Fängt Herzlosigkeit im Kopf an?

Die Tochter kehrte von ihrer erfolgreichen monetären Mission in Bangkok zurück. Der kleine Goon sehnte sich täglich nach Mae. Wenn er, während ihrer Abwesenheit, gelegentlich zum Haus zurückkehrte, öffnete der Kleine Schränke, presste ihre Kleider an sich und roch daran. Seine Augen waren voller Tränen. Goongrüsst
Jeden Abend wartete er sehnsüchtig auf seine Mutter. Er konnte kaum einschlafen. Die
Selbstverliebte fand innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach der Rückkehr keine Zeit, ihren tapferen Sohn, er lebt gegenwärtig bei seinem Onkel, zu besuchen.
Das skandalöse Drama wird weitergehen. Diese grausam egoistische Person denkt bereits an ihre nächsten Einsätze in zwei Tagen in Lampang und Pai, später in Hongkong, Vientiane und Luang Prabang. Die Zukunft ihres Kindes interessiert sie nicht. Für sie wird die peinliche Angelegenheit mit einigen Räucherstäbchen und einer bemerkenswerten Geldspende im nächsten Tempel erledigt sein.

Mowgli bereitete seiner (Pflege)Mutter grosse Sorgen. Eines Nachmittags rief er von der Schule aus an, ein Kollege habe Geburtstag. Er sei zur Feier eingeladen. Er würde später als üblich zurückkommen. Darf ich?
Natürlich erhielt er die Erlaubnis. Dick wusste, die jungen Herren würden sich bei nordthailändischem Sukiyaki in Chiang Mai vergnügen.
Wir wussten nicht, dass Mowgli bloss hundert Baht bei sich hatte. Weil er keinen anständigen Betrag beitragen konnte, fühlte er sich zu scheu, um beim Essen zuzulangen, wie es eigentlich sein Magen verlangte.
Nach dem Essen trafen die munteren Jünglinge einen weiteren lustigen Kollegen, der sie zum Spülen einlud. Was tranken die zukünftigen starken Männer? Es war nicht landläufiger, unversteuerter Lao Khao, sondern Wodka.
Mowgli durfte gelegentlich bei uns zum Essen ein Glas Wein versuchen. Die Prozentrechnung kennen Thais nicht. Während Wein Alkoholwerte zwischen neun und maximal fünfzehn Prozent aufweist, haben Destillate bis vierzig Prozent. Nach dem zweiten Glas Wodka fiel Mowgli bewusstlos vom Stuhl und kotzte (glücklicherweise).
Dick versuchte, ihn ab elf Uhr mehrmals telefonisch zu erreichen. Keine Antwort. Sie wusste nicht, sein Smartphone war mit einem Passwort gesichert. Die Kollegen konnten die Anrufe nicht beantworten.
Ab sechs Uhr in der Frühe kannte die Glucke kein halten und liess ihre Söhne das verlorene Küken suchen. Einige Stunden später traf der Abgestürzte mit schwerem Kopf zu Hause ein.

Muss ich nun, als mitfühlender Onkel, mit Mowgli übungshalber Schnäpse trinken, um ihn für künftige Geburtstage und sein späteres Wirken in Lan Na Land zu imprägnieren?
Ich ziehe es vor, zusammen mit Goon Gummibären von Haribo zu kauen und – währenddessen ganz im Stillen – seine rastlose Mutter zu verfluchen.
Dabei ist seine Situation das Schicksal vieler Kinder in Nordthailand und im Isan. Während ihre lebenslustigen Mütter ihr Dasein als verführerische, jungfräuliche Bar- Girls mit Alkohol, Drogen und Zocken in den Grossstädten geniessen und sich selbst verwirklichen, wachsen die Kleinen bei geistig abgehalfterten Grossmüttern irgendwo im staubtrockenen Hinterland zusammen mit Federvieh als hoffnungsträchtige nächste Generation auf.

