Mittwochs frische Marktküche in Klong Khut

Weil Hustensaft kaum erhältlich ist, sorgen wir für gesunde Ernährung. Jeweils Mittwoch ist Markttag im Dorf. Dick pickt aus einem breiten Angebot die Rosinen heraus. Nein, liebe Leser, es gibt vieles, nur Rosinen gibt es nicht.
Gestern holte sie knackige Salate, Kräuter, Gurken, Peperoni, Tomaten und Garnelen aus der Andamanensee.
Sie bereitete einen Teller mit Salaten, Gurken und weiteren Zutaten vor. Dann mischte sie eine Sauce mit drei verschiedenen Essigsorten, Olivenöl und einigen Tropfen Balsamico. Sie verfeinerte die Tunke mit einer Spur Mayonnaise, Senf und viel frisch geschnittenem Dill.
Ich fand eine Bratpfanne mit tiefem Rand. Sie gab die Garnelen in die leicht geölte Pfanne. Aus einer in der Nähe stehende Flasche Sang Som quetschte ich Flüssigkeit über die Garnelen. Dann starteten wir den Gasbrenner.
Es duftete herrlich, als die Viecher in der köchelnden Brühe dümpelten. Dann kam der Wendepunkt der Garnelen.
Als der letzte Tropfen Schnaps die Pfanne verliess, griff ich erneut zur Flasche und rettete das Fleisch mit einigen gezielten Spritzern. Danach liess ich die Gasflamme den schädlichen Alkohol verbrennen.
In der hohen Gastronomie nennt man diese gefährliche Tätigkeit flambieren. Ungeübte Nachahmer im Raum Chiang Mai renovierten nach dilettantischem Abfackeln Küchen und ganze Wohnungseinrichtungen.
Dazu servierte Dick gekochten Reis. Die ganze Herrlichkeit kostete keine hundert Baht. Einzig der Wein, leider die letzte Flasche, war ausserhalb eines üblichen Budgets.

Reise und Preise im südlichen Grenzverkehr

Neben kulinarischen Beweggründen reisten wir für medizinisch technische Hilfsmittel aus Dänemark nach Malaysia. Die Dinger sind im Nachbarland 65 Prozent günstiger. Bei 24‘000 Baht rentiert sich das nicht nur für Schmalspur Geizhälse.
Eine erste Überraschung erlebten wir an der Fähre in Thammalang, Satun. Der Ringgit ist zwanzig Prozent weniger wert. Der Preisaufschlag in Thailand von 300 auf 350 Baht ist happig und rein rechnerisch nicht gerechtfertigt.
Weil gegenwärtig nur wenige Personen reisen, verwendet Andaman Ferry Venture, Langkawi, kleinere, wesentlich langsamere Schiffe. Für mehr Meereindrücke darf man für den Mehrwert länger an Bord bleiben!
Ein neues Terminal der Einwanderungskontrolle ist in Betrieb. Von dieser Einrichtung profitiert eine illegale Taxi Mafia, die unkundige Reisende aufs Ärgste schröpft.

Die eigentlich zollfreie Insel Lankawi, ein ehemaliges Paradies für Alkoholiker, führte neue Regeln betreffend Schnaps und Wein-verkäufe ein. Malaysias Staatschef benötigt Geld. Der Selbstbedienungsladen korrupter Beamter läuft total selbstschmierend. Leider sind sämtliche Kassen leer. Dies in einem Land mit Bodenschätzen wie Öl-, Zinn-, und Gold. Deshalb entsandte man staatliche Beamte in eindrucksvollen Uniformen in jede Schnaps-Handlung auf Langkawi. Entweder zückt der Käufer seinen Pass, denn die Einkäufe werden registriert, oder es gibt nichts. Die Vielfalt des Angebots schrumpfte in den Geschäften um mindestens dreissig Prozent. Wir waren oft die einzigen Interessenten, die sich um Gestelle mit zehnjährigen Weissweinen herum drückten. Teure, untrinkbare Flüssigkeiten mit intensivem Korkgestank gibt es in Satun ebenfalls.

