Fängt Herzlosigkeit im Kopf an?

Die Tochter kehrte von ihrer erfolgreichen monetären Mission in Bangkok zurück. Der kleine Goon sehnte sich täglich nach Mae. Wenn er, während ihrer Abwesenheit, gelegentlich zum Haus zurückkehrte, öffnete der Kleine Schränke, presste ihre Kleider an sich und roch daran. Seine Augen waren voller Tränen. Goongrüsst
Jeden Abend wartete er sehnsüchtig auf seine Mutter. Er konnte kaum einschlafen. Die
Selbstverliebte fand innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach der Rückkehr keine Zeit, ihren tapferen Sohn, er lebt gegenwärtig bei seinem Onkel, zu besuchen.
Das skandalöse Drama wird weitergehen. Diese grausam egoistische Person denkt bereits an ihre nächsten Einsätze in zwei Tagen in Lampang und Pai, später in Hongkong, Vientiane und Luang Prabang. Die Zukunft ihres Kindes interessiert sie nicht. Für sie wird die peinliche Angelegenheit mit einigen Räucherstäbchen und einer bemerkenswerten Geldspende im nächsten Tempel erledigt sein.

Mowgli bereitete seiner (Pflege)Mutter grosse Sorgen. Eines Nachmittags rief er von der Schule aus an, ein Kollege habe Geburtstag. Er sei zur Feier eingeladen. Er würde später als üblich zurückkommen. Darf ich?
Natürlich erhielt er die Erlaubnis. Dick wusste, die jungen Herren würden sich bei nordthailändischem Sukiyaki in Chiang Mai vergnügen.
Wir wussten nicht, dass Mowgli bloss hundert Baht bei sich hatte. Weil er keinen anständigen Betrag beitragen konnte, fühlte er sich zu scheu, um beim Essen zuzulangen, wie es eigentlich sein Magen verlangte.
Nach dem Essen trafen die munteren Jünglinge einen weiteren lustigen Kollegen, der sie zum Spülen einlud. Was tranken die zukünftigen starken Männer? Es war nicht landläufiger, unversteuerter Lao Khao, sondern Wodka.
Mowgli durfte gelegentlich bei uns zum Essen ein Glas Wein versuchen. Die Prozentrechnung kennen Thais nicht. Während Wein Alkoholwerte zwischen neun und maximal fünfzehn Prozent aufweist, haben Destillate bis vierzig Prozent. Nach dem zweiten Glas Wodka fiel Mowgli bewusstlos vom Stuhl und kotzte (glücklicherweise).
Dick versuchte, ihn ab elf Uhr mehrmals telefonisch zu erreichen. Keine Antwort. Sie wusste nicht, sein Smartphone war mit einem Passwort gesichert. Die Kollegen konnten die Anrufe nicht beantworten.
Ab sechs Uhr in der Frühe kannte die Glucke kein halten und liess ihre Söhne das verlorene Küken suchen. Einige Stunden später traf der Abgestürzte mit schwerem Kopf zu Hause ein.

Muss ich nun, als mitfühlender Onkel, mit Mowgli übungshalber Schnäpse trinken, um ihn für künftige Geburtstage und sein späteres Wirken in Lan Na Land zu imprägnieren?
Ich ziehe es vor, zusammen mit Goon Gummibären von Haribo zu kauen und – währenddessen ganz im Stillen – seine rastlose Mutter zu verfluchen.
Dabei ist seine Situation das Schicksal vieler Kinder in Nordthailand und im Isan. Während ihre lebenslustigen Mütter ihr Dasein als verführerische, jungfräuliche Bar- Girls mit Alkohol, Drogen und Zocken in den Grossstädten geniessen und sich selbst verwirklichen, wachsen die Kleinen bei geistig abgehalfterten Grossmüttern irgendwo im staubtrockenen Hinterland zusammen mit Federvieh als hoffnungsträchtige nächste Generation auf.

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Beim Lesen der Lebensläufe verschiedener Multimillionäre bemerkte ich, dass eigentlich niemand mit Tellerwaschen reich wurde. Die waren alle schlau genug, das Metier zu wechseln und einträglichere Beschäftigungen zu suchen, wie beispielsweise John D. Rockefeller. (1)

John Davison Rockefeller wurde am 8. Juli 1839 in Richford, New York, geboren. Rockefeller soll sein Taschengeld während der Schulzeit durch Tellerwaschen und als Page erworben haben.

