Einige Unterschiede zwischen PhonPhat und Malaka

Die Distanz PhonPhat – Malaka entspricht etwa der von Bern nach Stockholm. In Nordthailand sind kühle Winternächte um 10 °C (November, Dezember, Januar) mit extrem heissem April und Mai bei Temperaturen über 40 Grad Celsius, üblich. In Malaka liegt im Jahresdurchschnitt die Temperatur bei 26.7 °C. Die Schwankungen sind im Bereich von 20 bis 30 °C, mit durchschnittlichen Regenmengen von 2878 mm innerhalb eines Jahres. Die Niederschlagsmenge in Chiang Mai beträgt zirka die Hälfte.

Mit den Jahren war ich im Dorf an den Reisfeldern kein Fremder mehr. Bis auf die letzten Monate, wo ich gesundheitshalber ans Haus gefesselt war, nahm ich regen Anteil am Dorfleben. Ich kannte die Menschen und ihre Tugenden. Sie lieferten fast täglich Stoff für unglaubliche Geschichten.

Das historische Malaka kenne ich seit etwa vierzig Jahren. Damals lebte ich im Gouvernment Rest House. (1) Es wurde vor hundert Jahren errichtet. An Stelle des schlichten Gebäudes im Kolonialstil, mit Deckenventilatoren und Malariaschutznetzen über den Betten, steht nun das Hotel Equatorial mit einundzwanzig Stockwerken.
Etwa dreihundert Meter entfernt plätscherten die Wellen der Malaka-Strasse an den Strand. Abends wurden dort Imbissbuden aufgestellt. Der Duft köstlicher Krabben bleibt in Erinnerung. Es waren grosse Krustentiere mit breiten Panzern, Stielaugen und fünf Beinpaaren. Das erste Paar wurde zu Zangen umgeformt. Meine einstigen Freunde, wir genossen zusammen das Essen im abendlich angenehmen Wind, leben nicht mehr.

Wie in Singapur wurde die See an die fünfhundert Meter zurück gedrängt. Auf diesem Gelände stehen nun das Einkaufszentrum Mahkota Parade, das Hatten Hotel und die Geschäfte des Dataran Pahlawan. Ganze Quartiere wurden in den letzten zehn Jahren auf diesem Land gebaut. Dem Meer wurde danach zusätzlich ein weiterer Kilometer Land abgetrotzt. Landmalaka
Als Hotelgast fehlt mir die Nähe zur Bevölkerung. Die tiefen Einblicke in den Alltag wie in PhonPhat gibt es noch nicht. Ich erlebe die Stadt oberflächlich, wie ein durchschnittlicher Tourist und benötige keine Reiseführer. Aber ausser in Speiselokalen fehlt doch das Salz in den Suppen der Gerüchteküchen.

Am Holiday Inn Hotel gab es für betuchte Yachtbesitzer eine lange Bootsanlegestelle, genannt Jetty. Sie führte etwa dreihundert Meter hinaus ins tiefere Wasser. Von der Jetty aus liessen sich im seichten Wasser Schlammspringer beobachten. Schlammspringer sind eine amphibisch lebende Gattung von Fischen aus der Familie der Gobionellidae. Diese Fische halten sich gerne im Brackwasser und an Land auf. Sie nutzen ihre Brustflossen als Beine. Wie Chamäleons, können sie jedes Auge einzeln drehen.
Die Jetty-Erbauer liessen sich von den Stadtvätern und ihren Plänen überraschen. Die Regierung lässt weiterhin Land aufschütten. Die Jetty liegt jetzt in einer Sandwüste und dient als Karaokehalle. Es hallt von ferne und stört nicht wie in PhonPhat, wo durch die Bässe gepanschter Wein sauer wurde.
Potentielle Sängerinnen und Sänger werden nicht mit Motor-Booten, sondern mit Elektromobilen zu ihren Auftritten gefahren, damit ihre oft bescheidenen Luftvorräte nicht bei langen Fussmärschen verpuffen.

(1) http://cdm15466.contentdm.oclc.org/cdm/ref/collection/p15466coll5/id/184
Neue Quartere Neue Quartiere
Jetty1 Jetty
Jetty Sand Jetty in den Sand gesetzt

Ältere Beiträge:
(l) https://hinterindien.com/2013/08/24/geisterspuren-in-melaka/
(l) https://hinterindien.com/2012/10/07/melaka-malaysia/
(l) https://hinterindien.com/2013/09/18/die-briten-in-hinterindien-malaca/
(l) https://hinterindien.com/2013/08/27/mondkuchen-und-hungrige-geister/

Fest im Dorf, Dorffest

Nach über sechs Monaten Enthaltsamkeit, suchte ich an diesem Fest vergeblich Ermunterung und Inspiration. Da war nichts anderes als Transpiration vorrätig. Wenige Tage zuvor versprach ich dem planenden Geburtstag Organisator, sofern das Gelände nicht überflutet sei, würde ich teilnehmen.
Die Musikanlage plärrte seit Stunden, als wir in der Dunkelheit die Strasse betraten.
Dick trug eine Flasche Merlot in der Hand. Wir wurden freudig begrüsst. Auf einem Stein-Tisch brodelte eine Wasserbüffelsuppe. Grüner Curry, Gaeng, dampfte neben aufgeschnittenen Guave-Früchten, ฝรั่ง, Farang. Es roch nach angebranntem Reis und parfümiertem Schweiss. Hungrige Köter quetschten sich schwanzwedelnd ins Getümmel.
Die Gastgeber brachten uns voller Stolz eine Flasche eines zwölf Jahre alten, teuren Rothschild Gewächses und einen Korkenzieher. Dick war wenig erfolgreich im Kampf gegen die Tücken des Korkens. Sie gab mir die Flasche. Bei der feinsten Berührung bewegte sich der Korken nur in einer Richtung, nach unten. Deshalb erwartete ich oxydierte, ungeniessbare Brühe und genehmigte mir – nur wegen des exorbitanten Preises – einen Schluck. Sogleich suchte ich einen stillen Ort zum fröhlichen Spucken. Die Zunge brannte. Glücklicherweise verschonte ich die Kehle.
Von allen Seiten wurde mir Essen angeboten. Ich benötigte Zeit, um mich zu erholen.
Da mir ausser Zeit alles gegeben wurde, duschte ich den Mund mit unserem Merlot.
Danach prostete ich dem Gastgeber zu: „Happy Birthday!“ Er zog eisgekühlte Mischungen des Hauses ‘Still going strong‘ vor.