Eier und Frösche im tropischen Garten

Ei, ei, eiDas ist kein verstecktes Osterei, sondern das Gelege einer Fröschin im ungünstig konstruierten Teich. Anstatt das Wasser im Boden kühl zu halten, heizt die Nachmittagssonne den gefliesten Wassertrog auf. Die Verdunstungsrate ist dementsprechend. Nur bei Regenfällen entfällt die tägliche Auffüllung.
In Satun gibt es zahlreiche Froscharten. Sie vergruben sich vor der kurzen Hitzeperiode teilweise zwanzig Zentimeter tief in der Erde von Blumentöpfen. Wir störten die schutzsuchenden Tiere bei Gartenarbeiten. Nach den ersten Regengüssen sind sie überall anzutreffen.
Während drei Monaten versuchte ein Thai selten genug, unseren Teich zu reparieren. Einmal hatten wir fünf Zentimeter Wasser darin. Ein fetter Frosch kreuzte Mowglis Weg. Er fing ihn und gönnte ihm ein kühlendes Bad im rapide schwindenden Wasser.
Wenige Minuten später fing eine Katze den fetten, frisch gewaschenen Frosch im Trog. Das bisschen Wasser schreckte sie nicht ab. Sie setzte sich vor den Toyota und verspeiste das grosse Tier. Ich missgönnte der gierigen Mieze den fetten Frosch. In Lan Na Land werden die Amphibien professionell gejagt und verspeist. In Satun zeigen die Menschen kaum Lust für Froschspezialitäten wie Froschschenkelpizza.

Es gibt Frösche in der Grösse von Bratpfannen von 25 Zentimetern Durchmesser. Sie haben ausgeprägte Bassstimmen. Eine Froschart macht Geräusche, wie wenn sie zwei Kiesel zusammenschlagen würde. Diese Frösche klettern an Wänden und Decken wie Geckos. Farblich weisen die Tiere riesige Unterschiede auf. Sie sind nicht bloss grün gesprenkelt wie die europäischen Brüder.
Für eine Fotodokumentation reichte es noch nicht. Ich erkenne die Tiere erst, wenn sie sich bewegen. Wenn sie springen, ist der Fotograf zu spät dran.
In Bäumen und Sträuchern hüpfen kleinere Tiere. Daran erfreut sich bei uns im Garten eine grüne, rotschwänzige Baumschlange.
Weiter gibt es die ganz kleinen, bloss filzlausgrossen, äusserst giftigen Schleimfrösche. Sie sind so gefährlich, dass noch kein Wissenschaftler erfolgreich eine detaillierte Beschreibung verfasste. Trotz Schutzanzügen der Akademiker gelang es diesen gewitzten Tierlein immer wieder, durch Lücken von einigen Zehntel-Millimetern zu schlüpfen und die Forscher bei ihren Tätigkeiten zu erledigen. Beinahe täglich steht die thailändische Polizei vor Leichen und rätselt über Todesursachen.
Sind solch kleine Lebewesen wirklich gefährlich?
Nur wenige Menschen kennen die Gefahren, welche von Bakterien und Viren ausgehen. Dabei sind sie es, die jährlich Millionen von Toten auf dem Gewissen haben. Haben Bakterien oder Viren ein Gewissen? Schweissfüsse, Keuchhusten, Ebola und HIV – ohne Bakterien und Viren gäbe es diese Leiden nicht. Aber ohne Bakterien müssten wir auf Köstlichkeiten wie Bier, Brot, Käse und Wein verzichten.
Meine klare Folgerung aus Hinterindien ist, bei Unfällen unter Alkoholeinfluss sind letztendlich Bakterien die Verursacher!