Die internationalen Hotels leiden gegenwärtig unter dem Druck der günstigst Pauschalreisenden aus China. Reiche Angebote am Frühstücksbuffet und beim beinahe unglaublichen Steamboat- oder Barbeque-Service mussten dank diesen speziellen Naturfreunden gnadenlos reduziert werden. Mehrere Fruchtsäfte am Morgen, frische Croissants, eine breite Brot- und Käse-Auswahl, fielen dem rigorosem Spardruck zum Opfer.
Sogar das einst grosszügige Angebot der Badezimmer, wie Gläser und Frottierwäsche, fielen überbordenden Selbstbedienungswünschen in- und ausländischer Gäste zum Opfer.
Glücklicherweise gibt es noch viele Kleinbetriebe. Sie verrechnen nur erbrachte Leistungen, die durchaus höchste Qualität erreichen können. Sie werden leider durch staatliche flankierende Massnahmen in engste Schranken verwiesen

Wo vor wenigen Jahren noch gebildete Kundschaft die Werke gut ausgebildeter Angestellter und Kochkünstler zu schätzen wusste, beherrscht heute eine rüpelhafte, gedanken- und respekt-lose schnelllebige Fliessbandgesellschaft ohne jegliche Manieren und Moral mit ihren Smartphones die Szenen. Solche Eigenschaften zeichnen ebenfalls die Führungsebenen der betreffenden Länder aus.
Wenn diese Tagediebe eines Tages alle in den Himmel dürfen, kann ich auf das Sterben noch lange verzichten — oder ich schmore lieber in der Hölle.​

Geschwänzte Klassentreffen

Gute Geister organisieren unter viel Einsatz Klassentreffen. Die letzten Jahre fehlte ich. Herzlichen Dank für die Einladungen. Wir waren öfters in der Schweiz. Die alten Herren der e-Reihe pflegen sich in der kühleren Jahreszeit zu treffen.
Obschon ich von zartem Rehrücken, frischen Pilzen, begleitet von Flaschen alten Burgunders, seit Jahren träume, meide ich die kühleren Jahreszeiten in Europa.
Deshalb fand das letzte Treffen wieder einmal ohne mich statt. Elf ältere Männer, die Haare auf grau oder weiss getrimmt, trafen sich gut gelaunt zum Essen. Ich erhielt einige Fotos und muss zu meiner Schande gestehen, bis auf einen Herrn erkannte ich meine Kollegen, mit denen ich Jahre verbrachte, nicht mehr. Die Bilder erinnerten mich irgendwie an das Cabaret Rotstift. (1)
Die Begegnung wurde als nett und unterhaltsam beschrieben. Von hier aus betrachtet, dem Land mit gegen 350 Prozent Abgaben pro Flasche Wein, schmerzten mich die meist leeren Wein-Gläser auf den Bildern, denn laues Wasser gibt es hier ebenfalls.salgesch-2014 Während Jahren erfreute mich das frisch ab Hahn gewonnene Herrenschwandener Spezial. Das letzte beeindruckende Wasser trank ich im Badezimmer des Hotels in Salgesch, im Oberwallis. Wenn sie sich fragen, warum denn im Badezimmer, antworte ich, im Restaurant trank ich selbstverständlich beste Weine aus der näheren Umgebung. Diese Getränke waren besser, billiger und bekömmlicher, als der oft gefälschte oder gepanschte Mist, der hier im LOS, Land of Smile, Land of Sour grapes – selbst das Lachen wurde auf Verfügung gegenwärtig eingestellt – überteuert angeboten wird.
Würde ich in PhonPhat im Badezimmer Leitungs-Wasser trinken, könnte daraus ein qualvoller Selbstmord werden.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Cabaret_Rotstift
(1) https://www.youtube.com/watch?v=8VSHhuPz4L8