Ich versuchte etwas Reis, tröpfelte Wasserbüffel-suppe darauf. Sie stank nach überlagerten Tierknochen. Ich teilte mit Dick einen Hühnerschenkel aus der Wüste. Er war staubtrocken. Dann wurden leckere Seidenraupenpuppen angeboten. Gebannt betrachtete ich Chiang Mai Würste. Die sind üblicherweise grob gehackt, rassig gewürzt und enthalten Reiskörner. Diese Würste hier wiesen feine Strukturen auf. Keine Spuren von Reis oder Zitronengras. Sie rochen verführerisch. Leider würzte die Herstellerin hundert Gramm Fleisch mit der zehnfachen Menge Chili. Zum Löschen des Brandherdes war zu wenig Mehrlot vorhanden. Hilfreich wurde zusätzlich von oben gelöscht, es regnete.
Ich schrie: “Fontok, Regen!“
Dick sagte: “Unmöglich, ich sehe den Mond.“
Wasser floss aus meinen Socken, als ich wünschte: “Deck den Wein zu, bitte.“
Sie nahm einen Teller und legte ihn auf ihr Glas, während die Flasche ungeschützt blieb.
Alle strömten von der Strasse ins Haus. Ich benutzte die Gelegenheit und ergriff die Flucht. Fünf Minuten später war ich zu Hause und zog das triefende Zeug aus. Nach neun Uhr ging Dick beschirmt zum Festgelände zurück.
Ich bat sie: „Komm nicht zu spät. Mir ist übel.“
Freudige Partystimmung An Schlaf war nicht zu denken, als nach dem rettenden Regenguss die Karaokemaschinerie wieder angeworfen wurde. Kurz vor eins stand ich wieder auf und suchte wichtige Reise-Dokumente, wie Geburtsurkunde.
In den letzten Wochen lernte ich aus der Presse: Mit blauem Licht emittierenden Dioden, LED, bleibt Gemüse im Kühlschrank länger frisch. Fürs Nibbana benötigt Kundschaft nun Geburtsscheine. So schützt sich die Ewigkeit vor Retortenbabys und genveränderten Organismen.
Später kam Dick wortlos zurück. Noch später übergab sie sich wie üblich. Zur Frühstückszeit ersetzten Kopfschmerzen das Bauchgrimmen. Fürwahr, ausnahmslos ein gelungenes Fest, genau wie die anderen neunundneunzig pro Jahr.

Vergebliches Warten: Illusion Gerechtigkeit

Gibt es exakte Medizin? Ich erlebte sie am Institut für Pathologie. Ärzte, Präparatoren und Studenten sezierten Leichen, bis unerkannte, ungewisse Todesursachen ans grelle Tageslicht gerieten. Für die Feinuntersuchungen an Gewebe und Zellen fertigten Scharen von Histologie- und Zytologie-Laborantinnen Gewebeschnitte an. (1, 2)
Als Techniker begrüsste ich auf meinem Weg zum Elektronenmikroskop die wartenden, stummen, von irdischen Leiden erlösten Körper, nachdem die charmante, französisch sprechende, blonde Laborantin meldete:
„Bonjour Monsieur Low, isch ‘abe Vakuum eingefüllt. Sie dürfen anfangen“.
In Kaffeepausen brachten mir freundliche Spezialisten Raucherlungen, Leberzirrhosen und andere kranke Organe zwecks moralischer Erbauung oder als Reaktionstest für Magennerven. Diese pathologischen Kostbarkeiten dufteten nicht immer nach holden Frühlingsdüften oder Veilchen.
Als Ausgleich begoss Blondie meinen Pausenapfel mit Tritium. Sie beichtete den Unfall mit dem radioaktiven Tracer, nachdem ich den Apfel verzehrt hatte. (3)

Vor ungefähr einer Woche ging Dick vor dem Abendessen zum Gästehaus, um Pflanzen zu giessen und Kokosnüsse als Aperitif-Getränk zu ernten. Weil ich den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatte, bat ich sie, sich zu beeilen und nicht mit sämtlichen Leuten unterwegs zu quatschen.
Wieder dauerte es unglaublich lange, bis sie zurückkam. Vielleicht enthielten die Nüsse zu wenig Flüssigkeit und sie musste sich gedulden, bis die Palme auf Klopfzeichen den Saft eingetröpfelt hatte.
Unterwegs zur Arbeit sah sie an einem Steintisch zwei ältere Typen. Auf dem Tisch stand eine Pulle Schnaps, Sang Som.
Kürzlich wurden aus Gründen des Gesundheits-Schutzes die Preise für alkoholische Getränke erhöht. Wein wird mit gegen vierhundert Prozent Gebühren besteuert. Nur die wirklichen Grundübel, Fusel, blieben praktisch abgabefrei. Die Flasche Sang Som, vierzig prozentiger ‘Special Rum‘, gibt es für 260 Baht. Campari muss besonders schädlich sein. Er hat nur 25 Prozent Alkohol, wird üblicherweise mit Soda-Wasser verdünnt, kostet aber mittlerweile einen Tausender. (4) SangSom1 Dick goss schnell, pflückte Nüsse und spazierte zurück. Am Steintisch lagen die zwei alten Säufer am Boden. Sie verdrehten die Augäpfel seltsam. Ihre Finger verkrampften und verkrallten sich. Sie bissen sich in ihre Zungen. Dick wurde von hysterischen Weibern um Hilfe gebeten. Sie erinnerte sich an meine KAOS-Theorie: ‘Keep Aut Of Shit‘ und erklärte: “Ich bin kein Arzt, bringt die Männer ins Spital, aber jetzt und schnell.“
Dann wurde umständlich diskutiert und beraten, wer, wann, mit welchem Wagen, welches Spital, … . Dick griff ein und liess die Leute endlich aktiv werden. Die beiden Herren schafften den Weg ins Spital. Ein erfahrener Arzt kannte die Symptome: Vergiftung. Am nächsten Tag durften beide geretteten Patienten bereits wieder nach Hause.