Feucht-fröhliche Festtage

Thermometer und Hygrometer konnten wir bisher in Satun nicht finden. Es wäre interessant und nützlich, die Luftfeuchtigkeit messen zu können. Ich rieche Moder und Schimmel im ganzen Haus. Stahlschänke und Kunststoffmöbel wären ideale Einrichtungsgegenstände. Die Reinigung derselben wäre bedeutend einfacher als Tropenholz und vor allem Rattan. (1)
Auf den sparsam lackierten Türen, die Maserung des Holzes ist erkennbar, wuchs Schimmel. Dick entfernte den vermeintlichen Schmutz. Nach wenigen Tagen spriesst das Zeug erneut. An einigen Stellen wurde die Farbe durchgefressen und beschädigt. Der Nährboden der Pilzzucht ist das Holz. In einem Kleiderschrank war sogar der Spiegel dekorativ überwuchert. Ein grossartiges Kunstwerk der Natur. Ein kleiner Sieg über die Zivilisation.
Wie lange hält das Objektiv der Nikon? Meine letzten drei Kameras litten alle an Fungus. Meist waren die Klimaanlagen, genauer – die Unvernunft des Personals der Hotels schuld. Meine erste Handlung nach dem Zimmerbezug war jeweils, die eingestellten, fast frostigen, fünfzehn Grad auf angenehme 27 °C zu erhöhen. Die Luftfeuchtigkeit draussen kondensierte später an und in den unterkühlten technischen Geräten. Zur täglich vollkommenen Zimmerreinigung im gepflegten Gasthaus gehört das ewig reizvolle Spiel mit den Reglern der Klimaanlagen am Schaltpult der Allmacht. Diskus1
Thermometer wären ebenfalls in den Kühlschränken kein Luxus. Vor allem bei Reparaturversuchen wären sie hilfreich. Nun benutze ich Butter als Indikator, steinhart ist kalt, tropfend zeigt Wärmeüberfluss. Ein Schlaumeier empfahl Wasser als Testmedium. Versuchen sie, Wasser mit einem Messer zu streichen! concs
Seit Weihnachten haben wir ein neues Gerät mit Inverter-Technik. Es ist flüsterleise, stromsparend und wurde selbstverständlich ohne Thermometer geliefert.
Kühlschränke sind die wichtigsten Geräte für Selbstversorger in den Tropen. Nur so lassen sich Fleisch, Meeresfrüchte und Gemüse korrekt lagern. Bier oder spritziger Weisswein sind perfekt gekühlt wesentlich bekömmlicher. uraya
An den heissen Büffets in den Restaurants Südostasiens, an den Fressgelagen in Dörfern, waren die einzigen warmen Angebote die Getränke. Sogar Hähnchen, Braten und Fisch vom Grill, wurden zum lauwarmen Schaumwein, üblicherweise kalt serviert.
Das Kälteste sind Eiswürfel im gefälschten Scotch. Gastgeber füllen Original-Flaschen mit der Bezeichnung „Still going strong. Green Label“ mit Sang Som und Hong Thom auf.
Nach leberschädigenden Selbstversuchen bestätige ich, die thailändischen Schnäpse sind wesentlich preisgünstiger und angenehmer als „Red Label“.
Ich betrüge nicht. In meinen Sang Som Flaschen ist bestimmt kein „Single Malt“. Anders waren die Gepflogenheiten in den Hotels. Die Gäste soffen edlen Weinbrand, Scotch, Chivas Regal und füllten die teuren Fläschchen mit Tee auf. Seitdem sind Minibars in vielen Hotels leer, wie die Wüste Sahara nach einem Sandsturm.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Rattan
Bilder: Häppchen aus der Andamanen-See

Einige Unterschiede zwischen PhonPhat und Malaka

Die Distanz PhonPhat – Malaka entspricht etwa der von Bern nach Stockholm. In Nordthailand sind kühle Winternächte um 10 °C (November, Dezember, Januar) mit extrem heissem April und Mai bei Temperaturen über 40 Grad Celsius, üblich. In Malaka liegt im Jahresdurchschnitt die Temperatur bei 26.7 °C. Die Schwankungen sind im Bereich von 20 bis 30 °C, mit durchschnittlichen Regenmengen von 2878 mm innerhalb eines Jahres. Die Niederschlagsmenge in Chiang Mai beträgt zirka die Hälfte.

Mit den Jahren war ich im Dorf an den Reisfeldern kein Fremder mehr. Bis auf die letzten Monate, wo ich gesundheitshalber ans Haus gefesselt war, nahm ich regen Anteil am Dorfleben. Ich kannte die Menschen und ihre Tugenden. Sie lieferten fast täglich Stoff für unglaubliche Geschichten.