Der amerikanische Unternehmer wurde später durch die Raffinierung von Rohöl, mit Standard Oil – heute Exxon, zum damals reichsten Menschen der Welt. Er war skrupellos, übervorteile Aktionäre, manipulierte Aktienkurse, bestach Richter und Politiker. Seine Konkurrenten wurden oft mit zweifelhaften Mitteln ausgeschaltet. Für diese Schandtaten wurde Rockefeller nie verurteilt. (2)
Ein Porträt von Rockefeller erinnerte mich an die Fratze des Finanz-Jongleurs Martin Ebner mit Fliege. (3)

Dick war krank. Deshalb arbeitete ich in der Küche am Spültrog und hatte beim gemächlichen Tellerwaschen genügend Zeit zum Nachdenken. Die Geschwindigkeit wurde beschränkt durch meine schmerzenden Handgelenke und die Gefühlsstörungen, denn ich wollte die Teller waschen, nicht zerbrechen.

Ich schaffte den mühsamen Weg vom Tellerwäscher zum Millionär.
Wir reisten nach Vientiane, Hauptstadt der demokratischen Volksrepublik Laos, ສາທາລະນະລັດ ປະຊາທິປະໄຕ ປະຊາຊົນລາວ, transkribiert Sathalanalat Paxathipatai Paxaxon Lao. (4) Die freundliche Dame am Bankschalter übergab mir 1,6 Millionen Kip. Flags
Im Land des Lächelns schafften mehrere Farang den umgekehrten Weg – vom Millionär zum Tellerwäscher, egal ob Dollar, Euro oder Pfund.
Bereits vor der Einführung des Euros beobachtete ich eine Angleichung der Währungen: Für ein Pfund griechischer Drachmen oder italienischer Lire gab es einen Dollar.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/John_D._Rockefeller
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Ludlow-Massaker
(Woody Guthrie) https://www.youtube.com/watch?v=XDd64suDz1A
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Ebner_(Bankier)
(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Laos

Nong Khai, Sala Kaeo Ku

Die Stadt Nong Khai erlebte in der Mitte der neunziger Jahre einen Wachstumsschub. Der Grund war der Brückenbau über den Mekong. Ohne die Besucher aus Laos, sie kaufen vorwiegend Textilien, würde die Stadt vollkommen in der Bedeutungslosigkeit versinken.
Für Eingeweihte gibt es, etwas versteckt – annähernd drei Kilometer östlich der Stadt, Sala Kaeo Ku, ศาลาแก้วกู่.
Der Künstler und Mystiker Luang Pu Bunleua Sulilat errichtete im benachbarten Laos ab 1958 einen Buddha Park. Diese Anlage liegt ungefähr fünfundzwanzig Kilometer östlich von Vieng Chan. Als 1975 die Kommunisten in Laos die Macht übernahmen, flüchtete Bunleua über den Mekong zurück in seine Heimat. KaeKu1516
kaeku 1928
Er begann 1978, ungefähr drei Kilometer östlich des Zentrums von Nong Khai, mit viel Phantasie und noch mehr Zement, den Park Sala Kaeo Ku zu gestalten. Die mächtigen Skulpturen sind teilweise zwanzig Meter hoch.KaeKu3
Bunleua Sulilat wurde 1932 als siebentes von acht Kindern einer Familie in der Provinz Nong Khai geboren. Er starb 1996. Der mumifizierte Leichnam ist im dritten Geschoss des Hauptgebäudes im Park aufgebahrt.
Der Titel „Luang Pu“ ist eigentlich Mönchen vorbehalten. Sulilat war eine exzentrische und fesselnde Persönlichkeit. In Verbindung mit der gezeigten Mischung von Hinduismus, Buddhismus, beide teilweise mit einer Spur von balinesischem Einfluss, wurde er als Deuter zum Sektenführer. Böse Zeitgenossen behaupteten, der Künstler sei verrückt.KaeKu4
KaeKu1953
KaeKu6
KaeKu1955
Die tiefen Eindrücke auf uns können die wenigen Bilder, eine kleine Auswahl aus über hundert Aufnahmen, kaum vermitteln. Dick war fest eingebunden in eine Zementwelt gewaltiger Bildwerke. Sie opferte Blumen und Weihrauch, als sie die ergreifenden Darstellungen des Lebenszyklus erlebte und fühlte.
Meine Wenigkeit dagegen bewahrte ruhiges Blut und kühlte den Körper zusätzlich mit einem kalten, isotonischen Getränk ab. Es war ein heisser Tag. Sogar die Kamera fühlte sich warm an. Der Auslöser brannte unter dem Finger. Gibt es Fotoapparate für Linkshänder?
KaeKuTauben
KaeKu Sockel Buddha
KaeKu1939
KaeKu1961
KaeKu1968

http://de.wikipedia.org/wiki/Sala_Kaeo_Ku
http://en.wikipedia.org/wiki/Bunleua_Sulilat