Warum benachrichtigte der Arzt die Polizei nicht? Die Lieferantin des “Special Rum“ war bereits dreifache Witwe. Ihre Ehemänner starben an ähnlichen Erscheinungen. ‘Hinterindien‘ berichtete darüber.

Ich erinnerte mich an einen erfahrenen Präparator der Pathologie. Wenn ein zweifelhafter Befund, wie beispielsweise eine bekannte Verfärbung eines Magens vorlag, verständigte er unverzüglich die Polizei und sandte verdächtige Objekte an die Gerichtsmediziner. Giftmischer(innen) waren damals chancenlos.

Thailändisches Verhalten ist für westliche Empfindungen oft unverständlich.
In Thanyaburi, Pathum Thani, erschoss am 9. März ein habgieriger 19 Jähriger seine Angehörigen, Vater, Mutter und seinen Bruder. Gegen eine Kaution von 500‘000 Baht liess ihn das Gericht laufen!
Freund Pheneas schrieb dazu: (5)
„Ich glaube inzwischen eher an die Jungfräulichkeit eines Bar-Girls, als an die Gerechtigkeit der thailändischen Justiz!“

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Histologie
(2) http://flexikon.doccheck.com/de/Zytologie
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Tritium
(4) https://www.youtube.com/watch?v=cl9DJNdteGo
(5) http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2014/03/19/vorsicht-freilaufende-morder/

Marktfrische Früchte aus Singapur 2

Angenehmer schmecken die Anonen-Arten, die aber in Singapore noch nicht die verdiente Verbreitung gefunden haben. (Cherimoya, Custard Apple, Th: Noi Naa, D: Zimtapfel – Low)cherimoya
Der Lei-tschi der Chinesen (Nephelium lichi), der in Siam so gut fortkommt, scheint in Singapore nicht zu gedeihen; der Rambutan, eine ihm verwandte Nephelium-Art (N. lappaceum?), ist häufig und kommt ihm im Geschmack sehr nahe. Die fleischige Hülle haftet aber durch unzählige Fäserchen so fest am Kern, dass ihr Genuss unbequem ist.
Apfelsinen sind in zahlreichen Varietäten vorhanden, in allen Grössen, vom kleinen Kumqwat, nicht grösser als eine Walderdbeere, bis zur Pumpelmuse (Citrus decumana), die fast kopfgross wird. Letztere hat zwar einen grossen Verbreitungsbezirk, erlangt aber nur an gewissen eng begrenzten Lokalitäten ihr volles Aroma. Am besten geräth sie in Batavia und in Amoy. Sie ist lange nicht so saftreich, aber würziger, als alle andren Oranien. Der Name Pumpelmuse klingt sehr holländisch, kommt aber wahrscheinlich vom Tamil-Wort Bambalmas. Die Engländer nennen sie gewöhnlich Shaddock nach einem Schiffskapitän, der sie von Batavia nach Westindien übersiedelte. Dr. de Vry sagt in einem vor der British Assoc. in Birmingham gehaltenen Vortrage, dass die Pumpelmusen in Bandong (Java) in 2300′ Meereshöhe ungeniessbare Früchte, nicht grösser, als gewöhnliche Apfelsinen, tragen, dass er aber von einem einzigen Baum in seinem Garten 200 ℔ Blüthen (!) gepflückt habe und dass er von 1000 ℔ Blüthen 1 ℔ Neroli bester Qualität erhielt.
Als Unkraut wuchert die Guajava (Psidium pomiferum und P. pyriferum), deren den Holzbirnen und Aepfeln ähnlich aussehende Früchte die Stelle unserer Quitten vertreten, ohne ihrem Aroma gleichzukommen; sie werden fast nur eingemacht gegessen. (Farang – Low)
Eine der merkwürdigsten Früchte von allen ist der Durian (Durio zibethinus); nach Crawfurd ist er auf dasselbe kleine Gebiet beschränkt, wie der Mangustan und wächst auf hohen Bäumen, häufiger im Walde, als kultivirt, hat ziemlich die Grösse und Gestalt der Ananas, aber die pyramidalen Warzen, die seine holzige Schale bedecken, sind hart und spitz. Bei der reifen Frucht springt die Schale an vier Stellen der Länge nach bis zum Stiel auf und enthüllt eine weiche, weisslich gelbe, creme-artige Substanz, welche die Zwischenräume zwischen den nussgrossen Samenkernen ausfüllt. Sie schmeckt besser als der beste Creme, und riecht schlechter als Knoblauch. Dieser ungemein penetrante Geruch ist anfänglich Jedem zuwider, der Wohlgeschmack aber so gross, dass der ursprüngliche Widerwille sich bald in eine wahrhaft leidenschaftliche Zuneigung verwandelt. Man zahlt oft einen Dollar für das Stück, während Ananas nur einen Cent kosten, so gross ist die Nachfrage ihrer Verehrer. — Hoch bezahlt sind auch steinharte, fade Birnen und Aepfel, die der Norden von China liefert; sie sind fast ungeniessbar für neue Ankömmlinge, aber länger Ansässige, denen sie das Obst der geliebten Heimath versinnlichen, dichten ihnen in frommer Erinnerung einen Wohlgeschmack an, den sie durchaus nicht besitzen.
Die Sehnsucht nach der Heimath ist ein stehender Zug bei allen Europäern, die in diesen fernen Landen leben. Eine hübsche Sitte, die sich darauf gründet, ist der Toast: „Auf die fernen Freunde”, der zum Schluss des Mahls im besten Wein mit feierlicher Stille getrunken wird.