Schweine und Weine

Chiang Mai hat einige Vor- und Nachteile. Anfänglich litten wir unter der ungewohnten Hitze. Gegenwärtig huste ich täglich. Die Luftverschmutzung ist reizend, um das ungelöste Umweltproblem poetisch zu formulieren. Steckt die brandstiftenden Schurken und Wild-Frevler endlich hinter Gitter! In Nan sind 28 Prozent der Wälder durch Feuer vernichtet. Der Rest soll angeblich nicht kräftig genug sein, um Dürren, Überschwemmungen oder auch Erdrutschen entgegenwirken zu können. (1) Die Luft wird zusätzlich durch nicht gewartete Diesel-Motoren belastet.

In Satun gibt es Salami von TGM aus Bangkok. Eine Wurst wiegt auf das Gramm genau ein Kilogramm und wird angepriesen als „ Deutsches Original Rezept“. Verluste beim Reifen sind in Bangkok offenbar kalkulierbar. Vielleicht verzichtet man ganz einfach darauf. Das senkt die Produktionskosten wesentlich. Wein oder Pfefferkörner finden als exotische Zutaten kaum Verwendung. Meine Leibspeise ist diese Wurst bestimmt nicht. Es fällt mir leicht, darauf zu verzichten.

Käse in Satun stammt hauptsächlich aus Fabriken in Australien, Dänemark, und Neuseeland. Diese Länder produzieren sogar Emmentaler. (Gefälschter?) Parmesan wird aus Amerika nach Satun importiert. (2)
Anders ist die Versorgung in Chiang Mai. Hier gibt es aus Italien importierte Leckereien. Dazu gehören Käse, Schinken und Speck aus Parma, Käse aus Ziegen- und Schafsmilch und Gorgonzola.
Schinken und Würste gibt es ebenfalls aus Spanien und Deutschland. Verglichen mit den halal Angeboten des Südens herrscht hier eine riesige Schweinerei.

Hie und da findet man einen echten Wein – nicht das billige, gepanschte thailändische Kopfwehzeugs, bestehend aus importiertem Traubensaftkonzentrat, Alkohol und hauptsächlich Wasser.
Sauber gefälschte Produkte, zumindest die Etiketten sehen täuschend echt aus, stammen aus China.

Zur Charcuterie und dem Wein gibt es Brot aus einem breiten Angebot. Trotzdem vermisse ich unsere eigenen Kreationen mit dem feinen Hefearoma. (3) Beigaben von Milch und Butter ersetzen Wasser und Margarine.

Der Koriander des Nordens duftet. Im Süden ist es bloss grünes Kraut. Dafür stinken die Hühner-Eier in Satun nicht nach Fisch, wie hier.
Gestern fand Dick in einem Dorf an den Hügeln Früchte. Sie sehen aus wie Aprikosen, schmecken jedoch wie Pfirsich.
Grossartig hier ist der Garten mit der Vielfalt an Bäumen. Da sollten wir bei der Abreise einige Quadratmeter, oder sind es Kubikmeter, einpacken. Garten CNX

(1) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/74508
(2) http://www.forbes.com/sites/larryolmsted/2012/11/19/the-dark-side-of-parmesan-cheese-what-you-dont-know-might-hurt-you/#220089b271be
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Aufschnitt

Karl Tellenbach

Fairness zu fairen Lesern. Ich bedaure, dass ich mich grosszügig über Anekdoten und Witze betreffend Kari, obwohl ich ihn erwähnte, hinwegsetzte. Sie sind im Internet gut versteckt. Den wenigsten Nichtbernern dürften die Zoten bekannt sein.
Deshalb widme ich dem Coiffeurmeister, der sein Geschäft an der Neuengasse, in der Nähe des Waisenhausplatzes betrieb, gerne einige Zeilen.