Das historische Malaka kenne ich seit etwa vierzig Jahren. Damals lebte ich im Gouvernment Rest House. (1) Es wurde vor hundert Jahren errichtet. An Stelle des schlichten Gebäudes im Kolonialstil, mit Deckenventilatoren und Malariaschutznetzen über den Betten, steht nun das Hotel Equatorial mit einundzwanzig Stockwerken.
Etwa dreihundert Meter entfernt plätscherten die Wellen der Malaka-Strasse an den Strand. Abends wurden dort Imbissbuden aufgestellt. Der Duft köstlicher Krabben bleibt in Erinnerung. Es waren grosse Krustentiere mit breiten Panzern, Stielaugen und fünf Beinpaaren. Das erste Paar wurde zu Zangen umgeformt. Meine einstigen Freunde, wir genossen zusammen das Essen im abendlich angenehmen Wind, leben nicht mehr.

Wie in Singapur wurde die See an die fünfhundert Meter zurück gedrängt. Auf diesem Gelände stehen nun das Einkaufszentrum Mahkota Parade, das Hatten Hotel und die Geschäfte des Dataran Pahlawan. Ganze Quartiere wurden in den letzten zehn Jahren auf diesem Land gebaut. Dem Meer wurde danach zusätzlich ein weiterer Kilometer Land abgetrotzt. Landmalaka
Als Hotelgast fehlt mir die Nähe zur Bevölkerung. Die tiefen Einblicke in den Alltag wie in PhonPhat gibt es noch nicht. Ich erlebe die Stadt oberflächlich, wie ein durchschnittlicher Tourist und benötige keine Reiseführer. Aber ausser in Speiselokalen fehlt doch das Salz in den Suppen der Gerüchteküchen.

Am Holiday Inn Hotel gab es für betuchte Yachtbesitzer eine lange Bootsanlegestelle, genannt Jetty. Sie führte etwa dreihundert Meter hinaus ins tiefere Wasser. Von der Jetty aus liessen sich im seichten Wasser Schlammspringer beobachten. Schlammspringer sind eine amphibisch lebende Gattung von Fischen aus der Familie der Gobionellidae. Diese Fische halten sich gerne im Brackwasser und an Land auf. Sie nutzen ihre Brustflossen als Beine. Wie Chamäleons, können sie jedes Auge einzeln drehen.
Die Jetty-Erbauer liessen sich von den Stadtvätern und ihren Plänen überraschen. Die Regierung lässt weiterhin Land aufschütten. Die Jetty liegt jetzt in einer Sandwüste und dient als Karaokehalle. Es hallt von ferne und stört nicht wie in PhonPhat, wo durch die Bässe gepanschter Wein sauer wurde.
Potentielle Sängerinnen und Sänger werden nicht mit Motor-Booten, sondern mit Elektromobilen zu ihren Auftritten gefahren, damit ihre oft bescheidenen Luftvorräte nicht bei langen Fussmärschen verpuffen.

(1) http://cdm15466.contentdm.oclc.org/cdm/ref/collection/p15466coll5/id/184
Neue Quartere Neue Quartiere
Jetty1 Jetty
Jetty Sand Jetty in den Sand gesetzt

Ältere Beiträge:
(l) https://hinterindien.com/2013/08/24/geisterspuren-in-melaka/
(l) https://hinterindien.com/2012/10/07/melaka-malaysia/
(l) https://hinterindien.com/2013/09/18/die-briten-in-hinterindien-malaca/
(l) https://hinterindien.com/2013/08/27/mondkuchen-und-hungrige-geister/

Fest im Dorf, Dorffest

Nach über sechs Monaten Enthaltsamkeit, suchte ich an diesem Fest vergeblich Ermunterung und Inspiration. Da war nichts anderes als Transpiration vorrätig. Wenige Tage zuvor versprach ich dem planenden Geburtstag Organisator, sofern das Gelände nicht überflutet sei, würde ich teilnehmen.
Die Musikanlage plärrte seit Stunden, als wir in der Dunkelheit die Strasse betraten.
Dick trug eine Flasche Merlot in der Hand. Wir wurden freudig begrüsst. Auf einem Stein-Tisch brodelte eine Wasserbüffelsuppe. Grüner Curry, Gaeng, dampfte neben aufgeschnittenen Guave-Früchten, ฝรั่ง, Farang. Es roch nach angebranntem Reis und parfümiertem Schweiss. Hungrige Köter quetschten sich schwanzwedelnd ins Getümmel.
Die Gastgeber brachten uns voller Stolz eine Flasche eines zwölf Jahre alten, teuren Rothschild Gewächses und einen Korkenzieher. Dick war wenig erfolgreich im Kampf gegen die Tücken des Korkens. Sie gab mir die Flasche. Bei der feinsten Berührung bewegte sich der Korken nur in einer Richtung, nach unten. Deshalb erwartete ich oxydierte, ungeniessbare Brühe und genehmigte mir – nur wegen des exorbitanten Preises – einen Schluck. Sogleich suchte ich einen stillen Ort zum fröhlichen Spucken. Die Zunge brannte. Glücklicherweise verschonte ich die Kehle.
Von allen Seiten wurde mir Essen angeboten. Ich benötigte Zeit, um mich zu erholen.
Da mir ausser Zeit alles gegeben wurde, duschte ich den Mund mit unserem Merlot.
Danach prostete ich dem Gastgeber zu: „Happy Birthday!“ Er zog eisgekühlte Mischungen des Hauses ‘Still going strong‘ vor.