(t) http://www.gutenberg.org/files/44405/44405-h/44405-h.htm

Entgleisungen aus ‚buddhistischen‘ Tempeln

„Da tat es schon ein kläglich Stöhnen. Auf der eisernen Straße heran kam ein kohlschwarzes Wesen. Es schien anfangs stillzustehen, wurde aber immer größer und nahte mit mächtigem Schnauben und Pfustern und stieß aus dem Rachen gewaltigen Dampf aus. Und hinterher …“
„Kreuz Gottes!“ rief mein Pate, „da hängen ja ganze Häuser dran!“. Und wahrhaftig, wenn wir sonst gedacht hatten, an das Lokomotiv wären ein paar Steirerwäglein gespannt, auf denen die Reisenden sitzen konnten, so sahen wir nun einen ganzen Marktflecken mit vielen Fenstern heranrollen, und zu den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe heraus, und schrecklich schnell ging´s, und ein solches Brausen war, daß einem der Verstand still stand. Das bringt kein Herrgott mehr zum Stehen! fiel‘s mir noch ein. Da hub der Pate die beiden Hände empor und rief mit verzweifelter Stimme: „Jessas, Jessas, jetzt fahren sie richtig ins Loch!“ Und schon war das Ungeheuer mit seinen hundert Rädern in der Tiefe.“ (1, 2)

Die Eisenbahn hinterliess tiefe Spuren im Leben der Europäer. Unser Dasein wurde von nun an in Form von Fahrplänen und Kursbüchern organisiert. Sogar die Schnellstrassen in Deutschland werden ‘Autobahn‘ genannt. Der Karneval beginnt am 11. 11. um 11 Uhr 11. Fast jeder hält sich an alte Empfehlungen der Dampfeisenbahngesellschaften: ‘Nicht auf den Boden spucken‘ und ‘Nicht zum Fenster hinauslehnen‘. Wer nicht mitmacht, ist asozial.

Ganz anders ist das Verhalten der Menschen im Gastland Thailand. Thais kennen weder Fahrpläne noch Kursbücher und absolut keine Regeln. Es gibt Fahrpläne für die Eisenbahnstrecken Bangkok – Uttaradit – Chiang Mai. Die Ankunft ist regelmässig verspätet. Die einzigen Konstanten sind planmässige Entgleisungen zwischen Uttaradit und Chiang Mai. Daran änderte der kürzliche teilweise Neubau der Strecke nichts.
Anlässlich der Einweihung wurden geladene Gäste und ein hoher Eisenbahn-Funktionär Opfer des teuflischen Schienen-Zaubers. Der Lokomotivführer vergass sein Amulett zu tragen.
Es gäbe Gesetze, es gäbe Regeln des Glaubens, es gäbe Regeln für den Verkehr und es gäbe Regeln für die Demokratie. Niemand, ausser einigen zugewanderten Deppen, hält sich daran.

An buddhistischen Feiertagen wie Makha Bucha dürfen laut ehemaliger Verordnung von Sankt Thaksin Shinawatra keine alkoholischen Getränke verkauft werden. Menschen mit irreparablen Leberschäden, chronische Alkoholiker und unwissend feiernde Touristen pilgern vergebens in Grossmärkte, um einige Flaschen biologischen Hopfensafts zu erstehen. Buddhistische Toleranz fehlt, trotz kaufmännischen Nachteilen. Das Gesetz gilt für Grossmärkte. Tante Emma-Läden kennen die Regel nicht, respektive Tante Emma weiss nicht, was Alkohol ist. Die meisten Lehrkräfte führen als psychologischen Selbstschutz einen Flachmann auf sich, dozieren dennoch nie über den Prozess und die Gefahren biochemischer alkoholischer Gärung.

Ich erwähnte in ‘Valentinstag und Makha Bucha‘: verletzungsbedingt kann ich an der dreifachen Umrundung der verehrten Heiligtümer nicht teilnehmen. (3)
Entsprechend handelten die Menschen im Dorf. Sie wussten: der Farang bleibt heute im Haus. Zielstrebige Damen organisierten ein Fest unter Ausschluss von Religion. Khun Poo kochte während des ganzen Nachmittags unter Dicks Anleitung im Schönheitssalon heisse Speisen und andere scharfe Sachen.food1
Anstelle eines meditativen Tempelbesuchs mit Andacht und Kerzen, herrschte im Dorf tierische Fresssucht, verbunden mit ungehemmtem Alkoholgenuss: Bier, Lao Khao, Spy, Whiskey, Wein – alles ohne mich.
Kurz vor elf Uhr kam Dick zum ausgeschlossenen Zaungast zurück und beruhigte mein einsam erregtes Dasein, ohne Schnauben und Pfustern, mit einer angebrochenen Flasche hervorragenden Rotweins. Den Inhalt einer geöffneten Flasche sollte man nicht stehen lassen. Chemische Reaktionen, wie Oxydation, sind zu befürchten. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Rosegger
(2) http://www.gigers.com/ernst/zip/Lesen_Rosegger_Waldbauernbub.pdf (S 82)
(3) http://wp.me/p2ljyL-1je Valentinstag und Makha Bucha