Die Parks befinden sich am Mekong fast gegenüber.
In Laos : 17.912245 102.765079
Thailand: 17.8870818 102.7826244

Uferstrecken am Mekong

Nach einem unglaublichen Monat im Dorf trieb uns der täglich professionell angewandte Schwachsinn der Nachbarn, die Verwandtschaft inbegriffen, zu einem vorgezogenen Visarun. Meine Meldefrist für neunzig Tage Aufenthalt läuft demnächst ab. Anstatt während Stunden der Hitze und den Abgasen der ohnehin überlaufenen Amtsstelle in Chiang Mai ausgesetzt zu sein, reisten wir über Loei nach Nong Khai. Wie ein Magnet zog uns in der Stadt der Mekong an.
Entlang des Flusses gibt es einige Lokale, die eigentlich zum Verweilen einladen sollten. Das Ufer ist durch eine Betonstrasse mit Brüstung gegen Hochwasser vermauert. Das Material strahlt die Hitze nicht nur ab, es speichert sie. Ohne schattenspendende Bäume wird es bei schönem Wetter eher ungemütlich. Zum Spazieren empfehle ich hitzeschützende Schuhe und Beinkleider.
Die strenge Gesetzgebung betreffend den reduzierten Ausschank überteuerter alkoholischer Getränke ist für den Umsatz der Kneipen wenig förderlich. Am Montag, einem buddhistischen Feiertag, gab es zum Fisch am Fluss bloss Wasser, für Einheimische bunt gefärbt und stark gezuckert. Im Hotel dagegen wurden zu den unvermeidlichen, zeitweise schwer verdaulichen Karaokeklängen, unbekümmert Feuerwasser und Bier heran geschleppt.
Nach zwei Nächten reisten wir nach Vientiane. (1) Wir besitzen noch keine Fahrzeugschilder für fünfundzwanzig Millionen (2) und mussten deshalb den neuen Wagen beim Hotel in Nong Khai stehen lassen. Der freundliche und hilfsbereite Taxifahrer konnte nicht rechnen. Er erzählte uns, Laos sei teuer. Hundert Baht wären tausend Kip. In Wirklichkeit gibt es vierundzwanzig Mal mehr. Die Bank der demokratischen Volksrepublik Laos vermittelte mir als helvetischem Kapitalisten  Glücksgefühle: Für zweihundert Franken durfte ich über 1.6 Millionen Kip in den Händen halten.vientiane
Das Hotel am Fluss behagte uns. Anders als im verordneten trockenen Kneipen-Klima von Nong Khai, standen in nächster Umgebung verlockende Magenstimulierungsinstitute. Auf hunderten von Metern war die Uferpromenade mit einladenden Stühlen und Tischen möbliert.
Spirit houseIm Spirit House sassen im Schatten alter Bäume auf Holzbänken lauter fröhliche Menschen. Ich interessierte mich von Anbeginn an für Geister und Geisterhäuser. (3) Im Geisterhaus werden geistige Getränke in Flaschen und Gläsern angeboten. An den Ufern des Mekong reizte mich natürlich der Mekong High Tea. Diese spezielle Mischung enthält Wachholder, Pfirsich Tee und Gurken-Scheiben.
Schwaden von Düften aus Garküchen und von zahlreichen Feuerstellen stimmten, besser als teurer Weihrauch, Geister, Götter und Menschen – Laoten und zugereiste Chaoten – freundlich. Wein ist in den Gaststätten jederzeit einfach und preisgünstig erhältlich. Trotz niedrigem Pegel des Flusses, zwei Drittel des Bettes sind trocken, herrscht Hochstimmung.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Vientiane
(2) https://hinterindien.com/2015/05/23/das-kasten-wesen-thailands/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/10/mae-nak-phra-khanong/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/09/geister-gespenster-gemahlinnen-gelehrte-bananen-und-andere-pflanzen/