Nach der Arbeit, Haare schneiden erzeugt Durst, war Kari beim Studium der Weine in verschiedenen Gasthäusern anzutreffen. Ihm erging es ähnlich wie mir neulich in Satun. Als er hinfiel, gelang es ihm nicht, wieder aufzustehen. Internet und Smartphone gab es noch nicht. Zwei freundliche Polizisten waren gerne behilflich.
„Wie kamen sie in diese Lage?“ wollten die Freunde und Helfer wissen.
„Drei Italiener sind schuld daran“, seufzte Kari.
„Namen?“ fragten die Beamten.
„Asti, Barbera und Chianti“, antwortete Kari.

Am Tag darauf, rasierte er froh gelaunt einen Kunden. Eine kleine Unaufmerksamkeit und Kari verletzte schneidig das Kinn seines nun blutenden Opfers.
Der Mann räusperte sich und sagte unfreundlich: „Dällebach, das kommt vom Saufen!“
Kari antwortete: „Sie haben recht. Das gibt eine trockene und spröde Haut!“

Letztwillige Verfügung von Karl Tellenbach, kremiert in Bern am 12. August 1931:
«Alle, die mich auf dem letzten Gang begleiten, sollen nur während der Predigt und der Versenkung der Urne besinnlich sein. Danach ist Gemütlichkeit und Humor an der Reihe. Ich habe bei Frau Jenni in der »Grünegg« ein Säli reserviert und im Voraus ein Zvieri mit Hamme (1) und natürlich einen rechten Tropfen Roten bezahlt. Da denkt alle an mich zurück, indem ihr bei Frohsinn und Geselligkeit meine Geschichten auffrischt. Zum Abschluss des Mahls, das wünsche ich mir ausdrücklich, singt für mich noch einmal ‹Wie die Blümlein draussen zittern›. Ich werde mein liebstes Lied hören.»
KARL DÄLLENBACH

(1) Hinterteil der Schweine, genannt Schinken, vermutlich mit Züpfe, Zopf.

Dorfleben

Dieses Dorf und seine Frauen sollten teilweise mein Schicksal und meine Zukunft bestimmen. Glücklicherweise war ich ahnungslos über die bevorstehenden Ereignisse. Seit meinem Unfall und Spitaleintritt 1957, erlebte ich in den nächsten Jahren die turbulenteste Zeit meines Lebens.
Am Hofeingang zu den Laboratorien in Bern wurde ich durch einen rückwärts fahrenden Wagen aus dem Rollstuhl auf die Strasse geschleudert. Die neu entstandene schwere Schulterverletzung schmiss mich augenblicklich aus dem Erwerbsleben. Zusätzlich verlor ich meine Selbständigkeit. Mich vom Boden in einen Rollstuhl zu heben, wurde unmöglich. Im Schlafzimmer in der Schweiz schaffte ich nicht einmal die vierzig Zentimeter vom Boden auf die Matratze. Morgens um vier half mir die Sanitätspolizei für vierhundert Franken! Sportliche Aktivitäten, wie das Schwimmen, musste ich abschreiben und vergessen, ebenso feine Arbeiten mit beiden Händen.Reisernte PhonPhat

Reisernte am Dorf 2002

Es ging mir noch gut, als ich begann, mich in der neuen Wohnung gemütlich einzurichten. Meine Haushälterin brachte gleich einen elektrisch beheizten Topf, um Trinkwasser warm zu halten. Einen Kühlschrank für kalte Getränke fand ich weitaus besser. Mein Freund und Nachbar fuhr mit mir los, um so ein Gerät zu erwerben.
„Two doors“, meinte mein Freund.
Ich verstand: „Tudor – Dynastie, Henry VII, 1457–1509!“
Ernsthaft fragte ich mich: „Ein spätgotischer, grüner Kühlschrank? Na ja, vielleicht in Nordthailand.“