Gaumenfreuden in Sabah

Die Hauptstadt Kota Kinabalu bietet vielfältige Verpflegungsmöglichkeiten. Beinahe sämtliche Wünsche könnten erfüllt werden, von preisgünstigen Angeboten für Vegetarier bis zur gehobenen Gastronomie für Selbstmörder.
Für Meeresfrüchte gibt es neben anderen Lokalen das Ocean Village in Api Api drei. Das Revier für Fische, Garnelen, Krebse, Langusten und Muscheln ist wesentlich grösser als der Raum für mehr als hundertfünfzig Gäste. Bei entsprechender Nachfrage hungriger Besucher sind drei weitere Speisesäle vorgesehen. Am Sonntag ist der Betrieb geschlossen!

Bereits in Sandakan reduzierte sich das Angebot an Speisen gewaltig. Four points by Sheraton bot ein reichliches Frühstücksbuffet mit ofenfrischen Broten, den besten Broten seit Jahren. Auf der Speisekarte suchten wir frische Leckereien aus dem Meer vergeblich. Ein breites Angebot an Meeresfrüchten gab es etwa vier Kilometer ausserhalb der Stadt bei Ocean King.

Wir freuten uns auf Lahad Datu, an der fischreichen Zulu See. Wir assen Fisch. Teurere Delikatessen werden alle exportiert. Weissweine zum Fisch gab es nicht. Die Kneipen sind auf einheimische Kundschaft ausgerichtet. Diese mag eiskalte Süssgetränke. Mit viel Glück gibt es Bier.
Ein kulinarischer Tiefpunkt war, als Dick ein Tom Yam Goong, Gung ist Udang, zu Deutsch Krabbe oder Garnele, in Abwesenheit sämtlicher Gung, Udang oder Garnelen aufgetischt wurde.
In Bandar betraten wir eine gut frequentierte Gaststätte. Ein flinker Kellner brachte sofort Speisekarten. Im Angebot fand ich exotische Delikatessen wie Pygmäen Elefant, Schlangen, Affenarten und Hirsch. Das verkaufen wir natürlich nicht, grinste unser qualifizierter Nahrungsverteiler.
Dick bestellte gegrillten Krebs. Dazu wurde uns ein Felsenhummer geschenkt.
Ich wählte ein Stück Lamm. Das Steak war zu gross für Lamm, böckelte nicht und war angenehm zart, Reservat pur. (Artikel folgt). Dazu gab es süssen Milchkaffee.

Die Enttäuschung war das landschaftlich beeindruckende Semporna mit kristallklarem Meer – von dunkelblau bis smaragdgrün. Wir fragten im grössten Hotel-Restaurant in der Stadt nach Häppchen aus dem Meer. Die attraktive und ehrliche Kellnerin sagte uns, im Hotel gebe es nur tiefgefrorene Meerestiere.
Trotzdem besuchten wir dessen Biergarten, weil im Halal Restaurant kein Alkohol ausgeschenkt wird. Der Biergarten öffnete um fünf. Als wir eintrafen, gab es keinen gegrillten Fisch. Der Grill wartete auf Holzkohlen. Ausser Heineken gab es kein Bier.
Wir verliessen den Platz.
Gleich um die Ecke ankerten Fischkutter. Die Seeleute boten frische Fische und Garnelen zu Spottpreisen an. Dann erkundeten wir das grösste Fisch-Restaurant Sempornas. Es war ein beeindruckender hölzerner Pfahlbau im Meer.SeafoodSemporna Eine angenehme Brise umsäuselte uns. Die Preise für Hummer waren doppelt so hoch als in Kota Kinabalu. Leider fehlte die Ware. Weine, zum nicht vorhandenen Hummer, gab es ebenfalls nicht. Gegen eine Gebühr von fünfundzwanzig Ringgit würde die Bedienung mitgebrachten Wein ausschenken. Ein Dutzend junge Kellnerinnen in klassische Sarong Kebaya gekleidet, warteten auf Gäste. Gähnende Leere.
Geschockt kehrten wir zum Biergarten zurück. Der Grill qualmte. Wir bestellten ein Pfund Fisch. Die Bedienung sagte: „Vierhundert Gramm.“
Stout gab es nur auf der Getränkekarte. Die Kellnerin empfahl Heineken. Ich verzichtete aufs Sodbrennen.
Der gegrillte Fisch war fast ungeniessbar, weil ein Idiot reichlich Sambal Belacan darauf goss. (1) Als Trostspender hatten wir einen weissen Wein Zimmer.

Am nächsten Abend wanderten wir erneut zum Pfahlbau-Restaurant. Zum Dutzend Kellnerinnen gesellten sich zwei Hummer. Gedanklich hatte ich mich auf Chinesischen Tee und Steamboat eingerichtet.
Der Chef wollte dringend seine überteuerten Lobster verkaufen. Steamboat gab es für uns nicht. Andere Gäste fehlten. Dick bestellte Krebs. Ich begnügte mich mit einem einfachen Nudelgericht.
Am Abend darauf wurde im Hotel-Restaurant Steamboat angeboten. Wir versuchten das lieblose Angebot. Bereits eine Stunde vor Ladenschluss wies das unfreundliche Personal weitere Gäste ab. Nur zehn Personen durften Steamboat konsumieren.
Als wir beim Bezahlen eine Flasche Stout zum Genuss im Zimmer verlangten, stellten wir fest, der Getränkemanager des Hotels versäumte es, innerhalb von drei Tagen Bier zu bestellen. Vermutlich zahlt Heineken Prämien, wenn kein Guinness serviert wird!