Ich versuchte etwas Reis, tröpfelte Wasserbüffel-suppe darauf. Sie stank nach überlagerten Tierknochen. Ich teilte mit Dick einen Hühnerschenkel aus der Wüste. Er war staubtrocken. Dann wurden leckere Seidenraupenpuppen angeboten. Gebannt betrachtete ich Chiang Mai Würste. Die sind üblicherweise grob gehackt, rassig gewürzt und enthalten Reiskörner. Diese Würste hier wiesen feine Strukturen auf. Keine Spuren von Reis oder Zitronengras. Sie rochen verführerisch. Leider würzte die Herstellerin hundert Gramm Fleisch mit der zehnfachen Menge Chili. Zum Löschen des Brandherdes war zu wenig Mehrlot vorhanden. Hilfreich wurde zusätzlich von oben gelöscht, es regnete.
Ich schrie: “Fontok, Regen!“
Dick sagte: “Unmöglich, ich sehe den Mond.“
Wasser floss aus meinen Socken, als ich wünschte: “Deck den Wein zu, bitte.“
Sie nahm einen Teller und legte ihn auf ihr Glas, während die Flasche ungeschützt blieb.
Alle strömten von der Strasse ins Haus. Ich benutzte die Gelegenheit und ergriff die Flucht. Fünf Minuten später war ich zu Hause und zog das triefende Zeug aus. Nach neun Uhr ging Dick beschirmt zum Festgelände zurück.
Ich bat sie: „Komm nicht zu spät. Mir ist übel.“
Freudige Partystimmung An Schlaf war nicht zu denken, als nach dem rettenden Regenguss die Karaokemaschinerie wieder angeworfen wurde. Kurz vor eins stand ich wieder auf und suchte wichtige Reise-Dokumente, wie Geburtsurkunde.
In den letzten Wochen lernte ich aus der Presse: Mit blauem Licht emittierenden Dioden, LED, bleibt Gemüse im Kühlschrank länger frisch. Fürs Nibbana benötigt Kundschaft nun Geburtsscheine. So schützt sich die Ewigkeit vor Retortenbabys und genveränderten Organismen.
Später kam Dick wortlos zurück. Noch später übergab sie sich wie üblich. Zur Frühstückszeit ersetzten Kopfschmerzen das Bauchgrimmen. Fürwahr, ausnahmslos ein gelungenes Fest, genau wie die anderen neunundneunzig pro Jahr.

Vergebliches Warten: Illusion Gerechtigkeit

Gibt es exakte Medizin? Ich erlebte sie am Institut für Pathologie. Ärzte, Präparatoren und Studenten sezierten Leichen, bis unerkannte, ungewisse Todesursachen ans grelle Tageslicht gerieten. Für die Feinuntersuchungen an Gewebe und Zellen fertigten Scharen von Histologie- und Zytologie-Laborantinnen Gewebeschnitte an. (1, 2)
Als Techniker begrüsste ich auf meinem Weg zum Elektronenmikroskop die wartenden, stummen, von irdischen Leiden erlösten Körper, nachdem die charmante, französisch sprechende, blonde Laborantin meldete:
„Bonjour Monsieur Low, isch ‘abe Vakuum eingefüllt. Sie dürfen anfangen“.
In Kaffeepausen brachten mir freundliche Spezialisten Raucherlungen, Leberzirrhosen und andere kranke Organe zwecks moralischer Erbauung oder als Reaktionstest für Magennerven. Diese pathologischen Kostbarkeiten dufteten nicht immer nach holden Frühlingsdüften oder Veilchen.
Als Ausgleich begoss Blondie meinen Pausenapfel mit Tritium. Sie beichtete den Unfall mit dem radioaktiven Tracer, nachdem ich den Apfel verzehrt hatte. (3)