Als der Verkäufer nach der Lieferadresse fragte, telefonierte mein Helfer seiner Frau, welche unseren Wohnort kannte und in Landessprache instruierte.
„Ein leerer Kühler hilft dir nicht“, sagte mein Fahrer. „Wir benötigen Getränke und ordentliche Humpen.“ Als wir im Dorf eintrafen, wartete unser Lieferant bereits vor der Türe. Bald darauf feierten wir mit dem ersten Bier.
Bereits an einem der folgenden Tage, wurde mein Glück leicht getrübt. Die Schwester der Haushälterin verstarb in Bangkok. Die Köchin sagte:
„Ich muss zur Trauerfeier nach Bangkok“. Weg war sie.
„Nun benötige ich einen Kochherd“, sagte ich zu meinem Freund. „Dann kann ich im Notfall Suppen oder Pasta mit Sugo kochen.“
Eine knappe Stunde später war der Handel erledigt. Zwecks Lieferadresse rief er wieder seine Frau an. Darauf druckte ich Adress-Kärtchen in Thai und Englisch.
Die nächsten Abende war ich bei den Nachbarn eingeladen oder wir gingen zusammen aus. Damals war es einfach, in der näheren Umgebung gute und preiswerte Verpflegung zu finden. Ich kochte kaum. Für Notfälle war ich vorbereitet.

Ich lernte einige Nachbarn kennen und beobachtete, wie mein Freund und andere Farang lebten. Die meisten seiner Abende waren verplant mit Kartenspiel und Kegeln mit Landsleuten. Speziell englische Fussballspiele am Fernsehen wurden in Gesellschaft mit viel Bier begossen. Jeweils am Freitag standen gemeinschaftliche Barbesuche, Region Loi Kroh, auf dem Programm. Selten nur beteiligte sich seine quirlige Frau an solchen Exkursionen. Während ihrer ausgedehnten Freizeit spielte sie Bingo und andere Glücksspiele. Sie tröstete sich schnell mit zusätzlichen Liebhabern. Dies war der Anfang seines bitterbösen Endes.
Mein lieber Freund und Helfer kümmerte sich nicht im geringsten um Thai-Belange. Er kannte keine örtlichen Feiertage mit Alkoholverboten. Feste und lokale Anlässe interessierten ihn nur am Rande. Er beharrte auf englischem Frühstück, möglichst mit Nieren und wenn immer realisierbar, auf englischem Dinner. Meine Verdauung akzeptiere weder die kulinarischen Spezialitäten der Insel, noch all die Menge Bier.
Die Barbesuche ödeten mich an. Ich zog mich von den englischen Gentlemen zurück. Während sie die käufliche Ware in Bars aus Stangenhaltung eingehend studierten und kritisierten, zwitscherte ich mit vernachlässigten Landhühnern aus Bodenhaltung im Dorf, trostspendend Wein.
So viele Freundinnen hatte ich nie zuvor. Diese mandeläugigen Wesen, die Meisten verheiratet, suchten beinahe hemmungslos Körperkontakt.

Meine Haushälterin klärte mich auf:
„Du benötigst dringend einen Fernseher“. Die Häuser sind zusammengebaut. Die dünnen Wände dämpfen Geräusche kaum. Bedingt durch die Bauweise verbreiten sich sogar Dämpfe aus den Küchen in den Wohnungen.
„Ohne Flimmerkiste wirst du nie Besuch im Schlafzimmer empfangen.“
Regelmässig wenn ihr Freund und Liebhaber meine Köchin besuchte, ging ihr Fernseher an. Das darauf folgende Programm konnte ich mir vorstellen. Landwirtschaft: Pflügen und Ackern. Handwerk: Bohren und Nageln.

Einen Fernseher benötigte ich nicht. Die Stereo-Anlage genügte. Beispielsweise Bolero von Maurice Ravel! (2)

(1) https://en.wikipedia.org/wiki/Tudor_period
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Tudorstil
(2) https://en.wikipedia.org/wiki/10_(film)

Fängt Herzlosigkeit im Kopf an?