An ortsüblichen Speisen und Süssigkeiten herrschte nie Mangel. Aber es war eine komische Erfahrung, dass am Meer, in unmittelbarer Nähe einlaufender Fischkutter, nur tiefgefrorene Meeresfrüchte in bescheidener Qualität angeboten wurden.

Bloss hundert Kilometer weiter hörte die unfreiwillige Fastenwoche auf. Tawau bot bestes aus Küche und Keller zu unschlagbaren Preisen: Thailändische Qualitäts-Garnelensuppe mit zwölf seefrischen Udang-Schwänzen zu hundertfünfzig Baht. Das günstige Angebot stammte aus einem teuren Hotel-Restaurant.
Die Bewohner von Tawau sind aussergewöhnlich freundlich und hilfsbereit. Als wir zum abendlichen Büffet ausrücken wollten, brachte uns ein Kellner zwei Tabletts voller vorzüglicher Häppchen ins Zimmer. Das Abendessen im Restaurant fand ohne uns statt.

(1) http://en.wikipedia.org/wiki/Sambal

Weitere Geschenke

Fortsetzung (Tip Forum: Schöne Bescherungen in Hinterindien)

Nach ihrer Rückkehr von Phitsanulok erhöhte sich der Ruhe-Puls der Frau auf fünfundneunzig. Mich nervte, daß gleichzeitig Dicks sämtliche Kinder ins Dorf zogen. Die eine hatte einen Job bei einer Bank. Der Jüngste wollte von der guten medizinischen Versorgung profitieren. Er hob sich beim Ausbuddeln alter Baumwurzeln einen Bruch. In Phitsanulok konnte man angeblich das Leiden weder diagnostizieren noch behandeln.
Er befürchtete, er leide an einer tödlichen Krebsgeschwulst. Seine Freundin hingegen sprach, sie wollte von Dicks Kenntnissen profitieren und lernen, um später einen Salon zu eröffnen. Ihr Dorf verfügte über keine Einrichtungen zur Kapitalverschleuderung zwecks Pflege von Runzeln, Krähenfüssen, erwünschter und unerwünschter Haare. Der hinterste Fleck Hinterindiens benötigt heute Blondinen. Für Thailand eine großartige Erfindung: Die Haarfarbe läßt sich der Intelligenz anpassen.

Am 14. Dezember 2011 verschärfte sich die Situation um Mutter. Wir frevelten, folgten einer Einladung zum Mittagessen und sahen uns bei Anbruch der Dunkelheit nach Wein und Weihnachtsgebäck um.
Wir kehrten gegen zwanzig Uhr zurück.Dick betreute ausnahmsweise eine Kundin, welche einen Langstreckenflug vor sich hatte und ihren vermissten Gatten nach der Ankunft beglücken wollte.
Mutter litt. Harte Schicksalsschläge, andauernde Entbehrungen und fortgesetzter Liebesentzug verdarben ihr den ganzen Tag. Zusätzlich war sie besonderem Hochdruck ausgesetzt. Einer ihrer allesamt nichtsnutzigen Söhne telefonierte, er benötigte dringend vierzigtausend Baht. Anlässlich oder nach Onkels Kremation versetzte die Alte eine viertel Million Baht, Leistungen einer Lebensversicherung für ihren verstorbenen Mann. Es entging ihr, wenigstens einen Teil unserer Aufwendungen für Spital und Kremation zu vergüten.
Nun versuchte sie hemmungslos, für ihren bedürftigen Sohn, Zaster bei Dicks Kindern einzutreiben. Der Hundezüchter sollte umgehend seine Hunde in Kohle verwandeln – nicht verbrennen, sondern verkaufen!
Der Verletzte Enkel wurde aufgefordert, sein praktisch neues Moped zu versetzen. Dick war nicht bereit, den Tunichtgut zu subventionieren. Sie kannte die Summen, welche sich stillschweigend, wie Pfützen bei Sonneneinstrahlung, verflüchtigten. Söhnchen rief nur bei finanziellen Engpässen an. Das heißt, er bettelte dauernd!
Dick kümmerte sich nur um ihre Kundin. Sie ließ ihre Mutter über die herzlose Saubande in Lan Na Land wettern, wüten und toben.

Die Alte wollte nach dem finanziellen Desaster unverzüglich nach Hause, Distanz vierhundertfünfzig Kilometer. Warten bis am nächsten Morgen war unmöglich und ausgeschlossen. Sie forderte beide Enkel auf, sie gleich zu fahren. Die Jungen reagierten nicht. Sie packte Zeug. Sie machte sich in der Finsternis ohne jegliche Verabschiedung mit außerordentlicher Bagage zu Fuß auf den Weg. Der Hundezüchter sah sie und fuhr mit ihr in die kalte Nacht hinaus.

Am Tag darauf wollte Dick die Waschmaschine benutzen. Sie bemerkte, Mütterlein liess als Not-Proviant an die zehn Kilogramm Waschpulver, einige Flaschen Speiseöl und sämtliche Vorräte an Kaffee und Ovomaltine mitlaufen. Einige antike Bronzeschalen aus Laos verschwanden ebenfalls. Das Herz hätte die elende Schlepperei wahrscheinlich nicht lange mitgemacht. Für mich war sie gestorben.Amp Zuvor fehlten, nach einem Kurzbesuch des sich in permanenten Geldnöten befindlichen schmierigen Charakters, Verbindungskabel der akustischen Hintergrundberieselung des Salons. Die voluminösen Elektronik-Einheiten und Lautsprecher ließ er dank fehlender Transportmöglichkeiten stehen.
Mit derben Verlusten muss in Hinterindien jederzeit gerechnet werden. Dennoch war dieser Abgang meine beglückende Weihnachtsbescherung.