Vor ungefähr einer Woche ging Dick vor dem Abendessen zum Gästehaus, um Pflanzen zu giessen und Kokosnüsse als Aperitif-Getränk zu ernten. Weil ich den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatte, bat ich sie, sich zu beeilen und nicht mit sämtlichen Leuten unterwegs zu quatschen.
Wieder dauerte es unglaublich lange, bis sie zurückkam. Vielleicht enthielten die Nüsse zu wenig Flüssigkeit und sie musste sich gedulden, bis die Palme auf Klopfzeichen den Saft eingetröpfelt hatte.
Unterwegs zur Arbeit sah sie an einem Steintisch zwei ältere Typen. Auf dem Tisch stand eine Pulle Schnaps, Sang Som.
Kürzlich wurden aus Gründen des Gesundheits-Schutzes die Preise für alkoholische Getränke erhöht. Wein wird mit gegen vierhundert Prozent Gebühren besteuert. Nur die wirklichen Grundübel, Fusel, blieben praktisch abgabefrei. Die Flasche Sang Som, vierzig prozentiger ‘Special Rum‘, gibt es für 260 Baht. Campari muss besonders schädlich sein. Er hat nur 25 Prozent Alkohol, wird üblicherweise mit Soda-Wasser verdünnt, kostet aber mittlerweile einen Tausender. (4) SangSom1 Dick goss schnell, pflückte Nüsse und spazierte zurück. Am Steintisch lagen die zwei alten Säufer am Boden. Sie verdrehten die Augäpfel seltsam. Ihre Finger verkrampften und verkrallten sich. Sie bissen sich in ihre Zungen. Dick wurde von hysterischen Weibern um Hilfe gebeten. Sie erinnerte sich an meine KAOS-Theorie: ‘Keep Aut Of Shit‘ und erklärte: “Ich bin kein Arzt, bringt die Männer ins Spital, aber jetzt und schnell.“
Dann wurde umständlich diskutiert und beraten, wer, wann, mit welchem Wagen, welches Spital, … . Dick griff ein und liess die Leute endlich aktiv werden. Die beiden Herren schafften den Weg ins Spital. Ein erfahrener Arzt kannte die Symptome: Vergiftung. Am nächsten Tag durften beide geretteten Patienten bereits wieder nach Hause.

Warum benachrichtigte der Arzt die Polizei nicht? Die Lieferantin des “Special Rum“ war bereits dreifache Witwe. Ihre Ehemänner starben an ähnlichen Erscheinungen. ‘Hinterindien‘ berichtete darüber.

Ich erinnerte mich an einen erfahrenen Präparator der Pathologie. Wenn ein zweifelhafter Befund, wie beispielsweise eine bekannte Verfärbung eines Magens vorlag, verständigte er unverzüglich die Polizei und sandte verdächtige Objekte an die Gerichtsmediziner. Giftmischer(innen) waren damals chancenlos.

Thailändisches Verhalten ist für westliche Empfindungen oft unverständlich.
In Thanyaburi, Pathum Thani, erschoss am 9. März ein habgieriger 19 Jähriger seine Angehörigen, Vater, Mutter und seinen Bruder. Gegen eine Kaution von 500‘000 Baht liess ihn das Gericht laufen!
Freund Pheneas schrieb dazu: (5)
„Ich glaube inzwischen eher an die Jungfräulichkeit eines Bar-Girls, als an die Gerechtigkeit der thailändischen Justiz!“

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Histologie
(2) http://flexikon.doccheck.com/de/Zytologie
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Tritium
(4) https://www.youtube.com/watch?v=cl9DJNdteGo
(5) http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2014/03/19/vorsicht-freilaufende-morder/