Die Tochter kehrte von ihrer erfolgreichen monetären Mission in Bangkok zurück. Der kleine Goon sehnte sich täglich nach Mae. Wenn er, während ihrer Abwesenheit, gelegentlich zum Haus zurückkehrte, öffnete der Kleine Schränke, presste ihre Kleider an sich und roch daran. Seine Augen waren voller Tränen. Goongrüsst
Jeden Abend wartete er sehnsüchtig auf seine Mutter. Er konnte kaum einschlafen. Die
Selbstverliebte fand innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach der Rückkehr keine Zeit, ihren tapferen Sohn, er lebt gegenwärtig bei seinem Onkel, zu besuchen.
Das skandalöse Drama wird weitergehen. Diese grausam egoistische Person denkt bereits an ihre nächsten Einsätze in zwei Tagen in Lampang und Pai, später in Hongkong, Vientiane und Luang Prabang. Die Zukunft ihres Kindes interessiert sie nicht. Für sie wird die peinliche Angelegenheit mit einigen Räucherstäbchen und einer bemerkenswerten Geldspende im nächsten Tempel erledigt sein.

Mowgli bereitete seiner (Pflege)Mutter grosse Sorgen. Eines Nachmittags rief er von der Schule aus an, ein Kollege habe Geburtstag. Er sei zur Feier eingeladen. Er würde später als üblich zurückkommen. Darf ich?
Natürlich erhielt er die Erlaubnis. Dick wusste, die jungen Herren würden sich bei nordthailändischem Sukiyaki in Chiang Mai vergnügen.
Wir wussten nicht, dass Mowgli bloss hundert Baht bei sich hatte. Weil er keinen anständigen Betrag beitragen konnte, fühlte er sich zu scheu, um beim Essen zuzulangen, wie es eigentlich sein Magen verlangte.
Nach dem Essen trafen die munteren Jünglinge einen weiteren lustigen Kollegen, der sie zum Spülen einlud. Was tranken die zukünftigen starken Männer? Es war nicht landläufiger, unversteuerter Lao Khao, sondern Wodka.
Mowgli durfte gelegentlich bei uns zum Essen ein Glas Wein versuchen. Die Prozentrechnung kennen Thais nicht. Während Wein Alkoholwerte zwischen neun und maximal fünfzehn Prozent aufweist, haben Destillate bis vierzig Prozent. Nach dem zweiten Glas Wodka fiel Mowgli bewusstlos vom Stuhl und kotzte (glücklicherweise).
Dick versuchte, ihn ab elf Uhr mehrmals telefonisch zu erreichen. Keine Antwort. Sie wusste nicht, sein Smartphone war mit einem Passwort gesichert. Die Kollegen konnten die Anrufe nicht beantworten.
Ab sechs Uhr in der Frühe kannte die Glucke kein halten und liess ihre Söhne das verlorene Küken suchen. Einige Stunden später traf der Abgestürzte mit schwerem Kopf zu Hause ein.

Muss ich nun, als mitfühlender Onkel, mit Mowgli übungshalber Schnäpse trinken, um ihn für künftige Geburtstage und sein späteres Wirken in Lan Na Land zu imprägnieren?
Ich ziehe es vor, zusammen mit Goon Gummibären von Haribo zu kauen und – währenddessen ganz im Stillen – seine rastlose Mutter zu verfluchen.
Dabei ist seine Situation das Schicksal vieler Kinder in Nordthailand und im Isan. Während ihre lebenslustigen Mütter ihr Dasein als verführerische, jungfräuliche Bar- Girls mit Alkohol, Drogen und Zocken in den Grossstädten geniessen und sich selbst verwirklichen, wachsen die Kleinen bei geistig abgehalfterten Grossmüttern irgendwo im staubtrockenen Hinterland zusammen mit Federvieh als hoffnungsträchtige nächste Generation auf.