Quellen:
Thailand TIP Forum
Mein Tagebuch, Geschichten aus Hinterindien
#1784 am: 19. März 2012 Schöne Bescherungen in Hinterindien
#1685 am: 29. November 2011 Kein Verlass in Hinterindien

Shao Xing Reis-Wein

Shàoxīn, 紹興, ist eine Stadt mit 650‘000 Einwohnern in der chinesischen Provinz Zhejiang. Gegründet vor 2500 Jahren, wird die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen von malerischen Kanälen und Gewässern mit regem Bootsverkehr durchzogen. Sehr beliebt ist der Ostsee (东湖), eigentlich ein Fluss, einseitig von spektakulären Felsen begrenzt.
Shao Xing hat im Gegensatz zu Peking nicht nur saubere Luft, sondern Shao Xing ist neben dem japanischen Sake der bekannteste und beste chinesische Reiswein. Der auffällige Kontrast zu den japanischen Produkten ist die gelbliche Farbe. Es gibt Weine, welche den Ton einer leichten Soja Sauce annehmen.
Der typische Geschmack ist stark, im Vergleich mit delikatem Sake – fast aufdringlich.
Westliche Kochbücher schlagen oft vor, Shao Xing durch Sherry zu ersetzen. Der Unterschied ist frappant, ähnlich wie Himbeersirup und Apfelessig – ich empfinde es jedenfalls so.ShaoXing 花雕酒 huadiaojiu, Wine with added rice wine in jar, engraved with flower, Semi-dry wine, Sugar 5–30 g/l, 16 %, Zhejiang Guyuelongshan Shaoxing Wine Co, Low’s living museum.

Reiswein wird nicht nur zum Kochen verwendet. Er dient als Trägersubstanz für klassische chinesische Medizin und ist gleichzeitig ein populäres Getränk. Als traditionelle Trinkgefässe dienen Reisschalen. Da sollte man bei fünfzehn Prozent Alkohol eine gewisse Selbstdisziplin ausüben.
Über den Genuss von Reiswein schrieb Deh-Ta Hsiung * (S. 229): Reiswein ist ein Tischwein, den man zu Mahlzeiten trinkt. Er wird immer lauwarm in kleinen Porzellanschalen gereicht.
Ein Hersteller von Qualitäts-Reiswein empfiehlt dagegen, das Getränk in kalten Wintern auf 40 °C zu erwärmen. Im heissen Sommer liege die ideale Trinktemperatur bei 3 °C. (1)

Die ‘Shao Xing Yellow Wine Group‘ produziert jährlich 110’000 Tonnen Reiswein.
Die Lagerhallen erstrecken sich auf 200‘000 m2.
Andere prominente Erzeuger von Shaoxing Wein sind:
Zhejiang Gu Yue Long Shan Shaoxing Wine Co., Ltd. (古越龍山) Shaoxing, Zhejiang,
Di ju tang 帝聚堂,
Kuai ji Shan,
Tu Shao Jiu 土绍酒.

(*)Deh-Ta Hsiung: «Die chinesische Küche. 200 Originalrezepte aus dem Reich der Mitte». Wilhelm Heyne Verlag, München, 2001.
«The Chinese Kitchen. A Book of Essential Ingredients with over 200 Authentic Recipes». Kyle Cathie, London: 1999].

(1) http://www.shaoxingwine.com.cn/en/drink.html

Die Fortsetzung mit Rezepten folgt am 17.November

Hammer-Wettbewerb

Wenig Hammer-Wettbewerb begeisterten Leserinnen und Lesern, sowie geborenen Widerstands-Muffeln,* oder Ohm-Allergikern, verspreche ich: der nächste Beitrag wird einfachster kulinarischer, fernöstlicher Koch-Kunst gewidmet. Titel: Shao Xing

Einige eifrige Leser befassten sich mit der Lösung des Widerstand-Problems. Eigentlich wollte ich mit dem Bild bloss zeigen, wie ich den Denkapparat eines Thai Jungen zu elektrisieren versuche, ohne ihn hundertmal schreiben zu lassen: U=R*I. (E=R*I)Würfel Kopftraining: Jeder Widerstand hat 100 Ohm. Gesamtwiderstand?

Nachdem bisher keine richtige Antwort eintraf, möchte ich das durch Kommentare ausgelöste Gedankenspiel durch Preise aufwerten.
Ein Teilnehmer aus dem Raum D A CH erhält für die erste richtige Lösung eine Flasche Wein aus dem Hause

Vin d’oeuvre
Isabella & Stéphane Kellenberger
Gintig 4
3953 Leuk Stadt
Schweiz
http://www.vindoeuvre.ch

Der Wein, nach Wahl weiss oder rot, würde durch die Post zugestellt. Auf Wunsch könnte die Flasche bei Vin d’oeuvre nach Anmeldung abgeholt werden.

Im Raum Hinterindien kann ich wegen hoher Portokosten und eventueller Einfuhrbeschränkungen leider keinen Wein anbieten.
Dafür gibt es für die erste richtige Lösung aus den Ländern
Malaysia, Singapur und Thailand
je ein Taschenbuch
: “Geschichten aus Hinterindien“,
oder einen Beutel „Hunglay Curry Paste“ von Lobo.

Zuschriften sind aus allen Ländern und Kontinenten willkommen!