Marktfrische Früchte aus Singapur 2

Angenehmer schmecken die Anonen-Arten, die aber in Singapore noch nicht die verdiente Verbreitung gefunden haben. (Cherimoya, Custard Apple, Th: Noi Naa, D: Zimtapfel – Low)cherimoya
Der Lei-tschi der Chinesen (Nephelium lichi), der in Siam so gut fortkommt, scheint in Singapore nicht zu gedeihen; der Rambutan, eine ihm verwandte Nephelium-Art (N. lappaceum?), ist häufig und kommt ihm im Geschmack sehr nahe. Die fleischige Hülle haftet aber durch unzählige Fäserchen so fest am Kern, dass ihr Genuss unbequem ist.
Apfelsinen sind in zahlreichen Varietäten vorhanden, in allen Grössen, vom kleinen Kumqwat, nicht grösser als eine Walderdbeere, bis zur Pumpelmuse (Citrus decumana), die fast kopfgross wird. Letztere hat zwar einen grossen Verbreitungsbezirk, erlangt aber nur an gewissen eng begrenzten Lokalitäten ihr volles Aroma. Am besten geräth sie in Batavia und in Amoy. Sie ist lange nicht so saftreich, aber würziger, als alle andren Oranien. Der Name Pumpelmuse klingt sehr holländisch, kommt aber wahrscheinlich vom Tamil-Wort Bambalmas. Die Engländer nennen sie gewöhnlich Shaddock nach einem Schiffskapitän, der sie von Batavia nach Westindien übersiedelte. Dr. de Vry sagt in einem vor der British Assoc. in Birmingham gehaltenen Vortrage, dass die Pumpelmusen in Bandong (Java) in 2300′ Meereshöhe ungeniessbare Früchte, nicht grösser, als gewöhnliche Apfelsinen, tragen, dass er aber von einem einzigen Baum in seinem Garten 200 ℔ Blüthen (!) gepflückt habe und dass er von 1000 ℔ Blüthen 1 ℔ Neroli bester Qualität erhielt.
Als Unkraut wuchert die Guajava (Psidium pomiferum und P. pyriferum), deren den Holzbirnen und Aepfeln ähnlich aussehende Früchte die Stelle unserer Quitten vertreten, ohne ihrem Aroma gleichzukommen; sie werden fast nur eingemacht gegessen. (Farang – Low)
Eine der merkwürdigsten Früchte von allen ist der Durian (Durio zibethinus); nach Crawfurd ist er auf dasselbe kleine Gebiet beschränkt, wie der Mangustan und wächst auf hohen Bäumen, häufiger im Walde, als kultivirt, hat ziemlich die Grösse und Gestalt der Ananas, aber die pyramidalen Warzen, die seine holzige Schale bedecken, sind hart und spitz. Bei der reifen Frucht springt die Schale an vier Stellen der Länge nach bis zum Stiel auf und enthüllt eine weiche, weisslich gelbe, creme-artige Substanz, welche die Zwischenräume zwischen den nussgrossen Samenkernen ausfüllt. Sie schmeckt besser als der beste Creme, und riecht schlechter als Knoblauch. Dieser ungemein penetrante Geruch ist anfänglich Jedem zuwider, der Wohlgeschmack aber so gross, dass der ursprüngliche Widerwille sich bald in eine wahrhaft leidenschaftliche Zuneigung verwandelt. Man zahlt oft einen Dollar für das Stück, während Ananas nur einen Cent kosten, so gross ist die Nachfrage ihrer Verehrer. — Hoch bezahlt sind auch steinharte, fade Birnen und Aepfel, die der Norden von China liefert; sie sind fast ungeniessbar für neue Ankömmlinge, aber länger Ansässige, denen sie das Obst der geliebten Heimath versinnlichen, dichten ihnen in frommer Erinnerung einen Wohlgeschmack an, den sie durchaus nicht besitzen.
Die Sehnsucht nach der Heimath ist ein stehender Zug bei allen Europäern, die in diesen fernen Landen leben. Eine hübsche Sitte, die sich darauf gründet, ist der Toast: „Auf die fernen Freunde”, der zum Schluss des Mahls im besten Wein mit feierlicher Stille getrunken wird.

(t) http://www.gutenberg.org/files/44405/44405-h/44405-h.htm