gefrässiger, urinierender, kotender Menschen und Ratten. Die einzigen Orte, wo noch geraucht wird, sind die Tempel. Die Gelbberockten gehen mit gutem Beispiel voran. Ob sie an einem Lungenkrebs, hervorgerufen durch Weihrauchstäbchen, Kerzenruss, Emissionen bei Kremationen oder Zigarettenrauch sterben, spielt in der Statistik keine Rolle. Zielort ist in jedem Fall das Nibbana.

Mittlerweile ist die Luft in Bangkok besser als in Chiang Mai, wo der Grenzwert der Feinstoffbelastung von hundert Mikrogramm nur noch selten unterschritten wird. Wesentlich anders ist es in Satun. Die Stadt mit etwa zweiundzwanzigtausend Einwohnern bietet meist Brisen frischer Luft von der Andamanensee.
Bereits vor einem Jahr beobachtete ich vom Hotel aus zwischen den Palmen aufsteigende Rauchsäulen. Diese Luftverschmutzer werden von den Ordnungshütern nicht verfolgt, obwohl sie, verglichen mit inhalierten Glimmstengeln, gewaltige Giftmengen erzeugen. Sie feuern jederzeit. Die hirnverbrannten Pyromanen folgen ihrer Lust Tag und Nacht, morgens um vier oder um neun. Dann stinkt es erbärmlich in den Dörfern: Nach Phenol – bis zum Brechreiz, nach Chlorverbindungen beim Abschwelen der blauen PVC Rohre, nach Autoreifen und nach Formaldehyd – das beschützt die zähen Alten vor vorzeitigem Ableben. Gibt es Herz-Erfrischenderes für Leber und Nieren als Düfte frisch verbannter PET-Flaschen und Plastiksäcke? Zwecks Förderung der Volksgesundheit ist das öffentliche Spülen der betroffenen Organe mit kühlem Bier zwischen 14 00 und 17 00 Uhr ebenfalls verboten.
Alle diese Schwelbrände mit versuchten Giftmorden dürfen ohne jegliche Straf-Verfolgung durchgeführt werden. Zigaretten sind schädlich. Schädlicher als tausend Feuerchen mit dem zusätzlich importierten Rauch aus dem fernen Sumatra!