Anleitungen zur Lösung:
Wenn zwei gleiche Widerstände R in Serie liegen, das heisst hinter einander geschaltet sind, verdoppelt sich der Wert. (Aufsatz: Der Hammer, http://wp.me/p2ljyL-1aV)
Wenn zwei gleiche Widerstände R parallel geschaltet sind, halbiert sich der Wert.
http://www.elektrotechnik-fachwissen.de/grundlagen/parallelschaltung-widerstand.php

Lösungen, welche nach dem 15. November 2013 eintreffen, werden für die Preise nicht mehr berücksichtigt.
(*) http://de.wikipedia.org/wiki/Muffel_(Person)

Von Schreimaschinen und vom Schreiben

Unter dem Titel “Sinnlichkeit und Würde“ grübelte sich Herr Stv. Chef-Redaktor Marti, mit von Tablets geschädigten Fingern, einen letzten Rest Schmalz aus dem Hirn und schrieb: (1)
Die rasante Verbreitung von Tablets befreit die Menschheit endlich von der Knechtschaft durch Maus und Tastatur.
Einige Kommentare dazu:
„Sinnlichkeit und Würde“? Eher schmierige Benutzeroberfläche…
“Wenn man produktiv arbeiten will, kommt man nach wie vor nicht um einen PC herum.“
“Ich fühle viel eher eine Befreiung wenn ich nach längerer Benutzung des Tablets wieder an einem richtigen Computer arbeite – mit Maus und Tastatur.“

In Hinterindien sind Tablets nichts anderes als teure technische Spielzeuge. Jegliche ernsthafte Nutzung entfällt. Eigentümer fotografieren fleissig. Die Fotos auf Datenträgern speichern oder als Mail versenden, überfordert sie.
Vor wenigen Tagen sassen im Schankbetrieb zwei herausgeputzte, strahlende, junge Frauen neben einer Flasche Wein . Ob es Jungfrauen waren, soll hier nicht diskutiert werden. Sie kauften sich, neben Frisuren, Schuhen, und modischer Kleidung – neue Tablets. Weil sie noch nichts anderes damit anfangen konnten, benutzten sie ihre High-Tech Geräte als – Schminkspiegel!

Mit alten, ausgeleierten, teils gefühllosen oder schmerzenden Fingern und Gelenken, ist es eine Qual, Bildschirme als Eingabegeräte zu nutzen. Kürzlich dachte ich, das Global Positioning System, GPS, sei defekt. Es wäre ja kein Wunder, wenn Elektronik bei tropischen Temperaturen hinter Glas im Fahrzeug nicht überlebt. – Nein, meine grobschlächtigen Finger waren am falschen Ort. Das Gerät funktionierte.

Trotz der Möglichkeit von Spracheingabe, ziehe ich Handarbeit auf einer grossen Tastatur vor. Ein Problem ist, ich spreche schneller als ich denken kann. Dabei ist meine Sprechgeschwindigkeit rein herkunftsbedingt – als Berner – eher langsam und bedächtig. Einer meiner ersten Schulberichte enthielt den Vermerk: „Spricht langsam und schwerfällig!“ Die Synchronisation von Hirn und Maul klappte nie. Wesentliche Fortschritte im Laufe der Jahre bemerkte ich nicht.

Von der Sprache her, bin ich in LanNa Land am falschen Platz. Hier schnattern die Menschen – nicht einmal leichtsinnig, sondern komplett sinnbefreit – schnell drauf los, ohne je das Hirn zu benutzen.
Nach zwei Minuten erinnern sie sich an nichts mehr, was sie erzählten. Deshalb gibt es keine Lügen. Für ihre Handlungen und Taten sind sie nicht verantwortlich. Man funktioniert einfach gedankenlos: sei es Arbeit, Nahrungsaufnahme, Versäuberung oder Geschlechtsverkehr.
Toilet BadOrchidee
Diese autonomen, automatisierten Abläufe fördern das hinterindische Multitasking, die gleichzeitige Ausübung mehrerer Tätigkeiten – nicht nur im Strassenverkehr. Man kann während der Verrichtung der Notdurft zusätzlich essen, trinken, telefonieren, rauchen und onanieren. Bananen, Rüben und Gurken verirren sich gelegentlich in eher unübliche Körperöffnungen. Ist der Griff zu landwirtschaftlichen Produkten durch das Dildo-Verbot in Thailand begründet?
Telefone verbinden sich plumpsender Weise selbsttätig mit Fäkalien. (2, 3,4) Eine Arbeit darüber – aus den USA zeigte: Über 90 Prozent der Menschen mit Geburtsdatum ab 1982 bringen das Handy zu ihren vertraulichsten Sitzungen. Immerhin 60 Prozent schreiben damit. 19 Prozent lassen ihr unentbehrliches Kommunikationsmittel ins Klo fallen. In Japan witterte man eine Marktlücke: Ingenieure konstruierten wasserdichte Smartphones für unheilbare Triebtäter(innen). (5)

Warum Schreimaschinen? Eigentlich schrieb ich Schreibmaschinen. Aber diese Kommunikationsinstrumente werden von Menschen in meiner Umgebung vorwiegend zur Wiedergabe von Filmen benutzt. Dialoge in Porno, Horror, und Kriegsfilmen reduzieren sich auf Schreie. Der zweite Grund ist, die Leute erliegen den Verlockungen des ungebremsten Konsums und suchen ständig nach dem letzten Schrei der Technik.

Schluss folgt.

(1) http://www.derbund.ch/digital/mobil/Sinnlichkeit-und-Wuerde/story/15260612
(2) http://www.beobachter.ch/geld-sicherheit/versicherungen/artikel/versicherung_handy-im-wc-orange-will-nicht-zahlen/
(3) http://de.wikihow.com/Ein-nasses-Handy-retten
(4) http://www.viralblog.com/mobile-and-apps/toilet-talk-cell-phone-usage-in-restrooms/
(5) http://wp.me/p2ljyL-O1